Parkbankgeschichte: Nachdenksaiten

„Lange Bank hier.“

»Stimmt. Eine lange, harte Bank.«

„Gestatten, mich neben Sie auf dieser langen Bank zu schieben?“

»Tun Sie sich keinen Zwang an.«

„Danke.“

»Auch gerade von der Demo gekommen?«

„Ich sag Ihnen, früher war das nicht so.“

»Früher?«

„Das mit den Demos.“

»Warum?«

„300 Leute, 500 Polizisten.“

»Macht 800 Demoteilnehmer. 100 mehr als beim letzten Mal. Fast ne vierstellige Zahl.«

„Als alles begann, waren wir nur 10.“

»Demoteilnehmer?«

„Demonstranten.“

»Bagida?«

„Auch. Den Menschen hier im Lande muss einfach mal ins Gedächtnis gerufen werden, wo sie leben.“

»Ja, man muss sie aufwecken, damit sie zucken. Kindern erzählt man Geschichten zum Einschlafen – Erwachsenen, damit sie aufwachen.«

„Jorge Bucay.“

»Genau Bucay. Geschichten helfen, sich dem eigenen Bewusstsein bewusst zu werden.«

„Eben. Bill Gates, Big Data, The Great Reset, Atlantikbrücke, Corona-Diktatur, Merkel, Söder, Drosten, Impfpflicht, Mainstream und so weiter. Ohne all den dazu erzählten Geschichten würden die Menschen doch gar nicht aufwachen und überhaupt etwas zu unternehmen. Die sollen ruhig mal etwas nachdenken.“

»Nachdenken ist immer gut.«

„Aber nicht zu viel. Denn zu viel Nachdenken ist nicht gesund. Ist kontraproduktiv.“

»Okay, dann ist es besser, das Ganze outzusourcen. Statt nachdenken, zu denken geben. Das ist produktiver. In anderen Ländern werden von den Menschen Positionen überdacht, in Deutschland bislang nur Fußballstadien.«

„Machen Sie mal keine satirischen Bemerkungen, mein Bester!“

»Hm?«

„Satire muss immer gegen die da oben gehen. Ansonsten ist es keine Satire mehr. Wer seinesgleichen undifferenziert mit Satire kritisiert, der hat die Satire an sich nicht verstanden. Satire verwenden, darf nicht jeder.“

»Eh klar. Sowas ist wohl eher reaktionär, schlechter Geschmack und hohlköpfig.«

„Falsche Verwendung macht die scharfe Klinge der Satire gegenüber die da oben stumpf!“

»Im Grunde sind all die Verschwörungstheorien nichts anderes als Satire, welche die da oben nicht verstehen.«

„Jetzt machen Sie mich aber traurig.“

»Etwa nicht?«

„Es gibt keine Verschwörungstheorien. Das ist alles Realität. Das Wort ‚Verschwörungstheorie‘ wird doch von denen da oben benutzt, um uns hier unten zu diskreditieren. Immer. Das FBI hatte damals in den 60ern das Wort geprägt, um damit gegen Kritiker der USA vorzugehen.“

»Wenn ich so drüber nachdenke, dann sind somit Verschwörungstheorien der da oben das Pendant zu der Satire von uns hier unten … «

„Tja, ich sagte Ihnen doch, nachdenken ist zwar hilfreich, aber zu viel des Nachdenkens ist schädlich.“

»Echt?«

„Hören Sie einfach auf damit. Denn freilich gibt es Verschwörungstheorien von Leuten, ähnlich wie wir sie sind. Aber die Erzähler solcher Verschwörungstheorien sind immer diejenigen, die noch pennen und  nicht aufgewacht sind, die die wirklichen Zusammenhänge noch nicht verstanden haben. Diese ewigen Gutmenschen, diese Versifften. Verstehen Sie?“

»Ihr Nachdenken bringt ganz neue Saitentöne hervor.«

„Das ist auch gut so. Neue Seiten beim Nachdenken sind okay, Nachdenkseiten haben noch niemals geschadet. Und wichtig zu begreifen ist, wenn nicht irgendwer für euch vor denkt, wer würde euch denn dann zum Nachdenken bringen? Diese unproduktiven „Ich denke, also bin ich„-Vollspacken braucht niemand. Die sind nur überflüssiger Ballast für das eigentliche Denken.“

»Noch mal zum Mitdenken, … «

„Falsch! Mitdenken geht gar nicht, tun nur Mitläufer! Wir brauchen keine Mitdenker in unserer Bewegung, sondern Nachdenker.“

»Und wer übernimmt dann die Vordenker-Rolle?«

„Das sollte man nur wenigen, dazu Qualifizierten, überlassen. Es sind ganz spezielle Fähigkeiten erforderlich. Dafür gibt es ganz harte Kriterien.“

»Zum Beispiel?«

„Dass solch ein Mensch sowohl zwischen Satire, wie Verschwörungstheorien, als auch Mainstream sauber unterscheiden kann.“

»Also muss er wissen, worüber er lachen kann?«

„Darf, mein Bester, darf. Nutzloses Lachen ist reiner Hedonismus, eine zügellose Art der zweckfreien Onanie. Geht gar nicht. Geht fast schon in miesen Narzissmus über. Das wahre Lachen ergibt sich nur aus der Erkenntnis eines richtigen Nachdenkens.“

»Ich dachte, Vordenken sei das wichtige?«

„Oh Mann, Sie müssen auch mal mitdenken! Nachdenken spielt beim Vordenken eine wichtige Rolle.“

»Aber wenn jemand nachdenkt, dann kann er doch nicht vordenken.«

„Ich seh schon, Sie können noch nicht mal mitdenken. Also überlassen Sie das Denken mal denjenigen, für denen das nicht so kompliziert ist. Die wissen, was sie denken.“

»Und ich soll deren Vordenken ohne Nachdenken übernehmen. Weil diese Vordenker-Gedanken eh bereits Produkt von Nachdenken-Gedanken sind, welche aus dem Vordenken resultieren und nicht aus einem Mitdenken. Wobei Denken zudem an sich anderen überlassen werden soll, die mehr Erfahrung beim Denken haben? Eh klar. Nur, wie soll dann das mit dem mitdenkenden, vordenkenden nachdenkenden Mitlaufen klappen?«

„Oje, das überfordert Ihr Denken. Sie sind noch in der Gedanken-Diktatur des Mainstreams gefangen. Kein Wunder, dass niemand erkennt, dass wir in einer Corona-Diktatur leben. Sie sind offensichtlich nicht anders als all diejenigen darin gefangen, denen man bedrohliche panikmachende Geschichten wie Impfbedrohungen und so erzählen muss, damit sie endlich mal aufwachen.“

»Zum Nachdenken?«

„Herrgottnochmalundwiezugenähtmussmanhirnlichsein, nein! Zum unabhängigen Mitdenken! Kapieren Sie das doch mal!“

»Ja doch.«

„Ach ja?“

»Ja. Kapiert von Anfang an. Durch die Bank.«

„Von Anfang an? Dann wiederholen Sie mal.“

»Lange Bank hier.«

Es ist, als ob Engelein singen, wieder von Frieden und Freud’

»Hallo, Careca am Apparat.«

»Opa? Opa, ich bin’s. Wie geht’s? Der Jörg!«

»Jörg! Wie geht’s dir? Lange nicht mehr von dir gehört.«

»Aber Opa, ich hatte dir doch erst im Oktober zum 83. Geburtstag gratuliert. Und dir ein Ständchen gesungen. Hast du das vergessen?«

»Nein, nein, mein Jörg, das habe ich nicht vergessen. Ich erinnere mich gern dran. Aber sonst meldest du dich auch so selten.«

»Ja, da hast du Recht, Opa, das ist mir auch aufgefallen. Seitdem Papa gestorben ist, du weißt, das bedrückt mich noch immer, der Verkehrsunfall. Einfach so. Von gestern auf heute.«

»Ja, mir wird’s noch immer schwer ums Herz, wenn ich dran denke, dass mein Sohn vor mir, von uns gegangen ist.«

»Ja, Opa. Er war schließlich mein Vater, nicht wahr. Auch wenn es bereits dreizehn Jahre her ist. Ich denke noch häufig an ihn. Ihr beide ward ja fast immer unzertrennlich. Drum dachte ich, ich meld’ mich mal.«

»Das ist lieb. Wie geht es dir?«

»Gut. Und dir?«

»Ach ja, ist hier ein wenig einsam im Altersheim in der Isolation, ohne Besuche wegen dieser Krankheit.«

»Ja, ja, das ist schlimm. Hoffentlich ist das alles bald vorbei.«

»Ja, hoffe ich auch.«

»Habt ihr schon mitgeteilt, wann ihr dort alle geimpft werdet? Stehst du schon auf der Impfliste?«

»Seit gestern. Nach Weihnachten soll es losgehen. Ich stehe auf Platz 19 der Impfliste.«

»Das ist schön, Opa. Du mit deinen 83 Jahren. Voll cool. Übrigens, ich habe gehört, dass die ganze Kacke bei jüngeren Männern als Langzeitfolge zu erektiler Dysfunktion führen kann. Haste schon gehört? Ganz schlimm. Wirklich schlimm. Total uncool.«

»Zu was? Erektiler Dysfunktion?«

»Du weißt, das ist das, wozu man nachher Cialis, Sildenafil, Levitra, Avana, Dapoxetine, Viagra und so weiter für teures Geld schlucken muss, damit nachher man als Mann ein Mann sein kann. Die Krankheit macht schlapp, weißte.«

»Echt?«

»Ja, hamse herausgefunden. Opa, ich werd’ im Februar doch erst 33, voll jung,ey. Ich will nicht wegen dieser uncoolen Kack-Krankheit von einer Sahneschnitte von Frau wegen eines Hängers im Bett gekreuzigt werden. Das wäre voll schlimm.«

»Hm. Schön wäre sowas nicht, aber …«

»Opa, heute will die Gesellschaft, dass Männer ihren Mann stehen. Ein Lappen will doch niemand. Noch nicht mal im Bett. Opa, kannst du mir deinen Impfplatz nicht einfach überlassen? Die Großeltern meiner Freunde werden das auch machen, haben die zugesagt. Ich mein, du wirst ja wohl eh kaum Sex im Altersheim haben, und ich bin doch recht jung, nicht wahr. Dann wäre ich gegen diese Kack-Langzeitfolge ‘Erektile Dysfunktion’ immun und ich könnte mich voll für die Gesellschaft einbringen. Niemand will einen Schlappschwanz, einen Lappen als Mann.«

»Also, hier hat es öfters regen Sexualverkehr …«

»Opa, echt jetzt? Das ist ja voll eklig. Außerdem kannst du eh nicht so oft wie ich. Also, wenn das in Ordnung geht und ich deinen Impfplatz bekomme, dann schicke ich dir auch ein Weihnachtsgeschenk, ein richtig dolles, da wird dich jeder drum beneiden: Ein Ipad5, dann können wir auch mal wieder so facetimen und du kannst auch privat im Internet per Apple surfen.«

»Face … was? Hm.«

»Du bist einverstanden, Opa? Danke! Ich bin ja so stolz auf dich! Ich schick dir das Geschenk per Paketdienst zu Weihnachten. Dann facetimen wir, wie wir das nachher machen, so mit deinen Impfplatz mir überlassen und so. Frohes Fest dir auch! Dicke Umarmung!«

»Jörg? Ich möchte, … Jörg? Hm. Aufgelegt. Super! Wahnsinn! Mein Enkel hat mich endlich mal wieder angerufen! Wow!«

Das jüngste Gesicht (Notizen aus der Provinz)

  • Op Schalke ham se nen neuen Trainer. Ohne fiel Federlesen wurde der braunhaarige, junge Mann durch einen beinahe weißhaarigen, alten Mann ersetzt. Dem “Welttrainer” Jürgen Klopp setzt Schalke jetzt den “Jahrhunderttrainer op Schalke” entgegen, Hub Stevens. Der Fußballnachbar aus Dortmund ging eine Woche zuvor den anderen Weg: einen grauhaarigen, alten Mann raus; einen straßenköterblonden, jungen Mann rein. Aber eigentlich hätte Dortmund ja gerne den “Welttrainer” Klopp gerne zurück, das beste aus zwei haarigen Welten: weißbärtig, straßenköterblond und Mid-Ager.
  • Die Regensburger Domspatzen werden an Weihnachten nicht im Regensburger Dom singen. Vielleicht wird eine Leinwand aufgespannt und jeder einzelne Domspatz pfeift von deren eigenen Dächern mittels “ZOOM” oder “TEAMS” oder so per Live-Schalte in den hygienisierten Dom und seine sozial distanzierten Gläubigen. Die mitternächtlichen Christmetten sollen übrigens schon um 19:00 starten. Somit wird manifestiert, was schon eh jeder wusste: in der Kirche gehen die Uhren anders als bei den anderen Menschen.
  • Im Online-Portal der Münchner TZ las ich folgenden Satz über den Münchner Marienplatz:
  • image(Screenshot tz.de am 18-Dez-2020: ”[…] Bis 1972 konnte man sogar noch mit dem Auto über den Platz fahren. Hier zu sehen auf einer Aufnahme um 1958.”)

    Auf einer Aufnahme von 1958 ist 1972 bereits zu sehen. Könnte mal schauen, ob wer auf einer Aufnahme von 2006 den leeren Marienplatz vom Lockdown 2020 sieht? Irgendwelche Fotos von 2020 mit Voraussagen zu 2034?

  • Ein neues Gesicht findet sich in einen der TATORT-Reihen wieder. Eigentlich ein altes Gesicht, aber ein neues als Wiedergänger. Spannend. Aber nicht wirklich neues für die Christenheit. Die hat sich in jährlichen Übungen daran in den letzten 2000 Jahre trainiert und wird den Neujahrs-TATORT gelangweilt anschauen. Nach Angabe von jüngeren Menschen schauen sich die TATORT-Sendungen eh nur die grauhaarigen, alte Menschen an, weil der Begriff “Tat-Ort” dem der “Tot-Art” nicht unähnlich ist. L’art pour l’art. Die Dracula-Geschichten haben sich auch damals schon immer nur die Älteren erzählt. Die Jüngeren haben dafür um so leidenschaftlicher die “Vampire Diaries” und die “Twilight Saga” studiert. Twen-Ager Geschichte für den leichten Schauer am Rücken unter der Bettdecke bei gezuckertem Popcorn, lauwarmen Glibber-Käse und schweißnassen Händchen.
  • Eine Schneebombe rollt auf Deutschland zu und München mitten drin. So lautet die Prognose mehrerer Nachrichtenkanäle für das Weihnachtsfest. Sollte also Süddeutschland in einer Schneekatastrophe eingeschneit werden, keine Sorge: es herrscht eh tagtägliches Ausgehverbot zwischen 21:00 bis 5:00 Uhr. Und in der Zeit dazwischen braucht jeder Mensch triftige Gründe, um als Schlachtenbummler eine Schneebombe anzuschauen zu dürfen. Die Schneeballschlacht-Vorschau in der prophezeiten Schneebombe gehört nicht zu der kriegerisch daher kommenden Wettervorhersage. Dafür erwarten andere Nachrichtenkanäle einen brutal auftretenden Sturm vor Weihnachten: einen An-Sturm auf die Lebensmittel-Discounter. Das ist nichts Neues. Im Westen. Am 24. Dezember noch einen umfassenden Einkauf zu tätigen, ist immer das erstbeste, nervenaufreibende Erlebnis nach Winteranfang. Gehört auf jede Bucket-Liste. Auch ohne Schneebombe.
  • In München gibt es an die 600 Obdachlose. Viele davon trinken dabei auch noch, oder kuscheln sich in der Kälte unter Münchens Brücken zusammen, während ihres Obdachlosen-Daseins. Von_hintenDas ist bekanntlich sowohl ungesund, als auch teuer. Denn: Verstoß gegen die Ausgangssperre des Nachts (500 Euro), dann noch Alkoholkonsum im Freien (150 Euro) und zu guter Letzt Kontaktverbot (150 Euro). Macht mindestens 300.000 Euro ins Münchner Stadtsäckl. Pro Tag. In solch klammen Corona-Zeiten ist jeder Stadtkämmerer um jeden zusätzlichen Euro dankbar. München auch. In den letzten drei Tagen wurden 49 Fälle des Verstoß gegen die Ausgangssperre registriert. Da scheint also noch ordentlich Luft nach oben. Oder sollte München und seine Ordnungsbeamten jetzt doch ein Herz für Obdachlose haben? Nachdem wegen Corona-Hygiene-Anforderungen die Schlafplätze in den Notunterkünften deutlich reduziert wurden? Wegen social distancing. Da wird einem warm ums Herz. Ich hoffe, meine Sätze über die Strafzahlungen wird nicht von einem Offiziellen gelesen und ernst genommen. Weil von jedem Ding nur der Preis und von keinem der Wert zählt (nach Oscar Wilde). Denn das obige, das schrieb nur die Zyne aus mir raus. Aus der Zyne für die Zyne …

Hundert Jahr

Gabi, Horst, Edgar und seine neue Freundin, die beiden Kleinen, Etienne und … und … verdammt, wie hieß nochmals der Ex von ihr? Und wird er kommen? Was hatte sie mir dazu am Telefon gesagt? Mir fällt sein Namen nicht ein. Als wär ich hundert Jahr.

Die beiden Kleinen. Wegen denen wurde doch alles aufgezogen. Diese kleinen Nervensägen. Nervensägen? Darf ich das denken? Darf ich überhaupt fragen, ob sie es sind? Ich frag doch nur. Der Weihnachtsbaum, der extra wegen den beiden Kindern aufgebaut wurde. Okay, auch wegen Etienne. Die wollte auch einen.

“Wir sollten eh nicht großartig feiern. Lass uns keine Keimzelle der Corona-Viren werden. Wir könnten es dieses Jahr auch mal ruhiger angehen lassen. Also ohne Großfamilie, oder so.”

“Bist du bekloppt? Weihnachten ist der einzigste Ruhepol im Jahr voller Hektik, in der man es zusammen heimelig und gemeinsam besinnlich haben kann. Und du willst den letzten sozialen Anker der Familie zerstören?”

Der einzigste Ruhepol. Diesem gestelzten Empathie-Komparativ war nichts entgegen zu setzen. Und dann noch das Adjektiv sozial. Sozial. Der Mensch dein soziales Wesen. Mit sozialem Abstand. Eins fünfzig. Sozial. Ich hatte es kurz mal versucht, den Abstand nicht sozial zu halten. Das hatte mir gar nicht gefallen. “Du hast es nicht richtig versucht. Du musst dir klar machen, dass dieser soziale Abstand nur Methode der Oberen ist, dich einzuschläfern, dich zum Schlafschaf zu machen. Du musst da nicht mitmachen, erwachen musst du aber erwachen”, erklärte mir auf der Demonstration ein Teilnehmer (ohne Wachturm in der Hand). Erwachen du musst, junger Padawan, so flüsterte es in mir. Ich gab mir dann wirklich Mühe; aber das war nicht meins. Es wurde sogar richtig stressig. Auch wenn ich Lob von jenem Menschen für meine Mühe erhielt. Ich beließ es dann konsequent bei dem sozialen Abstand. Asoziale Nähe ist auch nicht die Lösung. Auch nicht bei Demonstrationen. Dann lieber social distancing zu solchen Mitmenschen.

“Chef, ich brauche dringend morgen einen freien Tag. Dringend.”

“Echt? Willst du vor dem neuen Lockdown noch wohl ein wenig Frischluft schnuppern? Gefällt dir unsere Büroluft nicht mehr?”

“Chef, Weihnachten steht vor der Tür!”

“Und? Du musst jetzt nicht unbedingt noch vor dem Lockdown noch Weihnachtseinkäufe machen. Das hättest du ja auch schon vor Wochen erledigen können, oder?”

“Chef! Woher sollte ich wissen, dass am 24ten Dezember wieder Weihnachten ist?!? Warum hat mir niemand vorher was gesagt?”

“Okay, okay. Aber bring uns keine Andenken in die Firma, okay?!”

Gestern hörte ich noch der mahnenden Worte. Man müsse doch nicht den letzten Tag vor dem Lockdown zu Einkäufen nutzen. Ich atmete tief durch, füllte meine Lungenflügel mit Frischluft. Die Ruhe vor dem Sturm. Für den Sturm vor der Ruhe. Sicherlich werden sich sowieso alle dran halten und nicht rausgehen. Ich meine, ich bin halt so doof und es passiert auch nur mir, dass ich dran erinnert werden muss, wann Weihnachten ist.

Geschenke. Gabi, Horst, Edgar, seine biedere neue Freundin, die beiden kleinen Nervensägen, sexy Etienne und … und … verdammt, wie hieß nochmals der Ex von ihr? Ob er kommt? Ich musste grinsen. In deren Ehe soll er ja nie gekommen sein, hatte Etienne immer danach erklärt. Wie hieß er? Pretox hatte sie zu ihm gesagt? Oder Prätorix? Pretorius? Mir fällt sein Namen einfach nicht ein. Als wär ich hundert Jahr.

“Wie alt sind denn die beiden?”

“Fünf und neun. Ich brauch irgendetwas, was die aufsaugt. Damit die mal nicht vor dem Tablet oder Computer hocken.”

“Oh, das ist schlimm.”

“Ja, deren Mutter hat aber nichts dagegen, dann hat sie ihre Ruhe. Hat meine Mutter auch damals immer gemacht.”

“Echt? Gab es in ihrem Alter überhaupt schon ein Nachmittagsprogramm außer den Telekolleg im Dritten?”

“Naja, meine Familie war nicht so reich. Meine Mutter hatte mich immer auf nem Stuhl vor dem Fenster gesetzt und dann habe ich den Blüten beim Blühen zugeschaut, den Fliegen beim Fliegen und den Vögeln beim … Völlern im Kirschbaum und dem Gras nun mal beim Wachsen. Geschadet hat es mir nicht, wie sie sehen. Ich habe meine Lehren draus gezogen, bin quietschfidel, lebensfroh und kinderlos. Das Leben muss ja nicht immer von Leid durchzogen sein, nicht wahr.”

Sie zeigte mir eine Art Blasebalg. Wenn man drauf hüpft, fliegt eine Gummirakete gen Decke. Also fast so schön wie ein Atomkraftwerk zum Selberbasteln. Nur halb so spannend.

“Das hält ihre Nervensägen bei Trapp und macht sie müde. Also elternfreundlich.”

“Echt? Ich dachte, es müsste fiepen, tröten und krachen, damit mich die Eltern in deren nächtliches Hassgebet mit einschließen.”

“Sie sind mir sympathisch. Wir sollten uns mal treffen.”

“Nein, keine Zeit, ich streiche bald meine vier Wände und schaue dann der Farbe beim Trocknen zu. Das erweckt Kindheitserinnerungen bei mir, Sie verstehen?”

Über meiner Schulter hängt mein Stadtrucksack, an meiner linke Hand zieht schmerzhaft eine Tüte und mit der rechten Hand versuche ich mir einen Weg durch die Menge zu schaufeln. Warum hat keiner dieser Vollspacken einen Fernseher zu Hause? Hat da nicht wer ganz klipp und klar und deutlich gesagt, man solle Rücksicht auf andere nehmen und zu Hause bleiben? Unsäglich, diese Massen von Querdenker! Rücksicht auf andere nehmen, das liegt denen nicht. Und wer sind diese anderen? Ich nun mal! Denn ich bin nicht wie die anderen, also bin ich ich! Einer der arbeitenden Bevölkerung, die sich mit Müh und Not beim Chef einen freien Tag nimmt, um in Ruhe seine Weihnachtseinkäufe zu erledigen. Und was machen die anderen? Warum wollen die mir alle beim Einkaufen zuschauen, diese Vollspacken? Haben wir denn nicht schon genug Covid-19-Infizierte, Erkrankte, Tote und sonstige Querdenker? Himmel. Vor hundert Jahr hätt’s das nicht gegeben! Hundert Jahr.

So langsam werde ich ungemütlich. Ich muss schließlich an meine Nächsten denken, statt wie an mich selbst. Da gibt es wichtigere Personen. Gabi, Horst, Edgar, seine ranzige Neu-Partnerin, die beiden nervenden Nervensägen, sexy Etienne und … und … Präkoxius? Prä … ach, quatsch. Predrag. Stimmt. Serbe mit serbischen Vornamen, den er damals als Baby in Serbien auf serbisch von seinen serbischen Eltern erhalten hatte. Der war eigentlich okay, aber ansonsten immer der viel zu nette. Immer freundlich, immer lächelnd. Keiner dieser schwarmdementen Spießer. Kein der Pharisäer, die gern drauf pochen, scheinheiliges Weihwasser zu pissen, um zu betonen, dass das die anderen nicht könnten. Keiner dieser, die die Wörter “Narrativ” und “Framing” mit Weihrauch und Talaren umgarnen, damit derer Zuhörer in unverständiger Bewunderung verharren und leichter zu verführen sind. Keiner dieser Denker neuer Quergeschäftsmodelle, um auf querdenkender Weise sich über Schenkungen Geld einzuverleiben, um sich dann jammernd auf hohem Niveau als unverstandener Heilsbringer bei der Mehrheit zu gerieren. Wohlbeleibt wie ein Buddha auf einem ohen Anstrengung bei anderen eingesammelten Batzen Geld. Money for nothing. Geld horten, wo es nur geht. Auf das eigene Konto. So wie schon vor hundert Jahren auch. Hundert Jahr.

“Darf ich Ihnen eine Parfümprobe geben?”

“Hm?”

“Der brandneue Volksduft. Riecht nach Blut, Schweiß und Tränen.”

“Wie riecht denn das? Mit Blut, Schweiß und Tränen kenn ich mich nicht so aus, verstehen Sie.”

“Ja, verstehe ich vollkommen. Aber das heißt ja nicht, dass man es nicht kennenlernen kann, nicht wahr. Zum Drangewöhnen. Ist ganz groß im Kommen.”

“Echt jetzt?”

“Echt. Besonders bei Männern.”

“Im Kommen? Oder beim Kommen?”

“Schnuppern Sie doch einfach mal. Der neue Zeitgeist. Frauen finden den Duft auch sexy. Riecht nach Tod. Und der Tod ist das beste Aphrodisiakum ever.”

“Hm. Riecht irgendwie nach nichts, aber jetzt, jetzt geht der monstermäßig ab.”

“Richtig. The familiar calm before the storm. You know.”

“Nö.”

“Der letzte Schrei vor der Ruhe vorm Sturm. Sozusagen die Ernte vom zuvor gesäten Wind.”

“Kostet?”

“So viel wie hundert Jahr zuvor auch. Lediglich den Verstand.”

“Okay, nehm ich.”

Der Platz in der U-Bahn ist eng bemessen. Ich blicke auf meine Füße. Wenn ich etwas in der Schule gelernt hatte, dann das auf-die-eigenen-Schuhe-Blicken. Hausaufgaben nicht gemacht? Vokabeln nicht gelernt? Formel vergessen? Wenn der Lehrer forschend in die Runde der Schülerschaft schaute und sich sein Opfer suchte, blickten nur die Streber den Lehrer erwartungsfroh an. Alle anderen blickten dann nur auf ihre Schuhe. Um unsichtbar zu werden. Um nicht aufgerufen zu werden. So sitze ich nun denn in der U-Bahn, schaue auf meine Schuhe und hoffe so dem Corona-Virus zwischen all den vielen Leuten um mich herum zu entkommen. Einfach nicht aufschauen. So wie vor zweimal hundert Tag, als der erste Lockdown auslief. Nicht hundert Jahr, nur zwei Hundert Tag.

Morgen startet der nächste Lockdown. Dann sind nur noch Lebensmittelgeschäfte geöffnet. Weihnachtseinkäufe gehen dann nur noch per Internet. Nur dass die Paketdienstleister dann die Pakete nicht mehr rechtzeitig ausliefern werden. Gut ist, dass mein Weinfachhändler geöffnet haben wird. Für Nachschub ist bei mir also gesorgt, den neuen Lockdown wein-seelig zu überstehen. Allein, die Dauer des neuerlichen Lockdowns ist zwar angekündigt, wird aber sicherlich nicht am 10. Januar enden. Das wird uns das Virus nicht gönnen. Dem ist es sowieso egal, welches Datum unsere Kalender anzeigen.

Vor Hundert Jahr endete eine Pandemie erst nach ihrer dritten Welle. Kurz darauf folgte jener Pandemie eine andere Epidemie, die sich zur Pandemie ausweitete. Kein physischer Virus, sondern die Idee einer Minderheit, die sich ungerecht behandelt fühlte und mit Legenden, Verschwörungs- und Verschwurbelungsgeschichten einen viralen Virus in Europa schuf, durch den dann mehrere Millionen Menschen starben. Weil die Menschen zu diesem grassierenden Virus in den Hirnen der Menschen kein social distancing haben wollten, sondern asoziale Nähe zu skrupellose Bauernfängern aufstrebend aus derer Minderheit, die sich an der Mehrheit erfolgreich ranwanzten, alle infizierten und zu begeisterten Tätern werden ließen.

Hundert Jahr.

Hundert Jahr.

War da was?

“Die Ruhe vorm Sturm. Sozusagen die Ernte des zuvor gesäten Windes.”

“Und kostet?”

“So viel wie hundert Jahr zuvor auch. Lediglich den Verstand.”

“Okay, nehm ich. Dann bitte jeweils einmal für Gabi, Horst, Edgar, seine ranzige Schranze, den beiden lieblichen Eltern-Nervensägen, für die Sexbombe Etienne und den impotenten Predrag. Der Weihnachtsgeschenk-Verpackungsservice ist hier doch auch gratis, oder?”

Pro contra Contra. Hart, aber fair?

Es ist mir klar, dass das, was ich schreibe, immer auf der Kante genäht ist. Wahrheit ist immer eine Händewaschung eines Pontius Pilatus entfernt. Mit Trinkwasser. Nicht mit Klowasser. Ist zwar das Gleiche, aber diejenigen in den Dürreregionen werden so etwas eh nie verstehen.

Ein “Pro” zieht immer genügend “Contra” nach sich. Ein “Contra” begibt sich immer in die Sturmfluten eines “Pro”s. Und ein “Pro” war schon immer in den Wellenbergen des “Contra” ein Schiff ohne Kapitän und Sextanten. Von mir als konstruktive Kritik gemeinte Kommentare in diversen Bloggen, würden – weil unbequem und noch mehr unbequem – schon mehrfach als destruktiv und aversiv eingestuft. Weil die Blog-Owner es so lesen wollten, statt zu fragen, wenn sie Zweifel hatten. Entsprechend waren die Konsequenzen. Belegt mit einem Bann schmücken mich zweifelhaft diverse herausragende Blogs. Gefragt wurde nie von deren Schreiberlingen, was ich meinte. Reagiert wurde lediglich auf deren eigene Befindlichkeit.

Nie ist ein “Pro”-Anhänger damit zufrieden, worüber ein “Contra”-Adept sich in Applaus überschlagen würde. Und umgekehrt. Wenn sich ein Schlager-Adept dazu entschließt, hinsichtlich einer Begebenheit eine von anderen als seltsam empfundene Meinung zu vertreten, dann ist das erst einmal nichts ungewöhnliches. Wenn aber dann ein Sponsor eines jenen sich von eben jenen zurückzieht, dann wird gleich mit dem Begriff “Zensur” gekartet. Denn der Sponsor entzieht jenem die Gelder, die jener vorher erhalten sollte. Der Sponsor fühlt sich nicht mehr von jenem vertreten und entzieht ihm dessen finanzielle Zuwendung. Kein gleiches Ziel ergibt keine gleiche Loyalität per zuvor gemeinsam geschlossenen Vertrag.

Wenn sich ein Ehepaar bei deren Heirat auf Treue vereinbart hat und dann einer der beiden Ehe-Unterzeichnenden später diesen Begriff der “Treue” anders interpretiert, dann ist also die neue Interpretation unadaptiert. Und beide können ihre Ansichten über die Divergenz derer Ziele äußern. Nur wenn beide nicht die gleichen Sprachrohre habe, ist das ungerecht? Haben dann beide sich selbst überhaupt gemeinsam verstanden?

Ist es ein Fall für den Begriff “Zensur”, wenn der eine Mensch seine Interpretation von “Leben” und “Treue” erklärt, und der andere Mensch sich auf gesellschaftlich mehrheitliche Konventionen beruft? Wenn der eine sich auf den Begriff “Wandlung” beruft, der andere Mensch sich auf das „Wort “Loyalität” beruft? Und beide damit deren eigenes Verständnis von “Treue” meinen? Und somit die Abweichung als “Untreue” bezeichnen? Und die geäußerte und untersagte Meinung zur Deklaration dieser Abweichung als Zensur bezeichnen? Oder wird da “Zensur” mit “Loyalität” durchgemixt?

Kompliziert? Sicher das. Je nach Standpunkt.

Das Wort “Zensur” ist immer recht leicht verwendet. In Deutschland kennen 13 Millionen Mitbürger die Auswirkungen von Zensur vor 30 Jahren. Die anderen kennen es nur noch vom Hören-Sagen derer Elterns-Eltern. Wenn überhaupt, dann ist das Wort “Zensur” so eine Vokabel, welche nolens volens als Schlagwort der “Rhetoriker für Arme” dient. Also jenen, die es nur als empathische Vokabel inkarniert haben. “Zensur” war bislang immer etwas, was staatlicherseits den Untergebenen zwangshaft verordnet wurde.

Und jetzt ist ein beliebiger Begriff, unterworfen der eigenen Überlegung. Ohne Sinn und Verstand. Aber schlagkräftig.

“Zensur” ist inzwischen der Kampfbegriff der Linken, der Rechten und der Mitte, welche privat geäußerte Ansichten nicht in dem eigenen Kontext einordnen wollen. Geschweige überhaupt darüber nachdenken wollen. Der wohlfeile Anwurf, der andere mache sich der Zensur verdächtig, wirkt wie ein Anwurf eines Hundert-Gerechten gegen einen Betrüger.

Hm? Was? Was habe ich da geschrieben? Dass private Menschen für deren Meinung von privaten Menschen haftbar gemacht werden? Das private Anwürfe gegenüber anderer nicht mehr privat sein sollten? Privat? Was ist privat? Wenn Frau Merkel sagen würde, dass die Demokratie ein Scheißdreck wäre und Steinmeier als Bundespräsi erklären würde, es wäre nur Merkels private Meinung gewesen … geht das?

Geht natürlich nicht. Weil Merkel ist per se politisch. Hätte sie das nicht gewollt, hätte sie auch in den Vorstand von DSDS oder so klettern können.

Nur  allein, wenn ein Schnulzensänger sich – angesichts der Tatsache, dass er sich als öffentliche und bedeutsame Person identifiziert hat – dazu entscheidet, seine Hinterlassenschaften auf dem WC des gelben Boulevards (“Yellow Press”) als wichtige Meinung zu hinterlassen, dann ist das “Pulp”. Und was sich daraus entwickelt: “Pulp Fiction”. Trash as trash can. Quentin Tarantino hat bewiesen, dass selbst “pulp” für Niveau bester Güte herhalten kann.

Soweit so lustig. Niemand kann jemand daran hindern, sich als Hahn zu deklarieren,der jeden Morgen auf dem eigenen Misthaufen der aufgehenden Sonne seine Stimme als Protestnote entgegenkräht. …

( … ich bin mir sicher, dass ich mit diesem Satz garantiert 50% Sympathie derer erhalte, die aufgrund ihres Jobs gezwungen sind, vor dem ersten Jesus-Hahnenschrei aufzustehen, obwohl deren Körper das easy-going-Signal “Relax, don’t do it” erhalten … so etwas nennt man wohl Populismus … oder den Reflex der Natur …)

… Also, niemand kann jemand daran hindern, sich als Hahn zu deklarieren, der dreimal kräht, um all deren Jünger aufzuwecken, nur weil er sagt, er habe die nachdenklichen Seiten beim Sonnenaufgang entdeckt.

Das Symbol des Sonnenaufgangs ist ein gängiges. Wie häufig liest man in den Kommentarspalten des Internets den Ruf, dass die anderen aufwachen sollten, weil sie noch schlafen würden. Der Wache ist das Ideal. Im Gegentum zum Un-Wachen. Also, der Wachturm als das Leuchtfeuer der Sektierer.

Man sei ja bereits mehrere Stunden wach und dieser Waschzustand mache nach all diesen Stunden des Wachens müde. Hm, das hör sich nach dem Credo der Frühaufsteher an. Alterssenilität. Grauhaarige, alte Menschen. Ab in die Gruft, ihr Grufties.

Die Sonne geht unter, die Sonne geht auf. Alle anderen starren nach Osten, um das rotierende Rad des Schicksals zu erblicken. Aus den ersten Sonnenstrahlen wird die Zukunft gelesen und als Wahrheit verkauft. Gegenstimmen dienen als Beleg der eigenen Richtigkeit und der Falschheit der anderen. Nachdenken ist nur noch der Reflex auf Einwände der eigenen Seite bezüglich des Nicht-Nachdenkens.

Ich schaue aus dem Fenster. Wie immer seit dem Lockdown im Frühjahr dieses Jahres. Gestern wurde der Kran abgebaut und somit dessen Leuchtfeuer, welches den Werkern am Morgen halfen zu sehen, wo sie arbeiten mussten. Der Kran ist weg. Die Rohbauten werden gerade verputzt. Seit fast einem viertel Jahr erscheint es, als ob die Bautätigkeiten nur noch mir halben Dampf laufen. Ich muss die Fenster mal wider putzen.

Ich schau nach draußen und beobachte die “90/100000 Einwohner”-Auswirkungen. Ich hoffe, es hat keine Auswirkungen. Freundliche Hoffnung. In meiner Firma hatte ein Mensch einen Covid-19 positiv Test und die ganze Abteilung mit 94 Mitarbeitern wurde herunter gefahren. Berechtigt?

Damals hatte auch jemand ein Testergebnis HIV-positiv und es wurde nicht gleich die ganze Sozialabteilung vom hauseigenen Swinger-Club in Quarantäne geschickt. Obacht: HIV, nicht Cov-19. Ficken, statt küssen.

Ich schaue aus dem Fenster meiner Firma in den Sonnenaufgang. Ein Mitarbeiter erinnert mich daran, dass meine Maske nicht korrekt sitzt. Ich entschuldige mich. Home-Office ist halt nicht meine Möglichkeit. Aber ich lese dann, dass meine aufmerksamtrue Kadavergehorsam sei. Treue. Schon wieder das Wort, wo so viele aufschreien. Aufschreie. Durch die allgemeine Zensur unterdrückt?

Ich verfalle ins Grübeln. Es wird mir klar, dass das, was ich schreibe, immer auf der Kante genäht ist. Hart, aber fair? Keine Ahnung.

Vox Dei! Vox Populi! Im Wok Indiocracy …

Sehr verehrte Gemeinde! Sehr verehrte Versammelten! Sehr geduldeten Ungläubige!

Wir sind hier versammelt, weil wir hier versammelt sind! Jawohl! Und weil wir hier versammelt sind, werde ich die Versammlung nutzen, um zu sammeln. Nein, nicht Geld. Okay, doch auch. Aber vielmehr euer Verständnis, euer geistiges Potential, euer Reaktionsfähigkeit, eure Unaufgeklärtheit. Und willst du nicht mein Bruder sein, der Mensch lebt nicht nur vom Brot allein, es muss halt auch eine Portion Aufklärung sein.

Lasset uns Psalm Nummer Eins von unserer geliebten schwarz-weiß-rot Abteilung von diesem Wochenende lesen, bevor deren Heroen auf den Reichstag zustürmten. Kniet nieder!

So Leute. Wir schreiben heute in Berlin Weltgeschichte. Guckt euch um. Die Polizei hat die Helme abgesetzt.

Verdammt. Helm ab zum Gebet! Das ist mal eine Handlung. Habet Respekt! Auch du mit dem Schild “Corona Rebellen Düsseldorf”! Habe Respekt! Und beuge dein Haupt vor den Polizisten, die deren Helm zum Gebet abgesetzt hatten!

Vor diesem Gebäude steht keine Polizei mehr.

Habet ihr begriffen, ihr Leute, klein im Geiste, groß im Unverständnis und Gates-gechippt im Hirn für die Zukunft? Das Gebäude war herrenlos! Eine Weltgeschichte der offenen Tore! Tore, aller Länder … könnt ihr mit dem Schild “Corona-Diktatur” bitte die schwarz-weiß-rote Flagge mit dem Adler nicht verdecken? Oder wollt ihr hier offensives Reichsflaggen-Shaming betreiben? Nein? Also bitte. Danke.

Und Trump ist in Berlin.

Oh, ihr Gläubigen und ihr Lügenpresse-Resistenten! Weil ihr nachdenken tuet! Donald wart in Berlin. Gelandet mit seiner Airforce Number One, direkt auf dem neuen, noch nicht eröffneten Flughafen BER in Berlin, herabgekommen vom Himmel, seinen Fuße auf jungfräulichen Flughafenboden setzend! Trump in Berlin! Das ist so wie damals die Avengers im Film “The First Avengers” auf dem Flughafen in Leipzig! Da, wo sie für Recht und Ordnung gekämpft haben! Als eben jener heroische Captain America den Bösen gezeigt hatte, wo der Bartel den Most her holt. Wo der Frosch die Locken trägt. Wo Merkel lang nichts mehr zu sagen hat, mit ihrem Mündigen-Shaming. Da, wo der Arm der Lü-hügenpresse nicht mehr seine ausschlagende Hand ausstrecken kann, um alle über den tosenden und todbringenden Mainstream zu ziehen, und das nur, um uns zu shamen.

Die ganze Botschaft ist hermetisch abgeriegelt. Wir haben fast gewonnen, wir haben fast gewonnen.

Und verstehe die Botschaft, wer erlaucht ist, sie zu verstehen möge. Die Botschaft wart hermetisch abgeriegelt. Betreten nur für Auserwählte! Auserwählte! Ja, Brüder und Schwester im Geiste. Veni, vidi, vici. So wie weiland Caesar, der Gaius, der Julius, der Caesar, als jener 1957 vor der Mauer in Berlin stand und historisch rief: “Ich will ein Berliner”. Und wie am Samstag dessen Neffenneffeneffe auch heute wieder sagte, zwischen all den 5G-Warnungen und den Corona-Shaming-Shamern. Okay, geschenkt. Dessen Onkel stand nicht vor der Mauer, damals, das war eigentlich der Ronald, der Regen. Aber uneigentlich sollte auch klar sein, nur Wichtigtuer und Besserwisser mit niederträchtiger history-knowledge-shaming-Intention weisen auf solche Unwichtigkeiten hin!

Wir brauchen Masse. Wir müssen jetzt beweisen, dass wir alle hier sind. Und wir gehen jetzt da drauf und wir holen uns heute, hier, jetzt unser Haus zurück.

Ja! Da spricht unser Meister die wahren Heimatworte. Heim ins Reich. Heim in den Reichstag. Reich ins Heim. Rein in den Heimstag, für Reiche in den Reichstag. Und diesmal exklusiv ohne Antrag auf AfD-MdB-Begleitung. Kein Besucher-Shaming anymore! No, no, no, no! Einfach so! Rein ins alte Haus. Und back to the roots! Und dann noch hinfort mit den sich marginalisiert fühlenden Mehrheiten, die deren Randstellung bis heute nicht verstanden haben. Die Botschaft ist klar und eindeutig! Rauf gehen. Jetzt. Da rauf. Ins Walhalla! Ins Haus! Da hinauf! Aufi muasi! Aufi allesamt!

Wir werden jetzt gleich diese kleinen Dinger brav niederlegen und gehen da hoch.

Brav! Kleine Dinger. Brav! Keine 20 Zentimeter, kleiner Peter-Diskriminierter! Weg mit den Kondomen im Gesicht. Auch für Frauen. Freie Sicht für freie Bürger. Über Weichen, Stock und Sein. Freiheit! Die kleinen Dinger hindern am Nachdenken, wo nachdenken stattfindet: auf Zungen- und bis zur Nasenspitze. Die kleinen Dinger hindern, wer wir sind, wohin wir wollen und mit wem wir marschieren. Wir wollen hoch. Da hoch! Hoch! Hoch! Höher! Noch höher! Hoch hinaus! Kein Nachdenk-Shaming mehr ever …

Äh, moment. Könnt ihr mit Eurer Merkel muss weg-Fahne bitte wieder die schwarz-weiß-rote Flagge mit dem Adler frei geben? Unsere Hundertschaft von Journalisten mit Handystick und Smartphone werden sonst in ihrer Journalistenpflicht der wahren Berichterstattung gehindert. Das sind Journalisten und dürfen nicht behindert werden, weil wir es wollen, weil wir frei sind und Freie-Presse-Shaming respektlos ist! Und wir sind ja hier nicht bei der Mainstream-Lügenpresse wie BILD, Express, Playboy, Happy Weekend oder St.Pauli Report, okay. Die Welt soll erfahren, dass auch wir Smartphone-Techniken nutzbringend und Wahrheit-finderisch einzusetzen verstehen! No Smartphone-Shaming, please, okay!

Und setzen uns friedlich auf die Treppe und zeigen Präsident Trump, dass wir den Weltfrieden wollen. Und das wir die Schnauze gestrichen voll haben.

Wenn der Prophet zu uns kommt, dann haben wir uns in Ehrfurcht vor dem Berg hin zu setzen. Und wir lassen uns die Schnauze sehr gerne mit seinem Wohlwollen fühlen. Bis zum Strich. Eichstrich. Und zwar voll. Es ist für den Weltfrieden. Gestrichen voll. Die Schnauze. Voll. Weltfrieden. Donald, du bist friedlicher als jener Friedennobelpreisträger Obama, der ein Wolf im Wolpertingerschafspelzderivatsubstitut war. Auch wenn ihr es nicht verstanden habt, glaubt mir! Donald steht für den Weltfrieden, Dagobert nicht! Kein Donald-Shaming! Freiheit für Donald und seine Disney-Figuren!

Und nun, knie-het nieder, ihr Leser dieses geheiligten Berlin-2908-Demo-After Maths. Ehrfurcht und memoriert indächtig die folgenden Worte! Donald Trump unser bei Republikaner verhimmelt, dein Name sei geheiligt, dein Seich komme, dein Drohnen-Wille geschehe wie vom Himmel als auch von Erden. Unser tägliches BummBumm-Manna gib uns heute. Und verdirb uns nicht respektlos unsere Schuld, wie wir verderben wollen unsere respektlosen Schuldner. Und versuche uns nicht mit anderer dubioser Weltenführung, sondern erlöse uns von dem Bösen der Anderen. Denn dein ist mein Donald, mein Mantra und dein Fox-TV in Ewigkeit. Gegen alle Lügenpressen. So sei es.

Moment mal! Hallo! Hallo? Könnt ihr in Reihe sechs euch auch bitte niederknieen? Das hat etwas mit Respekt vor Donald und den schwarz-weiß-roten Fahne zu tun. Zeigt Anstand! Das wurde bereits damals so gemacht, nicht wahr, als die Amis uns nicht so wohl gesonnen waren. Oder wollt ihr jetzt ein respektloses knee-shaming-Furor verbreiten? Lauschet der Rednerin vor dem Reichstag derer letzten Worte, bevor der Reichstag erfolgreich gestürmt wurde:

Wir haben gewonneeeeeen.

Jaaa! Aus, aus, aus, das Spiel ist aus! Wie 1954! Wie damals. Als danach alle die erste Strophe des Deutschlandliedes bei der Siegerehrung in Bern sangen. Das war kein Nationalhymnen-Shaming, das war Patriotismus!

Ähm. Hallo? Wo geht ihr hin? Warum bleibt ihr nicht? Wollt ihr den Narrativ der anderen unterstützen? Ihr unterstützt den falschen Narrativ! Den total falschen! Den der Lügenpresse! Hey, hallo, wir sind die wirklichen Sieger der Corona-Krise. Ihr seid es nicht! Wir sind nicht irgendein Randbereich von 40.000 Mitläufern. Ihr könnt uns nicht ausschließen. Wir gehören dazu! Wir haben gewonnen! Und weil wir gewonnen haben, haben wir gewonnen und versammeln uns als Gewinner und  zeigen jetzt euch allen als öffentliche, nicht-Lügenpresse Premiere einen Film. Einen Film als wahrhaftiges Lügenpresse-Shaming, für die, die es verdient haben, damit jene Lügenpresser in Scham und Schamesröte öffentlich für jeden sichtbar versinken. Damit sie sich schämen. Und die Kinder der Lügenpresse-Schreiber sich schämen. Und deren Kindeskinder! Und Kindeskindeskinder! Aktiv und nachhaltig schämen sollten sie sich angesichts des nachfolgenden Filmes.

Wir zeigen den Film “Indiocracy”. Anschaubar via Amazon Video. Klickt diesen und nur diesen meinen Link an, und ihr unterstützt meine Idee und meinen Geldbeutel, mit dem ich dann die Bewegung unterstützen werde. Und ihr werdet frei sein, vom Schämen von irgendetwas.Amen.

Wir haben gewonneeeeeen.

P.S.: Ach ja, alle Zitate zusammen führten zum “Sturm auf den Reichstag”. Es braucht also nicht viel Schwachsinn, um einen Haufen in Bewegung zu versetzen, der alles schluckt., Hauptsache, es passt für deren Hirn in deren Hirn. Denn da ist so viel Hohlraum vorhanden in deren Birnen. Und diese Hirnlosen sollen harmlos und vernachlässigbar sein? Nie! Niemals! Nicht! Ich mein, weißt du, bist du dir sicher, ob nicht gerade Donald Trump mir diesen Text befahl zu schreiben. Also, nachdem er von Berlin mit dem ICE nach Salzburg reisen wollte, dann in München ausstieg, um sich eines der weltberühmten Münchner Mettigelbrötchen am Münchner Hauptbahnhof zu kaufen, sich dort verlief und dabei irrtümlich jetzt in meiner Wohnung landete? Falsches Narrativ?  Okay, du hast recht …

… nein, Donald, das schreib ich jetzt nicht …

Das Corona-Tagebuch: Provinznotizen aus Deutschland Süd bei Südost (55): Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit

Liebes Corona Tagebuch.

Ich bin unschlüssig. Jetzt habe ich so viel Information, dass ich fast platze vor Informationen. Es muss aus mir raus. Und rein in dir.

Da war doch erst neulich vor einer Woche eine riesen Demonstration. 1,3 Trillionen Leute. Das ist belegt. Da gibt es ein YouTube Video. Es dauert 84 Minuten (hier). Das kann sich man als Zeitraffer in zwei Minuten anschauen. Ungeschnitten. Denn das Zeitraffervideo von diesen 84 Minuten gibt es auch auf YouTube. Das heißt, – einfach einmal nachrechnen und du merkst, liebes Corona Tagebuch, dass ich bestimmt nicht lüge – das Zeitraffer-Video (hier) ist 42 Mal schneller, als die Demo es war. Die Polizei versteift sich trotz des Videos auf der Behauptung, es wären 20.000 Demonstranten. Nur, 42 mal 20.000, das sind doch fast an die 900.000 Menschen. Und wenn man da noch überlegt, dass dann eventuell noch 50% zusätzlich auf anderen Wegen zu den Demos erschienen sind, dann bin ich bei 1,3 Millionen Leute.

Gut. Dann habe ich mit den 1,3 Trillionen Leuten wohl ein wenig übertrieben.

Nur, wenn man davon ausgeht, dass ein normaler Mensch sich mit 3,6 Kilometer pro Stunde durchschnittlich bewegt, dann entspricht dieses einer Wegstrecke von 5 km. Und wenn dann zwischen den Reihen so 75 cm Abstand gelassen wurde, um dem Vormarschierenden nicht in dessen Haxen zu treten, und dann die Reihen so mit 15 Leuten in einer Reihe annimmt (20 Meter breite Straße an der U-Bahnstation Friedrichstraße, auf Höhe von Haus Nr. 147), ja, dann komme ich schon fast auf eine Millionen Menschen.

Das heißt somit nach Adam Riese und Eva Winzig, die Schätzung der Polizei mit 20.000 ist völlig fehl am Platz.

Und dann gab es noch das Foto. Das Beweisfoto. Okay, es war ein Screenshot (hier und hier im Detail). Ein Screenshot von jemanden von “Querdenken 711”. Das belegt völlig, dass es 1,3 Millionen mindestens waren. Aber das wurde als Beweismittel gelöscht. Und wer hat es gelöscht? Es war „Presse.online“. Die haben ihren Sitz im „Haus der Bundespressekonferenz“. Auf der Zunge zergehen lassen: „Haus der Bundespressekonferenz“. Also ganz offiziell.

Gut. Der Screenshot zeigte, dass die Browser-URL von „Presse online“ auf das Archiv vom 28.7.2020 hin wies. Nur, die Demo, die war am 1. August 2020. Aber über solche unwichtigen Details auf dem Beweis-Screenshot (hier) können sich nur Kleingeister wie ich echauffieren. Wichtig daran ist doch, dass dieses Presseorgan mit Sitz im regierungseigenen, offiziellen „Haus der Bundespressekonferenz“ es zuerst gepostet hat. Und danach wohl wieder gelöscht. Weil es garantiert die Regierung so wollte.
Und die Polizei hat die Zahl ja wohl auch gesagt. Das haben zumindest die Sprecher auf den Bühnen immer wieder betont. Und man sollte es ganz schnell im Internet posten, damit es nicht gelöscht würde. Damit es niemand verneinen kann. Damit die Fakten jeder nachlesen könne. Weil nachher der Mainstream es alles löschen würde. Diese Oberzensoren!

Das sagten diejenigen auf der Bühne. Und die haben wohl ihre Quellen bei der Polizei. Also muss das stimmen. Dass die Berliner Polizei, das wieder zurückgezogen hat, das zeigt, wie der Mainstream doch Einfluss nimmt. Da wird zensiert auf Teufel komm raus. Und, Zensur, das weiß jeder Mensch, ist dann, wenn eine offizielle Behörde der Regierung Meinungen löschen lässt. Und jeder weiß, dass der Mainstream der Regierung folgt.

Ach ja, liebes Corona-Tagebuch, Mainstream, das ist ARD, ZDF, also die Öffentlich-Rechtlichen, die großen Zeitungen, die gegen uns schreiben. Die schaue ich überhaupt nicht, und lesen erst recht nicht. Die kann man sich nicht antun. All diese Lügen, diese Zensur und so. Zum Beispiel die Bilder von der Demo. Warum müssen jene die Bilder zeigen, die unsere Bilder, deren Ausschnitt, welchen wir sorgsam gewählt hatten, angeblich widerlegen sollen. Wenn da Lücken waren, vom Brandenburger Tor bis zur Siegessäule, dann doch nur, weil alle sich im angrenzenden Tiergarten im Schatten gestapelt hatten. An die 1,3 Millionen Demonstranten. Und warum dürfen wir keine Bilder als Symbol von der Zürcher Loveparade nehmen? Das machte die Presse doch auch, wenn die von Ballermann-Zustände auf Mallorca berichtet hatte. Einfach Symbolbilder, um zu zeigen, was man meint. Das dürfen wir doch auch, oder? Gut, von Essen hatten wir jetzt keines zur Hand und in Berlin waren wegen den Drohnenverbot keine Bilder von oben machbar …

Aber in Berlin gab es auch die Loveparade. Und die Bilder als Vergleich gehen doch, oder? Auch wenn die in Berlin bei der Demo jetzt alle nicht so eng gedrängt standen. Oder wollen jene Besserwisserischen, dass jene auf der Demo wie bei der Loveparade sich eng auf der Pelle rücken, stinkend, ohne Deo, im Schweiße des eigenen Angesichts? Aufgeputscht durch Drogen, um die Hitze und Sonne durchzustehen? Nur, damit Mainstreamler bessere Fotos haben? Eben jene sind die wirklichen Wirklichkeitsverweigerer. Zeigt doch lieber, ihr Mainstreamler, dass es Menschen gab, die in der Sonne vor der Bühne standen. Das waren schier unglaubliche Menschenmengen. Hättet ihr eure Teleobjektive aus euren Fototaschen verwendet, man hätte deutlich gesehen, wie dicht alle standen. Eure 500 mm Objektive, die ihr sonst immer griffbereit habt. Dann hätte sich abschätzen lassen, wie viele es waren. Auf alle Fälle keine „nur 20.000“. Oder 13.000 Demonstranten in 84 Minuten auf einem YouTube-Video.

Liebes Corona-Tagebuch.

Ich habe letztens eine Studie gelesen, in der Wissenschaftler vor über neun Jahren festgestellt haben, dass zu einer Meinungsführerschaft mindestens 10% einer Bevölkerung eine andere Meinung haben müssen, damit sich die Mehrheit der Minderheit anschließt (hier). Das heißt, wenn die Minderheit es schafft, die 10% Schwelle zu überschreiten, dann ist ein Meinungswechsel machbar. 10% gilt gewissermaßen als kritische Masse in der Meinungsbildung, wenn man etwas als Mehrheitsmeinung etablieren will. Dann wird der Wechsel von Minderheitsmeinung zur Mehrheitsmeinung machbar, Herr Nachbar. Unabhängig von irgendwelchen postulierten Faktenlagen.

Darum sind auch die 1,3 Millionen Demonstranten so wichtig. Das wissen auch die Organisatoren von „Querdenken 711“. Und falls denen dieses wissenschaftliche Wissen fehlen sollte, so habe sie diese magische 10% Grenze wenigstens im Urin, nicht wahr. Darum haben sie jetzt auch heute über Twitter den Meister des Postfaktischen, den Donald Trump, eingeladen (hier; Screenshot hier). Er solle doch bitte auf der nächsten Berlin-Demonstration am 29. August 2020 eine Rede zu halten. Denn Donald Trump ist der einzige Präsident der USA, der in seiner Amtszeit keinen Krieg begonnen habe, so „Querdenken 711“. Und der POTUS weiß, was Fake-News sind. Der kämpft mit “Fox-TV” schließlich auch gegen den Mainstream.

Nur, warum ausgerechnet Donald Trump? Weil der auch nicht daran glaubt, dass das Coronavirus gefährlich sein soll und all die Maßnahmen dazu überhaupt sinnvoll sind. Die Einladung finde ich sinnvoll. Nur habe ich nicht verstanden, warum „Querdenken 711“ seine Twitter-Einladung nicht auch an Bolsonaro, also an Brasiliens Präsident, heraus geschickt hatte. Der ist auch bei Twitter. Und der ist auch gegen Corona-Maßnahmen. Dafür aber wie Thomas Berthold (Fußballweltmeister; hier) für das „alte Normal“, statt des diktatorisch „neuen Normal“s. Donald Trump und Bolsonaro sind ja damit im Sinne von „Querdenken 711“ die Verfechter von Freiheit und Abenteuer. Und nicht Verfechter eines „neuen Normal“s, wie es unsere Regierung und Mainstream-Parteien so gerne hätten.

Liebes Corona-Tagebuch, „Querdenken 711“ hat Donald Trump die Einladung aus vollem Kalkül gemacht. Weil der so ein kluger Kopf ist. Genauso wie die Köpfe bei „Querdenken 711“. Natürlich, ist Meinungsfreiheit ein wichtiges Gut. Deshalb wurde auch Florian Schröder nach Stuttgart eingeladen. Dort durfte er doch seine Meinung kundtun (hier). Hat es geschadet? Hat er nicht gezeigt, wie der fremd-mainstream-gesteuert agiert? Wie rief einer im Publikum: “Lasst ihn doch reden. Das ist doch nur ein Komiker.”

Nun gut, Schröder war jetzt eigentlich nicht wirklich im Sinne von „Querdenken 711“, was jener dort als typisches Propaganda-verbreitendes Regierungsfähnchen im Wind ab lies. Aber Meinungsfreiheit, gilt für jeden. Nur nicht für die Mainstream-Medien. Die sich jetzt auch noch darüber lustig machen. Diese Sackgesichter. Die gehören eingesperrt und verboten! Weil sie immer alles benoten wollen und die Zensoren in diesem Land sind. Und wir brauchen keine Zensuren. Äh, Zensoren.

Liebes Corona-Tagebuch, ich frage mich, ob ich nicht über Twitter auch Putin, Russian Today und KenFM einladen sollte. Im Namen von „Querdenken 711“. Am 29. August bei der Demo als Redner über Skype oder Microsoft Teams oder Facebooks WhatsApp dabei zu sein. Damit die Leute endlich zum Nachdenken kommen. Damit alle einmal neue Seiten zum Nachdenken bei solchen Reden entdecken. Wie bitte? Russian Today und KenFM sind eh schon dabei? Oh. Entschuldigung. Dann ist ja die Authentizität total garantiert.

Und als Zwischenprogramm könnte ich mir noch Dieter Nuhr, Lisa Eckhart und Mario Barth vorstellen. Ein wenig Satire muss doch möglich noch sein. Das Publikum will lachen. Statt dauernd immer nur zu grübeln, nachzudenken. Und mitzudenken. Statt so wie bei Florian Schröder. Es gilt der „Cancel Culture“ die Stirn zu bieten! Wer Dieter Nuhr, Lisa Eckhart und Mario Barth nicht mag, der ist für „Cancel Culture“, jene Kehrseite der Medaille, welche zuvor als „Political Correctness“ bekannt wurde. Die die Liebe-erfüllten Schreiber der Seite für „Political Incorrectness“ geboren hatte. Eigentlich sind die ja jetzt in Ordnung, weil die ja auch gegen all den Corona-Scheiß sind und auch in Berlin dabei waren, diese PI-Fans. Nur leider sind die noch politisch ein klitzeklein wenig inkorrekt. Aber diese Distanz kriegen wir auch noch überwunden. Wir rücken einfach näher an die ran, nicht wahr.

Liebes Corona-Tagebuch, ich habe dich aufgeschlagen, obwohl ich dich schon längst zugemacht hatte. Ich wollte dich nicht mehr öffnen. Aber etwas in mir sagte, schreibe. Schreibe! Denn es wird eh keine Sau lesen. Und als Satire geht so etwas eh nie durch.

Moment, Sau und Satire geht gar nicht. Sorry. Denn damit bin ich real wieder bei Tönnies. Und den Schlachtereien. Den Werksverträgen. Mit denen die Leute geknebelt werden und als Lohn dafür kaum Geld, aber zumindest Coronaviren als Bonus bekommen (… geldwerter Vorteil?!? …). Wären Menschen Vegetarier, gäbe es das nicht. Außer jene Kranken im Landkreis Landshut, bei deren Gemüseernteeinsatz. Und dann in jener Konservenfabrik für das geerntete Gemüse. Die Erntehelfer aus Rumänien und so haben auch Werksverträge. Aber das interessiert nicht weiter. Schließlich arbeiten die nicht in nicht-veganen Schlachtbetrieben. Da, wo Tiere abgeschlachtet werden. Wie in Nordrhein-Westfalen. Nicht wie in Bayern. Wo alles södergesteuert ist. Nicht so laschetmäßig.

Liebes Corona-Tagebuch, für mich ist jetzt klar, ich bin gegen die Corona-Maßnahmen. Ich werde jetzt dagegen sein. Ich werde nach Berlin fahren.

Berlin! Berlin! Ich fahre nach Berlin!

Liebes Corona-Tagebuch, ich hoffe, du findest jetzt keinen nachdenklichen Seiten mehr bei mir. Ich gebe mir jetzt dafür den Berger. Denn der mag auch Monty Python. Und wer Monty Python mag, der kann nicht schlecht argumentieren. Nein, nicht den Jens meine ich, sondern den Helmut Berger. In seiner Rolle der ersten Staffel in Folge 19 von „Simon Templar – Ein Gentleman mit Heiligenschein„. Das war, bevor er in einem der Nicht-Mainstream-Medien in das Dschungelcamp abstieg. Aber das ist jetzt eine andere Nicht-Mainstream-Information, die hier erstmal keinen Wert hat …

Liebes Corona-Tagebuch, ich fand es gut, mich in deinen Seiten auskotzen zu dürfen. Papier ist geduldig. Mehr als diese Mainstreammedien erlauben.

Jetzt werde ich dich wieder zuschlagen.

Und später wird jemand diese vollgekotzte Seite aufschlagen und sich damit einen Rorschach-Test geben, mit dem dann meine Psyche analysiert werden wird.

Später?

Eigentlich direkt nach der Veröffentlichung dieser Satire …

Provinznotizen aus Deutschland Süd bei Südost (6): Statement von Benjamin Blümchen aus dem Porzellanladen im Schweinsgalopp

Wenn ihr damit nicht aufhört, spaltet ihr die Gesellschaft! Und eben drum, weil ihr darauf beharrt, obwohl doch jeder nachlesen kann, dass es falsch ist! Ihr seid die wahren Spalter. Nicht wir. Ihr treibt die Keile in Freundschaften, Familien und Bruderschaften mit eurer verblendeten Meinung.

Quizfrage: Wer hat das gesagt?

Richtig! Immer die anderen.

Die Uneinsichtigen. Jene, die gerne Haare spalten. Auf dem Kopf der anderen. Mit einem ordentlich geschärften Beil. Ordentlich geschärft muss sein, denn Respekt und Anstand sind unabdingbar. Nur Barbaren und Nulpen nehmen stumpfe Beile. So viel Zeit muss sein für eine ordentliche Beziehung zwischen verfeindeten Parteien.

Gut. Nicht jedes Beil ist geschärft. Schärfen kostet Zeit, und Zeit ist Geld. Und wer hat heute noch Geld für so etwas übrig? Wozu schärfen, wenn man mit dem Beil auch Hobeln imitieren kann? Und so werden im Galopp Späne erzeugt. Auf jeder Ebene. Von jedem. Jeglicher Couleur. Galopp der Argumentationen im Dorf, als Peripherie des eigenen Gedankenpalasts. Das ist erforderlich. Niemand führt seinen Hund in den eigenen vier Wänden Gassi. Darum muss der Galopp im umgebenden Dorf durchgeführt werden, durch der man das eigene Schwein dann treibt.

Dem Schweinsgalopp der Antreibenden im Sulky kann ich nicht mithalten und kann dem nichts entgegenhalten. Seit Tönnies weiß ich, wohin so ein Schweinsgalopp führt: von 20 Kraftwerke, die verhindern könnten, dass die Afrikaner aufhören würden, Bäume zu fällen, und aufhören, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren, hinüber zu den miesen Werksvertrögen.

Ja, richtig. Vertröge. Nicht Verträge. Denn Tröge ernähren Schweine, die von deren Züchter und Halter im Galopp zum Bolzenschussgerät getrieben werden. Und weswegen? Weil diese die A-Karte haben, auf unseren Grillstationen zu brutzeln, bis sie schwarz werden. Schwarz bis zum Rassismus. Sie erkennen diese auch an deren schwarzen Gewand auf den Fußballplätzen dieser Welt. Die allgemein bei Fußballfans und -Hooligans bekannte „schwarze Sau“. Weil diese zu viel und zu gern schnackselnden Schwarzen – analysierte damals unsere Hochwohlgeborene Mariae Gloria Prinzessin von Thurn und Taxis – damit Probleme machen, kommt man diesen Schweinen nie auf einen grünen Zweig. Grüne Zweige enden sowieso als Holzkohle, um eben jene Schweine zu grillen, die vorher durchs Dorf getrieben wurden. Halali, die Sau ist tot. Die Sau hat sowieso immer den Schwarzen Peter. Trotz aller “Black Live Matters”-Diskussionen und trotz aller Sprachmoralisten, die entrüstet bei der Erwähnung vom Begriff “Schwarzen Peter” in Schnappatmung verfallen, statt etwas anderes zu begreifen.

Wie Sie, geneigter Leser, erkennen werden, gilt auch hier das anerkannte Peter-Prinzip, welches besagt, dass in einer Hierarchie jeder Beschäftigte dazu neigt, bis zu seiner Stufe der Unfähigkeit aufzusteigen.

Warum sollte dieses Peter-Prinzip sich nur auf Weiße beziehen? Warum gibt es kein Schwarzer-Peter-Prinzip?

Eben. Weil jene im Sulky beim Sprachgalopprennwettbewerb somit plötzlich weitere Konkurrenz bekommen würden. Dann ist es nichts mehr mit den 20 Kraftwerken, einer gut dotierten Position beim „Schlacke 05“, und geregelter Sex kommt so oft, wie Komet Neowise an der Erde vorbei kommt, um sich dann voller Grausen für die nächsten siebentausend Jahre schnell zu verabschieden. Und letztendlich will doch jeder Sex, 20 Kraftwerke, eine Schwarze Sau, die dem Schwarzen-Peter-Prinzip folgend, die Arschkarte hat, um Mitspieler vom Platz zu stellen.

Hatte ich das aus meinen Kommentaren von mir selber kopiert? Echt? Ich verletzte meine eigenen Copyright-Rechte bei mir selber? Egal. Weiter.

Wie heißt es doch schon im Deutschen: wo gehobelt wird, fallen auch Späne. Alte Zimmermannsweisheit des christlichen Abendlandes, gelebt von dessen Sohne, der damals aggressiv gewalttätig alle aus den Tempel peitschte, die ihn nicht angebetet hatten. Also ihn. Somit eigentlich seinen Vater. Also nicht den Zimmermann, ihr versteht, nicht wahr. Sein Stief-Vater ist gemeint, der aus jener damaligen Patch-Work-Family mit der Jungfrau Maria. Also, jenen mit mehr Chuzpe als Verstand. Und danach mit noch viel mehr Massel-tov, dass mit Hilfe seiner ein neues Goldenes Kalb gegossen wurde.

Nun, heute ist das auf eine Person reduziert worden. So wie heute die DDR, die BRD und der Geist auf gemeinsame Ideale eines christlichen Abendlandes sich reduziert haben. So wie die vier Evangelisten, die folgende drei waren: Peter und Paul. Kurz gesagt: Heilandsack.

Mit dem Beil in der Hand ist es vom Land der “Dichter und Denker” zu den der “Richter und Henker” ein großer Schritt für die Menschheit. Aber nur ein kleiner Schritt für jeden Spalter mit dem Hackebeil. Beim Ritt auf dem Hackebeil bleibt selten eine Backe heil. Egal auf welcher Seite.

Fakt ist, dass – als der schwarze Urmensch Afrika verließ – ein Teil der Auswanderer nach Europa kam, dort auf Wälder und Neandertaler stieß und als erstes deswegen den Spalthammer erfand. Wie wir wissen, Neandertaler gibt es nicht mehr und der Spalthammer wurde danach seinen eigentlichen Zweck zugeführt. Haare der anderen Falschdenker gab es nicht mehr. Dafür aber immerhin noch ein paar deutsche Eichen zum Spalten, damit sich daran keine Sau mehr dran reiben sollte.

Es ist eigentlich egal, wer jene Beile in seinen Händen hält, entsprechend der Bibel des christlichen Abendlandes sollte immer nur der andere gekreuzigt werden. Derjenige, der im Tempel randaliert hat und die eigenen Geschäfte gestört hatte. Also des Zimmermanns Judenbengel. Als Stellvertreter für die miesen Geschäfte danach. Stellvertreterkreuzigung als Vorform der modernen Kriege im aktuellen Jahrhundert. Wenn das der biblische Gott gewusst hätte. Er hätte die Welt zu seinem Salzsäulenkammergut gemacht.

Schuld abladen verboten. Bei mir gibt es auch ein klares Schuttabladestellenverbot. Auch wenn die langläufige Meinung herrscht, Schuld sind immer wir anderen, die sich nicht einer Meinung zuschlagen lassen wollen. Ob wir für oder gegen Maske sind, wir sind die Schuldigen. Ein wenig zu fröhlich alkoholisiert durch die Gegend gelaufen? Verantwortungsloser Corona-Party-Rebell. Oder jemand, der nicht für seine Freiheit den genügenden Ernst aufbringt, weil er keinen Anlass hat zu feiern und deshalb nicht feiern dürfte. Zum Thema “Maske” keine messerscharfe Meinung zu haben? Dann ist man schlichtweg jemand, der sich einfach keine Meinung machen will und somit der Grabschaufler der freiheitlichen Menschheit ist. Oder folgsamer, braver Bürger, der dann wie ein krummbeiniger Dackel gestreichelt wird.

Wer wie all jene, die wie Altmeier schärfe Strafen für Leute fordern, die sich nicht an die Eins Fuffzig und die Einhaltung der Maskenpflicht halten, jene haben genauso viel Berechtigung für das Anrecht auf Verstand, als auch wie jene, die alle, die Masken tragen oder auf Eins Fuffzig bestehen, als Mainstream-Uninformierte klassifizieren, alle beiden dieser jenen haben sich einen Rang im Olymp der Hardliner verdient. Gott erhalte sie. Möglichst schnell. Die braucht kein Mensch dieser Welt. Auf mit denen nach Wallhalla

Wenn einer mit Vergnügen zu einer Musik in Reih und Glied marschieren kann, dann hat er sein großes Gehirn nur aus Irrtum bekommen, da für ihn das Rückenmark schon völlig genügen würde.

Albert Einstein

Einstein hat das auf Soldaten bezogen. So wie Tucholsky sein berühmtes angefeindetes Zitat.

Ich münze es um.

Analog ist es mit den Standpunkten jener beiden Parteien im Corona-Streit pro und contra der Maßnahmen, jene Parteien, die sich selber vor jeweils den anderen warnen. Um Keile zu treiben. Weil nur die anderen die Beratungsresistenten, die Sich-der-echten-Information-Widersetzenden, die Spalter der Gesellschaft sind. Immer die anderen, die immer zu einer Musik in Reih und Glied marschieren. Dafür reicht wirklich nur Rückenmark. Zu mehr erfordert es nun mal Hirn.