47

„0“ ist der Ursprung. Der Ursprungspunkt. Undefinierbar. Wenn es keine anderen Standpunkte gibt, dann ist der Punkt nicht räumlich definierbar. Er ist überall und nirgends. Er wird als Beobachterposition gebraucht. Er ist da, aber hat keine Dimension, keine Ausdehnung. Einfach nur ein Punkt. Einfach nur anwesend. Mehr nicht. Er zählt nicht.
Darum gehe ich gleich über zur „1“.

Im Arabischen wird die „1“ durch den ersten Buchstaben „Alif“ ausgedrückt. Es ist auch das Symbol Allahs. Die Juden und Moslems akzeptieren nur einen Gott. Die „1“ hat die Eigenschaft, dass sie mit sich selbst multipliziert unveränderlich ist.

Die „3“ gilt als die heilige Zahl schlechthin. Vater, Sohn und Heiliger Geist. Anfang, Mitte, Ende. Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. Wodan, Donar, Ziu. Weihnachten, Ostern, Pfingsten. Caspar, Melchior, Balthasar.

Setzt man beide zusammen, ergibt sich die „13“.
Die Zahl „13“ war zwar die allererste gezogene Zahl bei den deutschen Lotto-Ziehungen „6 aus 49“, ist seitdem aber die mit Abstand am seltensten gezogene Zahl. Hierbei ist sie keine Unglückszahl, sondern bezeichnet Bäcker oder Fleischer, die dem Kunden statt der verlangten 12 Stücke 13 einpackten, um sich beim Verzählen nicht strafbar zu machen. Vielflieger wissen, dass die 13.te Sitzreihe nicht buchbar ist. Und selbst wenn das Flugzeug abstürzt und alle überleben, niemand kommt danach in das Zimmer #13 oder in den 13ten Stock.

Einspruch? Es schlägt jetzt gleich dreizehn? Dann das aber gleich zweimal!
Macht nach Eva Winzig (der Gattin von Adam Riese, welche zusammen mit ihm mathematisch den durchschnittlichen Otto-Normalverwutzer zeugte): „46“.

Setzt man auf diese Nummer nochmals die „1“, dann erhält man die „47“.
„47“ ist die 15te Primzahl. „47“ ist die Anzahl der Atome in Silber und in Kombination mit einem „+“ die Landesvorwahl von Norwegen. Der Mexikaner Pancho Villa soll durch 47 Kugeln getötet worden sein. „47 Ronin“ ist die japanische Geschichte der 47 Samurai, die den Tod ihres Herrn rächen. Eine diatonisch gestimmte Harfe hat 47 Saiten. Der Schriftstellervereinigung „Gruppe 47“ hatte Günther Grass maßgeblich seinen Erfolg mit „Die Blechtrommel“ zu verdanken.

„47“.
Auf die „47“ kann ich so viele „0“ addieren wie ich möchte, „47“ bleibt „47“. Lediglich das Produkt der „47“ mit der „0“ ist zu scheuen. Denn dann wird alles wieder zur „0“. Undefinierbar. Ohne Dimension, keine Ausdehnung. Einfach nur ein Punkt. Einfach nur anwesend. Mehr nicht. Er zählt nicht.

Da bleib ich heute mal bei der „47“.
„47“.
Man gönnt sich ja sonst nichts.

Ertrage die Clowns (5): Aufmerksamkeit für Aufmerksamkeitsstörungen lenken …

Im Jahr 1949 steckte sich der junge Joachim Fest einen Zettel ins Portemonnaie, den er bis zu seinem Tode mit sich führte. Auf dem Zettel stand der Satz:

„Ertrage die Clowns!“

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Zwischen Abendbrot und Filzpantoffel lässt den geneigten 19:00-Nachrichtenkonsumenten eine Schreckensmeldung in seinem zufriedenen wohligen Katastrophenhalbschlaf zusammenzucken:

Immer mehr Kinder in Deutschland sind ADHS-erkrankt, an jene Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörungen, was auch flapsig mit dem Begriff „Zappelphilipp-Syndrom“ umschrieben wird. Besonders seien Kinder davon betroffen, deren Eltern zu den unteren Einkommensschichten zählen oder arbeitslos sind. Da nickt der Pantoffelheld beifällig dem Nachrichten-Moderator zu und denkt an all die brutalen Überfälle von Kindern auf Erwachsenen in Deutschland …

… oder auch nicht …

Interessant an der Meldung ist der Zeitpunkt.
In der USA wurde eine Woche zuvor im Fachmagazin „JAMA Pediatrics“ berichtet, dass die ADHS-Diagosen in den USA angestiegen waren ( Quelle: http://archpedi.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=1558056 ) . Basis dieser Studie war die Untersuchung von 842.830 Personen im Zeitraum von Januar 2001 bis Dezember 2010 auf Basis der „Kaiser Permanente Southern California“ Gesundheitsvorsorgeversicherung. Es wurde ein Anstieg der ADHS-Diagnosezahlen (2001: 2,5%; 2010: 3,1%) festgestellt. Ein weiterer Punkt der Studie war dabei auch die Feststellung, dass besonders auffällig sei, dass die größte Anzahl der ADHS-positiv diagnostizierten Kinder aus wohlhabenden Familien stammen.

Die Zahlen, die heute in den Nachrichten verkündet wurden kamen von der Barmer Kasse und sahen teilweise anders aus ( Quelle: https://www.barmer-gek.de/barmer/web/Portale/Versicherte/Rundum-gutversichert/Infothek/Wissenschaft-Forschung/Reports/Arztreport-2013/Arztreport-2013.html?w-cm=CenterColumn_t302962 ) :
2006 wurde 2,92% ADHS-positive Diagnosen getätigt, 2010 waren es bereits 4,14% (bei insgesamt 750.000 untersuchten Personen). Ebenso wie die Amerikaner stellten auch die deutschen Forscher einen Zusammenhang bei Kindern und deren finanziellen Hintergrund fest: Je ärmer, desto eher ADHS.
Soweit so gut.

Ein Blick in die Barmer-Forschungsdokumentation verrät allerdings auch noch anderes: die Forscher stellten fest, in dem wohlhabenden Bundesland Bayern wurden mehr ADHS-Fälle diagnostiziert als in ADHS-Fälle armen Bundesländern Bremen oder Mecklenburg-Vorpommern. Besonders die Umgebung von Würzburg verzeichnet ein erhöhtes Auftreten von ADHS-Diagnosefällen. Warum das so ist, dass es im Raum Würzburg mehr ADHS-Fälle gibt, dafür fanden die Forscher keine Ursache (jedenfalls kein Elendsviertel Deutschlands sondern eher die Heimat von Gutsituierten wie beispielsweise die Umgebung des Copy&Paste-Freiherrn von und zu Guttenberg). Selbst das wohlhabende München liegt deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Selbst die Bundesländer mit hoher Arbeitslosigkeit gehören gemäß der Barmer-Forschungsdokumentation zu den Bundesländern mit sehr geringen ADHS-positiv Diagnosefälle.

Der signifikante Unterschied zwischen der amerikanischen und der deutschen Studie liegt also nicht in der Altersklasse und der geschlechtsspezifischen Anfälligkeit von ADHS, sondern sie liegt in der Beurteilung, welche Schichten eher ADHS diagnostiziert bekommen:
In der USA sind es nach Angaben der amerikanischen Forscher die obere Mittel- bis Oberschicht, in Deutschland nach Angaben der deutschen Forscher die untere Mittel- bis Unterschicht.

Was wollen uns also die Medien mit der Nachricht über das Ansteigen von ADHS-Diagnosen bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland jetzt erklären?
Dient die Nachricht als Beruhigsmittel und Absolution reicherer Gesellschaftsschichten?
Oder als Generalverdacht der Kindesfehlerziehung finanzschwacher Familien?
Oder erfordert es Handlungsbedarf wie z.B. durch die Verschärfung des Jugendstrafrechts?

Freilich, das sind jetzt alles aus meinem eigenen Daumen gesaugte Zerrbilder, was ich mir denken könnte, was sich die Medien so dabei denken, wenn sie an die deutsche Studie denken. Sehr interessant fand ich bis jetzt allerdings, dass kein Journalist den Gegensatz zur amerikanischen Forscher-Studie (vor einer Woche veröffentlicht) zur deutschen Studie herausgearbeitet hat. Vielleicht würde es die deutsche Studie dadurch unseriöser erscheinen lassen.
Wer weiß.
Drum redet die deutsche Presse jetzt auch nur gemeinsam über die eine Studie. Über die andere auch noch zu reden, dass würde Erklärungen und Nachdenken erfordern. Das wäre eine größe Herausforderung für die deutsche Presse. Aber das passiert nicht. In einem Land, wo maximal Stadien überdacht werden, aber seltenst Positionen …

Oder in Anlehnung von Erich Maria Remarque mal gehässig für den Grundtenor der deutschen Presse gesprochen:
Am Besten nichts Neues.

Danke für das Weglesen dieses meines Blogeintrages.

Herzlichst

Careca

Freio! Ich bin im Freio!

Na also.
Es geht doch.
Das, wofür die Grünen Anfangs der 80er des letzten Jahrhunderts eintraten, eben das setzen die Amerikaner jetzt um: Gleichberechtigung von Mann und Frau. Demnächst dürfen auch Frauen in vorderster Front Seit an Seit mit den Männern auf deren gemeinsame Feinde schießen.
Jeder Schuss ein absolutes Muss, jeder Stoß begleitet mit Vollmantelgeschoss, jeder Tritt mit fraulichem Igittigitt, jeder Klaps geführt durch ein Bein mit Straps, selbst Arabien soll daran darbien.
Sowieso.

England und Abu-Ghuraib waren das erste Signal der neuen Gleichberechtigung. Gleichberechtigung im Stile einer neuen Zeit als Orientierung für Mann und Frau.
Mit England ist jetzt nicht jene winzig kleine Insel zwischen dem europäischen und amerikanischen Festland gemeint. Nein, nicht jene europäische Insel »England«, welche für militärische Muskelspiele weltweit zu haben ist. Die Insel, welche enge, adlige verwandtschaftliche Beziehungen zu Deutschland hat und die vom »hört, hört, hört«-Regisseur David Cameron hollywoodreif gelenkt wird (bitte den britischen David nicht mit dem amerikanischen James verwechseln, okay?)
Vielmehr beziehe ich mich auf Lynndie England. Jene Frau, die an einem Hundehalsband einen Mann wie einen Dackel durch die Folterkammern Abu-Ghuraibs hinter sich her schleifte. Jener nackte Mann war pressetechnisch »nur« ein Gefangener, ein potentieller Islamist, ein Unter- und Gefolgsmensch jener damaligen irakischen Tyrannei. Ein Gefangener, der moralbefreit so behandelt durfte wie einer der vielen Gefangenen auf Guantanamo. Lynndie England bereut sicherlich noch heute ihr menschenverachtendes, militärisches Posing vor der Kamera. Jenes Foto der Lynndie England und des Gefangenen hat sich wie ein Fanal einer fatalen Siegermentalität in unsere Gehirnen eingebrannt.

Nur, ist so etwas ein Thema für das hehere Thema »Gleichberechtigung«? Ist es ein Thema, dass der »Grüne« Joschka Fischer sich damals pressewirksam über den Fall Abu-Ghuraib echauffierte?

Als Hinweis ist der Begriff »Grüne« jetzt nicht so weit weg. Damals hatten jene die Wähler der Grünen glauben gemacht, eines der Ziele der Grünen wäre der Pazifismus an sich und eine Abschaffung der Bundeswehr sowieso. Nur heute beweisen die Frauen der »Grünen«, worum es bei den Zielen wirklich geht. Gleichberechtigung steht nicht nur als Quote für das Ziel diktiert. Eine vorzeitige Abschaffung der Bundeswehr hätte den Frauen gerade jene Möglichkeit der Gleichberechtigung innerhalb einer der letzten Männerbastionen – dem Krieg und des willkürlichen Tötens – ersatzlos beraubt.
Das geht nun wirklich nicht. Von Alice Schwarzer über Christina Schröder und Andrea Nahles bis Claudia Roth befürwortet keine politische Frau eine solche Idee. Denn erst wenn Gleichberechtigung hergestellt ist, könnte erneut tendenziell angefangen werden, über eine Abschaffung nachzudenken. Unter diesem Blickwinkel könnte der Selbstmord als vorzeitige, feige Kapitulation der »Grünen«-Mitgründerin Petra Kelly und deren Ehemann Gert Bastian (General a.D.) vor über 20 Jahren im Oktober 1992 Sinn ergeben. Es gäbe auch der damaligen und jetzigen Argumentation eines Joschka Fischers und seiner Gefolgsleute für Einsätze der Bundeswehr in Nicht-Verteidigungsfällen einen weiteren Sinn.

»Gleichberechtigung« als Schlagwort der Zukunft. Denn wer die Bundeswehr vor der Gleichberechtigung abgeschafft will, der beraubt de facto der Gleichberechtigung eine weiteren Chancen in Aktion zu treten.
Die Amerikaner haben der Gleichberechtigung jetzt eine weitere Tür aufgestoßen. Sicherlich, medientechnisch redet jetzt jeder davon, dass ohne nachweislichen Kerben am eigenen Gewehrkolben für jeden persönlich Getöten kein Aufstieg in der Militärhierachie möglich wäre.
Die eigene Karriere als Hauptmotiv.
Selbst Prince Harry von England (gemeint ist jetzt das Land »England«, nicht jene Lynndie England) benötigt eigene Getötete zur Reputation seiner Befähigung als potentieller König von England und für die Staatsräson einer Demokratie. Das hat unsere Presse erst letztens mit der Condicio-sine-qua-non-Formel (»„Bedingung, ohne die nicht«-Formel) runtergebetet. Eine Sinnhaftigkeit davon wurde nicht hinterfragt.

Verschwiegen wird dabei, dass die Gleichberechtigung jetzt endlich auch mal auf einem ganz anderen Feld erreicht werden kann. Fakt ist derweil, dass die amerikanischen Militärkräfte mehr Leute durch Selbstmord verlieren als durch deren zielgerichtete Kriegseinsätze. »Gods own Country« strebt nun die totale Gleichberechtigung an. Es kann nicht sein, dass mehr Selbstmörder des amerikanischen Militärs beerdigt werden als Selbstmörderinnen des gleichen staatlichen Karnevalvereins mit sühnebefreiten Totschlagauftrag. Um diesen ungemütlichen statistischen Fakten ein Gegengewicht zu geben, werden demnächst auch amerikanische Frauen in vorderster Linie mitkämpfen und zu psychischen Wracks degenerieren. Auf dass die Selbstmordquote paritätisch verteilt sein möge.

Und genau überlegt zeigt sich an dieser Stelle, dass die deutschen Schwarzers, Schröders, Nahles und Roths den gesamten Überblick wahren. Gleichberechtigung, an allen nur möglichen Positionen im Staat. Frauen in die Bundeswehr haben die auch auf deren Fahnen geschrieben. Hinweg mit den verhassten Männerbastionen im Namen der Gleichberechtigung?

»Freio« galt in Kindertagen als Ausruf beim Fangen-Spiel. »Freio« sicherte vor dem Fänger, um nicht abgeschlagen zu werden. »Freio« war der Schutzraum vor dem Gegner. Es machte unantastbar.

Freio.

Die Titelschlagseite des Fokus vom 14. Januar titelte letztens »Freio«:
»Wir wollen keine Frauenquote – Starke Frauen rebellieren gegen Staats-Diktat und Gleichmacherei«.
Unter den Frauenköpfen sah ich auch den von Christina Schröder. Ja, sollte das etwa ein Statement gegenüber den Einsatz in Kriegsregionen deutscher Frauen werden? Frauen befreit von einer Erstürmung der Bastion »Militär« und »Krieg«?

Dabei ist »Freio« als Schutzzone für Frauen politisch komplett inopportun. Das Militär benötigt eine Gleichberechtigung für Frauen in Hinblick auf deren Männer, auch in Sachen Erschossene und Suizidierte. Die militärische Sterbensrate kann nicht nur auf den Schultern der Männer verteilt bleiben. Das Vorrecht der Frauen, in der Statistik lediglich unrühmlich als Opfer von Kollateralschäden aufzutauchen, ist kein Idealbild mehr. Gleichberechtigung ist angesagt.
Lieber »Jeanne d’Arc« als »Florence Nightingale« oder »Mutter Theresa«. Selbst beim Sterben. Frauen an die Front. Sterben an der Front für Freiheit und Vaterland. Oder durch Suizid danach.

»O süßer Tod, für’s Vaterland, O schöner Tod der Ehre!« (aus »Deutsche Hymne« von Friedrich Stoltze)

Beim Sterben fürs Vaterland ist jeder der erste. Bis zu letzt.
Oder sollte jetzt gar die auf dem Titelbild des Focus dargestellte neue Frauenbewegung indirekt die Abschaffung der Bundeswehr fordern? Zum Schutze des eigenen Lebens und der eigenen Gleichberechtigungsmöglichkeiten?

….

Freio!
Ich bin im Freio!

Interview-Goof mit Lance und Oprah: Wassergläser mit Edelstahlstrohhalme

Selten schafft es eine US-Talkshow bis in die deutschen Nachrichten. Oprah Winfrey hat es wieder geschafft. Ihr knapp 100minütiges Interview mit Lance Armstrong fand Erwähnung zur deutschen PrimeTime und in deutschen Zeitungen.

Das Interview wurde inzwischen mehrfach hinsichtlich der Dopingvorwürfe in den Medien durchgescant. Aber auch nur in dieser Hinsicht. In meinen Augen verdient sich der Journalisten Anno Hecker der FAZ mit seiner Analyse des Phänomens Lance Armstrong (http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/lance-armstrong-der-unmenschliche-12028487.html) lobende Erwähnung.

Ich möchte hier nicht auf das Offensichtliche des Interviews nochmals eingehen oder die Überschrift wiederholen, dass sich in den Wassergläsern von Lance und Oprah metallene Strohhälme befanden. Ich möchte an dieser Stelle eher mal den Blick auf den Inhalt der Wassergläser lenken.
Wasser. Freilich.
Aber hat wer von den Zuschauern bemerkt, ob diese halb voll oder halb leer waren?
Nun ja, am Anfang waren sie zu 4/5 gefüllt.
Und gegen Ende des Interviews?
Wurden die Gläser leerer?
Ja und Nein.

Denn als Oprah Lance nach 80 Minuten auf dessen Sohn hin ansprach und Lance sich die Worte im Mund mit seiner linken Hand herausknetete, da war sein Glas nur noch zu 1/3 gefüllt.

Knappe 11 Minuten später ging das Gespräch über seine Kinder und an der Stelle wurde das Interview mit einem Teaser für den weiteren Verlauf mit dem Untertitel „Coming Up“ eingeblendet unterbrochen. Werbepause. Und weiter ging es. Das darauffolgende Thema war ein vermuteter Bestechungsversuch in Richtung der amerikanischen Anti-Doping-Oragnisation USADA.

Die Wassergläser der beiden waren so voll wie am Anfang des Interviews …
Okay. Das ist machbar, auch wenn es nicht jeder Beobachter des Interviews bemerkt haben wird. So etwas gehört zum dramaturgischen Ablauf einer Regie einer Sendung. Vom emotionalen Höhepunkt wieder zurück zu den Fakten der Machtspiele von Lance Armstrong gegenüber allen, die ihn irgendwie in seinem Leben bedrohten.

Gab es einen Versuch der Bestechung der USADA durch Lance Armstrong oder seinen Mitarbeitern? Lance Armstrong hat dies in den eineinhalb Minuten auch bei mehrfachem Nachhakens Oprah Winfreys verneint. Auf Oprahs Frage nach den finanziellen Verlusten der nachgewiesenen Dopingstrategie von Armstrong, erklärte dieser, 75 Millionen Dollar habe er schlagartig verloren und schaute dabei imaginär nach rechts oben, als ob er dort die Spitze des verlorenen Geldturmes sähe. Ob er denn an einem Punkt angekommen wäre, wo er nicht mehr wüsste, was er noch tun könne, fragte dann Oprah und die Kameraeinstellung wechselte.

Es wurde wieder die Totale des Ensembles „Lance Armstrong, Tisch mit Gläsern und Oprah Winfrey“ gezeigt. Nur jetzt war das Glas urplötzlich wieder zu knapp 1/3 voll. So wie bei dem Gespräch über Armstrongs Familie. Und das Thema war auch wieder Familie.

Ob es jemanden aufgefallen ist, dass hier geschickt das Interview umgeschnitten wurde, um ein bestimmtes Bild zu erzeugen? Es hat mir ein „Geschmäckle“ hinterlassen, dass nicht erst seit der EM und Jogi Löws Ballwegschubsen beim Balljungen während eines Spiels der EM der Zuschauer schwer zu durchschauenden Bildmanipulationen ausgesetzt wird.

Ansonsten war das Interview schon von der Konstellation des Ensembles „Lance Armstrong, Tisch mit Gläsern und Oprah Winfrey“ für deutsche Talkmaster eine Lehre:
Armstrong hatte zu seiner linken Oprah Winfrey und zu seiner rechten Seite die Frontkamera. Da Armstrong Rechtshänder ist und Rechtshänder beim Imaginieren von konstruierten Bildern und Gesprächen dieses auf der gehirnlichen rechten Seite vollziehen, während das Abrufen von vorhandenen Bildern und Gesprächen auf der linken Seite geschieht, spielte die Sitzposition von Armstrong ein wirksames Gegenmittel zu spontanen Lügenkonstrukten seinerseits. Vielmehr war Lance Armstrongs Ansprechpartnerin Oprah auf seiner linken Seite und somit war er mehr dem Abrufen seiner Erinnerungen (vorher erlebte Bilder und Gespräche) unterworfen, als einer spontanen Flucht vor Fragen der Interviewerin. Das Interview ist ein gutes Beispiel für eine geschickt vorbereite Interviewstrategie.

Allerdings ist Lance Armstrong garantiert nicht ungeübt in Sachen „Interviewsgeben“:
– Seine Körperhaltung war die einer Wagenburgbildung: verschlossen und auf Verteidigung ausgerichtet bei möglichst unbedenklicher Offenheit. Selbstsprechend war hierfür die Szene, wo Lance mit beiden geballten Fäusten zeigte, was er als sein Territorium empfand und wie er es verteidigen würde, bis er es selber bemerkte und die Fäuste schnell öffnete um das Territorium mit offenen Handflächen abzustreichen (Oprah hatte es aber aufmerksam bemerkt und Lance dessen Boxerhaltung gleich imitiert).
– Als für Lance und Oprah eine Videoeinspielung ein anderes Interview aus dem Jahr 2005 gezeigt wurde, in welchem Armstrong seine Unschuld in Sachen Doping beteuerte, da wurde inmitten der Videoeinspielung auf Armstrong umgeschnitten, der eine fast ähnliche Geste vollführte wie in jener Videoeinblendung. Aufschlussreich war das insoweit, da Armstrong beteuerte, dass er den Typen aus dem Jahr 2005 hassen würde …
– Er bereut sein Doping, ja. Aber auch nur weil damals Floyd Landis gestanden hatte und Lance Armstrong belastet hatte. Dass er im September 2012 noch provozierende Fotos über InstaGram-Twitter geschickt hatte, während er kurz davor stand, all seine Titel aberkannt zu bekommen, das lässt schon die Frage zu, inwieweit ein Selbstheilungsprozess nur knapp vier Monate dauert. Seit Jahren hatte er seine Lüge gelebt und jeden, der Gegenteiliges behauptete, mittels des amerikanischen Rechtssystems mundtot gemacht …

Das Interview zwischen Lance Armstrong und Oprah Winfrey war in den letzten Tagen das Gesprächsthema hier in Deutschland. In einem halben Jahr wird es auch wohl niemanden mehr aufregen. Ob Lance Armstrong dann noch außerhalb von Prozessen und Gerichten medientechnisch bemerkt werden wird, dass steht kaum zu erwarten.

Auch das das als authentisch vermarktete Interview einen Goof hat (Wassergläser mit sich magisch ändernder Füllhöhe), interessiert bereits morgen niemanden mehr.

Und erst recht nicht mehr, dass es in der USA Strohhalme aus Metall gibt, das berüht dann keinen großen Geist mehr.

Nebenbei:
zum Nachschauen findet sich das Interview noch auf YouTube hier:

(sollte sich der Link geändert haben, bitte ich um Nachsicht; heute jedenfalls führte er noch zum Interview-Video)

Wie beliebt ist Satire in Deutschland?

Da hab ich Dummerle doch mal glatt nach „Satire“ bei amazon.de gesucht und nach Beliebtheit geordnet …

… die beliebtesten Satiren sind nicht mehr erhältlich …

Da lachen wir uns doch mal alle comedymäßig scheckig, oder?

Zum Vergrößern bitte anklicken:

Die beliebtesten Satire in Deutschland

Jahresrückblick: Berühmte Aussprüche berühmter Bundespräsidenten

Es war einmal im Jahre des Herrn 2012 ein Bundespräsident, der wollte einen BILD-Redakteur beeindrucken und verkündete etwas vom Überschreiten von irgendwas.
Der Bundespräsident ist Geschichte und das, was er sagte, aus potentiellen Urheberrechtsgründen mal verbildlicht …

Die Übershreitung des Rubicons

Auf Deutsch: 50 Schattierungen von Grau

Hm, jetzt lese ich auf meinem Kindle gerade das, was ich denke, dass in allen Bestseller-Listen auf Platz 1 platziert ist. Aber irgendwie kann ich die Faszination nicht teilen.

„50 shades of grey“.

Was ist daran erotisch?
Warum stehen Frauen so auf dieses Machwerk?
Und überhaupt, wo ist da irgendeine romantische Handlung?

Fünfzig Schattierungen von Grau

Ja, und je länger ich es anschaue, ja, es könnte was mit Masochismus zu tun haben, sich so etwas als Nicht-Fotograph anzuschauen …

Dieter Hildebrandt wirbt für "Stoersender.tv"!

Dieter Hildebrandt kommt zurück.
Ohne jene Bedürfnissanstalten, öffentlicher- und privaterseits.
Anschauen!

Dieter Hildebrandt als Crowdfondsmanager from stoersender.tv on Vimeo.