Geht doch gen Sommerzeit, ihr Mainstreamlappen, ihr!

Mainstream. Mainstream ist das letzte. Mainstream kann jeder. Der Mainstream hatte es, dass früher alle ein schlechtes Gewissen hatten, hatten sie von “James of Phones” eine Folge verpasst. Oder erfolgreich subversive Comedians frequentiert hatten. Oder bei der Serie über die Zukunft “Jean luggt Bicard” feststellen, dass ein Protagonist Kunststoff-Trinkhalme in ach-so-lustige Brezn verbiegt, während hier der Mainstream Kunststoff-Trinkhalme für Natur-gefährdend erachtet.

Mainstream. Mainstream ist das aller letzte. Wer den Mainstream folgt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren. Hatte bereits Karl Lagerfeld richtigerweise ausgesprochen. Nur, er machte es dem Menschen-Mainstream gleich und starb. Immer der Mehrheit hinterher laufend. Also diesmal sterben. Früher hieß es noch “Who wants to live forever”, gesungen von der Mainstream-Band der “Queenies” in nem Film, der wo es nur einen zu leben und zu sterben gab.

Mainstream. Pah. Mainstream. Besser kann man das Verachtenswerte dieser Gesellschaft nicht beschreiben. Mainstream ist was für Lappen. Für Loser! Genau. Also jene, die das Wort mit einem “o” schreiben, während der Mainstream das Doppel-“o” bevorzugt. Oder Standard mit “t” am Schluss. Weil es Mainstream ist.

Und dann die ganzen hippen Overachiever. Die immer besser sein wollen, wie alle anderen. So wie wir es aus den Fortsetzungen von Hollywood-Filmen wie “Rocky und seinem Creed” oder in “Jurrasics Dark” oder “In Diana Bones” so kennen. Da taucht der alte, seit langem etablierte Held auf, macht auf gewitzt routiniert und dann kommt so ein junger cool-hipper Overachiever auf und – batsch, klatsch, bumm – schon sieht der alte Held ganz schön alt aus.

Diese Overachiever, die uns alte Helden der Arbeit aus unsere Jobs drängeln, weil sie noch keine “4” oder “5” vor deren Altersangabe nachweisen können, die sind der Mainstream pur. Die für weniger Arbeitszeit mehr verdienen wollen, weil sie meinen, sie hätten das moderne Wissen und wären nicht nur effektiver, sondern gleichzeitig auch noch effizienter. Pah! Effizienz für’n Arsch! Mainstream war noch nie effizient. Geschweige denn effektiv.

Ich wette, all diese ach-so-hippen Overachiever stehen ab nächsten Sonntag (spätestens am Montag) immer eine Stunde früher auf, weil sie mit dem Mainstream gehen. Das nennt man dann verschleiernd: “Sommerzeit”. Damit keiner merkt, wie hipp und Mainstream die alle so sind.

Aber nicht mit mir. Ich bin nicht so wie der Mainstream. Ich werde demonstrativ eine Stunde später aufstehen. Ich lass mir doch nicht vom Mainstream diktieren, dass ich wegen einer sogenannten Pseudo-Zeitumstellung eine Stunde früher aufstehe. Den Ausgeschlafenen dieses Globus gehört die Welt. Nur wer ausgeschlafen anpackt, kann was erreichen. Die im Bett Liegenden dieser Welt haben noch nie einen Krieg angefangen. Das machen nur die Bettflüchtlinge, die auf Stress stehen und blind Leistung fordern. Der Mainstream eben.

Auch wenn es der Mainstream nicht wahrhaben will, dass das so ist, was Fakt ist. Und ich bin nicht alleine damit. Da gibt es über ein Dutzend Millionen hier, die das gleiche wie ich denken und dem Mainstream regelmäßig in die Suppe spucken. Wir sind keine vom Mainstream wegzudiskutierende Minderheit. Wir sind die Mehrheit. Drum fordere ich als deren Vertreter den Mainstream auf: Schafft die Sommerzeit ab! Gebt den Ausgeschlafenen das zurück, was uns in unserem Leben durch euch Mainstreamern geraubt wird:

<

p align=“center“>Zeit!

Mainstream. Mainstream ist das letzte. Mit der Meinung bin ich nicht allein. Denn das sagt die Mehrheit: Mainstream ist das letzte. Und jetzt nehme ich mir die Zeit und drehe mich deswegen im Bett nochmal rum. Mainstream am Arsch.

Ertrage die Clowns (16): Kann ich nicht beurteilen, muss ich nackt sehen

Im Jahr 1949 steckte sich der junge Joachim Fest einen Zettel ins Portemonnaie, den er bis zu seinem Tode mit sich führte. Auf dem Zettel stand der Satz:

„Ertrage die Clowns!“

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A: “Anderes Wort für Pink Floyd?”

B: “Anderes Wort? Ich verbinde damit in einem dunklem Raum zu sitzen, die Musik zu hören und meinen Gedanken und Imaginationen freien Lauf zu lassen. Statt Drogen einzupfeifen.”

A: “Schön, du 70-ger Jahre Adept. Hattest wohl kein Taschengeld für LSD oder so gehabt, he? Zu arm gewesen, oder was. Für ne LP hatte es gereicht, für nen ‘Schwarzen Marokkaner’ aber nicht mehr, oder? Trotzdem. Ein anderes Wort für Pink Floyd?”

B: “Roger Waters?”

A: “Hm. Könnte passen. Noch ein Versuch.”

B: “Antisemitismus?”

A: “Der Kandidat hat hundert Punkte!”

B: “Wish you were here.”

A: “Was?”

B: “Wish you were here.”

A: “Money?”

B: “The dark side of the moon.”

A: “The dark side of the wish-you-were-here-money! Hey, Roger Waters will nur Geld scheffeln und Antisemitismus verbreiten.”

B: “Hm.”

A: “Isso.”

B: “Sagt wer?”

A: “Frankfurt. München. Immer regiert mit den Grünen.”

B: “Ist also eine politische Erzählung?”

A: “Quatsch. Es geht um Antisemitismus.”

B: “Wow.”

A: “’Wow’ wieso?”

B: “Another brick in the wall!”

A: “Richtig! Die Grünen mal wieder! Bauen die Mauern der Rechten. Früher schon und heute nicht besser als damals.”

B: “Sagt wer von den politischen Gruppierungen?”

A: “Äh, die Grünen. Und sogar von der SPD.”

B: “Die uns vor Pink Floyd schützen wollen?”

A: “Nein, sondern vor Roger Waters, den Antisemiten.”

B: “Antisemit? Wieso?”

A: “Liest du keine Nachrichten? Internet-Verweigerer? Sagt sogar der Zentralrat.”

B: “Zentralrat. Ist die Erwähnung dieses Gremiums als Argument zu eigenen Argumentationslogiken an sich nicht auch potentiell antisemitisch?”

A: “Hast du Lack gesoffen? Bekloppt oder was?”

B: “Ist es nicht verdächtig, dass Parteispektren von CDU, CSU über FDP bis hin zur AfD als Zeugen für Roger Waters Antisemitismus den Zentralrat zitieren? Jene Söders, Maaßens, Wagenfelds und Höckes, die schon immer gegen das angeblich deutsch-widersprechende wettern? Die nur von zwölf bis mittags denken und die Zeit dazwischen mit Shitstorms füllen?”

A: “Nein, denn wie sagen wir im Deutschen: blinde Hühner finden auch mal ein Korn. Blinde Hühner wie Habeck, Baerbock, Özdemir, Hofreiter oder Aiwanger aber eher nicht.”

B: “Ist es nicht verdächtig, dass sich blinde Hühner immer an jenem Korn besaufen, dass sie sich einschenken, und es dann als Ideal eines Mutterkorns von Vater Staat für ihre Kinder deklarieren? Nur um damit ein ‘Another brick in the wall’ als Widerstandsanführer einer imaginären Opposition zu flöten?”

A: “Ach, hömma! Seit wann ist es überhaupt illegal, blind zu sein und Mutterkorn zu saufen? Wir leben immer in Eigenverantwortung! Das ist das, was jeder zu verantworten hat. Eigenverantwortung, sowas ist nie und nimmer illegal. Somit ist es rechtmäßig.”

B: “Rechtmäßig? Maximal anders ausgesprochen, als ‘recht mäßig’. Und dann besser als ‘rechts’ und ‘mäßig’. So etwas geht nur als Westfale mit der Spezialität, Münsterländer zu sein. Bayer bissu nicht. Bissu?”

A: “Und? Hast du diesen Qualifikationsnachweis?”

B: “Verbrieft. Geburtsurkunde.”

A: “Ah, ein Übermensch. Wir Untergebene der Rest der Welt verneigen uns vor dir.”

B: “Und?”

A: “Du redest Müll, will ich dir damit sagen. Lass uns stattdessen in den rhetorischen Diskurs über ‘Cancel Culture’ einsteigen.”

B: “Niemals. Eher sage ich, dass die Siedlungspolitik des Staates Israels extrem kritisch betrachtet werden muss, als mir mit rechtsradikalem ‘Cancel Culture’ aus der falschen Ecke den Mund verbieten zu lassen.”

A: “Antisemit!”

B: “Echt?”

A: “Genauso wie Roger Waters. Der behauptet auch, dass der Ukrainekrieg nicht ausschließlich zu Lasten des russischen Staates geht.”

B: “Echt? ‘Cancel Culture’? Auf Kosten der Toten?”

A: “Hömma! Jeder Kultur einen Totenkult.”

B: “Und sei es einen mit Fackeln überm Königsplatz in München.”

A: “Machst du jetzt auf Pazifismus-Opportunist a la Schwarzer und Wagenfeld?”

B: “Gebt den Toten eine Stimme. Sie können dagegen nicht protestieren.”

A: “Wer lebt hat immer recht. Wir leben, wir reden.”

B: “Wer überlebt, hat überrecht.”

A: “Jeder Schwachsinn hat seinen Superlativ.”

B: “Und für jeden Starksinn einen Diminutiv.”

A: “O si tacuisses, philosophus mansisses.”

B: “Wie belieben?”

A: “Übersetzt: ‘Fick dich ins Knie, du Genie’. Schweige jetzt, oder rede nimmer!”

image

(screenshot aus einem Youtube-Video vom Auftritt von Roger Waters in Lissabon 2023)

Ertrage die Clowns (15): Gebt mir etwas Wahrheit! Power to the people! … Abspann

Im Jahr 1949 steckte sich der junge Joachim Fest einen Zettel ins Portemonnaie, den er bis zu seinem Tode mit sich führte. Auf dem Zettel stand der Satz:

„Ertrage die Clowns!“

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Triggerwarnung:

Der folgende Inhalt der folgenden Serienzusammenfassung wurde von führenden Bloggern Deutschlands und einer weiteren, ungenannten Blogger-Community für einige Zielgruppen als unangemessen oder beleidigend eingestuft. Für jüngere oder sensible Leser ist daher nachfolgendes nicht zum einfachen Konsumieren geeignet. Das gilt im Übrigen nicht nur für Leser, sondern auch für Leserinnen. Das sagte mir gerade mein Obergeschmackskontrolleur, irgend so ein Fritze im März, per SMS, WhatsApp, Telegramm und zusätzlich analoger Flaschenpost.

Gattung: Serie; Kaugummi fürs Großhirn; tägliche Lebensbeschäftigungsgrundlage

Arbeitstitel: Hast du die kleinen Schweinchen gesehen, wie sie sich im Dreck suhlen, den sie sich von den anderen um das Drecksloch Stehende anrühren ließen?

Geplanter Serientitel: Weißhemden in Blue-Jeans

Verwendeter Serientitel: Sauber gestärkt.

Inhalt der Serie: Der Zuschauende einer Serie, monatelang eingeseift von der Seifenoper-Handlung mit einer diffusen Botschaft auf Liebe, dass man die nächste Folge nicht verpassen sollte, auf Glauben, dass alles gut werde, und auf jene unscharfe Hoffnung, dass die nächste Folge die letzte sei.

Hauptdarsteller:

  • Verklemmte, kurzsichtige, engstirnige Heuchler.
  • Engstirnige, herablassende, Mamas kleine Chauvinisten.
  • Neurotischen, psychotische, starrköpfige Politiker.

Nebendarsteller:

  • Kurzhaarige, bärtige, kahle, feige Söhne & Töchter von Tricksern.
  • Schizophrene, egozentrische, paranoide Prima Donnas.
  • Quertreibern ohne bedeutende Anstellung.
  • Genschernde, södernde Menschen im März ihres Lebens …

Spezieller Auftritt: InfluencerIn mit Einfluss; ManipuliererIn zweiten Grades; degradierte Persönlichkeiten des öffentlichen Gebens und Einschenkens; Hitler und Stalin für Arme

Uncredited: Jane and John Doe, Instant Karma, Bugalow Bill, rockiger Waschbär, Gesamtheit der Sexy Sadies aller Religio-Theken-Gemeinschaften

Skripter: Abwechselnd immer einer der Hauptdarsteller; aushilfsweise ErzieherInnen, pensionierte LehrerInnen und ErnährungsberaterInnen mit pädagogischen Fernzielen für eine mündige Gesellschaft auf Basis von deren eigenen Zielen.

Psychologische Beratung: Ehemalige Studierende (Zielgruppe U40) mit akademischem Grad ( Ü4,0) aus dem unscharfen Bereich “Medizin”, welche Hauptdarstellern per Rezept jegliche hirnlich anstrengende Betätigung verboten hatten, um bei denen einen Hirnschlag zu vermeiden;

Show Runner: Hans Dampf in allen Gassen, Kleingeist, Hanswurst, dummer August, Komiker, Schießbudenfiguren, EKG-positive Phrasendreschmaschinen aus garantiert akkreditierten deutschen Freiland-Parlamenten ohne Bodenhaftung oder Straßenkleber, Sackgassenstraßen-begehende Dämlacke der Straße, wenn diese nicht von Straßenkleberterroristen verklebt wurde

Best Girl/Boy: Ob-La-Di, Ob-La-Da (Remastered 2009)

Best Gaffer (= Bester Chefbeleuchter): Immer jene Person mit dem niegelnagelneustem Smartphone von Apple oder Samsung

Kamera und Schnitt: Menschen so wie du und ich … hm. Okay, nicht richtig. War falsch. Menschen eher wie du als wie ich einer, der kein Hirn zum Schreiben von Unsinn hat …

Credits: Copyright liegt eindeutig bei mir; alternativ dann bei derjenigen juristischen Person, die mir 1000 K€ auf mein Bermuda-Dreieck-Konto überweist …

Strange days indeed.

Das Geheimprojekt: die Ausrottung der weißen, grauhaarigen, alten Männer

Agentin A, wie ist Ihr Fortschritt?

Erhabene Meisterin, heute waren es sechsundneunzig.

Sechsundneunzig?

Ich hatte heute Mittag eine kostenlose Filmvorführung von “Ritter der Kokosnuss” organisiert. Jeder erhielt ein Gummischwert mit Eisenkern. Vierundvierzig starben mit dem Satz “Ist doch nur eine Fleischwunde” auf den Lippen. Die Restlichen hielten das für den “Tödlichsten Witz der Menschheitsgeschichte” und erstickten an ihrem Lachen.

Sehr gut, sehr gut.

Zusätzlich organisierte ich noch ausschließlich für Erz-Boomer-Kleriker “Das Leben des Brians”. Die kamen, sahen und regten sich wie erwartet über Gebühr auf und gingen mit Herzinfarkt über die Wupper. Siebenundneunzig. Die Hartnäckigen, die während jenem Film eingeschlafen waren, erhielten noch im Anschluss den Film “The last Temptation of Christ”. Sechs wirklich Hartgesottene überlebten allerdings auch dieses, ich konnte denen noch heimlich iranische Pässe in die Soutane stecken. Am Ausgang wartete bereits die Polizei und hat jene aufgrund Kindesmissbrauchsvergehen einkassiert. Die Priester wurden direkt mit Tatvorwurfsbeschreibung in neun Sprachen in ein Flugzeug nach Teheran abgeschoben.

Agentin A, hört sich gut an, weitermachen. Agent B, was sind Ihre Ergebnisse.

Erhabene Meisterin, ich habe heute eine Vorlesung über das Thema “Haben und Sein” durchgeführt. Inmitten der Vorlesung ließ ich einen Mitverschwörer auf der Bühne den Ausruf “Okay, Boomer” tätigen. Ca. 75% der Zuhörer starben an Schnappatmung. Der Rest lachte anfangs noch, wurde dann aber mit wohldosiertem “Jaja, ihr Baby-Boomer” erledigt.

Agent B, seht gut. Kommt morgen die AKW-Bewegung dran?

Ja, ich habe festgestellt, dass hier die Dichte der Boomer und Baby-Boomer am höchsten ist. Wir werden denen das Gesetz über die Laufzeitverlängerungen vorlesen. Zudem erklären wir denen noch den Nutzen von Braunkohlekraftwerken, Panzern und anderen grünen Entscheidungen. Zu erwartende Herzinfarktrate wird bei 78% liegen. Die restlichen 22 Prozent erledigen wird mittels Unwirksamkeitsstudien von Globuli, Friedensdemos und vegetarischem Veganismus in Zeiten von Weber-Grill-Kugeln. Beim zu erwartenden Handgemenge ist mit Gewalt zwischen Zuhörern zu rechnen, da die sich eh nicht alle grüne sind.

Agent B, Handgemenge sind nicht effizient. Bitte ergänzen Sie die Maßnahmen mit mehr Effektivität. Verteilen Sie vor dem Vortrag noch bitte Brieföffner und Schwiegermütter.

Schwiegermütter?

Wirkt immer, bei diesen Bürokraten, die wissen, was ein Schwiegermuttermörder ist. Agent-etwas C. Ihr Resümee?

Erhabene Meisterin, vierhundertneunundvierzig Menschen konnten wir mit der Titelmelodie “Pat und Patachon” in eine sehr düstere Ecke ihrer Stadt locken und mit Dauerbeschallung mit der Titelmelodie von “Die rote Zora” erledigen. Die Polizei tappt  bislang – wie erwartet – noch immer im Dunkeln. Weitere siebenhundertdreiundsechzig Baby-Boomer lockten wir mit der alten Titelmelodien von “Väter der Klamotten”, “Western von Gestern” und “Dick und Doof” in ein tiefes Gewässer, wo sie unter Klängen von “Hey hey Wickie” elendig ersoffen.

Sehr schön, sehr schön.

Weitere siebenhundertelfundsechzig Baby-Boomer haben wir mit der Melodie “Wer hat an der Uhr gedreht” aus deren Arbeitsplätzen geholt und dann mit “Die schnellste Maus von Mexiko” und Udo Jürgens “Vielen Dank für die Blumen” in ein Tigerkäfig locken können. Exitus. Die Tiger sind gesättigt. Leider aber auch übersättigt. Morgen steht dafür der Löwenkäfig auf den Plan.

Agentin D?

Chefin, ich habe einen Fernsehsender infiltriert. Und niemand hat es gemerkt.

Sehr gut.

Mit Geschick habe ich dort eine Show mit Boomern, Baby-Boomern und paar anderen Normalos organisiert.

Sehr, sehr gut.

Dazu habe ich Tweets über diese dämliche Boomer und deren over-cringe Baby-Boomer verfasst. Diese Tweets gingen gnadenlos viral. Beifall war mir hundertfach. Meine Followerzahl stieg annähernd fünfstellig. Ich organisierte Anruforgien in der Show mit dem Ziel: Diskreditierung der weißen, grauhaarigen, alten Männer, diesen dämlichen Boomer und deren over-cringe Baby-Boomer. Sie sollten demaskiert werden, als das was sie sind: überflüssig und ready to go. Ich erreichte meine Zuschauer in der anvisierten Altersgruppe der 14- bis 49-Jährigen: 1,6 Millionen. Mehr als genug, um Anrufer der Gruppe der weißen, grauhaarigen, alten Männer zu übertrumpfen.

Und?

Tja, Chefin, dann hat so ein dämlicher, weiblicher Boomer mit Schönheitsidealen a la Botox und Schlauchbootlippen abgeräumt und wurde Dschungelkönigin …

WAS?! Unglaublich! Elende Versagerin! Agentin D, du bist gefeuert! Du miese Nulpe, du!

Egal.

Wie bitte?

Der Sender hat mich einen Vertrag angeboten. Als Boomer- und Baby-Boomer-Expertin hätte ich mit meinen 39 Jährchen die passende Einstellung und Erfahrung, hieß es …

RAUS!!!!

Christliche Symbolik

Also sprach der Mensch zu sich, nachdem er die Büchse der Pandora geöffnet hatte und auf Besserung hoffte:

Da ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und war klug wie ein Kind und hatte kindische Anschläge. (#1)

Ein anderer Mensch blickte ob jener Worte auf und sprach:

Als das Kind Kind war, ging es mit hängenden Armen, wollte der Bach sei ein Fluss, der Fluss sei ein Strom und diese Pfütze das Meer. Als das Kind Kind war, wusste es nicht, dass es Kind war. Alles war ihm beseelt und alle Seelen war eins. Als das Kind Kind war, hatte es von nichts eine Meinung, hatte keine Gewohnheit, saß oft im Schneidersitz, lief aus dem Stand, hatte einen Wirbel im Haar und machte kein Gesicht beim Fotografieren. (#2)

Der erste Mensch ignorierte jedoch die Worte und setzte fort:

Da ich aber ein Mann ward, tat ich ab, was kindisch war. (#3)

Der andere Mensch seufzte und fügte hinzu:

Als das Kind Kind war, würgte es am Spinat, an den Erbsen, am Milchreis und am gedünsteten Blumenkohl und isst das jetzt alles, und nicht nur zur Not. Als das Kind Kind war, erwachte es einmal in einem fremden Bett, und jetzt immer wieder. Erschienen ihm viele der Menschen schön, und jetzt nur noch im Glücksfall. Stellte es sich klar, ein Paradies vor, und kann es jetzt höchstens ahnen. Konnte es sich nichts nicht denken und schaudert heute davor. Als das Kind Kind war, spielte es mit Begeisterung und jetzt so ganz bei der Sache wie damals nur noch, wenn diese Sache seine Arbeit ist. (#4)

Der erste Mensch murmelte weiter:

Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin. Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen. (#5)

Ich grübelte. Meine Mutter hatte mir in meiner Kindheit ein Anhänger mit Kreuz, Anker und Herz geschenkt. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, sollte den Glauben verstärken. Das war die Hoffnung. Wie ich nach meiner Kindheit erfuhr, blieb jene als einziges Positives übrig, als im Lande bereits wieder die Büchse der Pandora mit der rationalen Kurzlogik-Ansprache “Das wird man doch wohl mal aufmachen dürfen, oder etwa nicht? Oder sind wir kein freies Land mehr?” geöffnet wurde. Die Büchse der Pandora. Dafür sind viele wohl bereit dessen Blutzoll mit Blut, Schweiß und Tränen zu zahlen. Oder zahlen zu lassen. Outsourcing at its best.

Glaube, Hoffnung, Liebe. Kreuz, Anker, Herz. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Also, du Nächster, mach dich liebenswert. Denn ansonsten werden mit vollen Herzen Kreuze errichtet werden, die in Zentren aufgestellt werden. Ankerzentren. Frei dem Motto: “Ihr müsst uns ja nicht lieben, aber dann macht euch keine Hoffnung, dass wir euren Anliegen glauben. Was geht uns eure Sintflut an?

Ein letzte Mensch blickte kurz auf, sah einen Händler mit venezianischen Lüstern vorüber ziehen und ruinierte die nachdenkliche Stille mit leicht unsinnigen Worten:

Wenn ihr uns stecht, bluten wir nicht? Wenn ihr uns kitzelt, lachen wir nicht? Wenn ihr uns vergiftet, sterben wir nicht? Und wenn ihr uns beleidigt, sollen wir uns nicht rächen? (#6)


Zitate #1, #3 und #5 aus des mosaischen Gotts seiner Bibel, Zitate  #2 und #4 Wenders “Der Engel über Berlin”, Zitat #6 von Shakespeares “Der Kaufmann von Venedig”

Die erlogene Geschichte eines Fotos auf einer päpstlichen Beerdigung (Vatikan-Platz am 5. Januar 2023)

S #1: Na? Geht’s?

S #2: Na, wie soll’s schon gehen. Kann mir ja nur gut gehen. Du stehst ja neben mir.

S #1: Keine Sorge, Olaf. Es ist heute Beerdigung. Nur deshalb stehe ich Dir zur Seite.

S #2: Da bin ich ja beruhigt, Markus. Wer dich neben sich hat, der freut sich immer über Gottes Segen.

S #1: Apropos Segen. Du hast mir noch gar nicht zum Geburtstag gratuliert.

S #2: Echt?

S #1: Frank-Walter hat es jedenfalls schon getan. Am Flughafen. Vor laufenden Kameras..

S #2: Ihr beide habt heute am gleichen Tag Geburtstag? Frank-Walter, stimmt das?

S #3: Ssscht! Das ist eine Beerdigung. Seid ein wenig leiser.

M #1: Siehste, Frank-Walter, der Olaf ist immer völlig daneben. Statt mal Panzer und Raketen in die Ukraine zu schicken, gratuliert er noch nicht mal dem Markus.

S #3: Ssscht! Das gilt auch für dich, Friedrich! Hab mal ein wenig Anstand.

M #1: Also, Frank-Walter, ich weiß, was Anstand ist. Das musst du mir nicht erklären. Außer du willst das später mit mir bei meinem Rückflug erörtern.

S #3: Friedrich, ich hab dir doch bereits dreimal erklärt, dass ich ohne meine Sicherheitsleute nicht in deine Cessna steige.

M #1: Also, ich fliege im Anschluss um 12:59 wieder zurück nach Berlin. Mein Angebot steht. Und außerdem ist es keine Cessna. Sondern eine Diamond Aircraft mit zwei Dieselmotoren des Typs Austro Engine AE330 …

S #3: Ssscht! Andacht!

M #1: … und verbraucht weniger Diesel als ein Leopard-Panzer und hat auch weniger CO2-Ausstoß als ein Kreuzfahrtschiff. Also umweltfreundlich und unbedenklich, Frank-Walter. Meine Diamond ist vollgetankt. Die Motoren wurden zum Warmlaufen bereits von mir gestartet. Hier über meine App, Frank-Walter. Schau mal, das ist die absolut neuste High-Tech-Sache. Und total sicher. Mit der App kann ich sogar meinen Flieger steuern und gleichzeitig im Heck mit dir ernsthafte Fragen erörtern …

S #3: Friedrich! Ssscht!

S #1: Nun lass ihn doch, Frank-Walter. Friedrich meint es doch nur gut mit dir.

S #2: Echt, Markus? So gut wie mit mir?

M #1: Also, Olaf, ehrlich, das muss ich mir …

S #3: Ssscht!

S #1: Sag mal, Olaf, wo ist eigentlich deine Silvester-Ansprache-2022-Lamprecht? Ist die keine Christin, deine Christine? Warum ist die nicht hier auf der Beerdigung?

S #2: Die Christine ist im Büro und bearbeitet die Puma-Marder-Geschichte! Die hat zu tun.

S #1: Weiß man’s? Vielleicht steht die wieder vor deinem Kanzleramt und hält eine neue Rede über durchgebrannt Sicherungen in ihrer Abteilung. Also bei den Panzern, die nicht mehr fahren.

S #2: Markus!

S #1: Obwohl, Olaf, das kann ich mir eigentlich nicht vorstellen, so wie die am Sessel klebt.

M #1: Die Christine klebt fester an ihrem Amt als die Klimakleber auf der Straße!

S #1: Das war mein Satz! Du zitierst mich, Friedrich.

M #1: Aber sie klebt. Eben wie Klimakleberterroristen auf den Straßen.

S #2: Ach, ihr beiden. Wenn ihr schon Vergleiche ziehen wollt, dann passt doch dazu besser euer Andreas Scheuer als damaliger PKW-Maut-Minister und seine klaren Gesetzesverstöße …

S #3: Ssscht!

S #1: Recht haste, Frank-Walter. Olaf, das hier ist eine Beerdigung. Und kein vorweg genommenes Provinz-Dreikönigstreffen der SPD.

M #1: Dreikönigstreffen? Wieso nicht? Ich dachte, bei Papst-Beerdigungen werden nur Kaiser und Könige geladen.

S #1: Friedrich!

M #1: Ja, Markus? Ich mein doch nur.

S #1: Friedrich!

M #1: Jetzt sei doch nicht so streng zu mir. Ich bin doch nicht der Laschet, sondern wir sind geschätzte Kollegen. Inzwischen haben wir aus Sympathie schon dieselbe Brille und jetzt willste mich schulmeistern?

S #1: Friedrich!

S #2: Ihr beide seid einfach nur peinlich. Wie könnt ihr nur hier auf dieser Beerdigung sein, ohne dass man sich schämen müsste?

S #1: Joseph Aloisius, ich meine, unser Papst Benedikt, der war Bayer. Und Papst. Und dann erst in zweiter Linie Deutscher sowie Oberhaupt der Katholiken weltweit.

S #2: Ach.

S #1: Friedrich, kann ich bei dir mitfliegen? Ich muss noch zu der Gedenkfeier unserer bayrische Gold-Rosi. Die ist gestern gestorbenen, unsere bayrische Gold-Rosi Mittermaier.

S #2: Vorletzten Monat Hans Magnus Enzensberger, letzten Monat Papst Benedikt, jetzt auch Rosi Mittermaier. Sterben bei euch die Promi-Bayern in Bayern weg?

S #3: Olaf!

M #1: Ja, Frank-Walter, ruf den Olaf zur Ordnung! Ist ja peinlich und frei von jeglicher Sachkompetenz. So wie seine Sesselkleberin Christine. Und das hier auf der Beerdigung. Wenn unser Benedikt das mitbekäme, der würde im Sarg rotieren. Frank-Walter, sprich mal ein Machtwort.

S #3: So! jetzt reicht es mit euch dreien! Friedrich! Ab in die dritte Reihe. Markus, du ebenfalls. Olaf, zweite Reihe links hinter mir. Und wehe, Olaf, du singst das Te-Deum in der falschen Tonlage. Dann entlasse ich deine Christine.

S #2: Olaf, nicht vergessen, das Te-Deum immer in Cis-Moll.

S #1: Markus!

S #2: Frank-Walter, ich wollte doch nur das Beste für Deutschland.

S #1: Ruhe! Oder ihr alle drei werdet von mir aus euren Posten rauskomplementiert.

T #1: Gute Idee, Frank-Walter. Kann ich dann Bundeskanzler? Also als Bundekanzler “Peter Tschentscher, der Erste”?

F #1: Moment, jetzt wäre wieder eine Frau dran wie ich als “Bundeskanzlerin Nancy Fäser”!

S #1: Jetzt reicht’s! Am Dreikönigstag treffen wir uns alle in meinem Schloss Bellevue! Und wehe ihr bringt mir nicht Weihrauch, Gold und Myrrhe mit, ihr Rüpel!

S #2 + S #3 + M #1 + T #1 + F #1: Jawoll, eure Durchlaucht!

S #1: Und, du, Frau Bärbel Bas! Als Bundestagspräsidentin schreibst das Protokoll! Basta!

B #1: Frank-Walter, ich muss Sie zur Ordnung rufen, ihre Redezeit ist abgelaufen. Bitte kommen Sie schnell zu ihrem Ende. Also, die ihrer Rede, nicht Amtszeit, Sie verstehen, nicht wahr …

S #1: RUHE !

 

Beerdigung

Foto: Screenshot)

Kneipengespräch: Pflegt die Hände schon beim Spülen

»Hömma, was trinkst du denn da? Kein Kölsch?«

»Amarone.«

»Was soll das sein? Ama-was? Das ist doch ein Rotwein, das riecht doch ein Blinder mit Krückstock!«

»Das ist einer aus Italien.«

»Also doch so ne Art Chianti für Arme. Und kein Kölsch? Biste krank, oder wat?«

»Cheffe meinte, für dreifuffzich das Glas passt der ganz gut. Er will ihn loswerden.«

»Dreifuffzich das Glas? Hat der Grippe? Herr Oberspielleiter, haste Grippe?«

»Nee, der hat keine Grippe. Die Flasche ist von seiner Schwiegermutter, aber seit vorgestern hat er sich von seiner Frau getrennt und will nichts mehr, was an sie erinnert.«

Der Wirt brachte zwei Stangen Kölsch herbei, stellte sie ab und schaute fragend: »Willst auch’n Glas Amarone? Ist das letzte. Ging von nem Gast unangetastet zurück. Passte ihm nicht zu den Riewekooche.«

»Riewekooche und Rotwein? Das geht auch wirklich nicht. Zu Riewekooche nur en Kölsch. Danke ich bleib beim Kölsch.«

Der Neuankömmling schaute mich fragend an: »Und wie isset?«

»Joot isset.«

»Dann isset joot. Freut mich.«

Er nahm einen langen, tiefen Schluck aus seinem Kölsch, musterte den runter rinnenden Restschaum in seiner leeren Kölsch Stange, stellte sie beiseite, ergriff sich das Kölsch vor mir, murmelte: »Tschuldige, aber auf einem Bein kann man nicht stehen«, bäuerte unterdrückt und musterte mich erneut:

»Und haste das Endspiel gesehen?«

»Von der ersten bis zur letzten Minute. Und du?«

»Ich nicht. Mein Chefredakteur hatte mich verdonnert, jemanden zu imitieren, der die Fußball-WM aus moralischen Gründen boykottiert. Ich sollte darüber schreiben, wie das so ist, wenn man ein Endspiel verpasst.«

»Und?«

»Normal. Keine Autotorsos, keine Menschen, welche irgendwelche Hauptstraßen blockieren und Menschen ans Weiterkommen hindern, keine randalierenden Fans, einfach nichts.«

»Und was haste statt dessen dir angeschaut?«

»‘Der Nussknacker und die vier Reiche’, ‘Ich heirate einen Prinzen’ und ‘Jauch gegen 2022‘.«

»Bildungsfernsehen, ich verstehe.«

»Absolut. Wusstest du, dass Günther Jauch damals, also noch bevor er, du weißt schon, also als er …«

»Nein, wusste ich nicht.«

»Siehste! Die Privaten kommen dem Bildungsauftrag nach, die anderen haben nur für teuer Geld Fußball eingekauft!«

»Echt. Wahnsinn. Das wusste ich nicht.«

»Nebenbei habe ich noch getwittert.«

»Was denn so?«

»Paar Boomern den Marsch geblasen und Straßenklebern mit dem Strafgesetzbuch gedroht.«

»Echt? Wie engagiert.«

»Und Elon Musk supportet. Der hat bei Twitter ein bisschen feucht durchgewischt und den linksgrünen faschistischen Mob rausgespült. «

»Feucht durchgewischt? Also Mitarbeiter per E-Mail entlassen. ‘Durchwischen’ hört sich so positiv an.«

»Twitter ist Abschaum. Ein Moloch für Lebensversager.«

»Und daher spielen Sie dort mit?«

»Sie etwa nicht? Oder sind Sie etwa einer derjenigen, die Twitter abschaffen wollen. Das wäre Cancel culture!«

»Cancel culture? Nur weil dann eine Plattform fehlen würde, auf der allerlei Unsinn ablaichbar wäre?«

»Sie gehören wohl auch zu der linksgrünen Siffkultur?«

»Mitnichten.«

»Sondern?«

»Ich bin mehr passiver Twitter-Nutzer, folge einigen Accounts bewusst und versuche mich aus Schlammschlachten und Hetzer-Blasen heraus zu halten. Bei Twitter geht allerdings inzwischen die Deppenquote derjenigen mit ADHS-Symptomen hoch.«

»Deppenquote. Soso. Das ist also ihre Art der Diskussionskultur.«

»Die Vollkaskodesperados sind im Kommen. Twitter verkommt zu einem Lautsprecher, zu einem Hohlkörper, wie ein Eisenfass: es macht besonders viel Krach, wenn man es mit groben Werkzeugen bearbeitet und den Krach dann als verkannte Symphonie deklariert. Unter heftigem Getrommel.«

»Soso.«

»Es gibt einen weisen Satz: Energie folgt der Aufmerksamkeit. Energy flows, where attention goes. Solchen ADHS-Adepten werde ich das nicht geben, wonach sie lechzen: Energie, gesaugt aus einer ihnen gewidmeten Aufmerksamkeit.«

»ADHS-Adepten. Sie sind ja voll gebildet, sie kennen sich wohl voll aus. Abitur im Schnelldurchgang gemacht, he?«

»Bekannt ist, jeder Hahn kräht auf seinen Haufen Mist, den er als Mittelpunkt der Welt erachtet. Und weil es auf seinen Mist gut klappt, will er seinen Mist auch bei anderen aufhäufeln, um dort herum zu krähen. Und seit Wilhelm Busch und seiner Witwe Bolte wissen wir, Hähne legen keine Eier (auweia), machen aber lange Hälse, wenn sie gierig nach Ködern schnappen, geben danach ein feines Mittagessen ab, wenn man sie grillend richtig zubereitet. Twitter verwandelt es sich in einen riesigen Haufen Mist und lockt damit krähendes Federvieh mit Weltenmittelpunktsehnsucht an. Für Twitter bleibt mir nur noch eines zu konstatieren: Twitter ist maximal mittel punkt«

Ich atmete durch und pausierte. Dabei registrierte ich, dass der Neuankömmling nicht mehr neben mir stand. Er hat mich einfach ohne ein Wort sitzen lassen und befand sich nun am anderen Ende der Theke und unterhielt sich mit einem vierschrötigen Kerl.

»Sie reden viel, wenn der Tag lang ist, oder?«

Der Typ auf meiner anderen Seite grinste mich an.

»Vielleicht.«

»Was trinkst Sie denn da? Kein Kölsch?«

»Amarone.«

»Wenn’s schee macht. Prost. Ist Amarone Blubberwasser?«

»Blubber-was? Nicht, dass ich wüsste.«

»Blubberwasser. Wasser mit Blasen. So wie die ganze Social-Media-Sache an sich.«

»Auch eigene leidvolle Erfahrungen gemacht?«

Er grinste leicht, hob sein Kölsch sinnierend vor seine Stirn und fuhr fort:

»Social Media ist die Befriedigung der Suche nach Anerkennung. Das kann auch negative Befriedigung sein. Aber Hauptsache Anerkennung. Es ist eine Blasen-Welt, in der man sich wunderbar verlaufen kann, wenn einem die real existierende äußere Welt nicht das zollt, was man sich eigentlich erhofft, was man erwartet.«

»Zum Beispiel?«

»15-Minuten-Ruhm. Wissen Sie, wenn die äußere real existierende Welt stimmig ist, dann kommt es bei Social-Media-Nutzern zu Erschöpfungssymptomen durchs ewige Kämpfen-Müssen, durch Frustrationen mit einer nachfolgenden „Geht mir am Bobbes vorbei“-Haltung. Was interessiert es schon, wenn sich einzelne Individuen darüber echauffieren, dass sie nirgendwo geliebt werden, so wie sie sich geben. Oder sich genau so aufführen. Solche benehmen sich wie Boxer, die in der sechsten Runde schon schwer angeschlagen sind und dann von Runde sechs bis Runde zwölf torkelnd alles boxen, was sich irgendwie leicht vor deren zugeschwollenem Horizont bewegt. Und das ohne erkennbare Ergebnisse. Außer das sie selber kurz vorm Exitus stehen.«

»Kurz vorm Exitus nennt sich heute Resilienz.«

»Resilienz, ja. Und dafür werden sie wie Helden gefeiert. „Per aspera ad astra“ ist der Leitspruch jener. Durch Ungemach zu den Sternen. Sie meinen, mutmaßlichen Respekt in der Währung »Aufmerksamkeit« einzukassieren, koste, was es wolle. Auch wenn der Preis dazu von ganz anderen gezahlt werden wird. Hauptsache in deren Bilanz taucht dieser Saldo-Punkt nicht als Negativum auf.«

»War das jetzt nicht ne Aussage zum Angriff auf die Ukraine, oder?«

»Vielleicht eher zu den Soldaten darin. Dort werden Helden am laufenden Frontmeter produziert. Und jeder weiß, Soldaten sind Helden, auch wenn deren letzte Minute nur aus irre Schmerzensschreie besteht, weil eine Granate deren Eingeweide frei gelegt hat oder deren Herz offen ausblutet. Oder weil deren Hirn durch ein Loch in die Augen läuft. Oder wenn von der Zivilistin auf der Straße nach dem Raketeneinschlag nur noch die roten Stöckelschuhe mit den Fußstümpfen drin auf der Straße übrig bleiben. Dann sind sie Helden. Für eine Nacht.«

Ich musterte den Kerl. Anfangs war er mit noch sympathisch. Nur nachdem er so bildlich das Sterben im Krieg skizzierte …

»Schau mal. Wenn ein Infantino – man muss ihn nicht mögen, überhaupt nicht -, also wenn ein Infantino sagt, dass die westliche Welt vor Doppelmoral strotzt, und darauf die getroffenen Hunde bellen „Das muss ausgerechnet dieses korrupte Arsch sagen“, dann kann man später beobachten, wie diese Getroffenen ihre Hände in Unschuld waschen, in jener Suppe, die von anderen ausgelöffelt werden muss. Und spätestens dann taucht Tilly auf und flötet: „Nein, das ist keine normale Suppe, das ist Palmolive, das pflegt die Hände schon beim Spülen in Unschuld“.«

Ich versuchte für mich seine Gedanken zu ordnen und dachte laut:

»Und immer wenn jemand seine Hände in Unschuld wäscht, ..«

Er fiel mir ins Wort:

»… dann hält bereits jemand anders eine Packung Toilettenpapier mit der Gravur DANKE zum Abtrocknen bereit.«

Der Wirt brachte mir ein Kölsch und räumte mein leeres Glas Amarone weg. Ich nahm einen Schluck. In dem Moment entdeckte ich das kleine Fläschchen “Kleiner Feigling” vor mir.

Hier endeten meine Erinnerungen. Dafür startete wohl der Filmriss in meinem 4K-Movie mit Dolby-Atmos-Sound. Live sucks.

Die Winterrealität 2022

Sommermärchen werden im Sommer geschrieben, Frühjahrsgefühle im Frühjahr gebettet, Herbstdepressionen im November durchlebt: Allerheiligen, Allerseelen, Hitler-Ludendorf-Putsch, Novemberprogrome, Hungerstreiktod eines RAF-Terroristen, Straßenklebende, Volkstrauertag, Gänseschlachttag (Martinstag), Buß- und Bettag, WM-Fußballspiele der “Mannschaft” …

Und jetzt zur Winterrealität 2022: es ist kalt. Noch drei Wochen, dann ist Heilig Abend vorbei. Wie von Geisterhand werden dann die Innenstädte frei sein, frei von den Suchenden und Süchtelnden nach Weihnachtsstimmung, so zwischen Handwerksbuden, Grillbratgutanbietern und Glühweinständen. Die Fußgängerzonen werden wieder frei von “Last Christmas” sein und unser Heilig’s Blechle unbehelligt von Stock und Stein und Störern seinen Weg von Familienfeier zu Familienfeier finden.

Es wird wieder Frieden im Land herrschen. Frieden und Freiheit zur Weihnachtszeit. Und das unveräußerliche Recht “Drei Haselnüsse für Aschenbrödel” (13:40 im Das Erste) ungestört im Fernsehen anschauen zu können. Oder für die Boomer-Generation: die ganze Serie “Timm Thaler – Das verkaufte Lachen” (auf ZDF neo) mit Horst Frank als Bösewicht vom Dienst. Oder für die Generation “whY” etwas individuelles zum unbeschwerten Ausleben: free-style-binge-watching auf Netflix, Disney+, Prime Video oder xHamster, je nach Lust, Laue und tiefergelegter Motivation. Nur so herrscht wieder Frieden im Land.

Frieden im Land? Allein die Bösen dieser Welt bomben weiter. Die Bösen bomben alleine weiter. Weil sie sich durchs Bomben von der friedlichen, weihnachtlichen Weltgemeinschaft ausschließen. Zuvor werden noch einmal die “Infantino”s dieser Welt erfolglos gebeten haben, dass alle Kriege wenigstens über die Weihnachtstage mal Pause machen sollten. Einfach mal Pause abschalten und machen. Bei einer quadratischen, knusprigen Haselnusswaffel. Dann können auch die Mitarbeiter der Waffenschmieden dieser Welt ihre Überstunden abbauen. Und weil eine Woche später Knaller und Böller für andere Zwecke benötigt werden. Und weil es Tradition ist, sich so etwas vor laufenden Kameras und rausgereckten Mikrofonen eine Pause für die Kriege zu wünschen. Damit die Überlebenden ihre Toten zu Weihnachten begraben können.

Traditionen, die niemand aufgeben will. Weil Tradition, das muss so sein. Weihnachten und Silvester, das sind Werte und Traditionen, welche nur böse Menschen abschaffen wollen. Also die Gutmenschen. Also jene Menschen, die das Gute wollen, und daher folglich böse sind. Während ein böser Mensch doch gar nicht so böse ist, weil man vom bösen Menschen nichts außer Böses erwartet, was schon wieder gut ist. Denn dann weiß man, was man hat. In der Winterrealität 2022.

So kurz vor Weihnachten. Ich stehe an der Supermarkt-Kasse und habe eine Packung Sekundenkleber zwischen den anderen Sachen. Reparatur ist nachhaltig und Kleber sorgt für Nachhaltigkeit. Sorgsam lege ich alles auf dem Supermarktband der Kasse. Zwischen Tageszeitung, einer Packung Hafermilch Barista-Style und der obligatorischen Tüte Geleegummi schiebe ich die Packung mit dem Sekundenkleber.

Und irgendwie überkommt mich ein Déjà-vu. Eine Vision steigt auf, längst verdrängte Peinlichkeitsgedanken aus dem Ende der 80er Jahre. An der Kasse sitzt eine wasserstoffblondierte Hella von Sinnen, eine legere jüngere Frau, dann der junge Ingolf Lück, der gerade verschämt seine Packung Kondome halb unter einer Stange Lauch aufs Einkaufsband schiebt und von der ältere Frau nach ihm prüfend angeschaut wird. Die Kassiererin nimmt die Kondome schaut drauf, findet kein Preisschild und tönt durch den Supermarkt: “TINA, WAT KOSTEN DIE KONDOME?” (hier). Stille macht sich raumgreifend im Supermarkt breit, und alle starren den jungen Ingo Lück an, der hörbar unangenehm berührt schluckt.

Déjà-vu. Ich schaue auf meine Packung Sekundenkleber. An der Kasse sitzt keine Hella von Sinnen. Aber was wäre, wenn denn jetzt die Kassiererin zum Telefonhörer greift, dann im Markt den Marktleiter über die Außenlautsprecher anschnarrt: “Heiner, komm mal vom Raucherplatz auf der Straße weg und tu mal wat für mich: sach mir mal, was der Sekundenkleber kostet” und Stille würde eintreten. Alle würden auf mich starren. Auf allen Stirnen stände dann nur “Straßenblockierer-Terrorist” zu lesen.

Unauffällig schiebe ich die Packung Sekundenkleber unter andere Lebensmitteln neben dem Laufband, zu den Dingen, die von anderen putativen Einkäufern dort abgelegt wurde, weil die eigene Geldbörse deren Kauf nicht mehr hergab. Sekundenkleber brauche ich auch nicht wirklich. Und von anderen als Straßenkleber und Heilig’s-Blechle-Blockierer dann schief angeschaut zu werden, brauch ich auch nicht. Und überhaupt: Neukauf ist eh viel, viel besser für die Wirtschaft als dusselige Reparatur und als “Straßenblockierer-Terrorist” blöd angeschaut zu werden. Wahrscheinlich macht dann die Vier-Buchstaben-Zeitung von mir ein Foto mit der Packung in der Hand und warnt den Rest der Republik vor mir. Brauch ich nicht. In der Winterrealität 2022.

Kalt ist’s.