Da isses wieder.
Das Lied, was mir immer wieder im Kopf rumgeistert.
Frisch im Radio gehört.
Rein physiologisch müssen die Schallwellen der Musik beim Passieren der Ohrmuschel, beim Eintritt in den Gehörgang, durch das Trommelfell hindurch, in der Paukenhhöhle entweder über den Hammer oder den Ambos gestolpert sein, sich dann im Steigbügel verhakt und an der Schnecke herabstürzend in die Ohrtrompete geblasen haben …
Und jetzt hab ich dieses Art Nachecho im Kopf:
„Mädchen, Mädchen, oh tres bien“
Das Lied war in den späten 80ern ein Sommerhit.
Genauer gesagt 1987.
Gesungen von einer Frau.
Auf französisch.
Erst dachte ich ja immer, die Sängerin wäre France Gall.
Bei mir sind ja alle Sänger oder Sängerinnen aus Frankreich irgendwie Gilbert Bécaud, Charles Aznavour, Edith Piaf oder eben jene France Gall.
Aber die französische Sängerin dieses Liedes hieß Guesch Patti.
Und das Lied hieß auch gar nicht „Mädchen, Mädchen“ … was auch naheliegend ist, weil es kein französisch ist … .
Das Lied heißt in Wirklichkeit „Étienne“.
Einfach nur „Étienne“.
Étienne, Étienne Oh ! Tiens-le bien
Nebenbei war ich damals nicht der einzige, der 1987 den Refrain des Liedes begeistert mit „Mädchen, Mädchen, oh tres bien“ mitsang …
Viele meinten wirklich, das Lied hieß „Mädchen, Mädchen“.
Und so wurde damals ein weiteres Kapitel deutsch-französischer Verständigung musiktechnischerseits geschrieben …
Ein Lied zum Gänsehhaut-Bekommen.
Ein Lied zum Immer-und-immer-wieder-anhören.
Ein traurig ernstes Lied mit heftigst zynischer Pointe.
Eine klare Konzertgitarre im Hintergrund im Drei-Viertel-Takt.
Eine Stimmung wie Marquez.
Eine rauhe tiefe und kühle Stimme gesellt sich zu der Gitarre.
Guten Tag, Amigo
Hallo, mein guter Freund
Fünfter Mai, an einem Dienstag
Und ich hoffte, dass wir uns wiedersehen würden.
Du hast letzten Winter meinen Bruder getötet
Dreimal hast du ihm in den Rücken geschossen
Nachts höre ich meine Mama immer noch weinen
Oh, Mama, sie trägt immer noch schwarz
Ich habe auf jedem Fest
Nach dir gesucht, um Dich zu grüssen
Vielleicht würde ich dir ein Hühnchen verkaufen
Bespickt mit Gift in dem Fleisch
Du … du siehst aus wie mein Bruder
Mama hat ihn immer viel Liebe gegeben
Er war hoch angesehen bei den Ladies
Mama sagte immer, er sei gesegnet
Das Dorf hat sich um ihn herum versammelt
Sie konnten es nicht glauben, was sie sahen
Ich habe gesagt, du warst es, der ihn umgebracht hat
Und dass ich dich finden werde und dem Gesetz Genüge leisten werde
Die Leute aus dem Dorf haben mir geglaubt
Mama … sie wollte Rache
Ich sagte ihr, dass ich ihre Ehre wieder herstellen würde.
Ich würde dich finden und dich töten.
Eine elektrische Gitarre fällt ein und ein schrecklich genial schräges Solo zerschneidet den Walzerrythmus der Konzertgitarre …
… findet gerade hier auf meiner Anlage statt. Beide singen zusammmen deren jeweilige Veröffentlichungen …
… und ich habe es sofort wieder beendet. So geht Wiedervereinigung nun wirklich nicht: Schnulzig mit schrecklich ergibt eine Kakophonie.
Dann lieber schnulzig pur und Robbie ausgeblendet.
TAKE THAT schmalzt durch meine Anlage und ich denke mir:
„Okay, besser ‚easy listening‘ und Supermarkt-Gedudel als Robbies misslungene Veröffentlichung …“
Okay, TAKE THAT ist auch dieses Jahr kein Highlight, aber diesmal immer noch besser als die neue von Robbie.
Aber auch nicht schlecht finde ich die neue Veröffentlichung von ALL SAINTS, den vier Mädels, von denen eines sich das Lied SEXED UP von einem liebesenttäuschtem Robbie verdient hatte.
Wobei wir schon wieder bei dem genial schnulzigem „Patience“ von TAKE THAT wären …
Wiedervereinigung ohne Mauern einzureissen …
Popmusik und eine HiFi-Anlage machen es möglich …
Auch gefunden bei Netzeitung
Damit kein Irrtum aufkommt:
Nächsten Donnerstag werden übrigens die Gewinner der POPSTARS-Serie und damit die Gruppe erst gewählt …
:DD :DD :DD
Beschichtete Plastikscheiben, die die Welt braucht: Heidi Klum und „Wonderland“.
Die CD-Scheibe zum Weihnachtsfest.
Tra Lala, Tra Lala, Tra Lala, Tra Lala, ….
Damit reiht Heidi Klum sich musikalisch gnadenlos nahtlos in so bedeutsame Musik-Publikationen wie von Dolly Dollar, Dolly Buster und Paris Hilton ein.
Hoffentlich verkauft sich die CD millionenfach. Denn der Gesamterlös von dieser Silberscheibe geht an das Kinderdorf Bethanien in ihrem Heimatdorf Bergisch Gladbach
Und wie ist das Lied?
Zitat Heidi Klum:
Der bringt dich einfach in eine gute Stimmung! Jedes Mal, wenn ich das Lied bei uns zuhause abgespielt habe, sind die Kinder immer dazu herumgehüpft.
Schön.
Wir wollen hüpfen.
Wir alle.
Her mit der Scheibe.
Sollten wir es wagen, bei „Heidi sucht das nächste Top Model“ zur Salzsäule zu verkommen, legen wir die Scheibe auf und hüpfen auf Teufel komm raus.
Die kalte, abgasschwere Luft der Strasse liess ich hinter mir und betrat das Etablissement mit warme, gefiltert klare Luft, da wo jeder sagt, es herrsche nur Unmoral, Perversion und Männermuff.
Nachdem ich mich an den zwei obligatorischen Kundinnen bei den Anal-DVDs in den Laden hineinschob und mich so umsah, was es neues gibt auf dem Erotik-Markt, registrierte ich schlagartig die Hintergrundmusik …
Vielen dürfte der Name nichts sagen. Dafür aber mehr der Name The Pogues. Die irische Folk-Punk-Band, die sich anfangs noch „Pogue Mahone“ (siehe obige Überschrift) nannte.
Die Musik, die da lief, erkannte ich sofort und mir fiel die deutsche Coverversion der Kölsch-Rock-Band BAP ein: „Weihnachtsnaach“.
„The Pogues“.
Wie lang ist das jetzt her …
Die gehörten zu den 80igern wie der kalte Krieg und der NATO-Doppelbeschluss. Aber „The Pogues“ waren der positive Pol einer aufgewühlten Zeit, die mit einem Mauerfall endete.
Was in dem Erotik-Laden noch angeboten wurde, war mir egal. Ich hörte der Musik zu und als die CD endete, verliess ich den Laden und schob mich schon wieder an zwei Frauen vorbei.
Was es in dem Laden gab?
Sicher.
Männer und Frauen vor und in den Regalen mit Sex-Artikeln jeglicher Art.
Aber das war unerheblich.
Die Musik der „The Pogues“ begleitete mich bis nach Hause, bis ich die LPs fand und auflegte …
Das „All american girl“ ist nun endgültig auf dem Boden der Allerweltsmenschen angekommen.
Anfangs träumte sie noch öffentlich von dem Leben als jungfräulicher, tugendhafter „Küche-Kirche-Kinder“-Frau, dann fiel sie durch Alkoholexesse auf, verheiratete sich mal schnell in einer Kapelle, um noch schneller diese Heirat annulieren zu lassen. Dann plaudert der „sexiest man alive“ aus, dass sie schon lange vor der Kapellenheirat keine Jungfrau mehr war und das dank ihm. Und nun hat sie nach zwei Jahren beim Scheidungsgericht den Bankrott ihrer Ehe angemeldet.
Was sagen wir dazu?
Willkommen im wirklichen Leben, liebes Disney-Püppchen.
Und für alle die gerne an Frau Spears Speerwerfen frei dem Motto „Hit me baby one more time“ üben möchten, empfehle ich den folgenden Link: http://www.indiaarcade.com/swf/20448.swf
Oder für ein bischen Lesestoff von Frau Spears speziellen Fans: Hellway to heaven
Tja, that’s life …
Oder wie William Shatner mit einem Buchtitel es mal ausdrückte: „Get a life“
Hab erfahr’n, dass TAKE THAT am 24. November eine neue CD rausbringt. Nach elf Jahren! Freue mich schon riesig auf die Tournee. Werde definitiv auch hingehen. Habe ebay-Ticket für England ersteigert. Wird dort wohl eindeutig Frauenüberschuss herrschen. Hoffe allerdings, dann nicht wie vor dreizehn Jahren erneut zu sabbern. Habe schon mal mein „Ich mag Gery Barlow“-T-Shirt rausgekramt und ne Packung Viagra mir im Internet vorbestellt. Erwarte, dass mich dann eine der inzwischen endgeilen Endzwanzigerinnen abschleppen wird. Weiterlesen →
Eine Musik hat mich am Wochenende verfolgt. Sie kommt im Film „Kill Bill Vol.2“ vor:
„Malageña salerosa“ von Chingnon
Die Musik weckt Erinnerungen an vergangene Zeiten in mir.
Vor meinen Augen tauchen die beiden ehemaligen chilenischen Kneipenbesitzer Don Miguel und Don Gustavo auf.
Beide waren damals die Besitzer einer Traditionskneipe mit Namen „Lennet Kann“. Sie machten aus einer ehemaligen Printenkneipe eine Art europäisch-lateinamerikanischen Treffpunkt.
Don Miguel selber war klein und untersetzt und erinnerte ein wenig an „kleines dickes Müller“ oder an Ailton. Sein Lachen beherrschte er vollkommen. Lachte er, war es wie eine la Ola. Es pflanzte sich fort. War er mies gelaunt, dann herrschte selten gute Stimmung im „Lennet Kann“.
Sein Bruder Don Gustavo war das Gegenteil von ihm. Hager, mit scharfen, markanten Gesichtszügen und spärlich im Lachen. Ein wenig unterkühlt wirkend. Harte Schale, weicher Kern.
Beide wirkten wie Patt und Pattachon.
Wie Sonne und Mond.
Wenn beide in einer Linie mit ihrer Stimmung lagen, dann herrschte gnadenlose Flut. Die Stimmung schwappte wie eine Springflut durch die Kneipe. PISCO (chilenischer Traubenschnaps) machte die Runde und es herrschte Ausgelassenheit.
Und auf den Höhepunkt dieser Stimmung kam es dann immer zur Explosion, wenn Don Miguel zu seiner Single griff. Seine Lieblingssingle auf den Plattenteller legte und deren Kratzen durch die Lautsprecher tönte. Dann griffen Don Miguel und Don Gustavo gemeinsam zum Mikro.
„Malageña salerosa“
Es war die Erfindung von Karaoke, bevor es in jener Stadt jemand wusste, was überhaupt Karaoke war. Und wenn beide hinterm Tresen sangen, dann erstarb jedes Gespräch und die Aufmerksamkeit galt voll den beiden Brüdern. Selbst das Licht in der Kneipe schien geheimnisvoller. Ein Gänseschauerfeeling griff Raum in der Kneipe, wenn die beiden die hohen Töne des Liedes lange anhielten und vergessen machten, dass beide Raucher waren.
Die Kneipe gehörte ihnen und wurde zu ihrer exklusiven Bühne, wenn das südamerikanische Liebeslied an jene unbekannte schöne Frau erklang, an jener „Malageña salerosa“
Welch schöne Augen Du hast (Qué bonitos ojos tienes)
Unter diesen beiden Augenbrauen (Debajo de esas dos cejas,)
Unter diesen beiden Augenbrauen (Debajo de esas dos cejas,)
Welch schönen Augen Du hast (Qué bonitos ojos tienes)
Sie möchten mich ansehen (Ellos me quieren mirar)
Aber Du läßt sie nicht (Pero si tú no los dejas,)
Aber Du läßt sie nicht (Pero si tú no los dejas,)
Nicht einmal blinzeln (Ni siquiera parpadear.)
Anmutige Malageña (Malageña salerosa,)
Ich wünschte, Deine Lippen zu küssen (Besar tus labios quisiera,)
Deine Lippen wünschte ich mir (A tus labios quisiera)
Anmutige Malageña (Malageña salerosa,)
Und Dir zu sagen, mein hübsches Kind (Y decirte, nina hermosa)
Dass Du schön und bezaubernd bist (Eres linda y hechicera)
Dass Du schön und bezaubernd bist (Eres linda y hechicera)
Wie die Unschuld einer Rose. (Como el candor de una rosa.)
Wenn Du mich wegen meiner Armut geringschätzt (Si por pobre me desprecias)
Kann ich das verstehen (Yo te concedo razón)
Kann ich das verstehen (Yo te concedo razón)
Wenn Du mich wegen meiner Armut geringschätzt (Si por pobre me desprecias)
Ich kann Dir keinen Reichtum darbieten (Yo no te ofrezco riqueza)
Ich schenke Dir mein Herz (Te ofrezco mi corazón)
Mein Herz schenke ich Dir (Te ofrezco mi corazón)
Zum Tausch gegen meine Armut (A cambio de mi pobreza)
Anmutige Malageña (Malageña salerosa,)
Ich wünschte, Deine Lippen zu küssen (Besar tus labios quisiera,)
Deine Lippen wünschte ich mir (A tus labios quisiera)
Anmutige Malageña (Malageña salerosa,)
Und Dir zu sagen, mein hübsches Kind (Y decirte niña hermosa)
Und Dir zu sagen, mein hübsches Kind (Y decirte niña hermosa)
Dass Du schön und bezaubernd bist (Eres linda y hechicera)
Wie die Unschuld einer Rose (Como el candor de una rosa)
Wie die Unschuld einer Rose (Como el candor de una rosa)
Applaus tobte durch die Kneipe und PISCO war beiden gewiß.
Aber die Geschäfte liefen immer schlechter. Die Lateinamerikaner blieben aus und Don Gustavo ging seinen eigenen Weg.
Irgendwann hatte dann Don Miguel das „Lennet Kann“ weiterverkauft und wollte nach Chile zurückkehren.
Die Kneipe verlor ihren Glanz. Der neue Besitzer versuchte alles, den Geist des „Lennet Kann“ zu halten. Aber er war mit Don Miguel gegangen.
Drei Jahre später kehrte ich in jener Stadt zurück. Das „Lennet Kann“ existierte noch immer und auch der neue Besitzer war noch drin. Aber seine Augen verrieten, dass die Geschäfte noch schlechter liefen.
Ich fragte nach Don Miguel. Er sagte mir, dass Don Miguel wieder in der Stadt sei. Aber er kellnere nun. Er hätte auf dem Stadtberg gekellnert. Aber dort sei er gegangen. Man sagte, er sei in der neuen Kneipe am Bushof bei dem Museum.
Ich verliess die Kneipe und ging zu der Kneipe zwischen Bushof und Kaufhaus. Dort stand Don Miguel in seiner üblichen Pose: breit lächelnd hinter dem Tresen.
Ein riesiges „Hallo“.
Und ich fragte ihn nach seiner Schallplatte. Er lächelte traurig und sagte er hätte sie beim Umzug verloren gehabt. Aber das sei nicht schlimm, denn jeder hätte ihm damals bestätigt, dass er nicht gut singen konnte.
Er holte einen Zeitungsausschnitt aus seiner Tasche hervor. Ein Zeitungsausschnitt der BILD-Zeitung aus alten Tagen, zu der Zeit als er noch Besitzer vom „Lennet“ war:
Don Miguel am Brunnen unter Kaiser Karl, dem Erbsenkopf seinen Brunnen, vor dem Rathaus. Don Miguel mit Gitarre in der Hand.
Don Miguel lachte sein breites Lachen:
„Die Doofen schreiben, ich sei ein Stadt-Original geworden und spiele und singe dauernd am Karlsbrunnen. Ich kann überhaupt keine Gitarre spielen.“
…
Zurück in der Gegenwart klingt das Lied durchs Radio und der Moderator verweist zuvor noch auf Tarantinos Musikgeschmack und den Film „Kill Bill“.
In Gedanken fliege ich zurück.
Eine Zeitreise über die Musik.
Das Lied an die anmutige Rose Malageña bringt mich zurück in meine Vergangenheit …
Die Wissenschaft hat festgestellt, … … das Marmelade Fett enthält. Darum essen wir jetzt auf jeder Weise Marmelade eimerweise …
Zurück zum Ernst des Lebens und weg von den Kinderreimen mit seinen Kindermelodien.
Was wären wir ohne Wissenschaft? Gut, das hatte ich im vorletzten Post schon beantwortet. Oder gemeint zu beantworten, was Leser meines Posts weniger so empfanden.
Egal.
Die englische Universität von Leicester hat der Verbindung zwischen Musikgeschmack und Lebensstil hinterher geforscht und dabei festgestellt haben, dass 38 Prozent der HipHoper und 29 Prozent der Dance-Musik-Anhänger in den letzten fünf Jahren mehr Sexualpartner als beispielsweise Country-Musik-Fans, von denen nur 1,5 % mehr als einen Sexpartner in den letzten fünf Jahren hatten.
Hip-Hopper und Dance-Fans stehen am wenigsten auf Religion, Recyclen, alternative Energiegewinnungsmöglichkeiten, höhere Steuern und staatliche gesundheitsprogramm. Allerdings sollen auch die HipHoper und Dance-Fans auch häufiger mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sein. Insbesonders wegen Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz.
Und was ist mit den Klassik-Fans und den Oper-Fans? Gut, dass auch hier die Studie eine Antwort parat hat: Nur knappe 18 Prozent fielen mal kriminell auf. Ein Viertel der Klassik-Fans kiffte in den letzten fünf Jahren einmal und die Opern-Fans experimentierten mit „magischen“ Pilzen.
Was will uns diese Studie sagen?
Was schliessen wir daraus? Geht lieber nicht zu Klassik-Konzerten oder in die Oper. Denn dann bleibt euch kaum was für nen ordentlichen Rausch übrig. Die Eintrittspreise sind so hoch, da wandert man wohl eher in den Wald aus und sucht sich seine besondere Pilze, um sich seine Portion Drogen reinzupfeifen.
Am besten ist es, ihr steht gesittet auf Hip-Hop-Musik und Dance-Musik. Dann habe ihr verdammt viel rauschenden Sex mit verdammt vielen Menschen und es bleibt auch noch genug sich zuzudröhnen.
Übrigens, Dance-Fans, R&B’ler, Rock-, Disco-, Pop- und Indie-Fans waren zu 50% Leser der englischen Boulevard-Zeitung THE SUN, welches ein niedrigeres Niveau als die deutsche BILD hat. Hm.
Und was ist mit den Country-Fans? Die lesen lieber was in Richtung YELLOW PRESS. Und sonst? Man weiss es nicht. Klar ist lediglich, sie gefährden nicht eure Ehe und sie unterstützen auch nicht aktiv die Drogen-Mafia …
Whitney Houston lässt sich jetzt von ihrem Männe Bobby Brown scheiden. Whitney Houston, das ist die Sängerin, die ein Superstar wurde und sich dann zusammen mit ihrem Mann mit Koks zudröhnte. Angeblich lässt sich Whitney Houston nicht nur deswegen von ihrem Männe scheiden, weil ihr erstens dessen Prügelorgien jetzt endgültig nicht nur reichten, sondern zweitens vielleicht auch, weil er ihr in letzter Zeit nur noch Koks minderer Qualität besorgte. Das nennt man drittens emotionale Grausamkeit in der Ehe … Weiterlesen →
„Könnten Sie mich mal kurz vorlassen?“
„Hm?“
„Schwerhörig? Gehen Sie beiseite! Sie stehen im Weg! Da ist Bill!“
…
…
Doch von Anfang an: Wir sind ein Volk!
Und wer ein Volk ist, der ist sich auch bewusst, dass es dann keine Privatsphäre geben kann. Denn nur Außenseiter haben etwas zu verbergen.
Ja, Himmel, und wer möchte schon ein Außenseiter sein?
Gewissermaßen außerhalb des Volkskörpers?
Sozusagen eine Ausscheidung des Körpers auf der Toilette des Boulevards? Natürlich kann man sich das Ausgeschiedene wieder zuführen. Visuell, oral, anal oder sonst wie als geistige Infusion.
Denn dabei helfen dann die Scheinwerfer des öffentlichen Lebens.
Klar, Scheinwerfer erleuchten jeden Winkel.
Aber sie machen auch Schatten.
Dunkle Schatten, richtig unheimliche, unausgeleuchtete Ecken …
HUi! BUH!
… Im Zeitalter von Solarzellen, Spiegel und Blitzlichter sind auch diese kein Problem mehr. Da lernt der Volkskörper jeden Schattenwurf seines faltigen Körpers kennen.
Und damit der Volkskörper auch weiss, wie gewichtig er ist, hat das Bundeskabinett am 29. August 2006 beschlossen, dass sich die Bundesrepublik Deutschland an der EU-Zensusrunde 2010/2011 beteiligt. Der Volkskörper zählt sich selbst und macht eine rechnerunterstützte europäische Volkszählung mit. Auf Geheiß des Volkskörperhirns …
Wer nichts zu verbergen hat, der läßt sich auch zählen, so das altbekannte und das demnächst auch zukünftige Schlagwort.
Alle, die nicht mitmachen werden wollen, haben der langläufigen Volkskörper Meinung entsprechend etwas zu verbergen. Die können sich schon auf einer Stufe mit Terroristen einen Stempel für deren Kainsmal „Außenseiter der Gesellschaft“ vorbestellen.
Aber wir wären ja nicht ein Volkskörper, wenn wir uns nicht dauernd selber beaugapfeln würden. Weniger aus Eitelkeit, sondern mehr aus Geilheit, im Scheinwerferlicht des Volkskörpers stehen zu können.
Deutschland, einig Fotografenland!
Jetzt geht es euch fotoscheuem Gesindel an den Kragen!
Eurer dahingeheuchelten Privatssphäre geht es an den Kragen!
Zieht euch warm an!
Seid ihr im Puff abspritzen, wir werden mit unseren Handys da sein und euren Vollzug fotografieren.
Solltet ihr euch in nem FKK-Club als Frau entspannen, wir sind schon da.
Solltet ihr ungeniert in Ecken pinkeln, wir zeigen es der deutschen Welt.
Solltet ihr unerzogen ins Taschentuch rotzen, wir haben unsere Handys jeden Tag voll geladen!
Ihr werdert noch lernen, was Marcel Reich-Ranicki mit seinem Sinnspruch Geld allein macht nicht glücklich, aber es ist besser, in einem Taxi zu weinen als in der Straßenbahn meinte.
Knips, knips, knips.
HUi! BUH!
So stand ich im Bus und der rumpelte die Strassenunebenheiten als ÖPNV-Mantra vor sich hin.
Hinter mir quatschten deutsche Halblinge aus dem Aua-Land im gedämpften Ton.
„Sag mal, ist das nicht Bill?“
„Bill? Wo?“
„Da vor dem Langen da.“
„Echt!“
„Quatsch! Tokio Hotel ist doch heute in …“
„Nee, das isser!“
„Er popelt! Wie war noch die MMS-Nummer der BILD?“
„1414!“
„Meinste, wir kriegen das Geld? Dann könnten wir uns die PSP kaufen!“
„Könnten Sie mich mal kurz vorlassen?“
Ich stand den Halblingen wohl im Weg.
„Hm?“
„Schwerhörig? Gehen Sie beiseite! Sie stehen im Weg! Da ist Bill!“
Natürlich bin ich schwerhörig.
Als Bestandteil des Volkskörpers gehöre ich zu der Abteilung der „Drei Affen“ und im Augenblick hörte ich nichts, nachdem ich zuvor weder was sah, geschweige was sagte.
Und wie es so den ungehorsamen Bestandteilen des Volkskörpers bei Ungehorsam ergehen muss, wurde ich beiseite geschubst.
Gewissermaßen eine Art Abstoßungsreaktion des Volkskörpers.
Der „Bill“ vor mir drehte sich überrascht um und ein gleissendes Xenon-Licht erleuchtete jeden Winkel des geschminkten Bill-Gesichts. Jede schwarze Strähne leuchtete auf. Jede Pore erstrahlte ind wunderbarer Schönheit. Im unschuldig dahinschaukelnden Bus.
Und dann ein elektronisches „Ritsch-Ratsch-Klick“ …
… darauf ein enttäuschtes menschliches:
„Oooooooooch“.
„Das ist ja gar nicht ‚Bill‘.“
Der Pseudo-Bill sah die drei Halblinge erstaunt an.
„Hey, cool. Ihr seid auch Bill-Fans?“
Der Bill war kein „Bill Kaulitz“, der „Bill“ war ein hübsches Mädchen.
Die drei anderen drehten sich naserümpfend ab.
„Bill ist eine Schwuchtel!“
„Tokio Hotel ist total schwul!“
„Wer Bill Kaulitz mag, der pinkelt auch im Sitzen!“
Und weg waren die drei BILD-Reporter, die BILD-„MMS 1414“-Freelancer-Handyfotografen.
Tja, der Volkskörper konnte sich diesmal bei BILD kein Geld mit einem Handy-Foto von einem Promie verdienen.
Aber die drei Halblinge sind in ihrer jugendlichen Unschuld genau auf der richtigen Spur.
Denn:
Keine Privatsphäre für niemanden.
Deutschland, einig Handyknipserland.
HUi! BUH!
P.S.:
BILD vergibt auch schon Pseudo-„1414“-Presseausweise.
P.P.S.:
Ich hab‘ da noch ein Bild von Kai Diekmann, wie er im „Atlantis“ mit nem brennenden 500-Euro-Schein unterm Tisch leuchtend nach dem runtergefallenem Gummi sucht, während ihm die schöne Tschechin gekönnt mit ihrem Mund einen …
… wie krieg ich das Bild auf mein Handy? … Ich will das Bild aus dem Puff unbedingt an seine Angestellten schicken …
Hat dir das vorherige Video gefallen?
Und hast du bei Harrison Ford in der „Einzige Zeuge“ mitgezitter?
Biste Amish?
Willste das nächste Video sehen?
Dann mal los! :)
Amish paradise!!
Und ab dafür!
Ach ja. Um die Würze des Textes zu verstehen, wäre ein wenig Englisch-Verständnis vorteilhaft. Weiterlesen →
Letztens las ich verwirrend auf einer Tageszeitung am rechten Rand der Titelseite in roten Lettern:
„3. Welt Rekord“
Tja, ich las dummerweise „Dritte Welt: Rekord“ und nicht „Dritter Weltrekord“.
Mal ehrlich: Was hat die Dritte Welt schon als Aufmacher auf den Titelseiten des Boulevards zu suchen, wenn sich eine deutsche Schwimmern eine goldene Medaille bei einer EM mit einer Weltrekord-Leistung erschwamm.
Brille putzen, Careca, und weiter lesen.
Da surf ich wieder mal nichts ahnend und vollkommen unschuldig durchs Netz und dann stosse ich auf folgende Schlagzeile:
Lass deine Augen nicht dem Hirn erzählen Dass du beschämt sein solltest Jeder braucht es Und ich fühle es genauso Hab deinen Namen nicht ganz mitbekommen Sch, sch, sch, sag nichts Lass uns sehen, was die Nacht bringt Es könnte alles sein
Oh, es tut weh, Wenn du zu blind bist, um zu sehen Bitte, lies nicht meine Gedanken, Ich erzähle mir die Wahrheit
Sünde, Sünde, Sünde, sieh, wo wir waren Und wo wir heute Nacht sind Hasse die Sünde und nicht den Sünder Ich bin nur hinter einem Schimmer Von Liebe und Leben her, Ganz tief drinnen
Zuerst einmal ein paar Worte für alle, die jenseits von Eden wohnen: In München ist man mal wieder seiner Zeit voll voraus. Da hat noch nicht mal der kalendarische Winter 2006 begonnen, da wird dann schon gleich der Frühling 2007 gefeiert. Mit Volksmusik. Mit was denn sonst?
Dreimal war Mr. Entertain-you in München und lud zu seiner Party ein. Für alle, die es darauf anlegten, konnte somit dreimal die Robbie-Williams-Show besucht werden. Mein Ticket hatte ich mir im Dezember letzten Jahres im Vorverkauf einkaufen lassen. Also, was wollte ich schon am 1. August am Olympiastadion? Nur mal so gucken? Einfach mal schauen, wieviel Leute da so vor den Toren herum lagerten? Quatsch! Ich wollte wissen, wo man wie am schnellsten aufs heilige Grün des Olympiastadions kommt. Am besten irgendwo am Elfmeterpunkt. Direkt vor dem gigantischen Fussballtor genau in der damaligen Bayern-Nordkurve.
Direkt vor Ort. Aber dafür benötigt man … eben ein Ticket … und die gab es draussen vor der Tür des Olympiastadions. Es mag sein, dass die Tickets für Robbie-Konzerte in Guiness-Rekordzeit vergriffen waren, aber das lag wohl daran, dass die selbsternannten Zwischenhändler sich eine ordentliche Gewinnmarge aus dem Marktgesetz von „Angebot und Nachfrage“ erhofften. Hoffen darf ja jeder im freien Markt. Nur die normative Kraft des faktische Preisverfalls war enorm. Mir wurde ein 120 € Sitzplatzticket erst für 35 € dann für 25 € (!!!) angeboten. Am Ende hatte ich gegen 17 Uhr eines der begehrteren Innenraumtickets im Werte von 73 € für 45 € gekauft. Nebenbei, am dritten Tag ergatterte ich noch vor dem offiziellen Einlass ein 30-€-Ticket für den Innenraum.
Unterbrochen vom Gedudel der Videoleinwände mit ihren Werbebotschaften füllten noch die beiden Vorgruppen ORSON (sie flogen am 29. Juli von Berlin nach Frankfurt nach Honkong nach Tokyo zum Fuji-Rock und wieder zurück nach München, um wie zuvor auch im Vorprogramm von RW zu spielen …) und Basement Jaxx die Zeit. Insbesondere die Werbebotschaften der T-Com konnten einem schon die Nerven auf eine Bewährungsprobe ziehen. Denn sie nutzten für zwei Spots sowohl „Tripping“ als auch „A place to crash“ als Hintergrundmusik. Und dann forderte eine Stimme noch auf an die Nummer 82400 das Stichwort ANGELS zu schicken, und dann würde man für läppische 6 € einen Klingelton und ein Video auf sein Handy und PC geschickt bekommen, während bierträgende Verkäufer dem wartenden Zuschauern für 3,80 € (+ 2 € Pfand für den 0,5 ltr. RW-Plastikbecher …) oktoberfestmässig eingeschenktes bayrisches Bier anboten. Selbstverfreilich war auch die unvermeindliche Pitu-Caipi-, Red-Bull-Vodka- und Coca-Cola-Verkäuferfraktion mit missionarischem Eifer den Geldbörsen der Fans hinterher.
Aber dann punkt 21 Uhr erschien er unter Rauchfontänen mit dem Stück „Radio“ aus der Plattform heraus mitten im Publikum und über den Köpfen der vor Freude tobenden Fans … Das personifizierte englische VARTA-Häschen, Robbie Williams …
Nein, es waren nicht nur Frauen anwesend. Es gab auch Männer. Hierzu sollten die Frauen wissen, auch Männer können Robbie cool finden, ohne gleich sexuelle Hintergedanken zu haben.
Das Plakat „Robbie, make me pregnant!“ wurde von Männerseite mit einem eindeutigen Plakat „Robbie, what about Gay marriage?“ gekontert. Und Robbie gefiel es offensichtlich. Nur mit dem „Robbie, pluster me up!“ konnte er nichts anfangen („What the fuck means ‚pluster me up‘? “ )
Gut, am zweiten Tag wurden die Offerten auf den Plakaten eindeutiger („Brasil girls taste better! 24 h test offer. I’m 39 and you can “ ). Am dritten Tag hielten sich die Plakate deutlich in den Hintergrund. Der Dauerregen hatte da wohl einiges vernichtet.
Was Frauen angeht, da ist Robbie jetzt wohl recht eisern, da er offenbar mit seiner Freundin und deren Kleinkind im Nobelhotel „Bayrischer Hof“ abstieg. Da waren Frau Schicki und Herr Micki aus der Münchener In-Szene schon ein wenig depürt, dass Robbie nach seiner ersten Show seine Hoteletage der von Nobeldisco „P1“ veranstalteten „After Show Party“ vorzog. Macht man das denn? So musste die Münchener Prominenz mal wieder – wie so häufig in Münchens Szene – inzestuös sich selber feiern. Robbie, scheint dort anzukommen, wo generell 30 Jährige ankommen. In einer gewissen Art Häuslichkeit mit Freundin und Kind.
Und überhaupt rutschte seine Hose auch nicht mehr auf Kniehöhe. Dafür redete er aber am zweiten Tag mit seinem Klein-Robbie, was mit Frauenkreischen quittiert wurde.
Und über den deutschen Fußball fachsimpelt. Allerdings hatte er sich ausschließlich am ersten Tag auf das letzte internationale Fußballspiel im Münchener Olympiastadion bezogen: Deutschland gegen England mit dem deutichen Endergebnis 1:5 für England. Deutschland habe während der WM großartig gespielt und das Publikum sei grandios gewesen und daher wird Deutschland bei der nächsten WM in Südafrika ins Endspiel kommen. Aber leider gegen England nachher verlieren, so Robbie lakonisch und maliziös grinsend. „Tripping“ widmete er da noch Jürgen Klinsmann.
An allen drei Abenden hat er mit seinem Freund John nach der Swing-Nummer einen seiner zwei Bälle ins Publikum geschossen (hey, haben die Leute sich um die Bälle gebalgt …).
Von der Musik her waren alle drei Shows fast identisch. Nur am zweiten Abend (120 min) wurde ein Lied („Kids “ ) mehr gespielt, dafür war Robbie am ersten Abend (120 min) gesprächiger und am dritten Abend (105 min) wohl nachher auch nur drum bemüht, im 14 °C warmen Dauerregen seine Band nicht zu verschleissen und selber nicht sich zu erkälten.
Überhaupt das Wetter: Da gibt es acht Wochen fast nur Sonnenschein bei angenehmen Temperaturen, jedoch als Robbie in München eintraf, war es vorbei: Der erste Abend war fast regenfrei. Als dann aber die letzte halbe Stunde der Show mit „Let me entertain you“ eingeläutet wurde, öffnete sich der Himmel. Das tat der Stimmu
ng aber keinen Abbruch, sondern ganz im Gegentum schien der Regen das Publikum noch eher zusätzlich anzuheizen! Während ich am zweiten Tag ab 9:00 vor dem Südeingang lagerte und nur hin und wieder paar Tröpfchen Regen runterkamen, blieb es nacher vollkommen trocken. 12 Stunden Warten für eine zweistündige Show …
… von 9:00 bis 16:00 vor dem Eingang, danach ein Hindernislauf an den Ordnern vorbei (wahrscheinlich unter den Augen des DLV-Präsidenten Clemens Prokop; wer die 300 Meter in Rekordzeit runtergejoggt hatte erhielt wahrscheinlich ne DLV-Einladung … obwohl, für Robbie sich nen guten Stehplatz zu ersprinten, fällt das nicht unter Doping? …), um in den gesonderten Bereich zu gelangen. Dann wieder 5 Stunden Warten im Sonderbereich, der nur für 65 Zuschauer freigegeben wurde.
Das ist dann immer genügend Zeit, um sich die Sicherheitsleute ausgiebig anzuschauen. Einheitlich schwarz gekleidet. Wahrscheinlich war deren Einstellungsvorraussetzung richtig mies und finster dreinschauen zu können. Da war das Gesicht von dem Security-Knispel mit dem blond gefärbten Schnurrbart, dem beidseitig zum „Z“-rasierten Kotletten und der eigenwilligen Brille. Wahrscheinlich hat der sich sein Styling aus X-Men abgekupfert. Lachen war für den als Rudelführer garantiert tabu …
Die Leute der ersten Reihen an der Absperrung erhielten dann auch zur Belohnung kostenlos Wasser …
… aus einem nicht unbedingt als sauber zu bezeichnenden Wassereimer. Die security tränkte die Fans wie Pferde. Nur mit dem Unterschied, wir erhielten das Wasser in kleinen Plastikbecherchen überreicht. So sah es wenigstens hygenischer aus, als die Eimer es wirklich waren.
Ach ja, nur die Mehrheit der Security war übrigens arogant. Ein solcher „Ich-bin-das-Universum“-Typ bewegte sich auch keinen Zentimeter, als er von Fans gebeten wurde ein wenig beiseite zu gehen, um bessere Fotos von Robbie machen zu können. Halt ein Menschenfeind, wie er im Handbuch für vorbildliche Security-Knispels gefordert wird …
Die Minderheit war allerdings trotz des martialischen Auftretens sympatisch und nett. Tja, aber dann endlich die zwei Stunden Show … .
Nur der dritte Tag war der eindeutig der härteste aller Tage. Dauerregen. Die Wolken schwebten in hundert Metern Höhe vorbei und hinterliessen Feuchtigkeit in jeder Kleidungsritze und in den Schuhen. Kalte Feuchtigkeit. Da nützten die kostenlos an der U-Bahn verteilten Regen-Capes des T-Com-Konkurrenten O2 und die mitgebrachten Regenschirme. Wer weder einen Regenschirm noch ein O2-Cape ergattert hatte, konnte sich auch bei den fliegenden Verkäufern bedienen. Regen-Cape zu 5 €, eben jene Plastik-Hüllen, die man im Laden im schlimmsten Fall für maximal 1 € kaufen kann. Aber was hilft so ein Regen-Cape, wenn das Bier verwässert schmeckt und der Caipi garantiert viel Wasser enthält. Mein Ruf nach Glühwein rief nur Belustigung bei Umstehenden hervor. Na gut, in der Not frißt der Teufel Fliegen und ich trink dann auch mal verwässertes Bier (schliesslich wollt ich mir noch so’n RW- Becher mit nach Hause nehmen ….).
Hauptsache der Veranstalter sagt das Konzert nicht wegen Regen ab. Klar, eine Absage geht nicht ohne grössere Probleme. Da heisst es für Publikum und Künstler, sich das beste daraus zu machen. Und Mr. Robert Peter Williams wäre nicht Robbie Williams würde er nicht auch daraus das beste machen.
„Alles fit im Schritt?“ Seine Deutschstunden zeigten Wirkung. Auch das entscheidende Wort kriegte er fast korrekt hin: „Schaise“. Mit Blick auf den Südblock und seine Treppe aus dem Innenraum heraus, pflegte er den Smalltalk mit den Leuten auf der Treppe: „Where the fuck are you going? I know where you are going. Shaisen!“ Belohnt wurde seine Treppenkonversation mit einem von einem Besucher auf der Treppe blankgezogenen Hintern übertragen auf der Videoleinwand. „Hey, Mr. Greenshirt, why are you leaving? Where are you going?“ So war seine Frage am zweiten Tag. Und der Angesprochende im grünen T-Shirt antwortete mit eindeutig rubbelnden Handbewegungen. „Hey, Mr. Greenshirt, do you know that are children here? Dickhead!“ war der verärgerte Kommentar von Robbie dazu.
Am dritten Tag war das Riesenrad vor dem Olympiastadion fertig gebaut und wurde prompt Ziel seines Spotts. „Hey, there are people inside trying to look at my show. Hey, you idiots, don’t pay the wheel, come directly to my show!“
Der Ruf in Richtung Riesenrad zeigte am dritten verregneten Abend („That was my wetest show I’d ever had! “ ) das Maleur. Zwar waren die Sitzplatzränge wie üblich gut belegt, jedoch war der Innenraum nicht so gut gefüllt, wie die beiden Abenden zuvor. Diesmal war die Zahl der 70.000 Zuschauer deutlich verfehlt worden. An den Kassen des Olympiastadions lagen noch dicke Blöcke mit Innenraumkarten.
Und an allen drei Abenden stellte er sein neues Stück RUDEBOX vor, welches das englische Boulevard-Blatt SUN als die schlechteste Single aller Zeiten betitelte. Dieses Stück kam nach dem Re-Opener „Let me entertain you“, welches eben nach jener einer kurzen Pause grandios die letzte halbe Stunde einläutete. RUDEBOX funktionierte live ungefähr eine Minute, danach sackte die Begeisterung des Publikums doch ein wenig arg zusammen. RUDEBOX ist ein reines Club-Stück. In Clubs kann es erheblich funktionieren. Aber live? Nach jeder Performance erschien Robbie Williams sichtlich zufrieden über die Reaktionen vom Publikum. Interessanterweise fiel mir dann auf, dass er in dem Lied sowohl für DUREX am Rande als auch für ADIDAS explizit Werbung macht. Egal.
…
Und? Hat es sich gelohnt? Dreimal Robbie binnen drei Tagen? Drei Tage das gleiche Vorprogramm, die gleiche nervige T-Com-Werbung, die gleichen Lieder, die gleiche Performance, auch wenn die Sprüche der Abenden unterschiedlich waren? Und das alles für ein spezielles Armband (für den Bereich zwis
chen Bühne und Plattform; Auflage: 100 Stück), nen Plastik-Becher, zwei Hard-Tickets und ein Online-Ticket?
Es hat sich gelohnt. Jeder einzelne Tag. Sogar der letzte, verregnete Tag mit den völlig durchweichten Schuhen.
Zudem hatte ich allerdings den Eindruck, dass die kometenhafte Karriere von Robbie Williams schon seinen ersten Zenit überschritten hat. Die jetzigen Konzerte sind für Leute, die 2003 wie ich nicht dabei waren, ein eindeutiges Highlight. Die erste Show am 1. August war die beste und seltsamerweise die verregnete Show am 3. noch besser als die am 2. . Trotz des Regens kam auch nie das Gefühl auf, da würde eine Show schnell durchgezogen werden, um wieder schnell ins Hotel zu kommen. Irgendwie war allen klar, entweder feiern oder frieren. Das beste draus machen oder gleich nach Hause. So wurde die verregnete Show trotz Regens richtig mitreißend.
Okay, selbst die Knebworth-DVD ist besser als diese Shows in München. Aber sie hat jedoch den entscheidenen Nachteil, man sieht Knebworth nur auf dem Fernseher. Aber live ist live und prägt mehr als nur ne DVD, die man in ein Gerät rein- und rausschiebt.
Es wird dauern, bis Robbin Williams wieder durch Europa rumtourt. Aber dann wird es wieder kurzweilig werden. Und sollten die selbsternannten Zwischenhändler wieder die Tickets so schnell aufkaufen wie für diesen Konzertvorverkauf im November/Dezember 2005, dann darf man sich als Verbraucher erneut auf radikal zusammenbrechende Schwarzmarktpreise freuen.
Und auf einen gut aufgelegten, sich ums Publikum bemühende Robbie Williams.
Auf Mister „Let me entertain you!“
Viel Spass allen Leuten, die am 8. und 9. August auf den Jahnwiesen in Köln das Spektakel miterleben werden. Übrigens, am 8. August ab 20:00 überträgt der Radiosender Einslive das Robbie-Konzert. Der Live-Stream dazu findet sich auch auf deren Internet-Seite unter http://www.einslive.de.