Seit einem Monat sitzt mein neuer Kollege vor mir. Ich mag ihn nicht. Er hat einen Kopf so stromlinienförmig, dass er wahrscheinlich der ideale Tour-de-France-Abfahrer wäre. Breite Stirn, dahinter ein spitz sich verjüngender Kopf. Sein Gesicht verziert ein Zinken, der spitz herausragt und sich wie eine Kartoffel zwischen Oberlippe und Augenpartie ausbreitet. Seine Augen werden oben von buschigen Augenbrauen überschattet. Seine Haare hat gegelt und mit groben Kamm exakt parallel zu seiner Kopfform nach hinten weggekämt. Das Sonnenlicht, das hinter ihm durchs Fenster sein Haupt streift, lässt das Straßenköterblond seiner Haare noch einen Tick heller ausfallen und mit dem Gel ergibt sich gelegentlich der Effekt eines Heiligenscheins. Ich mag ihn nicht. Er ist mir zu streberhaft. Weiterlesen
Archiv der Kategorie: Kurzgeschichte
Kneipengespräch: Zahlemann und Söhne
„Also, das waren jetzt drei Kinder-Kölsch. Macht sechs sechzig.“
Der Gast beugte sich lässig vor und, abgestützt durch seinen Ellenbogen auf dem Tresen, ließ mit lockerer Nonchalance zwischen Zeige- und Mittelfinger eingeklemmt eine Kreditkarte vorschnellen: „Mach sieben Euro. Der Rest ist Trinkgeld.“
„Hm. Kreditkarte nehmen wir aber nur erst nach zehn Kölsch und fünf Schabaus.“
„Was? Zehn Kölsch und fünf Schnäpse? Dann bin ich ja blau und kriege die Unterschrift nicht mehr hin.“
„Das geht schon. Geht mit Chip-Zahlung und 10 Euro Kreditkartenzahlungsgebühr. Schabau määt schlau! Weeßte“, lächelte ihn der Wirt verschwörerisch an.
„Glaub ich nicht. Okay. Gut. Dann zahl ich mit EC-Karte“, sagte der Gast, holte seine Geldbörse hervor, schob die eine Karte rein und holte die andere raus.
„EC-Kartenzahlung erst ab fünf Kölsch und einen Schabau. Plus zwei Euro fuffzich EC-Kartenzahlungsgebühr.“ Weiterlesen
Wie ich mit einem Dreierpasch die Welt rettete …
Niemand von ihnen konnte es gewesen sein. Weder Herr Biersack, noch Herr Wolfhausen, noch Herr Dörthofen. Trotzdem standen sie wie Sich-schuldig-fühlend um den toten Mops herum.
„Er war ein braves Tier“, seufzte Herr Biersack.
„Ja, das war es!“, stimmte Herr Wolfhausen zu.
„Und so treu“, seufzte Herr Biersack.
„Ja, treu war er“, stimmte Herr Wolfhausen zu.
„Wie Gold“, seufzte Herr Biersack. „Da kann sich manchs Weibsbild was von abschneiden.“
„Und Mannsbild!“, pflichtete Herr Wolfhausen zu.
„Mannsbild und Kindsbild erst!“, betonte Herr Biersack. Weiterlesen
Fußballgötter
„Und sage mir, wenn unter den zwei Ungerechten ein Gerechter wäre, würdest du alle vernichtend verurteilen?“
„Nein, ich würde es nicht.“
„Und wenn derer Ungerechter doppelt so viele gäbe, und der Gerechte ein echter Gerechter wäre? Würdest du dann auch alle vernichten?“
„Nein, ich würde es nicht. Wer glaubst du, dass ich denn sei?“
„Keine Ahnung, mein lieber Gott. Aber jetzt mal ganz differenziert nachgefragt, wenn die Anzahl der Ungerechten derer Hundertfach wären und darunter einer weiterhin wäre, der Gerecht wäre, was würdest du tun?“ Weiterlesen
Gemeinsamkeiten
Welche Gemeinsamkeit hat der Kölner Platz ‚Neumarkt‘ und der Platz vor den Münchener Riem Arcaden?
Deren Pflastersteine wurden in Indien geklopft.
Mutmaßlich aus dem selben Steinbruch.
Mutmaßlich von den selben Kindern.
Tausende stehen drauf, Tausende gehen drauf. Ob Touristen, ob Schicksale, ob Geld, das darf sich selber jeder denken. Gedanken sind frei. Und die Journalisten, die den Bericht für den WDR gemacht hatten, auch noch. Das haben sie mit uns dankenswerterweise gemein.
In Köln ist man vor 800 Jahren noch anders mit Kindern umgegangen. Eltern haben ihre Kinder rheinaufwärts nach Italien wandern lassen. Jene 20000 Kinder wollten in Genua vom 12-jährige Nikolaus das Mittelmeer mit dem weltbekannten Moses-Trick teilen sehen. Das Meer teilte sich nicht, Jerusalem wurde nicht von Kölner Jüngelche befreit. Bekanntlich endete dieser ‚Kinderkreuzzug‘ unter anderem in Pisa. Dort wurden die Pisa-Studien auf Schiffen fortgeführt. Die fuhren zwar nicht in indische Steinbrüche, aber die italienischen Seefahrtskaufleute hatten auch damals schon andere Orte, wo Kindersklaven begehrt waren. Nicht nur in Bordellen.
Dabei sollten die Kölner doch eigentlich aus den Ereignissen 100 Jahre zuvor gelernt haben. Da kam auch einer, der genauso wie der Nikolaus einen Einschreibebrief ohne Rückschein von Jesus vorweisen konnte, indem sich wer über unverschämte, blutrünstige Muselmänner beschwerte und zu politisch inkorrektem Verhalten demagogisierte. Im Namen der nächstenliebenden Christenheit. Blutrünstig und unverschämt.
Jener Haßprediger kam aus Frankreich über Aachen nach Köln. ‚Kukupeter‘ wurde er genannt, Peter von Amiens hieß er. Der Kölner hatte gerade nichts zu tun – Karneval war inzwischen auch schon vorbei, dafür hatte es Meteoritenschauer, Mutterkorn und Mondfinsternis – und als er den Kukupeter mit seinen Kreuzzugsteilnehmern aus Aachen angezogen kam, rief der Kölner begeistert „D’r Zooch kütt!“, Kukupeter warf seine Kamelle und der Kölner lief ihm „Die Karawane zieht weiter“-singend und „Alaaf“-rufend hinterher.
Bis nach Belgrad kam dieser erste Kreuzzug, wo die Kölner dann von Christen und Moslems gemeinsam massakriert wurden.
Vielleicht kamen sie dabei in Rufweite von Münchens Riem Arcaden vorbei. Auch wenn es damals weder die ‚Riem Arcaden‘ geschweige denn München gegeben hatte.
Dafür gab es aber den Kölner Neumarkt.
Und von dort aus zogen die Kinder gen Süden.
Als sich das Mittelmeer vor dem Nikolaus nicht teilte, sind nicht alle mit dem nächsten freien Schiff in die Sklaverei entflohen, einige sind auch zum Papst, um sich beim Statthalter für das entgangene Wunder zu beschweren.
Andere sind auch wieder nach Deutschland zurück.
Vielleicht nicht nach Köln, sondern dahin – schmachvoll in Sack und Asche gewandet, wofür man sie irrtümlicherweise für Mönche hielt – wo heuer noch die Stadt München liegt.
Weswegen auch klarer wird, warum München und Köln das gleiche kostengünstige Pflaster sich angeschafft haben könnten. Ein paar tausend Gedenksteine an die Kinderversklavungen dieser Welt ist nicht nur was fürs Gemüt sondern auch für die Erinnerungen deutscher Geschichte … .
Immer diese Kettenbriefe …
Gerade erhalten und hier gleich reingepackt.
Dies ist KEIN Kettenbrief!
Du darfst ihn auf KEINEN Fall weiterschicken, denn das wuerde grosses Unheil ueber Dich, deine Nachfahren und deinen Erdbeerjoghurt bringen ! Selbst Ausschnitte, ja sogar einzelne Woerter aus dem Brief koennten gefaehrlich sein.Die Urspruenge dieses Briefes gehen auf den Abschiedsbrief eines braven Bauernburschen namens Chutka Prowik zurueck, der seiner Familie in schriftlicher Form seinen Beschluss mitteilte, dass er sein Glueck in der Ferne suchen wollte. Kurz nachdem er sich von Zuhause aufgemacht hatte und die Berge ueberquerte, wurde er von einem Unwetter ueberrascht und eingefroren. Heute ist er unter dem Namen „Oetzi“ bekannt.
Bis heute weiss niemand genau, welche seiner Worte so gefaehrlich und unheilstraechtig waren, aber sie kommen auf jeden Fall alle auch in diesem Brief vor, also sieh dich vor! Ein Beispiel fuer die schreckliche Kraft dieses Briefes ist der arme Matrose
Pitr Owoschna, der auf dem beruechtigten Atom-UBoot „Blauer November“ als Ausguck arbeitete. Waehrend das Boot auf Patrouillenfahrt im Kaspischen Meer war, bekam Pitr diesen Brief an seine Heimatadresse geliefert. Ohne das zu wissen, schrieb Pitr einen Liebesbrief an seine Freundin Januschka, in dem er ungluecklicherweise mehrere der Unheilvollen Woerter benutzte. Noch in der selben Stunde explodierte der Dieseltank des Schiffes und es versank auf Nimmerwiedersehen in der See.
Beruehmte Menschen haben das Verbot zum weiterschicken missachtet. Darunter waren Lady Di, Falko, Boris Becker, Brittney Spears (kurz bevor sie beschloss, einen Film zu drehen) und diverse Angestellte im World-Trade-Center.
Doch auch die Internetabstinenz hilft nicht gegen das Unheil. Eine Gemeinschaft von ueber hundert Internetnutzern, die alle diesen Brief erhalten hatten (weiss der Himmel woher), beschloss im Sommer 2002, ihn zu entkraeften, und zumindest eine Weile weder Mails, noch Briefe, noch Schecks zu schreiben. Sie lebten ausnahmslos alle an der Elbe … Was du also tust … du bist auf jeden Fall in den Ar*** gekniffen. (wobei mir einfaellt: Habe ich schon erwaehnt, dass dir nur jemand, der dich ueber ALLE MASSEN liebt, dir diesen Brief schicken wuerde ???)
Wie gesagt: Dies ist KEIN Kettenbrief, und er sollte auf KEINEN FALL weitergeleitet werden. Sollte aber irgendwer, der diesen Brief liesst, meinen, er muesste mir Geld geben oder Schokolade schicken oder so, dann fragt mich einfach nach Adresse oder Kontonummer… ich sag da nicht „Nein“.
So .. und falls ihr es immernochnicht bemerkt habt: Dieser Brief ist genauso erfunden (inclusive der authentischen Beweise), wie die anderen Kettenbriefe auch (nur, dass dieser Brief KEIN Kettenbrief ist !!!)
Also nicht weiterschicken!
Wer mir allerdings Schokolade und Geld …
Behandle ich alles vertrauensvoll über PN.
Das Geld bitte nur unnummeriert und in ALDI-Tüten.
Danke im Voraus.

