Über Careca

Hang zur Satire, zur Ironie und zum Zynismus; Sinn für jeden Unsinn

Erfreuliche Information für Löffelsammler

Die Zeit der Hochleistung-Schnellschneid-Plastik-Bestecke auf europäischen Binnenflügen der Lufthansa ist vorbei.
Ab sofort gibt es wieder Messer, Löffel und Gabel aus gutem deutschen haltbaren Stahl.
Zwar nur in der Buisiness-Klasse. Aber immer hin!

Also, ihr Löffelsammler, weiter geht’s mit eurer Sammelleidenschaft.

Nebenbei:
An den Eingangskontrollen zum Flughafen kann man inzwischen schon wieder kleine Tuben mit Pickelcreme unbehelligt mit reinnehmen. Ungewollt war in meiner Aktentasche auch eine schwere Stahl-Schraube, die mir vor einem halben Jahr noch als Gefährdung für die Flugfahrt weggenommen worden wäre.

Begriffsdefinition

Wenn man morgens denkt zu wissen, wo man abends sein würde, abends dann aber in einem Flughafen sitzt, um fortzufliegen, dann nennt man das wie? Naja, ich nenn es Alarmstart. Brüssel, ich komme . . .

Veröffentlicht unter Privat

Kühle Rechner

Unterhaltung in einem Bus zweier ca. 7-jähriger:

„Katholisch ist viel cooler als evangelisch.“

„Aber evangelisch ist doch auch cool.“

„Überhaupt nicht. Die haben doch nur Konfirmation. Die Katholiken haben aber Kommunion und Firmung. Da gibt es dann doppelt soviel Geschenke und Geld von all den Gästen.“

„Echt? Cool!“

„Ja. Die geben einem immer viele Geschenke und viel Geld. Und bei den Katholischen zweimal. Stell dir vor. Von dem Geld könnt ich mir dann erst ne X-Box kaufen und zur Firmung dann ne PS3. Ich frag meine Mutter nachher, ob ich katholisch werden kann. „

Ein dreifaches „Hoch“ auf unsere zweckorientierte Gesellschaft von Kindesbeinen an …

Lufttaxi Fortaleza

Beim Rumstöbern im Internet nach Fluglinien, welche brasilianische Flughäfen anfliegen, fand ich eine interessante Taxi-Linie:
Die Táxi Aéreo Fortaleza, oder kurz TAF abgekürzt.
Richtig heißt sie TAF Linhas Aéreas S/A und besitzt auch eine Homepage.
Sie fliegt aber nur Regional innerhalb Brasiliens, am liebsten die nordöstlichen Rennstrecken Brasiliens:
Fortaleza, São Luis, Belém, Manus, Salvador, Recife etc..
Insgesamt 16 Flughäfen will sie dieses Jahr im Portfolio nachweisen können (2006: 9 Flughäfen). Und transportiern will die TAF im Jahr 2007 an die 434000 Passagiere (2006: 142.000 Passagiere).
Die TAF verfügt offenbar auch über diverse Fliegzeugtypen. Vorzugsweise Kleinstfliegzeuge wie Learjet C 24 D (6 Passagiere) oder Caravan C 208 (9 Passagiere). Für den kleinen Zwischenhandeltransport (no drugs, please!) gibt es auch ein „Eichhörnchen“ der Firma Eurocopter: den Esquilo.
Und wenn man sich so die Generation der Flugzeuge anschaut, so sind es sicherlich nicht die neusten Fliegzeuge, die die TAF besitzt. Dafür war sie aber im Jahr 2006 pünktlicher und flugausfallsicherer als die VARIG (knapp an einer Pleite vorbei geflogen), die TAM oder GOL.

Wieso schreib ich das?

Die TAF besitzt nämlich auch noch drei Fliegzeuge der Marke Boeing 737 für ca. 115 Passagiere.
Aber auch das ist nicht wirklich interessant.

Interessant finde ich dabei eher, dass ich entdeckte, dass die TAF über einen Frachtflieger der Marke Boeing 737-230 C mit der Seriennummer 20254-230 verfügt.
Genau dieses Flugzeug hatte vor 30 Jahren als Passagierflugzeug eine historische Rolle gespielt hat. Bei der Boeing 737-230 C mit der Seriennummer 20254-230 handelt sich um die „Landshut„, welche 1977 im Zuge der Schleyer-Entführung in Mogadischu von der GSG9 befreit wurde.
Auf diesen Fakt stieß ich über Wikipedia, als ich mich über die TAF informieren wollte.
Allerdings wird es wohl den Wikipediaeintrag nicht mehr allzu lange geben. Er wurde bereits zur Löschung vorgeschlagen.
Argument: „kaum relevant“.
So wird auch diese interessante Historie wohl bald in den Bits und Bytes des Internetnirvanas verschwinden.
Also anschauen, solange es den Beitrag noch gibt:
Die TAF bei Wikipedia

Evolutionärer Fortschritt (Fake der Woche?)

Es war eigentlich nur eine vage Hoffnung, als am Freitag den 12-Oktober die Meldung um die Welt ging, dass Astronomen mit 350 Empfangsschüsseln von jeweils sechs Metern Durchmesser in der Nähe von Hat Creek (Kalifornien) den großen Lauschangriff verwirklichen würden. Federführend sind hierbei das Institut für die Suche nach intelligentem Leben (Seti) und die Universität von Kalifornien. Die ersten 42 Antennen nahmen letzte Woche am Donnerstag ihren Betrieb auf.

Eigentlich wollte man ersten Ergebnissen in 18 Jahren vorzeigen können. Aber jetzt kam den Forschern eine seltsame Nachricht in die Schüsseln rein.
Nein.
Es war nicht jenes „Wow-Signal„:
6EQUJ5.

Die Forscher in Kalifornien erhielten wesentlich klarere Signale.
Am Samstag konnte man noch nichts damit anfangen. Da jedoch gerade der Gouverneur von Kalifornien im Seti-Institut verweilte, hatte man ihm das ganze ungefiltert vorgespielt.
Der Governeur soll überrascht mit den Worten „Woisn döss?“ reagiert haben. Erst mit Hilfe dieser Spontanreaktion von Herrn Schwarzenegger kamen die Forscher dem Signal auf die Spur.

Wie aus unbestätigten Quellen zu erfahren war, soll der aufgefangene Satz in deutscher Sprache gewesen sein und habe „Und hab entschieden, dass ich mit meinen drei Gästen hier weiterrede und Dich – Eva – verabschiede“ gelautet.
Noch ist unklar, was dieser Satz bedeuten soll.
Da aber international der Blog Action Day am heutigen Tag zelebriert wird und man am Seti-Institut auch einen Beitrag dazu leisten wollte, entschloss man sich diesen Satz heute noch zu veröffentlichen.

Der Ursprung des Satzes soll übrigens ein geostationärer Satellit sein. Momentan wird dieser Satellit noch vom SETI-Institut auf Spuren außerirdischer Intelligenz untersucht.
Der Hinweis eines deutschen Studenten, bei den Satelliten handele es sich um den ASTRA-Satelliten, dieses wurde empört als billige OPEL-Reklame abgewiesen.

Weiter Nachrichten folgen.

Guten Abend.

Beruflicher Fortschritt

Hey, weisste das neuste? Mein Chef hat mir endlich heute ein Notebook und ein Handy überreicht.

Schön. Das heisst, du darfst nach Feierabend jetzt auch zu Hause arbeiten. Und mit dem Handy checkt er nach, ob du es auch tust …

Software-Update unter Windows XP

Habe gerade per automatisches Update das „Windows-Tool zum Entfernen bösartiger Software“ aufgespielt.
Danach hatte es einiger Zeit heftigst auf meiner Festplatte gerödelt.
Danach war Grabesstille.
Jetzt meldet mir mein Computer plötzlich, WINDOWS XP sei erfolgreich entfernt worden.
Traue mich jetzt nicht mehr zu booten …

:> :> :>

Hab jetzt gebootet. Sieht nun alles aus wie UBUNTU …

:> :> :>

Fliegzeuge: Nur Fliegen sind schöner

Der ewige Traum vom Fliegen.
Schwerelos zwischen Himmel und Erde dahin zu gleiten und Flugenten dabei streicheln.
Wie Nils Holgerson.
Oder so.

Fliegen ist die Kunst, einen Menschen so schnell zu beschleunigen, dass der strömungstechnische Auftrieb den Menschen vom Boden abhebt. Als Hilfsmittel werden dazu in etwa ein metallener zigarrenförmiger Zylinder und drei Dreiecke benutzt. So wie man einen Formel-1-Boliden bei passender Geschwindigkeit ohne Probleme an einer Decke fahren lassen kann, ohne das er runter fällt, so in etwa funktioniert das mit dem Auftrieb bei einem Fliegzeug.

Und heute ist es einfacher denn je.
Einfach nur reinsetzen und ab geht die Post. Der Traum vom Fliegen ist für viele gegen den passenden Obulus realisierbar.

Fällt der Mensch dabei allerdings zurück auf harten Tatsachen, dann ist tagelange Unterhaltung in den Zeitungen garantiert.
Oder auch nicht.

Als die mit 200 Personen besetzte Maschine der Fluglinie TAM auf dem brasilianischen Flughafen „Congonhas“ in São Paulo landete und danach über die Landebahn hinaus in Tanklager raste, überlebte kein Mensch aus dem Flugzeug den Flug JJ3054. Die Halbwertzeit dieser Nachricht in den Medien allerdings war in etwa 12 Stunden. Die Nachrichtenlänge an sich war schon erheblich geringer. Am nächsten Tag war alles schon wieder uninteressant. Interessanterweise schaffte es der brennende Flugzeugrumpf noch nicht mal auf der Seite 1 der BILD-Zeitung. Als Unglücksursache schien Aqua-Planing für die Medien Deutschlands festzustehen. Die wirkliche Ursache war eine Kombination aus Piloten- und Maschinenfehler.

Als in Thailand jene Maschine des Flugs OG269 in Phuket aufschlug und 89 Menschen starben, waren die Nachrichtensendungen voll von Analysen und Reportagen des Unglücks. Die Halbwertzeit der Nachricht betrug immerhin 24 Stunden. Denn es gab Überlebende, die medienwirksam schildern konnten, wie jene 89 Menschen starben.

Medienwirksam war auch die explodierende Maschine in Okinawa. Flug Ci120. Alle Passagiere konnten noch aus der brennenden Maschine fliehen. Als letzter sprang der Pilot kurz vor der Explosion aus der Kanzel. Halbwertzeit war immerhin noch länger als Flug JJ3054.

Flug JJ3054 versus Flug OG269 versus Flug Ci120.
Der Traum vom Fliegen findet hier seine bitteren spektakulären Enden.

Spektakulärer sehen dabei die Aufnahmen vom Strandflughafen St. Maarten aus. Bei solchen Aufnahmen wächst seltsamerweise wieder der Traum vom Fliegen. Wobei die Filme erheblich mehr Spaßfaktor bieten als Filme über jene drei Unglücke, die man bei YouTube finden kann.

Irgendwo in Ungarn bei Györ sah ich vor einiger Zeit eine Iljuschin IL-18. Eingemauert in einem Haus:

'MALEV-3' von Careca

Arbeitskollegen meinten zu mir, das Flugzeug sei nur ein Bordell. Wie sie zu dieser Ansicht kamen, verstand ich nicht. Ich bestand drauf, mir das Flugzeug anzuschauen wollen.

'MALEV-1' von Careca

Irgendwie sah mir das ganze recht unpuffig aus. Irgendwie schräg und abgehoben. Aber verdammt originell ist es ein Haus um ein Flugzeug herum zu bauen.
Später entdeckte ich im Internet, dass das ganze Gebäude plus dem Flugzeug eine Disko beheimatet.

'MALEV-2' von Careca

Dahinter steht allerdings ein Hotel, welches mir alles nur keinen komfortablen Eindruck macht. Es hat eher was von „Schnell rein, schnell raus“ als von echtem Hotel-Charakter. Vielleicht hatten meine Kollegen was erfahren, was mir das Tageslicht verbarg.

Ob es sich bei dem Flugzeug aber wirklich um mehr als nur ein Ausstellungsstück handelt oder disko-typischen Chill-out-Zwecken diene, das konnte ich nicht rausfinden.
Auch fand ich nichts darüber, ob es eventuell kommerziellen Bordell-Zwecken dienlich sei. Jedoch sollte es Männern den Traum vom Fliegen näherbringen, wäre das Ende so eines Traumes nach einer halben Stunde bei weitem nicht so tragisch, wie das Ende mancher Flüge. Und versicherungstechnisch billiger. Auch wenn eventuelle Ehefrauen dann das Geld für die Lebensversicherung danach nicht sehen …

Im Endeffekt ist das Flugzeug in dem Haus ein Hingucker.

Und etwas zum Träumen:

Über den Traum zu Fliegen.

Aftermath: One Post for Burma

In diversen Blogs wurde es schon angesprochen:
Ist der alleinige Eintrag am 4. Oktober mit dem Banner für „Free Burma“ wirkungsvoll?
Wird die Blogosphäre damit Zeichen setzen können?
Oder sind das alles nur Lippenbekenntnisse?
Ich hatte am 4. ebenfalls das Banner gesetzt.
Und prompt erhielt ich als Kommentar:

Oder bei der nächsten Mahnwache, Sonntag 14.10. 18 Uhr vor der Ludwigskirche in MUC.

Na?
Wie weit geht meine Solidarität jetzt für Burma?
Worte sind schön, aber Hühner legen Eier. Auch fern ab der Blogosphäre der Bits und Bytes, der Eins und Nullen …
Also: Alles Blog-Post, oder was?

Eine einfache, aber wirkungsvolle Nagelprobe dank Lasagnemutti

Aufgeschnappt

Irgendwie ist es doch immer das gleiche mit euch Blogger. Je länger die Blog-Einträge und je häufiger dazu, desto größer die Einsamkeit des Schreibers. Nicht wahr?

Hm …

Fahrradtreff

Wenn ihr mal wieder euer Fahrrad in München vermißt, vielleicht ist es hier dabei. Die Stadt sammelt halt auch ganz gerne.
DSC00063

Veröffentlicht unter Privat | Verschlagwortet mit

Wenn’s beim Email-Empfang zweimal scheppert, …

… dann ist es was gaaaaaanz wichtiges. Oder es ist Spam. Oder es ist …
Gestern schepperte mein Email-Programm mal wieder vor sich hin. Interessiert schaute ich in mein Postfach.
Ganz große Augen bekommen habe ich da bekommen. Offenbar hat mich jemand bei „BearShare“ angemeldet. Bei einem Filesharing-Programm.
Schön. Da hatte mir also jemand für meine Email-Adi einen account geschaffen. Mit Passwort und so.
Wäre ich jetzt ein abmahnwütiger Anwalt, ich würde „BearShare“ erst einmal ne einstweilige Verfügung mit Rechnung über 660 Euro schicken … aber ich bin weder Rechtsanwalt noch möchte ich Urteile verbraten bekommen wie der Münchener Rechtsanwalt Herr Gravenreuth, dem jetzt drei Monate Gefängnis drohen.
Ich habe mir also das Programm runtergeladen und gleich meine account-Daten geändert.
Also, lieber Email-Mißbraucher. Grüße von mir.
„BearShare“ interessiert mich nicht die Bohne. Aber meine account-Daten schon.
By the way, lieber Email-Mißbraucher: Mein Geburtsdatum ist auch nicht der 21-Juli-1965. Aber das ist ja auch nicht wirklich wichtig.

Veröffentlicht unter Privat

One Post for Burma: Free Burma!

[Banner gelöscht]
Ist zwar ein Zeichen, aber doch verdammt billig. Da sind persönliches Eintreten besser.

Als das gestohlene, rosarote Kaninchen Genugtuung empfand …

Liebe Mitbürger und Mitbürgerinnen,

wir feiern heute den zweiten Gedenktag für den bedeutenden Tag, an dem es endlich auf unkonventionellem Weg gelang die gesamte rechtsradikale Szene zu verbieten.

Wir würdigen hierbei heute die Verdienste vom Briefträger Heinrich Otto Sturm. Ohne ihn würden wir diesen Tag nicht begehen können. Der Kollege Heinrich Otto hatte nach dem Gaffel-Leut-Urteil in einem Kommentar-Strang bei dem Heise-Verlag die Idee, etwas ähnliches erreichen.
Heinrich Otto Sturm suchte sich übers Internet vierzig Anwälte heraus, die als sehr bis äußerst „abmahnfreudig“ bekannt waren und trug deren Email-Adressen bei den Newsletter der rechtsradikalen Szene ein. Das nachfolgende bescherten uns das, woran Politiker schon seit Jahrzehnten knabberten: Das Verbot für jene rechtsradikalen Vereine, welche immer wieder Mitbürger mit ihrer Einstellung terrorisierten.

Denn jeder dieser Anwälte setzte sofort eine Abmahnung mit Unterlassungserklärung an jene rechten Gesellen auf und stellte diese denen per Einschreiben denen zu. Nun wäre die Zahlung finanziell für jene nur ein Griff in der Portokasse gleich gekommen. Aber die Köpfe der Vereine ignorierten die Schreiben.
Nach dem ersten Erinnerungsschreiben schüttelten diese noch ungläubig den Kopf und schrieben u.a. handschriftliche Drohbriefe zurück. Diese wurden mit erneuter einstweiligen Unterlassungsverfügungen mit hohem Streitwert beantwortet.
Als nach einiger Zeit die abmahnenden Anwälte durchgriffen und die Besitztümer wegen unbeglichenen Rechnungen (Anwaltkosten, Briefmarken und Postanfahrtswege, Verwaltungsgebühren, Rechtsstreitwertfindungskosten, Mahnkostenfindungs, Mahnmehrwertkosten, usw.) pfänden ließen, brachten die Rechten auch deren Anwaltsriege in Stellung. Aber das darauf folgende aufzuhalten, dafür war es da bereits zu spät. Die abmahnwütigen Anwälte pfändeten nicht nur deren Immobilien, sondern auch Internet-Seiten, welche sie an internationale Internet-Heuschrecken verkauften.
Dieses stringente und oft befürchtete Handeln der klagenden Anwälte missfiel nun endgültig den Oberen der rechten Szene und sie aktivierten ihre Schlägertrupps. Da die elektronische Kommunikation aufgrund der Beschlagnahme derer Internetplattformen zusammen gebrochen war, verschickten die Oberen den Marschbefehl zu den abmahnenden Anwaltskanzleien an deren eigene Schlägertrupps mit der normalen Post.
Einen dieser Briefe hätte der Briefträger Heinrich Otto Sturm ausliefern sollen. Er jedoch saß lieber in einer Kneipe und vergaß dort eben jenen Brief.
Der Wirt fand ihn, öffnete ihn und brachte ihn zur Polizei. Im Zuge der Ermittlungen konnte es nicht verhindert werden, dass die betroffenen abmahnenden Anwälte zum Teil lebensgefährlich durch rechte Schlägertrupps verletzt wurden. Denn die Polizei ging zuerst nicht von einer rechtsradikal motivierten Tatplanung der Hintermänner der rechten Szene aus. Erst auf Druck der überregionalen Presse wurden dieser im Nachgang einer Überprüfung festgestellt und sowohl die Schlägertrupps, deren Hintermänner und deren Organisationen wurden dann gemäß des Terrorismusparagrafen §129b festgenommen und eingesperrt. Und erst als dieses Fakten von der Exekutive der Bundesrepublik Deutschland geschaffen worden waren, kam die Legislative der Zustimmung des Verbotsantrag im Bundestag nach.
Somit war nicht nur der ganze rechte Sumpf trocken gelegt, sondern auch das Problem mit dem Abmahnverhalten mancher Anwälte war damit gelöst. Denn auch diese gingen nach deren Genesung ebenfalls den Gaffel-Leuth-Weg durch die Mühlen der Justiz.

Heinrich Otto Sturm wurde im übrigen wegen grober Dienstvergehen und Unzuverlässigkeit als Briefträger ohne Pensionsansprüche entlassen und in Folge auch wegen vorsätzlicher, geplanter Veranlassung von Spam rechtskräftig zu zwei Jahre ohne Bewährung in einem besonders schweren Fall – der bekanntlich zur Körperverletzung Unbeteiligter führte – verurteilt.

Heinrich Otto Sturm starb letztes Jahr unter ungeklärten Umständen in seiner Zelle an einer Überdosis von Barbituraten.

Wir wollen seiner gedenken …

Abgefahren, um anzukommen

Die Nacht durchgefahren.
Das Fahrzeug mit 230 km/h an sein Limit gebracht.
Wie magisch weichen die Vorausfahrenden von der linken Spur.
Rechts an mir fliegen die Fahrzeuge vorbei wie nichts und verschwinden hinter mir schnell im Dunkeln.
Ein Leben auf der Überholspur.
Seit mehr als einer Stunde.
Und niemand hat was dagegen.
Der dunkle Asphalt glitzert leicht vom vorherigen Nieselregen. Gischt sprüht. Der Scheibenwischer schaltet sich ein.
Scheinwerfer von einem AUDI im Rückspiegel. Verlangsamend mache ich Platz. Wie ein Strich fliegt das Fahrzeug an mir vorüber. Ein nagelneuer R8. Mit einem Mal fühle ich mich wie eine Schnecke. Eine Autozeitschrift hat den AUDI R8 nicht zu unrecht als „Porschejäger“ bezeichnet. Der Motor ist der Dampfhammer.
Die ersten Schilder des Münchener Verkehrsleitsystems tauchen am Horizont unter dem dunklen wolkenverhangenen Himmel auf.
Es ist 5:57 Uhr.
In der Ferne bricht offenbar schon die Sonne hervor. Hinter Sträuchern zeichnet sich eine Lücke in den nächtlichen dunklen Himmel ab. Eine seltsame aber schöne Struktur.
Meine Augen sind leicht übermüdet. Dank Kaffee-Bonbons bin ich aber noch komplett wach.
Der Sonnenaufgang kommt seltsamerweise näher. Warum bleibt er nicht am Horizont? Warum um 5:57 Uhr?
Und dann wechselt das Leuchten plötzlich ins Tiefblaue.
Der Aha-Effekt. Vor mir liegt das neue Münchener Stadion. Der „Sonnenaufgang“ war nichts anderes als die farbig angestrahlte Schlauchhülle des Stadions. Und gerade wechselte die Beleuchtung von den Farben Bayern Münchens auf die Farben von 1860.
Es wird Zeit anzukommen.
Das Schlauchboot-Stadion fliegt rechts an mir vorbei.
Bald geschafft.
800 km in knapp 6 Stunden.
Das ist ein Kontrast zum Sonntag.
Eine knappe Viertelstunde später hält mich im Münchener Schwabing ein Streifenwagen an. Ich sei auffällig konstant schnell gefahren, so der Polizist extrem kühl. Ob ich denn zu schnell gewesen wäre, frage ich freundlich lächelnd und deute grinsend auf den Tempomat. Aber er antwortet nicht und lässt mich dafür ins Röhrchen blasen. Meinen Beteuerungen wird kein Glauben geschenkt, dass ich dieses Jahr noch nicht auf dem Oktoberfest war und erst recht gestern nicht.
Ich muss blasen. Das Röhrchen bleibt unverfärbt und der frostige kurzangebundene Polizist entlässt mich mit der Aufforderung, zu Bett zu gehen.
Ich nicke und fahre weiter.
Jawohl, Herr Wachtmeister. Wird gemacht, Herr Wachtmeister. Immer doch, Herr Wachtmeister.
Und jetzt vor dem Computer. Mit High Speed ins Internet. Wo ist die Überholspur? Wo kann ich leben?
Denn ich kann noch nicht schlafen.
Zu viele Kaffee-Bonbons …

Schlauchboot

Zu_Gast_bei_Erwin_Lindemann

Im ausserdeutschen Land mobil zu bloggen, ist schwierig, wenn man nicht die passende Telefonkarte hat. Nachdem der Kilometeranzeiger exakt 1300 km anzeigte überquerte ich die Grenze bei Aachen. Und jetzt sitze ich hier in Wuppertal vor einer Caipirinha und werde mir morgen die BUTIECKE vom Papst und der Tochter von Erwin Lottemann anschauen. Ihr wisst schon. Der wo den Lottogewinn gemacht hat und der wo die Tochter mit dem Papst …

Veröffentlicht unter Privat

Zwischenstation_Aachener_Elisenbrunnen

9 Stunden für knappe 800 Kilometer. Ich habe offenbar jeden Stau mitgenommen, der sich finden ließ. Noch 300 Kilometer. Daher erstmal Pause. Mit Salsa-Musik am Aachener Elisenbrunnen. Aachen steppt ab.
DSC00062

Veröffentlicht unter Privat

Kandidat für das Unwort des Jahres einfach zum Fremdschämen

Ich nehme mir ein Makaken-Neugeborenes in beide Hände, halte es vor meinem Gesicht und strecke ihm die Zunge raus. Das Makaken-Baby streckt mir die Zunge raus.
Und jetzt schäme ich mich fremd für das Makaken-Baby.
Wie kann es nur solch eine ungezogene Unartigkeit für Mitteleuropa nachmachen?
Und weil ich mich jetzt für das Makaken-Baby fremd schäme, schämt es sich für mich fremd. Es spiegelt einfach mein Verhalten.

Was will uns diese sinnlose Übung sagen?
Sowohl Makaken-Baby als auch der Mensch scheinen über Spiegelneuronen zu verfügen.
Spiegelneurone?

Spiegelneurone (auch: Spiegelneuronen) sind Nervenzellen, die im Gehirn während der Betrachtung eines Vorgangs die gleichen Potenziale auslösen, wie sie entstünden, wenn dieser Vorgang nicht bloß (passiv) betrachtet, sondern (aktiv) gestaltet würde.

Quelle: Wikipedia
Diese Spiegelneuronen könnten eine Erklärung dafür sein, dass der Mensch die Fähigkeit besitzt, mit zu leiden. Genau das zu empfinden, was und wie der andere empfindet. Freude, Leid, Neid, Triumpf, Ekel. All diese Emotionen, die einem den Tag so bedeutsam machen können.
Aber der Mensch kann sogar noch mehr. Er kann sich sozusagen anstatt eines anderen schämen.

„Ich würd‘ mich an deiner Stelle schämen!“ ist so ein bekannter Satz. Nur kommt dieser Satz mit soviel erhobenen moralischem Zeigefinger daher, dass man sich dafür schon wieder schämen muss. Und das in Zeiten, wo es doch darauf ankommt, moralisch einwandfrei zu sein.

Daher hatten sich schlaue Köpfe in Deutschland zusammengesetzt, um einen Ersatz für den langen unhandlichen Satz „Ich würd‘ mich an deiner Stelle schämen“ zu finden. Diese Wortfindungskomission mit dem Gesamt -IQ von knapp 100 grübelte hinter verschlossenen Türen. Erst stieg dumpfer grauer Rauch auf und jeder meinte nur: „Das wird noch!“
Fünf Tage grübelten, überlegten und dachten sie.
Und am sechsten Tag stieg kurz vor Mitternacht urplötzlich weißer Rauch auf. Die Leute draußen jubelten und waren gespannt wie Flitzebögen. Aber am siebten Tag ruhte die Wortfindungskomission bekanntermaßen angesichts ihrer veritablen Schöpfungsphase. Somit gingen viele enttäuscht nach Hause und verpassten den Montag, als die Komission verkündete:
„Die Tätigkeit, sich ersatzweise öffentlich für andere zu schämen und die normalerweise mit dem Satz ‚Ich würde mich an deiner Stelle schämen‘ beschrieben wurde, heiße ab heute:

Fremdschämen.“

Nun ja.
So oder so ähnlich wurde dieses neue Unwort erfunden. Und ich muss sagen, es ist ein wirklich guter Kandidat für die Komission, die immer das Unwort des Jahres sucht.
Wenn nämlich ein Wort das ausdrückt, was man einerseits für andere moralischerweise machen würde, andererseits aber das ausdrückt, für was man sich generell schämen sollte, dann ist es das Unwort „Fremdschämen“.
Und das alles wegen ein paar lächerliche Spiegelneuronen bei uns im Hirn.
Nun ja.
Dann lasst es uns mal das Verb konjugieren:

  • Ich schäme mich fremd.
  • Du schämst mich fremd.
  • Er, sie, es schämt mich fremd.

Ups.
Kleiner Fehler.
Ich muss mich an dieser Stelle für mich fremd schämen. Denn das Verb ist eindeutig reflexiv und somit sollte es richtigerweise heißen:

  • Ich schäme mich fremd.
  • Du schämst dich fremd.
  • Er, sie, es schämt sich fremd.
  • Wir schämen uns fremd.

Hm.
Kann ich mich eigentlich auch für jemanden fremd schämen, der mir bekannt ist? Kann ich mich folglich für jemanden „bekanntschämen“?
Wenn also ein Blogfreund, mit dem ich schon diverse Bierchen getrunken habe, plötzlich mitten des nachts auf der Strasse in Unterhosen steht, weil er ohne Hose da steht, kann ich mich dann für meinen Freund überhaupt „fremdschämen“? Müsste ich mich nicht „bekanntschämen“?
Wenn mir ein Schauspieler oder Fußballspieler bekannt ist, wäre dann „fremd“ schämen nicht eine radikale Brüskierung meiner eigenen Kenntnisse über diesen und für den nicht eine Art indirekte Beleidigung ihm gegenüber?
Und ist mir jemand wirklich absolut fremd, kann ich mich dann wirklich für ihn „fremdschämen“ oder ist das ganze nicht einfach nur eine Mache, um mich im moralisch besseren Licht dar zu stellen. Mich im Vergleich zu anderen als den besseren zu profilieren?

Inzwischen begegne ich dem Wort „fremdschämen“ immer häufiger. Auch hier in den Blogs ist das Wort ja eine ausgesprochene Modewelle geworden. Sei es in den Kommentaren, wo sich jeder wirklich kollektiv fremd geschämt wird. Oder in den Blogs selber, wo sich jemand mit erhobenen moralischen Zeigefinger fremd schämt.

Wie ich jetzt.

Das Wort ist fatal. Man kann es gar nicht benutzen, ohne dass man sich als den Besseren darstellt. Wir sollten uns für diejenigen fremd schämen, die das Wort „fremd schämen“ noch nie in ihrem Blog verwendet haben. Einmal so richtig gemeinsam „Fremdschämen“.
Außer natürlich für Enzyklopädie-Werke.
Nicht einmal Wikipedia kennt bislang dieses Wort. Zwar findet sich zum Thema „schämen“ der folgende Satz „Scham hat zu empfinden, wem Unrecht zugefügt wurde“. Aber das Wort „Fremdschämen“ ist dort noch undefiniert.

Vielleicht hat es auch noch niemand reflektiert, wie häufig das Wort inzwischen als neuer moralischer Zeigefinger verwendet wird.
Für mich ein Kandidat für das Unwort des Jahres. Ich werde der Uni Frankfurt dieses Wort als Unwort vorschlagen.
Wat mut, dat mut.
Fremdschämen.

Ein Modewort im Spiegel der Zeit.

Womit ich wieder bei den Spiegelneuronen wäre.

Ich strecke gleich nochmals dem Äffchen meine Zunge raus.
Und anschließend schäme ich mich mit brutalst offener Radikalität für das Äffchen einfach mal richtiggehend fremd.

Und fühle mich dann gut dabei.

Richtig fremd gut.

Im Zeichen der Spiegelneuronen.

Hugh.

Veröffentlicht unter Privat