Über Careca

Hang zur Satire, zur Ironie und zum Zynismus; Sinn für jeden Unsinn

The world according to Marx

Wollte mir gestern ein wenig die momentane Weltwirtschaft erklären. War in der Bibliothek und hatte nach Karl seinen Büchern gefragt.

Hatte die ganze Nacht gelesen, bin aber nicht wirklich klüger geworden. Festgestellt, dass das Buch „Unter Geiern“ hieß. Und von einem Karl May aber nicht Karl Marx stammte. Aber der Titel klang zumindest vielversprechend.

Erneut zurück in die Bibliothek und diesmal eindeutig nach Marx verlangt. Erhielt von einer eingeschüchterten Frau eine DVD, wo gleich viermal Marx vorkommen solle. Wusste nicht das Karl vier Brüder hatte. Die hatten einen Film gemacht. Marx Brothers im Krieg mit den Brüdern Groucho, Chico, Harpo und Zeppo. Film handelte um ein Land in finanzieller Notlage und über Kredite zur Rettung desselben. Viel gelacht beim Anschauen, aber immer noch nicht schlauer geworden, was Wirtschaftsdinge angeht.

Ein Beter aus der Kirche gegenüber kam und verkaufte mir das echte Kapital. Meinte der wirkliche Marx hieße Richard und nicht Karl.
Hoffe endlich damit in der Wirtschaft durchzublicken.

Ansonsten muss ich doch noch Friedrich Merz Buch „Mehr Kapitalismus wagen“ lesen …

Ab, du Wrack!

Was haben Mehdorn (Vornahme: Bahnchef), Glos (auch mit Vornamen, aber unwichtig, da fast auch nur ein deutscher Michel), Maria-Elisabeth Schaeffler (mit Doppelvornamen), der Dürener Immobilienhändler Anno August Jagdfeld (ebenso Doppelname), Josef Ackermann (zweiter Vorname Meinrad), Klaus Zumwinkel und Kurt Beck (beide ohne zweiten Vornamen) gemeinsam? Sie sind alle über 60 und stehen im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses.

Das ist jetzt eigentlich schön. Damit zeigt die deutsche Gesellschaft doch, dass sie was gelernt hat. Nachdem damals die deutsche Sprachgesellschaft eine öffentlichen Rüge wegen des Wortes „Altenplage“ (1995) aussprach. Und nachdem das Unworts des Jahres 1996 „Rentnerschwemme“ wurde.
Die Alten sind jetzt wieder wer.

Muss das jetzt sein?
Ich meine, da haben wir den Alten damals mal gezeigt, was wir von „Wohlstandsmüll“ (Helmut O. Maucher, 81 Jahre) halten. Und vor einer „Rentnerdemokratie“ hatte uns schon im letzten Jahr der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog gewarnt. Und da kennt sich der 74-jährige Roman als notleidender Bezieher satter Altersbezüge total sehr genau aus. Sprach doch bereits Karsten Vilmar von den positiven Effekten eines sozialverträgliches Frühablebens.

Warum kann man Leute über 60 nicht eine „Abwrackprämie“ einführen?
Die „Abwrackprämie“ ist doch die Errungenschaft der „Wegwerfgesellschaft“.
Mehrweg? Kenne mer nit, bruche mer nit, fott domet.

Alte Menschen? Sind potentielle Langzeitarbeitslose. Belasten die monatliche Statistik. Bruche mer nit, fott domet. Einer Vergreisung der Gesellschaft wäre entgegengewirkt und die oben bereits erwähnten Namen könnten keine Probleme mehr machen.

Man stelle sich die Schlangen vor den Krematorien vor, wenn da die Enkel und Enkelinnen in der Mitte ihre „Abwrackprämie“ untergehakt heranschleppen würden. Da kommen gleich Gefühle wie im Mittelalter auf. So wie bei den „Ritter der Kokosnuss“ und der Szene „Bringt eure Toten raus„.
Gut. Die SPD hätte dann plötzlich keinen Müntefering mehr. Kurt Beck wurde gerade auch 60. Aber bei Georg W. Bush hätten sicherlich Milliarden gleich Applaus geklatscht.
Die Aufregung um Ackermann und Zumwinkel? Gäb es nicht. Blutdruck wäre automatisch gesenkt.
Ohne Anno August Jagdfeld würden die Hotelangestellten vom bekannten weißen Hotel am Heiligendamm (da wo die Merkel mit Bush und Sarkozy heftig flirtete) ruhiger schlafen.
Ohne Mehdorn und Schäffler? Keine Aufregung mehr in den morgentlichen Schlagzeilen. Die reinste Entlastung für den Blutdruck.
Eine „Abwrackprämie“ für die Ü60-Generation? Eine spannende Generation, diese Generation von Kurt Beck bis Jopie Heesters.
Bringt eure Alten raus!„.

Letztens in meiner Kneipe, da kam ein alter Bekannter von mir rein. Ein Vertreter der Ü60-Generation.
Er bestellte gleich ein Doppelkorn und sah mich müde an.

„Gott, sei Dank, noch zweieinhalb Jahre bis zur Rente.“

Er kippte sich den Doppelkorn gleich hinter die Binde und bestellte den nächsten.

„26 Jahre habe ich für meine Firma die Kohlen aus dem Feuer geholt. 26 Jahre lang. Hab mich abgerackert wie ein Idiot. Aber jetzt scheint meine Erfahrung als 63-Jähriger nicht mehr zu zählen.“

Er kippte den nächsten Doppelkorn und bestellte ein Kölsch.

„Heute kam der Personalchef auf mich zu, dieser junge vierzigjährige Spund. Er bot mir für jedes Jahr Betriebszugehörigkeit 1000 Euro Abfindung, wenn ich die Firma jetzt verlassen würde.“

Er nahm einen schnellen Schluck und schaute mich säuerlich an.

„Weißt du, der kann sich seine Abwrackprämie in den Arsch schieben! Ich bin doch kein Auto! Die zweieinhalb Jahre krieg ich auch noch rum.“

Ich gab meinem Wirt mein Glas zum Spülen. Ohne Abwrackprämie. Weil Mehrweg.
Mittlerweile kann ich das Wort „Abwrackprämie“ doch nun nicht mehr ausstehen. Vielleicht erfindet da wer noch eine „Abwrackprämie“ für das abwracken dieses gehirnverkleisternden Wortes.
Ich würde mich einreihen in die Schlange der Abwracker.

Bringt eure Abwrackprämien raus!„.

Das Feuchtbiotop – Das Interview: The days after …

– Wo ist eigentlich der versprochene 5.Teil?
– Mir sind die Camp-Insassen ausgebüxt.
– Was ist passiert?
– Die sind mir aus dem Camp abgehauen.
– Beweise?
– Hab ich leider nicht. Die Quote war so schlecht, da liefen keine Bestellungen mehr für Werbung. Und ohne Werbung konnte ich nicht mehr die Kosten bezahlen.
– Sie gehen auch nach Quote und Werbung?
– Freilich. Das Gesetz von Angebot und Nachfrage.
– Ich glaube, Ihnen sind die Ideen ausgegangen und jetzt erzählen Sie den Lesern einem vom Pferd.
– Mit Essen spiele ich nicht.
– Wie bitte?
– Pferde sind ein Nahrungsmittel. Pferdewürste sind wohlschmeckend. Fragen Sie den Pferdemetzger Ihres Vertrauens.
– Ich bitte Sie. Vielleicht lesen hier auch kleine Mädchen mit. Sie sagten, Ihre letzten fünf Kandidaten seien aus dem Camp entwichen? Wie kam es dazu?
– Die sind aufgestanden, haben das Tor geöffnet und sind gegangen.
– Einfach so?
– So einfach.
– Haben Sie den Videobeweis?
– Wir sind hier nicht beim Eishockey.
– Wissen Sie, ich glaub Ihnen nicht.
– Wieso?
– Ich glaube, aufgrund der zurückgegangene Werbeeinnahmen, hatten Sie nach und nach Ihr Equipment verkauft. Daher auch die vielen Tonstörungen. Das waren in Wahrheit Ihre finanziellen Probleme.
– Sagen wir mal, ich hatte entschieden inflationäre Stagnation im ambivalent fluktuierenden Nullwachstum …
– Aha.
– … aber die Merkel hatte mir ein Konjunkturpaket in Aussicht gestellt.
– Und?
– Wurde nichts draus. Zumwinkel konnte ihr nicht sagen, wie viel Porto auf das Konjunkturpaket muss. Es liegt noch immer unverschickt bei Merkel rum.
– Und Lambsdorff?
– Hat mich geflissentlich übersehen.
– Von Brauchitsch?
– Ebenso. Die sprechen nur mit Nicht-Blaublütern nur in äußerster Notwehr.
– Hat der von Brauchitsch Ihnen keinen Briefumschlag übergeben?
– Doch er hat sogar einen extra für mich geklebt und mit „wg. Careca“ versehen?
– Und? Wieviel war drin?
– Nichts. Mein Name wäre zu kurz und von Brauchitsch faltet keine Geldscheine. So barbarisch sei er nicht, hat er mir gesagt.
– Sie sgaten, von Brauchitsch spräche nur in äußerster Notwehr mit Nicht-Blaublütern. Er spach mit Ihnen? Was haben Sie ihm auf die Brust gesetzt?
– Geflickte Informationen.
– Ich dachte Flicks Leichnam sei schon gefleddert?
– Eben drum …
– Aha. Und der Freddy Quinn?
– Wollte zu neuen Ufern aufbrechen und da nähme er nur Seemänner mit.
– Becker?
– Er gab mir die Handynummer der Sandy Meyer-Wölden.
– Von der blonden Sandy?
– Genau der. Er meinte, die sei ganz nett. Aber er hat mich gewarnt. Die würde nicht nachdunkeln.
– Nachdunkeln. Soso. Ah ha.
– Da hätte man ihm vorher falsches erzählt. Er war froh mit einer SMS gekündigt worden zu sein.
– Soso. Zurück zum Camp. Was war das wichtigste, was sie aus dem Camp mitnehmen konnten?
– Die Beleuchtung und die Kameraausrüstung.
– Nein, ich meinte, was das Camp für sie persönlich eingebracht hat? So als Bereicherung für ihr jetziges Leben?
– Die steuerfreien von den Zuschauern gespendeten Gelder für die abgezogenen Kandidaten.
– Abgezogen? Ich dachte, die seien ausgebüxt.
– Erst ausgebüxt und dann von mir abgezogen.
– Sie meinten wohl „abgezockt“, oder?
– Oh yeah! That’s the word!
– Ah ha. Nun ja. Ich danke Ihnen für das aufschlussreiche Gewäsch.

Das Feuchtbiotop – Tag 4 (Zusammenfassung)

Liebe Freunde der Feuchtgebiete draußen vor den Empfangsgeräten,

vier Tage haben die Prominenten aus Show, Politik und Wirtschaft schon im Steuerhinterziehungscamp hinter sich gebracht.

Der Auszug von Patrick Lindner wurde im Gegensatz zu den anderen zuvor nicht mit einem warmen Händedruck seiner Mitinsassen begleitet. Patrick äußerte sich in einem Interview mit unserem Kommentator Michael Schuhmacher enttäuscht über seinen Auszug. Er meinte, dass er mehr verdient hätte als jenes fast auf Hartz-IV-Niveau liegendem Geld. Da läge ja mehr Geld auf der Straße, als man ihm hier gegönnt habe. Michael Schuhmacher meinte darauf, dass er sich mit „Straße“ und „liegen“ besser auskennen würde als mit einem Karnevalspräsidenten wie den Hartz, den vierten.

Michael Schumachers Ausführungen über den Kerpener Karneval seiner Jugendzeit konnten leider wegen Tonstörungen nicht in seiner Gänze von sechs Stunden aufgezeichnet werden, aber es sei Ihnen versichert, dass Patrick Lindner auch in Zukunft auf ihren Empfangsgeräten zu sehen sein wird.

Als die Insassen wegen einem technischen Fehler live Michael Schumachers Ausführungen mit bekamen, fiel der Satz – es ist nicht mehr nachvollziehbar, wer diesen Satz ausgesprochen hatte -, dass er so dumm wie sein Kinn lang sei. Als wir Michael Schumacher mit dieser Aussage konfrontierten reagierte dieser beleidigt und ließ energisch kurz angebunden dementieren, dass sein Kinn überhaupt lang sei. Leider konnten wir jenes Kurzdementi eines technischen Folgefehlers wegen leider nicht aufzeichnen.

Trotz dieses kleinen Eklats ist die Stimmung im Lager noch immer ausgezeichnet. Wir blenden mal kurz rein, denn geben alle einen alten Freddy Quinn Schlager zum besten …

Wer will nicht mit Gammlern verwechselt werden? WIR!
Wer sorgt sich um den Frieden auf Erden? WIR!
Ihr lungert herum in Parks und in Gassen,
wer kann eure sinnlose Faulheit nicht fassen? WIR! WIR! WIR!
Die Welt von Morgen sind bereits heute WIR!
Wer bleibt nicht ewig die lautstarke Meute? WIR!
Wer sagt sogar, dass Arbeit nur schändet,
so gelangweilt, so maßlos geblendet? IHR! IHR! IHR!

Die Prüfung des gestrigen Nachmittags stand ganz im Zeichen der Mittwochslottoziehung und dessen Jackpott von 28 Millionen Euro. Es galt binnen 10 Minuten 100 Lottoscheine für „6 aus 49“ komplett auszufüllen. Als Belohnung wurde allen beteiligten eine steuerfreie Auszahlung von 40.000 Euro für den Fall geboten, dass keiner der Scheine den Jackpott knacken sollte.
Leider wurde die Prüfung nicht bestanden. Otto Graf von Lambsdorff, von Brauchitsch und Graf Zumwinkel bestanden auf eine persönliche Referentin, die diese Aufgabe erledigen sollte. Von ihnen kam somit kein Beitrag zur Erfüllung der Aufgabe. Boris Becker und Freddy Quinn fielen dabei auf, dass sie entweder zu viele oder zu wenige Kreuze setzten.
Zur Strafe wegen der verlorenen Challenge wurde allen Beteiligten 10 Prozent von deren Kontostand abgezogen. Zumwinkel drohte zwar sofort mit seinem Auszug und seinem Rechtsanwalt. Wir ließen aber durch Security-Beamte der „Sonderzugreifftruppe Greifswald“ sofort dessen iPhone konfiszieren und Herrn Zumwinkel per Spritze ruhig stellen. Leider existieren keine Bilder dazu, weil wir die technischen Störungen von zuvor noch nicht behoben hatten.

Aufgrund dieses nicht wirklich erfreulichen Zwischenfalls verzichteten wir heute auf den Auszug eines der Camp-Teilnehmers.
Und bevor jetzt einige aufgeregt zu den Telefonhörern greifen werden, wird haben Herrn Zumwinkel sein iPhone freilich wieder zurück gegeben, nachdem er sich uns gegenüber wieder kooperativ gezeigt hat. Auch in seinen ersten Gesprächen mit seiner Frau und seinen Managern direkt nach der Rückgabe seines iPhones konnten wir keine weitere Widerborstigkeit von ihm feststellen. Seine Gespräche mit den Angerufenen verliefen in einer freundlichen und konstruktiven Atmosphäre, so unser informeller Mitarbeiter für „Akustik- und Tonangelegenheiten“.

Ansonsten verlief der Rest des Tages harmonisch und ohne Konflikte begleitet von Freddys Gitarre und Gesang.

Morgen steht die ultimative Challenge für die Campinsassen auf dem Plan. Durch konzertierte Aktionen werden alle vier Insassen die Deutsche Bahn AG kaufen und dazu bei diversen Landesbanken hohe Kredite aufnehmen. Danach werden sie gemeinsam feststellen, dass wegen der Finanzkrise die WestLB und BayernLB plötzlich ihr Geld wieder haben wollen. Im Interesse der Sicherheit der Arbeitsplätze der Arbeiter und Angestellten der Deutschen Bahn AG, die alle in den Wahlkreisen der Minsiterpräsidenten, MdB und MdLs einen Bahnhof unterhalten, werden sie dann von der Bundesregierung ein Konjunkturpaket fordern (in Form von Peanuts).
Ziel ist es, ein Geldübergabetermin bis morgen abend auf einem Arbeitsplatzrettungsgipfel zu vereinbaren, an dem dann fünf große Samsonite-Koffer mit nicht registrierten Scheinen aus dem Konjunkturpaket gefüllt werden.
Danach wird die Deutsche Bahn AG wieder an dem Mehdorn verkauft, das geschuldete Geld an die Banken zurückgezahlt und das eingenommene Geld steuerfrei redlich unter alle Camp-Insassen aufgeteilt.

Wir können Ihnen schon jetzt einen spannenden Tag für morgen prophezeien, an dem hemmungslos steuerfreies Geld geschäfflert wird.

Non scholae sed vitae, wie der Lateiner zu sagen pflegt. Nicht für die Schule lernen wir hier, sondern fürs Leben.

Also schalten Sie morgen wieder ein zum
„Das Feuchtbiotop – Tag 5 – Die Zusammenfassung“

Das Feuchtbiotop – Tag 3 (Zusammenfassung)

Meine Damen und Herren,
ich begrüße Sie hier vom ehemaligen Bochumer Kohlebergwerk „Zeche Hannover“ vom dritten Tag des Feuchtbiotops.

Zu Anfangs eine traurige Personalie: Wir mussten uns von Verona und Franjo Poth verabschieden. Ein anonymer Anrufer hatte uns mitgeteilt, er sei im Besitz von Sex-Tapes, welche Verona und Franjo exklusiv beim … nun ja, Sie können sich ja denken wobei … zeigten. Da uns ja auch Kinder zusehen, hatte unsere Redaktionsleitung beschlossen, Verona und Franjo aus der öffentlichen Schusslinie zu nehmen, um Ihnen Zeit zu gewähren, darüber nachzudenken, dass man beim … nun ja, Sie können sich ja denken wobei … erstens das Licht aus macht und zweitens dabei nicht filmt.

Doch zurück zum Lager. Live hinunter ins Feuchtbiotop. Exklusiv hat sich prominenter Besuch angekündigt.

Vor fast drei Jahrzehnten fing er an, unermüdlich in seiner Branche tätig zu sein. Vormals einer der jungen Wilden zählt er heute zu Deutschlands Erfolgreichsten. Bekannt ist er in und aus Funk, Fernsehen, Sport und Politik. Niemand kann ihm nachsagen, dass er Berührungsängste habe, mit Menschen in Kontakt zu treten. Weder damals mit Möllemann, noch mit Merkel, Schmidt, Bohlen oder Verona Poth. Den einen gilt er als moralische Instanz, den anderen als das soziale Gewissen des kleinen Mannes. Er geht dahin, wo es schmerzt, und noch drüber hinaus. Er sitzt gerne in Studios, notfalls geht auch in Containern, wo Kameras stehen und ein Mikro frei ist. Mit geputzter Brille, freundlichem Lächeln und korrekten Wellen im Haar, so kennen wir ihn. Erst letzten Montag war er wieder im deutschen Late-Night-Talk-Fernsehen von der ARD. Fragen perlten genauso an ihm ab, wie an seinem Gegenüber. Guido Westerwelle war sein letzter Promi, heute ist er hier bei uns: Reinhold Beckmann.
Wir schalten jetzt direkt um ins Lager:

Liebe Campbewohner, liebe Grafen von und zu. Begrüßen Sie bitte den Meister des investigativen Interviews…

– Die schicken uns Jürgen Fliege!
– Oder die Meischberger.
– Ist die Meischberger farbig?
– Quatsch! Kerner kommt.
– Warum nicht der Geissen?
– Ich will den Pilawa!
– Der Geissen soll kommen. Ich möchte seine Frau kennenlernen! Die hab ich schon im Playboy gesehen gehabt.
– Äh, ist die vielleicht farbig?
– Ann Will will ich!

… begrüßen Sie den Moderator aus 10 Jahre „Beckmann“. Begrüßen Sie Reinhold Beckmann.

Beckmann: Steuerhinterziehung ist so aktuell wie nie. Immer mehr Menschen finden sich vor Oberlandesgerichten wieder, weil der Staat noch Geld von denen zu erhalten hat. Die Ausrede vor Gericht, die Steuergesetzbücher seien zu dick und man sei mit dem Lesen noch nicht fertig geworden und hätte daher vergessen, Steuer zu zahlen, wird meist mit der Auffüllung des persönlichen Vorstrafenregisters durch deutsche Gerichte belohnt. Unsere heutigen Gäste sind alle ohne Ausnahme vorbestraft, also Straftäter. Da muss ich noch mal nachfragen. Freddy und Patrick, ihr beide habt ja letztendlich gesungen, vor dem Richter. Um Strafmilderung zu erreichen. Was macht das mit euch? Wie fühlt sich das an?
Lindner: Also mich macht das betroffen.
Quinn: Sturzbetroffen.
Beckmann: Das will ich genau rausarbeiten. Vorbestraft. Darf man das? Herr Von Brauchitsch? Herr Otto Graf Lambsdorff?
Von Brauchitsch: Bestraft vor wem? Passt das in einem Briefumschlag? Welchen Namen muss ich draufschreiben? Wegen wem?
Lambsdorff: Hauptsache man ist nicht bestechlich, Herr Beckmann. Und für Briefumschläge gilt bekanntlich das Postgeheimnis.
Beckmann: Postgeheimnis. Da sind wir bei Ihnen, Herr Zumwinkel. Wie fühlt sich das an? Sie ließen gestern verlauten, bei Ihrer Hausdurchsuchung wäre es zugegangen wie auf einer Bambi-Verleihung. Sie kennen sich aus, sie haben ein Bambi erhalten. Wie sieht es bei einer Bambi-Verleihung aus?
Zumwinkel: Unverschämt war das. Die Beamten sind bei mir einfach eingedrungen, ohne sich vorher anzumelden. So was macht man doch nicht, oder, Herr Beckmann. Haben denn die keine gute Kinderstube? Und überhaupt Postgeheimnis. Höre ich etwa Briefe ab?!?
Beckmann: Das ist interessant. Das will ich jetzt genau rausarbeiten. Herr Becker, auch Sie haben ein Bambi erhalten und sind inzwischen auch vorbestraft. Macht das Bambi anfällig für Einträge ins Vorstrafenregister?
Becker: Äh, ich sach da mal so. Also, so ein Stück weit, so aus dem Bauch raus. Rehbraune Bambiaugen faszinieren mich schon immer.
Beckmann: Hmmm, interessante Geschichte. Augen sind wichtig. Der Spiegel der Seele. Das verstehe ich. Aber was macht das mit uns? Und: Wo sind wir hier eigentlich? Das will ich jetzt genau rausarbeiten.

Meine Damen und Herren, an dieser Stelle müssen wir uns aus dieser hochinteressanten Gesprächsrunde über investigativer Steuerhinterherziehung ausblenden.

In der Zwischenzeit hatten wir Anrufe beunruhigter Mütter erhalten, die sich wegen den Sex-Tapes der Poths besorgt gezeigt hatten. Da ja hier auch Kinder zuschauen und damit konfrontiert werden könnten, unsere Botschaft an die Kinder:

„Liebe Kinder! Bitte nicht, nie, niemals nicht, unter keinen Umständen nie-nie-niemals-nicht nachmachen! Sex ist nichts für Euch! Ist pfui! Ist bäh!“

Den beunruhigten Vätern werden wir später in unseren Nachrichtensendungen bekannt geben, welche Internetadresse sie explizit für ihre Kinder sperren müssen, damit diese nicht die Sex-Tapes der Poths herunterladen können.

Und nun noch schnell den Namen des Kandidaten mit dem niedrigsten Kontostands:
Patrick Lindner.
Seine 371 Euro werden wir ihm in einem von Brauchitsch persönlich abgezeichneten Briefumschlag zustellen. Freilich erst dann, wenn uns Herr Zumwinkel verrät, welche Briefmarke wir draufkleben müssen.

Wir schalten um zur Werbung.

Das Feuchtbiotop – Tag 2 (Zusammenfassung)

Und auch heute, meine Damen und Herren draußen an den Empfangsgeräten, bieten wir Ihnen eine Zusammenfassung des gestrigen Tages.

Kaiser Franz ist leider nicht mehr als Kommentator dabei. Er hat den Michael Ballack gestern persönlich nach London zurück begleitet. Dafür wird sich Michael Schuhmacher nun ganz seiner Kommentatorenrolle hingeben.

Gestern gab es hat auch einen Anruf seitens der CSU-Politikerin Angela Lieblich gegeben. Sie wollte wissen, ob wir hier wie ZDF und RTL auch Kot als Quotenfänger präsentieren werden. Da hatte sich der Michael Schuhmacher gleich direkt ins Gespräch eingeklinkt. Er selber habe ja nichts gegen Kot. Er habe schließlich auch Kotflügel an seinem Auto. Und die seien übrigens rot. Zwar würde er jetzt eher für Nordrhein-Westfalen international werben. Also mit Motorrad und ohne Kot, äh Kotflügel. Aber das sei ja nicht verwerflich. Denn ansonsten synchronisiere er ja auch rote Ferraris in Zeichentrickfilme und das sei höchst kompliziert, denn die Synchronität zwischen …

Das Gespräch konnte leider wegen Tonstörungen nicht in seiner Gänze von vier Stunden aufgezeichnet werden. Aber es sei Ihnen versichert, Frau Angela Lieblich wurde nicht mit blutendem Ohr an ihrem Hinterbänklertisch aufgefunden.

Der Rest des Tages stand ganz im Zeichen des Urteils von dem Bochumer Landgericht.
Das Urteil gegen Zumwinkel (zwei Jahre auf Bewährung plus 1 Million Euro Strafe) wurde mit einem allgemeinen Kopfschütteln von allen Beteiligten zur Kenntnis genommen. Boris Becker verwies darauf, dass er für die Hinterziehung von 1,7 Millionen Euro nur eine Strafe von 500.000 Euro plus zwei Jahre Bewährung erhalten hatte. Selbst Freddy Quinn musste für 900.000 Euro Hinterziehung nur 150.000 Euro Strafe plus zwei Jahre Bewährung verkraften. Selbst Patrick Lindner zahlte nicht mehr. Und Lambsdorff selber zahlte mit einem Ministeramt plus ca 90.000 Euro Strafe.
Allein Peter Graf und von Brauchitsch waren den Tränen nahe:
Graf erhielt dreieinhalb Jahre Knast ohne Bewährung für über 6 Millionen Euro Hinterziehung. Der ehemalige Flick-Manager von Brauchitsch erhielt zwei Jahre Gefängnis, die aber gegen eine Zahlung von 250.000 Euro auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurden.
Schließlich nahm Otto Graf Lambsdorff beide tröstend in die Arme und beruhigte sie, sie sollen sich nicht aufregen, Steuerhinterziehung sei ein weit verbreiteter Vorgang. Also nichts schlimmes. Schlimmer wäre es doch, würden die Roten ab Oktober in Berlin allein regieren.

Auf das Stichwort „Roten“ hin, kommentierte Michael Schumacher auch gleich sofort. Rot sei für ihn kein Problem. Da sei er tolerant. Er habe damals auch für rote Autos seine Synchronstimme gegeben und noch heute könne er seine Sätze auswendig. Er würde sie auch gerne aufsagen, aber leider habe er den Zettel verbummelt, auf denen die Sätze standen. Aber er hätte den Chef des Synchronstudios schon angeschrieben und der wolle ihm eine Abschrift seiner Synchronpassagen …

Michael Schumachers Aussagen konnten leider wegen Tonstörungen nicht in seiner Gänze von zwei Stunden aufgezeichnet werden, aber es sei Ihnen versichert, das Moderatorenpaar Verona und Franjo Poth wurde nicht nicht mit blutendem Ohren aufgefunden.

Um die Camp-Kandidaten auf andere Gedanken zu bringen, wurde am Nachmittag die nächste Prüfung, eine Binnen-Aufgabe, angesetzt.
Binnen 30 Minuten sollten so viele Steuertipps aus dem geschenkten Konz der legalen 1000 Steuertricks genannt werden wie nur möglich. Dank Lambsdorff brachte es die Gruppe dann auf 1314 Tricks.

Verlassen musste das Camp im übrigen Peter Graf. Er erhielt 125 Euro aus seinem Kontostand. Auf die Nachfrage von Verona Poth, ob er das gewonnene Geld eventuell für notleidende Geschäftsunternehmer verwenden wolle, nickte er und steckte das Geld ein. In einer Großaufnahme sah man, wie Franjo dabei betroffen ein Tränchen verdrückte.

Auch diesmal verfasste die Gruppe wieder einen solidarischen Dankes-Brief für den Augeschiedenen. Von Brauchitsch hatte dann auch den entsprechend adressierten Briefumschlag mit Inhalt („wg. Graf“) gestiftet, Zumwinkel konnte jedoch erneut keine Auskunft darüber geben, welche Briefmarke denn auf den Brief gehöre.

Wie wir übrigens heute noch kurz vor Redaktionsschluss erfuhren, hat sich für morgen ein Promi angekündigt. Wer es sein wird, erfahren Sie morgen.

Jetzt aber wieder zurück zur Werbung nach Köln.
Und sehen sie danach unsere hochaktuelle Reportage:
„Maria-Elisabeth Schaeffler – eine selbstbewusste Frau plant ohne Gummi aber mit Staatsalimente“.

Das Feuchtbiotop – Tag 1 (Zusammenfassung)

Der gestrige Tag hielt schon die erste Überraschung parat.

Kandidat Nummer 9 und 89malige Nummer 13-Träger des DFBs, Michael Ballack, musste kurz nach dem Einzug leider seine Sachen wieder packen. Er habe einen Termin beim Münchener Bussi-Bussi-Starfriseurladen „baSH Club“. Der von Joachim Löw kontrollierte Leitwolf Ballack monierte, seine Fönfrisur sei ein wenig zu lang geworden und so könne er nicht arbeiten.

Kaiser Franz kommentierte später die Szene knurrend: „Manchmal sind mir die Empfindlichkeiten ein bisschen zu groß. Das ist ein Mimosenhaufen geworden, das ist schier unglaublich. Die sollen ihren Mund halten und Fußball spielen.“

Als die restlichen Kandidaten bestürzt die Nachricht erhielten, dass Ballack wieder gehen würde, wollten sie diesem einen Dankes-Brief für seine Teilnahme schicken. Das Vorhaben scheiterte am Porto. Peter Graf hatte zwar einen 50 Euro-Schein für Briefmarken und von Brauchitsch den entsprechend adressierten Briefumschlag mit Inhalt („wg. Ballack“) gestiftet, jedoch konnte Zumwinkel keine Auskunft darüber geben, welche Briefmarke auf dem Brief geklebt werden müsse. Als Ersatz stimmte Freddy Quinn stattdessen auf einer Gitarre im Duett mit Patrick Lindner ein wohl gelauntes „Junge, komm bald wieder“ an.

Während Boris Becker und Peter Graf sich im Hintergrund über Steffi und Grafiker im allgemeinen unterhielten, wurde Paul Schockemöhle derweil als erster von den Zuschauern rausgewählt. Paul Schockemöhle verzichtete auf seinem ihm zustehenden Kontostand zugunsten notleidenden Unternehmern und Bänkern und übergab das erhaltene Geld der Moderatorin Verona Poth. Diese leitete den Betrag direkt und unverzüglich weiter und Franjo bedankte sich darauf artig für den erhaltenen einen Euro.

Kurz vor dem Schlafengehen erhielten dann die Campbewohner noch die bereits ersehnte Prüfung. Die Gruppe sollte darstellen, wie es ist, wenn man kein Geld mehr hat und deshalb am Stock gehen muss. Otto Graf Lambsdorff bewältigte die Aufgabe wortlos mit seinem Stock im Alleingang bravurös binnen Sekunden.

Als Belohnung für diese erfolgreich absolvierte Prüfung erhielt jeder aus der Gruppe ein Konz Taschenbuch. Die enthusiastische Freude über 1000 ganz legale Steuertipps für das Jahr 2008 wurde dann aber von jedem Teilnehmern in deren Bescheidenheit gekonnt versteckt.

Das Feuchtbiotop – Prolog (Die ultimative Fernseh-Show)

Meine Damen und Herren,
liebe Fernsehzuschauer,
liebe lesende Schwerhörige auf Videotexttafelseite 351,
liebe sehbehinderte Zuhörer mit Bildsuchlauf,
liebe Kinder und Kleinstkinder
ich begrüsse Sie hier vom ehemaligen Bochumer Kohlebergwerk „Zeche Hannover“ zu unseren neuen Show

„Das Feuchtbiotop“.

Unter der Leitung des reizend insolventen Moderatorenpaares Verona und Franjo Poth werden 9 Kandidaten bekannt aus Sport, Politik, Werbung, Wirtschaft und Fernsehen für Sie daheim an den Fernsehgeräten spannende und lehrreiche Prüfungen bestehen.
Prüfungen, die sich gewaschen haben.
Prüfungen, bei denen die Kandidaten beweisen können, wie sie waschen können. Und zwar Geld. Schwarzgeld. Sie werden uns Tipps geben, wie Geld wieder blütenweiß wird, ohne zur Blüte zu gelangen. Sie werden Tricks erfahren, bei denen Hartz-4-Bürger begeistert Bröckchen lachen werden. Von denen selbst Steinmeier und Merkel noch was lernen können.

Eine Woche lang werden 9 Kandidaten genau dort wohnen, wo die Steuerfahndung sie bereits schon einmal aufgegriffen hatte: am monetären Feuchtbiotop, dem Steuerhinterziehungssumpf.

Sie, liebe Menschen daheim an den Fernsehgeräten, werden Zeuge einer spektakulären Krötenwanderung. Und wie sich unsere Kandidaten für deren Kröten mit Herz und Hirn einsetzen, dass keine Kröte überfahren wird. Sie werden den Kröten Tunnel graben und egal wie schleimig sie ausschauen mögen. Sie werden ihre Kröten herzen, knuddeln und liebkosen.

Seien Sie dabei, wie unsere staatlich geläuterten Kandidaten sich über Steuersparmodelle austauschen werden. Wie sie ihre Mäuse hegen und pflegen, ohne dabei das Mausen zu lassen. Wie sie ihre Knete kneten, ihre Asche äschern, ihren Zaster rastern und hier an der ehemaligen Zeche ihre Kohle fördern, während die Zeche von anderen bezahlt wird.

Sie werden über ihr Vorstrafenregister philosophieren und darüber, welche Posten sie bei renommierten Unternehmen zur Resozialisierung als Straftäter erhalten oder erwirtschaftet haben.

Aber auch für Sie ist dabei etwas drin.
Sie lernen nicht nur was fürs Leben. Sie können auch was gewinnen. Sagen Sie uns, wer von den Kandidaten Ihr Sumpf-Favorit ist, und gewinnen Sie mit etwas Glück die Abwrackprämie von einem dieser Steuerhinterzieher und dessen steuerermäßigten Luxusauto im Werte von 2.500 Euro.

Überweisen Sie dazu jeweils immer ein Euro auf das Konto eines der Kandidaten und der mit dem niedrigsten Kontostand scheidet aus.
Jeder Kandidat erhält beim Ausscheiden seinen Kontostand steuerfrei als Gewinn ausgezahlt. Der Sieger am Schluss der Woche erhält zusätzlich noch eine Siegerprämie von 60.000 Euro aus dem Sozialfonds für straffällig gewordene Prominente.

Als hochkarätige Kommentatoren, die ihren Senf zu den ausgeschiedenen armen Würstchen geben werden, konnten wir seine Hoheit den Kaiser Franz Beckenbauer – ein in Österreich lebender Millionär – und seine Durchlaucht den Flitzer Michael Schuhmacher – ein in der Schweiz lebender Millionär – verpflichten. Regelmäßig werden sie die Steuerspartipps kommentieren und auch von ihren Erfahrungen mit Steueroasen berichten.

Das ganze haben wir für Sie mit den 25 Jahren Erfahrung im Privatfernsehbereich in vorzüglichem High-Tech aufgerüstet:
Die Bilder aus dem Sumpf-Camp werden in HDTV und Dolby-Digital 5.1 ausgestrahlt. Damit können Sie den ganzen Sumpf noch deutlicher sehen und Ihnen wird kein noch so kleines Geräusch entgehen.

Und hier die Kandidaten!

Kandidat Nummer 1:
Boris Becker

Namensgeber der „Becker-Rolle“ am Netz (nicht zu verwechseln mit seiner in der Öffentlichkeit bekannten „Prinzenrolle“ für dunkles) mit nachfolgender Becker-Faust. Die „Becker-Rolle“ ist auch als „Becker-Hecht“ bekannt. Hierbei handelt es sich bei dem „Becker-Hecht“ nicht um ein Tier und er darf auch nicht mit der philippinischen „Bufonaria borisbeckeri„-Schnecke verwechselt werden. Aber Namenspate für die Schnecke ist Boris Becker trotzdem.
Desweiteren ist BB legendär wegen seines bekannten postorgasmischen Ausrufs „Ich bin drin“. Drin ist er nicht nur im Internet sondern auch als Poker-Face in der Werbung und ebenfalls damals auch als Hauptdarsteller von Gerichtsverhandlungen.

Kandidat Nummer 2:
Joachim Albrecht Eberhard Kurt Konrad Ferdinand von Brauchitsch

Ein Mann mit verdammt langem Namen und noch verdammterer Flick-Spenden-Affäre-Karriere. Er bewies, dass er ein Meister im Verpacken von Geldscheinen in Briefumschlägen ist. Er gilt ferner als Erfinder der Abkürzung „wg.“ (wegen), mit der die Spenden gezeichnet wurden („wg.“ gefolgt vom Namen des Empfängers). Prominente Empfänger dieser Briefumschläge waren unter anderen Franz Josef Strauß, Helmut Kohl, Walter Scheel (FDP) und Hans Friderichs (FDP).
Ein weiterer Empfänger hatte auch so einen Briefumschlag erhalten und dann nicht versteuert. Jener Briefumschlag wurde nach unbestätigten Gerüchten nur deswegen gefunden, weil der Name darauf fast so lang wie der von Brauchitsch war. Er hieß …

Kandidat Nummer 3:
Otto Friedrich Wilhelm von der Wenge Graf Lambsdorff

Ein Musterbeispiel für resozialisierte Kriminelle mit Krückstock. Ihm wird fälschlicherweise der legendäre Satz „Geld? Brauchitsch nich“ untergeschoben. Straffällig geworden und am 16. Februar 1987 rechtswirksam vorbestraft half die FDP ihm im Jahre 1988 auf den Parteivorsitzsessel.

Kandidat Nummer 4:
Klaus Peter Richard Otto Zumwinkel

Das neue schwarze Schaf vom Niederrhein, ein erfolgreicher Briefmarkenkleber (feuchte Zunge, trockene Rede), Manager des Jahres 2003, Sprachpanscher des Jahres 2002, ausgezeichnet mit dem Medienpreis Bambi, dem Großen Bundesverdienstkreuzes und einen weiteren Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen. Er war beinahe erfolgreicher Gründer der Liechtensteiner Pseudo-Stiftung „Devotion Family Foundation“.

Kandidat Nummer 5:
Patrick Lindner

Schlagersänger, Moderator, Schauspieler und für ältere Frauen der ideale Schwiegersohn, der niemals seine Frau mit anderen Frauen betrügen würde.

Kandidat Nummer 6:
Freddy Quinn

Ebenfalls Schlagersänger, Moderator, Schauspieler, dazu noch Artist, Bundesverdienstkreuzträger I. Klasse der Bundesrepublik Deutschland und Inhaber der Biermann-Ratjen-Medaille. Der gute alte Freddy, der nicht mit Gammlern verwechselt werden will.

Kandidat Nummer 7:
Paul Schockemöhle

Springreiter, Fast-Olympia-Sieger, ehemaliger Pferdebarrer und jetziger Geschäftsmann.

Kandidat Nummer 8:
Peter Graf

Gelernter Versicherungskaufmann und Gebrauchtwagenhändler. Auf Basis dessen weitergebildet zum Tennistrainer, ehemaliger Finanzberater von Boris Becker und Vater von Tennis-Wunderkind Steffi Graf.

Kandidat Nummer 8:
Michael Ballack

Balltreter, mehrfacher „Deutschlands Fußballer des Jahres“-Sieger und Liebhaber von unverzollten Handtaschen aus Schlangenleder.

Meine Damen und Herren!
Das Spiel beginnt!

Die Sumpfcampbewohner werden vorgefahren und steigen aus. Von luxuriösen Stretchlimousinen über Audis Q7 bis hin zum röhrenden weißen Hummer ist alles, was bedeutenden Hubhohlraum unter der Haube hat, vertreten.

Keine Sorgen, meine Damen und Herren.
Die Fahrzeuge, die Sie jetzt sehen sind zwar alles spritfressende SUVs, aber jedes einzelne Fahrzeug hat die grüne Plakette, so dass man mit denen auch innerhalb den Umweltzonen der Großstädte schnell von Tankstelle zu Tankstelle kommt.

Ich denke, wir lassen die Bilder auf uns wirken und schalten jetzt wieder zurück nach Köln. Zur Werbung.

(Diese Sendung wurde Ihnen gesponsert durch die Dresdner Bank und staatliche Commerzbank. Ihre Beraterbank. Das ist nicht mehr normal für eine Bank …)

Logisch

Die Deutsche Telekom will bis zu 3500 neue Mitarbeiter einstellen.
Wie bitte? Ich dachte wir leben in ner ernsten Krise. Da müssten doch Stellen abgebaut werden. Ist aber nicht.
Warum?
Ganz einfach.
Die Leute, die inzwischen weniger arbeiten (Kurzarbeit oder Stellenstreichung) haben mehr Zeit zum Telefonieren … ja, das ist logisch, das wird es sein …

Die Geschichte von Böcken und Gärtnern und deren Berufe

Seltsam, da beteiligt sich der Staat an einer Bank in Finanznot, der Commerzbank. Nun gut, so sahen es die Hilfen ja vor, damit Banken mit maroder Wirtschaftung nicht den Bach runter gehen.

Da fielen mir die Landesbanken von NRW und Bayern ein. Rüttgers und Huber sagten unisono, dass sie nichts von deren Misswirtschaft wussten, obwohl die Länder mit in der Verantwortung der Landesbanken stehen.
Und dann war da noch die KfW. Die stand ebenfalls bereits unter staatlicher Überwachung.
Tja, weder die Politiker noch die Bankiers konnten sich dran erinnern etwas falsch gemacht zu haben.
Wieso da was falsch lief, das wusste sich niemand zu erklären. Shit happens. Dumm gelaufen. Silly running …

Wahrscheinlich nur ein Déjà-vu von mir. Alle sind ja jetzt klüger geworden. Es heißt ja bekanntermaßen, dass Schaden die Weisheit entwickelt, weil man aus Schaden klug wird. Das bei solchen Fälle die Auswahl zwischen Pest und Cholera geboten wird, das beruhigt nicht wirklich. Da keiner Schläge auf deren Hinterkopf erhalten hatte, wird wohl auch das Wachstums des Denkvermögen als Null- bis Negativwachstum verbucht werden müssen.

Jump you fuckers

„‚Jump! You Fuckers!‘ Eine Ermunterung aus persönlichem Fehlverhalten Konsequenzen zu ziehen.“

(von dem preußische Rentner Lothar Dombrowski alias Georg Schramm vom 25-November-2008 aus der ZDF-Serie „Neues aus der Anstalt“)

Als die Nachricht vom Selbstmord des Unternehmers Adolf Merckles bekannt wurde, fiel mir genau jene obige Szene ein.

In einem Kommentar in der „Süddeutschen Zeitung“ hatte Marc Beise für mehr Verständnis und eine verbesserte Fehlerkultur gebeten, die Fehler erlaubt, um aus ihnen zu lernen.

Ein Verfechter der Selbstmordforderung bin ich überhaupt nicht. Das japanische Selbstmordritual ist mir widerwärtig. Selbst dem palästinensische oder islamistische Selbstmordritual kann ich nicht das geringste abgewinnen. Sich der Verantwortung durch Selbstmord zu entziehen, ist feige. Für das, was man angerichtet hat, keine Verantwortung übernehmen zu wollen, das ist feige.
Die Zeitungen üben sich plötzlich in vornehmer Pietät und verwenden das Wort „Freitod“. Wie schön. Tod aus freien Stücken.

Wenn ein normaler Arbeiter einen entscheidenden Fehler macht, dann sucht man Forderungen nach einer verbesserten Fehlerkultur vergeblich. Da werden eher Forderungen nach Entlassung und Hartz-4-Laufbahn laut.
Wenn ein Manager zockt und verliert, dann sollte er nachher versuchen, seine Fehler in ihrer Konsequenz zu vermindern. Sich um deren Opfer zu kümmern.

Wer gewinnen will, dem muss auch ganz klar sein, wie die Konsequenzen einer Niederlage ausschauen (worst-case-Szenario). Gehe ich morgen zur Bank und nehme einen Kredit auf und kaufe mir davon Lottoscheine, dann muss mir schon klar sein, was passiert, wenn ich plötzlich keinen einzigen Treffer lande.

Die Arbeiter, die durch Adolf Merckle in Brot und Lohn standen, werden sich sicherlich verwundert entsetzt die Augen gerieben haben. Da hat sich der oberste Chef nach egomanischer Spielsucht einfach aus dem Staube gemacht …

Das, was man den Hedgefonts mit dem Wort „Heuschrecken“ vorgeworfen hat, passierte in deren eigenem Betrieb. Unten wurde gearbeitet, oben gezockt. Als das Wort „Heuschrecken“ für diese Art des neoliberalen Wirtschaftens geschaffen wurde, da schrien deutsche Manager auf und empfanden das als tiefe Beleidigung ihres wirtschaftlichen Tuns.
Offensichtlich hatte der Begriff genau das beschrieben, was die Manager ja alle nicht sein wollten.
Und nun sehen wir die Dominosteine fallen. Ein bisschen aus Self- fullfilling Prophecy, ein bisschen aus Krise, ein bisschen, weil man es so will. Die Einschläge kommen näher. Da bleibt zu hoffen, dass man sich selber nicht unter einen dieser Dominosteine aufhält.

In einer Buchhandlung fand ich die aktuellen politischen Bücher aufgestellt. So zwischen Abhandlungen zur Terrororganisation RAF und den Erinnerungen an eine rot-grüne Regierung, findet sich die provokante Aufforderung von Friedrich Merz mehr Kapitalismus zu wagen. Na, dann wollen wir mal mehr wagen. Wo ist die nächste Zockergelegenheit?

buecher

Tja, und im gesamten Bücherstapel lächelt huldvoll von oben milde der Bischof Marx mit seinem „Das Kapital“. Für seine Namensgleichheit mit Karl Marx kann er nichts, für die Titelgleichheit mit dessen Buch aber schon.

Crosstraining – Vorbereitung aus Superwahljahr

Europawahl, Bundestagswahl, Bundespräsidentenwahl, Neuwahl, Altwahl, Abwahl, Wiederwahl, Wahlkampf, Wahlplakate.

Ich habe mir schon ein kleines kariertes Blatt hervorgeholt und übe fleißig Kreuzchen machen.

Aus der letzten Bayernwahl (CSU ist ja begeisternd grausam abgestürzt)haben die Wahlmänner die Lehren gezogen. Die Kugelschreiber und Bleistifte zum Kreuzchen-machen werden nicht mehr einfach nur am Wahltisch so ausliegen. Ab sofort wird das Schreibzeug wieder an einem sehr kurzen Band geführt. Dann geht die freie Reichweite des Schreibzeugs nur maximal bis zu den Kästchen der C-Parteien. Jedoch soll es trotzdem Intelligenzler geben, die es schaffen, den Wahlzettel so zu verbiegen, um auch woanders ihr Kreuzchen machen zu können …
… aber egal, für eine einfache Mehrheit der C-Parteien sollte die Schreibzeuganbindung reichen …

Still, still, still …

Geschafft?

Ich sitze in meiner Kneipe und schau um mich herum. Es ist ruhig. Raucherschwaden ziehen an mir vorbei. Raucherclubzeit.

Hier und dort steht ein Mädel im allerneusten Zobel. Scheint wohl ein Weihnachtspräsent zu sein.

Stammt der Zobel eigentlich vom Hund ab? Muss deswegen ein Zobel als Kleidungsstück immer Gassi geführt werden? Und wenn in Kneipen, kann ich dann auf Tierquälerei pochen?

Ich schau mir die schwarzhaarige Frau in ihrem niegelnagelneuen Zobel an. Ihr Lachen ist eine Granate und beflügelt die Phantasie.

In Gedanken sehe ich das Stück Zobelfell an ihr herabgleiten und ihre elfenbeinfarbene Haut freilegen …

– Und? Weihnachten überlebt?

Klar, wer das war.

– Es gab rheinischen Riesling statt Kölsch.

– Trocken?

– Staubig trocken. Trockener als die Wüste Sahara.

Er seufzte.

– Jaja, so sind wir Deutschen. Bei uns muss alles trocken sein. Lieblicher oder halbtrockener Riesling, das ist nur etwas für Weicheier.

– Jener Riesling war nur eine Flaschenlänge vom Essig entfernt.

– Das nennt man „erfrischende Säure“ und leicht erfrischendes Zitronenbouquet.

– Quatsch! Das ist staubiger Essig. Und seltsamerweise hat jeder den Riesling als Einmaligkeit gelobt. Als ich dann vom halbtrockenen oder lieblichen Riesling mit dementsprechenden charakteristischen Aprikosenaroma erzählte, wäre ich fast gesteinigt worden.

Wir schauten in unsere Kölschstange. Neben uns hatte einer ein Hefeweiße mit einer Scheibe Zitrone empfangen. Muss wohl schön machen. In Karlsruhe serviert man Hefeweizen sogar mit Bananensaft. Wenn es schön macht, intelligent macht es auf alle Fälle nicht. Denn sonst wäre sowas schon ausgestorben …

Jede Jeck ist halt anders.

Er schien meine Gedanken erraten zu haben:

– Jeck, loss Jeck elans!

Ich nickte. Der Wirt tauschte wie immer kommentarlos meine leere Stange gegen eine volle Stange aus.

– Du warst schon lange nicht mehr hier.

Wenn mein Kneipenkollege etwas raus hatte, dann war es sein unwiederstehlihcer Unschuldsdackelblick.

– Naja, das Leben ist halt kein Stammtischlokal.

– Sondern?

– Maximal Fluchtpunkt Stammkneipe.

– Mit welcher Stammtischhoheit?

– Alles für den Dackel, alles für den Club!

– … unser Leben für den Hund. Wenn das nur der Herr Makielski wüsste.

Ich lachte. Ja, Hausmeister Krause und sein Herr Makielski, die würden mir hier noch fehlen.

Verdammt, das ist schon einige Zeit her, als ich dem Tom Gerhard in der Kneipe in der Kölner Kyffhäuserstraße am begegnet war. Und dann etwas später auf der Straße am Friesenplatz. Offensiv hatte ich ihn begrüßt. Direkt die Hand hingehalten und „Hallo“ gesagt. Ich erkannte ihn, er kannte mich nicht. Logischerweise. Ich hatte von ihm kein Autogramm verlangt, nur seine Hand geschüttelt (inzwischen vor zeugen schon mehrfach mit Wasser und Seife behandelt worden!). Und wahrscheinlich dachte er nur „Scheisse, bin ich bekannt“. Und ich dachte in jenem Moment nur „Scheisse, ist der bekannt“.

So ist halt die Gewaltenteilung zwischen Promi und Fußvolk: Ich erinnere mich an ihm, aber er sich sicherlich nicht an mich. Der Glorienschein Tom Gerhards scheint bei diesem Bericht auf mich herab und nicht umgekehrt. Wenn das der Herr Makielski wüsste.

– Gehste noch weiter?

– Nö, mir langt das Kölsch hier.

– Ich muss leider wieder zurück.

– Müssen?

Er lachte.

– Ich sagte ihr, ich sei mal kurz zum Zigarettenholen.

– Oha. Ehekrach?

– So in etwa.

– Hattet ihr zuviel Zeit zwischen dem Reden euren gesammelten Vorbehalten negativen Ausdruck zu verleihen?

Er schaute mich verwundert an.

– Ist da was in deinem Kölsch, oder was? Machst du mit mir ne Dissertation zwischen zwei Bestellungen?

Er winkte den Wirt ran und legte zwei Zehner auf die Tresen.

– Mach dem Spinner hier noch nen Kölsch und halt mich dann ab.

Ich schaute in mein Glas. Kohlensäureperlen stiegen auf und zerplatzen an der Oberfläche. Und je genauer ich hinschaute, um so mehr erschienen mir die Blasen wie Sterne. Wie Sterne, die vielen schnuppe sind. Deren Bahnen waren zickzack, nie geradlinig. Hatte darüber schon wer eine Dissertation geschrieben? Über die stochastische Verteilung der Aufstiegsbahnen von Kohlesäurebläschen?

Ich zerstörte weitere eigene Analysen durch einen beherzten Schluck aus meinem Kölschglas.

Ich suchte die schwarzhaarige Frau im Zobel. Aber ich fand sie nicht mehr. Die Kneipe erschien mir inzwischen verdammt leer.

– Trinkst du aus? Ich mach jetzt zu.

Ich war der letzte Gast. Trinken, zahlen und aus der Kneipe wanken, das sind Sachen , die ich aus dem eff-eff beherrsche.

Die Straße ist still. Eine Stille, wie bei einer Beerdigung. Kaum Menschen zu sehen. Im Grunde gehört mir die gesamte Straßenbreite. Ich versuche die Mitte vom Bürgersteig einzuhalten. Aber die Welt unter meinen Füssen scheint zu schwanken. Sie scheint dem Kölschen Takt zu folgen.

Die Häuserfronten gähnen mich schweigend an.

Es ist Weihnachten.

Mein Schlüssel fndet mühseelig das Schloss. Ich wanke zu meinem Bett und sinke hinein.

Weihnachten?

Na und?

Morgen ohne Sorgen (Fake der Woche)

Am Morgen ohne Sorgen geht die Sonne auf
Und klettert fröhlich unbeschwert den Himmel rauf

Man sieht die Menschen singend durch die Straßen gehn
Denn heute Nacht, da ist es geschehn.

Es zuckte durch die Dunkelheit ein rosa Strahl
Und änderte den Weltenlauf fundamental.

Fortgeweht ist alles, was uns drückt und ödet
Denn heute nachs sind alle
Reichen und Mächtigen
auf der ganzen Welt
ganz und gar
verblödet.

Doubleju Busch lässt die Anti-Terrorkriegsspiele stehn
Nimmt sich ’ne Flasche Bier und will die Sportschau sehn.

Gordon Brown läßt die Zügel schleifen
Will nur noch mit John Major im Hyde-Park reiten.

Der Steinmeier vergißt das ganze Finanzwesen.
Geht erst mal auf’s Klo, den neuen Playboy lesen.

Die Merkel hat den 500-Euro-Bogen raus
Sie fährt nach Disneyland und tanzt mit Mickymaus.

Ackermann schafft jetzt den Kapitalismus ab
Weil er mit ner Kubanerin ’ne Beziehungskiste hat.

Lafontaine gibt sein Parteiamt auf,
Weil er auf einmal seine Reden selber glaubt.

Der Papst hat heute keinen Bock
Und stopft sein ganzes Taschengeld in den Opferstock.

US-FED-Bank Chef Bernanke träumt voll Genuss
Sehnt sich nach dem Geschmack von Alan Greenspans Bruderkuss.

Nights in white memories

Private Weihnachtsfeier. Ohne Chef und nur mit denen, die auf gutes Arbeitsklima achten. Wenige administrative, dafür um so mehr operative Mitarbeiter. Zu den letzteren gehöre ich nicht, bin aber trotzdem dankbar von denen eingeladen worden zu sein. Ja, ich empfinde es als Auszeichnung. Das ist mir mehr Wert als Mehrwert auf dem Konto.

Ist es jetzt stark am Stauben? Tue gutes und rede darüber. Oder etwa nicht? Oder etwa doch?
Ach, mir doch egal. Ich han ne jeile Zick jehabt.

Der Rückweg durch ne weiße Landschaft, weil der Bus schon weg war. Ich kann Schnee nicht riechen. Jetzt ist er da und mein Riecher hatte mir nichts gemeldet.
Schnee.
Auf Tannenspitzen die güldene Stille blitzend wunderbar.

Damit wir uns nicht mißverstehen, ich hasse Schnee. Eis akzeptiere ich eigentlich nur im Longdrinkglas. Andererseits müsste ich mich schon seit langem an Kälte gewohnt haben wie das Schaf an den hungrigen Lämmergeier. Winter ist halt so.

Mir ist trotzdem frostig.

Der Abend wärmt mich noch. Auch ohne Glühwein oder anderen spirituellen Dingen.
Mir ist inwendig warm …

Veröffentlicht unter Privat

Seltsames in der Süddeutschen Zeitung …

Diego hatte … dem KSC-Spieler Christian Eichner an den Hals gegriffen. Der Unparteiische Guido Winkmann (Kerken) hatte die Szene nicht wahrgenommen und dies auch entsprechend in seinem Schiedsrichter-Bericht vermerkt.

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/sport/929/450648/text

Wie kann man etwas, was man nicht wahrgenommen hat, entsprechend in einem Bericht vermerken?

SZ_Bild

Wie man einfach an neue Musik kommt …

„Guten Tag, der Herr Fachhändler.“
„Guten Tag, der Kunde.“
„Sagen Sie mal, haben Sie MP3-Player.“
„Aber sicher. Dort drüben.“
„Hm. Haben Sie auch Gebrauchtgeräte? Also Geräte, die der Käufer kurz nach dem Einkauf wieder zurück brachte?“

Der freundliche Herr Fachhändler präsentierte mir vier Geräte. Ich wählte das 190 Euro teure 8 Gigabyte Gerät und kaufte es.
Zu Hause dann erstmal den Player an den Rechner angestöpselt, die Recovery-Software angeschmissen und über den 8-GByte-Flashspeicher laufen lassen.

Hm. Gar nicht schlecht. 30 Lieder. Von Boney M über Nena bis Beethoven.
Eigentlich nicht viel für 8 GByte. Eigentlich recht mickrig.
Als ich dann mal in das Player-Verzeichnis schaute kriegte ich doch große Äugelein. Da lagerten vom vorherigen Käufer noch 7 GByte Material. Von Klassik bis Pop komplette Alben. Und dazu noch einige Filmchen, unter anderem private.

Ich hab freilich alles diskret gelöscht.

Am nächsten Tag habe ich den Player zurück gebracht. 190 Euro für so ein Teil erschien mir doch ein wenig zu viel.

Nein, der Player sollte ein Geschenk sein und der Beschenkte hätte den schon. Ich wolle ihn zurück geben.
Der Fachverkäufer seufzte und nickte verständnisvoll und stellte mir eine Rückgutschrift aus.

Etwas später zahlte ich auf meinem Konto wieder 190 Euro ein.
Es lebe der Fachmarkt.
Tja, sowas gibt es online maximal bei ebay.

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Olfaktorisch

Es riecht nach Schnee. Keine Ahnung, wieso ich meine, dass Schnee rieche. Ein paar Münzen und Scheine sind in nehmen Taschen, aber das riecht auch niemand, geschweige denn ich. Oder kann ich etwa riechen, wieviel Geld ich in der Tasche habe. Mein After-shave rieche ich auch nicht, außer wenn ich es mir im Übermaß auftrage. Körpergeruch fällt mir selber auch nicht auf, wenn er mein eigener ist. Er fällt auf, wenn Nachbarn abrücken oder Gesprächspartner Tränen in den Augen haben, weil der Geruch so beist. Nicht, das ich stinken würde. Aber Eigengeruch ist schwer zu bestimmen, auch wenn er vorhanden ist.
Den Schnee riech ich, obwohl er nicht vorhanden ist.
Oder ist er, weil ich gestern die Wettervorhersage gesehen hatte?

Veröffentlicht unter Privat

Fundstück: Einladung aus der Vergangenheit

Plakat 70er

An einer Wand klebt das Plakat. Frau Käte Strobel, die Bundesminsiterin für Familie und Gesundheit im Kabinett des Bundeskanzler Willy Brandt, lud zu einem Vortrag über die Heilbarkeit von Krebs ein.
Frau Strobel lebt nicht mehr. Sie starb 1996.
Und das Plakat ist auch nicht mehr aktuell. Es wurde vor dem 22. Mai 1970 geklebt.
Nach mehr als 38 Jahren fand ich es in einer Fußgängerunterführung. Zwecks Renovierung hatte man die Verkleidung der Wand am Münchener Stachus herunter gerissen, um sie zu erneuern.

Archäologisches aus der Neuzeit.

Eigentümlich.

Automobilindustrie auf dem Jakobsweg

Google Schlagzeit
Der letzte Montag war bedeutsam.

Zuerst kam das Rüsselsheimer Dreigestirn König Foster, Bauer Demant und Jungfrau Franz geleitet vom sinkenden GM-Stern auf ihren Kanossa-Gang bei der deutschen Päpstin Merkel vorbei. Sie stiegen aus ihrem neusten automobilen Konstrukt „Insignia“ und brachten ihrer Hochwohlgeborenen Weihrauch, Myrrhe und etwas Katzengold dar. Als Ersatz kamen sie mit dem Versprechen von Milliarden zurück. Euronen, seid umschlungen.

Und kaum waren die beschenkten Schenker gegangen, kamen schon die nächsten Notleidenden. Zum Mittagsmahl kommen nun zu Merkel nicht die Reinen, Guten, Erlösten, sondern die Mühsamen und Beladenen, die erst durch Merkels Gnade Läuterung erfahren sollten. Der Junker Löw kam mit seinen Mannen und wollte denen unter Aufsicht vom Schäferdackel Bierhof zeigen, was denn die gute Frau Merkel für eine Fußballexpertin sei. Nach Journalistenberichten herrschte erführchtiges Staunen und keiner dieser namenlosen Gesichter muckte irgendwie auf und stellte ketzerische Fragen.

Ja, dieser Montag, der 17-November-2008, ging in die Geschichte Deutschlands als der „Montag der Leidenen“ ein. Und Frau Merkel als die Trösterin der Beladenen.

Wohin sowas jedoch führt, erfuhr dann die Nationalmannschaft zwei Tage später: gegen England verloren. Erneut in einem Olympiastadion verloren. Damals 1:5 in München und jetzt 1:2 in Berlin. Oh Schmach, oh Schmach, oh Schmach. Rachegedanken kamen aber höchstens bei den Besuchern des Fussballspiels auf. Der Rest war schon vor den Fernsehern entschlafen.

Opel und die Nationalmannschaft, am gleichen Tag bei der Kanzlerin. Ich hoffe, dass das jetzt kein schlechtes Omen für Opel sein wird.

Opel?
Da war doch was.
Genau.
Der Journalist Markus Breitscheidel hat im Stile eines Günter Wallraffs ein Buch geschrieben: „Arm durch Arbeit“. Vor einem Monat hatte das ARD dazu den Film „Leiharbeit undercover“ gesendet.
Markus Breitscheidel war auch Leiharbeiter in Rüsselsheim. Bei einer Aussuchfirma. Die Aufgabe solcher Firmen entspricht der Aufgabe der Tauben im Märchen „Aschenputtel“: Die schlechten ins Kröpfchen, die guten ins Töpfchen.
Und so dokumentierte Breitscheidel, dass er mit Kollegen die Aufgabe erhielt, chinesische Scheinwerfer für Opel Vectra nach Fehlern auszusortieren. Und so sortierten sie nach Vorgabe über die Hälfte der Scheinwerfer als fehlerbehaftet aus.
Bis, ja, bis dann ein Opel-Manager auftauchte. In der typischen Automobil-Manager-Tracht: blaues Hemd, Schlips und Kragen. Und der erklärte denen dann im überaus erregtem Ton, dass das überhaupt nicht toll sei, was die da so machten. Das Montageband würde in 20 Minuten stehen, würden sie so weiter sortieren. Sie sollen gefälligst so sortieren, dass keine Teile als fehlerbehaftet aussortiert würden. Breitscheidel und Kollegen taten wie ihm von jenem Manager befohlen.
Opel ließ im übrigen durch seinen Sprecher Frank Klaas (Sprecher Opel Europa) ganz klar und eindeutig erklären, dass die Angaben von Breitscheidel in keiner Weise nachvollziehbar seien und ein Verbau fehlerbehafteter Scheinwerfer nicht festgestellt wurde.

Diese Woche gab es aber nicht nur die Firma Opel in den Schlagzeilen.

Daimler in Sindelfingen geriet in den Fokus einiger Journalisten. Daimler Mitarbeiter aus dem Bereich der Qualitätssicherung haben offenbar dafür gesorgt, dass Aussuchfirmen Aufträge zugeschanzt bekämen. Die Daimler Angestellte (ein Mechanikermeister und zwei Sachbearbeiter der Qualitätssicherung) sollen bei den Baureihen der C-, E- und S-Klasse Oberflächen beschädigt, Schraubverbindungen gelockert sowie Flüssigkeiten in Bremsleitungen eingespritzt haben.
Aufgrund dieser Fehler wurden Auftragsfirmen zur Aussuchaktion beauftragt. Auf Kosten der Lieferanten, die diese Aussuchaktionen zu zahlen hatten. Die Auftragsfirmen sollen sich dann bei den drei Angestellten mit Viagra, Konzertkarten und Urlaube geschenkt bekommen haben.

Viagra? War da nicht mal was mit VW und Viagra?
Stimmt! VW-Manager sind nach Brasilien geflogen, haben sich Viagra eingeschmissen und dann wie 20-jährige in Betten von gemieteten Frauen benommen haben. Gebauer, Volkert, Uhl und Hartz, das waren die vier, die dabei in den Verdacht standen, sich auf VW-Kosten Sexerlebnisse in Rio de Janeiro an der Copacabana gegönnt zu haben. Haste Viagra in der Blutbahn, kannst poppen wie ein Truthahn.
Schon mal nen VW-Arbeiter diesen Spruch erzählt? Vorsicht vor tieffliegenden Gegenständen!

Die Geschichte mit den Aussuchfirmen ist im übrigen keine Daimler-spezifische Sache. Dass Aussuchfirmen Aufträge zugeschustert bekommen und deswegen manchmal arg nachgeholfen wird, ist normale Praxis in der Automobilindustrie. Der Käufer des Autos merkt davon nichts. Dadurch steigen auch keine Autopreise, denn für „Fehler“ zahlt immer der Lieferant und kann zum Jahresende zusehen wie seine Gewinnmarge wegsortiert wurde. Bei diesen Betrügereien geht hierbei nicht selten um sechs- bis siebenstellige Summen im Umsatz pro Jahr.

In der momentanen Krise leuchten die Automobilisten nicht wirklich als Beispiel. Und bei Opel, GM und FORD werden bei diesem Weihnachtsnachtsfest wohl dort aber trotzdem einige Lichter brennen.
Und zwar dort, wo die Finanzexperten hocken.
Fürwahr, ein wirklich besinnliches Weihnachten …

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Altersweisheit contra Jugendwahnsinn?

Wenn die Autoverleihfirma SIXT dem fast blinden Heesters ein Auto zum Fahren verleiht, dann kann man den Fußgängern in seiner Nähe schon mal ein guten Flug wünschen.
„Altersweisheit“ kann man den Machern dieser Werbung jedenfalls nicht unterstellen.

Heesters

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