Freio! Ich bin im Freio!

Na also.
Es geht doch.
Das, wofür die Grünen Anfangs der 80er des letzten Jahrhunderts eintraten, eben das setzen die Amerikaner jetzt um: Gleichberechtigung von Mann und Frau. Demnächst dürfen auch Frauen in vorderster Front Seit an Seit mit den Männern auf deren gemeinsame Feinde schießen.
Jeder Schuss ein absolutes Muss, jeder Stoß begleitet mit Vollmantelgeschoss, jeder Tritt mit fraulichem Igittigitt, jeder Klaps geführt durch ein Bein mit Straps, selbst Arabien soll daran darbien.
Sowieso.

England und Abu-Ghuraib waren das erste Signal der neuen Gleichberechtigung. Gleichberechtigung im Stile einer neuen Zeit als Orientierung für Mann und Frau.
Mit England ist jetzt nicht jene winzig kleine Insel zwischen dem europäischen und amerikanischen Festland gemeint. Nein, nicht jene europäische Insel »England«, welche für militärische Muskelspiele weltweit zu haben ist. Die Insel, welche enge, adlige verwandtschaftliche Beziehungen zu Deutschland hat und die vom »hört, hört, hört«-Regisseur David Cameron hollywoodreif gelenkt wird (bitte den britischen David nicht mit dem amerikanischen James verwechseln, okay?)
Vielmehr beziehe ich mich auf Lynndie England. Jene Frau, die an einem Hundehalsband einen Mann wie einen Dackel durch die Folterkammern Abu-Ghuraibs hinter sich her schleifte. Jener nackte Mann war pressetechnisch »nur« ein Gefangener, ein potentieller Islamist, ein Unter- und Gefolgsmensch jener damaligen irakischen Tyrannei. Ein Gefangener, der moralbefreit so behandelt durfte wie einer der vielen Gefangenen auf Guantanamo. Lynndie England bereut sicherlich noch heute ihr menschenverachtendes, militärisches Posing vor der Kamera. Jenes Foto der Lynndie England und des Gefangenen hat sich wie ein Fanal einer fatalen Siegermentalität in unsere Gehirnen eingebrannt.

Nur, ist so etwas ein Thema für das hehere Thema »Gleichberechtigung«? Ist es ein Thema, dass der »Grüne« Joschka Fischer sich damals pressewirksam über den Fall Abu-Ghuraib echauffierte?

Als Hinweis ist der Begriff »Grüne« jetzt nicht so weit weg. Damals hatten jene die Wähler der Grünen glauben gemacht, eines der Ziele der Grünen wäre der Pazifismus an sich und eine Abschaffung der Bundeswehr sowieso. Nur heute beweisen die Frauen der »Grünen«, worum es bei den Zielen wirklich geht. Gleichberechtigung steht nicht nur als Quote für das Ziel diktiert. Eine vorzeitige Abschaffung der Bundeswehr hätte den Frauen gerade jene Möglichkeit der Gleichberechtigung innerhalb einer der letzten Männerbastionen – dem Krieg und des willkürlichen Tötens – ersatzlos beraubt.
Das geht nun wirklich nicht. Von Alice Schwarzer über Christina Schröder und Andrea Nahles bis Claudia Roth befürwortet keine politische Frau eine solche Idee. Denn erst wenn Gleichberechtigung hergestellt ist, könnte erneut tendenziell angefangen werden, über eine Abschaffung nachzudenken. Unter diesem Blickwinkel könnte der Selbstmord als vorzeitige, feige Kapitulation der »Grünen«-Mitgründerin Petra Kelly und deren Ehemann Gert Bastian (General a.D.) vor über 20 Jahren im Oktober 1992 Sinn ergeben. Es gäbe auch der damaligen und jetzigen Argumentation eines Joschka Fischers und seiner Gefolgsleute für Einsätze der Bundeswehr in Nicht-Verteidigungsfällen einen weiteren Sinn.

»Gleichberechtigung« als Schlagwort der Zukunft. Denn wer die Bundeswehr vor der Gleichberechtigung abgeschafft will, der beraubt de facto der Gleichberechtigung eine weiteren Chancen in Aktion zu treten.
Die Amerikaner haben der Gleichberechtigung jetzt eine weitere Tür aufgestoßen. Sicherlich, medientechnisch redet jetzt jeder davon, dass ohne nachweislichen Kerben am eigenen Gewehrkolben für jeden persönlich Getöten kein Aufstieg in der Militärhierachie möglich wäre.
Die eigene Karriere als Hauptmotiv.
Selbst Prince Harry von England (gemeint ist jetzt das Land »England«, nicht jene Lynndie England) benötigt eigene Getötete zur Reputation seiner Befähigung als potentieller König von England und für die Staatsräson einer Demokratie. Das hat unsere Presse erst letztens mit der Condicio-sine-qua-non-Formel (»„Bedingung, ohne die nicht«-Formel) runtergebetet. Eine Sinnhaftigkeit davon wurde nicht hinterfragt.

Verschwiegen wird dabei, dass die Gleichberechtigung jetzt endlich auch mal auf einem ganz anderen Feld erreicht werden kann. Fakt ist derweil, dass die amerikanischen Militärkräfte mehr Leute durch Selbstmord verlieren als durch deren zielgerichtete Kriegseinsätze. »Gods own Country« strebt nun die totale Gleichberechtigung an. Es kann nicht sein, dass mehr Selbstmörder des amerikanischen Militärs beerdigt werden als Selbstmörderinnen des gleichen staatlichen Karnevalvereins mit sühnebefreiten Totschlagauftrag. Um diesen ungemütlichen statistischen Fakten ein Gegengewicht zu geben, werden demnächst auch amerikanische Frauen in vorderster Linie mitkämpfen und zu psychischen Wracks degenerieren. Auf dass die Selbstmordquote paritätisch verteilt sein möge.

Und genau überlegt zeigt sich an dieser Stelle, dass die deutschen Schwarzers, Schröders, Nahles und Roths den gesamten Überblick wahren. Gleichberechtigung, an allen nur möglichen Positionen im Staat. Frauen in die Bundeswehr haben die auch auf deren Fahnen geschrieben. Hinweg mit den verhassten Männerbastionen im Namen der Gleichberechtigung?

»Freio« galt in Kindertagen als Ausruf beim Fangen-Spiel. »Freio« sicherte vor dem Fänger, um nicht abgeschlagen zu werden. »Freio« war der Schutzraum vor dem Gegner. Es machte unantastbar.

Freio.

Die Titelschlagseite des Fokus vom 14. Januar titelte letztens »Freio«:
»Wir wollen keine Frauenquote – Starke Frauen rebellieren gegen Staats-Diktat und Gleichmacherei«.
Unter den Frauenköpfen sah ich auch den von Christina Schröder. Ja, sollte das etwa ein Statement gegenüber den Einsatz in Kriegsregionen deutscher Frauen werden? Frauen befreit von einer Erstürmung der Bastion »Militär« und »Krieg«?

Dabei ist »Freio« als Schutzzone für Frauen politisch komplett inopportun. Das Militär benötigt eine Gleichberechtigung für Frauen in Hinblick auf deren Männer, auch in Sachen Erschossene und Suizidierte. Die militärische Sterbensrate kann nicht nur auf den Schultern der Männer verteilt bleiben. Das Vorrecht der Frauen, in der Statistik lediglich unrühmlich als Opfer von Kollateralschäden aufzutauchen, ist kein Idealbild mehr. Gleichberechtigung ist angesagt.
Lieber »Jeanne d’Arc« als »Florence Nightingale« oder »Mutter Theresa«. Selbst beim Sterben. Frauen an die Front. Sterben an der Front für Freiheit und Vaterland. Oder durch Suizid danach.

»O süßer Tod, für’s Vaterland, O schöner Tod der Ehre!« (aus »Deutsche Hymne« von Friedrich Stoltze)

Beim Sterben fürs Vaterland ist jeder der erste. Bis zu letzt.
Oder sollte jetzt gar die auf dem Titelbild des Focus dargestellte neue Frauenbewegung indirekt die Abschaffung der Bundeswehr fordern? Zum Schutze des eigenen Lebens und der eigenen Gleichberechtigungsmöglichkeiten?

….

Freio!
Ich bin im Freio!

Interview-Goof mit Lance und Oprah: Wassergläser mit Edelstahlstrohhalme

Selten schafft es eine US-Talkshow bis in die deutschen Nachrichten. Oprah Winfrey hat es wieder geschafft. Ihr knapp 100minütiges Interview mit Lance Armstrong fand Erwähnung zur deutschen PrimeTime und in deutschen Zeitungen.

Das Interview wurde inzwischen mehrfach hinsichtlich der Dopingvorwürfe in den Medien durchgescant. Aber auch nur in dieser Hinsicht. In meinen Augen verdient sich der Journalisten Anno Hecker der FAZ mit seiner Analyse des Phänomens Lance Armstrong (http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/lance-armstrong-der-unmenschliche-12028487.html) lobende Erwähnung.

Ich möchte hier nicht auf das Offensichtliche des Interviews nochmals eingehen oder die Überschrift wiederholen, dass sich in den Wassergläsern von Lance und Oprah metallene Strohhälme befanden. Ich möchte an dieser Stelle eher mal den Blick auf den Inhalt der Wassergläser lenken.
Wasser. Freilich.
Aber hat wer von den Zuschauern bemerkt, ob diese halb voll oder halb leer waren?
Nun ja, am Anfang waren sie zu 4/5 gefüllt.
Und gegen Ende des Interviews?
Wurden die Gläser leerer?
Ja und Nein.

Denn als Oprah Lance nach 80 Minuten auf dessen Sohn hin ansprach und Lance sich die Worte im Mund mit seiner linken Hand herausknetete, da war sein Glas nur noch zu 1/3 gefüllt.

Knappe 11 Minuten später ging das Gespräch über seine Kinder und an der Stelle wurde das Interview mit einem Teaser für den weiteren Verlauf mit dem Untertitel „Coming Up“ eingeblendet unterbrochen. Werbepause. Und weiter ging es. Das darauffolgende Thema war ein vermuteter Bestechungsversuch in Richtung der amerikanischen Anti-Doping-Oragnisation USADA.

Die Wassergläser der beiden waren so voll wie am Anfang des Interviews …
Okay. Das ist machbar, auch wenn es nicht jeder Beobachter des Interviews bemerkt haben wird. So etwas gehört zum dramaturgischen Ablauf einer Regie einer Sendung. Vom emotionalen Höhepunkt wieder zurück zu den Fakten der Machtspiele von Lance Armstrong gegenüber allen, die ihn irgendwie in seinem Leben bedrohten.

Gab es einen Versuch der Bestechung der USADA durch Lance Armstrong oder seinen Mitarbeitern? Lance Armstrong hat dies in den eineinhalb Minuten auch bei mehrfachem Nachhakens Oprah Winfreys verneint. Auf Oprahs Frage nach den finanziellen Verlusten der nachgewiesenen Dopingstrategie von Armstrong, erklärte dieser, 75 Millionen Dollar habe er schlagartig verloren und schaute dabei imaginär nach rechts oben, als ob er dort die Spitze des verlorenen Geldturmes sähe. Ob er denn an einem Punkt angekommen wäre, wo er nicht mehr wüsste, was er noch tun könne, fragte dann Oprah und die Kameraeinstellung wechselte.

Es wurde wieder die Totale des Ensembles „Lance Armstrong, Tisch mit Gläsern und Oprah Winfrey“ gezeigt. Nur jetzt war das Glas urplötzlich wieder zu knapp 1/3 voll. So wie bei dem Gespräch über Armstrongs Familie. Und das Thema war auch wieder Familie.

Ob es jemanden aufgefallen ist, dass hier geschickt das Interview umgeschnitten wurde, um ein bestimmtes Bild zu erzeugen? Es hat mir ein „Geschmäckle“ hinterlassen, dass nicht erst seit der EM und Jogi Löws Ballwegschubsen beim Balljungen während eines Spiels der EM der Zuschauer schwer zu durchschauenden Bildmanipulationen ausgesetzt wird.

Ansonsten war das Interview schon von der Konstellation des Ensembles „Lance Armstrong, Tisch mit Gläsern und Oprah Winfrey“ für deutsche Talkmaster eine Lehre:
Armstrong hatte zu seiner linken Oprah Winfrey und zu seiner rechten Seite die Frontkamera. Da Armstrong Rechtshänder ist und Rechtshänder beim Imaginieren von konstruierten Bildern und Gesprächen dieses auf der gehirnlichen rechten Seite vollziehen, während das Abrufen von vorhandenen Bildern und Gesprächen auf der linken Seite geschieht, spielte die Sitzposition von Armstrong ein wirksames Gegenmittel zu spontanen Lügenkonstrukten seinerseits. Vielmehr war Lance Armstrongs Ansprechpartnerin Oprah auf seiner linken Seite und somit war er mehr dem Abrufen seiner Erinnerungen (vorher erlebte Bilder und Gespräche) unterworfen, als einer spontanen Flucht vor Fragen der Interviewerin. Das Interview ist ein gutes Beispiel für eine geschickt vorbereite Interviewstrategie.

Allerdings ist Lance Armstrong garantiert nicht ungeübt in Sachen „Interviewsgeben“:
– Seine Körperhaltung war die einer Wagenburgbildung: verschlossen und auf Verteidigung ausgerichtet bei möglichst unbedenklicher Offenheit. Selbstsprechend war hierfür die Szene, wo Lance mit beiden geballten Fäusten zeigte, was er als sein Territorium empfand und wie er es verteidigen würde, bis er es selber bemerkte und die Fäuste schnell öffnete um das Territorium mit offenen Handflächen abzustreichen (Oprah hatte es aber aufmerksam bemerkt und Lance dessen Boxerhaltung gleich imitiert).
– Als für Lance und Oprah eine Videoeinspielung ein anderes Interview aus dem Jahr 2005 gezeigt wurde, in welchem Armstrong seine Unschuld in Sachen Doping beteuerte, da wurde inmitten der Videoeinspielung auf Armstrong umgeschnitten, der eine fast ähnliche Geste vollführte wie in jener Videoeinblendung. Aufschlussreich war das insoweit, da Armstrong beteuerte, dass er den Typen aus dem Jahr 2005 hassen würde …
– Er bereut sein Doping, ja. Aber auch nur weil damals Floyd Landis gestanden hatte und Lance Armstrong belastet hatte. Dass er im September 2012 noch provozierende Fotos über InstaGram-Twitter geschickt hatte, während er kurz davor stand, all seine Titel aberkannt zu bekommen, das lässt schon die Frage zu, inwieweit ein Selbstheilungsprozess nur knapp vier Monate dauert. Seit Jahren hatte er seine Lüge gelebt und jeden, der Gegenteiliges behauptete, mittels des amerikanischen Rechtssystems mundtot gemacht …

Das Interview zwischen Lance Armstrong und Oprah Winfrey war in den letzten Tagen das Gesprächsthema hier in Deutschland. In einem halben Jahr wird es auch wohl niemanden mehr aufregen. Ob Lance Armstrong dann noch außerhalb von Prozessen und Gerichten medientechnisch bemerkt werden wird, dass steht kaum zu erwarten.

Auch das das als authentisch vermarktete Interview einen Goof hat (Wassergläser mit sich magisch ändernder Füllhöhe), interessiert bereits morgen niemanden mehr.

Und erst recht nicht mehr, dass es in der USA Strohhalme aus Metall gibt, das berüht dann keinen großen Geist mehr.

Nebenbei:
zum Nachschauen findet sich das Interview noch auf YouTube hier:

(sollte sich der Link geändert haben, bitte ich um Nachsicht; heute jedenfalls führte er noch zum Interview-Video)

Auf Deutsch: 50 Schattierungen von Grau

Hm, jetzt lese ich auf meinem Kindle gerade das, was ich denke, dass in allen Bestseller-Listen auf Platz 1 platziert ist. Aber irgendwie kann ich die Faszination nicht teilen.

„50 shades of grey“.

Was ist daran erotisch?
Warum stehen Frauen so auf dieses Machwerk?
Und überhaupt, wo ist da irgendeine romantische Handlung?

Fünfzig Schattierungen von Grau

Ja, und je länger ich es anschaue, ja, es könnte was mit Masochismus zu tun haben, sich so etwas als Nicht-Fotograph anzuschauen …

Neues Buch: "Keine Nacht ohne die Preußen"

Wieder mal ein Hinweis in eigener Sache für meine Freunde und Verwandten:
Nach meinem ersten Buch „Übergang ins Paradies“ (Kindle-Edition und Taschenbuch) als Co-Autor ist jetzt ein neues erschienen „Keine Nacht ohne die Preußen“ (bis jetzt nur als Kindle-Edition).

In dem Buch »Keine Nacht ohne Preußen« werden ernsthaft bis satirisch die kleinen bis großen Ungereimtheiten des alltäglichen und nicht-alltäglichen Lebens verarbeitet.
Sei es deutsche Fußballbegeisterung, oder sei es die bayrische Trinkkultur und das Oktoberfest zurückgeführt auf kölsche Traditionen, oder sei es der bayrischen Geschichte seine eigene, subjektive Geschichtsklitterung entgegenzusetzen oder gar den Terrorängsten von Regierung und Privatpersonen seine Aufmerksamkeit zu widmen, darin macht der Autor nicht wirklich einen großen Unterschied. Wenn es darum geht, historisches durch seine eigene Brille zu betrachten und zu interpretieren, dann erklärt er in dem Buch auch noch Albert Einsteins relativistische Weltformel mit weltlichen Gegebenheiten, den Sinn von StreetView und seinen Protesten und insbesondere warum es ungünstig sein kann, in einem Schreibwarengeschäft zur Unzeit einen Bleistift kaufen zu wollen.

Der Autor erzählt alles ganz typisch, bemüht preußisch-deutsch, so wie es sich gehört: mit viel Ahnung und wenig Wissen, verwurstet auf seine rein subjektive Art und Weise.
Ganz in seiner eigenen Schreibe.

Einfach Leseprobe für den Kindle-Reader (gibt es auch als Software für den eigenen PC, MAC, Android oder iOS) bestellen und reinlesen.
Viel Vergnügen.

Hundsgemein: Literatur aussetzen … (Buch auf Reisen Teil 1)

Zuerst fiel mir es in Aachen auf. Vor dem Gebäude der „Katholischen Hochschulgemeinde“ stand ein Glasschrank. In dem Glasschrank befanden sich diverse Bücher. Ein Fahrradfahrer hielt vor dem Schrank an, öffnete ihn, schaute sich die Buchrücken auf, wählte eins, öffnete seinen Rucksack und legte es hinein. Zugleich nahm er drei Bücher aus seinem Rucksack und stellte sie in den Schrank.
Der Schrank diente dem freien Austausch von Büchern. Wer ein Buch ausgelesen hatte und es nicht mehr benötigte, stellte es in den Schrank und nahm sich den Lesestoff raus, der ihm zusagte. Der Schrank war weder verwahrlost noch geplündert. Das System funktionierte offenbar.

Inzwischen gibt es eine Internetseite, die sich bookcrossing.com nennt. Leser geben bekannt, wo sie deren Bücher „aussetzen“, damit andere sie finden können. Sei es in der U-Bahn, sei es auf einer Parkbank, sei es in einem Café. Gekennzeichnet sind die Bücher mit Aufklebern, die darauf hinweisen, dass diese kein Restmüll darstellen sondern vorsätzlich ausgesetzt wurden, damit andere sie lesen. Über eine Regristrierungsnummer kann der Finder das gefundene Buch im Internet rückmelden. Somit ergibt sich eine hübsche Kette, welche Weg der Wanderschaft das Buch angetreten war. Es kann allerdings auch passieren, dass es gleich nach dem Finden ungelesen in den Altpapiercontainer (bestenfalls) landet. Oder in den generellen Müll. Das Risiko besteht. No risk, no fun.

Ich habe jetzt mein eigenes Buch „Übergang ins Paradies“ einfach mal „ausgesetzt“. Darüber hinaus hatte ich einmal selber ein anderes Buch in den USA gefunden, was ich bereits gelesen hatte: „The Big Short“ von Michael Lewis. Auch das werde ich einfach mal herzlos aussetzen. In einer S-Bahn. Und dann noch einmal das Buch „Übergang ins Paradies“ von mir.

Eitelkeit? Vielleicht.
Experimentierlust? Auf alle Fälle.
Ein Experiment, welches Prinz Rupi bereits ein paar Mal durchgeführt hatte. Mit unterschiedlichen Ergebnissen. Manche Bücher verschwanden ohne ein weiteres Feedback über die Seiten von bookcrossing.com. Bestenfalls in einer privaten Sammlung, schlimmstenfalls als zukünftige Basis von Heizungsbriketts.

Ich werde hier immer wieder berichten, wenn sich etwas ergibt.
Und ich bin gespannt, wo meine ausgesetzten Bücher landen werden.
Das erste Buch („Übergang ins Paradies“) ist ausgesetzt.
Hoffentlich war das nicht der Endpunkt vom Start.

Zur Information an meine Verwandschaft und Freunde

Mein Buch ist erschienen.
Ihr findet es hier
Übergang ins Paradies: Kurzgeschichten aus, von und über Brasilien als Holzbuch (Taschenbuchformat)
oder auch hier
Übergang ins Paradies – Kurzgeschichten aus, von und über Brasilien als elektronisches Buch für den Kindle (zum Lesen ist kein Kindle Reader erforderlich; es gibt bei amazon auch entsprechende Software für PC, Mac, iPad, iOS, Android usw. usf).

Falls das Buch euch gefallen sollte, sagt es weiter. Falls nicht, Beschwerden direkt hier rein als Kommentar.
Ach ja, das erste Feedback habe ich schon erhalten: der Komparativ „als“ wird mit dem Dativ verwendet. *schäm*
Again what learned.
Danke, Matthias, ich werde es korrigieren.

Berlin ist ein Freiplatz wert – Ein Platz an der Spree (Teil 8)

zu Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5, Teil 6, Teil 7

Geschichte ist immer so eine weitere Geschichte in Berlin.
Oder wie soll ich das nachfolgende Bild verstehen aus einem Berliner Museum.
Besonders wenn man in der Bildunterschrift liest, dass die Person hinter Strauss
Barzel sein soll

Bild 51 Wo Kohl wie Barschel ausschauen soll und Strauss wie Strauss
Wenn Kohl wie Barschel ausschauen soll, und Strauß wie Strauß …

Ich habe das dort mal erwähnt, wo dann der für die Ausstellung zuständige Angesprochene pikiert feststellte,
dass Barschel doch ein wenig anders ausschaute. Und dass das Foto eher aus den Anfängen der Kohl-Ära ist als
Strauss noch lebte. Die Macht der Fotografie und deren Untertitel schreiben Geschichte. Zum Dranglauben.
Bei anderen Geschichten ist bereits der Lack ab.

Bild 52 TaraaaaaaaaaaaaTatra
Taraaaaaaaaaaaa! Tatra …

Dabei hängt das Leben manches Mal nur an zwei Seilen
zum Glanze von Organisationen mit glanzvollem Namen.
Hier zwei Fensterputzer, die wohl möglich verhindern sollen,
dass „Ernst und Young“ auf Sichtweite regiert.

Bild 53 Klare Sicht für klare Ratschlaege
Wisch, wasch. Wisch, wasch. Klare Sicht für klare Ratschläge.

Wenn Firmen abdanken und Arbeiter ihre Arbeit los werden …
.. dann schauen manche hinter die Mauern ihre Existenz und stellen fest,
weit können sie trotzdem nicht schauen.

Bild 54 Wenn ein Teil der Mauer weg ist
Wenn ein Teil der Mauer weg ist …

Und wo ist jenes Mauerstück hin?
Hierhin!

Bild 55 Da ist das Mauerstueck
Da ist das Mauerstück!!!

Okay, ein wenig warten, ein wenig Muße, dann taucht es schon auf.
Nur keine Hektik.
Manche Mauerstücke versperren eh nicht den Blick auf das Wesentliche.

Bild 56 Spree-Blick
Spree-Blick

Und sollte alles nichts helfen. Nur nicht aufregen.
Und dazu ein Blick auf ein Berliner Kindl an der Spree.

Bild 57 Berliner Kindl
Berliner Kindl

Der Abschlussblick des Bahnreisenden ist eh auf das
Zentrum der Macht durch die Fenster des Hauptbahnhofs.

Bild 58 Fensterblick au dem Berliner Hauptbahnhof
Fensterblick aus dem Berliner Hauptbahnhof

Servus Berlin.
Es bleiben die Fotos und die Erinnerung an eine hier zusammengereimte Geschichte,
die so nie stattgefunden hat.
Allein geschuldet meiner Phantasie.

Bild 59 Im Abendrot zur magischen Stunde
Im Abendrot zur magischen Stunde

Und es bleibt der Text des Liedes „Schwarz zu Blau“,
während vor dem Zugfenster die Hälfte Deutschlands
auf den Weg in die blasse Stadt München vorbei zieht.

Guten Morgen Berlin
du kannst so häßlich sein
so dreckig und grau
Du kannst so schön schrecklich sein
deine Nächte fressen mich auf
es wird für mich wohl das Beste sein
ich geh nach Hause und schlaf mich aus
Und während ich durch die Straßen laufe
wird langsam schwarz zu blau

aus „Schwarz zu Blau“ von Peter Fox

ENDE

Berlin ist ein Freiplatz wert – Ein Platz an der Spree (Teil 7)

zu Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5, Teil 6

Hab ich grade das magische Wort mit vier Buchstaben geschrieben?
B-I-E-R?!?

Bild 43 Wat mutt dat mutt
Wat mutt, dat mutt.

Berlin ist nicht nur der Ort sondern auch der klaren Worte.
„Bus endet hier“. Ohne diese Worte, wer hätte gedacht, dass
es so sein könnte?

Bild 44 Ende ist Ende - Immer am Ende.
Ende ist Ende. Immer am Ende.

Dabei ist die Stadt in Frühlingslaune

Bild 45 Zartes Gruen zum Anknuspern
Zartes Grün zum Anknuspern

Trotz all derer steineren Brücken über die Spree ..

Bild 46 Brueckenstruktur
Brückenstruktur

.. und all den Schiffen, da wo man am liebsten hinten
reintreten würde, nur des Namens wegen, wäre man nicht
so dussliger Nichtschwimmer derer, die immer zu neuen
Ufern aufbrechen sollen, weil sie es so will …

Bild 47 da ist Angie
Da ist sie, eine Angie! Aber ich hatte es nicht geschafft, ihr in den Hintern zu trampeln …

Kultur bleibt Kultur. Auch in Berlin, wo die einen
damals versuchten, die andere auszurotten

Bild 48 Golden vor Blau
Gold vor Blau

Oder wo andere vorher lebten, bevor die Nazis ihre Kultur
dort verbreiterten.

Bild 49 Charlottenburger Kirche
Charlottenburger Kirche

Wilhelminisch.

Bild 50 Ganz Wilheliminisch bei Kaiserwetter
Ganz wilhelminisch. Bei Kaiserwetter fotografiert.

Berlin ist ein Freiplatz wert – Ein Platz an der Spree (Teil 8)