Das Corona-Tagebuch: Provinznotizen aus Deutschland Süd bei Südost (47): Der Mai ist gekommen …

Schlaf, Kindlein, schlaf,
Den Vater traf’s im Schlaf,
Die Mutter fand das gar nicht fein,
Erhielt er doch ein Lungenunwohlsein.
Schlaf, Kindlein, schlaf!

Maikäfer, flieg!
Das Leben dem Vater nun entstieg.
Die Mutter ging ins Quarantäneland.
Quarantäneland ist jetzt abgebrannt.
Maikäfer, flieg!

Das Corona-Tagebuch: Provinznotizen aus Deutschland Süd bei Südost (46): Freinacht

Spielplätze, Zoos, Museen und Kirchen werden wieder geöffnet. Benutzung nur mit Gesichtsbedeckung und vorheriger Desinfektion der Hände. Welcher Bereich fällt systematisch raus? Richtig der Spielplatz. Zoos, Museen, Gedenkstätten (wie u.a.a. Friedhöfe) und Kirchen, da können die Eltern deren Kinder mit den Opas und Omas abschieben. Damit sind die Eltern von den Kindern befreit und die Großeltern können deren Enkel mal wieder sehen.

Warum Spielplätze aus den vieren zuvor Genannten raus fällt? Ganz einfach. Es war den Hundehaltern einfach nicht mehr zuzumuten, mit deren Hunde auf Liegewiesen zu gehen. Die haben die Rasenfläche ruiniert. Oder gegen das Rasen-Betreten-Verboten-Gebot verstoßen. Und die Bürgersteige als Gassi-Location war für die Hundebesitzer jetzt auch nicht ganz so cool, weil da mussten sie permanent die Hinterlassenschaften höchst selbst mit eigenen Handschuhen aufheben. Das ging in den Rücken. Und das zudem unter den kritischen Blicken der intoleranten Nicht-Hunde-Besitzer. Nun ist fast schon alles wie zuvor, denn Herrchen und Frauchen können dann mit deren Hunde auf den Spielplätzen endlich wieder Gassi gehen. Und das Hundi kann den Haufen selber vergraben.

Lediglich das Thema “Urlaub”, das ist noch immer nicht gelöst. Daher entsteht auch ein gewisser Urlaubsstau in den Betrieben. Oder wie sagte doch ein Kollege so treffend, dass er sich nicht vorschreiben lassen wird, Urlaub zu Hause zu verbringen. “Urlaub” sei nur dann erst “Urlaub”, wenn er in Urlaub fliegt.

Urlaub-Feeling herrscht momentan irgendwo hier im Wohnblock. Musik und Partygeräusche wehen hier zu mir her. Offenbar ist das der Start in die “Freinacht”. Da wird normalerweise mit Klopapier des Nachts herum geschmissen. Mit Klopapier. Mit einem Luxusprodukt. Vielleicht wisst ihr jetzt, warum Klopapier letztens so schwierig zu erhalten war. Und wer kein Klopapier hat, der geht in die Gegend und reißt Birkenäste ab. Es ist die Nacht, in der seitens brünstiger Männer bestimmten Frauen ein Maibaum präsentiert wird. Das nennen die hier in Bayern und wie auch in anderen Gegenden “Tradition”. Andere kennen so etwas auch unter dem Hashtag #metoo …

Die Nacht zum 1. Mai halt …