Automobilindustrie auf dem Jakobsweg

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Der letzte Montag war bedeutsam.

Zuerst kam das Rüsselsheimer Dreigestirn König Foster, Bauer Demant und Jungfrau Franz geleitet vom sinkenden GM-Stern auf ihren Kanossa-Gang bei der deutschen Päpstin Merkel vorbei. Sie stiegen aus ihrem neusten automobilen Konstrukt „Insignia“ und brachten ihrer Hochwohlgeborenen Weihrauch, Myrrhe und etwas Katzengold dar. Als Ersatz kamen sie mit dem Versprechen von Milliarden zurück. Euronen, seid umschlungen.

Und kaum waren die beschenkten Schenker gegangen, kamen schon die nächsten Notleidenden. Zum Mittagsmahl kommen nun zu Merkel nicht die Reinen, Guten, Erlösten, sondern die Mühsamen und Beladenen, die erst durch Merkels Gnade Läuterung erfahren sollten. Der Junker Löw kam mit seinen Mannen und wollte denen unter Aufsicht vom Schäferdackel Bierhof zeigen, was denn die gute Frau Merkel für eine Fußballexpertin sei. Nach Journalistenberichten herrschte erführchtiges Staunen und keiner dieser namenlosen Gesichter muckte irgendwie auf und stellte ketzerische Fragen.

Ja, dieser Montag, der 17-November-2008, ging in die Geschichte Deutschlands als der „Montag der Leidenen“ ein. Und Frau Merkel als die Trösterin der Beladenen.

Wohin sowas jedoch führt, erfuhr dann die Nationalmannschaft zwei Tage später: gegen England verloren. Erneut in einem Olympiastadion verloren. Damals 1:5 in München und jetzt 1:2 in Berlin. Oh Schmach, oh Schmach, oh Schmach. Rachegedanken kamen aber höchstens bei den Besuchern des Fussballspiels auf. Der Rest war schon vor den Fernsehern entschlafen.

Opel und die Nationalmannschaft, am gleichen Tag bei der Kanzlerin. Ich hoffe, dass das jetzt kein schlechtes Omen für Opel sein wird.

Opel?
Da war doch was.
Genau.
Der Journalist Markus Breitscheidel hat im Stile eines Günter Wallraffs ein Buch geschrieben: „Arm durch Arbeit“. Vor einem Monat hatte das ARD dazu den Film „Leiharbeit undercover“ gesendet.
Markus Breitscheidel war auch Leiharbeiter in Rüsselsheim. Bei einer Aussuchfirma. Die Aufgabe solcher Firmen entspricht der Aufgabe der Tauben im Märchen „Aschenputtel“: Die schlechten ins Kröpfchen, die guten ins Töpfchen.
Und so dokumentierte Breitscheidel, dass er mit Kollegen die Aufgabe erhielt, chinesische Scheinwerfer für Opel Vectra nach Fehlern auszusortieren. Und so sortierten sie nach Vorgabe über die Hälfte der Scheinwerfer als fehlerbehaftet aus.
Bis, ja, bis dann ein Opel-Manager auftauchte. In der typischen Automobil-Manager-Tracht: blaues Hemd, Schlips und Kragen. Und der erklärte denen dann im überaus erregtem Ton, dass das überhaupt nicht toll sei, was die da so machten. Das Montageband würde in 20 Minuten stehen, würden sie so weiter sortieren. Sie sollen gefälligst so sortieren, dass keine Teile als fehlerbehaftet aussortiert würden. Breitscheidel und Kollegen taten wie ihm von jenem Manager befohlen.
Opel ließ im übrigen durch seinen Sprecher Frank Klaas (Sprecher Opel Europa) ganz klar und eindeutig erklären, dass die Angaben von Breitscheidel in keiner Weise nachvollziehbar seien und ein Verbau fehlerbehafteter Scheinwerfer nicht festgestellt wurde.

Diese Woche gab es aber nicht nur die Firma Opel in den Schlagzeilen.

Daimler in Sindelfingen geriet in den Fokus einiger Journalisten. Daimler Mitarbeiter aus dem Bereich der Qualitätssicherung haben offenbar dafür gesorgt, dass Aussuchfirmen Aufträge zugeschanzt bekämen. Die Daimler Angestellte (ein Mechanikermeister und zwei Sachbearbeiter der Qualitätssicherung) sollen bei den Baureihen der C-, E- und S-Klasse Oberflächen beschädigt, Schraubverbindungen gelockert sowie Flüssigkeiten in Bremsleitungen eingespritzt haben.
Aufgrund dieser Fehler wurden Auftragsfirmen zur Aussuchaktion beauftragt. Auf Kosten der Lieferanten, die diese Aussuchaktionen zu zahlen hatten. Die Auftragsfirmen sollen sich dann bei den drei Angestellten mit Viagra, Konzertkarten und Urlaube geschenkt bekommen haben.

Viagra? War da nicht mal was mit VW und Viagra?
Stimmt! VW-Manager sind nach Brasilien geflogen, haben sich Viagra eingeschmissen und dann wie 20-jährige in Betten von gemieteten Frauen benommen haben. Gebauer, Volkert, Uhl und Hartz, das waren die vier, die dabei in den Verdacht standen, sich auf VW-Kosten Sexerlebnisse in Rio de Janeiro an der Copacabana gegönnt zu haben. Haste Viagra in der Blutbahn, kannst poppen wie ein Truthahn.
Schon mal nen VW-Arbeiter diesen Spruch erzählt? Vorsicht vor tieffliegenden Gegenständen!

Die Geschichte mit den Aussuchfirmen ist im übrigen keine Daimler-spezifische Sache. Dass Aussuchfirmen Aufträge zugeschustert bekommen und deswegen manchmal arg nachgeholfen wird, ist normale Praxis in der Automobilindustrie. Der Käufer des Autos merkt davon nichts. Dadurch steigen auch keine Autopreise, denn für „Fehler“ zahlt immer der Lieferant und kann zum Jahresende zusehen wie seine Gewinnmarge wegsortiert wurde. Bei diesen Betrügereien geht hierbei nicht selten um sechs- bis siebenstellige Summen im Umsatz pro Jahr.

In der momentanen Krise leuchten die Automobilisten nicht wirklich als Beispiel. Und bei Opel, GM und FORD werden bei diesem Weihnachtsnachtsfest wohl dort aber trotzdem einige Lichter brennen.
Und zwar dort, wo die Finanzexperten hocken.
Fürwahr, ein wirklich besinnliches Weihnachten …

2 Gedanken zu „Automobilindustrie auf dem Jakobsweg

  1. Wie kann man Menschen ausschließlich auf düstere Zeiten einstimmen?

    Ich gebe zu, es ist schwer, etwas positives zu finden, aber man darf sich da ruhig auch etwas Mühe geben…

    Geht nicht an Dich, geht an Politik und Wirtschaft.

    Angst macht klein. Und wer mit Angst klein macht, zeigt seinen wahren Charakter.

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