Ketzerische Gedanken zum frühen Morgen


Da kommt ein Deutscher heim nach Deutschland. Und der Staat lässt 16.000 Polizisten für diesen aufbieten. Sperrt Straßen und lobhuldigt ihm. Lässt ihn im Berliner Olympiastadion auftreten. Genau dort, wo ein anderer Deutscher als miserabler Comedian „Mario Bart“ mit seiner Anhängerschaft ins „GUINNESS WORLD RECORDS BUCH“ gelangte, wo der Fußballverein Herta BSC ruhmlos aus der Bundesliga abstieg, wo 2006 das miserabelste Fußball-WM-Endspiel aller mir denkbaren Zeiten stattfand (Stichwort Mazeratti-Zidane). Genau in jener Historie wird dieser Deutsche mit seinem Besuch eingeordnet.

Wenn ich dagegen Heim komme, stehen da auch immer mehrere Polizisten herum. Die schauen mich immer so seltsam an. Und manchmal winken die mich aus meinen Weg heraus, mit der lauernden Frage „Wo kommen Sie denn her?“ oder „Haben Sie etwas zu verzollen?“ oder „Können Sie mal in ihren Koffer öffnen?“ Und Politiker stehen dann auch nicht am Flughafen, um mir die Hand zu schütteln. Nicht mal ein Schwarzberockter.
Was ich aber auch nicht im geringsten bedauere. Ganz im Gegentum.

In Funk und Fernsehen fällt jetzt immer wieder mal der Begriff „der das Amt des Papstes bekleidet“. Der Begriff wird mit viel Ehrfurcht ausgesprochen. Fast servil.
Ein Amt bekleiden?
Ist den Leuten eigentlich klar, wie hohl ein Mensch sein muss, damit so einer ein Amt bekleiden kann? „Bekleiden“ heißt auch immer, etwas um etwas anderes herum zu wickeln. Einen Rock, eine Tunika oder einen Verband. Oder einen Menschen.
Nun, ich will ja jetzt nichts gesagt haben, was Moderatoren ohne Nachzudenken ketzerisches in ihrer „Altersweisheit“ so ablassen …
Scheiterhaufen sind auch in der Neuzeit nicht wirklich verpönt.

Die Amerikaner haben rechtzeitig zum Papstbesuch in Deutschland noch schnell jemanden mit der „Giftspritze“ hingerichtet.
Koinzidenz? Sicherlich.
Christlich? Sicher.

Na gut.
Dann bereite ich mich mal auf meine Japanreise vor. Kollegen fragten mich schon halb ironisch, halb besorgt, ob ich Jodtabletten mit ins Gepäck rein nehme. Gelacht hatte ich, denn zu Tschernobyl-Zeiten im Jahre 1986 hielt ich hier in München erheblich höhere Strahlendosen aus. Das bisschen, was da in Japan strahlt, beunruhigt mich nicht die Bohne.
Mein Begleiter meiner Reise hat sich auch gleich mal ein Dosimeter geben lassen. Meinen Einwand, dort, wo wir drei Tage sein werden, habe es ca. 60 Nano-Sivert und in München dagegen 95 Nano-Sivert. Ganz zu schweigen von der radioaktiven Belastung, die jeder Passagier bei einem Interkontinentalflug generell abkriegt.
„Sicher ist sicher“, meinte mein Begleiter nur.
Und, dass er einen Geigerzähler nicht erhalten hätte.

Wenn ich wieder komme, ist die Wahrscheinlichkeit generell höher, dass ich eher mit Geigerzähler empfangen werde, als dass eine Delegation mir die Hände als Heimkehrer schütteln werden wird.

C’est la vie.

Nebenbei: Morgen ist der Sommer kalendarisch vorbei und dann sind es noch 100 Tage bis Silvester …

3 Gedanken zu „Ketzerische Gedanken zum frühen Morgen

  1. Wir haben hier im Radio einen genervten Busfahrer gehört der darüber berichtete, was er alles beachten muss, um eine Wagenladung Christenmenschen zu dem alten Herrn zu karren … der tat mir richtig leid! :roll:

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