Blogereiblockade

Es kommt nichts.
Es kommt überhaupt nichts.
Da sitzt man im Biergarten und wartet auf einen Gedanken. Nur einen einzigen. Für den eigenen Blog.
Aber es kommt einfach nichts.
Doch. Die Bedienung kommt. Und bringt was. Den Mass eisgekühlte Spezie. Aber sonst nichts.

Und dann kam er.
Von der anderen Straßenseite her.
Wie ein Maikäfer.
Wie bei Polt.
Zuerst hat er sich aufgepumpt. Und dann sah ich ihn sich in die Lüfte erheben. Ein wenig unsicher. Nach links, nach rechts schwankend. Aber dann zielstrebig. Die Straße direkt überquerend. Direkt auf mich zu hielt er. Er propellerte sich immer näher. Er hatte den Mittelstreifen erreicht. Ich konnte schon den Odem des Gedanken spüren. Das dumpfe flatternde Geräusch wie er sich näherte. Und dann kurz bevor er den rettenden Bürgersteig erreicht hatte, …

woooooosch

… kam der Porsche. Es machte ein knuspriges Knatsch und der Gedanke zermaschte auf der Windschutzscheibe des schwarzen davonhastenden Porsches.

Und wieder sass ich da und wartete.
In den Bierkrup mit meiner Spezie schaute ich. Und entdeckte nicht den Hauch eines Gedankens.
Luftbläschen sprudelnd spritzend befeuchteten mein Gesicht. Aber kein Gedanke meine Phantasie.
Die feuchten Kohlensäurespritzer meiner Spezie auf meiner Gesichtshaut, das waren wie Wassertropfen auf den heißen Steinen einer Wüste. Darauf konnte nichts wachsen.

Elende Ödnis.
Kein anregender Gedanke weit und breit.
Nicht mal eine holde weibliche Muse lachte mir ins Gesicht.
Nichts aber auch gar nichts.

Und dann diese Musik.
Dieser Ohrwurm.
Und jener Süd-Waliser Paul Potts.
Wahre Blogger kannten den schon, als der gerade seine ersten Töne der Turandot-Arie „Nessun Dorma“ von Puccini hervor quetschte, dann in Folge Publikum und Juroren zu Beifallsstürmen hinriss.
Wahre Blogger mussten beim ersten Ausstrahlen der „Deutschen Telekom“-Werbung nur gähnend schreiben: „Im Westen nichts neues.“

Alle anderen waren beeindruckt und begeistert und schauten zum ersten Mal die Dokumentation im Internet auf Youtube.com an.
Kriegten das Gänsehaut-Feeling nachträglich.
Bei jedem erneuten Schauen.
Und schauten schon bei der Telekom-Werbung schon nicht mehr bis zum Ende, um jenes Telekom-Dschingel mit dem verdammt hohen Wiedererkennungswert, jenes dumme, dumpfe „pling-plimm-pling-plimm-pling“, nicht hören zu müssen.

Die Werbung geht, aber der Ohrwum wird bleiben.
Und weiter sitze ich vor meinem Liter Spezie und versuche „Nessun Dorma“ zu summen, zu klopfen, auf dem Holztisch zu schrammeln. Aber nichts kommt. Nicht einmal die Worte. Aber die Musik, sie rauscht durch meinen Kopf, wie stürmische Wellen an einem einsamen Strand.
Weit und breit kein Mensch.

Allein.
Nur ich und der Ohrwurm.
Und kein Gedanke.
Nicht den Hauch davon.
Nichts für den Blog.

Schaffenspause?
Blogblockade ….

_____

Nessun Dorma

11 Gedanken zu „Blogereiblockade

  1. Vertippdepp grüßt, es sollte ja wohl in meinem Kommentar „Gedankenlosigkeit“ heißen.
    Ja, falls dir ein Ohrwurm lästig wird, hau drauf.

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  2. Nichts das ist eine Brille ohne Gestell, bei dem die Gläser fehlen. … :>> … als Brillenträger weiß ich, von welchem Horror ich da spreche. Woran erkennt man Brillenträger, die aus Eitelkeit diese abgesetzt haben? Bei Wanderungen durch die Berge. Man muss sie in den Kurven dauernd aus den Gletscherspalten fischen … :>

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  3. Jetzt lag es mir auf der Zunge, was ich schreiben wollte, aber jetzt hab ich mich fast dran verschluckt. An der Zunge. Und der Gedanke ist wieder futsch … :(

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  4. Danke. Das Schlückchen ist noch da, aber es ist kein Bier sondern Spezie und das bereits auf Umgebungstemperatur und kohlensäurefrei. Als Magenaufräumer ist es noch zu verwenden, das Schlückchen. Zu mehr aber nicht … :>>

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  5. Für so wenige Gedanken hattest Du ganz schön viele. Die Welt ist so schön, wenn man einfach da sitzt und schaut, den Gedanken nachhängt, sie nicht festhält, sondern aufschreibt.

    Jeder Moment ein kleiner Moment der Ewigkeit…

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  6. Ein Wunderschönes Bischi-Bashi!, fürwahr!
    Wobei es ja eigentlich ein Doppel-Bash ist, und ich bin mir nicht sicher, was schrecklicher ist, das „pling-plimm-pling-plimm-pling“ von den Telekomikern oder die Darbietung von „Nessun Dorma“ selbst. Weg damit!
    Sag mal, der schwarze Porsche, könnte es sein, daß der einen der letzten von den 99 Luftballons erwischt hat? Einige sollen noch übrig sein.
    Und das Bildchen is ´ne Wolke!
    (Ist noch ein Schlückchen von dem Bier da?)

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