Kneipengespräch: Luftige Gedanken

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“Große was?”

“Koalition.”

“Und was ist davon das Gegenteil?”

“Kleinkrieg.”

“Geht alles nicht. Hört sich nach dicke Luft an. Geht gar nicht!”

“Wem sagst du das. Ein Freund hatte letztens einen Job in der Bauleitung am Flughafen BER offeriert bekommen. Im obersten Baucontainer dort.”

“Wow! So ein Job ist zukunftssicher. Job mit Aussicht. Bis zu Rente Vollbeschäftigung. Sofort annehmen.“

“Er hat abgelehnt. Stattdessen ist er zu den Stadtwerken gegangen.”

“Schlechte Entscheidung. Wenn demnächst eh jeder sowieso umsonst fahren darf, im öffentlichen Nahverkehr. Bekloppte Idee. Völlig hirnrissig.”

“Idee ist die Entlastung der Straßen. Das schafft mehr Platz für unsere SUVs und andere Pferdestärken.”

“Ja, sicher. Mehr Parkraum für die Autos. Weil, die Bürgersteige werden nachts bei Schnee und Regen leerer. Wenn die ganzen miefenden Penner und stinkenden Junkies dann U-Bahnen, Busse und Straßenbahnen nutzen und mit ihrem Gestank alles verpesten. Nur, klappt das nicht. Denn so kriegste die Leute nur ruckzuck zurück in ihre SUVs und Diesel-Edeldroschken. Damit schaffste ÖPNV-Abstinenzler. Und wer soll dann das alles wieder zahlen, wenn jeder umsonst fährt? Schwarzfahrer als Gegenfinanzierung fällt ja dann auch weg.”

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Alles gut

Heute bin ich gutmütig. Normalerweise dürfen jene blau gekleideten  Menschenwesen nicht bei schneebedeckten Autos im „Anwohnerparken“ nach den Parkausweisen hinter den Windschutzscheiben forschen. Den Schnee zu beseitigen, ist verboten. Als Rache der Autohalter sind die Klagen wegen Kratzer am Fahrzeug zu häufig. Es ist in München den Politessen und Politess-Essenern untersagt, investigativ tätig zu werden: das Blech ist heilig! Das Schaben an Windschutzscheiben ist in München den Offiziellen ohne Polizeiabzeichen komplett untersagt.

Neuschnee. Neulich. Unberührt, jungfräulich weiß, unbefleckt (… hatte München zu Silvester etwa gar Smog? …)

Alle Fahrzeuge im „Anwohnerparken“ sind schneebedeckt. Sogar das Fahrzeug mit dem Kennzeichen „AC“. Ich habe aus einer gelangweilten, sadistischen Intention meiner einerseits das „AC“-Fahrzeug oberhalb der Motorhaube komplett vom Schnee befreit. Man gönnt den anderen ja sonst nichts. Brot für die Welt, aber die Butter bleibt hier. Der Fahrzeughalter hätte mich ob meiner Handlung wahrscheinlich am liebsten am nächsten katholischen Kirchturm brennend kreuzigen lassen.

Sieben Uhr abends. Sonnenuntergang war bereits Vergangenheit. Präteritum. Die Arbeit lange danach auch. Heimweg. Das Auto stand unberührt von meiner Aktion weiterhin dort. Das Verkehrsschild daneben versprach weiterhin jedem Autohalter nichts Gutes. StVO. Absolut Ungutes. StVO-Doppelplus-Ungut. Nur mir nicht. Freudig lächelnd erblickte ich das Knöllchen im Plastiktütchen unterm Scheibenwischer vom „AC“-Vehikel.

Gewissenbisse? Nö. Das Vehikel ist ja nicht meines. Was geht mich das Unglück anderer an? Also darf ich das. Ergo: Widerspruch zwecklos. Zahlen sollt ihr, ihr vorsätzlichen Falschparker!

Meine Kissenunterlage, jene für das Fenster zur Strasse hinaus, darauf wie eine römische, eherne Statue auf Ellenbogen abgestützt, die ist mit mir legendär. Die kennt jeder in meiner Nachbarschaft: Da bin ich der King und geachtet. Eine lokale Größe. Behandelt mit gebührendem Respekt. Man kennt mich als den „Anzeiger“ und respektiert mich für meinen Ordnungssinn und ob meiner STVO-Kenntnisse. Bin ja sowieso Ü50. Ich darf das und habe auch eine Lebensaufgabe: Alle Macht der STVO!

Echt jetzt? Nun ja, ich habe kein Auto … also egal …

Wenn ich groß bin, werde ich ein Ferrari

„Wenn Recht zu Unrecht wird, dann wird Widerstand zur Pflicht, mein Sohn!“, sprach der Herr Papa erregt zu seinem Sprössling auf dem Beifahrersitz.

„Aber Papi! Du kannst doch nicht …“

„Doch ich kann. Und zwar so wahr ich Johannes Berthold Bachmaier heiße. Ich kann!“

„Aber …“

„Wenn ich eines von meinen Eltern auf ihren Anti-Atombomben-Demos der 80er gelernt habe, dann das, dass man sich nicht alles zu gefallen lassen hat! Okay, die Anti-Atombomben-Demos waren pillepalle. Was sind schon Atombomben im Verhältnis zu dem, was Banken so an hohlen Spekulationsobjekten produzieren. Explodiert eine Atombombe, das betrifft einen eingeschränkten Kreis, vielleicht ne halbe Millionen Menschen. Wenn die Banken jedoch ihre Spekulationsobjekte zünden, dann stürzt so etwas mehrere Millionen ins Elend. Sagte bereits Warren Buffet. Nur, dagegen demonstriert niemand mehr, nicht einer von den 80er-Jahren-Friedensaposteln kommt aus dem Quark, nachdem bereits die Finanzwelt mit Massenvernichtungswaffen aufgerüstet hat! Nein, dagegen gibt’s von denen kein Widerstand! Null.“

„Aber Papi, nur weil  einer sagt, er könne Millionen explodieren lassen, kannst du doch nicht so einfach hier …“

„Doch, Stefan, doch! Dein Papa kann das! Dein Papa zahlt Einkommenssteuer, Vermögenssteuer, Mehrwertsteuer, Tabaksteuer, Alkoholsteuer, Mineralölsteuer, Autosteuer, Mautsteuer, Vergnügungssteuer und was sonst noch. Da kann dein Papa erst recht! Ich lass mir dieses Unrecht nicht mehr gefallen, diese Willkür, diese Ignoranz und Arroganz von diesen Arschlöchern, die nicht wissen, was sie tun. Obwohl, das werden sie sehr wohl wissen.“

„Papi, nun hör schon auf …“

„Stefan! Du sollst mich nicht unterbrechen, wenn ich rede. Kinder haben gefälligst zuzuhören, wenn Erwachsene erzählen, wie das Leben wirklich ist! Wie wollt ihr denn sonst lernen, wie die immer mehr euer gutes, zukünftiges Recht beschneiden?!? Wer da nicht aufsteht und mal sich richtig …“

Es klopft an der Scheibe. Herr Bachmaier drückt auf einen Knopf und ganz leise surrend bewegt sich die Seitenscheibe hinunter. Ein Polizist blickt ihm ins Gesicht.

„Sie stehen im absoluten Halteverbot. Sind Sie mit einer Verwarnung von 20 Euro einverstanden?“

„Im Halteverbot? Das muss aber neu sein. Vor Weihnachten war das noch nicht. Da konnte ich meinen Sohn hier immer von der Nachhilfe abholen.“

„Zusätzlich haben Sie in zweiter Reihe gehalten und Sie behindern den Verkehr.“

„20 Euro sagten Sie? Einverstanden.“

Er reichte einen Geldschein durchs Fenster und erhielt Quittung und Beleg. Erneut drückte er den Knopf. Die Seitenscheibe schloss sich wieder. Ein weiterer Druck auf einen anderen Knopf und kaum hörbar startete der Motor.

„Papi, ich dachte, du sagtest, dass Widerstand Pflicht wäre. Aber jetzt hast du trotzdem bezahlt?“

„Das verstehst du nicht. Man muss sich ja auch an Regeln halten, nicht wahr.“

„Ich hatte dir doch zuvor bereits erklärt, dass hier jetzt Halteverbot ist und ich zum Parkplatz kommen könnte.“

„Stefan, du musst mir nicht immer widersprechen, nicht wahr. Das verstehst du nicht, okay.“

„Okay.“

„Und kein Wort zur Mutti, nicht wahr. Sonst gibt’s Ärger!“

„Okay.“

„Diese Säcke von Politiker. Klauen mir permanent mein Geld und ich bezahl mit meiner Freiheit! Aber die können was erleben. Im September kriegen die von mir die Quittung! Da vergeht denen noch deren Gefasel! Und Stefan, kein Wort zu Mutti, verstanden?!“

Sprach’s und drückte das eiserne Gaspedal bis zum Anschlag durch.

Automobilindustrie auf dem Jakobsweg

Google Schlagzeit
Der letzte Montag war bedeutsam.

Zuerst kam das Rüsselsheimer Dreigestirn König Foster, Bauer Demant und Jungfrau Franz geleitet vom sinkenden GM-Stern auf ihren Kanossa-Gang bei der deutschen Päpstin Merkel vorbei. Sie stiegen aus ihrem neusten automobilen Konstrukt „Insignia“ und brachten ihrer Hochwohlgeborenen Weihrauch, Myrrhe und etwas Katzengold dar. Als Ersatz kamen sie mit dem Versprechen von Milliarden zurück. Euronen, seid umschlungen.

Und kaum waren die beschenkten Schenker gegangen, kamen schon die nächsten Notleidenden. Zum Mittagsmahl kommen nun zu Merkel nicht die Reinen, Guten, Erlösten, sondern die Mühsamen und Beladenen, die erst durch Merkels Gnade Läuterung erfahren sollten. Der Junker Löw kam mit seinen Mannen und wollte denen unter Aufsicht vom Schäferdackel Bierhof zeigen, was denn die gute Frau Merkel für eine Fußballexpertin sei. Nach Journalistenberichten herrschte erführchtiges Staunen und keiner dieser namenlosen Gesichter muckte irgendwie auf und stellte ketzerische Fragen.

Ja, dieser Montag, der 17-November-2008, ging in die Geschichte Deutschlands als der „Montag der Leidenen“ ein. Und Frau Merkel als die Trösterin der Beladenen.

Wohin sowas jedoch führt, erfuhr dann die Nationalmannschaft zwei Tage später: gegen England verloren. Erneut in einem Olympiastadion verloren. Damals 1:5 in München und jetzt 1:2 in Berlin. Oh Schmach, oh Schmach, oh Schmach. Rachegedanken kamen aber höchstens bei den Besuchern des Fussballspiels auf. Der Rest war schon vor den Fernsehern entschlafen.

Opel und die Nationalmannschaft, am gleichen Tag bei der Kanzlerin. Ich hoffe, dass das jetzt kein schlechtes Omen für Opel sein wird.

Opel?
Da war doch was.
Genau.
Der Journalist Markus Breitscheidel hat im Stile eines Günter Wallraffs ein Buch geschrieben: „Arm durch Arbeit“. Vor einem Monat hatte das ARD dazu den Film „Leiharbeit undercover“ gesendet.
Markus Breitscheidel war auch Leiharbeiter in Rüsselsheim. Bei einer Aussuchfirma. Die Aufgabe solcher Firmen entspricht der Aufgabe der Tauben im Märchen „Aschenputtel“: Die schlechten ins Kröpfchen, die guten ins Töpfchen.
Und so dokumentierte Breitscheidel, dass er mit Kollegen die Aufgabe erhielt, chinesische Scheinwerfer für Opel Vectra nach Fehlern auszusortieren. Und so sortierten sie nach Vorgabe über die Hälfte der Scheinwerfer als fehlerbehaftet aus.
Bis, ja, bis dann ein Opel-Manager auftauchte. In der typischen Automobil-Manager-Tracht: blaues Hemd, Schlips und Kragen. Und der erklärte denen dann im überaus erregtem Ton, dass das überhaupt nicht toll sei, was die da so machten. Das Montageband würde in 20 Minuten stehen, würden sie so weiter sortieren. Sie sollen gefälligst so sortieren, dass keine Teile als fehlerbehaftet aussortiert würden. Breitscheidel und Kollegen taten wie ihm von jenem Manager befohlen.
Opel ließ im übrigen durch seinen Sprecher Frank Klaas (Sprecher Opel Europa) ganz klar und eindeutig erklären, dass die Angaben von Breitscheidel in keiner Weise nachvollziehbar seien und ein Verbau fehlerbehafteter Scheinwerfer nicht festgestellt wurde.

Diese Woche gab es aber nicht nur die Firma Opel in den Schlagzeilen.

Daimler in Sindelfingen geriet in den Fokus einiger Journalisten. Daimler Mitarbeiter aus dem Bereich der Qualitätssicherung haben offenbar dafür gesorgt, dass Aussuchfirmen Aufträge zugeschanzt bekämen. Die Daimler Angestellte (ein Mechanikermeister und zwei Sachbearbeiter der Qualitätssicherung) sollen bei den Baureihen der C-, E- und S-Klasse Oberflächen beschädigt, Schraubverbindungen gelockert sowie Flüssigkeiten in Bremsleitungen eingespritzt haben.
Aufgrund dieser Fehler wurden Auftragsfirmen zur Aussuchaktion beauftragt. Auf Kosten der Lieferanten, die diese Aussuchaktionen zu zahlen hatten. Die Auftragsfirmen sollen sich dann bei den drei Angestellten mit Viagra, Konzertkarten und Urlaube geschenkt bekommen haben.

Viagra? War da nicht mal was mit VW und Viagra?
Stimmt! VW-Manager sind nach Brasilien geflogen, haben sich Viagra eingeschmissen und dann wie 20-jährige in Betten von gemieteten Frauen benommen haben. Gebauer, Volkert, Uhl und Hartz, das waren die vier, die dabei in den Verdacht standen, sich auf VW-Kosten Sexerlebnisse in Rio de Janeiro an der Copacabana gegönnt zu haben. Haste Viagra in der Blutbahn, kannst poppen wie ein Truthahn.
Schon mal nen VW-Arbeiter diesen Spruch erzählt? Vorsicht vor tieffliegenden Gegenständen!

Die Geschichte mit den Aussuchfirmen ist im übrigen keine Daimler-spezifische Sache. Dass Aussuchfirmen Aufträge zugeschustert bekommen und deswegen manchmal arg nachgeholfen wird, ist normale Praxis in der Automobilindustrie. Der Käufer des Autos merkt davon nichts. Dadurch steigen auch keine Autopreise, denn für „Fehler“ zahlt immer der Lieferant und kann zum Jahresende zusehen wie seine Gewinnmarge wegsortiert wurde. Bei diesen Betrügereien geht hierbei nicht selten um sechs- bis siebenstellige Summen im Umsatz pro Jahr.

In der momentanen Krise leuchten die Automobilisten nicht wirklich als Beispiel. Und bei Opel, GM und FORD werden bei diesem Weihnachtsnachtsfest wohl dort aber trotzdem einige Lichter brennen.
Und zwar dort, wo die Finanzexperten hocken.
Fürwahr, ein wirklich besinnliches Weihnachten …

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Innovationen

Moon over munich

Belesene Leser, verlesene Lesende,
Ihr sitzt mit Sicherheit vor einem Computer und ihr werdet mir mit Freude erklären können, wo bei meinem Computer die Achse ist.
Klar, ich weiß, was eine Achse ist. Sowas ist eine Verbindung zweier rotierender Körper.

Mein Computer hat eine rotierende Festplatte und diverse Ventilatoren und die Verbindung dazu sind Kabel. Ja, ich habe sie vermessen und bin zu keinem Ergebnis gekommen. Welchen Sinn soll das haben?
Und ist eine Achse nicht eher etwas mit einer Mittellinie, um der sich was dreht? Dreht sich nicht alles um die Verkabelung in meinem PC?
Und wenn ich das Ergebnis habe, was sagt es mir?

Ich werde wohl doch zu dem Experten gehen, der an der Straßenecke mit „Computerachsvermessung“ wirbt. Wer weiß wozu das mal wieder gut ist.

Schilda

Ansonsten handelt jener Experte ja mit Autos. Wozu er sich jetzt auch noch auf Computer verlagert?

Ach ja, die Krise in der Automobilindustrie.
Verständlich.

Der Automobilindustrie wird ja inzwischen vorgeworfen, dass sie zu unflexibel sei und daher Schuld an deren jetzigen Niedergang. Es reicht halt nicht den neusten Porsche Cayenne in zig Ausstattungsvarianten dem Käufer anbieten zu können. Und die dann noch mit verschiedensten spritsaufenden Motoren auszustatten.
Solche Fahrzeuge werden auch gerne als SUV (sprich: Ess Ju Wie) bezeichnet. „Saufen und Verbrauchen“ könnte die Abkürzung heißen. Sowas freut jede ölfördernde Nation.

Aber vielleicht hat der Kunde ja auch noch Sonderwünsche. Dann fängt ja die wirkliche Felxibilität an. Und kann der Hersteller diese nicht voll flexibel befriedigen, greift der Käufer zur Selbsthilfe.
So wie der folgende mit seinem Satellitenwagen.
In Eigenbau.

Satellitenwagen

Da freuen sich die Sendeanstalten …

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