Fußballgötter

„Und sage mir, wenn unter den zwei Ungerechten ein Gerechter wäre, würdest du alle vernichtend verurteilen?“

„Nein, ich würde es nicht.“

„Und wenn derer Ungerechter doppelt so viele gäbe, und der Gerechte ein echter Gerechter wäre? Würdest du dann auch alle vernichten?“

„Nein, ich würde es nicht. Wer glaubst du, dass ich denn sei?“

„Keine Ahnung, mein lieber Gott. Aber jetzt mal ganz differenziert nachgefragt, wenn die Anzahl der Ungerechten derer Hundertfach wären und darunter einer weiterhin wäre, der Gerecht wäre, was würdest du tun?“ Weiterlesen

Kinder, die auf Brücken starren

Unter Brücken, über Brücken, mit Brücken, auf Brücken. Ein Bauwerk zur Überquerung von Hindernissen.

Wenn er zur Schule wollte, dann hatte er regelmäßig mindestens eine Brücke zu überqueren. Er konnte allerdings auch wählen, gleich sieben Brücken zu passieren. Einige davon waren neutral, so dass er mit seiner Leeze kaum etwas verspürte außer einer Bodenwelle im Asphalt. Eine andere dagegen war für ihn sein „L’Alpe d’Huez“, seine Herausforderung, morgens wenn er noch müde sich abstrampelte, um rechtzeitig zur drei Kilometer entfernten Bushaltestelle zu gelangen, von wo er auf einem Stehplatz mit anderen Kindern im Gang des Bus eingezwängt in die 14 Kilometer entfernte Schule fuhr. Oder – wenn er den einzigen Bus verpasst hatte – über der Landstraße trampte.

Sein „L’Alpe d’Huez“ hatte den Nachteil des ihm unendlich lang vorkommenden Aufstiegs. Da half ihm auch seine Drei-Gang-Schaltung nicht, die Trittfrequenz zu halten. Die letzten zehn Meter zum Scheitelpunkt der Brücke quälten ihn morgens immer, besonders mit dem Tornister und seinen Büchern und Heften auf dem Rücken, das war ihm kein Spaß. Oben auf dem Scheitelpunkt der Brücke starrte er runter und sah kurz dem Verkehr der Autobahn zu, wie er unter ihm lärmend vorbei rauschte. Weiterlesen

Nachweisdokument

Ist zwar schon ein halbes Jahrhundert her, aber es taugt noch immer als Nachweis für eine Existenz … Weiterlesen

Schau hin und sei glücklich …

Der Cappu war edel drapiert. Ein Herz aus Milch hatte der Barista ihm in seiner Tasse gezaubert. Er mochte diese Kleinigkeiten. Der Cappu schmeckte dadurch nicht automatisch besser, aber er sah einfach besser aus. Dafür gab er auch mal gerne fünfzig Cent mehr aus. Es zeigte ihm, dass er als Gast Wertschätzung erfuhr. Mit zwei Fingern ergriff er das Tütchen Zucker, riss es auf und ließ den Zucker auf den Milchschaum rieseln. Er beobachtete, wie der Zucker langsam in seinem Cappuccino versank. Es hatte etwas von Salz auf Schnee, aber es schmeckte anders. Er tauchte den kleinen Löffel in das Gebirge aus Milchschaum, Kakaopulver und Kaffee und schaute aus dem Fenster. Vor ihm zog der Fluss ungerührt seine Bahn. Leichte Wellen zeigten Flusswiderstände, angedeutete Strudel Turbulenzen unter der Wasseroberfläche verursacht von der Vergangenheit. Weiterlesen

Kneipengespräch: Wie ist der Name dieses Spiels?

Reissdorf

Der Jahreswechsel war geglückt. Ich saß in meiner Kneipe und schaute zufrieden von oben in mein gerade leer getrunkenes Kölschglas. Es gibt Momente, da fühlt sich jeder eins mit dem Universum. Und genau das dachte ich mir in jenem Augenblick, dass das Universum und ich …

»Was ist das wieder für eine Kacke!«

»Was’n?«

»Meine Frau kann noch immer nicht den Namen ihres Stechers in Spe korrekt schreiben!« Weiterlesen

An Neujahrstagen, wie diesen …

Sie kam per Twitter. Vorher hatte es unser Bereichskontaktler an der dunklen Straßenecke geflüstert:

Terrorwarnung! Hannover Teil 2!

Der Neujahrsrutsch richtig terroristisch geheimdienstbewährt glitschig. Und wir wollen ja nicht wissen, was Polizei und Geheimdienst so wissen. Es würde uns ja nur beunruhigen.

ABER: wir waren gefasst und bereit. Allzeit bereit! Nach der Terrorwarnung hatten wir uns gleich zur Bürgerwehr der besorgten Bürger (PEGIDA-München) begeben, sieben Sandsäcke vor meiner Tür aufgetürmt und uns mit Mörsern, Flak, Pershing-IIs und G37-Maschinengewehren dahinter verschanzt. Solten die terroristischen Arschlöcher doch kommen! Allzeit bereit! Weiterlesen

2015 im Rückblick

Die WordPress.com-Statistik-Elfen haben einen Jahresbericht 2015 für dieses Blog erstellt.

Hier ist ein Auszug:

Eine Cable Car in San Francisco fasst 60 Personen. Dieses Blog wurde in 2015 etwa 730 mal besucht. Eine Cable Car würde etwa 12 Fahrten benötigen um alle Besucher dieses Blogs zu transportieren.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

Wissenschaftlich erwiesen

Liebe Freunde und Familienmitglieder, an dieser Stelle mal ein Ordnungsruf an ein komplett unintegriertes Mitglied aus dem Westfalenlande:

Herr H. ist 44 Jahre alt, Westfale, Vater von vier Kindern, Oberstudienrat und vormals Gymnasiallehrer, und dann auch noch leidenschaftlicher Hobby-Wissenschaftler. Letztens hat sich dieser Mensch glatt den theoretischen Ausführungen der beiden Ökologen Robert MacArthur und Edward Wilson verschrieben. MacArthur und Wilson haben in den 70er Jahren die Theorie der Zusammenhänge zwischen den Wachstumsraten („r“) und den Grenzen der Fassungsvermögen „k“ in der natürlichen Umwelt aufgestellt. Weiterlesen