Umarmungen frei für Jedermann – Free Hugs

Sich von wildfremde Menschen umarmen lassen?
Einfach so, ohne Grund?

Vielleicht sogar noch per Zettel darum bitten?
So einfach.
Warum?
Warum nicht?

Umarmungen frei für Jedermann.
„Free Hugs“ hatte er auf seinem Zettel geschrieben. Mitten auf dem Münchener Marienplatz zwischen den fotografierenden Touristen. Einfach so.

Und er wurde von wildfremden Menschen umarmt.
So einfach. Einfach so.
Geschadet hat es ihm nicht.

Musiktitel „Arrival“ von Sonic Mystery (http://www.myspace.com/sonicmystery).

http://www.youtube.com/watch?v=YxAn-LaIsjM

Doch ein paar Worte zur "Loveparade"

Eigentlich wollte ich nichts dazu schreiben. Weil ich mich nicht bei so etwas richtig ausdrücken kann und der nächste Fettnapf nicht weit ist …

Nur beim persönlichen „Aftermath“ zu dieser Katastrophe las ich vorhin, dass die Stadt Duisburg aufgrund ihrer hohen Verschuldung unter der Verwaltung des Landes NRW steht. Selbst das Land NRW muss im Dienste des Sparzwangs der Bundesregierung mitsparen und hat daher ebenfalls fleißig an den Sparschrauben gedreht.

Duisburg konnte für die „Loveparade“ kein besseres Sicherheitskonzept auf die Füße stellen, weil die Stadt deren Ausgaben zu kontrollieren hatte. Wegen fehlendem Geld im „Stadtsäckl“ war das Sicherheitskonzept, so wie es gestern mit Toten und Verletzten widerlegt wurde.

Das entlastet weder Veranstalter noch Stadt, aber das ganze bekommt ein ganz besonderes Geschmäckle. Ein Geschmäckle von den ersten Opfer des „Wir haben über unsere Verhältnisse gelebt und müssen zu drastischen Sparmaßnahmen greifen“.

Kriegen die 15 Toten der „Loveparade“ jetzt nen Orden, weil sie vielleicht sich mit Haut und Haaren dem Sparen geopfert haben? …

Und noch eins:
Die Beileidsbekundungen von Merkel und Kraft erinnerten mich an die Beileidsbekundungen, die ich schon oft gehört hatte. Floskeln. Phrasen. 08-15-Sätze. Mögen sie ernsthaft gewesen sein, so sollten beide einmal beginnen, nicht so floskelhaft ihre Beileidsbekundungen abzulassen.
Ich bin kein Meister der Beileidsbekundungen. Nur bei den Beileidsbekundungen zu den gefallenen Soldaten am Hindukush hatte ich das Gefühl, bei den kondolierenden PolitikerInnen mehr Anteilnahme in deren Beileidsbekundungen gefühlt zu haben. …
Mein Eindruck …

Da ist die Presse mal wieder zügig drauf abgefahren …

Jede Bahn hat ihren Sprecher und jeder Sprecher glänzt so gut er kann wie eine Sternschnuppe:
Erst Stern dann Schnuppe.
Oder so.

Man muss sich mal die Angabe über die Zunge zergehen lassen, was Jürgen Kornmann da binnen 15 Sekunden dem ZDF erzählt:
Auf 1440 Einsätze gab es 3 Ausfälle. Und Herr Kornmann bezog sich auf den Fall, dass es gestern dazu kam, dass Züge wegen dem Ausfall der Klimaanlage überhitzt waren und Passagiere wegen Dehydrierung vor Ort medizinisch versorgt werden mussten (s.a. Video von YouTube unten).

So und nun holen wir mal unsere Hauptschulabschlüsse heraus und fangen an zu rechnen.
Was bedeutet das? 3 ausgefallene Klimaanlagen auf 1440 Zugverläufe.
Erst einmal gar nichts.
Fällt bei einem ICE-Zugverbund eine Klimaanlage aus, so betrifft es im worst-case („schlimsten Falls“) ca. 800 Passagiere eines Zuges (von Klasse 1 bis Klasse 2 und Board-Restaurant). Sozusagen binnenklima-erwärmender Schrott auf Achse.

Die pharmazeutische Industrie hat eine international anerkannte Größe entworfen, die auch in der Automobilindustrie ihre Anwendung verwendet: „ppm“ (parts per million). „ppm“ sagt aus, wie viele Teile auf eine Million Teile ausfallen. 10 ppm sind also 10 fehlerhafte Teile auf eine Millionen Gesamtteile. Also 10 Tote auf 1 Millionen Menschen sind statistisch „10 ppm“. Umgerechnet sind also 3 Zugausfälle auf 1440 Zugvorgänge erst einmal absolut nichtssagend. Nehmen wir also der Einfachheit an, 3 Zügen mit defekten Klimavorrichtungen im gesamten Zugstrang (!) sind unterwegs. Wer die Bahn und ihre Fahrpläne kennt, kommt somit bei drei Zugverbünden auf maximal sieben Zugstrecken, also sieben Zugvorgänge.

Somit hätten wir 21 Zugvorgänge mit defekten Klimaanlagen auf 1440 Zugvorgänge (s.a. Videointerview oben). Das macht dann 14583 ppm (also statistisch 14583 Ausfälle auf 1.000.000 Zugvorgänge).

Im Vergleich mit der Automobilindustrie mit dem Qualitätsziel 0 ppm für Ausfälle im Feld, also im Betrieb, (als Beispiel: unsere Firma liegt bei 1,5 ppm), das ist also eine gnadenlose Katastrophe.

Moment!

In einem Auto sitzen in Deutschland maximal fünf Leute (okay, die Polizei fischt immer wieder auch Autos mit acht Passagieren in einem Twingo bei brütender Hitze aus dem Verkehr), aber bleiben wir mal statistisch: In den meisten Fahrzeugen sitzen statistisch gesehen 2,5 Personen (Zeitung auf dem Beifahrersitz bei Berufsfahrern mal ausgeschlossen). In einem Zugverlauf sitzen aber maximal 800 Leute, was somit die ppm-Zahl auf 19 runter schrumpfen lässt.

19 ppm!

Da wird die Automobilindustrie neidisch. Denn schon im Innenraum eines Fahrzeuges sind laut Verträge für Zulieferer 300 ppm zulässig. Selbst wenn ich 6 Leute in das Fahrzeug stopfe, komme ich personenbezogen nur auf 50 ppm.

Was will ich damit total und überkandidelt ketzerischerweise sagen?
Ganz einfach.
Nachdem Deutschland schon nicht unter die besten zwei der FIFA-Fußball-WM kommen konnte und auch sonst kein Vollidiot etwas presse-würdiges verbrochen hatte, da musste die Bahn dran glaube.
Lesen wir mal die Presseberichte.
Wie viele waren von dem Ausfall der Klimaanlage betroffen?
Es wird von einem Teil einer Schulklasse gesprochen (max. 30 Schüler), in anderen Berichten von 40 Menschen. Gut, lassen wir es mal 100 sein. Seien wir mal realistisch: 1000 Menschen gemäß der Pfeifer’schen Regel „Nur 4% der Kunden beschweren sich über mangelnde Qualität“ (ISBN 3-446-18579-8). Was dann fast genau der Zahl derjenigen Anzahl der Zuginsassen entspricht, die in einem Zug gesessen haben könnten (nämlich 1000 Passagiere entsprechend den Angaben der Journailien). 1000 Passagiere statistisch gesehen auf drei Züge verteilt, denn der 2. Klasse ist es nicht erlaubt im Zugrestaurant, auf der Zugtoilette oder in der 1. Klasse herum zu lungern.

Und dann mal die spontan er-google-te Nachricht:

Auf der A9 bei Gefrees hat Freitag Mittag die Unachtsamkeit eines Lkw-Fahrers neben 100-tausend Euro Sachschaden auch einen 12 Kilometer langen Stau verursacht.

12 Kilometer.
Zweispurig.
Also 24 Kilometer rechnerisch.
Und sicherlich nicht nur dort.
Bei „Jugend forscht“ wurde ausgerechnet, dass auf 3 km Stau 500 Autos kommen. Ergo haben wir hier mal locker 4000 Fahrzeuge mit statistisch gesehen 2,5 Personen drinne (es ist Freitag Mittag bei brüllender Hitze (wer Klimaanlagen kennt, weiß, dass dies jetzt keine rhetorische Phrase sein muss), viele Berufstätige fahren nach Hause und das allein in Begleitung ihrer Tageszeitung auf dem Beifahrersitz), also 10.000 Personen (oder reduziert wegen dem Ich-Will-Jetzt-Nach-Hause-Pendler auf 8000 Personen).

Das sind locker mal 4 so viele Personen als in den ICEs und das bei brütender Hitze in deren Fahrzeugen, die KEINE gut funktionierende Klima haben. Wer nicht genügend im Monat verdient, weiß, was ich meine.

Hm.

War da was?
Eine Nachricht im ZDF?
In der ZEIT?
In der FAZ, der SZ, NHZ oder gar im Buxtehuder Werbeblatt?
Nicht?
Nüscht?
Gar nüscht?
Hm.
Und was war mit den Unwettern in NRW vor knapp 24 Stunden? Glaubt da wer Gutmütiger, dass deswegen weniger als 10 Flüge á 100 Passagiere nicht landen konnten? Das die gar nicht dort ankamen, wohin die wollten?
Kein Wort in der Journalie? Nada? Niete? Nullinger?
Ja, ist denn schon wieder saure Gurkenzeit?
Ja?
Dann taugt die Bahn genau als Depperle der Nation.
Zum Draufschlagen einfach.
Wenn schon ein Westerwelle nicht mehr Angriffsfläche in seinem Sommerurlaub bieten möchte …

Und nun meine Quintessenz?
Jürgen Kronmann ist ein verdammt schlechter Pressesprecher. Genau solch einer, den die Presse braucht, um einen Stellvertreterkrieg für die große Hitze mit irgendwem zu schlagen.
So ein Depperl.
Die Volksseele kocht.

Nicht allein im Stau auf der A8, der Dehydrierung nahe (kein ADAC oder Ramsauer verteilt Wasser gratis und auf den Raststätten gibt es auch nur Kraneburger Jahrgang 2010) fluchen alle auf die Bahn. Weder im Sommer noch im Winter sei sie fähig eine Klimakatastrophe in deren Waggons zu vermeiden.

Aber wir sind auf die Bahn ja nicht angewiesen. Mit dem „Mein-Bac-dein-Bac“-Feeling sicher für die nächsten 8×4 Stunden fluchen wir auf die Bahn und auf den LKW-Fahrer. Denn wäre der mit der Bahn transportiert worden, hätte es auf der A8 keinen Stau gegeben. Und als vorweggenommene Strafe hätte der dort geschmorrt, da wo die 40 bemitleidenswerten Leute im Zug schmorrten.
Mein Beileid. Meinen zumindest die acht bis zehntausend Stauteilnehmer …

Oder etwas anders ausgedrückt, so wie bei Jürgen Kornmann.
Do it again, Jürgen:

Die Schlacht am Birkenbaum

„Der Roggen wird vor der Schlacht am Birkenbaum erst eingefahren, der Hafer aber nicht … Wenn die Büdericher ein Mond vor Krautweih (Mariä Himmelfahrt) aus dem Hochamte kommen, steht rund um die Kirche alles voll Balltreter.“
Quelle: absolut unbekannte westfälische Einsicht eines Sehers

Es ist vollbracht.
Die Schlacht ist geschlagen, die Spanier haben gewonnen und die Niederländer machen der deutschen Nationalmannschaft Konkurenz im Erobern des zweiten WM-Platzes.
Was ist mir geblieben?
Nicht viel. Die Herrschaft über das Mittelfeld führt zum Sieg. Das Spielsystem des Mittelfeldes hat den Erfolg gebracht. Das Finale war das „quot eram demonstrandum“ (= „was zu zeigen war“), das „q.e.d.“ der Fußballzukunft.

Zwar verbleiben die drei deutschen Spiele gegen Australien, England und Argentinien in Erinnerung für mitreissendes Offensivfußballspiel. Aber mehr wird nicht verbleiben. Von den Trainer-Strategen wird in Zukunft das Spiel im Mittelfeld vervollkommnet. Maurinho in der Champions League und jetzt del Bosque bei der WM haben gezeigt, wie es geht.

Die deutsche Nationalmannschaft hätte die WM gewinnen müssen, um Grundsteine in der Zukunft für zuschauerfreundliches Spielsysteme zu legen. Haben sie aber nicht. Drum werden die nächsten Spielzeiten im Zeichen der Mittelfeldstrategien stehen.

Andererseits, hätte die deutsche Nationalmannschaft die WM mit begeisterndem Spiel gewonnen, dann wäre Frau Merkel und Herr Wulf quasi per Staatsräson gezwungen gewesen, mit ihrem gesamten schwarz-gelben Hofstaat ein zweites Mal bei der WM auflaufen zu müssen. Das wäre allen Sparanstrengungen der Regierung Merkel/Westerwelle total entgegen gelaufen. Okay, die Spieler wären erneut mit einer halbstündigen Ansprache des balsenabsondernden Hosenanzugs konfrontiert gewesen. Sicher, sie hätten es gemocht: die Spieler im Entmüdungsbad und vor Ihnen Merkel, Westerwelle und Wulf. Nur: Damit wäre dann die deutsche Nationalmannschaft auf Jahre geschlagen gewesen, um es mal in Abwandlung eines bekannten Beckenbauer-Zitats aus dem Jahre 1990 zu formulieren.

Also ist es gut so.

Merkel muss ohne Rückenwind einer WM-Trophäe weiterregieren. Aber sie hat noch immer die Möglichkeit, die Krake „Paul“ ins Kabinett als Regierungsberater zu holen. Denn die Krake hat auch bei den letzten beiden Spielen in ihrer Vorraussage richtig gelegen. Und solches Talent geht der Bundesregierung ja seit November letzten Jahres komplett ab.

Und so bleibt alles in allem nur ein „Bis in vier Jahren“ zu seufzen. Und ich hoffe, dass mein Team dann nicht wieder gegen einen Nicht-Weltmeister verlieren wird. Auch um deren gesundheit willen. Brasilianer können ja so erbarmungslos gegen Selecao-Mitglieder sein, wenn diese nicht gewinnt …

"Bildung für die besten" oder: Hauptsache, Werbung produziert Umsatz …

Lebewesentechnisch bin ich ein kleines Licht. Nicht mit übermäßig viel Intelligenz ausgestattet, dankbar zu leben, biologisch ein XY-Chromosom-Inhaber und auch sonst ein übliches gnadenlos männliches Alphatier, wenn es denn darf, so wie man es lässt.
Und heute durfte ich nicht.
In meinem Postfach befand sich ein Brief vom Verein »Management Circle ®«.
Ja, ich bin nun mal ein hochbezahltes »Manager«-Vieh mit einem sechsstelligen Monatseinkommen (inkl. Kommastellen). Und darum darf ich auch solche Briefe erhalten, mit denen Beratungsfirmen versuchen, Umsatz zu bolzen.
Nur manchmal, aber nur manchmal, vergess ich, dass ich ein geschult männliches Alpha-«Manager«-Tier bin, dann schließ ich mich als Mann in der Bürotoilette ein, falte orthodox deutsch mein Toilettenpapier und schnäuzte dann heftig in das selbige und führ mir solche Briefe nochmals zu Gemüte, wie ich ihn heute vom »Management Circle ®« erhielt:

Werbungsbrueller

(zum Vergrößern anklicken)

Oder ist das eine versteckte Einladung zum Gruppensex mit Team-Assistentinnen (vullgo: Sekretärinnen) und nur ich hab’s nicht kapiert?!?

Über Wassermassen, Persönlichkeiten und andere Kaventsmänner …

»Das ist aber ein Kaventsmann!«

Kaventsmänner sind einflussreiche Menschen, die aufgrund ihrer Position für andere bürgen können. Und meistzeit sind solche Menschen auch noch reiche Menschen, diese Kaventsmänner.
Als Kinder haben wir bei dem Wort »Kaventsmann« immer unsere Backen aufgeblasen und mit unseren Armen einen dicken imaginären Bauch von uns umrundet. Vor meinem inneren Auge sah ich immer einen speckrolligen Mann in Anzug, wenn ich an Menschen, an »Kaventsmänner« dachte.

Aber es gibt nicht nur menschliche »Kaventsmänner«. Es gibt sie auch umgangssprachlich in der Natur. »Monsterwellen« wurden schon seit langem in der Seemannssprache als »Kaventsmänner« bezeichnet. Als Seemannsgarn wurden die Erlebnisse mit »Kaventsmänner« auf See der Seemänner verspottet. Kam ein Schiffseigner zu seiner Versicherung und behauptete, ein »Kaventsmann« hätte sein Schiff versenkt oder beschädigt, dann zahlte die Versicherung keinen Heller. »Monsterwellen« waren nicht bewiesen und gehörten der vermeintlichen hellen Seemannsphantasie an. Niemand glaubte den Seemännern. Bis zu dem Zeitpunkt, als eine Ölbohrinsel sich urplötzlich einer Monsterwelle gegenübersah und dieses von den Kameras der Bohrinsel festgehalten wurde. Und bis das Kreuzfahrtschiff »Queen Elisabeth 2« von einer Monsterwelle getroffen wurde. Das geschah innerhalb von 10 Monaten, vor erst 15 Jahren. Bis dahin hielten es die Versicherungsexperten für ausgeschlossen, dass deren mathematische Berechnungen von Wellen nicht vollständig sein könnten. Denn gemäß den Berechnungen von Meereswellen durfte es keine Monsterwelle geben. Es konnte nicht sein, was nicht sein durfte. Bis es zu den Vorfällen im Jahr 1995 kam. Seitdem zahlen Versicherungen auch bei nachgewiesenen Zerstörungen am Schiff durch Monsterwellen.

Wissenschaftler fanden inzwischen heraus, dass Monsterwellen ihrer Natur nach eher den Beobachtungen der Quantentheorie folgen, also den Beobachtungen atomarer und subatomarer Zustände. Die Entstehung von Monsterwellen wies eine verblüffende Ähnlichkeit zu dieser Quantenmechanik auf. Dieses Phänomen der Monsterwelle ließ sich mit einer mathematischen Gleichung berechnen, welche zuvor ausschließlich für diese atomare und subatomare Bereiche verwendet wurde: die »Schrödinger Gleichung«.
Das Dumme daran ist nur, mit der Gleichung lässt sich wunderbar beschreiben, was geschehen war. Nur Vorhersagen lassen sich damit nicht erstellen. Die Kapitäne der Weltmeere werden auch weiterhin den Horizont genau beobachten müssen, um eine geringe Überlebenschance gegen das Unerwartete, das zerstörerische Moment des Meeres zu behalten.

»Das ist aber ein Kaventsmann!«

Den Satz hatte ich oft gehört. Dabei bin ich auf dem plattesten Land aufgewachsen. 400 Kilometer von jeder Meeresbucht entfernt. »Monsterwellen« war für mich ein Fremdwort. Maximal gab es die Monsterwelle, die Moby Dick dem miesepetrigen Gregory Peck als Kapitän Ahab vor dem Schiff erzeugte.
»Überschwemmung« an sich war für mich ein Fremdwort.
Fast.
Die einzige Überschwemmung, die ich erlebte, fand mitten im Sommer statt. Ein kleiner beschaulicher Bach in unserer Nähe wurde nach schweren Regenfällen zu einem reißenden Fluss. Er trat über seine ihm zugewiesenen Ufer und flutete ein Gebiet in der Größe von sieben Fußballfeldern. Und auf jenem Gebiet befanden sich unsere Kühe. Getrennt waren wir durch die Autobahn und zu diesem Gebiet führte lediglich die Autobahnunterführung, ein quadratischer Tunnel in Betonverschalung gegossen.
Diese Unterführung stand an jenem Nachmittag bis zu einem halben Meter unter Wasser. Der heftige Regen („Katzen und Hunde“-Regen) dauerte seit dem frühen Morgen und hatte nicht nachgelassen. Mein Vater kam mit der schlechten Botschaft heim, der Bach wäre über die Ufer getreten und die ganzen
Felder geflutet. Die Kühe wären erheblich unruhig und er befürchtete, sie könnten irgendwann in Panik ausreißen, weil bald alles unter Wasser stehen würde. Es war notwendig, die Kühe unter der Unterführung durchzutreiben. Es war so oder so nötig, sie am Abend zurück in den Stall zu treiben, also durch die Auobahnunterführung hindurch, damit sie gemolken würden. Aber zu jenem Zeitpunkt war es erst nachmittag und es war schon notwenig, sie bereits vorher zu holen.
Als wir kamen, hatten sie sich auf eine kleine Erhöhung auf der regengefluteten Wiese zusammen gestellt. Sie muhten um ihr Leben, aber wollten von der Insel nicht weg. In der Not ist mein Vater nach Hause, stieg auf seinen FIAT-Traktor, raste im Traktorengalopp durch die Unterführung und hielt auf die Kühe zu. Mit dem Traktor hatte er vor, sie auf die Unterführung zuzutreiben. Es mag bequem und faul klingen, auf einem Traktor Kühe vor sich herzutreiben. Nur zuvor war meine Mutter, mein Bruder und ich zu Fuß in Gummistiefeln zu jener Insel hin und wollten die Kühe mit bloßen Händen in Richtung Unterführung treiben. Aber die Kühe wollten nicht. Sie liefen immer wieder zu der stetig kleiner werdenden Insel zurück. Sie wollten einfach nicht weichen. Zum Schluss senkten sie dann auch noch die Köpfe und präsentierten angriffslustig die Hörner.
Das war der Zeitpunkt, als mein Vater sauer hupend mit dem Traktor auf die Kühe zuraste. Kompromisslos zu allem entschlossen. Die Kühe verstanden instinktiv, kapitulierten und rannten auf den ihnen bekannten Weg der Autobahnunterführung zu.
Dort lauerte bereits ein ernstes Hindernis: einen halben Meter tiefes Wasser. Wir hatten die Angst, die Kühe würden den Weg durch das Wasser meiden und stattdessen den trockeneren Weg über die Autobahn suchen. Wir flankierten die Autobahnböschung, bewaffnet mir Holzstöcken. Während oben der Autobahnverkehr lärmend im heftigsten Regen seinen Weg zog, hetzten wir unten neben den Kühen her. Kühe haben im Gegensatz zu Bullen den Vorteil, dass sie eindeutige Herdentiere sind. Es bleibt selten eine Kuh weit zurück. So eine kleine Stampede ist überschaubar in seiner Ausdehnung. Es gilt dabei, die zwei, drei Leitkühe der Herde zu lenken, die anderen folgen ihnen blind. Zudem sind Kühe Gewohnheitstiere, keine Individualisten. Und so kam es, dass die Kühe direkt in die Fluten unterhalb der gewohnten Unterführung hinein trabten, dann jedoch erkannten, dass sie keine Wahl mehr hatten: hinter ihnen jener hupende stampfende Traktor und vor ihnen das Ende des gefluteten Tunnels. Sie trabten halb schwimmend durchs Wasser. Während wir menschliches Fußvolk hinten auf den Trecker aufsprangen, schoben die Kühe eine selbsterzeugte Welle vor sich her, gewissermaßen eine »Monsterwelle« des Plattlandes. Mein Vater steuerte den Traktor mit gezogenem Vollgas durch die Fluten und schob die nächste »Monsterwelle« des Plattlands vor sich her. Die Kühe erreichten das Ende der Unterführung und kurz darauf ungeflutetes Festland. Wir hatten es geschafft. der restliche Weg war ein Klacks.
Es regnete die ganze Nacht durch. Ein eklig nasskalter Tag bei vielleicht 15° C endete glücklich für uns. Am nächsten Morgen schien die Sonne. Es war mitten im Juli und die Sonne knallte auf die überfluteten Wiesen und das Wasser lief langsam wieder in sein angestammtes Bachbett zurück. Nur die Wassermassen in der Autobahn-Unterführung blieben. Am Nachmittag kletterte das Thermometer auf 30° Grad. Es war der Tag, an dem ich unter der Autobahn unweit vor unserer Haustüre durchschwamm.
Im angrenzenden Dorf hatte es sich herumgesprochen, dass die Unterführung bis zu einem Meter unter Wasser stand. Leute brachten Schlauchboote mit und paddelten die knappen 40 Meter hin und her. Und irgendwann am nächsten Tag kamen auch die Jugendlichen, die schon ein Fahrzeug ihr Eigen nannten. Sie versuchten, in dem verbliebenen halben Meter ihre Fahrzeuge auf Amphibientauglichkeit zu testen. Zwei Fahrzeuge schleppte mein Vater mit seinem Traktor aus der Unterführung. Jene hatten Wasser in den Motor bekommen und waren mitten in der Überflutung abgesoffen. Danach gehörte die überschwemmte Überführung wieder uns Schwimmern und den Paddelbooten. Ein Freibad eigenwilliger Natur bei 30° im Freien. Über uns der Reiseverkehr gen Norden an die Nordsee, darunter wir schwimmend im Wasser.
Nebenbei, die regionalen Zeitungen hatten die Überflutung mit keinem Wort erwähnt. Einflussreiche Persönlichkeiten hatten darauf hingewirkt, dass diese Naturkatastrophe unerwähnt blieb. Denn die Natur zeigte nur zu deutlich jene Fehler auf, welche durch eine gewissenlose Flurbereinigung des Baches landschaftlicherseits gemacht worden waren. Der Bach wollte nur in sein altes Bett zurück. Genau in jenem leicht abgesenkten Streifen des alten Bachbettes, der vom neuen Bachbett hundert Meter entfernt lag, hatte die Flut auch ihren Höchststand erreicht gehabt.

»Das ist aber ein Kaventsmann!«

Wir standen vor dem Findling und staunten nicht schlecht. Mein Vater hatte einen befreundeten Bauunternehmer gebeten, ihm mit dem Bagger zwei Findlinge aus dem Acker zu holen. Für mich war es normal, im Frühjahr über den kargen Acker neben dem Anhänger des Traktors herzulaufen und kleinere und größere Steine auf den Anhänger zu werfen. Die Äcker meines Vaters ließen viele Steine aus den Böden wachsen. Faustgroße bis fußballgroße Steine. Sogenannte »Findlinge«. Sie störten den Ackerbau. Sei es, weil die Pflugschare davon zerstört wurden, sei es, weil bei der Getreideernte Steine in den Mähdrescher gelangen und dessen Dreschwerk zerstören konnten. Die größten kamen immer als Ziersteine in den Garten, die anderen wurden auf dem »Steinhaufen« nahe des Waldes abgeladen.
Die meisten »Kaventsmänner« holte mein Vater beim Pflügen aus den Boden. Er konnte nicht einfach mit dem Traktor die Bahnen mit dem Pflug auf den Äckern ziehen. Immer hatte er seinen Fuß direkt auf der Kupplung, um den Schaden beim Auffinden solcher Kaventsmänner zu minimieren. Mit der Zeit hatte er sogar eine Technik heraus, wie er solche Findlinge frei pflügen konnte.
Nur bei zwei Findlingen hatte er keine Chance. Der Bagger kam und beförderte zwei Findlinge zu Tage, die sich auf knapp zwanzig Zentimeter Tiefe an die Erdoberfläche heran gearbeitet hatten. Der eine konnte noch auf dem Traktor-Anhänger verfrachtet werden. Er hatte den Durchmesser von einem Meter. Der zweite allerdings hatte die Form eines Hinkelsteins und eine Höhe von 1 ½ Meter. Der Bagger musste diesen Kaventsmann auf der Schaufel vom Acker tragen. Für den Anhänger wäre der Stein zu schwer gewesen. Die beiden Steine kamen in der letzten Kurve der privaten Hofzufahrt. Als Straßenbegrenzungssteine.
Besonders der letzte Stein hatte uns arg verblüfft. Es war ein Kaventsmann von einem Findling. Mir diente er als Kletterstein. Mein Mount-Everst in Kleinformat. Meinem Vater zu Ostern diente er immer wieder als Versteck für zu suchenden Ostereier.
Und jemand anderem diente der Kaventsmann als Stein des Anstoßes. Dieser Kaventsmann war ein einflussreicher Mensch des nahegelegenen Dorfes. Jener Mensch wollte den Findling bestaunen, so hatte er erst angekündigt. Aber meinem Vater wurde bald klar, was jener wirklich wollte. Der menschliche Kaventsmann wollte den steinernen Kaventsmann für seinen Garten als Schmuckstück. Der Mensch schaute sich den Stein an und meinte dann, dass der Stein gar nicht so dicht an der Straße liegen dürfe. Sollte jemand meinen Vater mit dem Fahrzeug besuchen und zufällig an den Stein kommen, dann wäre mein Vater haftbar und schuldig. Er sollte den Stein dort entfernen. Der Stein läge vorschriftswidrig zu nahe an der Straße. Der Stein müsse weg. Und er, der einflussreiche Mensch würde dafür sorgen, dass der Stein deswegen abgeholt werden würde. Jener bot meinem Vater auch noch ein wenig Geld an, den Stein vorher zu entsorgen, bevor der Stein auf Kosten meines Vaters entsorgt werden sollte. Nur, die Straße war ein Privatweg, der Stein lag auf Privatgelände. Mein Vater verwies den Menschen des Hofes. Dieser stieg wütend in sein Fahrzeug und fuhr drohend weg. Später erschien die Polizei und befragte meinen Vater, weil er angeblich an einem gesetzlichen Feiertag seinen Acker bestellt haben sollte. Der Ärger, den jener Kaventsmann verursachte, wurde so groß, dass mein Vater später in seiner Wut versuchte, den Stein mit einem Vorschlaghammer zu zerstören. Der Stein blieb ganz, der Vorschlaghammer brach.

Fünfunddreißig Jahre später stand ich wieder vor dem Stein. Er war definitiv kleiner geworden. Einerseits war er um zwanzig Zentimeter wieder in den Boden eingetaucht, aber zum anderen hatte der Stein seine Existenz an der freien Luft mit Erosion bezahlt. Früher war seine Außenoberfläche hart. Ein Hammer prallte ab, ohne überhaupt viel Schaden zu erzeugen. Nun jedoch konnte ich mit bloßer Hand Teile aus ihn heraus brechen. Regen, Eis und Wind hatten ihn mürbe gemacht, hatten ihm seine Größte geklaut. Beim Streicheln mit der Hand über dessen Oberfläche krümelte er bereits. Kleine Steinchen brachen aus ihm heraus. Sein kleiner Bruder dagegen, der zwei Meter weiter lag, hatte seine ursprüngliche Größe noch. Auch die anderen kleineren Findlinge, die vom Acker geholt worden waren, besaßen noch ihre Größe. Nur dieser Findling war geschrumpft. Er war nicht aus Granit wie die anderen Findlinge.

»Das ist aber ein Kaventsmann!«

Hier im Süden Deutschland höre ich das Wort selten. Und wenn ich es höre, dann stammt es von einem Nordmann. Südmänner nutzen das Wort offenbar weniger. Und wenn, dann scheinen sie auch eher mit Kaventsmann das zu verbinden, was ich als kleiner Junge damit verband: Kugelrunde Männer mit mit aufgeblasenen Backen und noch mehr Einfluss, die sich durch die Gegend schieben statt zu gehen. Als ich das Wort in München das erste Mal verwendete, wurde ich der Diskriminierung verdächtigt. Ich würde mit dem Wort korpulente Menschen aufs Schärfste beleidigen. Unsensibel und verroht sei ich deswegen. Den Ursprung des Wortes »Kaventsmann« kannten sie nicht. Selbst als Wort zur Bezeichnung von Monsterwellen war denen es unbekannt. Und erst recht die Vorstellung, dass dieses Wort zu dem normalen Sprachschatz einer Bevölkerung eines Landstrichs gehören könnte. So etwas passte letztendlich auch nicht in deren Anwurf, ich wäre diskriminierend. »Kaventsmänner« gibt es in Bayern nicht. Stattdessen nennt man solche Persönlichkeiten hier eher ironisch »Großkopferte«, Leute mit einem großen Kopf. Mit Köpfe wie »Kaventsmänner«. Ob hiermit eine Monsterwelle oder eine riesige Sache bezeichnet wird, ist dabei auch wieder egal. Denn der Bezeichnung »Kaventsmann« wie auch »Großkopferte« schwingt immer ein ironischer Unterton mit.

Nebenbei, das Wort »Kaventsmann« stammt von dem lateinischen Wort »cavent« ab. »Cavent« heißt »Bürge«. Und aus dem Wort »Cavent« leitet sich ein Wort ab, welches Wohnungsvermieter immer gerne sofort im Zusammenhang mit der Kaltmiete einer Wohnung benutzen: »Kaution«. Der Leistende einer Kaution wird somit zum »Kaventsmann« in eigener Sache. Aber das auch nur am Rande.

Und now to something completly different. Football …

Wir schreiben den 15. Juni 2010. Es ist 18:00 Uhr. Bis um 20:00 Uhr sind bislang bei der gesamten WM 20 Tore gefallen. In 13 Spielen. Vor vier Jahren gab es bereits bis zum 15. Juni in 19 Spielen 36 Tore.

Damit im Schnitt bei dieser WM mehr Tore pro Spiel als vor vier Jahren fallen, muss jetzt Brasilien gegen Nordkorea mindestens 7:0 gewinnen. Danach würde zwar jeder von einem erneuten Endspiel Brasilien-Deutschland träumen (inkl. einem 2:0 für Brasilien; mein Déjà-vu-Traum), aber es würde wenig an dem bisherigen Verlauf der WM ändern. Eine grottige WM mit Spielen, bei denen das Einlaufen der Mannschaften spannender als das Spiel an sich ist.

Oder?

Oder etwa doch? Oder etwa nicht?

Was meint Professor Hastig aus der Seamstraße dazu?

Professor Hastig am Schlafen

Professor Hastig? Professor Hastig! Hm. Na, gut. Dann machen wir mal weiter. Mit dem nächsten Spiel der WM: Brasilien gegen Nord-Korea.

Êbá BRASIL!!!!!!!!!!

Mostra-nos que vocês estão orgulhoso a ser brasileiros!

Wenn die Vuvuzuela viermal trötet …

Liebe Leser, liebe Leserinnen,

diese WM ist grottenschlecht, so etwas von grottenschlecht, ein Spiel langweiliger als das andere. Wundert es, warum der englische Torhüter Green, den Ball gegen die USA durchließ? Warum der algerische Torhüter Chaouchi am Ball vorbei griff? Die waren eingepennt. Mitten während dem langweiligen Spiel. Und als dann der Ball aufs Tor zu trudelte …
„Hey, aufwachen! Balli kommt!“ …
Verduzt geguckt. Aber zu spät. Da war der Ball auch schon drin.
Und das trotz der Warn- und Weckrufe der Zuschauer mit den Vuvuzuelas.
Die Franzosen und Argentinier haben sich beschwert, die hätten vor Vuvuzuelas ihr eigenes Wort nicht mehr verstanden. Quatsch. Die fühlten sich in ihrem Schlafwagenfußball gestört. Das ist die Wahrheit.

Vuvuzuelas.

Das ist jetzt das Stichwort bei uns in meiner Nachbarschaft.
Vor der Beginn hatte ich sie alle gesehen, wie sie am Kiosk gegenüber sich die Fantüte mit Vuvuzuelas und Mini-Deutschland-Fähnchen besorgten. Alle. Sei ja WM, meinten die. Der miese Spießer aus dem ersten Stock, der sein Toilettenfenster außen mit zehn Deutschland-Fähnchen geschmückt hat. Oder dieser gestrenge Alt-89-er, der seine Tür mit einer Deutschlandfahne aus Seide dekoriert hat. Oder diese linke Type aus dem Dachgeschoss, die sich seinen knatschroten SMART mit zwei Fähnchen bestückt hat.

Denen haben wir es gezeigt. Wir lassen uns nicht nachsagen, wir seien nicht für Deutschland. Wir nicht!

Karl hatte letzte Woche drei Vuvuzulea sich beim EDEKA errubelt, Heiner zwei am Kiosk gegenüber für 10 Euro die Deutschland-Fan-Tüte gekauft und ich, ich habe mir eine im BILD-Shop online bestellt. Genau. Dort, bei der BILD-Zeitung. Die im deutschen Fan-Paket. 3 Stück! Man weiß ja nicht, wie lang die halten.

Man will ja schließlich mitfeiern und nicht am Rande stehen.
Und was jetzt? Jetzt haben die hier alle die Vuvuzuelas beim Public Viewing verboten. Und gerade die BILD-Zeitung stänkert wütend gegen die Vuvuzulas. Aber selber im Shop online Vuvuzulas für gutes Geld verhökern. Geschäfte machen, ist wohl okay. Aber das Gekaufte nutzen? Verboten.
Deutsche Verbieteritis. Typisch. Einfach feierfeindlich. Was hat das mit Einigkeit, was mit Recht, was mit Freiheit zu tun?
Jetzt reden die Wichtigtuer sogar in den Zeitungen, den Internet-Foren, den Blogs und bei Twitter davon, die Südafrikaner sollten den Gästen Toleranz gegenüber zeigen und die Vuvuzulas verbieten. Schließlich seinen wir ja Gast in deren Land und man hätte uns auch so zu behandeln! Als Gäste eben. Haben wir die nicht so behandelt vor vier Jahren und denen gesagt wo unsere No-Go-Areas sind? Also! Sollen die mal unser No-Go-Area im deutschen Fernseher respektieren und ihre Vuvuzulas wegschmeissen. Meinen diese Internet-Nerds. Diese Fuzzis können meinen, sie seinen das Maß der Dinge, wenn sie den Süd-Afrikanern vorschreiben wollen, was Fußball-Kultur sei und was nicht. Aber nicht uns. Nicht mit uns, haben wir uns gesagt. Nicht mit uns.

Wir haben schließlich für die Fan-Pakete bezahlt und wollen feiern. Will man uns jetzt vorschreiben, wie wir lustig zu sein haben?

Bei mir haben wir uns gestern eingerichtet. Zwei Kästen Bier, eine Flasche Vodka Black Label und fünfzehn Dosen Red Bull. Wir haben uns versprochen, bei jedem deutschen Tor mit unseren Vuvuzuelas Deutschland hochleben zu lassen.

Der Polizist an der Türe meinte später, unsere Feierei sei Ruhestörung. Nur weil Deutschland viermal getroffen hat und wir viermal fünf Minuten feierlich getrötet haben? Schweinerei. Die Anzeige werden wir anfechten. Wir gehen in Berufung. Wir lassen uns doch von so miesepetrigen Deutschland-Abstinenzlern hier im Haus doch nicht unsere WM vermiesen. Soll uns schließlich niemand nachsagen, wir würden Deutschland nicht mit jedem Atemzug unterstützen.

Gestern vor dem Schlafengehen – Grün-Weiß-München war schon längst weg – haben wir dann noch zu dritt mit einer Siegesfanfare den Sieg Deutschlands gefeiert. Am offenen Fenster! In den erhabenen Nachthimmel hinein! Deutschland hat 4:0 gewonnen!
Die Klingel hatten wir vorsichtshalber abgestellt. Damit nicht – wie schon bei den vier Toren zuvor – uns dahergelaufene Hobby-Talibans im Hause mit hintervotzigen Klingelterror ärgern.

So.
Wir haben jetzt ausgeschlafen.
Gleich spielt Italien. Wir werden Paraguay unterstützen.
Heiner holt noch nen Kasten Bier. Wenn er erst mal aus meiner Wohnung rausgekommen ist. Irgendwelche dieser Hobby-Terroristen fanden es offenbar toll, unsere Eingangstür mit vier Schichten Eierkartons komplett zuzukleben. Wenn wir die erwischen. Den tröten wir was auf unseren Vuvus im Choral, diesen Spassbremsen!

Törrrrrröööööööööööööööööööööööööööööö!