Kette im Eismantel …

Kette im Eismantel …

Was man schon immer wissen wollte, aber nie zu fragen wagte.
Politiker wissen jetzt schon ganz genau, wie man Terroristen erkennen kann:
http://www.youtube.com/watch?v=mSaNMDLrd04 :
Also, Leute, im Winter nur in Badehose ungebräunt sich einem Bahnhof nähern, denn dann ist man unverdächtig …
Was vorher geschah: Prolog, Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5, Teil 6, Teil 7, Teil 8, Teil 9, Teil 10, Teil 11, Teil 12, Teil 13, Teil 14, Teil 15, Teil 16
***
»Warum liest du nicht mal das durch, was ich dir geschickt hatte?«
Jürgen sah mich leicht verärgert an.
»Die Papiere des PentAgrions?«
»Ja, die Papiere des PentAgrions.«
Statt ihm etwas zu erwidern, ergriff ich den Teebecher vor mir auf dem Tisch. Ich führte ihn mir an den Mund, nahm seinen zitronigen Duft wahr und schlürfte vorsichtig davon. Ein leicht saurer, herber Geschmack entfaltete sich auf meiner Zunge. Ich schluckte, bemerkte aber zu spät, dass der Tee dafür noch nicht kühl genug war. Hustend schnappte ich nach Luft, saugte sie förmlich in mich rein. Ohne Zögern reichte mir Jürgen die halbvolle Karaffe Wasser. Dankbar nahm ich an und etwas später, noch leicht außer Atem, setzte ich die fast geleerte Karaffe ab. Der Hals brannte zwar noch immer, aber jetzt war es zu ertragen.
»Und?«
»Es ist besser, es brennt nicht mehr so.«
»Das war klar.«
»Warum?«
»Am Anfang war es die brennende Neugierde.«
»Wie gut, wenn der Schmerz nachlässt.«
»Aber die Ungewissheit brennt weiter.«
»Gibt es überhaupt eine Gewissheit?«
Jürgen lächelte vorsichtig.
»Gewissheit gibt es nur, wenn du die Papiere liest.«
»Mir fehlt die Zeit.«
»Plumpe Ausrede. Am Anfang konntest du die Papiere nie schnell genug haben und jetzt willst du dich nicht mehr damit beschäftigen?«
»Tja, ich hatte mich wohl dran verschluckt. Jetzt brennt die Neugierde nicht mehr.«
»Dafür hast du dir beim Spekulieren die Pfoten verbrannt. Aber das brennt auch nicht mehr, weil du kein Geld mehr zum Verbrennen hast.«
Er quälte mich, streute mir Salz in meine noch nicht verheilten Wunden. Die Kellnerin kam und räumte meinen Absinth und die Wasserkaraffe ab. Auf seine Frage, ob ich einen weiteren haben wollte, antwortete ich mit einem verneinenden Kopfschütteln. Stattdessen ergriff meinen Tee. Er war inzwischen nicht mehr so heiß wie vorher.
»Du willst es nochmals versuchen?«
»Hm?«
»Die Papiere zu lesen?«
»Ich werde es versuchen. Nur aufrichtig gesagt, ich weiß nicht mehr, wozu. Mir ist die Motivation abhandengekommen.«
»Wie ein Stock oder Hut?«
»Wie?«
»Dir kam wohl deine Motivation plötzlich abhanden. Wie andern Leuten ein Stock oder Hut.«
»Kann sein. Mein Feuer ist wohl einstweilen eingefroren.«
»Feuer frieren nicht ein.«
Von der Untertasse nahm ich die Portionstüte Zucker, riss sie auf und schüttete den Zucker in meinen Tee. Schweigend rührte ich den Tee mit meinem Löffel um. Und mit jedem Umrühren hatte ich das Gefühl, dass mir der Tee immer fremder wurde. Irritiert legte ich den Löffel beiseite. Meine Uhr zeigte mir kurz vor vier an.
Ich ergriff meine Geldbörse, um Geld zum Bezahlen heraus zu holen. Eine Visitenkarte fiel mir heraus und Jürgen direkt neben die Teetasse. Interessiert nahm er sie auf.
»Was ist das? ‚Heinemeier Wohlstandsberatung‘? Ist das derjenige, welcher dich beraten hat?«
»Nein. Der war es nicht.«
Jürgen drehte die Visitenkarte um und las halblaut den auf der Rückseite stehenden Werbetext:
»Eine Herangehensweise maßgeschneidert für Sie und Ihre Familie. Eine Herangehensweise für Sie, mit der Sie Sieger sind. Sie werden Ihren Lebensstandard fühlbar verbessern. Ich bringe Ihnen mehr Vermögen. Vermögen jetzt und Bonität für Ihre Zukunft, Transformation von Steuern in privates Eigenkapital, Objektwerte, Schutz vor Geldentwertung, Besitzstandswahrung für Ihre Familie. Sie können auf mich bauen. Ich bin offen und geradeheraus. Sie können sich darauf verlassen, dass Sie das optimale Lösungskonzept für Ihre Zukunft erhalten. Ihre wird die eines erfüllten, selbstbestimmten Privatiers sein. Nutzen Sie die Gunst der Stunde. Es macht sich bezahlt.«
Ich versuchte ihm die Karte wegzunehmen, aber Jürgen zog sie schützend zurück. Er warf nochmals einen Blick auf die Vorderseite der Visitenkarte.
»Wow. Die ‚Heinemeier Wohlstandsberatung‘ hat sogar eine IHK-Registrierungsnummer. Ein ‚Finanzwirt‘ nennt sich dieser Herr Heinemeier. Mit Foto auf der Visitenkarte. Wie schick. Das ist jetzt wohl Münchener Stil, oder?«
Mit leicht herablassender Handbewegung gab er mir die Karte zurück.
»Interessant, welche Berufe es gibt. Reichtum ist wohl doch keine leichte Bürde. Das machen sich letztendlich die vielen Sozialgeld- und Hartz-4-Junkies gar nicht klar. Geld macht nicht glücklich. Erst recht nicht, solange es des Wohlstandsberaters als Unterstützung nicht hat.«
Ich ergriff hastig die Karte und steckte sie schnell in meinem Portemonnaie zurück. Den Herrn Heinemeier hatte ich eine Woche zuvor kennengelernt. Er hatte mir zwei interessante Konzepte für Geldanlagen vorgestellt: Alternative Energien und Biolebensmittel, beide mit interessanten Wachstumsraten. Sobald ich wieder einigermaßen Liquide sein würde, wollte ich mit dem Herrn Heinemeier Kontakt aufnehmen. Als Wohlstandsberater schien er mir ein fähiger Kopf zu sein.
Jürgen war aufgestanden und verabschiedete sich von mir. Er wollte noch zu einem Streitgespräch auf dem Kirchentag, wie er mir sagte. Wir schüttelten uns die Hände.
»Denk an die Papiere.«
»Wenn mich das Feuer dazu wieder packt.«
»Dann fang doch einfach mitten drin an. Du musst dich nicht von Anfang an durcharbeiten.«
Ich sah ihn an und wusste nicht mehr weiter.
Eigentlich waren mir die Papiere des PentAgrion egal.
Und uneigentlich? Eigentlich auch.
Egal.
Klaviermusik erfüllte die Luft, als ich das »Cafe Bleu« verließ. Nebenan übte ein Mensch Klavier. Die kalte Mai-Luft umgab mich. Ich konnte es noch immer nicht erfassen. Es war Ende Mai 2010 und das Wetter benahm sich wie Anfang März.
Jürgen ging vor mir und bog nach rechts ab. Ich schlug den Kragen meines Mantels hoch und wählte die andere Richtung.
Durch die Kommentatorin Eugene Faust (hier) wurde ich auf eine sehr interessante 6-teilige Dokumentation aufmerksam gemacht.
»Das Fest des Huhnes«
Wichtig und informativ!
Anschauen!
Teil 1: http://www.youtube.com/watch?v=ieRaqYq_8FE
Teil 2: http://www.youtube.com/watch?v=xgUlOPL_VEc
Teil 3: http://www.youtube.com/watch?v=4goi6AARnHw
Teil 4: http://www.youtube.com/watch?v=JS4VlNHy7Ow
Teil 5: http://www.youtube.com/watch?v=e7fGWlHukt0
Teil 6: http://www.youtube.com/watch?v=XKkTxD7H2CU
Mein Dank für diesen Hinweis gilt Eugene Faust (http://eugenefaust.twoday.net)
Lange schon hatte es diese Bilder nicht mehr gegeben: Polizisten im direkten Einsatz mit Schlagstock, Pfefferspray und Wasserwerfer gegen Demonstranten.
Jetzt sind die Bilder wieder da.
Im Fernsehen.
Zur Prime-Time.
Am Abendtisch.
Und auch die alt-bekannten Diskussionen tauchen wieder auf. Wer ist gewalttätig? Wer hat angefangen? Ist derjenige gewalttätig, der nicht das tut, was die Polizei anordnet? Sind die gewalttätig, die Sitzblockaden ausüben? Oder die, die durch Sprechchöre psychischen Gegendruck versuchen auszuüben?
Interessant ist auch die Frage: Warum werfen Demonstranten für die Presse automatisch mit Steinen? Das waren reflexartig die ersten Antworten der Journalisten, auf die Frage, warum die Polizei gewalttätig wurde. Dabei finden sich in all den deutschen Schlosspärke weit und breit keine Steine als hinreichendes Wurfmaterial. Und wer den Stuttgarter Schlossgarten kennt, der weiß, dass es dort erst dreimal recht keine Steine gibt. Der Stuttgarter Schlosspark war damals ein Geschenk von Königin Katharina und König Willhelm an das Stuttgarter Volk. Und Steine gibt es dort nicht. Die Polizei hat inzwischen auch verneint, dass Steine geflogen seien. Aber das wird nicht so richtig bemerkt. Warum fällt das den meisten Diskutierenden nicht auf?
Andererseits zeigte sich auch, wie sich Journalisten auch gerade mit unrecherchierten Informationen a la TWITTER eindecken, die sich danach ebenfalls als komplett falsch herausstellen. Weder eine Frau mit Herzinfarkt noch ein Mann, der seine Augen wegen den Wasserwerfern verloren hatte.
Und so in der Gesamtbetrachtung der Videos im Internet von den gewalttätigen Ausschreitungen der Polizei werde ich einfach den Eindruck nicht los, das es hier auch nicht um die Bürger geht:
Wie ich bereits zur Europawahl erwähnte, gibt es Politiker, die sich im Europaparlament für eine eisenbahnerische Direktverbindung von Straßburg bis Wien als auch für die Linie Berlin-Rom in Verbindung mit dem Bau des Brenner-Basistunnels stark machen (s.a. hier). Diese Verbindungen durch die Eisenbahn haben im Europawahlkampf kaum eine Rolle gespielt, aber Leute wie Bernd Posselt werfen hierfür ihren ganzen politischen Einfluss in die Waagschale.

(Bernd Posselt, Fotoquelle: http://www.europarl.europa.eu)
Nicht jeder Europapolitiker entspricht dem Niveau einer FDP Europa-Abgeordneten Silvana Koch-Mehrin. Über solche lässt es sich immer trefflich lästern. Die wirklichen Strippenzieher allerdings kommen seltener ans Tageslicht, sondern sind emsige Ameisen und Europaabgeordnete einer Lobby der verschiedensten Bereiche.
Für Bernd Posselt gilt, fällt das Projekt „Stuttgart 21“, dann wird auch München keine echte Chance mehr bekommen, sich als Eisenbahn-Drehkreuz Europas positionieren zu können. Genauer gesagt, fällt „Stuttgart 21“, dann werden in München die immer wieder auftauchenden Diskussionen verschwinden, dass der Sackbahnhof „München HBF“ zu einem Durchgangsbahnhof umgebaut werden könnte.
Und solange weder „Frauenkirche“ noch „Hofbräuhaus“ in München dem Beispiel Stuttgarter Bäume folgen müssen, kann man auch keine Stuttgarter Schlosspark-Verhältnisse erwarten. Und falls doch, dann wird halt das Rauchverbot in Bayerns Kneipen schnell wieder aufgehoben und die Biergartenöffnungszeiten auf 23:30 Uhr verlängert und – wetten, dass? – alle Bayern würden dann wieder zufrieden sein.
Die Konfrontation im Stuttgarter Schlossgarten ist politisch gewollt.
Vorsätzlich gewollt, denn die Exekutive hat das staatlich verbriefte Recht ihr Gewaltmonopol auszuspielen und diejenigen zu unterstützen, die sie unter ihrem Schutz stellt. Dafür kann der einzelne Polizeibeamter nichts. Wenn der in voller Psnermontur auf Ungeschützte einschlägt oder sein flüssiges Pfeffer aus der dritten Polizistenreihe in Gesichtshöhe der ersten Demonstrantenreihe verspritzt oder im Wasserwerferwagen streng nach Katalog seine Eskalationsstufen des Wasserdrucks durchgeht, er kann nichts dafür. Denn der Einsatzbefehl hierzu liegt garantiert in den Schreibtischstuben eines Bürokratenhengstes, der nachher freilich seine Hände in Unschuld waschen wird. Denn erstens findet den später bei Untersuchungen keiner mehr und zweitens ist ja bekanntlich der Demonstrant an sich an allem Schuld.
Demonstranten haben eh immer an der Gewalt-Enteilung der Polizei Schuld, wenn die Demonstranten eben nicht staatskonform demonstrieren. Also nicht im Interesse der Politik. Hierin unterscheidet sich Deutschland genauso wenig wie beispielsweise Putins Russland (wie bei „Spiegelfechter“ schon so treffend geschrieben steht: „Bahnhof des himmlischen Friedens“ ).
Bei dem, was in Stuttgart passiert, und was die herrschende politische Seite dazu verlautbart hat, erinnert mich an das, was der Amtseid aussagt.
Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.
Wessen Wohle hier gedient wird und wessen Nutzen gemehrt werden soll und von wem Schaden abgewendet werden soll, das ist eindeutig. Die Bürger in Stuttgart sind es hier nicht. Leidtragende sind sowohl die Bürger als auch die Polizisten, die in dieser Konfrontation mitleidlos verheizt werden. Im Dienste anderer Interessengruppen, die kaum eine demokratische Mehrheit bilden, aber dafür in finanztechnischer Hinsicht die Politik lenken.
Als Quintessenz bleibt in dieser gesamten Konfrontation und dem gewaltsamen Durchsetzten dieses großeuropäischen Projektes eines auf der Strecke: der Bürger und seine Stimme. Je weniger der Bürger den Eindruck hat, seine Stimme habe Gewicht, um so schwerer wird sie bei den nächsten Wahlen wirken. Und fehlen.
Die „Deutsche Bahn“ will den Bahnhof in Stuttgart unter der Erde sehen.
Die Gegner (sind zahlreicher als die paar Demonstranten) wollen die Pläne unter der Erde sehen.
Aber letztendlich wird bei so einem Vorgehen etwas anderes unter der Erde begraben werden: Der große Verlierer wird die Demokratie sein.
Leider.
Ergänzung:
Ein Kommentar, der versucht den Hintersinn der Polizeiaktion zu analysieren, findet sich hier: ntv
Nee, was ist das wieder schön.
Das Stellensicherungsprogramm für Hebammen (weiblich) und Geburtshelfer (männlich) wurde wieder eröffnet. Was dem Rheinländer zur (biologisch beiläufigen) Vermehrung der Karneval ist, dass ist dem Bayern das Oktoberfest. Der Bayer lästert zwar gen Rheinland, dass der Bayer sich nicht Verkleiden müsse, um Sex zu haben. Nur schaut man sich die Bayern in deren Trachtengefummel an, dann bin ich mir dessen nicht wirklich sicher. Wahrscheinlich müssten die Bayern ohne Oktoberfest paar Österreicherinnen importieren, um als kulturelle Eigenart Deutschlands zu überleben.
Die erste Millionen Besucher soll auf dem Oktoberfest 2010 gewesen sein, schreiben heute bereits die Medien. Eine Million? Also 500 Tausend jeweils an den ersten beiden Tagen.
Eine Million? Das war die Zahl der Besucher der „Love Parade 2010“ in Duisburg. Anfangs sollten dort auch über 1 Millionen Besucher gewesen sein. Als die Katastrophe dann aber seinen Lauf genommen hatte, gestanden Veranstalter und Stadt Duisburg kleinlaut ein, es wären nur 300 Tausend und weniger Besucher gewesen. Die „1 Million“ sei nur eine Marketing-Zahl gewesen. Und genau so funktioniert das ganze Zeitung-Gejubel auf die „eine Millionen Besucher“ vom Oktoberfest.
Marketing, reines Marketing.
Gerne schreiben die Medien dann mitten in der Woche, dass die Zelte bereits am Nachmittag wegen den vielen Besuchern geschlossen werden müssten. Besucher, die allerdings an solchen Nachmittagen auf dem Oktoberfest waren, konnten mir dann aber das nicht wirklich bezeugen.
Über 6 Millionen Besucher sind für die 17 Tage Oktoberfest zum 200. Jubiläum prognostiziert worden, rein rechnerisch circa 350 Tausend Besucher pro Tag. Es soll eine „Rekord-Wiesn“ werden, ist der überall verstreute Optimismus. Das folgt einer jährlichen Tradition. Die Mär von „1 Millionen Besucher“ binnen zwei Tage klingt dem potentielle Besuchswilligen wie eine Verlockung, etwas verpassen zu können. Perfektes Marketing eben.
Selbst die ersten Fernsehbilder vom Fassanstich („O’zapft is“) folgten dieser Vorgabe. Die Kameras verfolgen, wie der Oberbürgermeister Ude dem Ministerpräsidenten Seehofer und dessen Frau die erste gezapfte Maß überreicht. Mit der Maß in den Händen wandten sich beide, der Seehofer und der Ude, samt Ehefrauen von links nach rechts immer wieder den Fotografen zu. Tapfer lächelten sie und unermüdlich prosteten sich dabei immer wieder für die Fotogallerie zu. Dazu kommentierte der Fernseh-Moderator, dass der Seehofer und der Ude als die Allerersten die Wiesn-Maß genießen würden. Nur die Fernsehbilder dokumentierten das Gegenteil. Die kamen gar nicht erst dazu, überhaupt einen Schluck zu nehmen, geschweige denn zu genießen.
Dafür war aber schon eindeutig im Hintergrund zu erkennen, wie die ersten Besucher fleißig ihre Maß kübelten, während Seehofer und Ude weiterhin für die Fotografen um die Wette lächelten und noch immer sich zuprosteten. Und hätte die Kamera nicht von schräg oben gefilmt, es wäre auch nicht entdeckbar gewesen, wie schlecht dem CSU-Seehofer vom SPD-Ude die Maß eingeschenkt worden war. Aber das muss nun wirklich niemanden von den Besuchern abschrecken. Schlecht eingeschenkte Bierkrüge gehören zu jedem Oktoberfest wie das „O’zapft is“ vom Oberbürgermeister und die erste „1 Million Besucher am ersten Wiesn-Wochenende“.
Beides ist genau so sicher, wie die Vollbeschäftigung der Hebammen und Geburtshelfer im Mai/Juni nächsten Jahres, wenn dann die Babys ihr persönliches „O’zapft is“ feiern.
Prost.
»Ich hatte aber eine Bestätigungsmail erhalten, dass meine Reservierung angenommen worden sei.«
»Wir haben an dem Abend über 1000 Anfragen erhalten. So schnell konnten wir gar nicht auf ‚Ausverkauft« aktualisieren, so wie die Reservierungsmails einprasselten.«
»Ich habe aber eine Reservierung-Bestätigungsmail erhalten. Und meinen Geschäftspartnern habe ich auch schon für den Abend zugesagt. Und heute Morgen erhielt ich dann die Absage. Was soll ich denen jetzt sagen?«
Ich stand in der gemeinsamen Vorverkaufsstelle der »Münchener Lach- und Schießgesellschaft« und des »Lustspielhauses« und wollte nur zwei Abendkarten für eine Aufführung am Wochenende einkaufen. Übers Internet wäre die Vorreservierung auch möglich gewesen. Aber manchmal bin ich altmodisch und will die Karten schon vorher in meinen Händen halten. Der Mann schaute die Frau ärgerlich an und die Frau hinter ihrem Tisch schaute den Mann hilflos an. Er hatte seinen Geschäftspartnern offenbar einen Abend in der »Münchener Lach- und Schießgesellschaft« mit Dieter Hildebrandts Soloprogramm versprochen und war dabei, diesen gegenüber das Gesicht zu verlieren.
44 Euro wechselten den Besitzer und ich erhielt meine beiden begehrten Eintrittkarten. Offenbar scheint jener Künstler nicht so viele Menschen zu interessieren, obwohl er bislang regelmäßiger und stürmisch gefeierter Gast der ZDF-Kabarettsendung »Neues aus der Anstalt« war.
Apropos »Neues aus der Anstalt«:
Am 1. September um Mitternacht begann der Vorverkauf für die 37. Folge von »Neues aus der Anstalt« am 19. Oktober im Münchener ARRI Kino. Nachdem Georg Schramm aus der Sendung ausgeschieden ist, um sich seinem Soloprogramm »Meister Yodas Ende« zu widmen, tritt Urban Priol mit Frank-Markus Barwasser (alias »Erwin Pelzig«) auf. Wie war Georg Schramms Reaktion auf die Auswahl von Barwasser als dessen Nachfolger?
»Ich begrüße es ausdrücklich, dass Herr Pelzig zukünftig in der ZDF-Anstalt versuchen wird, die zweifelhafte Autorität von Herrn Priol als Stationsleiter in Frage zu stellen. Ich habe ihn als einen Mann mit beträchtlichem Quälpotential ohne jegliche Bereitschaft zur Unterordnung kennen und schätzen gelernt. Ein Glücksgriff für die Anstalt. Herr Priol wird sich noch wundern.«
(Quelle: ZDF und Lustspielhaus.de)
Ich fragte nach, wie hoch die Chancen auf eine Internetbuchung für dessen Vorpremiere und für die Liveübertragung selber gewesen seien.
»Alle Karten waren bereits nach eineinhalb Minuten ausverkauft. Da kamen Bestellungen aus Frankfurt, Mainz, Hamburg, Berlin. Da will jeder dabei sein,« beantwortete sie meine Frage und kam meiner nächsten Frage gleich zuvor. »Aber vor der Live-Aufführung gehen manchmal immer wieder zwei, drei Karten an die Kasse zurück. Das ZDF hat ein festes Kontingent von 50 Karten für Sondergäste. Und immer wieder kommen nicht alle von diesen Gästen. Diese Karten gibt es dann an der Abendkasse zu 20 Euro das Stück.«
»Und wenn keine zurückgegeben werden?«
»Dann verpassen Sie die Übertragung im Fernsehen.«
Ein Grinsen konnte ich mir nicht verkneifen. Ich verstaute meine Karten in meinem Portemonnaie und verabschiedete mich.
Mein nächster Termin war für mich jetzt erst einmal fix, da bezahlt:
Samstag, 4.9.2010, 20:30 Uhr (also heute Abend).
Jochen Malmsheimer mit seinem Programm »Flieg Fisch, lies und gesunde«
Das wird ein Spass.
Und an dieser Stelle zum Vormerken:
19. Oktober 2010
22:15 Uhr im ZDF
»Neues aus der Anstalt«
mit Urban Priol und Frank-Markus Barwasser (alias »Erwin Pelzig«)
Gäste: Helmut Schleich, Andreas Rebers und Jürgen Becker.

Schaut es euch an.
Das Bild der Harmonie.
Es soll mir Glück bringen, heißt es in meiner E-Mail. Und das, ganz im Gegensatz zu anderen. Wie bleistiftsweise den folgenden: Ein argentinischer Staatspräsident hatte die Email ungelesen gelöscht und acht Tage später starb sein Sohn. Ein anderer leitete die Mail an an 20 anderen Menschen binnen 13 Tagen weiter und gewann im Lotto, obwohl er in der inneren Mongolei gen Peking in einem 120 Kilometer Stau an seine Nägel kaute …
(Der Autor empfiehlt an dieser Stelle dem geneigten Leser, die innere Mongolei großzügig zu umfahren, um dem Stau auszuweichen. Und bei dieser Gelegenheit auch liebe Grüße an die Stauteilnehmer am Kamener Kreuz – Hallo, Stauer, ihr seid nicht vergessen – und nicht vergessen: Jeder immer nur ein Kreuz am Kamener Kreuz …)
… . Eine Sekretärin erhielt von Alberto Martinez den Auftrag, das Foto weiterzuleiten. Sie tat es nicht und wurde wegen Arbeitsverweigerung entlassen. Ihre Familie wollte danach auch nichts mehr mit ihr zu tun haben, da sie denen nur noch auf deren Tasche lag. Alberto Martinez jedoch merkte nichts von ihrem Unglück.
Nun, um zu verhindern, dass ich argentinischer Staatspräsident, Stauteilnehmer bei Peking oder gar Sekretärin werden muss, habe ich mir das Bild jener Email zwangsweise angeschaut. Und das auch meiner alten Bekannten zuliebe, die sich von diesem Mail-Hoax Glück erhofft.
Was zeigt es mir?
Es zeigt eindeutig die karnevalistische Version vom Rattenfänger zu Hameln zur Karnevalszeit.
Deutlich im Vordergrund zu erkennen, kreisförmig um die Hauptdarsteller des Bildes angeordnet, sehen wir die Ratten, die sich als Blumen verkleidet haben. Ja, und diese Ratten sind schon begeistert auf die beiden Hauptdarsteller hinaufgeklettert ob des tonlosen Flötenspiels. In Harmonie in Kreisform. Wie hübsch anzuschauen. Und ihre langen grauen Schwänze haben die auch diszipliniert eingerollt, damit niemand die sieht (wie hinterhältig!).
Doch den Blick lassen wir nun von den Ratten abschweifen. Abschweifen in den Hintergrund hinein. Ab, hinein die Ferne.
Was fällt auf?
Richtig. Da oben in der Mitte im Hintergrund oberhalb der Flöte ist eine Lampe kaputt! Beim genauen Hinschauen sind es sogar derer zwei!!! Eine Schweinerei sondergleichen. Ich wette, auch der Hausmeister wird Job und in Folge Familie verlieren ob seiner eigenwilliger Energiesparmaßnahme.
Ansonsten erfreut sich das Auge an lieblichem Grün, Bäumen und Seen, die wie gemalt in der Landschaft stehen. Es befällt einem die Sehnsucht, in das Bild zu treten und mit roher Hand die geschwungenen Vorhänge brutalst möglich am jungfräulich weißen Pavillon aufzureißen, um ganz im besten Sinne vom alten Goethe „Mehr Licht!“ zu brüllen (spart die Lampen oben an der Decke), um dann vor dem von Arbeitslosigkeit bedrohten Hausmeister zu fliehen.
Doch schauen wir uns die beiden Hauptdarsteller an.
Beide tragen die für die Karnevalssession üblichen Offiziershelme der „Goldenen Funken an der Inde“. Jedoch sind ihre Jacken ein wenig aus der Art geschlagen, um nicht zu sagen, äußerst liederlich und unoffiziersmännisch gebunden. Dafür ist die Armhaltung des Linken bei der Querflöte einfach nur vorbildlich zu nennen. Die Hände greifen anmutig das Instrument, Lippen über dem Instrument auf Distanz, leicht gespitzt, der konkrete Blick in die unkonkrete Unendlichkeit gerichtet und der rechte Fuß locker um den linken Standfuß gewickelt.
Um wie viel weniger anmutig ist dagegen der Rechte der beiden Hauptdarsteller. Leicht debil lächelnd, Lippen komplett überschminkt, Pickel auf der Stirn (ja, hat der denn kein Clearasil?!?), Hände untätig runter hängend, mit beiden Füßen auf dem Boden und auch sonst nur untätig, dient diese Person als ideales Klettergerüst für die als Blumen verkleideten Ratten.
Nun, was will uns dieses Bild sagen?
Flötenspieler werden inzwischen so schlecht bezahlt, dass sie sich schon als lebende Denkmäler verdingen müssen, um nachher als Foto in einer Email auf Tournee gehen zu können. Das ist ein wenig bisschen zu wenig um den Grundstein für eine großartige Musiker-Karriere zu legen. Hätten beide etwas ordentliches gelernt, wie Banker, Versicherer oder Politiker, müssten diese nicht in der Vorkarnevalszeit mit als Blumen verkleidete Ratten posieren. Sie würden sich das Geld zur Verkleidung der Ratten locker einsparen können, könnten Bücher oder Biografien oder minderwertige Wertpapiere in den Umlauf bringen und definieren, wer Ratte ist und wer nicht. Aber so?
Ich wünsche den beiden noch viel Erfolg, dem Hausmeister, dass er schnellstens die Glühbirne austauscht und dafür seine Anstellung behält und mir, ja, mir Egoist, mir wünsche ich allein das Beste. Denn ich werde jetzt das Glück herausfordern und die Mail-Hoax löschen. Amen.
Tschö, wa.