Abalone – Das Leben und Sterben einer pazifischen Meeresschnecke

Essen ist Nahrungsaufnahme. Und Essen kann auch zu einer Zeremonie werden. So wie es oft in Japan praktiziert wird.
Dann können sich Leben und Tod vor einem auf dem Tisch berühren, nur verdeckt durch einen Topfdeckel.
Zurück bleibt am Schluss die perlmutt-schimmernde Schneckenschale der Abalone.
Und was geht einem dabei durch den Kopf?
Ehrfurcht. Dankbarkeit. Und Verwirrung.
Das Leben sozusagen.

https://www.youtube.com/v/_VdP56VTa0g?version=3&hl=de_DE

Musik: „Point of no return“ von Roger Subirana Mata (http://www.jamendo.com/de/album/24858)

Internetlink zum You-Tube-Video: http://youtu.be/_VdP56VTa0g

Das Video ist auch in HD verfügbar.

Ketzerische Gedanken zum frühen Morgen

Da kommt ein Deutscher heim nach Deutschland. Und der Staat lässt 16.000 Polizisten für diesen aufbieten. Sperrt Straßen und lobhuldigt ihm. Lässt ihn im Berliner Olympiastadion auftreten. Genau dort, wo ein anderer Deutscher als miserabler Comedian „Mario Bart“ mit seiner Anhängerschaft ins „GUINNESS WORLD RECORDS BUCH“ gelangte, wo der Fußballverein Herta BSC ruhmlos aus der Bundesliga abstieg, wo 2006 das miserabelste Fußball-WM-Endspiel aller mir denkbaren Zeiten stattfand (Stichwort Mazeratti-Zidane). Genau in jener Historie wird dieser Deutsche mit seinem Besuch eingeordnet.

Wenn ich dagegen Heim komme, stehen da auch immer mehrere Polizisten herum. Die schauen mich immer so seltsam an. Und manchmal winken die mich aus meinen Weg heraus, mit der lauernden Frage „Wo kommen Sie denn her?“ oder „Haben Sie etwas zu verzollen?“ oder „Können Sie mal in ihren Koffer öffnen?“ Und Politiker stehen dann auch nicht am Flughafen, um mir die Hand zu schütteln. Nicht mal ein Schwarzberockter.
Was ich aber auch nicht im geringsten bedauere. Ganz im Gegentum.

In Funk und Fernsehen fällt jetzt immer wieder mal der Begriff „der das Amt des Papstes bekleidet“. Der Begriff wird mit viel Ehrfurcht ausgesprochen. Fast servil.
Ein Amt bekleiden?
Ist den Leuten eigentlich klar, wie hohl ein Mensch sein muss, damit so einer ein Amt bekleiden kann? „Bekleiden“ heißt auch immer, etwas um etwas anderes herum zu wickeln. Einen Rock, eine Tunika oder einen Verband. Oder einen Menschen.
Nun, ich will ja jetzt nichts gesagt haben, was Moderatoren ohne Nachzudenken ketzerisches in ihrer „Altersweisheit“ so ablassen …
Scheiterhaufen sind auch in der Neuzeit nicht wirklich verpönt.

Die Amerikaner haben rechtzeitig zum Papstbesuch in Deutschland noch schnell jemanden mit der „Giftspritze“ hingerichtet.
Koinzidenz? Sicherlich.
Christlich? Sicher.

Na gut.
Dann bereite ich mich mal auf meine Japanreise vor. Kollegen fragten mich schon halb ironisch, halb besorgt, ob ich Jodtabletten mit ins Gepäck rein nehme. Gelacht hatte ich, denn zu Tschernobyl-Zeiten im Jahre 1986 hielt ich hier in München erheblich höhere Strahlendosen aus. Das bisschen, was da in Japan strahlt, beunruhigt mich nicht die Bohne.
Mein Begleiter meiner Reise hat sich auch gleich mal ein Dosimeter geben lassen. Meinen Einwand, dort, wo wir drei Tage sein werden, habe es ca. 60 Nano-Sivert und in München dagegen 95 Nano-Sivert. Ganz zu schweigen von der radioaktiven Belastung, die jeder Passagier bei einem Interkontinentalflug generell abkriegt.
„Sicher ist sicher“, meinte mein Begleiter nur.
Und, dass er einen Geigerzähler nicht erhalten hätte.

Wenn ich wieder komme, ist die Wahrscheinlichkeit generell höher, dass ich eher mit Geigerzähler empfangen werde, als dass eine Delegation mir die Hände als Heimkehrer schütteln werden wird.

C’est la vie.

Nebenbei: Morgen ist der Sommer kalendarisch vorbei und dann sind es noch 100 Tage bis Silvester …

All you can eat …

Kurzgesrpäch, aufgeschnappt gestern in der U-Bahn:

„Gehste heute abend mit? Nachos essen. All you can eat.“
„Nein, danke. Ich war erst gestern abend im Kino.“

On the road again – Antipodische Autofahrt unter Anleitung einer Frau …

Oder wie Australier Autofahrten hier erleben könnten, würden sie von down under hier mitfahren …

http://www.facebook.com/v/118770738225656

Rein statistisch gesehen geht es mir gut, ja, sogar irre gesund …

Über Krankheiten zu reden, ist irgendwie krank. Entweder man ist davon betroffen und redet davon, oder man ist nicht betroffen und redet deswegen noch lieber drüber. Der erstere Fall tritt mit zunehmendem Alter als Kommunikationsbasis immer gehäufter auf. Der zweite Fall immer dann, wenn Zeitungen ihre kranken Aufmacher als Eye-Catcher für deren Käufer platzieren.

Von Kindheit auf an hatte ich gelernt, dass Krankheit etwas urchristliches ist. Das Thema an sich gehört ebenso zum christlichen Abendland wie das Amen in der Kirche. Schuld und Sühne werden auch als moralische Instanzen bei der Beurteilung einer Krankheit heran gezogen.

Als Mitte der 80er AIDS zum Thema wurde, gab es im Münchener Postamt gegenüber dem Hauptbahnhof ein BTX-Terminals, über den die Post mittels Datex-J das erste öffentliche Internet aufbaute. Der Terminal war damals praktisch. Wetter, Lottozahlen, Beate Uhse Angebote und vieles andere Querbeet war darüber abzurufen. Allerdings stand dort nur ein Terminal, so dass ich öfters warten musste, bis ich an der Reihe war.

Eines Tages beherrschte der HI-Virus mal wieder die Schlagzeilen des Boulevards. Es wurde von einer bestimmten Zeitung vermutet, dass bereits eine Ansteckungsgefahr gegeben sei, würde ein HIV-infizierter im gechlorten Wasser eines Schwimmbades vor einem Menschen schwimmen. An jenem Tag wollte ich wieder zum BTX-Terminal. Wie üblich war er belegt. Ein Mann bediente ihn. Seine Finger hatte er sorgsam mit Papiertaschentücherstreifen abgedeckt. Und immer wenn ihm ein Streifen beim Tippen auf der Tastatur herunter fiel, riss er von einem Papiertaschentuch einen neuen Streifen ab und umwickelte den blank gewordenen Finger, um beim Tippen fortzufahren. Als er ging, öffnete er die damalige, große Flügeltür der Post, wiederum geschützt durch jeweils ein Papiertaschentuch. Er wirkte auf mich skurril. Für mich war zu jener Zeit HIV genau so irreal wie all die anderen Krankheiten, über die sich immer nur alte Menschen unterhielten.

HIV ist das direkte Beispiel, dass Krankheiten hier viel mit Schuld zu tun haben. Eine Krankheit sollte immer die Kehrseite einer Schuld darstellen. Der ethisch christliche Januskopf: Wer Schuld hatte, sollte gefälligst auch sühnen. Kardinal Meisner redete schon damals von AIDS als Geisel für sexuelles Fehlverhalten. Wobei er mit Fehlverhalten definitiv hierbei nicht die pastorale Pädophilie meinte, sondern Homosexualität oder Promiskuität.

Auch in der elterlichen Pädagogik der Gläubigen, Laizisten und Atheisten von gestern bis heute spielt die Krankheit in der gewollten Symbiosefalle von Schuld und Sühne seine Rolle. Du fühlst dich fiebrig? Bist du etwa gestern barfüßig gelaufen? Kein Wunder. Da bist du ja auch selber Schuld. Kopfschmerzen? Eigene Schuld. Zu viel gesoffen am Vorabend, oder? Oder etwa mal wieder in Zugluft sich aufgehalten? Schnupfen? Kein Wunder, du hast ja auch gestern nicht deine Jacke am frühen Morgen tragen wollen. Und so weiter und so fort.

Schuld und Sühne.
Aber nicht nur das elterliche Haus meiner oder der meiner Freunde haben mir das wie die mittägliche deutsche Kartoffel eingetrichtert. Fernsehen, Radio, Lehrer, Bekannte. Alle führten die Ursache als Abtragen einer Schuld und als verdiente Sühne zurück.

Später, im Job und als Erwachsener hatte sich die Situation ein wenig gewandelt. Schuld und Sühne als naturgegebene Seiten der gleichen Münze reichen nicht mehr aus. Wenn schon Schuld, so der allgemeine Gedanke, dann reichen die Naturgesetze als Sühne nicht. Eine äußere Instanz wurde erforderlich, um das Auftauchen dieser Währungseinheit in andere Sanktionen umzumünzen.
Krankheitsbedingte Kündigungen sind zwar nicht erlaubt, aber dafür interessiert sich mancher Arbeitgeber nicht die Bohne. Krankheit ist der wirtschaftliche Gegner einer auf Produktivität bedachten Wirtschaftsphilosophie. Krankheit, definiert als Antipode eines Wachstumsgedankens ist „persona non grata“. Unerwünscht. Statistisch wird der Krankenstand inzwischen bekanntlich gemessen und damit ein Vergleich zu einem „vorher“ ermittelt. In wirtschaftlich schlechten Zeiten sinkt der statistische Krankenstand, weil Kranke um ihren Arbeitsplatz fürchten. Nur, Kranke sind bekanntlich nicht nur dann krank, wenn sie in Statistiken auftauchen. Das ist aber Arbeitgeberverbänden und Politik wiederum nicht so wichtig. Wichtig ist, was schwarz auf weiß für sie zu lesen ist. Z.D.F. ist das Schlagwort: Zahlen, Daten, Fakten.

Gesundheit wird heutzutage durch die Abwesenheit von Krankheit definiert. Für Krankheit soll der Kranke dann auch selbstverantwortlich zahlen. Schuld und Sühne tauchen immer wieder als treibendes Motiv auf. Eine „Mutter Theresa“-Einstellung wird als komplett kontraproduktiv angesehen, altruistische Tendenzen als weltfremd gebrandmarkt. Für Verneiner des gesellschaftlichen Sozialgedankens wird dann das Konstrukt des „Gutmenschen“ als Keule geschwungen, um Menschen mundtot zu machen. Krankheiten werden als vermeidbar postuliert und das Auftauchen als Verschulden des Individuums gewertet. Und darum ist es auch so einfach über die Krankheiten anderer zu reden.

Und durch diese Schule bin auch ich gelaufen. Also rede ich lieber nicht drüber. Andererseits, wenn mir jemand begegnet und mich mit einem „Wie geht’s“ begrüßt, erwartet mein Gegenüber nicht, dass ich über meine Zipperleins referiere und aus meiner Krankenakte vorlese. Das will niemand hören.
Als Rudi Carell von Metastasen durchsetzt, seinen letzten Auftritt hatte, waren alle erleichtert, dass er nicht über seine Krebskrankheit lamentierte und stattdessen witzelte. Wenn mir Monica Lierhaus Sonntags mit ihren „Platz an der Sonne“-Losnummern über den Bildschirm flimmert, dann betrachte ich meine Fernbedienung immer mit einem „Drück mich“-Gedanken. Dass Gabi Köster einen Schlaganfall hatte, war auch nur in soweit akzeptabel für mich, als dass ich nicht durch Funk, Fernsehen oder Feuilleton davon behelligt wurde.

Mein Alter steigt und mein Körper zeigt immer mehr die üblichen verschleissbedingte Anfälligkeiten für das, was mir den Unterschied zwischen gesund und nicht-gesund immer deutlicher werden lässt. Zwischenzeitlich wird ebenfalls über die Erhöhung des Rentenalters auf 69 Jahre nachgedacht. Dann denke ich auch drüber nach, ob ich es schaffen werde, gesund und ohne größere Handicaps ins Rentenalter zu gelangen. Oder geschweige denn von der Tatsache, dass die männliche statistische Lebenserwartung bei etwas über 70 Jahre liegt. Wenn jemand seinen 80. Geburtstag feiert, dann muss es rein statistisch auch jemanden geben, der stirbt und noch keine 65 Jahre alt wurde und rentenauszahlungsneutral ablebt. Dabei steigt mit zunehmenden Alter natürlicherweise das Risiko zu erkranken.

In jungen Jahren war es mir egal, ob ich gesund oder krank war. Egal was, Hauptsache aktiv, und nicht immobil und bettlägrig. Und jetzt? Es ist nicht mehr so einfach, gesund zu sein. Denn – wie ich schon schrieb – „gesund“ definiert sich als Abwesenheit des Zustandes „krank“. Als Anwesenheit der Verschuldung des Zustandes „krank“. Ein „bisschen krank“ hat die Wertigkeit von ein „bisschen schwanger“: so etwas hat keinen Platz in der „gesunden“ Denke eines Menschens. Deswegen gibt es auch so viele Medikamente, um dieses „ein bisschen krank“ abzustellen. Das Entkommen des Krankseins geht also mit einem Zustand des Medikamenten-Konsumierens Hand in Hand. Das Medikament als proaktives Behandeln von potentiellen Schuldzuständen. Zu Risiken und Nebenwirkungen sollen wir ja eh unseren interaktiven Beichtvater – dem Arzt oder Apotheker – fragen. Wobei eine solche Frage mit direkten Kosten („Sühne“) verbunden ist, welche dann Politiker wieder von einer „Kostenexplosion“ reden lässt. Und bei Zuhörenden ein Schuldgefühl hervor ruft. Statt sich einzugestehen, wir sind alle kleine Sünderlein („… ’s war immer so, ’s war immer so …“), herrscht das Schuldgefühl vor und damit die Suche nach Vermeidung einer Sühne (“ … der Herrgott wird es uns bestimmt verzeih’n, ’s war immer, immer so …“). Also wird die Krankheit verschwiegen, unterdrückt und verdrängt.

Noch fühle ich mich nicht „krank“. Aber auch nicht wirklich so „gesund“ wie damals. Der Zahn der Zeit nagt auch an mir und meinem Körper und meinen Organen. Verdrängung ist auch mein Prinzip. Ich fühle mich ungesund gesund. Oder wie andere vielleicht sagen mögen „krankhaft gesund“ …

Wie lange noch?

Georg Schramm im TV: Meister Yodas Ende – Über die Zweckentfremdung der Demenz

Für alle Fans des genialen Georg Schramm und seinen Kunstfiguren im Kabarett

Georg Schramms neustes Programm „Meister Yodas Ende – Über die Zweckentfremdung der Demenz“ wird demnächst im Fernsehen ausgestrahlt.

Es beginnt im Fernsehkanal „ZDFkultur“.
13. September: 20:15 – 21:45 / 14. September: 02:55 – 04:25 / 14. September: 09:15 – 10:45

Weiter geht es in „3SAT“
25. September: 22:30 – 23:15

Und zu guter Letzt werden alle nochmals bedient, die es bis dahin immer noch nicht geschafft hatten sich das grandiose und zugleich feinsinnig gestrickte Programm von Georg Schramm anzuschauen:
01. Oktober: als Bestandteil der „Lange Nacht der Kleinkunst“ im „ZDF“ von 00:50 bis 04:40

In der letzt genannten Sendung treten dann auch noch Volker Pispers & Gäste und auch noch Hagen Rether mit einem 2011-Update zu seinem Programm „Liebe“ (hoffentlich ohne permanent erhobenen moralischen Zeigefinger, wie letztens bei Hagen Rether leider oft fest zu stellen)

Tipp für alle, die sich das ganze digital aufnehmen möchten, aber keinen Rekorder zu Hause stehen haben:
„Bong.TV“ bietet einen kostenlosen, einwöchigen Account, über den sich Fernsehprogramme (sogar in HD!) aufzeichnen und nachher herunter laden lassen. Einfach rechtzeitig dort anmelden, aufzeichnen und später anschauen. Bong.TV bietet zwar „ZDFkultur“ nicht an, aber „3SAT“ und „ZDF“ sind dort zur Aufnahme programmierbar. Internetadresse ist bong.tv (einfach als url eingeben).

Was Deutsche Bank und eine pauschal eingekaufte Kiste Äpfel gemein haben

Es gibt Auktionen, da weiß niemand genau, worauf geboten wird. Der Gegenstand steht vor einem und niemand kann sagen, worum es dabei wirklich geht, außer um Geld. Lediglich der Materialwert des Gegenstands ist abgeschätzbar. Solche Versteigerungen haben etwas von gezieltem Zocken. Da wandern bis zu 500 Euro vom Bietenden zum Versteigernden. Und wenn der Bietende seinen Gegenstand öffnet, könnte es nur ein Koffer voll dreckiger Unterwäsche sein. Oder auch hochwertige Parfums, Digitalkameras, Laptops oder gar Bargeld.
Die Rede ist hierbei von Kofferversteigerungen (Termine des Auktionshaus WENDT hier). Das Bieten bei diesen Auktion ist reines Zocken. Ein bisschen Nervenkitzel für risikobereite Leute mit überzähligem Geld. Entweder gibt es wertlosen Müll oder der Inhalt der Koffer kann gewinnsteigernd zu Geld gemacht werden. Da sind locker Renditen sogar jenseits der 1.000-Prozentmarke möglich. Von solchen Renditen träumen viele Menschen.

Auf manchen Wochenmärkten kommt es kurz vor Schließung immer wieder zu begehrten Angeboten. Der Marktstandbesitzer will seine Ware loswerden und sucht seine Käufer. Ich erinnere mich noch an die 15-Kilo-Kiste Äpfel vom Bodensee für 5 Euro. Das erschien mir wie ein Schnäppchen, auch wenn der Marktstandbesitzer mich darauf hinwies, dass die Kiste bestimmt paar Äpfel haben würde, die faul wären. Aber ich könnte sie immer noch für Apfelkompott verwenden. Zu Hause fand ich dann heraus, dass ich von den 15-Kilo nur ein Viertel zum Einkochen verwenden konnte. Nicht nur wegen Fäule sondern auch wegen Wurmstichigkeit. Meine anfängliche Begeisterung war danach verflogen. Ich hatte eine sehr schlechte Rendite gemacht.

Die Finanzwirtschaft hat in den Jahren 2003 bis 2007 bewiesen, dass sie die Kombination der Geschäfte aus Kofferversteigerungen und Wochenmarkthandel perfekt beherrscht. Am Ende der ganzen Geschäfte entwickelte sich daraus im Jahr 2008 eine Krise, unter deren Auswirkungen und politischen Fehlentscheidungen die weltweiten Wirtschaften noch immer leiden.
Finanzdienstleister in den USA vermittelten Häuser und Grundstücke an Bürger, welche mit Versprechen auf sehr gute Renditen für die Zukunft gelockt wurden. Jene Hypothekenverträge wurden von Vermittlern aufgekauft, dann entsprechend gebündelt und verbrieft, und mittels Verträgen bei anderen Finanzdienstleistern rückversichert. Denn sollten die Hypothekenzahlungen ausfallen, dann wollten die Vermittler der Kredite nicht lediglich eine Immobilie mit weniger Gegenwert besitzen. So war die Anfangsintention.
Diese sogenannten „Kreditausfallsicherungen“ wurden jedoch bald darauf als Spekulationsgut mit sicherer Rendite gehandelt. Rating-Agenturen bewerteten diese schließlich. Das Paket wurde dann als CDO („Collaterialized Debt Obligations“, sogenannte Kreditderivat-Pakete) auf den Finanzmarkt zum Kaufen angeboten.

Wie eine Kiste Äpfel sozusagen. Niemand wollte dann genau wissen, was in die CDOs gebündelt war, sondern lediglich welche Rating-Bewertung das Bündel erhalten hatte. Das Fatale war, dass sich die Rating-Agenturen auch nicht sonderlich für den Inhalt interessierten, sondern eher das Rating als Bewertung des Ursprungsfinanzverkäufers setzten. Allerdings, je besser ein Paket bewertet war, desto höher wurde sein Wert und die zu erwartende Rendite. Basis all dieser Geschäfte war die unreflektierte Annahme, dass Immobilien in den USA sich in ihrem Wert steigern würden.

Der Finanzmarkt wollte immer mehr CDOs als Spekulationsobjekte also wurden immer mehr Hypothekenkredite an den Mann gebracht. In den USA öffneten überall kleine Büros, wo der Bürger Kredite abschließen konnte, um sich eine Immobilie zu kaufen. Der Kreditnehmer wurde dabei auch gar nicht mehr analysiert, ob er je fähig war, seine monatlichen Raten zu bedienen. Wozu auch?

Das große Glaubensbekenntnis lautete folglich in etwa: Kauf eine Immobilie für 100.000 US-$ mit einem Kredit im Werte von 130.000 US-$. Wenn dann die Immobilie die 130.000 US-$ überschritten hat, kann die Restschuld durch Verkauf der Immobilie beglichen werden und es bleibt ein satter Gewinn für den Kreditnehmer. Und auch der Kreditgeber würde seinen Gewinn einfahren. Jedoch nur, wenn sich die Voraussetzung, dass sich Immobilien in den USA in ihrem Wert steigern, nicht ändern würden.

Diese eindeutige win-win-Situation löste eine Goldgräberstimmung aus. Wie gesagt, überall in den USA öffneten in den Jahren 2006-2007 Immobilienkreditbüros. Unterdessen waren andere Finanzdienstleister weltweit aufgewacht und wollte an diesem Geschäft über CDOs auch ihre Gewinne ziehen. Um diesen wachsenden Markt der kaufwilligen Finanzdienstleister zu bedienen, wurden Kredite wie Konfetti verteilt. Eine Liquiditätsprüfung der Kreditnehmenden wurde nicht durchgeführt.

Jedoch war der Markt bald darauf gesättigt. Die ersten Kreditraten wurden nicht mehr bezahlt, die dazu gehörigen Immobilien konnten nur noch unter Wert verkauft werden, die Immobilienpreise fingen an zu fallen. Nicht zurück gezahlten Kredite bedeuteten, dass die Kreditausfallversicherungen in Anspruch genommen wurden. Während die Immobilienbesitzer ihr Geld verloren, schaukelte sich ein gewaltiger Tsunami vor den Küsten der Finanzmärkte auf. Denn auch die Kreditausfallversicherungen konnten nicht mehr direkt bezahlt werden, weil das Geld in weitere CDOs investiert worden war. Die falschen Wertannahmen der CDOs sollten dazu führen, dass die toxische Eigenart dieser CDOs deutlich werden sollte.

Mit den geschaffenen CDOs hatte sich ein neuer Parallelmarkt aufgetan. Auf diesem Markt wanderten die CDOs wie Kisten von Äpfel umher. Die fallenden US-Immobilienpreise führten dazu, dass alte CDOs aufgeschnürt wurden und zu neuen zusammen gebündelt wurden, von den Rating-Agenturen in Relation zu dem vorher aufgeschnürten CDO bewertet wurden und dann wieder verkauft wurden. Hierbei wurde zu jedem Verkauf ein Gegenkauf aufgemacht. Das bedeutete, dass dem Gewinn des Käufers ein Verlust des Gegenkaufs gegenüberstand. Auf Deutsch: der Käufer ging eine Wette auf Wertsteigerung der CDO-Papiere ein, während eine andere Partei auf den Wertverlust dieser hin wettete. Ein Null-Summenspiel, bei dem aber der einen Partei der Verlust der anderen dessen Gewinn sein würde.

Um mehr Wetten zu ermöglichen, sortierten bestimmte Finanzdienstleister also die Kiste der Äpfel aus: es wurde in dreiviertel-faule, halb-faule und etwas faule Äpfel klassifiziert und dann bewertet. Danach wurden die dreiviertel-faulen Äpfel in „schlechte“ und „nicht-ganz-so-schlechte“ Äpfel getrennt. Die „nicht-ganz-so-schlechte“ Äpfel erhielten zu den „schlechten“ Äpfel ein besseres Rating und fanden ihre Käufer. Während anfangs – so wie ich zuvor auf dem Wochenmarkt eine Kiste Äpfel – die CDOs pauschal eingekauft wurden (in der Hoffnung es spränge ein ordentlicher geldwerter Vorteil heraus), wurde danach die CDOs auf deren Wertigkeit hin geprüft und gewinnbringend erneut zusammen gestellt.

Die besten Geschäfte am Finanzmarkt mit diesen CDOs machten allerdings nicht die Verkäufer oder Käufer sondern deren Zwischenhändler mit ihren Verkaufsprovisionen. Und die Welt kaufte. Goldman Sachs, Merril Lynch, Deutsche Bank, Société Générale, Citigroup, HSBC und Bear Stearns mischten fleißig im Verkaufsgeschäft mit. Die Verkaufsprovisionen waren deren Ziel. Unkundige Kaufwillige gab es zuhauf.

Auch aus Deutschland meldeten sich gierige Käufer: IKB, Hypo Real Estate, Commerzbank, KFW Bank,usw. usf. mischten fleißig mit und stapelten diverse CDO-Wertpapiere in ihren Tresoren, die zu deren Niedergang führen sollten. Diese Banken prüften nicht den Inhalt sondern lediglich das Rating der CDO-Papiere. Diese kauften sie mit dem Ziel deren betriebliche Renditen zu steigern.
Die Rating-Agenturen stiegen in jener Zeit zugleich zu Halbgötter des Finanzmarktes auf. Ihre Macht beeinflusst die heutige Politik mehr als Bürger ihre Demokratien durch deren Wahlrecht beeinflussen können.

Die Immobilienpreise fielen, Kredite wurden nicht mehr bezahlt, das aufgebaute Finanzmodell-Kartenhaus fiel zusammen und gleichzeitig verloren die CDOs ihren Wert: aus anfangs „hochpotente“ Wertpapiere wurden danach „toxische“ Wertpapiere.
Banken bekamen Geldsorgen und das gesamte Kreditwesen geriet ins Stocken. Am Ende schwappte die Kreditkrise auf das produzierende Gewerbe über. Die Wirtschaft wurde ausgebremst und die Anzahl der Insolvenzen, Kurzarbeitenden und Arbeitslosen stieg. Die Mortgage-Krise hatte auch diejenigen erreicht, die sich mit dem Wertpapierwesen kaum beschäftigt hatten. Gewinner waren diejenigen, die gegen die CDOs gewettet hatten, weil sie bereits zuvor feststellten, dass der Tag des Crashes für sie zu derer eigener Zahltag werden müsste. Blauäugigkeit von spekulierenden Banken gegen die profunden Analysen einiger Hedgefonds (wie beispielsweise der „Hedgefond Paulson“) gefördert durch die Verdiener an den Vermittlungsprovisionen. Eine Art Armageddon der Zocker, ein Tsunami baute sich im Finanzwesen auf: die Mortgage-Krise 2008 nahm ihren Lauf.

Wie diese Woche die Presse berichtet, erreichen die Ausläufer der Mortgage-Krise nun auch die Deutsche Bank. Die US-Aufsichtsbehörde FHFA will das Geld, welches sie zur Rettung von zweier Hyptothekenfinanzierer „Fannie Mar“ und „Freddie Mac“ Ende 2008 benötigte, von denjenigen Banken (u.a. Bank of America, JP Morgan Chase, Goldman Sachs) zurück, die an den Verkaufsprovisionen der CDOs sehr gut verdienten. Die Argumentation beruht darauf, dass u.a.a. die Deutsche Bank unlauterer Hypothekengeschäfte (falsche Angaben über die Kreditwürdigkeit der Schuldner) getätigt haben sollen.

Die Deutsche Bank gibt sich betont gelassen. Sie bleibt ostentativ unberührt trotz eines CDO-Emissionsvolumen von 8,9 Milliarden US-$ zwischen Juli 2006 und Dezember 2007. Und das selbst bei der berühmt berüchtigten Personalie Greg Lippmann, welcher für die Deutsche Bank diesen Handel mit chinesischen Rechenkünstlern (u.a. Eugene Xu) antrieb und durchführte. Während bereits bei den Hedgefonds bekannt war, dass bestimmte CDOs von minderer Qualität waren, wurden gerade diese wie frisches Brot verkauft. In dem Buch „The big short“ von Michael Lewis wird ein Verkäufer zitiert, der Greg Lippmann fragte, wer sich denn für diese toxischen Papiere interessiere, als Antwort „Düsseldorf“ erwidert bekam („Whenever we’d ask him who was buying this crap“, said Vinny, „he always just said ‚Düsseldorf‘.“)

Die offene Gelassenheit der Deutsche Bank kann in zweierlei Hinsicht interpretiert werden: einerseits steht damit die Vermutung in Raum, die Deutsche Bank sieht sich im Sinne der Anklage als unschuldig an.

Die andere Seite erscheint mir aber wesentlich realer:
Die Deutsche Bank beteiligte sich erst in der zweiten Hälfte der Finanzzockerei am Immobilienmarkt. Die Deutsche Bank war durch die Renditeaussichten angelockt worden („Geld geht immer zu Geld“). US-Banken wie Goldman Sachs, Merril Lynch (wurde von der Bank of America in einer Rettungsaktion während der Krise übernommen), Citigroup und Bear Stearns (wurde ebenfalls in einer Rettungsaktion während der Krise von der Bank JP Morgan übernommen) waren zu jener Zeit bereits am Markt emsig erfolgreich tätig.

Das war einer amerikanischen Bundesbehörde nicht entgangen. Im September des Jahres 2004 hatte bereits die amerikanische Bundespolizei, das FBI, den amerikanischen Kongress vor einer Epidemie von Hypothekarbetrügereien und als Folge davon vor eine wirtschaftlicher Krise gewarnt.

Die Bank „Lehman Brothers“ als Hypothekenfinanzierer hatte sich mit seiner Tochter „Aurora“ (Hypothekenaufkäufer) darauf spezialisiert, Immobilienkredite von Kreditvermittlern und Kreditgebern aufzukaufen. „Lehman Brothers“ verbriefte die von seiner Tochter „Aurora“ aufgekauften Kredite und machten diese als CDOs für die US-Banken handelbar. „Lehman Brothers“ machte mit diesem Geschäft riesige Gewinne und zahlte beachtliche Boni an seine Führungsmannschaft aus.

Basis für „Lehman Brothers“ war das Geschäft, immer mehr potentielle private Käufer in den Immobilienmarkt zu ziehen und jenen entsprechend Kredite zu geben, um sich diese abkaufen zu lassen, um den Finanzmarkt damit zu füttern. Hierbei spielte die Bonität der privaten Kreditnehmer nicht mehr die Rolle, wie sie vorgeschrieben ist, dass diese zu prüfen wäre. Es ging nur um die Generierung von Auftragsvolumen mit allen Mitteln und den aus den Kreditverkäufen zu erzielenden Renditen.

Diese ungehemmte, vom FBI als „betrügerisch“ klassifizierte Kreditvergabe kurbelte die Nachfrage nach Immobilien an, der Preis stieg. Bis letztendlich die Nachfrage einbrach, weil keine weiteren betrügerischen Kredite vermittelt werden konnten und die ersten Kredite nicht mehr zurück gezahlt wurden. Die Immobilienpreise fielen wegen Überangebot.
Infolge dieses Preisverfalls kamen die ersten Käufer der CDOs zu „Lehman Brothers“ und pochten auf das vertragliche Recht, dass „Lehman Brothers“ deren toxische CDOs zurück zu kaufen hätte. „Lehman Brothers“ musste entsprechende Geldmittel aufbringen und ging somit Pleite, während andere zufrieden auf deren prall gefüllten Geldbörsen blickten.
Das ganze könnte als Geschäftsmodell „Pleite zur eigenen Gewinnmaximierung“ beschrieben werden.

Hypothekenfinanzierer wie „Lehman Brothers“ waren auch „Fannie Mae“ und „Freddie Mac“. Die letzteren beiden kauften von der „Citicorp“ Kredite, welche nach dem gleichen Modell wie von „Aurora“ dem Verbraucher untergejubelt wurden. „Citicorp“ verkaufte diese Kredite an „Fannie Mar“ und „Freddie Mac“ mit dem Hinweis, diese Kredite entsprächen bei deren Abschluss den regulären Anforderungen an Kreditnehmern. Die durch die „Citicorp“ Kredite wurden an die Hypothekenfinanzierer verkauft. Sie stellten sich als genauso toxisch wie die Kredite heraus, die auch „Lehman Brothers“ verkaufte.
Beim Platzen der Immobilienblase liefen die CDOs zurück: „Fannie Mae“ und „Freddie Mac“ verlangten ihr Geld von der „Citicorp“ zurück. Nur die „Citicorp“ zahlte nicht. „Fannie Mae“ und „Freddie Mac“ hatten keinen so langen finanziellen Atem Verluste zu ertragen wie die „Citicorp“. Die Pleite von „Fannie Mae“ und „Freddie Mac“ stand vor deren Tore.

Im Gegensatz zu „Lehman Brothers“ wurde „Fannie Mae“ und „Freddie Mac“ mittels Staatsmittel vor dem Kollaps gerettet. Hintergrund war dabei, der „Citicorp“ Luft zu verschaffen. Denn auch die „Citicorp“ war in erheblicher Schieflage geraten und die Forderungen der beiden anderen Banken hätten diese versenkt. Letztendlich musste aber das Geld der amerikanischen Steuerzahler nicht nur für „Fannie Mae“ und „Freddie Mac“ herhalten, sondern es wurde ebenfalls dazu verwendet, auch die finanzielle Lage der „Citicorp“ zu stabilisieren.

Bereits frühzeitig hatte die amerikanische Wertpapieraufsicht SEC festgestellt, dass „Fannie Mae“ und „Freddie Mac“ systematische Bilanzfälschungen betrieben hatten. Somit waren also deren Geschäfte bereits auf nicht legaler Basis abgearbeitet worden. Eine Strafe dazu blieb allerdings aus. Ebenso fand bislang keine gerichtliche Ahndung der Kreditvergabepraxis statt, welche viele Privatpersonen mit Eigenheim-Wunsch in den Ruin trieb. Das ganze Geschäft mit den Hypotheken-Krediten könnte auch als ein einziges betrügerischen Geschäfts mit dem Ziel zur Gewinnmaximierung auf Kosten der Kreditnehmer und anderen Unwissenden betrachtet werden.

Die „Deutsche Bank“ kann also einer Anklage ruhig entgegen sehen. Denn sollte sich im Laufe des Prozesses heraus stellen, dass die ganze Kreditvergabe betrügerische Grundlagen hatte, welche erstens sogar dem amerikanischen Kongress bewusst war, und dass gerade jene Kredite danach als „saubere“ Kredite verkauft wurden, dann wird das ganze Gerichtsverfahren in einer win-win-Situation enden: in einem Vergleich. Und beide Parteien (Kläger und Angeklagter) werden sich als moralische Sieger und moralisch Geläuterte präsentieren können.

Nur einer wird weiterhin nichts gewonnen haben: der US-Steuerzahler (soweit er aufgrund eines vorhandenen Jobs überhaupt direkte Steuern zahlen kann).

Nebenbei:
Der Druck in der amerikanischen Bevölkerung dieses Verfahren gegen Banken Bank of America, JP Morgan Chase, Goldman Sachs und Deutsche Bank einzuleiten, kommt aus der Bevölkerung. Die Unzufriedenheit über das laxe Vorgehen gegen die Nutznießer der „Mortgage“-Krise war zu hoch geworden. Nachdem Finanzinstitute wie „AiG“, „Fannie Mae“ und „Freddie Mac“ staatliche Gelder zur Vermeidung eines Kollaps erhielten, hatten alle jene Banken von ihrem vertraglichen Recht Gebrauch gemacht, und ihre toxischen CDO-Wertpapiere an jene Hypothekenfinanzierer zurück gegeben, wofür erweiterte staatliche Finanzmittel erforderlich wurden. Dadurch wurden deren Bilanzen korrigiert und aufgrund dieser verbesserten Werte hohe Bonuszahlungen ausgeschüttet. Und das obwohl alle sehenden Auges CDO-Geschäfte tätigten, um entsprechend an diesen toxischen Papieren zu verdienen.

Und dann gab es noch einen weiteren Fall, welches die US-Bevölkerung mit Verbitterung erfüllt hat:
Der Automobilhersteller GM hing vor der „Mortgage-Krise“ bereits von Krediten der Banken ab. Die dominate Stellung auf dem Weltmarkt verhinderte bis zum Ausbruch der Krise immer, dass aus der Schieflage ein Kentern wurde und das Kreditgeld von den Banken floss. Als in Folge der „Mortgage“-Krise die Banken keine Kredite mehr vergaben und auf Rückzahlung pochten, drohte GM endgültig zu kentern und zu sinken. Die amerikanische Regierung sprang wie zuvor den Banken auch der GM mit beträchtlichen finanziellen Geldern bei und rettete GM vor dem endgültigen Bankrott. GM ging in die Insolvenz und befreite sich von einem Großteil der Schulden bei deren Gläubiger (Lieferanten). Nur eine der ersten faktischen Handlungen, die GM mit den staatlichen Geldern ergriff, war die Auszahlungen der Bonus-Zahlungen an die GM-Führungskräfte. Dieses löste einen starken Aufschrei in der US-Bevölkerung aus, welchen die Politik hilflos zuhören musste und ihnen in deren Ohren nach hallte.
Als dann letztens GM die staatlichen Mittel 1:1 zurück zahlte (finanziert durch neuerliche Bankenkredite), verbesserte das nicht wirklich die Stimmung innerhalb der US-Bevölkerung gegenüber GM. Die US-Bevölkerung betrachte das mit einer Art ohnmächtigen Zynismus. Zumal das Ganze ein weiteres Mal auch daran erinnerte, dass bestimmte Kreise ganz gut mit staatlichen Hilfen die eigene Geldbörse aufpolstern konnten.

Somit kommt der Einleitung der Prozesse gegen jene Banken, die mit der Mortgage-Krise 2008 gut verdienten, auch eine symbolische Bedeutung zu: „Wir tun was“ soll der US-Bürger aus der Aktion lesen.

Vielleicht hilft es, dass durch jene Anklage der US-Bevölkerung beim Vergessen geholfen wird, dass eine Kerngruppe amerikanischer, globalisierter Banken immer gern zu finanztechnischen Beratungsgesprächen bei Krisen ins Weiße Haus eingeladen wird und auch ansonsten pausenlos ein- und ausgeht.

Schlecht wäre es selbstverfreilich, würden gerade diese Banken und deren Mortgage-Krise-auslösende Kreditvergabe-Gebahren untersucht und strafrechtlich beurteilt. Die amerikanische Regierung würde zweifelsohne den Ast absägen, auf dem die Banken sie sitzen lässt, könnte mit Wohlwollen gesagt werden. Treffsicherer würde es sein, würde ich aber den folgenden Satz als Kommentar schreiben:
„Die eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.“

Warum ich für den letzten Satz das Konjunktiv verwendet habe?
Eigene Unwissenheit. Denn vielleicht ist die eine Krähe ja schon blind. Dann wäre es Essig für jene mit dem Augenaushacken bei der anderen Krähe …

Aber vielleicht verglich ich in diesem Beitrag auch einfach nur faule Äpfel mit verdorbenen Birnen und liege daher mit meiner Vermutung auch nur komplett falsch. Die Zeit wird es zeigen.