Kneipengespräch: Zahlemann und Söhne

Tresen 0

„Also, das waren jetzt drei Kinder-Kölsch. Macht sechs sechzig.“

Der Gast beugte sich lässig vor und, abgestützt durch seinen Ellenbogen auf dem Tresen, ließ mit lockerer Nonchalance zwischen Zeige- und Mittelfinger eingeklemmt eine Kreditkarte vorschnellen: „Mach sieben Euro. Der Rest ist Trinkgeld.“

„Hm. Kreditkarte nehmen wir aber nur erst nach zehn Kölsch und fünf Schabaus.“

„Was? Zehn Kölsch und fünf Schnäpse? Dann bin ich ja blau und kriege die Unterschrift nicht mehr hin.“

„Das geht schon. Geht mit Chip-Zahlung und 10 Euro Kreditkartenzahlungsgebühr. Schabau määt schlau! Weeßte“, lächelte ihn der Wirt verschwörerisch an.

„Glaub ich nicht. Okay. Gut. Dann zahl ich mit EC-Karte“, sagte der Gast, holte seine Geldbörse hervor, schob die eine Karte rein und holte die andere raus.

„EC-Kartenzahlung erst ab fünf Kölsch und einen Schabau. Plus zwei Euro fuffzich EC-Kartenzahlungsgebühr.“ Weiterlesen

Wie ich mit einem Dreierpasch die Welt rettete …

Niemand von ihnen konnte es gewesen sein. Weder Herr Biersack, noch Herr Wolfhausen, noch Herr Dörthofen. Trotzdem standen sie wie Sich-schuldig-fühlend um den toten Mops herum.

„Er war ein braves Tier“, seufzte Herr Biersack.

„Ja, das war es!“, stimmte Herr Wolfhausen zu.

„Und so treu“, seufzte Herr Biersack.

„Ja, treu war er“, stimmte Herr Wolfhausen zu.

„Wie Gold“, seufzte Herr Biersack. „Da kann sich manchs Weibsbild was von abschneiden.“

„Und Mannsbild!“, pflichtete Herr Wolfhausen zu.

„Mannsbild und Kindsbild erst!“, betonte Herr Biersack. Weiterlesen

Das brutale Gummibärchenmassaker

Gestern überkam mich eine unbändige Lust auf Süßkram.

Da stand ich am Regal meine Mini-Supermarkts und wählte ein paar Tüten aus.
Und somit begann das Verhängnis. Zwei verschiedene Arten Gummibärchen landeten in meinem Einkaufskorb.

Ich legte sie auf den Küchentisch und verkostete sie nacheinander. Da war der gemeine Mammutbär und der bekannte Goldbär. Und irgendwie schmeckten mir die Goldbären doch besser, so dass ich die Hälfte der Tüte leer futterte, während die Mammutbärchen von mir unbeachtet blieben.

Heute war ich für eine Stunde kurz raus.
Als ich wiederkam, fuhr es mir in die Glieder.
Vor meinen Augen eröffneten sich ungesehene Grausamkeiten.
Zuerst wollte ich die Polizei anrufen, aber ich unterließ es; sie würden es mir nicht glauben.
Ein Schlachtfeld sonders gleichen lag da vor mir.
Ein Massaker.
Horror pur. Weiterlesen

Wer sind „wir“? Wir sind …

Wir sind …

… der Krieg! Klausewitz und Sun Tsu gleichzeitig! Sei vorsichtig! Leg dich nicht mit uns an! Wir schlagen sofort zu. Nicht wie damals noch mit dem Lehrerlineal auf deine ungezogene Patschhändcheninnenseiten, bis sie glühend rosig aussahen. Nein! Wir können auch anders. Will sagen: WIR können auch anders. Weiterlesen

Fußballgötter

„Und sage mir, wenn unter den zwei Ungerechten ein Gerechter wäre, würdest du alle vernichtend verurteilen?“

„Nein, ich würde es nicht.“

„Und wenn derer Ungerechter doppelt so viele gäbe, und der Gerechte ein echter Gerechter wäre? Würdest du dann auch alle vernichten?“

„Nein, ich würde es nicht. Wer glaubst du, dass ich denn sei?“

„Keine Ahnung, mein lieber Gott. Aber jetzt mal ganz differenziert nachgefragt, wenn die Anzahl der Ungerechten derer Hundertfach wären und darunter einer weiterhin wäre, der Gerecht wäre, was würdest du tun?“ Weiterlesen

Kinder, die auf Brücken starren

Unter Brücken, über Brücken, mit Brücken, auf Brücken. Ein Bauwerk zur Überquerung von Hindernissen.

Wenn er zur Schule wollte, dann hatte er regelmäßig mindestens eine Brücke zu überqueren. Er konnte allerdings auch wählen, gleich sieben Brücken zu passieren. Einige davon waren neutral, so dass er mit seiner Leeze kaum etwas verspürte außer einer Bodenwelle im Asphalt. Eine andere dagegen war für ihn sein „L’Alpe d’Huez“, seine Herausforderung, morgens wenn er noch müde sich abstrampelte, um rechtzeitig zur drei Kilometer entfernten Bushaltestelle zu gelangen, von wo er auf einem Stehplatz mit anderen Kindern im Gang des Bus eingezwängt in die 14 Kilometer entfernte Schule fuhr. Oder – wenn er den einzigen Bus verpasst hatte – über der Landstraße trampte.

Sein „L’Alpe d’Huez“ hatte den Nachteil des ihm unendlich lang vorkommenden Aufstiegs. Da half ihm auch seine Drei-Gang-Schaltung nicht, die Trittfrequenz zu halten. Die letzten zehn Meter zum Scheitelpunkt der Brücke quälten ihn morgens immer, besonders mit dem Tornister und seinen Büchern und Heften auf dem Rücken, das war ihm kein Spaß. Oben auf dem Scheitelpunkt der Brücke starrte er runter und sah kurz dem Verkehr der Autobahn zu, wie er unter ihm lärmend vorbei rauschte. Weiterlesen

Nachweisdokument

Ist zwar schon ein halbes Jahrhundert her, aber es taugt noch immer als Nachweis für eine Existenz … Weiterlesen

Schau hin und sei glücklich …

Der Cappu war edel drapiert. Ein Herz aus Milch hatte der Barista ihm in seiner Tasse gezaubert. Er mochte diese Kleinigkeiten. Der Cappu schmeckte dadurch nicht automatisch besser, aber er sah einfach besser aus. Dafür gab er auch mal gerne fünfzig Cent mehr aus. Es zeigte ihm, dass er als Gast Wertschätzung erfuhr. Mit zwei Fingern ergriff er das Tütchen Zucker, riss es auf und ließ den Zucker auf den Milchschaum rieseln. Er beobachtete, wie der Zucker langsam in seinem Cappuccino versank. Es hatte etwas von Salz auf Schnee, aber es schmeckte anders. Er tauchte den kleinen Löffel in das Gebirge aus Milchschaum, Kakaopulver und Kaffee und schaute aus dem Fenster. Vor ihm zog der Fluss ungerührt seine Bahn. Leichte Wellen zeigten Flusswiderstände, angedeutete Strudel Turbulenzen unter der Wasseroberfläche verursacht von der Vergangenheit. Weiterlesen