Nur zu Besuch, bei einem AfD-Wähler

Schalker Barock, war mein erster Gedanke, als ich den Couchtisch vor mir sah. Ein Nierentisch, wie ich ihn früher öfters sah. Nur Schalke lag weit weg, also musste es sich hier um Freiburger Barock handeln. Dieses niedrige Glastischchen stand mit bunter Vielfalt an Zeitschriften, Papieren und geöffneten und ungeöffneten Briefen bedeckt direkt vor der hellen Couch. Sie stand raumgreifend vor der breiten Wand, vielleicht vier, fünf Meter lang, mit der obligatorischen Menschen-Ablagefläche, die wie eine Zunge sich in den Raum rausstreckte und nur in einer Richtung wies. Und richtig, in der Richtung stand montiert auf einem Ständer ein Fernsehschirm an der Wand gestellt. Kein großer Fernseher, vielleicht ein 40-Zöller oder so. Dessen Kabel liefen auf die Couchzunge zu und verschwanden unter ihr. Wahrscheinlich befand sich die Steckdose hinter der Couch. Die Fernbedienung des Fernsehers konnte ich zwischen den Kissen auf der Couch ausmachen. Um sie herum lagen vielleicht anderthalb Dutzend Kissen herum. Zerknautscht, zerknuddelt oder zerdrückt von hohem Körpergewicht. Einige der hellen Kissen wiesen Flecken auf. Andenken an Kaffee, Tee oder anderen Malheuren.

Lediglich an den beiden Enden der Couch befanden sich jeweils zwei dunkle Kissen, ordentlich, aufrecht, drapiert mit dem berühmten deutschen Handkantenschlag, zwecks obligatorischen Kniff in deren Mitte. Diese vier Kissen erschienen wie straff organisierte wilhelminische Soldaten, Parade stehend und auf deren Einsatzbefehl wartend. Sie kannten wohl noch jene vergangene Zeit, als die Couch gesäubert und geordnet war. Es musste einige Zeit vergangen sein, denn ich glaubte, eine leichte Staubschicht auf denen zu erkennen.

Zwischen all den Zeitschriften und Papieren auf dem Couchtisch machte ich einen Teller mit Brotkrümeln aus. Daneben stand eine fast leergetrunkene Kaffeetasse mit einem Löffel drin. Der Rest Kaffee krustete am Boden und Rändern der Tasse und wartete auf den Abräumdienst des Hauses. Eine Zeitschrift lag umgedreht davor. Compact.

»Du liest Compact?«

»Man muss sich informieren.«

»Aber Compact …«

»Ich lese auch andere, nicht nur solche. Im Internet gibt es auch sehr interessante Magazine und Blogs, die wirklich lesenswert sind.«

»Aber …«

»Nur Mainstream-Medien lesen, echt jetzt, da verblödet man literally, das wollen die doch. Darum lese ich andere. Das heißt aber nicht, dass ich alles glaube, was ich lese. Klar, die machen ebenfalls deren Framing und Compact glaube ich auch nicht alles. Aber die schreiben tendenziell ehrlicher als die anderen, welche versuchen, mit deren Framing per Zeitung und Fernsehen ihre Ansichten in uns reinzupeitschen.«

»Das glaube ich nicht.«

»Das ist keine Sache des Glaubens, sondern des Wissens.«

»Du redest wie BILD-Zeitungsleser, die sagen, dass sie wüssten, dass BILD vorsätzlich belügt. Nur, der Sport-Teil sei super und zudem habe BILD den Finger am Puls der Zeit, was deren Überschriften doch klar beweisen würden, meinen die.«

»Dein Vergleich ist Quatsch!«

»Du liest BILD?«

»Natürlich nicht. Mainstream. Und nebenbei gesagt, der Sport-Teil von denen hat ja auch nachgelassen.«

»Aber dafür Compact, oder? Haben die auch einen Sport-Teil?«

»Also deine Ironie ist daneben, tatsächlich. Hast du mal ein Heft vom Elsässer gelesen?«

»Elsässer?«

»Ja. Ein kluger Kopf. Der wurde aber in der Pandemie zusammen mit Wodarg und anderen niedergemacht. Nur weil die nicht den Quatsch der Mainstream-Medien nachgeplappert hatten, sondern deren eigenen Kopf benutzt hatten. Und das konnte die nicht leiden und daher ihn und seinesgleichen permanent unsachlich ruf gemeuchelt.«

»Hm.«

»Die sprechen nun mal die unbequemen Wahrheiten aus, die andere nicht wahrhaben wollen. Und ich sag dir, es ist die Mehrheit in dieser Bevölkerung, die so denkt, nicht nur ich. Aber die da oben, wollen es nicht wahrhaben und ignorieren uns. Aber wir haben auch unsere Wege, die Realität zu erkennen und weiterzugeben.«

»Bist du sicher, dass es die Mehrheit ist? Anfang dieses Jahres gab es über Millionen, die auf die Straße gingen, um gegen solche irrigen Wahrheiten aufzustehen und zu demonstrieren.«

»Millionen? Weißt du, wie viel es hier hat? 83 Millionen. Damit erreichen deine Millionen vom Jahresanfang nicht mal die 5%-Hürde.«

»Die Millionen, die auf die Straße gingen, kannst du aber nicht vernachlässigen.«

»Eine Abstimmung mit den Füßen hat noch nie die Mehrheit repräsentiert. Du erinnerst dich doch auch noch daran, als wir beide in den 80ern gegen den NATO-Doppelbeschluss auf die Straße gingen. Erinnerst du dich noch an die Fünfhunderttausend 1982 auf der Rheinwiese in Bonn? Da dachten wir doch tatsächlich, wir wären literally die Mehrheit der Bevölkerung, der restlichen 60 Millionen. Nur leider haben Forscher mittlerweile eindeutig die Realität festgestellt, dass die Mehrheit der Bevölkerung für den NATO-Doppelbeschluss war, und jene Fünfhunderttausend 1982 auf der Rheinwiese in Bonn lediglich mehr Krach gemacht haben als die Mehrheit der 60 Millionen-Bevölkerung. Und dass die Pazifisten tatsächlich Träumer waren. Und heute ist es genau so, und nicht anders. Schau dir doch die Realität an und hör auf, Fantasiegebilden hinterherzulaufen.«

»Das war damals kein Fantasiegebilde.«

»Jajaja, ich weiß doch: you may say, I’m a dreamer, but I’m not the only one, I hope someday you’ll join us and the world will live as one. Altbekannte Leier der Pazifisten und Realitätsverweigerer.«

»Das war mehr als das. Es ging um die Zukunft.«

»Zukunft? Träumereien. Wir leben in der Realität und die ist das, was beispielsweise in Solingen letzter Woche passierte. Tote und Verletzte durch einen Messerstecher eines Asylanten aus Syrien.«

»Messerstecher kommen auch aus Deutschland.«

»Ironischerweise ist ja Solingen gerade wegen seiner Messerqualität weltweit bekannt geworden, nicht wahr? Solinger Qualität. Aber jene unschuldig gemesserten Opfer hätten alle vermieden werden können, wäre er konsequent ausgewiesen worden. Oder jene Messerstecher gar nicht erst hereingelassen.«

»Vergiß nicht, Solingen wurde auch bekannt durch Rechtsextremismus, als Rechtsextreme dort per Brandanschlag fünf Tote und erheblich mehr Verletzte hinterließen.«

»Du willst doch hier nicht das bisschen deutsche Rechtsextremismus mit den illegalen, marodierenden Asylanten hier in Deutschland vergleichen, oder? Solingen letzer Woche war kein Einzelfall. Messernde Islamisten als Asylanten verkleidet traten doch schon mehrfach in Aktion. Hätte der CIA nicht aufgepasst, hätte es letztens bei dem Taylor-Swift-Konzert in Wien ne Katastrophe mit Zehntausenden Toten gegeben.«

»Illegale, marodierende Asylanten? Was ist jetzt das für ein Framing? Compact? Oder AfD? Und, die verhafteten Verdächtigen waren Österreicher, keine Asylanten.«

»Das waren keine Bio-Österreicher, sondern islamistische Immigrationskinder. Und was soll das überhaupt mit deinem ‚Framing‘? Was ist das für ein Framing, das Wort ‚Rechtsextremismus‘ so inflationär mit Zeitschriften oder Parteien zu verwenden? Ich sage dir, was das ist: Mainstream-Gelaber, so wie dieser Gender-Mainstream-Quatsch, mit denen wir weichgespült werden sollen, nur weil so kleine Grüppchen hier im Lande deren Süppchen kochen und uns damit deren Willen aufzwingen wollen.«

»Und deswegen wählst du jetzt AfD?«

»Politik lebt vom Mitmachen. Nur Politikverdrossene gehen nicht wählen. Wenn die herkömmlichen Parteien sich der Realität versagen, dann müssen die damit leben, dass die niemand mehr wählt. Wir sind halt die Mehrheit, weil wir uns informieren und nicht indoktrinieren lassen.«

»Und du bist sicher, dass du nicht durch deine Nicht-Mainstream-Medien manipuliert wirst?«

»Es ist wie mit dem Immunsystem. Wenn du es nicht trainierst, wirst du anfällig für Krankheiten. Und Informationen sind das Training für eine gesunde Immunität des Verstandes. Wer sich nicht informiert, wird krank im Kopf.«

»Das Immunsystem kann man nicht trainieren, es funktioniert nicht wie ein Muskel. Immunität kann man nicht trainieren. Wer hat dir denn diesen Quatsch erzählt?«

»Versuch mal selber zu denken und stopfe nicht alles in dir rein, was dir vorgekaut wurde. Dann wirst du merken, wer hinter solchen Aussagen steckt. Zum Beispiel die pharmazeutische Industrie, damit alternative Behandlungsmethoden keine Chance haben, deren Profit zu gefährden. Das ist Fakt und funktioniert bei dir doch wunderbar, wie ich sehe. Du denkst nicht, sondern gibst zu denken. Trainiere mal selber zu denken und du wirst die Realität erkennen.«

Ein Reihenhaus. Ein stinknormales Reihenhaus mit kleinem Schottervorgarten. Er hatte es von seinem Vater geerbt. Zusammen mit dem Geld. Sein Leben erfuhr urplötzlich eine Wendung um 180 Grad. Eigentlich könnte man sagen, bis in seine Rente hinein hat er wohl ausgesorgt.

Ich schaute die Straße hinab. Parkverbotsschilder überall, nur Anwohner mit Parkerlaubnis dürfen parken.

Er hatte seine Biotonne an den Straßenrand geschoben. Köpfe verwelkter Lilien schauten heraus. Dicke Brummer nutzten die Lücke zwischen gelbem Deckel und brauner Tonne, um sich im Dunkeln der Tonne mit allem Nötigen an Stinkendem und Verwesendem zu versorgen.

Vor seiner Garage glänzte ein neuer Klein-SUV vor sich hin. Hochglanzpoliert. Was für ein Unterschied im Leben. Vor vierzig Jahren besaß er kein Auto und schwor darauf, nie eine dicke Karre fahren zu wollen. Und kein Leben im Freiburger Reihenhaus wie seine Eltern. So bieder und so konservativ. Damals war er noch reichlich unsesshaft unterwegs.

Zeiten ändern sich. Menschen auch.

Ich ging zur Bushaltestelle.

Kein Blick zurück.

Auf dem falschen Dampfer …

Schon wieder eine Nachricht, die auf Migrationen blicken lässt. Es passierte diesmal unweit der Insel Lampedusa, welche durch FRONTEX vom südlich gelegenen Festland gegen illegale Bootspassagiere abgeschirmt wird, um sie am Betreten des EU-Gebiets zu hindern.

Also unweit Lampedusa, so in etwa 180 Seemeilen entfernt, ist wieder so eine Nussschiff von geldgierigen Schleusern mit Nicht-EU-Angehörigen gesunken. Von den 22 Leuten an Bord dieser Nussschale überlegten lediglich 15 im Meer, 7 Nicht-EU-Angehörige starben.

Aus gut unterrichteten Kreisen musste für die Nussschale wohl die stolze Summe von 35 Millionen Euro gezahlt werden. Das bedeutet bei 22 Passagieren also 1,6 Millionen Euro pro Kopf. Verkauft wurde die Nussschale wohl von einer Gruppe, die firmenmäßig organisiert Gruppen auf diese Nussschale schleppt, um sie dann einzuschiffen. Wie man erfuhr haben davon lediglich zwölf Passagiere zehn weitere Menschen zur Navigation und Organisation der Nusschale zugeladen. Das bedeutet somit eigentlich, dass die zahlenden Opfer wohl 1,9 Millionen Euro beglichen haben mussten. Darüber hinaus wurde auch bekannt, dass einer der jetzt Vermissten ein Milliardär gewesen sein soll. Daher wird es immer klarer, dass die Flüchtlinge wohl sehr vermögend waren, als die deren Schlepper für die illegale Immigration bezahlt …

Moment.

Ich erhalte gerade eben neue Informationen.

Oh je, eine unglückliche Falschmeldung, ein kleines Missverständnis. … sozusagen, ein kleiner Schritt auf dem Holzweg im Ozean der Informationen, Gott, sei Dank, rechtzeitg erkannt …

Es handelte sich nicht um Bootsflüchtlinge. Sondern um unschuldige Touristen. Ein tragischer Unfall mit einer super modernen 50-Meter-Luxusyacht. Das Boot wurde auch nicht gekauft, sondern es wurde lediglich angemietet, mit der zehnköpfigen Crew. Bei einer seriösen Agentur für Touristen. Und dann kam so ein wirklich schicksalhaftes Unwetter mit Tornado vor Sizilien und versenkte diese Yacht einfach mal so dir-nichts-mir-nichts. Der Ursprung des Tornados ist noch unbekannt. Man muss wohl von einer seltenen Wetteranomalie ausgehen, die diese tieftraurige Tragödie auslöste. Ja, und auch ein bedeutender Milliardär mit Wirtschaftskompetenz gehört wohl auch zu den Todesopfern.

Tragisch, traurig, tragisch. Welch ein Drama.

Aber zumindest wurden Kinder gerettet. Eines sogar von deren Mutter, die das Kind im Wasser über selbiges hielt, bis ein anderes Boot die Gekenterten aufnahm und rettete. Nähere Details erfahren Sie heute Abend bei »RTL-Aktuell«, »SAT-1 newstime« und »Pro-7 newstime« mit exklusiven Bildern der jeweiligen Reporter-Teams. Eventuell auch ein Exklusiv-Interview mit jener Mutter und einem Seewetterexperten aus Sizilien.

Im Anschluss daran gibt es übrigens eine neue Folge der Wiederholungssendung »Goodbye Deutschland! Die Auswanderer«. Oder sollte irgendwer mehr auf das wirklich Reale, das Aufregende, auf Gossip und Realität Wert legen, der kann auch bei »Ich bin ein Star – Showdown der Dschungel-Legenden«. Alle anderen können ja die Öffis einschalten und sich von denen einlullen lassen.

Guten Abend …

Zum Tode des Kabarettisten Richard Rogler (*19.09.1949, + 11.08.2024)

Neues vom Weltuntergang

»Guten Tag. Wo geht es hier zur Übernahme der Weltherrschaft?«

»Sind Sie Teil von The Pinky and the Brain?«

»Wie bitte?«

»Offensichtlich nicht. Dann bitte hier den Flur entlang, auf der rechten Seite den achten Gang, darauf nochmals die achte Option, diesmal als Tür, und immer rechts.«

»Danke.«

»Wie kann ich Ihnen helfen?«

»Ich möchte gerne die Weltherrschaft übernehmen.«

»Das hört sich doch vielversprechend an. Haben Sie das Formular 49 mit den Unterschriften von den Herren Biden, Stoltenberg, Putin, Xi Jinping, Jong-un, Macron, Sunak, Rutte …«

»Hab ich, hab ich. Hier.«

»Ah, danke… hm. Da fehlt etwas.«

»Was?«

»Die Unterschriften von dem Nabel der Welt. Da fehlen ja über 80 Millionen Unterschriften.«

»Dessen Vertreter hat dort unterschrieben. Zwischen Erdogan, Meloni und Orban. Sehen Sie? Man könnte es fast überlesen, sieht sehr unbedeutsam aus, war mir aber sehr wichtig.«

»Die 80 Millionen geben allerdings permanent verstehen, sie würden auf deren absolute Meinungsfreiheit bestehen. Und sie wollen, dass deren Meinung gefragt wird.«

»Was soll denn dieser woke Scheiß jetzt?«

»Ich bin nicht woke.«

»Da will ich einmal meinen Bestrebungen zu deren Wohle freie Bahn geben und jetzt ist es denen auch wieder nicht recht?«

»Ich möchte nochmals betonen, ich bin nicht woke.«

»Typisch! Mal wieder diese Cancel Culture, diese Wokeness-Blindgänger.«

»Ich fordere Sie auf, den Raum zu verlassen. Ich hatte Ihnen bereits gesagt, dass ich nicht woke bin.«

»Ach ja? Wahrscheinlich sind Sie auch so ein Schlafschaf, welches sich gegen die Überzeugungskraft von alternativen Fakten und Logiken wehrt.«

»RAUS!«

»War es nicht der richtige Raum?«

»Sprich mich nicht an, du Infodesk Fozzi-Bär!«

»Gerne. Und beehren Sie uns bald wieder. Haben Sie noch einen schönen Montagmorgen.«

»Leck mich!«

»Und gönnen Sie sich den Weltuntergang. Auf Wiedersehen.«

»FY.«

Kenner, die auf Ziegen starren

A: »Wie geht’s?«

B: »Ich kann nicht meckern.«

A: »Also, gut?«

B: »Meine Frau hat die Scheidung eingereicht.«

A: »Das ist mal ne Neuigkeit.«

B: »Sie meint, sie kann mich nicht mehr ertragen.«

A: »Warum?«

B: »Ach, dauernd nur am Meckern. Mach mal dies, mach mal das und dann das nicht und das auch nicht, aber dann dafür was anderes. Immer nur am Meckern.«

A: »Dir kommt es also gelegen?«

B: »Na ja, ich möchte ja nicht beckmesserisch sein, aber weißte, nach der ersten Scheidung vor sechs Jahren, da hab ich schon eine gewisse Erfahrung und Routine. Außerdem hat sie einen Neuen. Den Ex meiner Freundin.«

A: »Du hast schon ne neue am Start?«

B: »Klar, ich hab‘ doch gesagt, Erfahrung macht klug. Einsamkeit ist keine Option. Und du?«

A: »Ich kann auch nicht meckern. Meine ist erst letztens ausgezogen. Dann bin ich zu ner alten Bettbekanntschaft und dann ist die meine wieder eingezogen. Danach hat sie allerdings die Schlösser ausgetauscht und ich sie dann mit meiner Bekannten.«

B: »Guter Tausch?«

A: »Wie gesagt, ich kann nicht meckern. Meine Bekannte ist echt ne Liebe. Ebenso wie ich, dreimal geschieden. Somit erfahren in Sachen Trennung. Wir trösten uns jetzt gegenseitig.

B: »Ja, das Leben hat so seine Haken und Ösen. Sag mal, haste den Peter in letzter Zeit mal wieder getroffen?«

A: »Nein. Muss ich? Der ist eh immer so komisch. Spielt mit seiner Frau in der internationalen Hallenhalma-Champions-Ligue, hält zusammen mit ihr dort das gesamte Verfolgerfeld mit großem Vorsprung in Schach und denkt jetzt deswegen, er sei ein GOAT

B: »GOAT

A: »“Greatest of all time”. Also, größter Hallenhalmaspieler aller Zeiten. GRÖHAZ im Deutschen, GOAT im Englischen.«

B: »„Goat“ heißt doch „Ziege“ im Deutschen.«

A: »Yep, Englisch kannste noch immer gut, da kann man nicht meckern.«

B: »Aber mal ehrlich: dass der Peter noch nicht geschieden ist, das ist doch seltsam, oder? Normalerweise ist in unserem Alter jeder mindestens ein- oder zweimal geschieden. Ist der schwul?«

A: »Vielleicht hat er auch nur die falsche Frau getroffen.«

B: »Manche haben im Leben einfach immer nur Pech und entwickeln sich nie weiter.«

A: »Oder, ihm und seiner Frau ist „Scheidung“ einfach zu „Mainstream“. Erinnerst du dich noch, der hatte früher immer so ein Mainstream-Ziegenbärtchen am Kinn. Wir hatten das immer bekrittelt und ihn „Ziegenpeter“ genannt. Als ich ihn das letzte Mal sah, war er glattrasiert.«

B: »Allerdings, wenn er und seine Frau schon im Team zusammen Hallenhalma spielen … also ich weiß nicht, da ist doch was faul. Ich möchte ja nicht meckern, aber vielleicht sollten beide mal ne Paartherapie machen. Hatte mir damals auch bei meiner ersten Ehefrau geholfen, mich zur Scheidung durchzuringen.«

A: »Paartherapie ist gut. Hatte ich dreimal in zwei meiner Ehen mit einmaligem Erfolg, da konnte ich nicht meckern.«

B: »Hauptsache, es geht weiter.«

A: »Ebend. Und man kann nicht meckern. Wir Deutsche meckern eh schon immer so viel.«

B: »Das ist wahr. Alle in Deutschland sind immer nur am Meckern.«

A: »Schön und gut, aber meine Meinung lasse ich mir nicht verbieten, wenn ich über etwas abkotzen muss.«

B: »Yep, es könnte schlimmer kommen. Hin und wieder meckern hat noch nie geschadet.«

A: »Aber in Deutschland dauernd nur dieses Rumgemeckere? Echt unerträglich!«

B: »Ganz klar, wir sind ein Volk der Meckerziegen, würde ich mal sagen.«

A: »Treffende Beschreibung von dir. Da kann man nicht meckern.«

meck, meck, meck,

Plumps,

Da war der Beckmesser weg

Die Rückkehr des Gordon Shumways

Überfallen von zwei Krankheiten zugleich zu werden, macht eine Lebenssituation recht unangenehm. Einmal ist da ein Virus, der die eigene Aufmerksamkeitsspanne auf die Länge von TicToc-Videos antiproportional zur Körpertemperatur reduziert. Und dann zusätzlich eine Gefäßerweiterung der hintersten Art, welche einen Facharzt erfordert.

Der Virus nervt und die Gefäßerweiterung schmerzt. Gegen ersteres erfordert es eine Reaktion vom Körper, beim zweiteren einen operativen Eingriff, also ein Facharzt oder eine Fachärztin. Termine zu bekommen, das ist nun wahrlich keine Schwierigkeit. Im Oktober oder September, da hat wohl die Münchner Proktologie noch genügend Termine frei.

Wahrscheinlich, weil sich dann jeder Patient auf dem Oktoberfest die Hucke voll laufen lässt. Das ist wie ein Urlaub-Ansinnen. Jeder hält sich diesen Zeitraum frei.

„Termin für ’ne Wurzelbehandlung? Aber erst bitte nach dem Hofbräuhaus-Zeltbesuch. Vorher geht es nicht. Sonst schmeckt das Bier nach Betäubungsmittel oder so.“
Geht es jedoch um Termine, die dem augenblicklich mondänen Zeitgeist-Gummiwort „zeitnah“ folgen, dann wird es richtig schwierig.

„Wie bitte? Sie glauben, sie haben seit gestern einen Bänder- oder Kreuzbandriss? Na, Termin erst in drei Monaten. Wie? Sie sind nicht gesetzlich versichert? Als Privatpatient kann ich Ihnen dann noch einen Termin in anderthalb Monaten anbieten. Ach, Sie zahlen direkt? Cash? Dann kommen Sie doch in der nächsten Woche am Montag vorbei. Ist 11:30 genehm? Gerne doch. Und den Gratis-Service-Kaffee mit Milch, Zucker und Gebäck? Ist gebucht.“

Keine Erzählung aus einem Fiebertraum, sondern die aktuelle Ist-Situation. Es zeigt, dass das Schlagwort der „Zwei-Klassen-Medizin“ nur ein Kampfbegriff jener ist, die nicht kapiert haben, wie ein „Mehr-Klassen-Medizin“ implementiert wurde.

Da der damalige Cash-Zahler auch meinen Job zahlt, werde ich nicht großartig lästern. Wer hat, der hat. Wer ko, der ko.

Um diese „Mehr-Klassen-Medizin“ zu implementieren, da hatten die Unions- und FDP-geführten Bundesregierungen seit 2007 ausgiebig Zeit, den absolut „marktgerechten“ Patienten zu designen.

Und heute? Einfach mal den 1852 geschriebenen Roman „Ruhe ist die erste Bürgerpflicht“ von Willibald Alexis lesen. Die 1.300 Seiten sollten bis zum ersten Termin zu schaffen sein. Oder:

Wenn für ein akutes Problem ein Facharzt erforderlich ist, hilft als Erstes immer das gute alte Beißholz. Aber nicht gleich im eigenen Anspruchsdenken verhaftet leben wollen, gell. Das Beißholz wird von den Krankenkassen nicht bezahlt. Jeder kennt das Beißholz, aber nicht mal bei den Gebrüdern Grimm oder im Duden oder bei Wikipedia findet sich das Wort verzeichnet. Drum nur keine Bequemlichkeit aufkommen lassen. Eigenverantwortung ist hier das richtige Stichwort.

So schlich ich gebeutelt von Virus und Hämorrhoiden hin zu einer Parkbank in der hintersten Ecke des Parks, um friedlich unter Schmerzen klaglos zu sterben. Ich wollte niemanden mehr zur Last fallen, weder dem Gesundheitssystem noch später gar dem Rentensystem. Und wenn man denn so gestorben ist, und dann vor sich hin gammelt, ist man sogar Thema der Nahrungskette anderer Tiere. Das verringert bei der Kommune wieder einen Batzen Geld für „Zusatzfütterungmittel“ hier im Park.

Ich ließ mich auf der äußersten Ecke der Bank nieder, atmete tief durch und beschloss, dass mein Leben zu Ende wäre und meine Organe ihre Dienste versagen sollten.

„Ha, ha, ha … Sie sehen ja gar nicht gut aus. Wie ein Schluck Brackwasser in der Kalahariwüste, ha, ha, ha.“

Meine Kontaktlinsen hatte ich nicht eingesetzt und das zusätzliche Fieber vom Virus ließ ihn mir noch undeutlicher und verschwommener erscheinen. Leicht orange von der Hautfarbe erschien er mir. Eine gewellte Haarsträhne, ebenfalls leicht orange, schien auf seiner Stirn sich wohl zu fühlen. Er trug wohl Anzug mit unförmigen Schuhen und seltsam klobigen Handschuhen.

„Kenne ich Sie? Sie kommen mir bekannt vor.“

„Ist Ihnen auch kalt? Du kannst mich übrigens Duzen. Wir sind Boomer-Kollegen.“

„Okay, Boomer, mach ich.“

„Du hast kalt?“

„Nicht wirklich.“

„Mein Arzt sagt mir, dass ich die beste Gesundheit von allen hätte. Ich sei sogar noch gesünder als die Gesunden an sich. Ha, ha, ha, ha.“

„Ich nicht. Ich bin viruserkrankt.“

„Null problemo. Ich setze mich trotzdem neben dich. Vor einiger Zeit soll das noch in Bayern verboten gewesen sein. Pro Hintern gab es immer nur eine Drei-Meter-Parkbank. Ha, ha, ha, ha.“

„Das war in der Pandemie.“

„Jetzt haben sich Parkbänke in Bayern wieder zu polizeilichen Beobachtungsobjekte gemausert. Wegen Cannabis. Siehst du dort in der Ferne die drei-Meter-Hecke?“

„Ja.“

„Dahinter liegt ne Kita. 99,1 Meter entfernt, wenn Du hier sitzen würdest, wo ich jetzt sitze. Die Parkbank wurde am ersten April extra um zehn Meter zur Hecke hin versetzt. Vom Leiter der Kita.“

„Hatte der einen Versetzungsantrag gestellt?“

„Ist ne Stiftungsbank vom Vater des Kita-Leiters. Und bei seinem Vater ist Cannabis unerwünscht. Unter Strauß hätte es das nicht gegeben.“

„Hauptsache das Bier bleibt rein und es kommt nichts in die bayrische Wurst hinein. Sind das da hinten Polizist-Innen, die dort ihre Leberkässemmeln verschlingen?“

„Hey, das ist illegal!“

„Leberkässemmeln?“

„Nein! Dein Gendern.“

„Ich gehöre nicht zum bayrischen Verwaltungsapparat.“

„Null problemo. Bayern ist der einzige Bundesstaat, welcher in die deutsche Rechtschreibung per Gesetz vorgibt, dass auf Rechtschreibfehlern, also jegliche Art des Genderns, eine Bestrafung zu erfolgen hat. Also nicht nur schlechte Schulnoten für Kinder, sondern auch gleich Strafen für Erwachsene bei Rechtschreibfehlern.“

„Wie hoch ist die Strafe fürs Gendern? Drei Ablasswallfahrten nach Andechs? Oder Beugehaft, bis eine eidesstattlich unterschriebene Erklärung vorliegt, damit nachher eine wesentlich höhere Strafe möglich wird?“

„Ha, ha, ha, ha. Ich bevorzuge da lieber ne Wallfahrt nach Andechs. Das Bier dort soll gut knallen. Das ist mir als Strafe es wert, wenn der mobile Justizvollzugsbeamte mir die ersten der drei Maß vorsetzt. Null problemo.“

„Schöner Traum, aber so hat es unser Verbote-Söder nicht vorgesehen.“

„Hey, euer Landes-Papi reist völlig losgelöst nach China, um der Reise von Scholz zuvor zukommen. Er kuschelt mit Pandas, öffnet Glückskekse und überlässt Menschenrechten anderen.“

„Lass ihn doch. Er benötigte noch Miles&More für seinen Senator-Status.“

„Null problemo. Und dann fliegt er nach Belgrad in Serbien als selbsternannter Anwalt für Süd- und Südosteuropa. Mit dem Putin-Verehrer, dem serbischen Präsidenten, lächelt er alle Kameras nieder.“

„Weil gegen dessen Freundschaft mit Putin und seiner Verherrlichung, da sollen sich doch andere drum kümmern. Wichtig ist nur die bayrisch-serbische Freundschaft.“

„Ihr habt ja in der Pandemie gelernt, wer in Bayern hier das Sagen hat. Und das wieder mehr Recht und Ordnung braucht, in diesem Lande. Und der Aiwanger weiß eh bereits, wo es bei Söder lang geht.“

„Das ist mir inzwischen relativ egal.“

„Ha, ha, ha, ha. Großartig!“

„Könntest du mich jetzt bitte allein lassen? Geh lieber was arbeiten.“

„Ich und arbeiten? Arbeiten ist was für Ackergäule, aber nicht die Aufgabe eines Topmanagers.“

„Du bist Topmanager?“

„Mein Angestellter bezeichnet mich als großartigen Topmanager. Also noch großartiger als die, die er kennt.“

„Du hast Angestellte?“

„Mich. Es ist so schwierig, Fachpersonal zu finden. Und warum in der Ferne schweifen, wenn das großartige so nah.“

„Geh bitte. Lass mich sterben.“

„Null problemo. War nett, mit dir geplaudert zu haben. Ich schicke dir nen Gruß von meinem Planeten, wenn ich wieder zu Hause bin.“

„Ja, du mich auch.“

„Können wir Ihnen helfen? Wir beobachten Sie schon seit zehn Minuten hier auf dieser Parkbank. Das ist auffällig. Ihnen ist schon klar, dass die Parkbank im Einzugsbereich der Kita liegt?“

Ich blickte auf. Blau-blau München, zu zweit. Doppelt blau. Er sah mich leicht vorgebeugt an und sog hörbar die Luft durch seine Nase ein. Sie stand leicht schräg im Hintergrund, die Hand an der gesicherten Waffe.

„Gehen Sie weiter, hier gibt’s nichts zu sehen. Lassen Sie mich einfach sterben.“

„Eins zwölf, eins zwölf, kommen, bitte. Eins zwölf, ich benötige sofort ein Krisen-Interventions-Team, hier im Park, 91 Meter von der Franz-Josef-Strauß-Kita entfernt. Ja. Einzelperson, ansprechbar, kein Haschkonsum feststellbar, aber suizidgefährdet.“

Es war das Letzte, was ich mitbekam. Der Virus schickte mich gen Ohnmacht.

Inzwischen sitze ich wieder zu Hause am Rechner. Die Proktologin bestätigte mir über ihren elektronischen Assistenten vorhin meinen Termin für den 6. Juli. Weiterbehandlung erst im August möglich.

Ich blicke aus dem Fenster in die dunkle Nacht. Es blitzt etwas am Himmel auf. Einmal nur. Dann nie wieder.

Wahrscheinlich wieder nur ne Haluzi.

Fiebertraum.

Keine weiße Weihnachten, oder: Der Weihnachtsmann kam nur bis Golgota

Fahren bedeutet auszuweichen. Der Weg ist nie das Ziel, der Weg ist der Zweck. Fahren bedeutet, Schlaglöcher zu vermeiden. Auf unbekannten Straßen im Verkehr mitzufliessen und dabei die eigenen vier Rädern von den Untiefen der Schlaglöchernzu bewahren, ist eine Herausforderung. Besonders dazu noch, wenn die Motorradfahrer die Autofahrer als veritable Slalomstangen betrachten.

Rechts und links der Straßen liegen die Versammlungsstätten. Religiöse Vereinigungen buhlen um die Transzendenz der Menschheit. Und wahrlich, die Verkehrsteilnehmer mit ihrer Risikobereitschaft auf zwei oder vier Rädernlässt sich nur mit der Überzeugung erklären, dass das Leben nach dem Tode ein Fakt ist.

„Jesus hat mir dieses Fahrzeug ermöglicht“ ist ein beliebter Aufkleber auf den Heckfenstern und Windschutzscheiben. Wir wissen zwar nicht, wer dieser Gutmensch „Jesus“ zu sein scheint, aber im Zeitalter „von Leistung muss sich lohnen“ kann es nur ein bekloppter Milliardär sein, der mit Geldscheinen nur um sich wirft, wie das Kölner Dreigestirn mit Kamelle und guter Laune.

Familien sind in Feiertagsstimmung. Herd, Gasflaschen und Töpfe werden an deren Leistungsgrenzen getrieben. Gebraten, gegrillt, gekocht, gerührt, geschüttelt, als ob es keinen Morgen gibt. Was du heute kannst besorgen, was bedarf es dabei ein morgen? Morgen ist jedwegiges Heute schon von Gestern.

Ein neuer Tag. Der Fluss hat seinen absoluten Tiefststand  seit den Aufzeichnungen seines Wasserstandes bereits erreicht gehabt. Er füllt sich. Es regnet vermehrt Starkregen. In einem Monat sollten die Schiffe auf dem Trockenen zu ihrer handbreit Wasser unter dem Kiel kommen. Indessen werden die Schlaglöcher vom Starkregen sauber ausgespült und von deren Anwohnern stets mit Abraum aus der eigenen Hausrenovierung aufgefüllt. Sisyphos hätte sicherlich seinen Spaß daran als dankbare Abwechselung gefunden.

Vor drei Dutzend Jahren war es noch die Überlegung, wo die AmEx-Traveller-Cheques am sichersten im Gepäck verborgen waren, vor anderthalb Dutzend Jahren war die Kreditkarten-Notrufnummer sicher in den Ausweispapieren abgelegt, jetzt ist das Smartphone das Zahlmittel. Paypal, Pix oder QR-Code, wer die Wahl hat, hat sie mit seinem Smartphone. Bargeld ist zu unsicher, zu unvirtuell, weil physisch raubbar. Wer geschmückt wie ein Weihnachtsbaum durch die Straßen wandelt, wird abgeschmückt. Wer glaubt, der Weihnachtsmann käme an Heilig Abend mit einem Schlitten vorgefahren und bringe Geschenke, der wird durch jene Abräumer in die Realität eingeholt und überfahren. Nicht selten durch junge, dynamische, flexibel arbeitende Motorradfahrer mit aktiven Sozius hinter sich.

Die romantische Vorstellung eines in rot gekleideten Mannes, der sich in einem Holzgefährt mittels Rentieren durch die Welt kutschiert, will hier nicht passen. Es fehlt dazu der Schnee. Schneeflocken haben hier ganzjährig eh keine Chance. Eher wird „Last Christmas“ von Wham in zwei Jahren aus dem kollektiven Gedächtnis dieser Welt verschwunden sein, als dass es hier auch nur eine Schneeflocke „Hallo“ hauchen könnte. Und sollte doch hier mal ein Weihnachtsmann mit seiner Rentierabteilung vorbei schauen, dann brechen sich seine Renntiere binnen hundert Metern ihre Haxen in ein Dutzend Schlaglöchern. Oder Motorradfahrer haben die Tiere beim Slalomfahren in den Wahnsinn getrieben.

Und der Weihnachtsmann? Der kam niemals an. Er kam auch nicht, als er dringend von seinen Gläubigern am 24ten angefleht wurde, vorbei zu schaun. Warum auch? Schon während der Covid-Pandemie, als hier viele einfach starben, hatte sich weder Präsident noch Gott um das Sterben der Leute gekümmert oder gar ein Wunder bewirkt. Was interessiert schon das Leben der anderen, die Not haben. Weihnachten ist letztendlich auch nur ein Fest von „Friede, Freude, Eierkuchen“.

Nur Jesus, der verschenkt Fahrzeuge und die Leute danken es denen in deren religiösen Versammlungsstätten. Und es steht außer Frage, dass sich alle bei deren Tun dann nur das eine fragen: „Was würde Jesus tun?“ Zum Beispiel in oder auf einem Fahrzeug die Straße vom Highway zur Hell zu machen. Denn allein dann kann man den Schlaglöchern vor einem ausweichen … .

Ich fahre dann mal weiter.

Wie viel kann man als Seenotretter verdienen?

»Schau mal Schatz, ich glaube, da ist jemand in Seenot.«

»Wo denn?«

»Dort drüben.«

»Okay. Aber da bin ich mir nicht so sicher. Du weißt, das hier ist Grenzgebiet und wir müssen vorsichtig sein.«

»Wir sollten das aber nicht ignorieren.«

»Du hast recht. Moment: HALLO, SIE DA DRÜBEN! KÖNNEN SIE MICH HÖREN?«

»Ich glaube, er hat irgendetwas gerufen. Aber so unverständlich«

»KÖNNEN SIE MICH SEHEN? KÖNNEN SIE MICH HÖREN?«

»Jetzt schrei doch nicht so laut, man muss doch nicht alles gleich übertreiben, Schatz.«

»Aber sonst hört der mich doch nicht. Ich glaube sogar, es sind drei oder vier Personen.«

»Schatz, ich glaube, eine Person hat gerade Help gerufen.«

»Also Ausländer? HALLO, YOU! CAN YOU SEE ME? CAN YOU HEAR ME?«

»Die machen aber auch ein Spektakel, da auf dem offenen Wasser. Wenn die so weiter machen, haben die nachher keine Kräfte mehr und saufen ab. So lange die noch Help rufen können, Schatz, solange kann es denen nicht wirklich schlecht gehen.«

»Liebling, ich glaube, die rufen Help

»Das habe ich gehört, Schatz.«

»Help. Du verstehst? Das ist kein Deutsch. Kein Deutscher dieser Welt würde Help rufen. Niemals, ein Deutscher tut so etwas nicht.«

»Was meinste damit, Schatz?«

»Kannst du mit Sicherheit sagen, dass das normale Touristen sind? Vielleicht sind es Asylanten, die von einem Schlepper auf dem See hier ausgesetzt wurden, extra mit dem Vorsatz, dass wir die retten.«

»Wir?«

»Ja, Liebling, wir. Und weißte, was dann passiert, wenn wir die an Land bringen? Weißte, was uns dann blüht?«

»Was denn, Schatz?«

»Wir werden als Schlepper verhaftet und kommen ins Gefängnis.«

»Als Seenotretter?«

»Und nicht nur das: sogar Elon Musk wird uns von X verbannen, weil wir illegale Einwanderer einsammeln. Der ist überzeugt, dass solch eine Aktion den europäischen Selbstmord nicht stoppt. Es sei denn, dass die AfD endlich die Regierungsgeschäfte in Deutschland übernimmt.«

»Das heißt, wir verlieren unseren X-Account, Schatz? Mit unseren vielen schönen Urlaubsfotos?«

»Ja, genau.«

»Auch die vom Sonnenaufgang hier am See von heute morgen, wo unsere Freunde so viele Likes für geschickt haben?«

»Auch die, Schatz.«

»Guck mal, Liebling, die haben sich beruhigt, sie plantschen nicht mehr so heftig.«

»Und sie rufen auch nicht mehr so laut Help. Ist vielleicht doch nicht so schlimm, wie es aussah. Die kommen wohl zurecht.«

»Schatz, wo sollen denn die vier auch auf unserer kleinen Außenborder-Nussschale unterkommen. Das Boot ist doch bereits voll, mit unseren Rucksäcken und der Kühlbox. Und außerdem sind es Flüchtlinge. Hätten die ihr Zuhause nicht einfach so verlassen, dann wäre es jetzt nicht zu der Situation hier gekommen. Warum müssen wir jetzt damit belästigt werden. Flüchtlinge geht eh nicht. Da machen wir uns illegal und kommen ins Gefängnis. Das ist es nicht wert.«

»Lasst uns so tun, als hätten wir es nicht bemerkt, Liebling.«

»Okay, wir fahren heim, Schatz.«

Am nächsten Tag.

»Schatz, schau mal hier, im Ortsteil der Zeitung.«

»Hm?«

»Eine türkische Familie ist gestern hier auf dem See gekentert und ertrunken. Niemand hatte denen geholfen. Die führten seit fünf Jahren hier im Ort den türkischen Supermarkt.«

»Mal wieder typisch. Selber Schuld, wenn die nach fünf Jahren immer noch nicht vernünftig auf Deutsch Hilfe rufen konnten …«