Vorweihnachtliche Einkaufsliste

Der Bleistift gespitzt, das Blatt Papier flach gestrichen und die Augen auf die ersten Zeilen gerichtet, so saß ich vor meinem Zettel:

»Liebes Christkind. Ich wünsche mir echt nicht viel: Keinen Weltfrieden, keine Armut oder keine Gerechtigkeit, das will ich alles nicht. Aber ich will etwas Einfaches. Eine Tafel Schokolade, einen Sack Marzipankartoffeln und Karamelltaler. Geht das?«

Angestrengt schaute ich auf meine Schreibe und analysierte: eindeutig zu hochmütig. Denn »echt nicht viel« las sich abgehoben an. Es war in Wahrheit schon eher »echt viel«. Also strich ich es.

Und schließlich die zahlreichen Wortwiederholungen. So viel Mal »keine«; das ist schlapper Stil. Also durchkreuzte ich auch diese Worte und fügte als Ausgleich ein »nicht« ein.

Mein nächster Blick galt dem »will ich« und dem »ich will«: Ich will, ich will, ich will. Ich bin doch kein kleines Kind mehr, das immer nur will, warf ich mir leise vor. Das musste weg. Also verschwand das »ich will« unter einem breiten Strich meines Bleistiftes. Es verblieb mir ein »das alles nicht« und ein »etwas Einfaches«. Ein Zusammenhang dieser Worte erschloss sich mir nicht. Sie standen so losgelöst, so allein. Weg damit. Keep it simple.

Und erneut Wiederholungen des Wortes »eine«. Da ich schon mal am Streichen war, gab es nur eine Lösung. Hinfort damit.
Erst »Tafel Schokolade«, aber dann gleich »Sack Marzipankartoffeln und Karamelltaler«? Gleich drei Dinge auf einmal? Die »Marzipankartoffeln« fielen meinem Lektorat zum Opfer.

»Tafel Schokolade und Karamelltaler«. Nein. Zu viel der Wünsche. Bescheidenheit ist etwas anderes. So etwas ziemt sich nicht. Die »Tafel« wurde gestrichen und ich blickte auf »Schokolade und Karamelltaler«. Seufzend strich ich »Karamelltaler«. Das Wort war erstens nun mal zu lang und zweitens schwer zu verstehen.

Erneut las ich den korrigierten Wunschzettel:

»Liebes Christkind. Ich wünsche mir nicht Weltfrieden, Armut oder Gerechtigkeit. Aber Schokolade. Geht das?«

Ich blickte auf und schaute über die Terrasse des Cafés. Jeder Tisch war umringt von Stühlen, auf denen rote Decken lagen. Unter einem Heizpilz ließ es sich momentan mit einer Decke gut aushalten. Viele Besucher hatte das Café zu dieser Uhrzeit noch nicht. Einzig an einem Tisch saßen zwei Verliebte, tranken Kaffee und schauten in den Park hinaus. Dort schlenderten einzelne Menschen auf den Wegen unter den kahlen Bäumen. Deren Hände hatten sie tief in den Manteltaschen versteckt. Nur mühsam drang die Sonne durch den Hochnebel. Wärme konnte die Sonne keine mehr erzeugen. Aber sie zeichnete den Park in einem Stimmungslicht, als ob die gesamte Szenerie mit einem Weichzeichner abgefilmt worden wäre.

Nein, das passte nicht. Überhaupt nicht. Da lag in meinem Wunschzettel eindeutig das Problem. An das Christkind glaubte ich längst nicht mehr. Also ging das nicht. Mit Entschlossenheit strich ich die ersten und die letzten beiden Worte.

»Ich wünsche mir nicht Weltfrieden, Armut oder Gerechtigkeit. Aber Schokolade.«

Schokolade. Schokolade war das Stichwort. Ich wollte noch Schokolade einkaufen.

Ich nahm einen letzten Schluck aus meiner Kaffeetasse, legte passend Kleingeld auf den Tisch, stand auf und ging.

Kneipengespräch: Witzigkeit kennt keine Grenzen

Tresen2

»Du kannst mir alles sagen, was du möchtest, aber diese Bevormundung seitens gesellschaftlicher Randgruppen geht mir auf den Zeiger!«

Es durchzuckte mich ein Blitz der Aufmerksamkeit. Mein starrer Blick auf die einfallende Schaumkrone meines Kölsch wurde uninteressant und ich schaute nach links zu meinem Sitznachbarn.

»Warum, frage ich dich, warum muss ich mir von denen sagen lassen, was ich zu tun und zu lassen habe?!«
»Tun die das?«
»Ja. Sie wollen, dass wir nicht mehr unsere Musik hören dürfen.«
»Ach ja?«
»Ja!«
»Ja? Erzähl mir ein Beispiel.«
»Ja? Gut, da passierte letztens in Österreich folgendes: Ein Türke steigt in Innsbruck in ein Taxi. Kaum Platz genommen, ersucht er den Taxifahrer, das Radio auszuschalten. ‚Ich möchte diese Musik nicht hören. Unsere Religion verbietet das und in der Zeit des Propheten gab es noch keine Musik, vor allem diese Volksmusik ist nur für Euch Ungläubige.‘ Der Taxifahrer schaltete darauf das Radio aus, blieb stehen und öffnete die hintere Tür. Der Moslem schaute ihn an und fragte: ‚Wieso bleibst du stehen?‘ Der Taxifahrer antwortete: ‚In der Zeit des Propheten gab es noch kein Taxi, also steig aus und warte auf dein Kamel!‘ Und jetzt, mein Bester, sage mir nochmals, die wollen uns nicht Bevormunden.«

Er schaute mich triumphierend an. Mein Blick wanderte zurück auf die zusammenfallende Schaumkrone meines Kölsch. Kölsch in München, ja, geht’s noch? Kölsch? Bei den Münchner Brauereien vor Ort?
Die Geschichte meines Nachbarn belastete mein Gemüt, aber ich konnte nicht umhin, nachzuhaken:

»Sie haben sicherlich auch von den Fakten gehört, dass viele Juden in den Finanzbereichen sitzen und im Diamantenhandel schwer involviert sind, nicht wahr?«
»Kommen Sie mir nicht damit, okay? Erstens stimmt es und zweitens ist es nachweisbar, wie stark die Juden im Geld- und Bankenbereich verwurzelt sind.«
»Das bestreite ich nicht.«
»Dann bestreiten Sie auch nicht, dass in der Finanzkrise 2008 diese ihre Finger im Spiel hatten.«
»Nein, das bestreite ich nicht. Viele hatten ihre ungewaschenen Finger im Spiel. Auch Juden. Aber im Bereich Finanzwesen, da kennen sich auch Christen genauso gut aus. Ein Bischof namens Tebartz van Elst ist das neuste Synonym finanzieller Kompetenz in eigenen öffentlichen Angelegenheiten.«
»Ich bin ausgetreten. Für die zahle ich nicht.«
»Kennen Sie Robbin Williams? Den Schauspieler?«
»Die Schnapsnase?«
»Der hat mal bei einem deutschen Journalisten auf die Frage ‚Mr. Williams, warum gibt es nicht so viel Comedy in Deutschland?‘ tiefsinnig geantwortet: ‚Schon mal drüber nachgedacht, dass die Deutschen all die komischen Leute umgebracht haben?‘«
»Diese Amerikaner! Die denken, sie seien der Nabel der Welt, haben aber noch nicht mal für 5 Cent Verstand. Die sind so dermaßen ignorant. Idioten? Kennen nur deren eigene vier Quadratmeter! Und jene Schnapsnase wirft uns die Ermordung der Juden vor. Aber deren eigenen Verbrechen ignoriert der einfach! Der soll mal vor der eigenen Haustüre kehren!«

Jetzt war er auf 150:

»Nach fast einem Jahrhundert! Der sollte weniger saufen, dann kriegt er auch einen klareren Blick!«

Mein Blick auf mein zehntes Kölsch war ein wenig eingetrübt. Aber verstehen konnte ich ihn noch ohne Probleme. Allerdings anders, denn in der Nazizeit wurde nicht nur das Judentum ausgerottet, sondern es wurde auch der jüdische Humor aus dem deutschen Humorverständnis getilgt. Humor wurde generell als ‚subversiv“ und verfolgungswürdig erklärt. Das wurde mir ganz verstärkt klar, als er intensiv noch nachsetzte:

»Wir brauchen keine Dinge wie Judentum oder Islam! Was haben die uns schon gebracht? Nur Blut, Leid und Tränen.«
»Auch kein Christentum?«
„Ich hab doch bereits gesagt, ich bin ausgetreten. Zahlungen für Religionen? Ich bin doch nicht blöd.«
»Doch, Sie zahlen.«
»Ich zahl nicht!«
»Aber sicher doch! Mit den monatlich abgeführten Steuergeldern. Christliche Würdenträger wie Tebartz van Elst, Joachim Meisner, Margot Käsmann oder Nikolaus Schneider werden wie Beamte behandelt und bezahlt. Die schwören nicht nur auf die Bibel. Sondern auf die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland. Sie werden mit normalen Steuergeldern bezahlt, von Moslems, Juden, Christen und selbst von Scientologisten. Da macht der Staat kein Unterschied. Lediglich der Bürger denkt realitätsfremdes. Aber den interessiert es sowieso keine Fakten. Hauptsache alles ist christlich fundamentiert.«
»He, hey, hey, jetzt gehen Sie aber zu weit!«
»Nein, ich gehe noch weiter. Erzählt jemand, dass der jüdische Humor im Deutschen Reich sein Ende fand, dann schreien die Humorlosen auf und bezichtigen den Herrn Williams des Alkoholkonsums und wollen sich den Fakten nicht mehr erinnern. Jüdische Comedy und dessen Humor war subtil und phänomenal. In Deutschland war dieser nach dem Zweiten Weltkrieg so gut wie ausgerottet. Lubitsch? Billy Wilder? Unverstanden. Wenn es jemanden nicht mehr passt, dann wurden und werden die anderen entweder als Alkoholiker, Terroristen, Moslems oder Juden diffamiert. Aber nie als Christen.«
»Glaubenskriege? Das müssen Sie gerade als Kölsch-Trinker sagen. Hier in München! Es gilt immer noch die Wertegemeinschaft.«
»Wertegemeinschaft? Wenn es dieser dann aber nicht passt und sich jene auch noch als christlich bezeichnen, dann nennen sie deren Entscheidung als ‚alternativlos‘. Das gilt dann sogar als anerkanntes Kanzlerinnenwort. Fraktions- und gesellschaftsweit.«

Er schaute mich mit einem feindlichen Blick an. Offenbar hatte ich Grenzen des guten Kneipengeschmacks überschritten. Allerdings hatte ich mich gerade erst warm geredet.

»Die Deutschen schwören auf ihre christlichen Feiertage und ihre christlichen Wurzeln. Auf die im Namen Gottes geschlachteten Bauern, Wissenschaftler und Religionskritiker. Säßen alle, die im Namen der christlichen Wertegemeinschaft vernichtet wurden, säßen all jene also zu Rechten Gottes, als Grabbeigabe wäre ein sehr starker Feldstecher eine gute Idee. Stattdessen ist das Leichenhemd immer recht dünn und luftig. Soll ja heiß sein in der christlichen Hölle!«

Der Wirt warf mir einen besorgten Blick zu. Er schien zu fragen, ob mit mir alles in Ordnung sei. Innerlich beantwortete ich die Frage mit einem „Nein“ und fuhr ungehemmt weiter mit der Kölsch-Stange in meiner Rechten:

»Und zu Ihrem Pseudo-Witz am Anfang, den mit dem Türken in Österreich und der Musik im Taxi: Ja, ich wäre auch ausgestiegen! Volksmusik ist für mich mein Brechmittel. Die Hai-Ti-Tai-Musik kotzt mich an. Dazu muss ich nicht erst Türke sein. Und ganz unter uns Intelligenzbolzen, interessant ist es, dass ein Volk, welches entscheidend osmanisch geprägt wurde, sich gegen seine eigene Geschichte auflehnt. Entweder entspricht der Pseudo-Witz einer Geschichtskenntnis in Höhe einer Plateausohle oder der Erzähler will gezielt vordergründige Stimmung schaffen. In beiden Fällen hat er das Letztere erreicht und bewegt sich damit auf dem Niveau einer Amöbe! Scheiß Neo-Nazis!«

Viele Erinnerungen an den weiteren Verlauf jenes Abends habe ich nicht mehr.
Filmriss. Zu viel Kölsch womöglich.
Nach Aussagen der Polizei muss ich wohl danach eine Schlägerei angezettelt haben. Dabei bin ich doch eine recht friedliebende Natur. Mein Gegenüber konnte eine Platzwunde an seiner Stirn verhindern. Meine wurde im Krankenhaus geklammert.
Im Laufe der Ermittlungen verzichtete der Wirt auf Hausverbot und Anzeige gegen mich, obwohl ich angefangen haben soll. So mehrere Zeugen. Von meinem Gegenüber kassierte ich eine Anzeige wegen Körperverletzung, Beleidigung und übler Nachrede.
Die Staatsanwaltschaft ermittelt jetzt wegen Anfangsverdacht. Allerdings stehen meine Chancen gut. Mein Rechtsanwalt versucht, mit der Staatsanwaltschaft einen Deal zu machen, weil keiner der Kneipenbesucher etwas gesehen haben wollte.

Für mich lautet mein Kampfspruch ab heute: Nie wieder Alkohol. Zumindest kein Bier vor vier.

So denn Gott will.

Meine Tröstung: Kölsch ist nach langläufiger Meinung kein Bier.

Stößcken.

In eigener Sache, weil in eigener Schreibe

Mein neustes Ebook ist gerade frisch erschienen. Bei Amazon ist es unter http://www.amazon.de/dp/B00GG1725I/ erhältlich.

Ab und zu Gehörtes

Worum geht es?

Ab und zu merken Frauen beiläufig an, dass Männer nie zuhören können. Und wenn sie dann ab und zu mal zuhören, dann ist es denen auch wieder nicht recht. So erging es letztens unserer Bundeskanzlerin Angela Merkel im Zuge der Enthüllungen durch den ehemaligen NSA-Mitarbeiter Edward Snowden über die Geheimdiensttätigkeiten der NSA. Allerdings läuft das Ganze nicht unter Zuhören, sondern unter Abhören. Zumindest nicht ab und zu.

Die Bevölkerung sieht der ganzen Überwachungs- und Spionageaffäre des Jahres 2013 mit gemischten Gefühlen zu. Einerseits ist es sicherlich positiv zu sehen, wenn überhaupt mal eine staatliche Behörde seinen Bürgern im Detail zuhört. Andererseits aber, abgehört zu werden, ist etwas, was man letztendlich nur ab und zu durch dem eigenen Hausarzt erfahren möchte. Denn wenn der eigene Hausarzt abhört, droht eine Krisenmeldung, was den eigenen Zustand angeht. Ab und zu jedenfalls.

In „Ab und zu Gehörtes“ berichten eineinhalb Dutzend satirische Erzählungen aus dem Leben, Politik und Wirtschaft von vor, während und nach der Krise. Ab und zu gehörte Gedankengänge und Philosophien zeigen unsere Krisengesellschaft in einem aktiven, amüsanten Krisenslalom. „Krisenmanager“ zu sein, hat sich inzwischen zu einem Job mit gesicherter Zukunft gemausert.
Die Weisheiten eines Sepp Herbergers gelten inzwischen auch für unsere wirtschaftliche Lage: „Nach der Krise ist vor der Krise“ und „Die nächste Krise ist immer der schwerste“. Nur, dass eine Krise selten nur 90 Minuten dauert, das ist noch immer keine gültige Regel geworden.

„Ab und zu Gehörtes“ ist ein Buch aus der Satire für die Satire.

Zum ab und zu Amüsieren.

Hinweis:
Es benötigt kein Kindle-Reader um das Buch zu lesen. Auch eine Smartphone-App ist nicht erforderlich. Es gibt für den PC/Mac auch eine Anwendung, mit der Ebücher von Amazon zu lesen sind. Hier der Link zu der Anwendung: http://tinyurl.com/nkfabxl

Unglaubliches aus dem Sommer für den Sommer

Für alle, denen das heutige Wochenende zu heiß war (weil über 26° C) und die jetzt schon übers nächste Wochenende stöhnen (weil wieder nicht unter 26° C):
Es gibt da in den bayrischen Bergen (die eben welche, die der Franz Josef Strauß in einer Nacht und Nebelaktion eigenhändig errichtet hat), da gibt es einen Vanille-Eis-Gletscher. Da findet sich das weltbeste Vanille-Eis wohltemperiert und naturbelassen. Mit meinem Super-Duper-Extrem-Tele konnte ich eine italienische Familie dabei fotografieren, die sich diverse Portionen Vanille-Eis in knusprigen Waffelhörnchen schöpften, und diese dann unter ihrer Kappe talwärts brachten. Leider waren alle Bilder von mir gnadenlos überbelichtet, darum an dieser Stelle jene Stelle mit einem nicht so Super-Duper-Extrem-Tele fotografiert …

Alpen-Gletscher im Sommer

Mit Sicherheit

Seit dem 11. September und diversen anderen Terroraktionen fühlt sich die USA (und nicht nur die USA) durch Reisende verstärkt bedroht. Eine Folge daraus sind verschärfte gesetzliche Sicherheitsanforderungen an Flugreisende. So darf zum Beispiel nicht mehr als 100 ml Flüssigkeit in einer Flasche in den Sicherheitsbereich eines Flughafens eingeführt werden.

Wer sich eine Flasche Wasser kauft, dem wird diese abgenommen und kompromisslos vom Sicherheitspersonal in den Mülleimern der Sicherheitssperren geschmissen. Denn es könnte sich um Sprengstoff handeln. Da brauchen die gar nicht drüber nachdenken, da haben die ihre Anweisungen. Die schmeißen einfach weg, ohne nachzuprüfen, um welche Flüssigkeit es sich in der Flasche handeln könnte. Ob Wasser oder Nitroglyzerin in der Flasche ist, dem Sicherheitsbeauftragten ist es egal. Der hat die Vorschrift, alles über 100 ml dem Reisenden wegzunehmen und in den Müllsammelbehälter zu werfen … .
Ob sich dann irgendwer im Sicherheitsbereich des Flughafens hochprozentige Spirituosen im Duty-Free-Laden kauft, dass wird als gefährdungsneutral eingestuft. Selbst Wasser in Flaschen ist dort wieder frei käuflich. Die Wasserflaschen kosten dann zwar locker das vierfache, aber sind sicherheitstechnisch unbedenklich.

Die USA selber behält sich zudem vor, nicht nur auf die Daten der Reisenden zuzugreifen, den Reisenden buchstäblich zu durchleuchten, sondern auch in deren Koffer zu schauen. Seitdem gibt es Kofferschlösser, welche dem Sicherheitsstandard (mit einem Zentralschlüssel leicht zu öffnen) entsprechen. Alle anderen Kofferschlösser werden erbarmungslos mit einem Bolzenschneider geöffnet. Und sollte das Schloss zu stabil sein, wird der Koffer anderweitig zerstörend geöffnet. So ist die eindeutige Rechtslage. Es dient ja alles der Sicherheit der Reisenden.

Nachdem mir die amerikanische Sicherheitsbehörde TSA wieder ein TSA-zertifiziertes Schloss geraubt hat (- Koffer geöffnet und dann das 7-Euro-Schloss nicht wieder angebracht und erst recht nicht den erforderlichen Zettel der TSA eingelegt, wie es der TSA gesetzlich vorgeschrieben ist -), hatte ich beschlossen, zum Verschließen einfach einen Kabelbinder (2-US-Cent) zu verwenden. Am Flughafen ergab sich dann folgende Diskussion beim Einchecken:

– Das ist kein TSA-Schloss.
– Ich weiß.
– Sie müssen das da (- *auf den Kabelbinder deutend* -) entfernen, damit die TSA in den Koffer reinschauen kann.
– Nein, das mache ich nicht.
– Dann wird das da (- *auf den Kabelbinder deutend* -) abgeschnitten.
– Okay, die TSA wird doch wohl noch eine Schere haben, oder sollte es daran scheitern?
– Ja, aber dann ist das da zerstört.
– Sollten die den Kabelbinder nicht zerschneiden, bleibt er dann unzerstört.
– Ich habe Sie gewarnt.
– Ich habe Sie verstanden.

Die Frau schaute mich kopfschüttelnd zweifelnd an, nahm den Koffer aber schließlich mit unzerstörten Kabelbinder an.

Am nächsten Flughafen erhielt ich den Koffer zurück. Ohne Kabelbinder. Aber diesmal mit dem gesetzlich vorgeschriebenen Zettel der TSA im Koffer, dass der Koffer durch die TSA inspiziert wurde.

Und die Quintessenz?
Für USA-Reisen einfach immer Kabelbinder statt Schlösser verwenden. Dann ist der geldwerte Verlust geringer, wenn die TSA mal wieder deren zertifizierte Schlösser verschlampt/zerstört/unbrauchbar macht.

Nebenbei:
Niemals sollte ein TSA-zertifiziertes Zahlenschloss verwenden werden. Außer man möchte Zahlenschlossknacker werden. Einem Bekannten hatte die TSA einfach mal (wohl unbeabsichtigt) die Zahlenkombination verstellt gehabt.

Bildendes Bildungsthema: Vorbilder zur Nachbildung

– Mutter, Mutter, mach mir ein Vorbild!
– Ein Vorbild?
– Ja, mach mir ein Vorbild!
Da ging die Mutter ging und weinte bitterlich.

Vorbilder sind Bilder, die vor der Erkenntnis der Wahrheit gebildet werden.
Vor fünf Jahren im Februar kalauerte ich bereits:

Moral heißt im lateinischen „mos“ (im plural „mores“).
Und jeder weiß: „Ohne Mos nix los“.
Und wer richtig Mos macht, der hat eben viele Scheine in der Tasche.
Und lebt in einer Schein-Gesellschaft.
Einer Mos-Gesellschaft.
Moralisch halt.
Ohne Moos nix los und Moral von unseren Top Mangern für alle.
Vorbildlich.

Vor fünf Jahren forderte die BILD-Zeitung per Aufmacher fett schwarz auf weiß:

Top Manager müssen wieder Vorbild sein.

Die Manager hörten diese Signale. Weniger die Völker.
Vorbildlich arbeiten die Manager mit, präsentierten sich als der personifizierte Erfolg und erscheinen uns als das, was die Einflussreichen unter uns gerne von uns erbracht gesehen hätten.
Danke, nach fünf Jahren dürfte es jeder kapiert haben, was gemeint war. Oder nicht?

Leistung muss sich wieder lohnen. Denn wer sich viel leistet, soll dafür belohnt werden.
Und sei es, weil er zuvor ne Bahn beflügeln wollte, danach eine Fluggesellschaft zu Höhenflüge bringen wollte, oder jetzt für seine Ausflüge im Management einen Berliner Flughafen sich zur Landung auserkoren bekommen hat.
Was weiß schon ein Harz-4-Empfänger davon, was solch einem Leistungsträger dessen eigenes Leben kostet. So ein Harz-4-ler hat doch eh keine Ahnung davon – sei es aus Bildungsdefizite, sei es aus Faulheit -, was so eine frische, beheizte Füllung für das eigene Privat-Swimming-Pool kostet. Im Winter.
Wisst ihr es? Na also. Daher sollte das Hohngelächter über Ulrich „Uli“ Hoeneß völlig unangebracht sein. Genauso wie die Proteste gegen jenen Thilo Sarrazin, der in der Bundesbank nur bis Dienstag Mittag arbeitete und dann den Rest der Woche in seiner steuerlich bezahlten Arbeitszeit an seinem Arbeitsplatz an einem Buch schrieb, welches die Einstellung anderer zur Arbeit zum Thema sich machte.

Allerdings: selbst gesetzt des Falles, dass uns Würstchen-Uli jetzt die Hälfte seines Einkommens (dank seines Vermögens) per Gerichtsurteil verlieren sollte … ein Hartz-4-Beziehers weiß, was das bedeutet, wenn ihm die Hälfte seiner STGB-II-Bezüge gestrichen werden, wenn dieser allein dem Veracht nach sich nicht gesetzeskonform verhalten haben sollte (- der Beweis ist dann freilich gesetzestreu beim Prozess zwei Monate später von der Behörde zu erbringen -).

Leistung lohnt sich wieder.
Mos-Moos-Moral.
Und zweifach Moos bei normal beleumdeten Menschen nennt sich Doppelmoos. Doppelmoral.
Deponiert freilich außerhalb des eigenen Landes. In felsenfesten Tresoren. Mit dem Sperrschloss der eigenen ehernen Meinung versiegelt.
Aus den Augen aus den Sinn.
Deswegen kann man öffentlich auch mal das Gegenteil davon reden, was man selber tut. Wenn danach die Privat-Person Hoeness sich durch seine Taten in seinen vormals öffentlich moralisierenden Worten widerlegt, und wenn seine Firma, jener Fußball-Verein, seine Aussagen zur Chancengleichheit in der Liga mit anderen Handlungen kontakariert (durch Einkauf eines Spielers zur Schwächung eines Konkurenten), um Erfolg sicherer zu stellen … dann werde ich christlich und zitieren mal die Bibel: „An deren Taten werdet ihr sie erkennen.“

Ist Erfolg die Prämisse zur Wertigkeit des eigenen Seins der heutigen Gesellschaft? Ist Erfolg Vorbildfunktion?
Viel wird jetzt von dem Verlust einer Vorbildfunktion geredet. Und diametral dazu steht die Frage: Was sind dann die staatlichen Ermittler, die Erfolge gesetzlich relativieren, danach auf Straftatbestände und auf Kriminalität reduzieren?
Richtig. Störer. Keine Vorbilder.

Deswegen fällt auch in den Südstaaten Deutschlands auf, dass die Macht der Ermittlungen gering bleibt. Notfalls wird nachgeholfen, dass Steuerfahnder als psychisch krank aus deren Beruf wegqualifiziert werden. Nur wenn die westfälische NRW-Steuerfahndung Bochum mal wieder Richtung Süden ermittelt, dann wird auch in Süddeutschland zwangsweise gefahndet. Zumindest die Südstaaten sehen in Sachen Länderausgleichsfinanzierung nur eingenommene reguläre Steuereinnahmen. In Sachen Ermittlungen gegen Steuerhinterzieher (als eine Art gelebter Länderausgleich in Richtung besseres Niveau) pflegen die Südstaaten Deutschlands keinen Ausgleich in Sachen Ermittlungen. Die Südstaaten Deutschlands sind von jeher für Steuerhinterzieher das bessere Ruhekissen gewesen.

Gewesen.

In diesen Tagen hat Presse einen bayrischen Steuersünder und kann kurzfristig von diesem medientechnisch profitieren. Und danach? Also in vier Wochen? Wird dann noch irgendwer jenes fordern, mit welchem Antragstellende von Hartz-4 jeden Tag durch die Jobcenter-Behörde konfrontiert werden? Was von denen STGB-II-Antragsstellern gefordert und erzwungen wird? Offenlegung aller Einkünfte und Besitztümer? Bei Antragstellern von Hartz-4 gilt kein Datenschutz. Gläsern bis auf die Unterwäsche müssen die sich nackig machen, weil sie sich dem Generalverdacht des Betrugs ausgesetzt sehen.

Leute mit gutem Einkommen, die brauchen so etwas nicht zu befürchten, dass deren Vermögen auf jeden Cent herunter gebrochen wird. Für jene gilt der Datenschutz. Für die findet sich immer ein Verteidiger, der aufgekaufte Daten-CDs als Verletzung des Datenschutzes brandmarkt und moralisch disqualifiziert.
Und notfalls wird diese politische Strategie zum Schutze von Steuerhinterziehern durch Regierungen unterstützt, indem Gelder für Steuerfahnder gestrichen werden. Dafür werden die Ermittler aufgestockt, um jedem potentiellen Hartz-4-Vergehen im Detail nachzugehen. Dort sollen ja Millionen für Einsparzwecke zu holen sein. Die Hatz-4-Empfänger können sich nicht wehren. Die Vermögenden dagegen haben Geld, Mittel und Lobby entsprechend dazu.

Und die Vermögenden sollen uns zudem als Vorbild dienen. Der Wert „sozial zu sein“, das sei lediglich was für spinnerte Gutmenschen, ist das große Glaubensbekenntnis des christlichen Abendlandes geworden. Einen Jesus (egal ob es ihn gäbe oder nicht) würden jene glatt auf den Altären dieser Gesellschaft opfern: den Bankschaltern und den Börsenhandelsplätzen.

Allein Erfolg soll sich wieder lohnen. Das hehere Ziel der Gesellschaft. Auch nach dem Fall „Uli Hoeneß“ wird dieses wieder die Prämisse des staatlichen Strebens und des allgemeinbildenden Sehnens werden.
Business as usual.

Schaun mer mal, wen die Steuerbehörde in der nächsten Zeit noch aufgabelt und worüber wir Informationen erhalten. Dann reden wir erneut über Vorbildfunktionen … oder besser gesagt: alle jammern dann erneut über fehlgeschlagende Funktionen bei Vorbildern, wenn die Erkenntnis der Wahrheit uns das Bild der Realität zeichnet …

Zumindest eines ist uns jetzt Gewissheit:
Es werden nicht nur Armutsberichte von Besserverdienende gefälscht. Sondern auch Reichtumsberichte. Das letztere endet vor einem Strafgericht. Das erstere verdeckt der Mantel des Wohlwollens der eigenen Geschichtsvergessenheit nach dessen Fälschung …

Endlich: Stoersender.tv ist "on air"

Störsender.tv hat seine erste Episode ins Netz gestellt.
Neben den kabarettistischen Momenten kommen auch noch ernsthafte Analysen hinzu. Es ist ein Mix, bei dem es sich lohnt, die nächsten Minuten mal vor dem Monitor zu hocken und es sich anzuschauen.

Und zur Beruhigung aller „Störlem Shake„-Schockierten sei gesagt, die ganzen Teile sind frei von jeglichem Konservengelächter und bodenlosem Comedy-Rumgealbere.
Dafür findet sich neben zwei erhellende Meinungen zur Analyse der Finankrise auch kabarettistisches: zum Beispiel H.G. Butzko mit seiner Erzählung über den berühmt berüchtigten Jörg Asmussen (der uns in den Medien immer wieder als Retter der Bankwirtschaft glorifizierend angepriesen wird).

Anschauen.
Es lohnt sich.

Sehenswert.

Auf Anweisung ist zu jubeln …

Während den Aufnahmen
Stoersender.tv ist ein Crowdfounding-Unternehmen, dass binnen kurzer Zeit an die 150.000 Euro Spenden übers Internet zusammengebracht hat. Stoersender.tv tritt mit dem Anspruch an, politisches Kabarett außerhalb der normalen TV-Medien im Internet zu etablieren.
Momentan laufen die Vorbereitungen zu der ersten Internet-Stream-Sendung für Ende März.
Für die ersten „öffentlichen“ Aufnahmen erhielt ich eine Einladung zu den ersten Filmaufnahmen.
Was geschah?
Je länger die Wartezeit auf die Aufnahmen dauerten, desto klarer wurde mir, dass wohl keine Aufnahmen vom eigentlichen Programm stattfinden würden. 50 Statisten waren geladen und so viele waren dann wohl auch in etwa vor Ort. Meine Euphorie verflüchtete sich dann allerdings, als uns erklärt wurde, wozu wir Statisten dienten:
„Stellen Sie sich vor, das ist jetzt die erste Sendung von Stoersender.tv …“
„Stellen Sie sich vor, das ist jetzt die zweite Sendung von Stoersender.tv …“
„Stellen Sie sich vor, das ist jetzt die vierte Sendung nach Ostern …“

Ja, wir waren Staffage. Claqueure. Es wurden mit uns diverse Szenen durchgedreht: Das Publikum ist begeistert. Das Publikum ist gelangweilt. Das Publikum starrt den einsamen Lachenden an. Das Publikum jubelt. Das Publikum gähnt. Das Publikum …
Es wurden Szenen gedreht, die nachher reingeschnitten werden. Und durch meine Kopfbedeckung (siehe mein Avatar) wurde ich urplötzlich zum Mittelpunkt einer Statistenszene („Herr Bismark, Sie haben 200 Jahre nicht gelacht und stellen Sie sich jetzt vor, Sie brechen heute zum ersten mal mit dieser Tradition …). Sollte meine erbärmliche Schauspielkunst des Lachens Gnade vor dem Schnitter finden, werdet Ihr sie im ersten Teil von „Stoersender.tv“ Ende März sehen.
PublikumsstatistDiese Aufnahmen heute sind dann eigentlich auch der Punkt meiner Nachdenklichkeit. Während der normale Fernsehzuschauer von heute „Neues aus der Anstalt“ oder damals „Scheibenwischer“ (oder für die anderen ARD-Einäugigen der „Satiregipfel“) als mehr oder weniger Live-Aufführung im Fernsehen erleben, so wird „Stoersender.tv“ dieses definitiv nicht sein. Immer wieder wurden wir per Anweisungen angehalten, zu jubeln, zu schmollen oder Unmut auszudrücken, so zeichnete es sich klar ab, dass „Stoersender.tv“ eine Internet-Sendung sein wird, die mit Schnitttechnik arbeitet. Und wenn sich dann die Betrachter von „Stoersender.tv“ wundern werden, warum bei bestimmten Sketchen wie wild gejubelt wird, während bei anderen Gags verhalten geklatscht wird, der muss sich mit dem Wissen trösten, dass Schnitttechnik und Satireempfinden der Schnitttechniker (i.e. Regie) den Stream ausmachen wird. Und ich hoffe sehr, dass das Niveau unserer Jubelorgien von heute für die nächsten sechs Sendungen durch den Inhalt eindeutig überboten werden wird. Wir alle haben freiwillig mitgemacht und hatten unseren Spass daran. das steht außer Frage. Aber wir Claqueure wissen heute noch nicht, wo wir morgen hinein geschitten werden. Aber alle waren guter Dinge, dass der Stream besser sein wird, als das was wir ablieferten.

Einer der Höhepunkte für mich war heute dann das Erscheinen des Vaters des Machers der Sendung „Stoersender.tv“. Der Vater von Stefan Hanitsch: Dieter Hanitsch. Bekannt ist erals jener Karikaturist, der in den 80er des letzten Jahrhunderts seine Sternstunden zeichnerisch zelebrierte. Und das nicht nur in der „Süddeutschen Zeitung“ sondern auch in Büchern, unter anderem auch in Zusammenarbeit mit Dieter Hildebrandt. Inzwischen – so sagte mit Dieter Hanitsch auf eine meiner Fragen – ist mit Karikaturen kaum noch ein Buch zu veröffentlichen. Verlage finden sich für Veröffentlichungen kaum.
Schade ist diese nüchterne Antwort schon, denn wer ein Buch von Dieter Hanitsch sein eigen nennt, wird es kaum wieder her geben.
So hatte der Tag bei all unseren gesteuerten Jubelorgien und Buh-Chören für mich doch noch seinen Höhepunkt, dank ihm, den Professor der Karikaturisten: Dieter Hanitsch.

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Und was die ersten 30 Minuten „Stoersender.tv“ Ende März bieten wird, da bin ich sehr gespannt. Dieter Hildebrandt, Markus Barwasser und Sigi Zimmerschmied sollten uns heutige Jubelpriester in alle Schatten stellen.
Hoffentlich.
Ansonsten müsste ich mich für das heutige stark schämen …

Zusatz vom 24.2.2013
Eigentlich nehme ich in meinem Post an, dass ich den Verwendungszweck kenne. Aber ich vermute nur. Denn eigentlich könnten die Aufnahmen auch als Auditorium für den Bundestag angewendet werden. Vielleicht ist die Sendung auch mehr in Richtung „Notizen aus der Provinz“ (war damals eine Sendung ohne Live-Publikum), so dass die Aufnahmen am Samstag für andere Zwecke verwendet werden könnten, als zuerst gedacht. Es ging darum bei uns Publikum bestimmte Reaktionen zu erzeugen und das geht nur mit der Erwartungshaltung und nicht gegen der Erwartungshaltung von uns Publikum.
Ich setze auf die Kreativität des Stoersender.tv-Teams.