Das Corona-Tagebuch: Provinznotizen aus Deutschland Süd bei Südost (46): Freinacht

Spielplätze, Zoos, Museen und Kirchen werden wieder geöffnet. Benutzung nur mit Gesichtsbedeckung und vorheriger Desinfektion der Hände. Welcher Bereich fällt systematisch raus? Richtig der Spielplatz. Zoos, Museen, Gedenkstätten (wie u.a.a. Friedhöfe) und Kirchen, da können die Eltern deren Kinder mit den Opas und Omas abschieben. Damit sind die Eltern von den Kindern befreit und die Großeltern können deren Enkel mal wieder sehen.

Warum Spielplätze aus den vieren zuvor Genannten raus fällt? Ganz einfach. Es war den Hundehaltern einfach nicht mehr zuzumuten, mit deren Hunde auf Liegewiesen zu gehen. Die haben die Rasenfläche ruiniert. Oder gegen das Rasen-Betreten-Verboten-Gebot verstoßen. Und die Bürgersteige als Gassi-Location war für die Hundebesitzer jetzt auch nicht ganz so cool, weil da mussten sie permanent die Hinterlassenschaften höchst selbst mit eigenen Handschuhen aufheben. Das ging in den Rücken. Und das zudem unter den kritischen Blicken der intoleranten Nicht-Hunde-Besitzer. Nun ist fast schon alles wie zuvor, denn Herrchen und Frauchen können dann mit deren Hunde auf den Spielplätzen endlich wieder Gassi gehen. Und das Hundi kann den Haufen selber vergraben.

Lediglich das Thema “Urlaub”, das ist noch immer nicht gelöst. Daher entsteht auch ein gewisser Urlaubsstau in den Betrieben. Oder wie sagte doch ein Kollege so treffend, dass er sich nicht vorschreiben lassen wird, Urlaub zu Hause zu verbringen. “Urlaub” sei nur dann erst “Urlaub”, wenn er in Urlaub fliegt.

Urlaub-Feeling herrscht momentan irgendwo hier im Wohnblock. Musik und Partygeräusche wehen hier zu mir her. Offenbar ist das der Start in die “Freinacht”. Da wird normalerweise mit Klopapier des Nachts herum geschmissen. Mit Klopapier. Mit einem Luxusprodukt. Vielleicht wisst ihr jetzt, warum Klopapier letztens so schwierig zu erhalten war. Und wer kein Klopapier hat, der geht in die Gegend und reißt Birkenäste ab. Es ist die Nacht, in der seitens brünstiger Männer bestimmten Frauen ein Maibaum präsentiert wird. Das nennen die hier in Bayern und wie auch in anderen Gegenden “Tradition”. Andere kennen so etwas auch unter dem Hashtag #metoo …

Die Nacht zum 1. Mai halt …

Das Corona-Tagebuch: Provinznotizen aus Deutschland Süd bei Südost (28): Tierlieber Ostersontag

Wenn Osterhase mit seinen Eiern … Moment, der Eierhase mit seinem Ostern, … äh, die Ostereier vom Hasen …

Ich krieg es nicht hin. Der Text sollte einfach nur U18 sein, jugendfrei. So etwas darf ich nicht schreiben. Niemals, nie, nicht. Es könnten ja Kinder mitlesen, die gerade Kinderüberraschungseier auspa … Mist! Schon wieder.

So etwas darf ich nicht schreiben. Kann mir jemand die siebenschwänzige Katze zum Selbstauspeitschen wegen unkeuscher Gedankenlage reichen? Wie? Katzen haben jetzt ebenfalls CoVid-19? Echt jetzt? Auch ne Risikogruppe? Per Test nachgewiesen? Ich dachte, es wird nur derjenige getestet, der persönlich einen CoVid-19-positiv Kontakt hatte, also einen Menschen, weil diese Tests so kostbar sind.

Hunde und Großkatzen können auch SARS-CoV-2 bekommen, habe ich jetzt lesen müssen. Zoos wurden ja bereits gesperrt. Wahrscheinlich damit niemand Tiger und Löwen streichelt. CoVid-19 Gefahr! Lediglich Hunde und Katzen laufen weiterhin frei herum. Diese Kotmaschinen auf vier Beinen sind deswegen entwicklungstechnisch tiefer gelegt worden, damit wir uns bücken müssten, um sie zu streicheln. Und wir bücken uns nicht! Wir sind aufrechte Menschen. Immer. Da bücken wir uns nicht. Außer hoch. Dass herausgefunden wurde, dass Hunde SARS-CoV-2 übertragen können wurde wahrscheinlich bei einer “Triage” herausgefunden: deutscher Schäferhund versus Hartz-4-Empfänger. Und das mit den Katzen? Dito. Katzen sind billiger im Unterhalt. Zudem, Hunden und Katzen braucht es schließlich noch, um auf Twitter oder Instagram seine Follower mit süßen Bildern bei der Stange zu halten.

Wobei “Stange halten” geht jetzt ja auch nicht, nicht wahr. Geht gar nicht. Nicht wirklich, weil erstens Kontaktverbot und zweitens latent sexistisch. Vor allem, weil Frühling ist, und da geht weder “Stange”, noch “Fieber” und erst recht nicht beides zusammen.

Und wenn Tote zu Ostern auferstehen, dann hat das nichts mit Sex in Corona-Zeiten zu tun, sondern mit … nein, die Statistikzahlen sind heute auch nicht zurück gegangen …

Nur, Osterwunder passieren selten dann, wenn man sie braucht. Glaubt daran. Oder streichelt mal wieder ne Katze. Oder kommt auf nen Hund. Aber lasst sie vorher auf SARS-CoV-2 testen …

Menschen sind halt so, da kann man gar nichts machen

Wenn der hauchzarte Schmelz über dem darunter Gefestigtem sich mit dem lieblichen Tageslicht in bunten Reflexen mischt, wenn sich das darunter knackige Verborgene aufleuchtend wie die krosse Schicht einer goldbraunen Crème brûlée präsentiert, dann befinden wir uns nicht in einem 5-Sterne-Restaurant und auch nicht bei den vielen Restaurant-Missionaren der Privatsender sondern schlichtweg auf der Straße.
Der Schnee taut weg und es kommen die stolzen Hinterlassenschaften der Hundesteuer-Zahlenden hervor.

Dann beginnen die Tänze der Fussgänger, die sich wünschten, sie hätten ein Hundehäufchen-Warngerät bei sich. Einen Tretminenwarner. Oder der betreffende Hundesteuer-Zahlende käme vorbei und würde kulant einem die verbraunten Schuhe säubern. Dass sich Herrchen oder Frauchen um die Reste von deren verfütterten Chapi, Morgensalami oder die Reste vom Schweinsbraten mit Kartoffelbrei, Erbsen und Möhrchen kümmern, scheint nur eine Tugend der schneefreien Zeit zu sein.

Okay, das war jetzt pauschalierend und gemein. Dem besten Freund des Menschen gegenüber. So etwas böses jenen einfach so anzuhängen. Denn es ist ja schließlich nicht bewiesen, dass solche Herrchen oder Frauchen nicht selber in den Schnee gekackt hatten und das verschämt schnell mit Schnee zugedeckt hatten, während Hundchen sich schämend abgewendet hat und schnell danach weiterging.

Denn wir alle wissen ja, Menschen sind halt so.
Da kann man gar nichts machen.
Außer Steuern zahlen.

Guten Appetit.