Der Karrieretipp des Tages …

Verehrte Bürger und Bürgerinnen, liebe Mitbürger und Mitbürgerinnen, sehr verehrtes Feindesgesindel und Feindesgesocks!

In der Stadt Wedel haben CDU und Grüne zusammen vereinbart, eine zukunftsfähige Politik für jeden einzelnen der Wedeler Bürgerinnen und Bürger zu gestalten, die Entwicklung der Stadt nachhaltig zu fördern und die Lebensqualität für jeden Wedelaner zu verbessern.

Wedel?
Sie haben noch nie von Wedel gehört?
Also bitte!
Wedel, das ist die Stadt in Schleswig-Holstein nahe der Elbe am drei Bundesländereck Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen.
Ja, Wedel hat den norddeutschen Flair von „Schöner sitzen und auf die Elbe gucken„.

Aber Wedel hat jetzt ein politisches Problem. Bei der letzten Gemeinderatswahl vom 25.05.2008 verlor die CDU 9,8% und die SPD pulverisierte 2,2% an Zuspruch. Stattdessen rissen sich die Linken 8,8% der Stimmen unter ihre rot-lackierten Fingernägel.

Und als ob das nicht schon schlimm genug wäre, erlitt Wedel einen Wahlbeteiligungseinbruch von mehr als 9%! 1829 Bürger haben sich gegenüber der letzten Gemeinderatswahl der Wahl verweigert.
Anders ausgedrückt: 39,2% der Stadt empfanden es überhaupt für nötig, zur Wahlurne zu schreiten. Darüber, dass davon 184 Wähler zu dumm waren, auch noch einen gültigen Wahlzettel abzugeben, darüber sei hier mal das Mäntelchens des Schweigens ausgebreitet. Das ist zu beschämend für das durch PISA in Schräglage geratene Bundesland (nur Platz 10 und somit nicht mal unter den 9 besten Bundesländern Deutschlands).

Also nur 39,2% bei der Gemeinderatswahl. Mag sein, dass die Wahl damit um 0,2 Prozentpunkte interessanter war als die Kreistagswahl.
ABER: Selbst die Europawahl mit 39,6% Wahlbeteiligung stieß auf mehr Interesse. Das ist ein Grund sich fleißig fremdzuschämen.

Die Weltuntergangsstimmung an dem Städtchen der Elbe ist groß. Selbst ohne Elbe-Hochwasser. Und kein Retter weit und breit in Sicht.

Und nun? Ein Messias muss her! Ein neuer Bürgermeister muss es sein! Ein niegelnagelneuer, der nicht aus der eigenen Stadt kommen muss. Einer mit frischem Wind statt altem Gepupe. Einer mit neuen Perspektiven! Nur ein neuer Bürgermeister kann die 32.500 Wedelaner wieder motivieren zur Wahlurne zu trotten.
Und mit einem gesicherten Einkommen von 6.400 bis 6.800 Euro monatlich, da sollte sich doch ebenfalls jemand als Kandidat zum Bürgermeisteramt finden lassen. Daher findet sich alles weitere in der Stellenanzeige der FAZ, bundesweit an diesem Wochenende veröffentlicht:

Anzeige

Da sollte doch was machbar sein, oder?

Verehrte Wedelaner und Wedelanerinnen,
hiermit kündige ich meine Kandidatur an.
Für sechseinhalb Mille brutto plus den Zulagen netto bin ich dynamisch, zielstrebig, engagiert und verantwortungsbewusst. Meine Erfahrungen in Führungs- und Leitungsfunktionen habe ich untertänigst als vielfaches Parteimitglied erworben (besitze vier Parteibücher und bin bei einer fünften mit meinem Antrag auf Aufnahme in der Warteschleife). Zusätzlich weiß ich als Angestellter eines inzwischen sogar staatlich stark unterstützen Kreditinstituts, wie man trotz mancher Nähe der Bürger Verwaltungen nachhaltig und wirtschaftlich führen kann. Mit dieser Orientierung eines Kreditfachmanns kann man sich auch in Bürgermeisterämtern genügend leisten, so dass „leistungsorientiert“ schon mein zweiter Nachname ist.

Liebe Wedelaner und Wedelanerinnen,
merkt euch meinen Namen. Ab morgen kommt meine Bewerbung über euch.

MfG
Euer neuer, designierter Bürgermeister

Das Leben der anderen

Bridge Mein Eindruck verstärkt sich von Monat zu Monat:
Immer mehr Menschen meines Alters verfallen der Yellow Press. Es liegt wohl daran, dass meine Altersgruppe langsam in der Zielgruppe der Yellow Press reinwächst. Aber eigentlich ist dies nichts sonderbares. Eher der normale Lauf der Dinge …

Ich erinnere mich an meine erste BRAVO.
Mühsam hatte ich mir das Geld zusammen gespart gehabt. Von den 1,50 DM hatte ich mir das begehrte Heft gekauft, in einem Laden, wo mich garantiert niemand kannte. Ich dachte, es wäre etwas besonderes, das Heft zu kaufen, welches unter den Schulbänken kursierte und auf der Heimfahrt heimlich im Bus durchblättert wurde. Und daher war ich aufgeregt, als das diskrete Tauschgeschäft BRAVO gegen Einsfünfzig durchgeführt wurde. Das war fast so ein bisschen wie Gefangenenaustausch auf der Glienicker Brücke.

Nebenbei: Genau dieses Herzklopfen verspürte ich später wieder, als ich mir – knappe 19 Jahre alt – meinen ersten PLAYBOY kaufte.

Öffentlich war BRAVO allerdings in meinem Umkreis verpönt. Zuviel Porno für die Jugend unter 16. Wer BRAVO las war verrucht, hatte wahrscheinlich Sex und nur deswegen Pickel mit Rückenmarkserweichung. Aber in Wahrheit kauften die doch alle nur die BRAVO wegen Schwarzenegger als „Conan, der Barbar“ oder Sylvester Stallone in „Rambo 1“.

Jedenfalls, mein BRAVO-Heft hatte ich zwischen Mathe- und Deutschheft versteckt. Der billige Versuch, einem Heft kalkulierte Kultur unterzujubeln. Das Titelbild der damaligen BRAVO war jedenfalls Désirée Nosbusch. Als Bikini-Mädchen war sie ein Traum für mich. Vormals existierte Désirée Nosbusch für mich nur als Co-Moderator des Mittelwellen-Senders „Radio Tele Luxemburg“, zusammen mit Georg Bossert. Als sympatische Stimme ohne Gesicht. Da gab es die „10 vor Sieben“-Radiosendung. Für mich hieß das, praktisch die letzte Sendung vor dem Abendessen und der „Heute“-Sendung dazu …

„Radio Tele Luxemburg“ … Erinnert sich noch wer an die Telefunken-Radios? Die hatten einen RTL-Knopf, der war auf MW-Wellenlänge 1492 kHz programmiert. Man drückte ihn und hörte sofort RTL. Im Ausland aus dem Ausland. Gegenüber den öffentlich rechtlichen ein wenig anarchistisch. In Deutschland waren ja Privatsender erst in den 80ern zulässig. Tja,lang ist’s her …

Doch zurück zu Désirée Nosbusch und der BRAVO. Meiner ersten BRAVO.
Zwischen Mathe- und Deutschheft hatte ich das Heft sorgsam geschützt verborgen und trotzdem hatte die Titelseite eine Beschädigung abbekommen. Und dann auch noch genau auf dem BH ihrer linken Brust.

Nun ja. Mein Freund goß deswegen Kübel des Spotts über mich aus. Denn für ihn war es nicht bloß eine mechanische Beschädigung der Titelseite. Nein, seinen Worten nach sollte ich wohl versucht haben, den BH von Désirées Brust abzuknibbeln. Ich hatte ihn nicht verstanden. Denn wieso sollte ich Interesse daran gehabt haben, den BH wezurubbeln? Und zweitens würde doch durch jegliche Rubbelei das Papier beschädigt! Oder etwa nicht?
Der berühmt berüchtigte Radiergummieffekt, der bei mir schon manche Schulbuchseite beschädigt hatte und mir nur Ärger mit Lehrern und Eltern eingebracht hatte.

Dass mein Freund meinte, ich will der Nosbusch durch Rubbeln an die Wäsche und deren Brust freilegen, die Idee kam mir nicht.
Die Magie eines entblößten Frauenbusens sagte mir noch nichts.
Die Seiten von Dr. Sommer las ich und ich amüsierte mich, weil sich die anderen darüber amüsierten. Aber verstanden hatte ich Dr. Sommer nie.

Zwei Tage später hatte das gezielte Ärgern meines Freundes seine Wirkung erzielt. Ich schenkte ihm das gesamte Heft und mit diesem das mir den Atem raubende Titelbild von Désirée Nosbusch. Worüber Dr. Sommer in seiner Kolumne referiert hatte, das weiß ich nicht. Das war für mich wohl uninteressanter als jenes Titelmädchen.

Erst Jahre später wurde mir klar, was mir mein Freund unterschieben wollte. Dass ich den Wunsch gehabt haben sollte, Désirée Nosbusch BH wegzurubbeln, um sie somit auf dem Titelbild auszuziehen. Damals war mir jedoch schon immer klar gewesen, dass Fotos nur eine Abbildung der Realität sind und nicht die Realität selber. Und dass man auf einem Foto keine Frau nackt rubbeln kann.

Gut. Später hatte ich mal Rubbellose von Beate Uhrse und damit ging es. Das Wegrubbeln. Ausziehen mit dem rechten Zeigefingernagel. So einfach sollte es nie wieder werden, Frauen aus ihren Klamotten zu bekommen …
Aber erstens waren die Rubbellose nicht frei erhältlich und zweitens voll Porno. Und eben nicht voll BRAVO. Aber das ist ne andere Geschichte. Und jene Rubbellose landeten auch nicht bei meinem Freund sondern im anonymen Altpapiercontainer. Jene BRAVO und die darauf im Bikini abgebildete Désirée Nosbusch diente meinem Freund allerdings wohl als Wixvorlage, wie ich indirekt erfuhr.

Zudem verlagerte sich mein Bewunderungsschwerpunkt recht schnell später sowieso auf eine „Kiki“ Plate. Auf Christina Plate. Sie war in meiner späteren Jugend für länger das echte Traummädchen. Mein Alter, meine Kragenweite, mein Traum. Das hatte nichts mit Wixvorlage zu tun, sondern mit verliebter Schwärmerei. Sie hatte für mich den erotisch freundlichen, aufgeschlossenen Charme eines erfrischend warmen Sommerregens. Ich mochte ewig darin tanzen.

Und jetzt, in einem beinahe gnadenlos überfüllten Zug von Norden nach Süden fiel mir ein Produkt der Yellow Press in die Hände. Und es berichtete über Christina Plate.
Fatal, fatal.

Nein, ich lese keine Yellow Press.
Nein, um keinen Preis lese ich Yellow Press.
So alt bin ich nicht.

Das war jedenfalls immer mein Mantra der Yellow Press gegenüber.
Und so saß ich nun ohne Mantra dort und las den Artikel über Christina Plate Wort um Wort, Buchstabe um Buchstabe, Zwischenzeile um Zwischenzeile. Und die Bilder verinnerlichte ich Rasterpunkt für Rasterpunkt. Die Erinnerungen an meine jugendliche Schwärmerei und die Bilder dieser mir immer noch attraktiven Frau ließen mich inwendig warm werden. Ja, man könnte sie mir auf dem Bauch binden, ich würde freiwillig schwanger werden. Und das als Mann.
Den „Stern“ mit Titelstory zu „Michael Jackson“, der daneben verwaist gelegen hatte, verspeiste ich lediglich, indem ich ihn oberflächlich quer las. Aber diesen Klatsch- und Tratschartikel über Christina Plate … ich verschlang ihn wie Honig.

Was ist bloß aus der damaligen Jugend geworden, dass sie der Yellow Press mehr Aufmerksamkeit widmet als dem wiedererstarktem „Stern“? Yellow-Press-Leser in vollen Zügen im Zuge der eigenen Zeit?

Immer mehr meiner Altersklasse verfallen der Yellow-Press und seiner Heile-Welt-Berichterstattung aus dem Umkreis der Reichen und Schönen.
Reich und schön, das beides zusammen, das hätte jeder gern.
Oder zumindest reich.
Oder schön.
Oder zumindest Heile-Welt.
Oder alles drei zusammen.
Illusionsverlust kompensiert durch Realitätsverlust. Ein bisschen zu träumen von dem, was hätte sein können, hätten sich eigene Illusion und Realität vermischt. Statt lediglich jetzt nur in die Zielgruppe der Yellow-Press reinzuwachsen und deren Leser zu werden. Aber wo ist schon der Unterschied zwischen BRAVO und heute, wenn die Wirklichkeit keine Wirkung im eigenen Leben erzielt?
Das Leben der anderen, auf das wir leben.
Über die Yellow Press.
Kaugummi fürs Großhirn.

Journalistische Sinnsprüche vom Tage

„Durch seinen Tod wurde er unsterblich.“

What a difference a day makes …

Wenn in Deutschland die Schlagzeilen für morgen entschieden werden, dann hat Michael Jacksons Beerdigung eindeutig die operierte Nase vorn. Direkt vor den Ereignissen in West-China.

Die Beerdigung ist für Europas Zeitungen Schlagzeilen-kompatibel, gerade weil sie 11:00 Uhr Ortszeit stattfand. Bei den Uiguren und den Han-Chinesen geht dann gerade die Sonne auf, um die nächsten Massaker ans Tageslicht zu bringen. Zu spät für unsere Druckmaschinen. Und zu spät für die totgemachten Menschen. Aber immer noch rechtzeitig für den anderen totgemachten Menschen aus Amerika.

Nebenbei: Auf BBC-Radio meldeten sich zwei Chinesen (Han) aus Peking und Shanghai telefonisch, die in der laufenden thematischen Sendung erzählten, dass er sich bei den 140 Toten um 3/4 davon um Han-Chinesen gehandelt haben soll. Als der Moderator nach der Quelle fragte, beriefen sich die beiden auf Freunde und Bekannte aus Xiandong (oder wie die Provinzhauptstadt dort heißt). Auf deren Gegenfrage, ob der Moderator andere Quellen über die Zugehörigkeit der Toten habe, müsste der Moderator erklären, dass es nur die unbestätigten Annahmen westlicher Journalisten habe. Womit die unbewiesene Annahme, die Toten seien Uiguren und lediglich die Staatsmacht grausam, ziemlich schubladenmäßig daher kam.
Als darauf noch zwei Shanghai-Engländer anriefen und dieses indirekt bestätigten, fiel mir wieder ein, wer die Hoheit über morgentlichen internationale Interessen in Deutschland hat: die am Vortage festgelegte Schlagzeile …

"Hommage au King"

Andere Stadt, andere Leute, gleicher Anlaß wie überall weltweit. Meine Frage an die Leser meines mobilen Posts: Wie heisst der Fluß im Hintergrund? Wer weiß es?

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Das jüngste Gerücht (Fake der Woche)

Michael Jackson soll Selbstmord begangen haben. Nachdem ein Pater dem Jacko einen Film über barocke Engelsputten vorführte und meinte, dass solche Putten den Himmel bevölkern würden und auch auf Jacko zu Diensten sein würden, da wollte Jacko einfach nicht länger warten …

Protokoll eines gescheiterten Grabraubes

– Schlagbohrer! Gib mir jetzt den Schlagbohrer!
– Moment. Den Bosch oder die Hilti?
– Den Hilti, Mensch. Oder meinste, ich will hier Bilder aufhängen?
– Welchen Bohrer?
– Den 20er!
– Moment.
– Beeil dich.
– Jaja. So hier. Ist okay?
– Halt die Lampe!

Ein Surren erfüllt den Raum, feiner Bohrstaub durchzieht die Luft. Es kracht.

– Sag, mal spinn ich? Was ist denn das für ein Bohrer?
– 20er, wie du gesagt hattest.
– Du Volltrottel! Das ist ein Holzbohrer, du Dünnbrettbohrer! Wir brauchen den Steinbohrer! Holzbohrer, ich glaub ich spinne. Wir bohren hier doch keine Holzsärge! Das ist ein Sarkophag, du Hirni.
– Tschuldige. Hier. 20er Diamantbohrer extra hart.
– Na also, es geht doch.

Erneut erfüllt ein hartes Surren den Raum, noch feinerer Bohrstaub vernebelt das Licht der Lampe. Der Bohrer dreht im Lehrlauf hoch. Irgendetwas scheint sich um den Bohrer gewickelt zu haben. Ein Stück violettes Stofftuch.

– Violettes Tuch? Ich wette, hier war ein Schwuler begraben. Los, gib mir das Endoskop. Ich will reinschauen!
– Hier. Nimm. Und siehste was? Gold? Diamanten? Juwelen? Alte Schriftrollen?
– Nichts. Nur Knochen und offenbar Marihuanabrösel.
– Mist. Dann erstatte ich mal Meldung. Eichhörnchen an Raubkatze. Eichhörnchen an Raubkatze. Hörst du mich? Nein, Eure Exzellenz, auch in dem letzten Sarg war nichts bedeutsames.

Wenige Stunden später:
– Und wurde was dort unten entdeckt?
– Nichts.
– Überhaupt nichts?
– Nur Knochen, violette Tuche und ein Paar Brösel, von denen der verfilzte Bergmann meinte, es sei Marihuana.
– Und wo ist das Gold? Die Juwelen? Die Diamanten?
– Ich glaube, das ist nur das Grab eines Ur-Christen. Die hatten damals nicht soviel Geld für Grabbeigaben.
– Und wie überleben wir jetzt die Finanzkrise? Ohne Kredit? Wo kriegen wir das frisches Geld für die Vatikanbank jetzt her?
– Da gäb es noch eine Möglichkeit …

24 Stunden später:

Der Vatikan meldet einen sensationellen Fund: Knochen in einem Grab gefunden. Ist es der Heilige Paulus?

Papst überzeugt: Knochen sind authentisch.

Papst Benedikt XVI. hat zum Abschluss des Paulus-Jahres eine archäologische Sensation bekanntgegeben: Archäologen entdeckten in einem Sarkophag menschliche Knochenreste, einige Körner Weihrauch, ein, so der Papst, „kostbares“ Stück purpurfarbenen Leinenstoffs mit Goldpailletten und ein blaues Gewebe mit Leinenfasern.

Thomas Bernhard hätte geschossen. Aber er hat geschossen

Es gibt derzeit wohl keine intensivere Kabarett-Erfahrung, als ein Besuch bei Georg Schramms Kabarettstück „Thomas Bernhard hätte geschossen“.

Georg Schramm spielt in seinem Stück vier Rollen:
Die des Rentners „Lothar Dombrowski“, „Oberstleutnant Sanftleben“, der alte hessische Sozialdemokrat und Drucker „August“, dann noch ein Wartezimmerpatient und im ersten Teil den Moderator.

Es fängt eigentlich wie ein Vortrag (vom Moderator) an. Jemand will dem Zuschauer, die Lösung der Weltwirtschaftskrise und die Belebung der Innenkonjunktur präsentieren. Und die Zuschauer steigen drauf ein. Saßen wir nicht in einer Kabarettveranstaltung? Georg Schramm benutzt genau die Mittel, die wir von den Heizdeckenverkäufern auf den Verkaufsfahrten kennen. Verwischt die Realität oder holt sie das Kabarettpublikum ein? Und wenn dann der Oberstleutnant Sanftleben referiert, ist das nicht die Normalität, die aus dieser Rolle spricht? Diese beißende Realität? Und dann kommt zum ersten Mal der Rentner Lothar Dombrowski und es wird heftig. Die Wut spricht. Doch nur gebremst, der Moderator fängt alles ab und entlässt das Publikum in die Pause. Der Kabarettist Georg Schramm zieht ein Jacket an, und das völlig schweissdurchnässte blaueHemd verschwindet darunter.

Der zweite Teil legt dann an Bissigkeit und Tempo zu. Georg Schramm kalauert nicht, Georg Schramm lässt seine Figuren sprechen insbesondere den Rentner Lothar Dombrowski. Er stellt dort Zusammenhänge her, dass das Lachen schmerzt. Aber auch hinderlich ist, denn es unterbricht die Gedankengänge und erzeugt nur mehr Brüche, die der Rentner dann bearbeitet. Es ist schwierig zu erklären, was er genau sagt. Eine verständige Zusammenfassung würde sich kaum vom Vortrag unterscheiden.

Georg Schramm schreit seine Wut förmlich heraus. Und das Publikum hört atemlos zu. Und die erste Reihe deckt ihre Rotweingläser ab. Georg Schramm hält keine trockene Reden.

Und erst am Schluss kommt dann Thomas Bernhard ins Spiel. Aber Thomas Bernhard hat mit Georg Schramms Stück nicht viele Überschneidungen. Thomas Bernhard hätte geschossen, Georg Schramm hat es getan.

Georg Schramm

Auf dem Weg nach Hause fiel mir ein Lied von der Grande Dame des deutschen Kabaretts, Lore Lorentz, ein.
„Die Wut ist jung“ …
Dieses Lied passt zu und auf Georg Schramm.

Die Wut ist jung,
so können die nicht mit mir verfahren.
Ich schenke denen nach all den Jahren,
doch nicht mein Schweigen.
Die Wut ist jung,
doch können die mich nicht überhören.
Ich kann die Zerstörer nicht zerstören,
doch auf sie zeigen.

Ja, ich bin müde
und wissen Sie, bin auch noch prüde und teufelsolide,
dem Wohlleben gerne ergeben.
Doch ich kann schrein und spein
und und gar nichts verzeihn,
denn es geht wieder einmal ums Leben.

Die Wut ist jung,
und ich habe kein Lust,
verstummt zu zittern.
bloß werd ich nicht verbittern
Ich kann auch hassen.
Die Wut ist jung
Ich kann das Warum und das Weswegen
auch nicht mal meinen Freunden und Kollegen
ganz überlassen.
Ausschnitt, Text: Werner Schneyder

Meine Empfehlung: Reingehen und scharf aufpassen, dann wird auch nicht die Hälfte beim lachen überhört …

Zahlenspielereien

Die Erstausstellung eines neuen Personalausweis kostet 8 Euro.

Die Jahresgebühr für eine VISA-Card kostet oft 40 Euro.

130 km/h ausserhalb geschlossener Ortschaften auf Landstraßen zu fahren kostet u.a. ungefähr 103,50 Euro.

Ein illegales Straßenrennen zu veranstalten, kostet u.a. 500 Euro.

Ein 1.000 Euro-Schein gibt es bislang nicht, trotzdem zahlten schon diverse Leute auf dreister Weise mit solchen Scheinen.

1.000 Euro ist auch der Betrag, den die Bundesregierung für das nächste Jahr pro Kopf je Bundesbürger als Staatsverschuldung aufnehmen wird.

2500 Euro gibt es als Abwrackprämie für alte Fahrzeuge.

Vier Mal die Abwrackpränmie, also 10.000 Euro, musste der australische Tennisverband zahlen, weil er aufgrund der terroristischen Anschläge auf das indische Hotel Taj Mahal nicht im indischen Chennai spielen wollte

Bis zu 50.000 Euro kann derjenige sparen, wer über staatliche Zuschüsse das Wohn-Riester-Darlehen nutzt.

125.000 Euro kann der Staat einsparen, wenn seine Bürger auf die Zeugung jeweils eines Kindes verzichten. Denn dem Staat kostet das Kind bis zu dessen 18. Lebensjahr ungefähr 125.000 Euro (Quelle: ifo-Institut).

Ehepaare oder Lebensgemeinschaften können bis zu 240.000 Euro in 18 Jahren, verzichten sie auf den Verzicht auf Verhütungsverzicht. Die Zahl gilt pro Kind (Quelle: ifo-Institut).

1 Million Euro gibt es bei der Beantwortung aller Fragen bei Günther Jauchs „Wer wird Millionär“.

1,4 Millionen Euro ist die gerichtlich verordnetet Rechnung, die eine Frau wegen dem Anbieten von illegalen Downloads zahlen muss.

3,5 Millionen ist die Anzahl der Arbeitslosen, die Leistungen nach ALG1 empfangen.

6,5 Millionen erhalten dagegen Unterstützungen nach ALG2 (auch unter dem Begirff „Harz-4“ bekannt).

Würden diese 6,5 Millionen knappe 14,50 Euro zusammen legen, dann hätten sie für knappe 94 Millionen einen knackigen portugiesischen Fußballspieler kaufen und der Paris Hilton nach deren One-Night-Stand mit ihm Tantiemen abverlangen können.

OPELs Verluste monatlich entsprechen etwas mehr als die Ablösekosten, die „Real Madrid“ sein Bauunternehmer für Christiano Ronaldo an „Manchester United“ bezahlt hat.
100 Millionen Euro.

Mit 300 Millionen Euro wird inzwischen als der Verlust beziffert, den die Konzertveranstalter aufgrund des Tods von Michael Jackson und dem Ausfall seiner Londoner Konzerte kalkuliert haben.

Ebenfalls 300 Millionen Euro ist der Betrag, den die KfW am Tage der Lehman-Brothers-Pleite einer Bank noch schnell überwiesen hatte. Der Lehman-Brothers-Bank.

Auf 500 Millionen Euros sollen sich die Schulden von Michael Jackson bei dessen Tod summiert haben.

750 Millionen Platten hatte Michael Jackson zu seinen Lebzeiten verkauft haben.

1 Milliarde Überschuss hat in diesem Jahr bislang der Gesundheitsfond inzwischen erwirtschaftet.

100 Milliarden Euro ist die Summe der Staatsbürgschaft für die „Hypo Real Estate“ und deren Finanzkompetenz.

1000 Milliarden Euro werden jährlich von kriminellen Organisationen gewaschen.

Mit der gleicher Summe von 1000 Milliarden Euro wollen im übrigen die G-20-Staaten über den Internationalen Währungsfonds die globale Wirtschaftskrise bekämpfen.

1000 Milliarden Euro nennt man auch 1 Billion Euro. Das mag sprachlich opportun sein, aber inhaltlich unvorstellbar.

Als der Komet Hale-Bopp am 30.3.1997 seinen sonnennächsten Bahnpunkt mit einer Entfernung von 137 Millionen Kilometern zur Sonne erreichte, hatte er einen Staubschweif von ca. 23 Millionen Kilometern.

Wie viel diese 23 Millionen Kilometer sind? Wie kann man diese Entfernung ein wenig greifbarer machen?
Nun diese Entfernung erhält man, wenn man eine Billion Euro-Stücke nebeneinander hinlegt …

Meine fünf Cents zu medialen Zahlenspielen …

Religion ist, wenn man trotzdem stirbt

Regenzeit in München.
Bindfäden ergießen sich aus Kübeln, als ob der Siebenschläfer am 27. Juni sieben Woche Dürre verkünden wird.
Ein typischer Novembertag.
Grau.
Regnerisch.
Trist.
Beerdigungswetter.
Mitten im Jahr. Fast Ende Juni. Vorgestern hatte der Sommer begonnen. Und von nun ab geht’s bergab. Der Winter ist im Anmarsch.

Wie schrieb schon Paulus in seinen ersten Brief an die Korinther?
„Der Sommer ist verschlungen vom Sieg. Sommer, wo ist dein Sieg? Hitze, wo ist dein Stachel?“
Hm? Hat der so gar nicht gesagt? Falsche Übersetzung?

Genau! Weg mit falschen Übersetzungen! Hin zu neuen Erklärungen!
Also, hin und weg zu einem ehemaligen Grafiker der kölschen Firma „4711“. Hin zu Mythen in Tüten. Ja, was glauben Sie denn?

Was? Na, ich zum Beispiel mit einem einfachen Handy den eigenen Fotoapparat ersetzen zu können.

juergenbecker

Das ganze Foto hat schon ein wenig „BILD-Reporter“-Charakter. Die Qualität ist auf alle Fälle dementsprechend. BILD-Zeitungsmässig. Man möge mir großzügig verzeihen und vergeben. Und es zum Vergrößern anklicken.

Und was sieht man nun auf dem verrauschten Foto?
Jürgen Becker mit einem Kölsch-Kranz voller Sion-Kölschstangen. Die hat er kostenlos seinen Gästen von seinem Kabarett-Programm „Ja, was glauben Sie denn?“ serviert. Mit Kölscher Hintergrundmusik.
Da kam aber Freude auf. Mitten im Herzen Bayerns. Der Weltstadt mit Herz. Da, wo man Bayern nie das Wasser reichen darf.

Wie meinte Jürgen Becker, als er mit den ersten beiden Kölsch-Kränzen wieder hinter der Bühne hervorkam?

„Langen Sie ruhig zu, hier können Sie Ihren Eintrittspreis wieder raussaufen.“

Jawohl, Herr Becker. Hab ich gemacht, Herr Becker. Vom vielen Lachen war meine Kehle auch schon ganz trocken geworden.
Im Herzen von Weißbier und „Laß dir raten, trinke Spaten“. Ein Kölsch in einem echt bayrischem Lokal zu trinken, das hat was. Vergleichbar ist das ganze damit, ein Kölsch an der längsten Theke der Welt in D-Dorf-Stadt zu verschnabulieren und dann leise vor sich hin zu singen:

Trinke die Freude, denn heut ist heut
Das was gefreut, hat noch nie gereut
Fülle mit Leichtsinn dir den Pokal
Karneval Karneval
Hast du zum Küssen Gelegenheit
Mensch dann geh ran mit Verwegenheit
Sage nicht nein, wenn das Glück dir winkt
Bald das Finale erklingt
Am Aschermittwoch ist alles vorbei …

Text: Hans Jonen
Musik: Jupp Schmitz

Wer Jürgen Becker demnächst in seiner Nähe sehen kann, meine Empfehlung: UNBEDINGT REINGEHEN!

In seinem Programm geht es um Humor, Evolution und die drei abrahamitischen Religionen. Und das ganze hochphilosphisch verstrickt, untermauert und dann abgesegnet.

Oder wie Jürgen Becker es ausgedrückt hat:

Humor ist wenn man trotzdem lacht.
Philosophie ist, wenn man trotzdem denkt.
Religion ist, wenn man trotzdem stirbt.

Keine ruhige Kugel

Ein Platzhirsch muss sich bewegen. Die „Ziehung der Lottozahlen“ am Samstag soll auf einen späteren abendlichen Zeitpunkt verschoben werden, so kam die Nachricht heute von der ARD. Die Samstag-Sportschau der nächsten Bundesliga-Saison soll bis 20:00 dauern. Daher bliebe für die Ziehung der Lottozahlen nur ein späterer Austragungszeitpunkt.

Mein Vorschlag:
Die „Ziehung der Lottozahlen“ kann direkt mit dem „Wort zum Sonntag“ kombiniert werden. Gleiches zu Gleichem. Denn beide haben es ja bekanntlich mit Kreuzen …

Unverständliches auf Westerland von der Netzeitung …

«Besonders erschreckend waren dabei die hohe Anzahl der zum Teil erheblich alkoholisierten Teilnehmer und das damit verbundene Aggressionspotenzial», erklärte die Polizei.

Hm. Aha. Spontan-Fete auf Sylt und alle blau. Und aggressiv wegen dem Alk.

Oder doch nicht?

Weil der Strand aber nur von ein paar Ghettoblastern beschallt worden und der Getränke-Nachschub schon bald ausgeblieben sei, habe sich die Stimmung der Partygäste schnell verschlechtert.

Was denn nu? Blau und aggressiv oder zu wenig Alk und aggressiv?
Oder kommt nach genügend Alk die unaggressive Phase?

Quelle: http://www.netzeitung.de/vermischtes/1379279.html

Arcandor – das Monster bei Karstadt, das im Dunkeln lauert

Na endlich! Wurde aber auch allerhöchste Zeit.
Jetzt hat dieser Laden mit seiner Hintergrundsdudelmusik seine gerechte Strafe erhalten. Wer alte Schlager über hauseigene Quäk-Lautsprecher nicht nur aufwärmt sondern auch verhunzt, dass es dem Kunden dabei speiübel wird, der hat es nicht anders verdient. Dieser mehrgeschossige unpersönliche Tante-Emma-Laden mit amerikanischen Shopping-Mal-Anwandlungen.

Weg damit! Mit ihm und all seinen „Wenn es nicht im Regal steht, haben wir es auch nicht!“-Verkäuferinnen.

Schon mal Schuhe in Größe 46 gesucht?
Nein?
„Sagen Sie mal, haben Sie denn keine Herren-Schnürschuhe mit Ledersohle in Größe 46?“
Schon mal so was in aller Naivität in deren Schuhabteilung gefragt? Nein? Dann kamen Sie noch nie in den Genuss deren hochphilosophischer Antwort:
Wir haben ‚keine Herren-Schnürschuhe mit Ledersohle‘ in Größe 64. ‚Keine Herren-Schnürschuhe mit Ledersohle‘ in Größe 46 kriegen Sie bei Clamotten-Anton.“
Eine Unverschämtheit.
Mal abgesehen davon, dass so was doch glatt gelogen ist. Denn ‚keine Herren-Schnürschuhe mit Ledersohle‘ gibt es nur bei Eisen-Hans oder bei Obi.

Da fragen Sie sich schon, welche Schulungen die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen bei Karstadt erhalten haben. Vielleicht eher mathematische Nachschulungen „Wie berechne ich die verbleibenden Arbeitstage bis zu meiner Rente“. Oder auch „Welche Gesprächsthemen sind mit Kollegen immer zu führen, wenn Kunden in der Nähe sind“.

Selbstbedienung wurde damals bei Karstadt ganz groß geschrieben. Selbstbedienung bis man davon von selbst bedient war.

Ich erinnere mich noch an dunkle Mittelalterzeiten, als ich als Kind mit meinen Eltern noch Fangen und Verstecken mit den Verkäuferinnen spielte. War das putzig. Wir mussten sie suchen und die versteckten sich. Hätten wir eine entdeckt, hätten wir sie als Kindermädchen behalten dürfen, hatte uns mal ein Karstadt-Mitarbeiter nach Dienstschluss erklärt. Wir trafen ihn an einer Tankstelle. Wir durften ihn nicht behalten.
Ich wuchs ohne Kindermädchen auf.

So.
Und nu ist Karstadt weg vom Schaufenster.
Na gut, nicht gleich. Erstmal ist das Insolvenz-Verfahren beantragt worden, um Arbeitsplätze zu schaffen.
Das muss jedem erst einmal klar werden. Denn auch im Falle von Arcandor gilt, Insolvenz-Verfahren schaffen immer Arbeitsplätze. Mindestens einen. Den für den Insolvenz-Verwalter.

Und daher war es auch dumm, Opel die Schaffung eines neuen Arbeitsplatzes zu verweigern. Diese dummen SPD’ler. Einfach die Intention des Wirtschaftsminister Guttenberg, Arbeitsplätze zu schaffen, mit der Bestrebung, Arbeitsplätze zu erhalten, zu durchkreuzen. So was macht man doch nicht. So was von unsinnig. Aber solche Fehler macht niemand zweimal.

Zumindest bei Arcandor hat die Arbeitsplatz-Schaffung geklappt. Und die SPD ist auch lernfähig. Guttenberg, SAL Oppenheimer und Madelaine Schickedanz feiern, einen Arbeitslosen von der Straße geholt zu haben. Und solange dieser Insolvenz-Verwalter nun die Akten und Werte bei Arcandor sichtet, solange befindet sich Karstadt auf dem Weg in die Seitwärtsbewegungen.

„Seitwärtsbewegung“.
So bezeichnen fortschrittlich denkende Arbeitgeber inzwischen den Stillstand. Klar. „Fortschrittlich“ und „Stillstand“, das passt zusammen wie „Feuer“ und „Wasser“. Also muss man „Wasser“ ersetzen. Am besten mit „Öl“. Dann wird alles nicht mehr so statisch und lkangweilig vorhersehbar, wenn Öl und Feuer zusammen kommen.

Und der bislang verwendete Begriff „Null-Wachstum“ hört sich auch viel zu statisch an. So wie „Null-Appetit“ in der Sahel-Zone. Darum „Seitwärtsbewegung“. Das klingt dynamischer. Das hat mehr Power. Das hat Coolness!
Auf der Straße des Fortschritts mutet dann der Begriff „Seitwärtsbewegung“ wie das Ausscheren beim Überholmanöver an. „Seitwärtsbewegung“! Das klingt wie „Wiener Walzer“. Und ein wahrer „Wiener Walzer“ wird nach den Regeln des Anstands getanzt. Den Normen der Sittlichkeit entsprechend. Daraus leitet sich im Deutschen auch der Begriff „sich schicken“ ab, so sagt der „Duden“, auch wenn es nicht logischg erscheint.
Aber was ist schon logisch? Seitwärtsbewegungen beim Wiener Walzer? Ist so was überhaupt schicklich? Ob Seitwärtsbewegungen beim „Wiener Walzer“ schicklich sind, dass bestimmt die Art der Bewegung. Sind diese Bewegungen mit modische Feinheit und Eleganz verbunden, dann kann ruhig auch das französische Wort „chic“ für „schick“ benutzt werden. Am besten mit einer Noblesse der Nonchalance verbunden leicht nasal ausgesprochen. Das schmückt.
Chic tanzen, das will jeder gehen. Aber nur im Kölschen, da kommt die Aktualität der Noblesse auch ohne Nasalitäten glänzend zur Geltung. Wie der Kölner in seiner Mundart zu sagen pflegt: „Schick danzen“.

Womit wir wieder bei der Frau Schickedanz und ihren Oppenheimern angekommen wären.
Wie die um die Hilfsgelder von der Bundesregierung getanzt haben, das war allerdings gar nicht ganz so schick wie bei den Opel’anern. Schickedanz und Oppenheimers Fähigkeiten in Sachen „Tanz“ hatten die Anmut von „Kleiderschrank schieben“. Da war nichts von „schwebend so leicht wie eine Feder“.
Darum wollte auch niemand mehr mit Arcandor tanzen. Weder die Merkel noch der Steinmeier. Ausgetanzt hatte es sich dann.

Trotzdem übt sich nun Arcandor mit Karstadt und Quelle jetzt in Seitenbewegungen. Um mit dem Monster bei Karstadt zu tanzen.

Was?
Ein Monster bei Karstadt?
Sie kennen es nicht?
„42, bitte 7.“
oder
„15, bitte.“
oder
„72, bitte sofort 3e!“
Sie kennen das Tagebuch des Karstadt-Bombers nicht? Schauen Sie im Internet Ihres Vertrauens nach. Sie werden schon lesen, was das Monster bei Karstadt mit seinen Kunden so machen kann. Ungefährlich ist das nicht. Das Monster, das im Dunkeln lauert: http://www.leo.org/information/freizeit/fun/karstadt.html
„20, bitte 20!“
Nebenbei: Einige Dechiffrierungen dieser codierten Sprache finden sich hier: http://www.nostrada.net/Fun/Bilder/codes.jpg

Und jetzt ist es raus.
Losgelassen.
Das Monster bei Karstadt.
Raus aus dem Dunkeln, rein ins Scheinwerferlicht für Rampensäue.
Licht aus! Spot an!
Hey und hier ist es, das Insolvenzmonster! Applaus, applaus, applaus!
Der König ist tot, es lebe der König. Nur soooo einfach stirbt es sich nicht bei Karstadt.

Erinnert sich noch wer an den Fernseh-Vierteiler vom Dieter Wedel? „Der große Bellheim“ von 1993? Die Geschichte von den vier Rentnern, die die Kaufhauskette „Bellheim“ vor einem gierigen Investor retten? Nein? Wie hieß darin nochmals der Investor? Daran erinnert sich jetzt doch kein Schwein mehr. „Karl-Heinz Rottmann“ hieß der böse Investor im „Der große Bellheim“.

Ein Dutzend Jahre später nach der Bellheim-Erstausstrahlung kam ein Manager „Thomas Middelhoff“ bei Karstadt vorbei. Qualifiziert war er schon. Mit Bertelsmann im Huckepack stieg er bei der Online-Tauschbörse „Napster“ ein. Zwei Jahre später war „Napster“ pleite. Und Middelhoff war inzwischen schon bei einem Finanzinvestor untergekommen. Einer Private-Equity-Gesellschaft.

Zur Erklärung:
„Private-Equity-Gesellschaften“ sind Gesellschaften, die ihren Fokus auf maximalen Ertrag bei geringem Risiko legen. Mit „Heuschreckenschwärmen“ hatte Müntefering diese Gesellschaften verglichen und jeder hat empört aufgeschrien. Diese „Heuschreckenschwärmen“ verhungern jetzt aber, weil die Wirtschaftskrise ihnen vor der Nase deren Nahrung weg frisst: Den risikoarmen Ertrag.

Dieser Middelhoff wechselte aber ein weiteres Jahr später zu „KarstadtQuelle AG“ und schmiss all sein Finanzinvestoren-Wissen und all seine BWL-Rezepte in einem Topf, nannte es „Arcandor“ und rührte fleißig in dieser Melange herum, bis alles Unausgegärte anfing zu gären. Und es entstand etwas neues.
Ganz was Neues.
„Committed to creating value“ ist der Leitspruch Arcandors. Übersetzt auf Deutsch: „Verpflichtet, Werte zu schaffen.“
Ist?
Habe ich „ist“ geschrieben?
„War“ wäre wahrer.
Oder zumindest ehrlicher. Aber was ist schon ehrlich. Ein Manager mit Ehrenkodex und sozialem Gewissen? Oder ein Manager ohne Ehrenkodex aber mit Betriebswirtschaftslehrestudium?
Was ist mehr wert? Ein Studium oder ein Unternehmen, das man gegen die Wand fährt?
Eine Frage der Mehrwert-Ehre. Committed to creating value. Werte schaffen mit immer weniger Schaffen. Den „Minus-Mehrwert“.

Wie beim „Kaufhaus Kortum“ in Bochum. Dort wurde die Serie „Der große Bellheim“ nach Ladenschluss gedreht. Und es führte zu der Diskussion, welche Werte mehr wert sind. Alte oder neue. In der Serie „Der große Bellheim“ wurde die Kaufhauskette „Bellheim“ gerettet. „Kaufhaus Kortum“ in Bochum allerdings ging den absoluten „Minus-Mehrwert“-Weg. Auf gut Deutsch: Konkurs.

Und wenn das Insolvenzmonster bei Karstadt sich die Wampe voll geschlagen hat, dann wird sich keiner mehr über verschlüsselte Durchsagen, Dudelmusik oder unsichtbares Verkaufspersonal mehr ärgern. Aber dann wechseln wir einfach in den „Hertie/Kaufhof“-Konzern. Der wird dann bestimmt die Verwertungsrechte für verschlüsselte Durchsagen, unsichtbares Verkaufspersonal und Dudelmusik aus der Insolvenzmasse „Karstadt“ herausgelöst haben.

Schließlich will ich mich auch morgen noch kraftvoll aufregen können, wenn es wieder heißt:
„4711, bitte sofort 08-15.“
oder auf Deutsch, für jedermann verständlich:
„Frau Meier, Sie sind ab sofort freigesetzt.“

Was jeder schon immer fragen wollten, aber nie …

Wie sieht eigentlich ein verwurstetes Schwein nach 20 Jahren aus?
Oder genauer gefragt: Wie sieht eigentlich eine Salami-Scheibe nach 20 Jahren aus?

Nun, in etwa so:
Salami
Ein Freund hatte sie mir zugeschickt. Wir probierten damals aus, was die Post so alles als Postkarte transportieren würde. Die Anforderungen für Postkarten entnahmen wir den Prospekten der Post. Postkarten definierten sich lediglich auf Höhe und Breite. Da die Breite der kleiner Wert war, schickten wir alles mal als Postkarte, was diesen Wert unterschritt: Bierdeckel, Marmeladendeckel, Pappdeckel, Keksdosendeckel. Die Post akzeptierte alles, wenn es ausreichend frankiert war und auch das Adressfeld lesbar war.

Und irgendwann schickte mit mein Freund jene Salami-Scheibe zu. Und das war schon grenzwertig, da er sie auf einen Stück Karton mit Plastikfolie umwickelt hatte. Auf dem Karton hatte er noch eine Ode an die Salami-Scheibe verfasst. Das musste sein, denn eine Postkarte brauchte Extra-Text oder der Postbote wäre beim Lesen misstrauisch geworden, dass es sich hierbei nicht wirklich um ernsthafte Postkarten handeln könnte.

Am 14. Oktober 1988 schickte er sie mir zu. 30 Pfennig (ca. 15 Cent) kostete damals die Briefmarke für die Karte. Und auf dem Stempel stand noch der Ort, woher der Brief kam. Und nicht wie jetzt nur Briefzentrum:
Stempel
Zehn Jahre später schickte ich meinem Freund die Salami-Scheibe zurück. Ich löste meine damalige Wohnung auf und zog um.

Und nun hat mein Freund seine Wohnung aufgelöst, um ein Sabbatjahr einzulegen. In einem Umschlag geschickt mit der Post (Porto: 145 Cent) fand ich die Salamischeibe wieder. 20 1/2 Jahre später.

Nein. Die Folie werde ich nicht abmachen. Ich möchte wetten, die Scheibe wird gnadenlos stinken.

Und im übrigen war die Salamischeibe damals nicht achteckig. Sie war rund. So wie es sich gehört. Für ein verwurstetes Schwein.

Die Scheibe landet jetzt erstmal in meinem Privat-Archiv.
Mal schauen wie sie in 20 Jahren ausschaut …

Plan fehlgeschlagen

Mist. Handy-Akku leer. Bin zu frustriert, um gestrigen Plan weiter zu verfolgen. Werde Plan bei ebay verkaufen. Hoffe, guten Preis zu erzielen …

Satanischer Plan: KEINE 40%!

Habe mein vierteiliges Geschreibe von gestern hier im Blog nochmals durchgelesen. Bin zu dem Entschluss gekommen, dass Wahlbeteiligung zur Europawahl weiter gesenkt werden muss. Muss eindeutig unter 40% in Deutschland und europaweit.

Absolut wasserdichten Plan erstellt: Neustes GPS-Handy vom Nachbarn geklaut, in Nacht und Nebel-Aktion kleines Programm geschrieben und bereits in Maschinencode assembliert.

Befehlscode:

Wenn 7. Juni 2009, dann aktiviere Standby-Modus von 8 bis 18 UHR MESZ

Werde Befehlscode Samstag, 6. Juni, kurz nach Tagesschau per GPS an erreichbare GPS-Satelliten schicken. Bin sicher, von 43% der potentiellen Wähler nutzen 50% deren GPS-Gerät des neuen mit Abwrackprämie gekauften Kleinwagens.

Bin zuversichtlich, Plan „KEINE 40%“ haut hin. Erfreue mich zusätzlich Unterstützung durch Ferienzeit in MecKPom, Bayern und Baaden-Würtemberg.
Hoffe saugeiles Wetter ist auf meiner Seite.

Bin schon ganz ungeduldig.

Toi, toi, toi.

Wahlfang in Europa (Teil 4 und Ende)

Posselt ist Allround-Experte mit seinem Steckenpferd was Nachfragen im Parlament bezüglich der eisenbahnerischen Anbindung von München an die europäische Streckenführung angeht. München als Drehkreuz der Eisenbahnverbindungen sowohl von Straßburg bis Wien als auch der Linie Berlin-Rom in Verbindung mit dem Bau des Brenner-Basistunnels.

Nein, dem Bernd Posselt kann man weder Faulheit im Dienst vorwerfen noch notorische Parlamentsabstinenz. Vielmehr will er jetzt sogar ein „Sudetendeutsches Außenministerium“ gründen. Wahrscheinlich mit dem Sitz in den obersten Etagen vom Posselt so herbei gewünschtem Münchener „Sudetendeutschen Museum“. Wenn der Posselt von der Europäischen Einheit spricht, dann kann automatisch davon ausgegangen werden, dass er damit auch den Vierten Stamm Bayerns meint, wenn die wieder in ihre Gebiete Tschechiens einziehen können. Sein Feindbild, dass ist der Václav Klaus in Prag.

Und nicht zu vergessen freilich auch die Türken. Mit den Türken, da hat er so seine Schwierigkeiten. In seinen Augen ist die Türkei nicht Großeuropa sondern Kleinasien. Darum ist der Posselt ja auch so stolz, dass die CSU ihr Nein zum Türkei-Beitritt im Wahlprogramm geschrieben hat. Und das nun auch einstimmig, seitdem die „Türken-Gabi“ (O-Ton Posselt über Frau Pauli) zu den Freien Wählern wechselte.

Tja, und so residiert der Posselt weiterhin bis zum nächsten Sonntag auf den Plakaten Münchens. Dass dessen Plakate mit einem „Für ein schlankes Europa“ oder „Münchens Stimme an Brüssels Buffets“ verziert wurden, das macht den langweiligen Europawahlkampf doch schon ein wenig lustiger. Ob es für die CSU allerdings reichen wird, die 5%-Hürde nicht zu reißen, dass zeigt sich am Sonntag. Ansonsten kann ja Seehofer überlegen, wohin er seine Lieblinge Hohlmeier und Posselt bis zur nächsten Wahl zwischen lagert.

Mein Vorschlag:
Die Hohlmeier könnte ja dem Seehofer Akten über dessen Kollegen erstellen. Zumindest hatte sie damals in München angedeutet, dass sie so was könne. Sie wurde zwar dafür von der Münchener CSU fast geschasst, aber was sie auf Bezirksebene als für gut befand, könnte sie auf Landesebene verwirklichen. Überwachungstechnik ist in Deutschland eh wieder groß im Kommen.

Und der Posselt? Der kann in ein Fitness-Studio verfrachtet werden. Bei dessen Statur ist er sicherlich der ideale Türsteher für die Bayrische Staatskanzlei. Da macht der dann sicherlich was her und kann zugleich den Sudetendeutschen Tür und Angel zur bayrischen Staatsregierung öffnen. Vielleicht gibt der Seehofer dann denen einen Raum zur Eröffnung von deren Außenministeriums.

Ende.

Anmerkung: Zitate aus den Teilen 1 bis 4 wurden den Seiten des Europäischen Parlaments entnommen und können dort http://www.europarl.europa.eu nachgelesen werden.

Wahlfang in Europa (Teil 3)

Nun, da bin ich schon wieder bei dem Posselt und der Frage „Muss man den kennen?“
Aber sicher doch! Posselt, der Mann ist für mich nicht wirklich fotogen. Aber das ist nur meine Meinung.
Posselt
(Fotoquelle: http://www.europarl.europa.eu)
Fiese Zeitgenossen meinen zwar pöbelnderweise immer beim flüchtigen Hinblicken, der Posselt und sein Haarwuchs hätten Ähnlichkeiten mit einer anderen Unperson. Nettere Menschen meinen, er hätte gewisse Ähnlichkeiten mit dem „Strauß“-Sohn Maximilian Josef, jener der immer gekonnt vor Gericht von sich Reden macht.

Nun des Posselts Gesicht grinst nun von jeder Straßenecke wie ein bayrischer Buddha und es kann nur eine Art bürgerliche Notwehr sein, den Posselt direkt ins Europäische Parlament weg zu wählen. Dabei ist der Posselt ja kein echter Münchener, geschweige denn ein Bayer. Der Posselt ist eigentlich ein Baadenser. Also ein Baadischer. Ob er für seinen Wahlkreis nun ein Sym-Baadischer oder Unsym-Baadischer ist, das wird sich bei der Europawahl herausstellen. Wobei, sollte er nach dem 7. Juni sein geliebtes „MdEP“ führen können, ist damit zu rechnen, dass er noch intensiver die Betreuung des „vierten Stammes“ übernehmen wird.

Stämme in Bayern?
Klar doch. Die ersten drei Stämme Bayerns sind Altbayern, Franken und Schwaben. Und der vierte Stamm, dass sind die Sudetendeutschen. „Die Bayerische Staatsregierung betrachtet die sudetendeutsche Volksgruppe als einen Stamm unter den Volksstämmen Bayerns“ heißt es in der bayrischen Verleihungsurkunde vom 5. November 1962. Posselt ist sudetendeutsch-steirischen Ursprungs. Würde er also nicht ins Europäische Parlament kommen, der Seehofer müsste ihn direkt wieder ins bayrische Kabinett integrieren. Und wer weiß, ob es nicht besser wäre ihn direkt wieder nach Straßburg-Brüssel zu schicken, statt ihn auf Bundesebene zu haben.

Was prädestiniert also den Posselt fürs Europaparlament außer seine bayrisch anmutende Doppelkinn-Erscheinung und seine Vergangenheit?

Beispielsweise tritt er ein für eine europäische Hymne mit lateinischen Text. Nein, Sponsorgelder für jene Anfrage (19-02-09) hat er nicht vom Vatikan erhalten. Aber sicherlich einen besseren Platz auf Wolke 7 für spätere Zeiten. Direkt neben seinem Vorbild FJS.

Des weiteren hat er erfolgreich Schaden vom bayrischen Volke in Europa abgewendet. Er erklärte dem Europäischen Parlament (12-11-07), dass der Parlamentsdolmetscher aus dem damaligen Europaminister Bayerns Markus Söder einfach mal den „Europaminister Bulgariens“ gemacht hat.
Letztendlich ist Posselt Experte für alles, was Christentum und europäische Nation und der Bedrohung derselben darstellt.

Zum Beispiel die Situation der Flüchtlinge auf Lampedusa. Da ist er fast schon in gefährlicher Nähe der Meinung vom Herren Berlusconi. Denn die Flüchtlinge drohen von Lampedusa in München einzufallen. Noch schlimmer noch, die bleiben nicht in München, nein, danach wollen die auch noch in Europäische Parlament und dann weiter zum internationalen Gerichtshof in Den Haag …

Hier werden Menschen gezielt über Libyen nach Lampedusa gebracht und dann über Lampedusa in die Europäische Union eingeschleust. Und sind sie einmal auf dem europäischen Festland, dann können sie ohne Kontrolle nach München, nach Straßburg, nach Den Haag oder wohin auch immer gelangen.(14-04-05)

Posselts Wortmeldungen im Europäische Parlament lassen sich über 30 Seiten auf den Seiten des Europäischen Parlaments (www.europarl.europa.eu) nachlesen. Das sind einfach über 400% mehr Wortmeldungen eines Platz-7-CSU-Listenkandidaten zusammen als die eines Herren Kreissl-Dörflers und einer Frau Dr. Koch-Mehrin zusammen. Dort finden sich Posselts Aussage zum Sitzfleisch der anderen Parlamentarier in den Aufzeichnungen zu den Parlamentsdebatten (20-02-08) verewigt:

Herr Präsident! Bevor wir zur Schlussabstimmung kommen, wollte ich nur sagen: Ich bin verwirrt, weil alle meine gelben Nachbarn verschwunden sind. Es ist nur noch ein einziger da.

Achtung, er redet hier jetzt nicht von Chinesen sondern von den Liberalen im EU-Parlament.
Posselt ist das fleischgewordene Straßburger Parlamentssitzmonster, dem man Parlamentsmüdigkeit in keiner Weise nachsagen kann. Ob das negativ zu werten ist? Vielleicht sollte man sich deswegen noch ein paar Posseltsche Selbstbeschreibungen im Straßburger Parlament zu Gemüt führen. Wie zum Beispiel diese (14-01-09):

Herr Minister, es wird immer gesagt, Landwirtschaftspolitik sei nur für 3 % Bauern da. Es gibt aber 100 % Esser. Ich bin zum Beispiel ein recht guter Esser, und ich möchte sehr klar sagen: Ich glaube schon, dass Nahrungsmittelsicherheit existenziell ist.

Aber klar, Herr Posselt, was wäre schon Ihr Leben ohne Schweinsbraten, Weißwürscht und Weißbier? Richtig. Verdammt klapperknochengestellmäßig ohne Doppelkinn. Vom Posselt wurde der Magermixmotor oder der 1-Liter-Motor bestimmt nicht erfunden. So etwas passt eher zur hageren Gestalt des VW-Piechs. Fast könnte man meinen, wer Posselt kennt, weiß warum in bestimmten Gegenden dieser Welt Hunger … nein, nein, das war jetzt unbedacht.
Und falsch.

Fortsetzung folgt

Wahlfang in Europa (Teil 2)

Nun, die Wahl kommt und die Frage wird sich stellen: Wie wird das Wetter? Und wenn das Wetter weder knallig brütend noch regnerisch ist, muss ich dann wirklich hin? Und dann sind da noch verschärfend die Ferien in Bayern! Nicht dass niemand in Bayern wählen geht, weil sich die Wähler entweder in der Toscana oder auf Mallorca tummeln muss.

Müssen muss niemand. Nur sterben. Soviel ist dem Menschen zumindest vorbestimmt. Außer vielleicht in Diktaturen, da wo mit 99% Wahlbeteiligung und mit ebenso hoher Regierungsbestätigung zu rechnen ist. Also wie damals in der DDR. Oder bei den Wahlen zu CSU-Vorstandsvorsitzenden. Wobei, bei den letzteren war die Einheit auch schon mal höher. Als der GröBaz, der Strauß, noch lebte, da war die CSU ein monolithischer Block. Da gab es den Strauß. Und dann erstmal nichts bis gar nichts. Und wenn man heute auf die CSU schaut, wer schaut dann einem an? Nein, nicht Seehofer. Klar, der Seehofer ist zwar Parteivorsitzender, aber der kandidiert nicht für die CSU als Europaparlamentarier. Sondern Bernd Posselt.

Bernd Posselt? Muss man den kennen?
Nun, nicht wirklich. Warum sollte man einen Posselt kennen dafür aber einen Herrn Kreissl-Dörfler und eine Frau Dr. Koch-Mehrin nicht? Das macht ja keinen Sinn. Schließlich starren alle drei die Münchener jetzt von jeder Ecke dieser Stadt an. Man wagt sich ja schon nicht mehr auf öffentliche Toiletten, weil man Angst es könnte einem einer dieser drei Kandidaten von der Klotür aus anstarren. Wobei die Gefahr, dass die beiden letzteren einem mit ihren Blicken über den eigenen Haufen schießen könnten, ist ja nicht so hoch wie beim Posselt. Denn der Posselt hat ja keinen Doppelnamen. Der ist platzsparender was Aufkleber und Plakate betrifft. Okay, der Posselt hat fast keinen. Denn wenn man davon mal absieht, dass der Posselt nie ohne seinen „MdEP“ hausieren geht.
Jetzt mein ich eigentlich, dass Doppelnamen wie Kreissl-Dörfler oder Koch-Mehrin aus der Grünen- oder Linke-Ecke kommen müssten. Fehlanzeige. Seit Sabine Leutheuser-Schnarrenberger wissen wir, Doppelnamen sind eher Anrecht der FDP. Kreissl-Dörfler ist da eher sowas wie die Ausnahme in der SPD, so eine Art Unikum der SPD. Denn die SPD kontert die FDP inzwischen ja mit Doppel-Vornamen aus. Was der CSU vor 20 Jahre der verblichene FJS war, das ist der SPD inzwischen der FWS, der Frank-Walter Steinmeier. Und um es gleich zu differenzieren, ein FWS wird nie einen Flughafen mit eigenem Namen erhalten, wie der FJS im Norden Münchens.

Nun. Doppelnamen in der CSU?
So einen Neomodernismus! Nee, sowas braucht Bayern nicht. Deswegen heißt auch die Tochter von Strauß nicht „Hohlmeier-Strauss“ oder „Strauß-Hohlmeier“. Das wäre ja fast indirekt ein verbotener Dreifachname.
Andererseits „Strauß-Hohlmeier“, das wäre schon gefährlich. Denn Frau Hohlmeier kandidiert im Frankenland für das Europaparlament und wenn dann einer aus der eigene Fraktion im EU-Parlament rufen würde: „Strauß-Hohlmeier“, sie würde glatt aufstehen und versuchen den niedersächsischen CDU Hans-Peter Mayer holen zu gehen … .

Frau Hohlmeier ist im Europaparlament?!?
Nein, natürlich nicht. Noch nicht. Frau Hohlmeier will aber dort hin. Nachdem sie bei der letzten Bayernwahl den Einzug sowohl ins Bayernparlament als auch in Seehofers Kabinett nicht schaffte, will sie jetzt mit Anlauf von München aus übers Oberfränkische Bad Staffelstein ins Europaparlament rüber machen. Dafür hat sie den CSU-Listenplatz Nummer 6. Direkt vor dem Listenplatz von Bernd Posselt. Und da der Posselt schon seit 1994 immer fleißig zwischen Straßburg, Brüssel und dem Münchener Biergärten im Stadtteil Moosach pendelt, denkt sich die Hohlmeier, damit könne sie weiterhin Politikerin bleiben und müsse nicht wieder in ihren mit Auszeichnung erlernten Ausbildungsberuf „Hotelkauffrau“ wechseln.

Fortsetzung folgt

Wahlfang in Europa (Teil 1)

Es kommt. Und wie es kommt.
Es kommt mit geballter Macht.
Das kommt so was von kommend, dass es allen wieder Kopfschmerzen bereiten wird. Ohne Kopfschmerztabletten in der Hinterhand hält man sowas nicht aus. Vorher. Am nächsten Sonntag. Und dann nachher.
Da dürfen wir wieder wählen.
Europawahl 2009.

Wahlen sind demokratisches Urrecht. Daher gilt auch das Motto eines jeden demokratischen Bürgers „Ich wähle, also bin ich“. Allerdings meinen viele, wenn er seine Stimme abgegeben habe, dann habe er dieselbe nicht mehr, um mitreden zu dürfen. Das wissen die Wähler sehr wohl, weshalb sie denn auch ungern ihre Stimme bei einer Europawahl abgeben.

Darum jetzt mal eine kleine Testfrage so für zwischen durch. Ein Fragen-Quikie sozusagen:
Wie hoch war die Wahlbeteiligung an der Europawahl 2004? Na, wer weiß es?

43%.

Viele hätten das jetzt sicherlich auch ohne Publikums- oder Telefonjoker gewusst, da bin ich mir absolut sicher. Ich hatte es auch spontan gewußt. Nachdem ich in Wikipedia nachgelesen hatte. EUweit waren es übrigens 45,5 %. Da sind wir Deutsche doch gar nicht soooo schlecht, wie uns die Spitzenkandidaten der Europawahl immer weiß machen wollen.
Naja, okay, wir sind weit entfernt von so solchen Strebern wie die Belgier. Seit der ersten Wahl im Jahre 1979 liegen die immer über 90% …

90%! Das muss man sich mal vorstellen! Und das für ein demokratisches Land! Und am anderen Ende der Wahlbeteiligungsmeßlatte, da tummeln sich die Slowaken: 16,7 %.
Damit haben wir die Streber und Faulpelze bei den Europawahlen schon mal gleich herausgestellt. Da liegen die deutschen Wähler also in der goldenen Mitte. Naja, im unteren Bereich der goldenen Mitte. Aber immer noch vor den Ösis, Käsköppen und Insulanern, die da wo Tee wie die Ostfriesen schlürfen.

Na gut, das mit den Niederländern ist zu erklären. Die fahren ja eh immer auf der Überholspur mit ihren Wohnwagengespannen und wenn sie dann wählen sollen, trauen die sich von der Überholspur nicht runter und wenn, dann finden die keinen Parkplatz am Wahllokal.

Und bei den Engländern wissen wir doch alle, dass die nicht wirklich so europäisch sind. Oder warum hat es die Natur so eingerichtet, dass die Britten von uns durch ein Wasser getrennt wurden?
Eben. Also.

Fortsetzung folgt