Neues vom Weltuntergang

»Guten Tag. Wo geht es hier zur Übernahme der Weltherrschaft?«

»Sind Sie Teil von The Pinky and the Brain?«

»Wie bitte?«

»Offensichtlich nicht. Dann bitte hier den Flur entlang, auf der rechten Seite den achten Gang, darauf nochmals die achte Option, diesmal als Tür, und immer rechts.«

»Danke.«

»Wie kann ich Ihnen helfen?«

»Ich möchte gerne die Weltherrschaft übernehmen.«

»Das hört sich doch vielversprechend an. Haben Sie das Formular 49 mit den Unterschriften von den Herren Biden, Stoltenberg, Putin, Xi Jinping, Jong-un, Macron, Sunak, Rutte …«

»Hab ich, hab ich. Hier.«

»Ah, danke… hm. Da fehlt etwas.«

»Was?«

»Die Unterschriften von dem Nabel der Welt. Da fehlen ja über 80 Millionen Unterschriften.«

»Dessen Vertreter hat dort unterschrieben. Zwischen Erdogan, Meloni und Orban. Sehen Sie? Man könnte es fast überlesen, sieht sehr unbedeutsam aus, war mir aber sehr wichtig.«

»Die 80 Millionen geben allerdings permanent verstehen, sie würden auf deren absolute Meinungsfreiheit bestehen. Und sie wollen, dass deren Meinung gefragt wird.«

»Was soll denn dieser woke Scheiß jetzt?«

»Ich bin nicht woke.«

»Da will ich einmal meinen Bestrebungen zu deren Wohle freie Bahn geben und jetzt ist es denen auch wieder nicht recht?«

»Ich möchte nochmals betonen, ich bin nicht woke.«

»Typisch! Mal wieder diese Cancel Culture, diese Wokeness-Blindgänger.«

»Ich fordere Sie auf, den Raum zu verlassen. Ich hatte Ihnen bereits gesagt, dass ich nicht woke bin.«

»Ach ja? Wahrscheinlich sind Sie auch so ein Schlafschaf, welches sich gegen die Überzeugungskraft von alternativen Fakten und Logiken wehrt.«

»RAUS!«

»War es nicht der richtige Raum?«

»Sprich mich nicht an, du Infodesk Fozzi-Bär!«

»Gerne. Und beehren Sie uns bald wieder. Haben Sie noch einen schönen Montagmorgen.«

»Leck mich!«

»Und gönnen Sie sich den Weltuntergang. Auf Wiedersehen.«

»FY.«

Kenner, die auf Ziegen starren

A: »Wie geht’s?«

B: »Ich kann nicht meckern.«

A: »Also, gut?«

B: »Meine Frau hat die Scheidung eingereicht.«

A: »Das ist mal ne Neuigkeit.«

B: »Sie meint, sie kann mich nicht mehr ertragen.«

A: »Warum?«

B: »Ach, dauernd nur am Meckern. Mach mal dies, mach mal das und dann das nicht und das auch nicht, aber dann dafür was anderes. Immer nur am Meckern.«

A: »Dir kommt es also gelegen?«

B: »Na ja, ich möchte ja nicht beckmesserisch sein, aber weißte, nach der ersten Scheidung vor sechs Jahren, da hab ich schon eine gewisse Erfahrung und Routine. Außerdem hat sie einen Neuen. Den Ex meiner Freundin.«

A: »Du hast schon ne neue am Start?«

B: »Klar, ich hab‘ doch gesagt, Erfahrung macht klug. Einsamkeit ist keine Option. Und du?«

A: »Ich kann auch nicht meckern. Meine ist erst letztens ausgezogen. Dann bin ich zu ner alten Bettbekanntschaft und dann ist die meine wieder eingezogen. Danach hat sie allerdings die Schlösser ausgetauscht und ich sie dann mit meiner Bekannten.«

B: »Guter Tausch?«

A: »Wie gesagt, ich kann nicht meckern. Meine Bekannte ist echt ne Liebe. Ebenso wie ich, dreimal geschieden. Somit erfahren in Sachen Trennung. Wir trösten uns jetzt gegenseitig.

B: »Ja, das Leben hat so seine Haken und Ösen. Sag mal, haste den Peter in letzter Zeit mal wieder getroffen?«

A: »Nein. Muss ich? Der ist eh immer so komisch. Spielt mit seiner Frau in der internationalen Hallenhalma-Champions-Ligue, hält zusammen mit ihr dort das gesamte Verfolgerfeld mit großem Vorsprung in Schach und denkt jetzt deswegen, er sei ein GOAT

B: »GOAT

A: »“Greatest of all time”. Also, größter Hallenhalmaspieler aller Zeiten. GRÖHAZ im Deutschen, GOAT im Englischen.«

B: »„Goat“ heißt doch „Ziege“ im Deutschen.«

A: »Yep, Englisch kannste noch immer gut, da kann man nicht meckern.«

B: »Aber mal ehrlich: dass der Peter noch nicht geschieden ist, das ist doch seltsam, oder? Normalerweise ist in unserem Alter jeder mindestens ein- oder zweimal geschieden. Ist der schwul?«

A: »Vielleicht hat er auch nur die falsche Frau getroffen.«

B: »Manche haben im Leben einfach immer nur Pech und entwickeln sich nie weiter.«

A: »Oder, ihm und seiner Frau ist „Scheidung“ einfach zu „Mainstream“. Erinnerst du dich noch, der hatte früher immer so ein Mainstream-Ziegenbärtchen am Kinn. Wir hatten das immer bekrittelt und ihn „Ziegenpeter“ genannt. Als ich ihn das letzte Mal sah, war er glattrasiert.«

B: »Allerdings, wenn er und seine Frau schon im Team zusammen Hallenhalma spielen … also ich weiß nicht, da ist doch was faul. Ich möchte ja nicht meckern, aber vielleicht sollten beide mal ne Paartherapie machen. Hatte mir damals auch bei meiner ersten Ehefrau geholfen, mich zur Scheidung durchzuringen.«

A: »Paartherapie ist gut. Hatte ich dreimal in zwei meiner Ehen mit einmaligem Erfolg, da konnte ich nicht meckern.«

B: »Hauptsache, es geht weiter.«

A: »Ebend. Und man kann nicht meckern. Wir Deutsche meckern eh schon immer so viel.«

B: »Das ist wahr. Alle in Deutschland sind immer nur am Meckern.«

A: »Schön und gut, aber meine Meinung lasse ich mir nicht verbieten, wenn ich über etwas abkotzen muss.«

B: »Yep, es könnte schlimmer kommen. Hin und wieder meckern hat noch nie geschadet.«

A: »Aber in Deutschland dauernd nur dieses Rumgemeckere? Echt unerträglich!«

B: »Ganz klar, wir sind ein Volk der Meckerziegen, würde ich mal sagen.«

A: »Treffende Beschreibung von dir. Da kann man nicht meckern.«

meck, meck, meck,

Plumps,

Da war der Beckmesser weg

Die Rückkehr des Gordon Shumways

Überfallen von zwei Krankheiten zugleich zu werden, macht eine Lebenssituation recht unangenehm. Einmal ist da ein Virus, der die eigene Aufmerksamkeitsspanne auf die Länge von TicToc-Videos antiproportional zur Körpertemperatur reduziert. Und dann zusätzlich eine Gefäßerweiterung der hintersten Art, welche einen Facharzt erfordert.

Der Virus nervt und die Gefäßerweiterung schmerzt. Gegen ersteres erfordert es eine Reaktion vom Körper, beim zweiteren einen operativen Eingriff, also ein Facharzt oder eine Fachärztin. Termine zu bekommen, das ist nun wahrlich keine Schwierigkeit. Im Oktober oder September, da hat wohl die Münchner Proktologie noch genügend Termine frei.

Wahrscheinlich, weil sich dann jeder Patient auf dem Oktoberfest die Hucke voll laufen lässt. Das ist wie ein Urlaub-Ansinnen. Jeder hält sich diesen Zeitraum frei.

„Termin für ’ne Wurzelbehandlung? Aber erst bitte nach dem Hofbräuhaus-Zeltbesuch. Vorher geht es nicht. Sonst schmeckt das Bier nach Betäubungsmittel oder so.“
Geht es jedoch um Termine, die dem augenblicklich mondänen Zeitgeist-Gummiwort „zeitnah“ folgen, dann wird es richtig schwierig.

„Wie bitte? Sie glauben, sie haben seit gestern einen Bänder- oder Kreuzbandriss? Na, Termin erst in drei Monaten. Wie? Sie sind nicht gesetzlich versichert? Als Privatpatient kann ich Ihnen dann noch einen Termin in anderthalb Monaten anbieten. Ach, Sie zahlen direkt? Cash? Dann kommen Sie doch in der nächsten Woche am Montag vorbei. Ist 11:30 genehm? Gerne doch. Und den Gratis-Service-Kaffee mit Milch, Zucker und Gebäck? Ist gebucht.“

Keine Erzählung aus einem Fiebertraum, sondern die aktuelle Ist-Situation. Es zeigt, dass das Schlagwort der „Zwei-Klassen-Medizin“ nur ein Kampfbegriff jener ist, die nicht kapiert haben, wie ein „Mehr-Klassen-Medizin“ implementiert wurde.

Da der damalige Cash-Zahler auch meinen Job zahlt, werde ich nicht großartig lästern. Wer hat, der hat. Wer ko, der ko.

Um diese „Mehr-Klassen-Medizin“ zu implementieren, da hatten die Unions- und FDP-geführten Bundesregierungen seit 2007 ausgiebig Zeit, den absolut „marktgerechten“ Patienten zu designen.

Und heute? Einfach mal den 1852 geschriebenen Roman „Ruhe ist die erste Bürgerpflicht“ von Willibald Alexis lesen. Die 1.300 Seiten sollten bis zum ersten Termin zu schaffen sein. Oder:

Wenn für ein akutes Problem ein Facharzt erforderlich ist, hilft als Erstes immer das gute alte Beißholz. Aber nicht gleich im eigenen Anspruchsdenken verhaftet leben wollen, gell. Das Beißholz wird von den Krankenkassen nicht bezahlt. Jeder kennt das Beißholz, aber nicht mal bei den Gebrüdern Grimm oder im Duden oder bei Wikipedia findet sich das Wort verzeichnet. Drum nur keine Bequemlichkeit aufkommen lassen. Eigenverantwortung ist hier das richtige Stichwort.

So schlich ich gebeutelt von Virus und Hämorrhoiden hin zu einer Parkbank in der hintersten Ecke des Parks, um friedlich unter Schmerzen klaglos zu sterben. Ich wollte niemanden mehr zur Last fallen, weder dem Gesundheitssystem noch später gar dem Rentensystem. Und wenn man denn so gestorben ist, und dann vor sich hin gammelt, ist man sogar Thema der Nahrungskette anderer Tiere. Das verringert bei der Kommune wieder einen Batzen Geld für „Zusatzfütterungmittel“ hier im Park.

Ich ließ mich auf der äußersten Ecke der Bank nieder, atmete tief durch und beschloss, dass mein Leben zu Ende wäre und meine Organe ihre Dienste versagen sollten.

„Ha, ha, ha … Sie sehen ja gar nicht gut aus. Wie ein Schluck Brackwasser in der Kalahariwüste, ha, ha, ha.“

Meine Kontaktlinsen hatte ich nicht eingesetzt und das zusätzliche Fieber vom Virus ließ ihn mir noch undeutlicher und verschwommener erscheinen. Leicht orange von der Hautfarbe erschien er mir. Eine gewellte Haarsträhne, ebenfalls leicht orange, schien auf seiner Stirn sich wohl zu fühlen. Er trug wohl Anzug mit unförmigen Schuhen und seltsam klobigen Handschuhen.

„Kenne ich Sie? Sie kommen mir bekannt vor.“

„Ist Ihnen auch kalt? Du kannst mich übrigens Duzen. Wir sind Boomer-Kollegen.“

„Okay, Boomer, mach ich.“

„Du hast kalt?“

„Nicht wirklich.“

„Mein Arzt sagt mir, dass ich die beste Gesundheit von allen hätte. Ich sei sogar noch gesünder als die Gesunden an sich. Ha, ha, ha, ha.“

„Ich nicht. Ich bin viruserkrankt.“

„Null problemo. Ich setze mich trotzdem neben dich. Vor einiger Zeit soll das noch in Bayern verboten gewesen sein. Pro Hintern gab es immer nur eine Drei-Meter-Parkbank. Ha, ha, ha, ha.“

„Das war in der Pandemie.“

„Jetzt haben sich Parkbänke in Bayern wieder zu polizeilichen Beobachtungsobjekte gemausert. Wegen Cannabis. Siehst du dort in der Ferne die drei-Meter-Hecke?“

„Ja.“

„Dahinter liegt ne Kita. 99,1 Meter entfernt, wenn Du hier sitzen würdest, wo ich jetzt sitze. Die Parkbank wurde am ersten April extra um zehn Meter zur Hecke hin versetzt. Vom Leiter der Kita.“

„Hatte der einen Versetzungsantrag gestellt?“

„Ist ne Stiftungsbank vom Vater des Kita-Leiters. Und bei seinem Vater ist Cannabis unerwünscht. Unter Strauß hätte es das nicht gegeben.“

„Hauptsache das Bier bleibt rein und es kommt nichts in die bayrische Wurst hinein. Sind das da hinten Polizist-Innen, die dort ihre Leberkässemmeln verschlingen?“

„Hey, das ist illegal!“

„Leberkässemmeln?“

„Nein! Dein Gendern.“

„Ich gehöre nicht zum bayrischen Verwaltungsapparat.“

„Null problemo. Bayern ist der einzige Bundesstaat, welcher in die deutsche Rechtschreibung per Gesetz vorgibt, dass auf Rechtschreibfehlern, also jegliche Art des Genderns, eine Bestrafung zu erfolgen hat. Also nicht nur schlechte Schulnoten für Kinder, sondern auch gleich Strafen für Erwachsene bei Rechtschreibfehlern.“

„Wie hoch ist die Strafe fürs Gendern? Drei Ablasswallfahrten nach Andechs? Oder Beugehaft, bis eine eidesstattlich unterschriebene Erklärung vorliegt, damit nachher eine wesentlich höhere Strafe möglich wird?“

„Ha, ha, ha, ha. Ich bevorzuge da lieber ne Wallfahrt nach Andechs. Das Bier dort soll gut knallen. Das ist mir als Strafe es wert, wenn der mobile Justizvollzugsbeamte mir die ersten der drei Maß vorsetzt. Null problemo.“

„Schöner Traum, aber so hat es unser Verbote-Söder nicht vorgesehen.“

„Hey, euer Landes-Papi reist völlig losgelöst nach China, um der Reise von Scholz zuvor zukommen. Er kuschelt mit Pandas, öffnet Glückskekse und überlässt Menschenrechten anderen.“

„Lass ihn doch. Er benötigte noch Miles&More für seinen Senator-Status.“

„Null problemo. Und dann fliegt er nach Belgrad in Serbien als selbsternannter Anwalt für Süd- und Südosteuropa. Mit dem Putin-Verehrer, dem serbischen Präsidenten, lächelt er alle Kameras nieder.“

„Weil gegen dessen Freundschaft mit Putin und seiner Verherrlichung, da sollen sich doch andere drum kümmern. Wichtig ist nur die bayrisch-serbische Freundschaft.“

„Ihr habt ja in der Pandemie gelernt, wer in Bayern hier das Sagen hat. Und das wieder mehr Recht und Ordnung braucht, in diesem Lande. Und der Aiwanger weiß eh bereits, wo es bei Söder lang geht.“

„Das ist mir inzwischen relativ egal.“

„Ha, ha, ha, ha. Großartig!“

„Könntest du mich jetzt bitte allein lassen? Geh lieber was arbeiten.“

„Ich und arbeiten? Arbeiten ist was für Ackergäule, aber nicht die Aufgabe eines Topmanagers.“

„Du bist Topmanager?“

„Mein Angestellter bezeichnet mich als großartigen Topmanager. Also noch großartiger als die, die er kennt.“

„Du hast Angestellte?“

„Mich. Es ist so schwierig, Fachpersonal zu finden. Und warum in der Ferne schweifen, wenn das großartige so nah.“

„Geh bitte. Lass mich sterben.“

„Null problemo. War nett, mit dir geplaudert zu haben. Ich schicke dir nen Gruß von meinem Planeten, wenn ich wieder zu Hause bin.“

„Ja, du mich auch.“

„Können wir Ihnen helfen? Wir beobachten Sie schon seit zehn Minuten hier auf dieser Parkbank. Das ist auffällig. Ihnen ist schon klar, dass die Parkbank im Einzugsbereich der Kita liegt?“

Ich blickte auf. Blau-blau München, zu zweit. Doppelt blau. Er sah mich leicht vorgebeugt an und sog hörbar die Luft durch seine Nase ein. Sie stand leicht schräg im Hintergrund, die Hand an der gesicherten Waffe.

„Gehen Sie weiter, hier gibt’s nichts zu sehen. Lassen Sie mich einfach sterben.“

„Eins zwölf, eins zwölf, kommen, bitte. Eins zwölf, ich benötige sofort ein Krisen-Interventions-Team, hier im Park, 91 Meter von der Franz-Josef-Strauß-Kita entfernt. Ja. Einzelperson, ansprechbar, kein Haschkonsum feststellbar, aber suizidgefährdet.“

Es war das Letzte, was ich mitbekam. Der Virus schickte mich gen Ohnmacht.

Inzwischen sitze ich wieder zu Hause am Rechner. Die Proktologin bestätigte mir über ihren elektronischen Assistenten vorhin meinen Termin für den 6. Juli. Weiterbehandlung erst im August möglich.

Ich blicke aus dem Fenster in die dunkle Nacht. Es blitzt etwas am Himmel auf. Einmal nur. Dann nie wieder.

Wahrscheinlich wieder nur ne Haluzi.

Fiebertraum.

Keine weiße Weihnachten, oder: Der Weihnachtsmann kam nur bis Golgota

Fahren bedeutet auszuweichen. Der Weg ist nie das Ziel, der Weg ist der Zweck. Fahren bedeutet, Schlaglöcher zu vermeiden. Auf unbekannten Straßen im Verkehr mitzufliessen und dabei die eigenen vier Rädern von den Untiefen der Schlaglöchernzu bewahren, ist eine Herausforderung. Besonders dazu noch, wenn die Motorradfahrer die Autofahrer als veritable Slalomstangen betrachten.

Rechts und links der Straßen liegen die Versammlungsstätten. Religiöse Vereinigungen buhlen um die Transzendenz der Menschheit. Und wahrlich, die Verkehrsteilnehmer mit ihrer Risikobereitschaft auf zwei oder vier Rädernlässt sich nur mit der Überzeugung erklären, dass das Leben nach dem Tode ein Fakt ist.

„Jesus hat mir dieses Fahrzeug ermöglicht“ ist ein beliebter Aufkleber auf den Heckfenstern und Windschutzscheiben. Wir wissen zwar nicht, wer dieser Gutmensch „Jesus“ zu sein scheint, aber im Zeitalter „von Leistung muss sich lohnen“ kann es nur ein bekloppter Milliardär sein, der mit Geldscheinen nur um sich wirft, wie das Kölner Dreigestirn mit Kamelle und guter Laune.

Familien sind in Feiertagsstimmung. Herd, Gasflaschen und Töpfe werden an deren Leistungsgrenzen getrieben. Gebraten, gegrillt, gekocht, gerührt, geschüttelt, als ob es keinen Morgen gibt. Was du heute kannst besorgen, was bedarf es dabei ein morgen? Morgen ist jedwegiges Heute schon von Gestern.

Ein neuer Tag. Der Fluss hat seinen absoluten Tiefststand  seit den Aufzeichnungen seines Wasserstandes bereits erreicht gehabt. Er füllt sich. Es regnet vermehrt Starkregen. In einem Monat sollten die Schiffe auf dem Trockenen zu ihrer handbreit Wasser unter dem Kiel kommen. Indessen werden die Schlaglöcher vom Starkregen sauber ausgespült und von deren Anwohnern stets mit Abraum aus der eigenen Hausrenovierung aufgefüllt. Sisyphos hätte sicherlich seinen Spaß daran als dankbare Abwechselung gefunden.

Vor drei Dutzend Jahren war es noch die Überlegung, wo die AmEx-Traveller-Cheques am sichersten im Gepäck verborgen waren, vor anderthalb Dutzend Jahren war die Kreditkarten-Notrufnummer sicher in den Ausweispapieren abgelegt, jetzt ist das Smartphone das Zahlmittel. Paypal, Pix oder QR-Code, wer die Wahl hat, hat sie mit seinem Smartphone. Bargeld ist zu unsicher, zu unvirtuell, weil physisch raubbar. Wer geschmückt wie ein Weihnachtsbaum durch die Straßen wandelt, wird abgeschmückt. Wer glaubt, der Weihnachtsmann käme an Heilig Abend mit einem Schlitten vorgefahren und bringe Geschenke, der wird durch jene Abräumer in die Realität eingeholt und überfahren. Nicht selten durch junge, dynamische, flexibel arbeitende Motorradfahrer mit aktiven Sozius hinter sich.

Die romantische Vorstellung eines in rot gekleideten Mannes, der sich in einem Holzgefährt mittels Rentieren durch die Welt kutschiert, will hier nicht passen. Es fehlt dazu der Schnee. Schneeflocken haben hier ganzjährig eh keine Chance. Eher wird „Last Christmas“ von Wham in zwei Jahren aus dem kollektiven Gedächtnis dieser Welt verschwunden sein, als dass es hier auch nur eine Schneeflocke „Hallo“ hauchen könnte. Und sollte doch hier mal ein Weihnachtsmann mit seiner Rentierabteilung vorbei schauen, dann brechen sich seine Renntiere binnen hundert Metern ihre Haxen in ein Dutzend Schlaglöchern. Oder Motorradfahrer haben die Tiere beim Slalomfahren in den Wahnsinn getrieben.

Und der Weihnachtsmann? Der kam niemals an. Er kam auch nicht, als er dringend von seinen Gläubigern am 24ten angefleht wurde, vorbei zu schaun. Warum auch? Schon während der Covid-Pandemie, als hier viele einfach starben, hatte sich weder Präsident noch Gott um das Sterben der Leute gekümmert oder gar ein Wunder bewirkt. Was interessiert schon das Leben der anderen, die Not haben. Weihnachten ist letztendlich auch nur ein Fest von „Friede, Freude, Eierkuchen“.

Nur Jesus, der verschenkt Fahrzeuge und die Leute danken es denen in deren religiösen Versammlungsstätten. Und es steht außer Frage, dass sich alle bei deren Tun dann nur das eine fragen: „Was würde Jesus tun?“ Zum Beispiel in oder auf einem Fahrzeug die Straße vom Highway zur Hell zu machen. Denn allein dann kann man den Schlaglöchern vor einem ausweichen … .

Ich fahre dann mal weiter.

Wie viel kann man als Seenotretter verdienen?

»Schau mal Schatz, ich glaube, da ist jemand in Seenot.«

»Wo denn?«

»Dort drüben.«

»Okay. Aber da bin ich mir nicht so sicher. Du weißt, das hier ist Grenzgebiet und wir müssen vorsichtig sein.«

»Wir sollten das aber nicht ignorieren.«

»Du hast recht. Moment: HALLO, SIE DA DRÜBEN! KÖNNEN SIE MICH HÖREN?«

»Ich glaube, er hat irgendetwas gerufen. Aber so unverständlich«

»KÖNNEN SIE MICH SEHEN? KÖNNEN SIE MICH HÖREN?«

»Jetzt schrei doch nicht so laut, man muss doch nicht alles gleich übertreiben, Schatz.«

»Aber sonst hört der mich doch nicht. Ich glaube sogar, es sind drei oder vier Personen.«

»Schatz, ich glaube, eine Person hat gerade Help gerufen.«

»Also Ausländer? HALLO, YOU! CAN YOU SEE ME? CAN YOU HEAR ME?«

»Die machen aber auch ein Spektakel, da auf dem offenen Wasser. Wenn die so weiter machen, haben die nachher keine Kräfte mehr und saufen ab. So lange die noch Help rufen können, Schatz, solange kann es denen nicht wirklich schlecht gehen.«

»Liebling, ich glaube, die rufen Help

»Das habe ich gehört, Schatz.«

»Help. Du verstehst? Das ist kein Deutsch. Kein Deutscher dieser Welt würde Help rufen. Niemals, ein Deutscher tut so etwas nicht.«

»Was meinste damit, Schatz?«

»Kannst du mit Sicherheit sagen, dass das normale Touristen sind? Vielleicht sind es Asylanten, die von einem Schlepper auf dem See hier ausgesetzt wurden, extra mit dem Vorsatz, dass wir die retten.«

»Wir?«

»Ja, Liebling, wir. Und weißte, was dann passiert, wenn wir die an Land bringen? Weißte, was uns dann blüht?«

»Was denn, Schatz?«

»Wir werden als Schlepper verhaftet und kommen ins Gefängnis.«

»Als Seenotretter?«

»Und nicht nur das: sogar Elon Musk wird uns von X verbannen, weil wir illegale Einwanderer einsammeln. Der ist überzeugt, dass solch eine Aktion den europäischen Selbstmord nicht stoppt. Es sei denn, dass die AfD endlich die Regierungsgeschäfte in Deutschland übernimmt.«

»Das heißt, wir verlieren unseren X-Account, Schatz? Mit unseren vielen schönen Urlaubsfotos?«

»Ja, genau.«

»Auch die vom Sonnenaufgang hier am See von heute morgen, wo unsere Freunde so viele Likes für geschickt haben?«

»Auch die, Schatz.«

»Guck mal, Liebling, die haben sich beruhigt, sie plantschen nicht mehr so heftig.«

»Und sie rufen auch nicht mehr so laut Help. Ist vielleicht doch nicht so schlimm, wie es aussah. Die kommen wohl zurecht.«

»Schatz, wo sollen denn die vier auch auf unserer kleinen Außenborder-Nussschale unterkommen. Das Boot ist doch bereits voll, mit unseren Rucksäcken und der Kühlbox. Und außerdem sind es Flüchtlinge. Hätten die ihr Zuhause nicht einfach so verlassen, dann wäre es jetzt nicht zu der Situation hier gekommen. Warum müssen wir jetzt damit belästigt werden. Flüchtlinge geht eh nicht. Da machen wir uns illegal und kommen ins Gefängnis. Das ist es nicht wert.«

»Lasst uns so tun, als hätten wir es nicht bemerkt, Liebling.«

»Okay, wir fahren heim, Schatz.«

Am nächsten Tag.

»Schatz, schau mal hier, im Ortsteil der Zeitung.«

»Hm?«

»Eine türkische Familie ist gestern hier auf dem See gekentert und ertrunken. Niemand hatte denen geholfen. Die führten seit fünf Jahren hier im Ort den türkischen Supermarkt.«

»Mal wieder typisch. Selber Schuld, wenn die nach fünf Jahren immer noch nicht vernünftig auf Deutsch Hilfe rufen konnten …«

Oh, Urne, oh!

Oh, Urne, oh,

stehst du nah bei weißen Papieren mit schwarzen Zeichen, du Urne,

ein Pianist summt dazu vom Blatt träumerisch eine feine Nocturne.

Oh, du Urne, oh,

du für Menschen mit Faible fürs Purpurne, oh,

Mit Weihwasserwedel und Tränen gewässert, du Urne zur Werft wirst,

auf dass das in dir verbannte Wrack zu anderen oder neuen Ufern pirscht

Oh, Urne, oh,

von außen neutral bemalt, nur im Innern bist du dunkel und hohl.

Um Urne zu sein, brauchst du eine Bestattung wohl, obwohl

Hast du keine Wahl, stehst nur herum, bist sterbenslangweilig

Nur hast du eine Wahl, stehste ebenfalls herum, unausweichlich.

Oh, du Urne, oh,

Bestattung oder Abstimmung, mit diesen beiden Aufgaben stehst du im Saal

Entweder mit Hauptrolle als Antagonist zum Sarg oder als Protagonist zur Wahl

Oh, Urne, oh,

lebst entscheidende Zeiten durch, verplombt oder nicht, immer zum Erbarmen

Oh, Urne, oh,

bei nächster Gelegenheit wird’ ich dich, oh du Urne, drum herzlichst umarmen.

IAA, damit auch morgen andere Messen wieder kraftvoll gelesen werden können …

Oha. Zwei Menschen zusammen. Nähe Fahrbahnrand.

Protestpotential! Auf einer Parkbank. Nah an der Straße.

Moment, ich notiere mir in meiner Kladde: Parkbank am Stemmer Hof, Kilometer Nullkommazwei, Richtung Kölsch-Kneipe. Er, eins achtzig groß, blond, circa 30. Sie eins fünfundsechzig, 19 oder 20 … hm, eher 24. Halten sich an den Händen. Sie verdeckt zusätzlich einen verdächtig tubenförmigen Gegenstand in der Rechten, sehr verdächtige Tube … .

Lippenstift … hm. Protestpotential negativ. Eher wohl Liebespaar. Hetero. Keine Klimakleber.

Hier in München ist was los. Dabei mögen wir es hier in München doch eher beschaulich. Da hinten, am Hotel, da hat sich schon das “USK Bayern” einquartiert. “USK”, das steht für “Unterstützungskommando” und nicht für “Universitäts- und Stadtbibliothek Köln”, wie so ein Schwurbler in jener Kölschkneipe versuchte, Fake-Nachrichten zu verbreiten.

Nebenbei, Kölschkneipe. Ha. Eine Kneipe mit nicht-Münchner Bier. Das sollte hier nicht erlaubt sein in unserer traditionsreichen Stadt. Dieses pissgelbe Gesöff in Reagenzgläsern ohne Trinkkultur. Da kommt keine Beschaulichkeit auf, weil die Kellner immer rennen müssen, um für ihre Gäste immer neues von diesem Noagerl-Bier herbei zu karren.

Also, wie gesagt, USK heißt Unterstützungskommando und sie bekämpft organisierte Kriminalität, Schwerkriminalität und Drogenkriminalität. Jetzt hier in München.

Also nicht wegen den Biertrinkern, Und auch nicht wegen dem Biertrinker Aiwanger und seinem Flugblatt, an dem sich jener genauso detailliert erinnert wie ein Bundeskanzler Olaf Scholz an seine Cum-Ex-Geschichte mit der Warburg Bank. Oder wegen dem Biertrinker Dr. Markus Söder, der sich inzwischen auch nicht mehr daran erinnert, dass er als bayrischer Umweltminister in 2011 mal mit persönlichen Konsequenzen drohte, sollte der Atomausstieg in Bayern nicht vollzogen werden. Oder wegen der Biertrinker Clan-Tochter. Die aus dem Tandler-Clan. Jene Frau, die ihrem Vater nacheifert und nun ebenfalls es wegen mutmaßlicher Steuerhinterziehung vor Gericht geschafft hat. Oder etwa wegen Akten zu Kindesmissbräuchen vom Freisinger Papst, die eventuell in München zwischen Augustiner-Mönch-Bierfässern gelagert sein könnten. Nein. Ganz und gar nicht.

Die USK ist hier, weil München seit 2021 eine neue Messe hat. Zur Erklärung: Messe, das ist das, wenn etwas Goldenes herumsteht und alle drumherum tanzen. Nicht ein Kalb oder Bierfass, sondern das heiligs Blechle. Eine Blechmarke. Von damals. Mit ihr konnten sich damals städtische Arme eines Ortes als approbierte bestätigte Bettler ausweisen, mit jener Blechmarke. Heiligs Blechle. Heute ist das ein Nummernschild an dem Deutschen seinen unantastbaren Heiligtum.

Bis 2018 hatte Frankfurt zum heiligs Blechle noch die passende Messe dazu. Aber dann strampelte Bayern wie ein trotziges Kleinstkind (“Wir sind mal Papst gewesen!”) und plärrte “Wui I aa Messe!” (auf deutsch: “Will ich auch Messe!”). Frankfurt kapitulierte und seit 2021 hat München die IAA.

Ab morgen wird sie erneut gelesen, die Messe. Zu Ehren dem heiligen Automobil mit der ehernen Sankt-Christophorus-Plakette auf dem Beifahrer-Airbag-Deckel. Wenn der Airbag zündet, dann schützt die dem Beifahrer sich entgegenschleudernde Plakette dessen Seelenheil. Sobald die Münze im Kopfe klingt, die Seele in den Himmel springt. Alte katholische Redensart. Als letzte Segnung sozusagen. Jeder seinem Glauben nach. Nur für mich wäre das nichts, weil so eine Plakette auf dem Cockpit ist für mich ein absoluter höllischer Designfrevel.

Also, zurück zur USK: die USK ist zur IAA hier, um den Kriminellen gewissermaßen die Messe zu lesen. Genauer gesagt, also das heißt, eigentlich will die USK nur Autofahrer vor organisierten Schwerstkriminellen mit Sekundenkleber-Fläschchen schützen.

Mein Nachbar meinte zu mir, man wisse doch, was solch ein technologischen Event wie die IAA an Gesindel anlocken wird: Lehrer, Studenten, vegane Körnerfresser, streikende Schüler, Öko-Hausmänner, queere Tabakdampfer und im Gepäck noch nen Habeck und ähnlich schreckliches Zeug. Und? Wo bleibt dabei die Staatsgewalt? Eben, Fehlanzeige!

Nicht mal der deutsche Geheimdienst wird hier tätig und lässt sich beim Observieren blicken. Kein Wunder, meinte der Schorsch vom Internet-Stammtisch, der wird bereits schon passend auf Englisch übersetzt, als “go home service” bezeichnet. Und recht hatte er. Darum bringe ich mich aktiv ein, helfe aktiv mit. Beim Schützen. Gewissermaßen ehrenamtlich. Unentgeltlich. Schon seit drei Monaten.

In meinem Internet-Stammtisch hatten wir bereits vor den Sommerferien festgestellt, dass es erforderlich ist, eine klare Trennung zu vollziehen, also genau das, was sauber denkende Menschen wie Domenika Gruber, Detlev Nuhr und Hubert Einfanger bereits umgesetzt haben. Eine klare Trennung zwischen Politik und Sachverstand. Wir können doch Klimaklebern nicht die Politik der Straße überlassen und uns von denen bevormunden lassen. Wo kämen wir denn dahin, wenn die uns überall nur am Fortkommen hindern? Wir hätten somit einen Progressionsstau. Und will den wer? Eben.

Also, ich hatte mich danach direkt mit Kladde und Bleistift auf den Weg gemacht, notiere seither jede verdächtige Bewegung zur Straße hin, in allen Details. Notfalls mit Fernglas. Ich hab da keine Scheu, dass ich dabei gesehen werde. Tue Gutes und zeige dich dabei, ist mein Motto.

Und was soll ich Ihnen sagen? Es passiert nichts!

Und warum? Weil der Feind bereits unter uns ist.

Eben! Der weiß seine Klimakleberabsichten zu tarnen! Diese Wölfe getarnt als Schlafschaf, welches sich urplötzlich als stauerzeugendes Klebemonster entpuppt! Da muss man doch aufpassen, den Anfängen wehren!

Drum führe ich Buch über alles und jeden. Dabei gibt es immer interessantes zu notieren.

Beispiel: der Mann von gegenüber, der Herr Niederwörgl, 36, verheiratet, zweieinhalb Kinder, Weißbiertrinker, BMW 5er-Fahrer, Affäre mit einer Frau in Schwabing und einer weiteren in Hasenbergl, Wohnhausbesitzer mit nicht mehr allen Latten am Zaun und einige davon sind sogar geklebt! Also, klar, das ist nun doch zu eindeutig! Wer seinen Gartenzaun nicht in Ordnung hält, das ist doch oberverdächtig. Wer dabei klebt statt ordentlich schreinert, der will wohl auch noch Zeit sparen und das ist ein Risiko. Mit seiner eingesparten Zeit klebt der wohlmöglich nachher in Maxvorstadt auf der Leopoldstraße auf dem Asphalt und hält den Verkehr auf. Vielleicht sogar noch auf dem Zufahrtsweg zur IAA!

Ja, solche Beobachtungen sind eindeutig präventiv zu notieren. Und zu bewerten. Wenn die USK bei so einem die Personalien überprüft, dann kann man die Fakten der eigenen Beobachtung präsentieren und – schwupps – ist die Klebersau für vier Wochen in Präventivhaft. Und mit welchem Recht? Mit allem Recht! Zum Wohle der IAA und der Autofahrer, die auf der Zufahrt zur IAA mit deren heiligs Blechle nicht selbstverschuldet wegen Klimaklebereien im Stau stehen wollen.

Nebenbei, Frau Niederwörgl kenne ich persönlich. Man nennt sie auch das Sendlinger Tageblatt. Der Frau Niederwörgl habe ich im Cafe Schuttner vor einem Monat mal meine Beobachtungen mitgeteilt. Danach war in Sendling der Teufel los. Die Hölle muss wohl das reinste Paradies dagegen gewesen sein. Und schnell hatte ich von interessierten Frauen weitere Termine im Cafe Schuttner.

Das Ergebnis? Fünf Scheidungen, siebzehn außereheliche Beziehungen beendet, vier außereheliche Kinder aufgedeckt, acht Zivilklagen, drei Strafverfahren und ein gebrochenes Nasenbein. Aber das war es mir wert.

Ich mache weiter, so etwas hält mich nicht auf. Denn seitdem herrscht in unserem Viertel wieder Zucht und Ordnung. Alles ist jetzt wieder moralisch gefestigt und Gartenzäune werden auch nicht mehr geklebt, sondern ordentlich geschreinert repariert. Wir sind wieder auf dem Weg zum Vorzeigeviertel.

Und sollte ich in der letzten Zeit auch keine verdächtigen klandestinen Klimakleber auf unseren Sendlinger Straßen beobachten können, so ist doch eines keinesfalls mehr von der Hand zu weisen. Man muss nicht alles gleich schlecht reden:

Die Klimakleber haben für unser Viertel eine ganze Menge Gutes gebracht.

Ertrage die Clowns (17): Das Sommerinterview

Im Jahr 1949 steckte sich der junge Joachim Fest einen Zettel ins Portemonnaie, den er bis zu seinem Tode mit sich führte. Auf dem Zettel stand der Satz:

„Ertrage die Clowns!“

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Moderator (M): “Hallo, liebes Publikum aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und den gleichgeschalteten Bundesländern Bayern und den Wüsten aus Nord bei Nordwestfalen. Wir haben strahlenden Sonnenschein, urlaubshafte 37 Grad – Celsius, nicht Fahrenheit, wie mein Physiklehrer immer betonte – und die Vögel pfeifen sich ein Liedchen. Hier im heimeligen Sauerland im Städtchen Volpe führen wir unser erstes Sommerinterview. Als Gast haben wir den personifizierten Meister des Schreckens, der Erfüller des Bedürfnisses, leere Stellen auszufüllen.  Begrüßen Sie mit mir recht herzlich Herrn Horror Vacui.”

Horror Vacui (HV): “…”

M: “Ja, schön, dass die hier sind. Um es gleich vorweg zu sagen, momentan haben Sie wieder Vollbeschäftigung: Löwen als Wildschweine, Löwinnen als Genderwahnsinn, CDU/CSU lost in mainstream und anderen schwarzen Löcher des Weltalls, und Krieg in der Ukraine. Zudem erreichte uns vorhin die Eilmeldung, dass die Tütenkleber in Haftanstalten vom Verfassungsschutz als Klimakleber enttarnt wurden. Söder und Aiwanger hatten in einer gemeinsamen Presseerklärung deren sofortige Verhaftung gefordert und Schnellverurteilungen noch vor der nächsten Bayernwahl. Es müsse garantiert werden – so der Mini-Präsident und dessen Vertreter – das die Wähler bei der nächsten Bayernwahl, freie Fahrt als freie Bürger zum Wahllokal haben. Ohne irgendwelche Klimakleber.”

H.V.: “…”

M: “Die Medien und Internetseiten sind generell voll von solchen Dingen. Ihre Aktionen, Herr Horror Vacui, sind der Garant für Viralität. Wie fühlen Sie sich? Was macht es mit Ihnen? Selbst Heidi Klum hat weniger Interviewanfragen als Sie. Was geht in Ihnen vor, in diesem Sommer so begehrt zu sein?”

HV: “…”

M: “Ja, ihre Sprachlosigkeit ist verständlich. Uns, also mir und den Zusehern an den heimischen Monitoren geht es nicht viel anders. Dieser Sommer breitet sich momentan atemberaubend schnell aus und hinterlässt etwas, was nicht zu füllen ist. Schildern Sie doch einmal ihre Gefühle dazu.”

HV: “…”

M: “Hm. Ich verstehe. Ihnen fehlen die Worte. Vielleicht hilft es Ihnen, wenn Sie versuchen, es mit zwei Wörtern zu umschreiben?”

HV: “…”

M: ”Aha. Nun gut, Sie können es auch in einem Wort beschreiben, wenn Sie wollen.”

HV: “…”

M: “Meine Damen und Herren, meine Regie hat mir gerade signalisiert, dass wir am Ende unserer Sendezeit angekommen sind. Ich möchte mich an dieser Stelle bei meiner Crew bedanken, besonders bei den Wasserträger und ebenso an meine Row Zero, die ich nachher einzeln persönlich bei der AfterShow-Partie begrüßen werde. Ich bedanke mich auch bei Herrn Horror Vacui für dieses Sommerloch-Interview. Auf Wiedersehen und schalten Sie wieder ein, wenn es heißt: Wer viel zu sagen hat, braucht keine Worte.”