Ertrage die Clowns (16): Kann ich nicht beurteilen, muss ich nackt sehen

Im Jahr 1949 steckte sich der junge Joachim Fest einen Zettel ins Portemonnaie, den er bis zu seinem Tode mit sich führte. Auf dem Zettel stand der Satz:

„Ertrage die Clowns!“

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A: “Anderes Wort für Pink Floyd?”

B: “Anderes Wort? Ich verbinde damit in einem dunklem Raum zu sitzen, die Musik zu hören und meinen Gedanken und Imaginationen freien Lauf zu lassen. Statt Drogen einzupfeifen.”

A: “Schön, du 70-ger Jahre Adept. Hattest wohl kein Taschengeld für LSD oder so gehabt, he? Zu arm gewesen, oder was. Für ne LP hatte es gereicht, für nen ‘Schwarzen Marokkaner’ aber nicht mehr, oder? Trotzdem. Ein anderes Wort für Pink Floyd?”

B: “Roger Waters?”

A: “Hm. Könnte passen. Noch ein Versuch.”

B: “Antisemitismus?”

A: “Der Kandidat hat hundert Punkte!”

B: “Wish you were here.”

A: “Was?”

B: “Wish you were here.”

A: “Money?”

B: “The dark side of the moon.”

A: “The dark side of the wish-you-were-here-money! Hey, Roger Waters will nur Geld scheffeln und Antisemitismus verbreiten.”

B: “Hm.”

A: “Isso.”

B: “Sagt wer?”

A: “Frankfurt. München. Immer regiert mit den Grünen.”

B: “Ist also eine politische Erzählung?”

A: “Quatsch. Es geht um Antisemitismus.”

B: “Wow.”

A: “’Wow’ wieso?”

B: “Another brick in the wall!”

A: “Richtig! Die Grünen mal wieder! Bauen die Mauern der Rechten. Früher schon und heute nicht besser als damals.”

B: “Sagt wer von den politischen Gruppierungen?”

A: “Äh, die Grünen. Und sogar von der SPD.”

B: “Die uns vor Pink Floyd schützen wollen?”

A: “Nein, sondern vor Roger Waters, den Antisemiten.”

B: “Antisemit? Wieso?”

A: “Liest du keine Nachrichten? Internet-Verweigerer? Sagt sogar der Zentralrat.”

B: “Zentralrat. Ist die Erwähnung dieses Gremiums als Argument zu eigenen Argumentationslogiken an sich nicht auch potentiell antisemitisch?”

A: “Hast du Lack gesoffen? Bekloppt oder was?”

B: “Ist es nicht verdächtig, dass Parteispektren von CDU, CSU über FDP bis hin zur AfD als Zeugen für Roger Waters Antisemitismus den Zentralrat zitieren? Jene Söders, Maaßens, Wagenfelds und Höckes, die schon immer gegen das angeblich deutsch-widersprechende wettern? Die nur von zwölf bis mittags denken und die Zeit dazwischen mit Shitstorms füllen?”

A: “Nein, denn wie sagen wir im Deutschen: blinde Hühner finden auch mal ein Korn. Blinde Hühner wie Habeck, Baerbock, Özdemir, Hofreiter oder Aiwanger aber eher nicht.”

B: “Ist es nicht verdächtig, dass sich blinde Hühner immer an jenem Korn besaufen, dass sie sich einschenken, und es dann als Ideal eines Mutterkorns von Vater Staat für ihre Kinder deklarieren? Nur um damit ein ‘Another brick in the wall’ als Widerstandsanführer einer imaginären Opposition zu flöten?”

A: “Ach, hömma! Seit wann ist es überhaupt illegal, blind zu sein und Mutterkorn zu saufen? Wir leben immer in Eigenverantwortung! Das ist das, was jeder zu verantworten hat. Eigenverantwortung, sowas ist nie und nimmer illegal. Somit ist es rechtmäßig.”

B: “Rechtmäßig? Maximal anders ausgesprochen, als ‘recht mäßig’. Und dann besser als ‘rechts’ und ‘mäßig’. So etwas geht nur als Westfale mit der Spezialität, Münsterländer zu sein. Bayer bissu nicht. Bissu?”

A: “Und? Hast du diesen Qualifikationsnachweis?”

B: “Verbrieft. Geburtsurkunde.”

A: “Ah, ein Übermensch. Wir Untergebene der Rest der Welt verneigen uns vor dir.”

B: “Und?”

A: “Du redest Müll, will ich dir damit sagen. Lass uns stattdessen in den rhetorischen Diskurs über ‘Cancel Culture’ einsteigen.”

B: “Niemals. Eher sage ich, dass die Siedlungspolitik des Staates Israels extrem kritisch betrachtet werden muss, als mir mit rechtsradikalem ‘Cancel Culture’ aus der falschen Ecke den Mund verbieten zu lassen.”

A: “Antisemit!”

B: “Echt?”

A: “Genauso wie Roger Waters. Der behauptet auch, dass der Ukrainekrieg nicht ausschließlich zu Lasten des russischen Staates geht.”

B: “Echt? ‘Cancel Culture’? Auf Kosten der Toten?”

A: “Hömma! Jeder Kultur einen Totenkult.”

B: “Und sei es einen mit Fackeln überm Königsplatz in München.”

A: “Machst du jetzt auf Pazifismus-Opportunist a la Schwarzer und Wagenfeld?”

B: “Gebt den Toten eine Stimme. Sie können dagegen nicht protestieren.”

A: “Wer lebt hat immer recht. Wir leben, wir reden.”

B: “Wer überlebt, hat überrecht.”

A: “Jeder Schwachsinn hat seinen Superlativ.”

B: “Und für jeden Starksinn einen Diminutiv.”

A: “O si tacuisses, philosophus mansisses.”

B: “Wie belieben?”

A: “Übersetzt: ‘Fick dich ins Knie, du Genie’. Schweige jetzt, oder rede nimmer!”

image

(screenshot aus einem Youtube-Video vom Auftritt von Roger Waters in Lissabon 2023)

Ertrage die Clowns (15): Gebt mir etwas Wahrheit! Power to the people! … Abspann

Im Jahr 1949 steckte sich der junge Joachim Fest einen Zettel ins Portemonnaie, den er bis zu seinem Tode mit sich führte. Auf dem Zettel stand der Satz:

„Ertrage die Clowns!“

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Triggerwarnung:

Der folgende Inhalt der folgenden Serienzusammenfassung wurde von führenden Bloggern Deutschlands und einer weiteren, ungenannten Blogger-Community für einige Zielgruppen als unangemessen oder beleidigend eingestuft. Für jüngere oder sensible Leser ist daher nachfolgendes nicht zum einfachen Konsumieren geeignet. Das gilt im Übrigen nicht nur für Leser, sondern auch für Leserinnen. Das sagte mir gerade mein Obergeschmackskontrolleur, irgend so ein Fritze im März, per SMS, WhatsApp, Telegramm und zusätzlich analoger Flaschenpost.

Gattung: Serie; Kaugummi fürs Großhirn; tägliche Lebensbeschäftigungsgrundlage

Arbeitstitel: Hast du die kleinen Schweinchen gesehen, wie sie sich im Dreck suhlen, den sie sich von den anderen um das Drecksloch Stehende anrühren ließen?

Geplanter Serientitel: Weißhemden in Blue-Jeans

Verwendeter Serientitel: Sauber gestärkt.

Inhalt der Serie: Der Zuschauende einer Serie, monatelang eingeseift von der Seifenoper-Handlung mit einer diffusen Botschaft auf Liebe, dass man die nächste Folge nicht verpassen sollte, auf Glauben, dass alles gut werde, und auf jene unscharfe Hoffnung, dass die nächste Folge die letzte sei.

Hauptdarsteller:

  • Verklemmte, kurzsichtige, engstirnige Heuchler.
  • Engstirnige, herablassende, Mamas kleine Chauvinisten.
  • Neurotischen, psychotische, starrköpfige Politiker.

Nebendarsteller:

  • Kurzhaarige, bärtige, kahle, feige Söhne & Töchter von Tricksern.
  • Schizophrene, egozentrische, paranoide Prima Donnas.
  • Quertreibern ohne bedeutende Anstellung.
  • Genschernde, södernde Menschen im März ihres Lebens …

Spezieller Auftritt: InfluencerIn mit Einfluss; ManipuliererIn zweiten Grades; degradierte Persönlichkeiten des öffentlichen Gebens und Einschenkens; Hitler und Stalin für Arme

Uncredited: Jane and John Doe, Instant Karma, Bugalow Bill, rockiger Waschbär, Gesamtheit der Sexy Sadies aller Religio-Theken-Gemeinschaften

Skripter: Abwechselnd immer einer der Hauptdarsteller; aushilfsweise ErzieherInnen, pensionierte LehrerInnen und ErnährungsberaterInnen mit pädagogischen Fernzielen für eine mündige Gesellschaft auf Basis von deren eigenen Zielen.

Psychologische Beratung: Ehemalige Studierende (Zielgruppe U40) mit akademischem Grad ( Ü4,0) aus dem unscharfen Bereich “Medizin”, welche Hauptdarstellern per Rezept jegliche hirnlich anstrengende Betätigung verboten hatten, um bei denen einen Hirnschlag zu vermeiden;

Show Runner: Hans Dampf in allen Gassen, Kleingeist, Hanswurst, dummer August, Komiker, Schießbudenfiguren, EKG-positive Phrasendreschmaschinen aus garantiert akkreditierten deutschen Freiland-Parlamenten ohne Bodenhaftung oder Straßenkleber, Sackgassenstraßen-begehende Dämlacke der Straße, wenn diese nicht von Straßenkleberterroristen verklebt wurde

Best Girl/Boy: Ob-La-Di, Ob-La-Da (Remastered 2009)

Best Gaffer (= Bester Chefbeleuchter): Immer jene Person mit dem niegelnagelneustem Smartphone von Apple oder Samsung

Kamera und Schnitt: Menschen so wie du und ich … hm. Okay, nicht richtig. War falsch. Menschen eher wie du als wie ich einer, der kein Hirn zum Schreiben von Unsinn hat …

Credits: Copyright liegt eindeutig bei mir; alternativ dann bei derjenigen juristischen Person, die mir 1000 K€ auf mein Bermuda-Dreieck-Konto überweist …

Strange days indeed.

Das Geheimprojekt: die Ausrottung der weißen, grauhaarigen, alten Männer

Agentin A, wie ist Ihr Fortschritt?

Erhabene Meisterin, heute waren es sechsundneunzig.

Sechsundneunzig?

Ich hatte heute Mittag eine kostenlose Filmvorführung von “Ritter der Kokosnuss” organisiert. Jeder erhielt ein Gummischwert mit Eisenkern. Vierundvierzig starben mit dem Satz “Ist doch nur eine Fleischwunde” auf den Lippen. Die Restlichen hielten das für den “Tödlichsten Witz der Menschheitsgeschichte” und erstickten an ihrem Lachen.

Sehr gut, sehr gut.

Zusätzlich organisierte ich noch ausschließlich für Erz-Boomer-Kleriker “Das Leben des Brians”. Die kamen, sahen und regten sich wie erwartet über Gebühr auf und gingen mit Herzinfarkt über die Wupper. Siebenundneunzig. Die Hartnäckigen, die während jenem Film eingeschlafen waren, erhielten noch im Anschluss den Film “The last Temptation of Christ”. Sechs wirklich Hartgesottene überlebten allerdings auch dieses, ich konnte denen noch heimlich iranische Pässe in die Soutane stecken. Am Ausgang wartete bereits die Polizei und hat jene aufgrund Kindesmissbrauchsvergehen einkassiert. Die Priester wurden direkt mit Tatvorwurfsbeschreibung in neun Sprachen in ein Flugzeug nach Teheran abgeschoben.

Agentin A, hört sich gut an, weitermachen. Agent B, was sind Ihre Ergebnisse.

Erhabene Meisterin, ich habe heute eine Vorlesung über das Thema “Haben und Sein” durchgeführt. Inmitten der Vorlesung ließ ich einen Mitverschwörer auf der Bühne den Ausruf “Okay, Boomer” tätigen. Ca. 75% der Zuhörer starben an Schnappatmung. Der Rest lachte anfangs noch, wurde dann aber mit wohldosiertem “Jaja, ihr Baby-Boomer” erledigt.

Agent B, seht gut. Kommt morgen die AKW-Bewegung dran?

Ja, ich habe festgestellt, dass hier die Dichte der Boomer und Baby-Boomer am höchsten ist. Wir werden denen das Gesetz über die Laufzeitverlängerungen vorlesen. Zudem erklären wir denen noch den Nutzen von Braunkohlekraftwerken, Panzern und anderen grünen Entscheidungen. Zu erwartende Herzinfarktrate wird bei 78% liegen. Die restlichen 22 Prozent erledigen wird mittels Unwirksamkeitsstudien von Globuli, Friedensdemos und vegetarischem Veganismus in Zeiten von Weber-Grill-Kugeln. Beim zu erwartenden Handgemenge ist mit Gewalt zwischen Zuhörern zu rechnen, da die sich eh nicht alle grüne sind.

Agent B, Handgemenge sind nicht effizient. Bitte ergänzen Sie die Maßnahmen mit mehr Effektivität. Verteilen Sie vor dem Vortrag noch bitte Brieföffner und Schwiegermütter.

Schwiegermütter?

Wirkt immer, bei diesen Bürokraten, die wissen, was ein Schwiegermuttermörder ist. Agent-etwas C. Ihr Resümee?

Erhabene Meisterin, vierhundertneunundvierzig Menschen konnten wir mit der Titelmelodie “Pat und Patachon” in eine sehr düstere Ecke ihrer Stadt locken und mit Dauerbeschallung mit der Titelmelodie von “Die rote Zora” erledigen. Die Polizei tappt  bislang – wie erwartet – noch immer im Dunkeln. Weitere siebenhundertdreiundsechzig Baby-Boomer lockten wir mit der alten Titelmelodien von “Väter der Klamotten”, “Western von Gestern” und “Dick und Doof” in ein tiefes Gewässer, wo sie unter Klängen von “Hey hey Wickie” elendig ersoffen.

Sehr schön, sehr schön.

Weitere siebenhundertelfundsechzig Baby-Boomer haben wir mit der Melodie “Wer hat an der Uhr gedreht” aus deren Arbeitsplätzen geholt und dann mit “Die schnellste Maus von Mexiko” und Udo Jürgens “Vielen Dank für die Blumen” in ein Tigerkäfig locken können. Exitus. Die Tiger sind gesättigt. Leider aber auch übersättigt. Morgen steht dafür der Löwenkäfig auf den Plan.

Agentin D?

Chefin, ich habe einen Fernsehsender infiltriert. Und niemand hat es gemerkt.

Sehr gut.

Mit Geschick habe ich dort eine Show mit Boomern, Baby-Boomern und paar anderen Normalos organisiert.

Sehr, sehr gut.

Dazu habe ich Tweets über diese dämliche Boomer und deren over-cringe Baby-Boomer verfasst. Diese Tweets gingen gnadenlos viral. Beifall war mir hundertfach. Meine Followerzahl stieg annähernd fünfstellig. Ich organisierte Anruforgien in der Show mit dem Ziel: Diskreditierung der weißen, grauhaarigen, alten Männer, diesen dämlichen Boomer und deren over-cringe Baby-Boomer. Sie sollten demaskiert werden, als das was sie sind: überflüssig und ready to go. Ich erreichte meine Zuschauer in der anvisierten Altersgruppe der 14- bis 49-Jährigen: 1,6 Millionen. Mehr als genug, um Anrufer der Gruppe der weißen, grauhaarigen, alten Männer zu übertrumpfen.

Und?

Tja, Chefin, dann hat so ein dämlicher, weiblicher Boomer mit Schönheitsidealen a la Botox und Schlauchbootlippen abgeräumt und wurde Dschungelkönigin …

WAS?! Unglaublich! Elende Versagerin! Agentin D, du bist gefeuert! Du miese Nulpe, du!

Egal.

Wie bitte?

Der Sender hat mich einen Vertrag angeboten. Als Boomer- und Baby-Boomer-Expertin hätte ich mit meinen 39 Jährchen die passende Einstellung und Erfahrung, hieß es …

RAUS!!!!

Kneipengespräch: Pflegt die Hände schon beim Spülen

»Hömma, was trinkst du denn da? Kein Kölsch?«

»Amarone.«

»Was soll das sein? Ama-was? Das ist doch ein Rotwein, das riecht doch ein Blinder mit Krückstock!«

»Das ist einer aus Italien.«

»Also doch so ne Art Chianti für Arme. Und kein Kölsch? Biste krank, oder wat?«

»Cheffe meinte, für dreifuffzich das Glas passt der ganz gut. Er will ihn loswerden.«

»Dreifuffzich das Glas? Hat der Grippe? Herr Oberspielleiter, haste Grippe?«

»Nee, der hat keine Grippe. Die Flasche ist von seiner Schwiegermutter, aber seit vorgestern hat er sich von seiner Frau getrennt und will nichts mehr, was an sie erinnert.«

Der Wirt brachte zwei Stangen Kölsch herbei, stellte sie ab und schaute fragend: »Willst auch’n Glas Amarone? Ist das letzte. Ging von nem Gast unangetastet zurück. Passte ihm nicht zu den Riewekooche.«

»Riewekooche und Rotwein? Das geht auch wirklich nicht. Zu Riewekooche nur en Kölsch. Danke ich bleib beim Kölsch.«

Der Neuankömmling schaute mich fragend an: »Und wie isset?«

»Joot isset.«

»Dann isset joot. Freut mich.«

Er nahm einen langen, tiefen Schluck aus seinem Kölsch, musterte den runter rinnenden Restschaum in seiner leeren Kölsch Stange, stellte sie beiseite, ergriff sich das Kölsch vor mir, murmelte: »Tschuldige, aber auf einem Bein kann man nicht stehen«, bäuerte unterdrückt und musterte mich erneut:

»Und haste das Endspiel gesehen?«

»Von der ersten bis zur letzten Minute. Und du?«

»Ich nicht. Mein Chefredakteur hatte mich verdonnert, jemanden zu imitieren, der die Fußball-WM aus moralischen Gründen boykottiert. Ich sollte darüber schreiben, wie das so ist, wenn man ein Endspiel verpasst.«

»Und?«

»Normal. Keine Autotorsos, keine Menschen, welche irgendwelche Hauptstraßen blockieren und Menschen ans Weiterkommen hindern, keine randalierenden Fans, einfach nichts.«

»Und was haste statt dessen dir angeschaut?«

»‘Der Nussknacker und die vier Reiche’, ‘Ich heirate einen Prinzen’ und ‘Jauch gegen 2022‘.«

»Bildungsfernsehen, ich verstehe.«

»Absolut. Wusstest du, dass Günther Jauch damals, also noch bevor er, du weißt schon, also als er …«

»Nein, wusste ich nicht.«

»Siehste! Die Privaten kommen dem Bildungsauftrag nach, die anderen haben nur für teuer Geld Fußball eingekauft!«

»Echt. Wahnsinn. Das wusste ich nicht.«

»Nebenbei habe ich noch getwittert.«

»Was denn so?«

»Paar Boomern den Marsch geblasen und Straßenklebern mit dem Strafgesetzbuch gedroht.«

»Echt? Wie engagiert.«

»Und Elon Musk supportet. Der hat bei Twitter ein bisschen feucht durchgewischt und den linksgrünen faschistischen Mob rausgespült. «

»Feucht durchgewischt? Also Mitarbeiter per E-Mail entlassen. ‘Durchwischen’ hört sich so positiv an.«

»Twitter ist Abschaum. Ein Moloch für Lebensversager.«

»Und daher spielen Sie dort mit?«

»Sie etwa nicht? Oder sind Sie etwa einer derjenigen, die Twitter abschaffen wollen. Das wäre Cancel culture!«

»Cancel culture? Nur weil dann eine Plattform fehlen würde, auf der allerlei Unsinn ablaichbar wäre?«

»Sie gehören wohl auch zu der linksgrünen Siffkultur?«

»Mitnichten.«

»Sondern?«

»Ich bin mehr passiver Twitter-Nutzer, folge einigen Accounts bewusst und versuche mich aus Schlammschlachten und Hetzer-Blasen heraus zu halten. Bei Twitter geht allerdings inzwischen die Deppenquote derjenigen mit ADHS-Symptomen hoch.«

»Deppenquote. Soso. Das ist also ihre Art der Diskussionskultur.«

»Die Vollkaskodesperados sind im Kommen. Twitter verkommt zu einem Lautsprecher, zu einem Hohlkörper, wie ein Eisenfass: es macht besonders viel Krach, wenn man es mit groben Werkzeugen bearbeitet und den Krach dann als verkannte Symphonie deklariert. Unter heftigem Getrommel.«

»Soso.«

»Es gibt einen weisen Satz: Energie folgt der Aufmerksamkeit. Energy flows, where attention goes. Solchen ADHS-Adepten werde ich das nicht geben, wonach sie lechzen: Energie, gesaugt aus einer ihnen gewidmeten Aufmerksamkeit.«

»ADHS-Adepten. Sie sind ja voll gebildet, sie kennen sich wohl voll aus. Abitur im Schnelldurchgang gemacht, he?«

»Bekannt ist, jeder Hahn kräht auf seinen Haufen Mist, den er als Mittelpunkt der Welt erachtet. Und weil es auf seinen Mist gut klappt, will er seinen Mist auch bei anderen aufhäufeln, um dort herum zu krähen. Und seit Wilhelm Busch und seiner Witwe Bolte wissen wir, Hähne legen keine Eier (auweia), machen aber lange Hälse, wenn sie gierig nach Ködern schnappen, geben danach ein feines Mittagessen ab, wenn man sie grillend richtig zubereitet. Twitter verwandelt es sich in einen riesigen Haufen Mist und lockt damit krähendes Federvieh mit Weltenmittelpunktsehnsucht an. Für Twitter bleibt mir nur noch eines zu konstatieren: Twitter ist maximal mittel punkt«

Ich atmete durch und pausierte. Dabei registrierte ich, dass der Neuankömmling nicht mehr neben mir stand. Er hat mich einfach ohne ein Wort sitzen lassen und befand sich nun am anderen Ende der Theke und unterhielt sich mit einem vierschrötigen Kerl.

»Sie reden viel, wenn der Tag lang ist, oder?«

Der Typ auf meiner anderen Seite grinste mich an.

»Vielleicht.«

»Was trinkst Sie denn da? Kein Kölsch?«

»Amarone.«

»Wenn’s schee macht. Prost. Ist Amarone Blubberwasser?«

»Blubber-was? Nicht, dass ich wüsste.«

»Blubberwasser. Wasser mit Blasen. So wie die ganze Social-Media-Sache an sich.«

»Auch eigene leidvolle Erfahrungen gemacht?«

Er grinste leicht, hob sein Kölsch sinnierend vor seine Stirn und fuhr fort:

»Social Media ist die Befriedigung der Suche nach Anerkennung. Das kann auch negative Befriedigung sein. Aber Hauptsache Anerkennung. Es ist eine Blasen-Welt, in der man sich wunderbar verlaufen kann, wenn einem die real existierende äußere Welt nicht das zollt, was man sich eigentlich erhofft, was man erwartet.«

»Zum Beispiel?«

»15-Minuten-Ruhm. Wissen Sie, wenn die äußere real existierende Welt stimmig ist, dann kommt es bei Social-Media-Nutzern zu Erschöpfungssymptomen durchs ewige Kämpfen-Müssen, durch Frustrationen mit einer nachfolgenden „Geht mir am Bobbes vorbei“-Haltung. Was interessiert es schon, wenn sich einzelne Individuen darüber echauffieren, dass sie nirgendwo geliebt werden, so wie sie sich geben. Oder sich genau so aufführen. Solche benehmen sich wie Boxer, die in der sechsten Runde schon schwer angeschlagen sind und dann von Runde sechs bis Runde zwölf torkelnd alles boxen, was sich irgendwie leicht vor deren zugeschwollenem Horizont bewegt. Und das ohne erkennbare Ergebnisse. Außer das sie selber kurz vorm Exitus stehen.«

»Kurz vorm Exitus nennt sich heute Resilienz.«

»Resilienz, ja. Und dafür werden sie wie Helden gefeiert. „Per aspera ad astra“ ist der Leitspruch jener. Durch Ungemach zu den Sternen. Sie meinen, mutmaßlichen Respekt in der Währung »Aufmerksamkeit« einzukassieren, koste, was es wolle. Auch wenn der Preis dazu von ganz anderen gezahlt werden wird. Hauptsache in deren Bilanz taucht dieser Saldo-Punkt nicht als Negativum auf.«

»War das jetzt nicht ne Aussage zum Angriff auf die Ukraine, oder?«

»Vielleicht eher zu den Soldaten darin. Dort werden Helden am laufenden Frontmeter produziert. Und jeder weiß, Soldaten sind Helden, auch wenn deren letzte Minute nur aus irre Schmerzensschreie besteht, weil eine Granate deren Eingeweide frei gelegt hat oder deren Herz offen ausblutet. Oder weil deren Hirn durch ein Loch in die Augen läuft. Oder wenn von der Zivilistin auf der Straße nach dem Raketeneinschlag nur noch die roten Stöckelschuhe mit den Fußstümpfen drin auf der Straße übrig bleiben. Dann sind sie Helden. Für eine Nacht.«

Ich musterte den Kerl. Anfangs war er mit noch sympathisch. Nur nachdem er so bildlich das Sterben im Krieg skizzierte …

»Schau mal. Wenn ein Infantino – man muss ihn nicht mögen, überhaupt nicht -, also wenn ein Infantino sagt, dass die westliche Welt vor Doppelmoral strotzt, und darauf die getroffenen Hunde bellen „Das muss ausgerechnet dieses korrupte Arsch sagen“, dann kann man später beobachten, wie diese Getroffenen ihre Hände in Unschuld waschen, in jener Suppe, die von anderen ausgelöffelt werden muss. Und spätestens dann taucht Tilly auf und flötet: „Nein, das ist keine normale Suppe, das ist Palmolive, das pflegt die Hände schon beim Spülen in Unschuld“.«

Ich versuchte für mich seine Gedanken zu ordnen und dachte laut:

»Und immer wenn jemand seine Hände in Unschuld wäscht, ..«

Er fiel mir ins Wort:

»… dann hält bereits jemand anders eine Packung Toilettenpapier mit der Gravur DANKE zum Abtrocknen bereit.«

Der Wirt brachte mir ein Kölsch und räumte mein leeres Glas Amarone weg. Ich nahm einen Schluck. In dem Moment entdeckte ich das kleine Fläschchen “Kleiner Feigling” vor mir.

Hier endeten meine Erinnerungen. Dafür startete wohl der Filmriss in meinem 4K-Movie mit Dolby-Atmos-Sound. Live sucks.

Die Winterrealität 2022

Sommermärchen werden im Sommer geschrieben, Frühjahrsgefühle im Frühjahr gebettet, Herbstdepressionen im November durchlebt: Allerheiligen, Allerseelen, Hitler-Ludendorf-Putsch, Novemberprogrome, Hungerstreiktod eines RAF-Terroristen, Straßenklebende, Volkstrauertag, Gänseschlachttag (Martinstag), Buß- und Bettag, WM-Fußballspiele der “Mannschaft” …

Und jetzt zur Winterrealität 2022: es ist kalt. Noch drei Wochen, dann ist Heilig Abend vorbei. Wie von Geisterhand werden dann die Innenstädte frei sein, frei von den Suchenden und Süchtelnden nach Weihnachtsstimmung, so zwischen Handwerksbuden, Grillbratgutanbietern und Glühweinständen. Die Fußgängerzonen werden wieder frei von “Last Christmas” sein und unser Heilig’s Blechle unbehelligt von Stock und Stein und Störern seinen Weg von Familienfeier zu Familienfeier finden.

Es wird wieder Frieden im Land herrschen. Frieden und Freiheit zur Weihnachtszeit. Und das unveräußerliche Recht “Drei Haselnüsse für Aschenbrödel” (13:40 im Das Erste) ungestört im Fernsehen anschauen zu können. Oder für die Boomer-Generation: die ganze Serie “Timm Thaler – Das verkaufte Lachen” (auf ZDF neo) mit Horst Frank als Bösewicht vom Dienst. Oder für die Generation “whY” etwas individuelles zum unbeschwerten Ausleben: free-style-binge-watching auf Netflix, Disney+, Prime Video oder xHamster, je nach Lust, Laue und tiefergelegter Motivation. Nur so herrscht wieder Frieden im Land.

Frieden im Land? Allein die Bösen dieser Welt bomben weiter. Die Bösen bomben alleine weiter. Weil sie sich durchs Bomben von der friedlichen, weihnachtlichen Weltgemeinschaft ausschließen. Zuvor werden noch einmal die “Infantino”s dieser Welt erfolglos gebeten haben, dass alle Kriege wenigstens über die Weihnachtstage mal Pause machen sollten. Einfach mal Pause abschalten und machen. Bei einer quadratischen, knusprigen Haselnusswaffel. Dann können auch die Mitarbeiter der Waffenschmieden dieser Welt ihre Überstunden abbauen. Und weil eine Woche später Knaller und Böller für andere Zwecke benötigt werden. Und weil es Tradition ist, sich so etwas vor laufenden Kameras und rausgereckten Mikrofonen eine Pause für die Kriege zu wünschen. Damit die Überlebenden ihre Toten zu Weihnachten begraben können.

Traditionen, die niemand aufgeben will. Weil Tradition, das muss so sein. Weihnachten und Silvester, das sind Werte und Traditionen, welche nur böse Menschen abschaffen wollen. Also die Gutmenschen. Also jene Menschen, die das Gute wollen, und daher folglich böse sind. Während ein böser Mensch doch gar nicht so böse ist, weil man vom bösen Menschen nichts außer Böses erwartet, was schon wieder gut ist. Denn dann weiß man, was man hat. In der Winterrealität 2022.

So kurz vor Weihnachten. Ich stehe an der Supermarkt-Kasse und habe eine Packung Sekundenkleber zwischen den anderen Sachen. Reparatur ist nachhaltig und Kleber sorgt für Nachhaltigkeit. Sorgsam lege ich alles auf dem Supermarktband der Kasse. Zwischen Tageszeitung, einer Packung Hafermilch Barista-Style und der obligatorischen Tüte Geleegummi schiebe ich die Packung mit dem Sekundenkleber.

Und irgendwie überkommt mich ein Déjà-vu. Eine Vision steigt auf, längst verdrängte Peinlichkeitsgedanken aus dem Ende der 80er Jahre. An der Kasse sitzt eine wasserstoffblondierte Hella von Sinnen, eine legere jüngere Frau, dann der junge Ingolf Lück, der gerade verschämt seine Packung Kondome halb unter einer Stange Lauch aufs Einkaufsband schiebt und von der ältere Frau nach ihm prüfend angeschaut wird. Die Kassiererin nimmt die Kondome schaut drauf, findet kein Preisschild und tönt durch den Supermarkt: “TINA, WAT KOSTEN DIE KONDOME?” (hier). Stille macht sich raumgreifend im Supermarkt breit, und alle starren den jungen Ingo Lück an, der hörbar unangenehm berührt schluckt.

Déjà-vu. Ich schaue auf meine Packung Sekundenkleber. An der Kasse sitzt keine Hella von Sinnen. Aber was wäre, wenn denn jetzt die Kassiererin zum Telefonhörer greift, dann im Markt den Marktleiter über die Außenlautsprecher anschnarrt: “Heiner, komm mal vom Raucherplatz auf der Straße weg und tu mal wat für mich: sach mir mal, was der Sekundenkleber kostet” und Stille würde eintreten. Alle würden auf mich starren. Auf allen Stirnen stände dann nur “Straßenblockierer-Terrorist” zu lesen.

Unauffällig schiebe ich die Packung Sekundenkleber unter andere Lebensmitteln neben dem Laufband, zu den Dingen, die von anderen putativen Einkäufern dort abgelegt wurde, weil die eigene Geldbörse deren Kauf nicht mehr hergab. Sekundenkleber brauche ich auch nicht wirklich. Und von anderen als Straßenkleber und Heilig’s-Blechle-Blockierer dann schief angeschaut zu werden, brauch ich auch nicht. Und überhaupt: Neukauf ist eh viel, viel besser für die Wirtschaft als dusselige Reparatur und als “Straßenblockierer-Terrorist” blöd angeschaut zu werden. Wahrscheinlich macht dann die Vier-Buchstaben-Zeitung von mir ein Foto mit der Packung in der Hand und warnt den Rest der Republik vor mir. Brauch ich nicht. In der Winterrealität 2022.

Kalt ist’s.

Enthüllung: Wenn der Gerd dem Markus ungewollt eine steile Vorlage gibt …

Es gibt Sätze, die gehen einfach in Pressemitteilungen einfach so unter. Zum Beispiel diese beiden:

»Auch die Öffentlichkeit ist laut der Stadt herzlich willkommen. Es gibt einen Bierausschank.«

Aha, so so. Die Öffentlichkeit ist willkommen.
Wer ist die Öffentlichkeit? Die Biertrinker. Denn es gibt einen Bierausschank. Für die Öffentlichkeit.
Wo muss sich die Öffentlichkeit hinwenden, um am Bierausschank ein Bier zu trinken? Nach Bayern halt. Warum? Das erklärt der Satz, der vor den beiden oben zitierten Sätzen steht.

»Außerdem kommt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU).«

Verstanden. Bierausschank und außerdem Markus Söder. Seines Zeichens Bayerns Ministerpräsident. Mit geklammerter CSU dahinter. Anderen Menschen außer Söder würde man deren Titel »Dr. jur.« (Doktor der Rechte, also der akademische Grad eines Doktors im Bereich der Rechtswissenschaften) voranstellen. Beim Söder nicht. Da wird die CSU hinten drangeklammert.

Also, um das „Herzlich Willkommen« der Stadt der Öffentlichkeit gegenüber am Bierstand schlucken zu können, sollte man einfach mal einem Ministerpräsident Deutschlands folgen. Dem Bayrischen selbstverfreilich. Bayerns Ministerpräsident. Dem Söder Markus. Von der Bayrischen Staatskanzlei (dem »Straußoleum«) aus startend. Dem Söder mit seiner hinten an ihn dran geklammerten CSU folgend. Folgen. Ja. Einfach nur mal folgen. Weil, denn das wird Folgen haben, wenn der Söder mit seinem hinten dran geklammerten bedeutenden Buchstaben. Ein Autokorso der Öffentlichkeit dem Markus Söder, Bayerns Ministerpräsident, einfach folgend und so findet die Öffentlichkeit zum Bierausschank. Prost.

Was so ein »Herzlich Willkommen« der Öffentlichkeit gegenüber nicht alles an einen Rattenschwanz an Auswirkungen hinter sich herziehen kann. Denn wo Rattenschwänze sind, findet oftmals auch ein Rattenrennen statt. Im Oxford-Englischen wird so etwas gerne als »rat race« bezeichnet. Das ist eine Art Redewendung, um sich auf die Situation in der modernen Gesellschaft zu beziehen, in der Menschen miteinander um Geld und Macht konkurrieren. »Rat race« war auch der Titel eines Films von Jerry Zucker aus dem Jahr 2001 (mit John Cleese in einer der Hauptrollen, findet sich auf YouTube auch als ganzer OF-Film), der im Deutschen ganz frei mit »Der nackte Wahnsinn« übersetzt wurde.

Der nackte Wahnsinn ist es auch, dass Markus Söder in den letzten Monaten immer dort zu finden ist, wo immer auch ein Bierausschank stattfindet. Das Gillamoos-Bierfest in Abensberg (begleitet von einem anderen Ministerpräsident, dessen Name wüst klingen mag, aber für NRW state of the art ist), das Oktoberfest in München (wieder begleitet von einem anderen Kommunalpolitiker, dessen Name eher an einen Ausübenden bei Pferdesportarten erinnert), die Einweihung einer Hopfenextraktionsanlage in Train (Landkreis Kelheim) oder halt wie morgen Nachmittag die Enthüllung einer Bronzestatue und dann am Abend direkt eine weitere Rede auf dem Festakt »150 Jahre Familienbrauerei Schneider Weisse« im Stammhaus der Brauerei in München halten …

Wer ist die Öffentlichkeit? Die Biertrinker. Und die sind immer willkommen. Denn nur beim Biertrinken lässt es sich so richtig gut bierselig södern.
Södern? »Södern« könnte locker als ein eingetragenes Markenzeichen von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) durchgehen. Seit dem Kreuzerlass für Bayerns Bürostuben durch Herrn Dr. jur. Markus Söder (Bayerns Ministerpräsident + CSU) wird »Södern« wie folgt definiert: das Betreiben von Symbolpolitik und von populistischer Politik, in der Hoffnung, bei zukünftigen Wahlen mehr Stimmen zu erhalten.

Und wann sind die nächsten Bayernwahlen, bei dem der jetzige Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) auch der zukünftige Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sein möchte? Richtig. 2023. Bis dahin fließt noch viel Wasser der Isar runter. Und Bier aus Bierausschänke in Kehlen der willkommenen Öffentlichkeit als Begleitmusik zu bierseligen Vorträgen eines Herrn Dr. jur. Markus Söder mit hinten angeklammerter CSU. Einer CSU, die auch dem Söder nicht hinten einfach vorbei gehen wird. Trotz Klammer.

Und worum geht es morgen bei der Statuen-Enthüllung?
Es wird eine Statue für den berühmten Gerd Müller enthüllt.
Keine Sorge, es handelt sich nicht um den ehemaligen Entwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU) aus Krumbach (ebenfalls CSU). Sondern es geht um den im letzten Jahr verstorbenen Fußballer, den »Bomber der Nation« Gerd Müller. Und die Statue wird in dessen Geburtsstadt Nördlingen (ebenfalls CSU) von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU; was sonst?) enthüllt. Falls es jemand vergessen haben sollte, Gerd Müller starb infolge einer Alzheimer-Erkrankung. Also der Fußballer ist gemeint, nicht die CSU in den Klammern.

Wo ein Wille, da ein Weg. Wo eine Öffentlichkeit, da ein Bierausschank. Wo ein Bierausschank, da ein Söder.

Wo ein Söder, da ein Bier.

Und diese Enthüllung – also mal ehrlich ganz unter uns gesprochen -, das ist keine Enthüllung. Denn Enthüllungen sind sowas von völlig nebensächlich.

An dieser Stelle sei jetzt mal genug für die CSU gesödert.

Und was schrieb Markus Söder (CSU) zum Thema „Drogen“ am 1. November 2022 auf Twitter:

Die Legalisierung von Drogen ist einfach der falsche Weg…

Stimmt, er meinte damit alle Drogen außer Bier, Schnaps, Wein, Tabak und CSU-Veranstaltungen. Denn es kann nicht sein, dass einem Bayer (oder Franken) jemand das Wasser reichen kann. Bier muss es schon sein. Zwangsweise. Sonst ist Bayern nicht mehr Bayern sondern ein Fall für Cancel Culture. Bier eine Droge? Söder ein Drogenbefürworter? Niemals!

Was meinte Nina Hagen schon 1980 dazu (aus „African Reggae„):

Sie sind nämlich hinter dir her, Du alter Kiffer
Dabei geht Ihre Geschellschaft am Alkoholismus zugrunde,
Aber dich jagen sie – DICH!

Und was sagen wir dazu? Prost!

Running up that hill – Den Hügel hinauf laufend

Hey! Du! Ich habe eine Forderung!

Drei Sätze, drei Ausrufezeichen. Reicht das? Verleiht es meiner Bitte Nachdruck? Muss ich auch noch reinste Großschreibung anwenden, um meiner Forderung Nachdruck zu verleihen.

H E Y ,  D U !   U N I V E R S U M !  H Ö R S T  D U  M I C H ?

Ich bin überzeugt, dass es keinen Gott gibt. Aber dafür gibt es das Universum, an welches man eigene Wünsche richten kann. So wie an dem Sams mit seinen Wünschpunkten. Oder der heiligen Maria und ihrem Jesus. Für ein Euro pro Leuchtmittel in der Münchner Frauenkerzen-Kirche. Wer das doppelte für sein Geld will, zündelt die Kerze an beiden Enden an. Das Licht, das doppelt so hell leuchtet, brennt nur halb …

Universum? Heio! Jemand da? Hoast mi?!?

Hörgeräte sind gerade im Sonderangebot. Da sollte mal das Universum zulangen. Nein, das ist kein frommer Wunsch. Sondern das ist meine Forderung ans Universum. Denn wenn es nicht dem folgt, was unsereiner will, wofür ist es denn dann gut? Versetzt Glaube jetzt etwa nicht mehr Berge?

Universum? Mach mal hinne! Schreib mal mit: ich will am Samstag um 13:42 Uhr einen freien Parkplatz genau in meiner Straße, vorzugsweise vor der Tür, wo sich meine Mietswohnung befindet!

Ich habe letztens den Kurs “Die Kraft des Wünschens: wie beim Universum richtig zu bestellen ist” mitgemacht. Jeder kann jetzt aus fahrlässiger Unwissenheit das gemeine Gegenteil behaupten, nur der Kraft des Wünschens kann selbst das Universum dem Individuum an sich gar nichts entgegen setzen. Die Kraft des tautologisch klassifizierten, einzelnen Individuums ist unmessbar. Bar jeder kalibrierten Messtechnik. Selbst einer Eichung abholt. Wo ein Wille, da selbstverfreilich auch ein Weg. Das weiß das Menschswesen bereits seit Gilgamesch. Und niemals wurde das durch jemanden überhaupt nachhaltig und stichhaltig widerlegt.

Universum! Es gibt keine Alternative zu meinem Wunsch, welches dein Befehl zu sein hat. Noch einmal zum Mitschreiben: Samstag. 13:42 Uhr und 43 Sekunden! Ein freier Parkplatz vor dem Gebäude meiner Mietswohnung. Ohne wenn und aber.

Ich brauche die Erfüllung dieses Wunsches. Unbedingt. Unbedenklich. Unwidersprochen.

Um 14:00:00 Uhr erwarte ich einen Anruf für ein neues Jobangebot. Das habe ich mit dem Jobmakler vereinbart und er hat es mir verbindlich zugesagt. Sollte ich um 13:42:43 Uhr nach meinem Brunch in der Münchner Innenstadt keinen Parkplatz direkt vor meiner Wohnung erhalten und meine exakt mathematischen Vorausabschätzungen nicht passen,  …

Universum! Wenn du es mir nicht erfüllst, ich rate dir dann, zieh dich warm an! Universum, ich kann das auch Freunden erzählen und dann wird dein Ruf ernsthaft beschädigt sein. Und das geht hin bis zu deinen Kindern. Quatsch, was sag ich. Bis hin zu deines Kindes Kindern. Weiter bis zu deines Kindes Kinders Kindern! Also, bedenke gut, ob du es wagen kannst, meinen Wunsch lediglich als Wunsch zu interpretieren! Ein geringer Wunsch, der easy zu erfüllen ist. Fakt. Also diskutiere nicht mit mir. 13:42:43 Uhr  .

Ich weiß, Druck bei Wünschen aufzubauen, ist grenzwertig, weil wohlmöglich auch fast in etwa unfair. Aber der Mond wurde auch nicht aufgrund eines drucklosen Wunsches betreten. Amerika wurde auch nicht entdeckt, weil jemand das Bedürfnis hatte an einen Baum zu pinkeln, und Jesus wurde auch nicht gekreuzigt, nur weil es ein Überangebot von Nägeln am freien Markt gab.

Universum! Universum! Hoast mi?

Es verletzt mich nicht, wenn das Universum mich nicht anhört. Willst du fühlen, wie es sich diese verletze Unverletzlichkeit anfühlen wird? Willst du wissen, was mich wirklich verletzen wird? Es ist, nicht berücksichtigt zu werden. Es ist das Gefühl, unwichtig zu sein, so wie ein Verhungernder im Jemen.

Wurst. Egal. Unwichtig. Willst du etwas über den Handel hören, den ich mit dem Universum mache?

Echt? Ich erzähle dir was. Wenn ich doch nur könnte, ich würde einen Handel mit Gott machen. Und ich würde ihn dazu bringen, dass er seine Platz mit mir tauschen würde. Er würde dann für mich die Straße vergeblich entlang rennen, den Berg sinnlos hinauf rennen, das Gebäude ohne Ziel nach oben rennen.

Wenn ich nur könnte.

Aber es gibt nur das Universum.

Das Universum und ich.

Daher betrifft es das Universum und mich.

Du, du Universum, du möchtest mich nicht verletzen, nicht wahr. Aber sieh nur, wie tief die Kugel meines Wunsches in meiner Brust steckt. Nicht ahnend zerreißt mich diese kleine Kugel meine Arterien in tausend große Stücke. Dessen Blut ergießt sich derweil über meine unschuldigen Hände. Oh ja, da donnert es in unserem gemeinsamen Herzen, in deinem dir Universum eigenem und in dem meinen kleinem Herzen. Wenn du nicht für mich bist, dann hasst du …

Universum, sag, gibt es soviel Hass für jene, die wir lieben, und für jene, die wir nicht lieben?

Universum, sag mir, wir bedeuten uns doch viel, nicht wahr? Du. Das sind du und ich.

Ich meine, das sind du und ich, und diese beiden möchten nicht unglücklich sein.

Universum, wenn ich es nur könnte, ich würde einen Handel mit Gott machen. Ich würde ihn dazu bringen unsere Plätze zu tauschen, die Straße entlang zu rennen, den Berg hinauf zu rennen, Gebäude nach oben zu rennen … Sag mir, wenn ich das nur könnte, oh…

Samstag. 13:42 Uhr. Wenn das nicht klappt, bin ich am Arsch.

Das Universum muss funktionieren, ansonsten kriegt es meine Rache zu spüren. Und das ist nicht nur das Thermostat im Winter auf “5”, das verspreche ich ihm schon jetzt, wenn es mir nicht folgt.

Rache ist ein Gericht das kalt serviert wird. Und daran sollte das Universum gewöhnt sein bei 0 Grad Kelvin, nicht wahr. Also ist meine Rache immer im Rahmen alles Machbaren.

Hasta la vista, Universum! I’ll be back!

Kneipengespräch: Der perfekte Kreislauf


»Ein Kölsch, bitte.«

»Ein Kölsch?«

»Aber alkoholfrei, bitte.«

»Alkoholfrei?«

»Alkoholfrei. Und kalorienreduziert.«

»Hamm’wa nich.«

»Kölsch light?«

»Leicht?«

»Light.«

»Hamm’wa nich.«

»Was habt ihr denn?«

»Kölsch. Strunzens normales Kölsch.«

»Kein Kölsch Lemon?«

»Nö.«

»Kölsch Holunder?«

»Nö.«

»Kölsch Isotonic?«

»Jedes Kölsch ist Isotonic.«

»Nein?«

»Doch!«

»Oh!«

»Also?«

»Dann halt ein Kölsch.«

»Kölsch ist aus. Noagerl-Bier haben wir noch. Direkt und frisch vom Oktoberfest.«

»Geh mir wech mit Oktoberfest. Ist mir Oberkante Unterlippe. Gib mir nen Kraneburger.«

»Keine Panik. Spässle gemacht. Ein Kölsch hab ich immer noch für dich.«

»Puh. Danke.«

»Keine Sorge, die Bayern machen aus den Rest-Wiener-Würstchen den Leberkäs und aus den Restleberkäs Wiener-Würstchen. Der perfekte Kreislauf. Ebenso machen die es mit dem Bier. Aus den Restweißbieren machen die deren Helles und aus den Helles …«

»… deren Weißbier, ich weiß.«

»Falsch. Die Kaufen sich im April die Reste aus den Kölsch-Gläsern vom Kölner Karneval, mischen es dem verbliebendem Hellen unter, lassen es gären und nennen es Weißbier.«

»Und das Noagerl-Bier?«

»Das sind die Reste vom Weißbier. Und auch vom Voll-Bier, dem Hellen. Die werden bis Anfang September gesammelt, mit Kohlensäure aufgewertet und dann als Oktoberfestbier auf der Münchner Wiesen verkauft werden.«

»Und die Reste vom Oktoberfestbier?«

»Die werden mit Zuckerkulör angefärbt und gehen als Altbiergrundstoff nach Düsseldorf-Stadt.«

»Und was machen die Düsseldorfer mit deren Alt, wenn was übrig bleibt?«

»Das geht als Export in die USA. Die machen damit deren Dark-Ale-Bier.«

»Und was machen die Amerikaner mit den Resten daraus?«

»Barbecue-Soße.«

»Und deren Reste?«

»Die gehen nach Bayern in die Döner-Spieße, die nach Berlin verkauft werden.«

»Und die Rest der Berliner Döner-Spieße?«

»Wenn es nicht zum Döner-Skandal aus Bayern mutiert, dann kauft der NRW-Ministerpräsident diese auf, um die NRW-Kornfelder der bedürftigen Landwirte dort zu düngen. Diese verkaufen dann deren minderwertiges Döner-Getreide, um daraus Kölsch zu brauen.«

»Damit die Menschen auf dem Oktoberfest in München was zu saufen haben.«

»Du hast es erfasst.«

»Fast.«

»Kölsch? Strunzens normales Kölsch.«

»Ja, bitte. Aber das Oktoberfest-freie Kölsch. Also Bio-Kölsch, bitte.«

“Bio-Kölsch ist leider aus. Das letzte Fässle war mit recycelten Wiener-Resten kontaminiert. Aber wir haben noch ein ultra-brutales ‘East-Cologne-Hut’-Kölsch. Das Kölsch der Kölsch-Fam.”

“Safe. Before es mi zerreist in diesem Dorf, dem Münchner Kuhkaffmetalitäsmonstrum.”

“Echt? Also stranger things? Dann macht es 13 Euro die Maß Kölsch.”

“???”

“Oktoberfest-Preise. Isso.”

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Zusatzfrage zum Oktoberfest:
Wenn Alkohol das Kurzzeitgedächtnis blockiert, was macht denn dann erst Alkohol?!?