Kneipengespräch: Wenn zwei das Gleiche … rien ne va plus …

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„Jetzt haben die die ganze Münchner Innenstadt lahmgelegt!“

„Was?“

„Na die da, die jetzt den ganzen Verkehr behindern!“

„In der Innenstadt? Maxvorstadt?“

“Ja, total. Nichts geht mehr.”

“Gar nichts mehr?”

“Nullkommanull. Vor 14 Tagen konnten ich mit meinem Q4 noch raus und am Stadtrand meine Besorgungen erledigen. Aber heuer? Nüscht! Totale Blockade und die Staatsmacht schaut tatenlos zu, alles total voll zu, nichts ging mehr. Überall haben die ihre Stände hin geklebt und feiern ihre Autos ab.”

“Ah, Sie meinen die IAA in der Innenstadt, sagen Sie das doch. Dachte zuerst, Sie meinten diese Klimaterroristen mit ihren Sekundenklebertuben.”

“Ja, die IAA. Blockade total und keiner tut was, um uns davon zu befreien.”

“So etwas können Sie aber nicht so einfach dahin rotzen, als ob die Staatsmacht tatenlos zuschauen würde. Die schaut immer ganz genau hin. Wenn ein Stand nicht exakt aufgebaut und ausgerichtet worden ist, gibt’s sofort Ordnungsgeldbescheid. Pro überschrittenem Zentimeter. Oder falsche Schrauben, falscher Kleber, falscher Feuerlöscher, nicht gegen Steinschlag oder Hochwasser oder Erdbeben gesichert, Freibier ohne Pfand oder nicht genau auf Eichstrich, zack, Ordnungsgeldbescheid.”

“Wie viel?”

“Mindestens immer doppelt soviel wie einmal Falschparken.”

“Und was hilft es mir? Davon hab ich nichts. Meine Besorgungen bleiben trotzdem auf der Strecke. Im Streckenstau. Vorgestern, ich musste Omma zum Arzt fahren. Meinen Sie, das hat geklappt? Permanent nur Stau, nichts ging mehr, keinen Zentimeter.”

“Tja, diese Klimakleber auf den Kreuzungen.”

“Schön wär’s. Nur Stau wegen der IAA. Weil fast alle Straßen der Innenstadt für die Automobilmesse gesperrt wurden. Hey, vor uns war sogar ein Rettungswagen, Blaulicht, Sirene, der kam auch nicht weiter. Stau, Stau, Stau. Nicht mal Rettungsgasse für den Sani. Ich hoffe, der im Krankenwagen ist nicht gestorben, dann hätte die IAA den aber so was von auf dem Gewissen! Wetten, dass das dann keinen einzigen Staatsanwaltgeist berühren würde? Und dann letztendlich nach Stunden an der Arztpraxis, da konnten wir nicht mal parken. Wegen den anderen Klebern.”

“Ah, doch Klimakleber! Einfach eine Plage, jene. Gas geben und drüberfahren sollte man. Nur dann gibt’s wieder Ärger mit der Staatsmacht. Diese Kleberterroristen können einfach unsere Freiheit einschränken, haben dabei keinen Schaden, lediglich wir. Wir haben den Salat und müssen die von jenen uns eingebrockte Suppe auslöffeln.”

“Nee, nee. Die waren es nicht, das waren die vielen Wahlplakatkleber der AFD, FDP, VOLT, CSU und wie sie alle heißen. Die Plakate einfach auf den Bürgersteig geknallt, an Masten angeklebt, verkehrshinderlich, keine Chance zum Parken auf dem Bürgersteig. Absolut unglaublich. Vorher ging a bisserl immer was, aber heuer nüscht.”

“Und?”

“Musste in zweiter Reihe parken, Omma auf der Straße nur kurz aus meinem Q4 helfen und in die vierte Etage bringen. Gesundheit geht immer vor. Und wissen Sie, was in der Zwischenzeit passierte?”

“Was?”

“Strafzettel! Nur weil ich mich paar Dutzend Minütchen um die Gesundheit meiner Omma sorgte. Wegen so ner Bagatelle von Zeit, da schaut dann die Staatsmacht ganz genau auf ihre Sekundenzeiger. Aber bei den Stauverursacher, diese der IAA, da schaun’se weg, statt mal dafür zu sorgen, dass wir Stau-frei in der Innenstadt fahren können. Wofür gibt es eigentlich das Messegelände in München-Riem? Für Helene Fischer Konzerte?”

“Besser ein Dutzend Helene Fischer Konzerte als ein Dutzend Klimaterroristen, die einem am Fahren hindern und Stau erzeugen.”

“Staus gehen gar nicht! Die schränken die Freiheit ein!”

“Richtig. Staus erzeugen Klimaschäden, wegen den Abgasen. Wenn aber garantiert ist, dass jeder schnell fahren kann, dann ist die Klimabelastung kürzer, weil alle schneller ans Ziel kommen. Nur wer schnell ist, kommt eher ans Ziel als andere. Das sollte man nicht nur den Grünen und ihren Klimaklebern begreiflich machen. Aber das einzige, was jene begreifen, ist maximal Asphalt unter ihren Händen. Zu mehr Begreifen reicht deren Intelligenz nicht. Früher hätte man einfach Gas geben, über solche Klimakleber hinweg. Aber heute?”

“Eben, mit einem Aiwanger als Minipräsi in Bayern wäre in den letzten fünf Jahren alles besser gelaufen. Dann gäbe es auch keine dummen Wahlplakate mehr, die einem die freien Parkplätze wegnehmen.”

“Ähem. Bitte jetzt keine Wahlwerbung hier, okay. Politik und Kneipe zusammen, das sind für mich NO-GOs in ner Kneipe. Ich will entspannen, und nicht Politikgelaber hören.”

“Egal. Jetzt einfach mal Prost.”

“Dito, Prost.”

Ertrage die Clowns (17): Das Sommerinterview

Im Jahr 1949 steckte sich der junge Joachim Fest einen Zettel ins Portemonnaie, den er bis zu seinem Tode mit sich führte. Auf dem Zettel stand der Satz:

„Ertrage die Clowns!“

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Moderator (M): “Hallo, liebes Publikum aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und den gleichgeschalteten Bundesländern Bayern und den Wüsten aus Nord bei Nordwestfalen. Wir haben strahlenden Sonnenschein, urlaubshafte 37 Grad – Celsius, nicht Fahrenheit, wie mein Physiklehrer immer betonte – und die Vögel pfeifen sich ein Liedchen. Hier im heimeligen Sauerland im Städtchen Volpe führen wir unser erstes Sommerinterview. Als Gast haben wir den personifizierten Meister des Schreckens, der Erfüller des Bedürfnisses, leere Stellen auszufüllen.  Begrüßen Sie mit mir recht herzlich Herrn Horror Vacui.”

Horror Vacui (HV): “…”

M: “Ja, schön, dass die hier sind. Um es gleich vorweg zu sagen, momentan haben Sie wieder Vollbeschäftigung: Löwen als Wildschweine, Löwinnen als Genderwahnsinn, CDU/CSU lost in mainstream und anderen schwarzen Löcher des Weltalls, und Krieg in der Ukraine. Zudem erreichte uns vorhin die Eilmeldung, dass die Tütenkleber in Haftanstalten vom Verfassungsschutz als Klimakleber enttarnt wurden. Söder und Aiwanger hatten in einer gemeinsamen Presseerklärung deren sofortige Verhaftung gefordert und Schnellverurteilungen noch vor der nächsten Bayernwahl. Es müsse garantiert werden – so der Mini-Präsident und dessen Vertreter – das die Wähler bei der nächsten Bayernwahl, freie Fahrt als freie Bürger zum Wahllokal haben. Ohne irgendwelche Klimakleber.”

H.V.: “…”

M: “Die Medien und Internetseiten sind generell voll von solchen Dingen. Ihre Aktionen, Herr Horror Vacui, sind der Garant für Viralität. Wie fühlen Sie sich? Was macht es mit Ihnen? Selbst Heidi Klum hat weniger Interviewanfragen als Sie. Was geht in Ihnen vor, in diesem Sommer so begehrt zu sein?”

HV: “…”

M: “Ja, ihre Sprachlosigkeit ist verständlich. Uns, also mir und den Zusehern an den heimischen Monitoren geht es nicht viel anders. Dieser Sommer breitet sich momentan atemberaubend schnell aus und hinterlässt etwas, was nicht zu füllen ist. Schildern Sie doch einmal ihre Gefühle dazu.”

HV: “…”

M: “Hm. Ich verstehe. Ihnen fehlen die Worte. Vielleicht hilft es Ihnen, wenn Sie versuchen, es mit zwei Wörtern zu umschreiben?”

HV: “…”

M: ”Aha. Nun gut, Sie können es auch in einem Wort beschreiben, wenn Sie wollen.”

HV: “…”

M: “Meine Damen und Herren, meine Regie hat mir gerade signalisiert, dass wir am Ende unserer Sendezeit angekommen sind. Ich möchte mich an dieser Stelle bei meiner Crew bedanken, besonders bei den Wasserträger und ebenso an meine Row Zero, die ich nachher einzeln persönlich bei der AfterShow-Partie begrüßen werde. Ich bedanke mich auch bei Herrn Horror Vacui für dieses Sommerloch-Interview. Auf Wiedersehen und schalten Sie wieder ein, wenn es heißt: Wer viel zu sagen hat, braucht keine Worte.”

Gut gebrüllt, Löwe! oder: … die einzig wahre, wahre Geschichte im löchrigen Sommer 2023 …

In Bayern ist Wahlkampf.

Aber in Bayern ist nicht nur Wahlkampf. In Bayern werden auch akademische Titel verliehen. Da wird studiert und geschrieben, was die felißigen Finger der Beteiligten so hergeben. Und die Anzahl der Strebenden nach akademischen Titeln ist lang.

So schreibt auch Herr Dr. Söder immer wieder dabei fleißig mit. Mit seinen Kurz-Habilitationschriften bei Twitter, zur Erlangung der Würde des “Doctor habilitatus”. Denn ein “Dr. Dr. habil.” schmückt die Visitenkarte eines jeden Promovierten, so wie das Geweih des Wolpertingers an der Wand eines bayrischen Jägers.

Entsprechend habilitierte letztens unser „nur Dr.” Söder mal wieder mit seiner 661 Zeichen langen Kurzschrift, dass Bayern ein Sehnsuchtsort sei: das Land sei lebensfroh und lebenswert, fortschrittlich und frei, die Leitschnur hieße Leben und Leben lassen. Er wolle dabei alle mitnehmen und motivieren. 90 Prozent der Menschen lebe gern in Bayern, so gab seiner Überzeugung kund. Denn Vielfalt mache sein Land aus: ökonomisch und sozial, wirtschaftlich und technologisch, bei Lebensqualität, Natur, Tradition und Ehrenamt. Familiengeld, Pflegegeld und die kostenfreie Meisterausbildung gäbe es so nur in Bayern – und mit der Hightech-Agenda investiere er und seine CSU wie kein anderes Bundesland in die Zukunft. Bayern halte international jedem Vergleich stand. Er meinte, seine Bayern könnten stolz sein, in Bayern leben zu dürfen.

Betonung – das sei gleich mal vorweg genommen – liegt auf “dürfen”.

Und heute morgen 6 Uhr 58, Hr. Dr. Söder machte sich ausgehfein für seinen morgendlichen Ausritt in der majestätischen, königlichen Kini-Kufenkutsche (… abgekürzt ‘mkKKKkR’; das große “R” mit dem kleinen „m“ voran, weil die Kutsche auf kleinen Rädern freilich, wir haben schließlich Sommer, nicht wahr …). Gezogen wird der Prunk mit dem Gamsfedern geschmückte Achtspänner paar Straßen weiter zum Studio des nüchternen Bayrischen Rundfunk. In dem Moment rief in sein Generalsekret, der Huber-Martin ( Dr. verz.), an: die freilaufenden, mutmaßlichen Löwin von Kleinmachnow (südlich von Bärlin), welche gerade in diesem gelochten Sommer die Titelseiten von BILD, Boulevard und anderen Lügenpressen mit dicken Lettern beherrsche, hätte sich auf den Weg nach Bayern gemacht. Die Löwin soll wohl auf ihren SmartPhone Herr Dr. Söders Twitter-Habilitationsschriften gelesen haben und sei der Meinung, der Bundesstaat mit dem Löwen als Wappentier und dieser freundlichen bayrischen Willkommenskultur solle ihre neue Heimat werden. Der Scheuer-Andi (PhDr. Dr. verz.) hätte sich bei ihm, eben jenem Huber-Martin (Dr. verz.) sehr aufgebracht auch deswegen gemeldet, weil die Löwin ja eventuell auch mautfrei seine bayrischen Autobahnen nutzen könnte. Und das wäre nicht richtig, geschweige denn korrekt.

Söder wurde blass und seine Visagistin legte wortlos augenblicklich mehr braunes Rouge bei ihm auf, damit er wieder von der rechten Sonne des Sehnsuchtlands Bayern wie frisch gebräunt ausschaute.

Derweil schrieb selbst Bayerns Gesundheitsminister höchstselbst, der Holetschek-Klaus (kein “Dr.” oder “Dr. verz.”), dem Dr. Söder eine SMS:

Wir sind der Anwalt der kleinen Krankenhäuser Bayerns. Im Kern ist das richtig, dass wir Medizin anders finanzieren müssen, aber nicht zulasten der ländlichen Räume mittels Löwinnen als nicht zugelassene Heilerinnen und anderen fehlenden Ausweisdokumenten, das lasse ich nicht zu.“

Söder schluckte und rief die Morgenmagazin-Sendungen auf seinem Tablet auf. Als er seinen alten Ego und Juniorpartner, den Aiwanger-Hubert (Dipl. Ing. Agrar), bei dem Sender “Servil TV” auf dem Interview-Stuhl sah, hörte er jenen sagen:

Die Löwin von Berlin wird sicherlich von denjenigen Großstadtökologen richtig gemanagt, die sich in den letzten Wochen für die Akzeptanz von Bären in Bayern stark gemacht haben.”

Der Moderator erwiderte sofort sichtlich begeistert: “Die Wokeness gepaart mit Cancle Culture also mal wieder? Könnte die Löwin nicht sogar Eier legen und somit Nachkommen ausbrüten? Sollte dagegen nicht etwas unternommen werden?

Aiwanger-Hubert, Dipl. Ing. Agrar, erhob mit behänder Leichtigkeit bedeutungsschwer seine rechte Hand und reckte behäbig dessen langen, aufrechten Zeigefinger direkt zur hellgrauen Studiodecke: “Die Grünen entwickeln sich immer mehr zu einer Partei der Tierquäler. Sie wollen die Jagdgesetze dahingehend ändern,dass Muttertiere von den Jungen weggeschossen werden dürfen,so dass der Nachwuchs elend zugrunde geht. Im Namen des Klimaschutzes. Als nächstes? Stoppt die Grünen!

Dr. Söder nickte zustimmend murmelnd: “Wir als CSU sind Anwalt der Mitte, der Normalverdiener und hart arbeitenden Leute. Es braucht Entlastung für die Normalverdiener! Keine Löwenbelastung. Feuer frei.

Seine Sekretärin im Hintergrund hatte aufmerksam zugehört, befand die ersten beiden Sätze für die Nachwelt erhaltenswert, ergriff ihr SmartPhone und schickte diese beiden Sätze sofort als Tweet unter dem CSU-Account (blauer Haken).

Dr. Söder blickte nochmals auf Aiwanger-Hubert (Dipl. Ing. Agrar) in dessen Stuhl und seufzte:

Hubert zitiert auch nur immer sich selbst und seine Twitter-Tweets. Und 177 Zeichen nur. Der sollte sich meine viermal so langen Tweets reinziehen. Dieser Twitter-Hubi für Arme. Den blauen Haken hat der doch nur, weil ich mir meinen gekauft habe und er mich nachäffen will.”

Danach legte er das Tablet beiseite und stand auf, um rauszugehen, der Achtspänner wartete schon, die Pferde ( – acht amtliche Schimmel, handverlesen und wohlgenährt – ) vermeinte er frohgemut wiehern zu hören. Sie würden später noch dem zahlenden Volke dienen dürfen, damit es was im Magen habe.

Doch bevor er die Tür erreichte, öffnete sich diese. Ein Ameisenstrom von Arbeitsbienen unter Anführung des bayrischen Staatsministers für Medien Herman-Florian (Dr. jur. LLM.) flutete Dr. Söders Schminkraum:

“Markus, Alarmstufe 1!”

Die Grünen sind bei den Wahlprognosen wieder zweistellig?

Nein, so schlimm auch wieder nicht.

Die AfD ist jetzt in Bayern vor dem Aiwanger-Hubi dessen Partei bei den Wahlprognosen?

Nein, nein, das wäre halb so schlimm, solange wir die Nummer 1 mit einem Zehntel Prozentpunkt davor liegen. Denn dann sind wir Sieger!

Sondern?

Die Löwen kommen!

Was? 1860 kommt jetzt hier in die Staatskanzlei?!? Weiß der Hoeness-Uli Bescheid?

Nein, die Problemlöwin! Und wenn jene Beispiel macht, kommen mit ihr sicherlich noch viele, viele weitere Löwen!

Wehret den Anfängen!

Genau! Hier ist kein Platz für Löwen; außerhalb des Fußballvereins 1860 München.

Und?

Mein Team hat Übertragungsutensilien dabei. Wir haben eine Direktleitung zum BR …

Was? Keine mkKKKkR? ich hatte mich schon so sehr gefreut, von der Kutsche aus meinem Volke am Straßenrand zu hul …

Nein, Markus. Heute nicht. Ich habe hier deine Rede. Hab sie vom Stoiber damals genommen und umgeschrieben. War damals für Stoiber auch der Hit, totaler PR-Erfolg. Wurde mit absoluter Mehrheit deswegen wiedergewählt.

Beim damaligen Problembär?

Die Kamera steht dort drüben, darunter der Teleprompter mit der Rede. Scheinwerfer an! In drei, zwei, eins …

Dr. Markus Söder schaute mit gebührenden Ernst in die laufende Kamera. Es war mucksmäuschenstill in seiner Make-up-Gaderobe. Eine Frage einer BR-Moderatorin ertönte über einen kleinen Quäker-Lautsprecher:

Herr Dr. Markus Söder, die Löwin – bitte verzeihen Sie mir, nur an dieser Stelle ist das Wort ‘Löwin’ grammatikalisch korrekt verwendet und kein Gendern – Herr Dr. Söder, die Löwin hat um 5:44 Uhr die bayrische Landesgrenze überschritten. Und seit 5:45 Uhr ist Bayern bereit zurückzuschießen, so erklärte vorhin in einer Live-Schalte ihr Verteidigungsexperte Florian Hahn, der gerade berufsbegleitend im Rahmen seines MBA-Studiengangs in Aserbaidschan militärische Studien durchführt. Herr Dr. Markus Söder, wurde seit 5:45 Uhr der Marschbefehl für das Königlich Bayerisches Infanterie-Leib-Regiment, die bayrischen Gebirgsjäger und die bewaffneten bayrischen SEKs der Polizei erteilt?

Alle hielten den Atem an. Nur nicht Dr. Söder, der Luft von sehr tief herholte und dann ohne Atempause mit besorgten Gesicht eines Familienvaters, dessen Sohn gerade zum ersten Mal allein aufs Klo geht, erwiderte :

Natürlich freuen wir uns, das ist gar keine Frage, freuen wir uns, und die Reaktion war völlig richtig. Eine, sich normal verhaltende Löwin – das ist jetzt kein gendern – in Bayern zu haben, ja, das ist gar net zum Lachen. Ja, und die Löwin im Normalfall, ich muss mich ja auch, also, der Andi, mein Scheuer-Andi, hat sich natürlich hier intensiv mit so genannten Experten über die Anwendung von Mautabgaben für Löwen im Allgemeinen und im Speziellen ausgetauscht und austauschen müssen. Nun haben wir, also, die normal verhaltende Löwin lebt in der Savanne, geht niemals raus und reißt vielleicht ein bis zwеi gazellenschlanke bayrische Kälbchen im Jahr, auf den bayrischen Savannen, der bayrischen Alm. Wir haben dann einen Unterschied zwischen die sich verhaltende Löwin, der Schadlöwin, und der Problemlöwin. Und es ist ganz klar, dass diese Löwin eine Problemlöwin ist. Und es ist im Übrigen auch im Grunde genommen durchaus ein gewisses Glück gewesen, sie hat wohl um 5:44 Uhr des Nachts praktisch diese bayrische Staatsgrenzenschranke gerissen, ohne sich auszuweisen. Und Gott sei Dank war in dem Grenzhaus der bayrischen Staatspolizei, also jedenfalls ist der Übertritt wegen dem Schengenabkommen und so nicht bemerkt worden. Auf Grund von, … also es ist nicht bemerkt worden. Stellen Sie sich mal vor, die war ja mittendrin an der Grenzstation, stellen sich mal vor, unsere Grenzer wären aufgewacht und rausgekommen, um das Dubliner Abkommen durchzusetzen, und wären praktisch jetzt der Löwin praktisch begegnet. Was da bei der Ausweiskontrolle hätte passieren können – also, das viele Blut, wer soll denn dass aus unserem schönen Bayern nachher wieder wegmachen? Wir haben leider auch in Bayern Fachkräftemangel – und deswegen, man muss einfach hier sehen, ich habe sehr viel Verständnis für all diejenigen – außer natürlich, wenn sie von unserer rot-grünen Ampelregierung sind, die wie Aiwanger bereits betonte, die Löwin gleich wieder als Schmusetiger gesehen haben wollen – , die jetzt sagen: Um Gottes Willen, ähm, die Löwin und warum muss die gleich jetzt abgeschossen werden, beziehungsweise muss eine Abschusserlaubnis gegeben werden. Nur: Wenn mein Experte, der Scheuer-Andi, sagt, die Löwin zahlt keine Autobahnmaut und hat keine Ausweispapiere, das ist eine be-scheuer-te äh, das ist eine absolute Problemlöwin, da gibt es nur die Lösung, sie zu beseitigen. Weil einfach die Gefahr so groß ist, dann hat auch unser Verteidigungsexperte, der Hahn-Florian, keine andere Möglichkeit als eben so zu handeln, wie er gehandelt hat, jetzt handelt und dann gehandelt haben wird. Bayern muss schön bleiben. In Bayern leben, heißt sicher leben. 45.000 bayerische Polizisten leisten hervorragende Arbeit. Nirgends in Deutschland ist die Kriminalität geringer, nirgends ist die Aufklärungsquote höher. Wir in Bayern stehen für Sicherheit und Ordnung! Und das lassen wir uns in dieser momentanen Verbotskultur Deutschlands für unsere schöne bayrische Heimat nicht verbieten! Auch nicht bei dieser Löwin.”

Atemstille. Nadel. Fallhöhe. Steinfußboden. Aufprall. Im Hintergund versucht die Sekretärin die letzten acht Sätze auf Twitter zu verbreiten, erinnert sich an die letzten beiden nicht mehr und drückt trotzdem auf ‘Senden’…

In Bayern bewahren und fördern wir unsere Traditionen, Brauchtum und Kultur. Auch im Angesicht einer löwengefährlichen Situation. Das ist unzumutbar. Es braucht deshalb die volle Konsequenz des bayrischen Gesetzes. Jeder Bürger bekommt einen Strafzettel, wenn er falsch parkt. Diese Konsequenz muss auch hier gelten. Es gibt in Bayern keinen Rabatt dafür. Wir sagen Ja zum Liberalitas Bavariae, aber Nein zu Löwinnen.”

Weiterhin Stille.

Markus, Markus”, vom bayrischem Staatsminister für Medien Herman-Florian (Dr. jur. LLM.) sprühte aufgeregte Verwirrtheit in den Raum, “Markus, die Leitung ist direkt am Anfang zusammen gebrochen, es wurde nichts übertragen.”

Dann wiederholen wir es einfach, oder?

Ähem, nein, das Ganze wurde jetzt einfach gecancelt.

Macht denn diese woke Cancel Culture-Kultur jetzt nicht mal vor unserm Bayrischen Rundfunk mehr halt?

Ja, scheint so. Die interviewen jetzt stattdessen live den Dr. jur. Stoiber- Edmund-Rüdiger-Rudi zu dem neuen Problembären, der Löwin.

Und was mache ich jetzt mit dem Achtspänner?

Füttern des Volkes, wie geplant. Die Pferdemetzgerei am Viktualienmarkt. Die zahlen momentan Höchstgebote.

Und ich?

Wir hätten da noch eine Bierzeltrede beim Bierfest in Hinterobertrautenbachlauf in der Oberpfalz. Internetanbindung zum Twittern, Bier und Brezn werden gestellt. Und: Fotografen sind auch schon vor Ort.

Geh ma …

Reflektion

Ich rede.

Ich schweige.

Ich rede.

Ich schweige.

Ich rede.

Du sagst, dass ich mehr als nur einmal geschwiegen habe. Ich stimme dem Fakt vorbehaltlos zu.

Du sagst, dass ich hätte nicht schweigen dürfen. Wer etwas zu sagen wichtiges hätte, dessen Prinzip wäre des Schweigens nicht.

Ich schweige.

Deine Argumente sind mehr gewichtiger als mein Schweigen. Du bist mehr als ich.

Ober sticht Unter.

Sowieso. Drum schweig ich. Du hast die Meinungshoheit.

Ich schweig, denn trotz Internet-Suche muss man noch immer nicht alle Infos haben. Die Anzahl der Infos übersteigt die Lebenszeit zum Lesen derer.

Ich bin zu blöde zum Reden. Also habt ihr Recht.

Recht.

Isso

Mit nem Tretboot in Seenot … , sagte wer was von Rettungsboot?

Kaum Platz an Bord. Eng bei eng sitzen die Insassen beieinader. Das Gefährt wirkt improvisiert. Ein Zeuge sagte aus, dass man dort wie eingesperrt sei. Wenn man auf der Wasseroberfläche treiben sollte, käme man trotzdem nicht raus. Ohne Rettung von außen, keine Chance.

Wer mitfahren wollte, musste viel Geld bezahlen, ohne dass damit der Platzverkäufer auch nur einen Hauch einer Haftung übernehmen würde. Wenn was schief laufen sollte, wäre das nicht das Bier des Betreibers des Gefährts. Eigenverantwortung gilt. Gesteuert wird das Boot mit einfachen Mitteln. Mit einer Spielkonsole, sagt man.

Man sorgt sich um die Insassen. Die Zeitungen berichten ununterbrochen. Auf Seite 1. Auf Seite 2 und auf den anderen Seiten. Im Internet auf der Homepage ebenfalls. Mit Fotos von den Passagieren. Werden sie überleben? Schließlich haben sie dafür bezahlt, nicht wahr. Wer mehr wissen will, kann hinter einer Paywall der Zeitungen nach Zahlung eines Monatsbeitrags mehr darüber lesen.

Nebenbei erwähnt: es geht hier nicht um ein Flüchtlingsboot mit vielleicht 500 Menschen. Nein. Es geht um ein Mini-U-Boot mit 5 Menschen. Drei davon dürften wohl über 100.000 Euro bezahlt haben. Einer davon soll wohl einer der reichsten Unternehmer Pakistans, sagt man.

Man habe den Kontakt verloren. Man weiß nicht, wo das U-Boot sich befindet. Leben die Millionäre noch? Man sorgt sich. Sehr. Militärische Suchmittel zum Aufspüren des U-Boots werden eingesetzt. Die Passagiere müssen gerettet werden. Sie haben ja auch so viel für den Tauchgang zur “Titanic” bezahlt.

Statt wie jene letzten Ersoffenen aus Afrika oder aus dem Nahen Osten in dem anderen Tretboot, die ihre paar Hundert Euro fuffzich für ne Überfahrt nach Europa zuvor den Platzverkäufern übergaben …

Man merke sich den Unterschied: bei einer Tauchfahrt zur “Titanic” handelt es sich schließlich um ein Freizeitvergnügen. Man ist auf Freizeit. Und nicht auf der Flucht. Bei einer Flucht besichtigt man auch nichts. Da geht es um die Freiheit in der Freizeit, Schiffswracks zu besichtigen. Nicht ums Überleben. Darum liegt die ganze Energie jetzt auch auf das Überleben der Fünfe.

Energie folgt der Aufmerksamkeit. Energy flows, where attention goes.

Achtung, bitte! Weitergehen! Bitte nicht auf Flüchtende achten. Da gibt es nichts zu sehen. Bitte weitergehen!

“Row Zero”– die ersten, die nie die letzten sein werden

Nachdem von unermüdlich investigativen Boulevard-Journalisten aufgedeckt wurde, dass bei der Musik-Kombo “Rammstein” die erste Reihe der Zuschauer bei deren Musikaufführungen vor der Bühne mit Menschen bestückt wird, die nachher bei den sogenannten After-Show-Partys kostenlos mit Drogen zum Sex angehalten wird, ist das Wort “Row Zero” in aller Munde.

Leider gibt es noch keine gerichtlichen Urteile dazu, so dass die Bürger mit gesundem Menschenverstand, Sitte und Moral aufgefordert werden, ihr eigenes valides Urteil zu bilden. Opfer müssen Genugtuung für deren erlittenes Leid erhalten, wenn sie es denn ob der verabreichten Drogen dieses noch detailliert öffentlich beschreiben können.

So finden sich immer mehr Zeugen, dass “Row Zero” bei öffentlichen Veranstaltungen schon immer bestimmten obskuren Absichten dienten. Auf unserem Aufruf auf Telegramm und Twitter erhielten wir verschiedene Reaktionen. Wir sprachen mit Heiner P. aus D., der uns mit stockender Stimme seine Erlebnisse mit “Row Zero” erzählte:

Es war anfangs immer so ein Wettkampf unter uns Jungs, wer in die erste Reihe kam. Wir hatten uns deswegen hin und wieder auch schon geschubst dafür. Aber  ich weiß noch, dass meine Eltern stolz auf mich waren, dass ich in der ersten Reihe war. Und der Pastor vor uns hatte immer so freundlich uns, insbesondere mich angelächelt. Wir wurden danach immer eingeladen. In die Sakristei. Dort hat mir seine Weine gezeigt. Oder in seine Gesprächskreise. Mit Themen wie warum Kinder so rein seien oder so. Jedes Mal rückte er mir immer näher, berührte mich an bestimmten Körperstellen und meinte, ich wäre ein reines Geschöpf Gottes. Ich wollte dann nicht mehr in die erste Reihe, ich weigerte mich. Trotz meiner Eltern. Die fanden das gar nicht gut und schimpften mich “nichtsnutziger Rebell” oder so. Zur Strafe haben meine Eltern mich auf ein Internat geschickt, wo der Pastor auch Abends oder des Nachts unterrichtete und dort musste ich immer in die erste Reihe. Und immer danach …

Heiner P.’s brach dann seine Schilderungen im Interview ab. Allerdings schickte uns der Rechtsanwalt von Pastor F. die Androhung einer einstweiligen Verfügung, weil es kein rechtskräftiges Urteil gäbe und Pastor F. ein angesehener Mann in der Kirche und den christlichen Staatskreisen wäre.

Daher machen wir an dieser Stelle aufmerksam, dass es sich hier um unbewiesene Erzählungen aus den Erinnerungen von Kindern handelt. Einer Vorverurteilung darf damit kein Vorschub geleistet werden. Es gilt die Unschuldsvermutung, auch wenn die Schilderungen gar grauslich garstig sind und uns den Schauer überm Rücken jagen.

Trotz solchen Androhungen haben wir weiter geforscht und auch andere Menschen zum Thema “Row Zero” befragt. Wir wollen lediglich ein objektives Meinungsbild. Das hat mit Vorverurteilung nich im Geringsten zu tun. Wir trafen Andrea T. aus M. und sie erzählte uns bereitwillig von ihren “Row Zero”-Erfahrungen:

Ich finde das “Row Zero”-System voll in Ordnung. Hier im Bundesland geht es ja jetzt voll ab. Jedes Wochenende gibt es Wahlveranstaltungen der CSU, FDP und Freie Wähler. Wenn du dann über Twitter oder Telegram für “Row Zero” ausgewählt wirst, dann gibt es Freibier und hin und wieder auch nen Schmalzler oder ne Linie. Und die After-Show-Partys von denen in den Clubs sind auch nicht von schlechten Eltern. So viel gratis, was man normalerweise nur über Umwege erhält. Und man lernt die Wichtigen einer Partei kennen, erhält Connections, um beruflich voran zu kommen. Vor zwei Jahren erhielt ich so den Draht, um an die bayrische Staatsregierung Masken zu verkaufen. Die klassische win-win-Sache, nicht wahr, ich konnte auf den Malediven urlauben und die anderen hatten dafür einen Schutz im Gesicht. Allerdings, neuerdings, nach den letzten vier “Row Zero”-Veranstaltungen erinnere ich mich kaum noch, was nach den Veranstaltungen passierte. Und ich hatte Schrammen und Flecke an Armen und Beinen und auf meinem Dirndl. Vielleicht hatte ich zuviel Bier getrunken und mir waren wohl Bierkrüge darauf gefallen. Ich bin ja recht zierlich, nicht wahr. Am Wochenende bin ich wieder in eine Bierzelt-“Row Zero” geladen und dann soll es nachher in einen Club gehen. Ich find “Row Zero” okay. Mir dient es der politischen Bildung, das hat Niveau. Man sollte nicht alles schlecht reden, vor allem nicht bei bayrischer Kultur. Allerdings war ich mal auf einer Bierzeltveranstaltung von den Parteien, die ich vorhin nicht nannte und wurde in deren “Row Zero” eingeladen. Katastrophe. Ich möchte mich nicht dran erinnern, was dort abging. Sie erdreisteten sich, Drogen abzugeben, also uns Freibier und Schmalzler anzubieten. Wir wissen ja bereits, dass jene Lauterbach-Fanboys eine seltsame Vorstellung von Drogen haben, aber was da umsonst uns angeboten wurde, …

Andrea T. stockte in ihrer Erzählung und ihr entsetzter Gesichtsausdruck lies uns den Rest dieser schlimmen “Row Zero”-Erfahrung erahnen. Und danach konnten wir das System “Row Zero” live miterleben: Andrea T. erhielt für eine ihrer Anfragen bei einer CSU-Club-Veranstaltung ein Herzchen, die Reservierungsbestätigung für einen VIP-Platz direkt vor der Bühne und die Aufforderung, sich nachher mit ihrer jüngeren Schwester unbedingt backstage bei Marco S. persönlich zu melden.

Peter S., Basketballspieler aus F. am Main, konnte uns von gar ganz schlechten “Row Zero”-Erfahrungen erzählen.

Wenn ich in “Row Zero” stand, kam garantiert immer einer, der mir auf die Schulter tippte und meinte, ich solle den Kleineren Vortritt lassen, damit die auch etwas sehen könnte. Nur weil ich Zweizehn groß bin. Wenn ich nicht wollte, dann riefen die die Security, die mich der “Row Zero” verwiesen. So landete ich dann nachher immer in Reihe vier bis fünf. Bei Helene Fischer sogar in Reihe zwölf. Sauerei. Kann ich was dafür, dass ich so groß bin? Das ist doch Diskriminierung. Ich würde sogar behaupten, Rassismus uns Großen gegenüber. Nur einmal, bei einer Party mit Live-Gesangseinlage-Act von einem Glööckler, da durfte ich in “Row Zero” bleiben. Ich erfuhr erst danach, dass es wohl eine Schwulenparty war. Das war so … erniedrigend … so …

Auch Peter S.konnte seine “Row Zero”-Erfahrungen nicht weiter ausführen, weil seine Stimme stockte und er fassungslos den Kopf schüttelte.

Sieglinde D. aus doppel D. dagegen schrieb uns:

Row Zero? Fand ich geil. Früher konnte ich dann immer mit einen von denen von der Bühne vögeln. Super war’s. David Bauwie, Michael Jäger, Börth Kontrol, Die Härzte, Nana, Pater Lebbich, einfach geile Shows. Heute bin ich nicht mehr so aktiv, aber Row Zero hat mir schon viel Befriedigung gebracht. Außer einmal, bei einem Heino Nachmittagskonzert um ein Uhr mittags, im Münchner Olympiastadion, scheisse war’s, möcht’ ich nicht dran denken, da war Row Zero echt kacke, da wollten zwei von der Securities nen Dreier mit vier anderen Groupies innerhalb von fünf Minuten … also Sex vor Sieben, unter mein Niveau … shocking! …

Wir befragten noch Dutzende “Row Zero”-Opfer. Manche wie im Falle Heiner P., andere wie Andrea T., und immer wieder stießen wir auf das Phänomen, dass jene Opfer indirekt oder direkt das “Row Zero”-System nie in Frage stellten und danach drunter litten.

Es scheint wohl eindeutig, dass die “Row Zero” mit Realitätsverlust einhergeht, weil es ein selten gewährtes Privileg zu sein scheint, im exklusiven Club der “Row Zero”-Leute sich zu befinden. Unsere Schlussfolgerung ist daher, bei jeder Veranstaltung “Row Zero”, also die erste Reihe, zu verbieten, um das Wohl unserer Kinder sicher zu stellen. Hierbei sollte man immer ortsbezogen vorgehen. Also von der Security immer die erste Reihe aus dem Zelt oder Veranstaltungsort sicher hinausleiten. Das wird dann zwar dazu führen, dass nach kurzer Zeit, immer wenn die erste Reihe safe eliminiert wurde, der Veranstaltungsort leer ist, aber dann ist die Sicherheit von unseren Mädchen und Buben gesichert.

Wir, die Redaktion der bayrischen Vertretung für Anstand und Moral plädieren, dass dies zuerst einmal bei den nicht sittlich gefestigten Gruppierungen bis zum 3. Oktober durchgeführt wird. Damit ist der Fokus auf Gruppierungen gelegt, die keinerlei Bezug zu christlichen Werten haben. Also eindeutig identifizierbar, durch fehlende Namensgebung, fehlende Koalitionen, keine Sympathiekundgebung oder keine familiäre Bindungen zu unseren christlich-sozialen Grundwerten in Bayern.

Bei den Gruppierungen der SPD, den Grünen und den Linken und deren Bierzeltveranstaltungen sollte man sehr aufmerksam hinschauen, dass unsere Buben und Mädchen nicht Opfer eines “Row Zero”-Systems werden.

Denn wie unsere christliche Bibel schon sagt: “Die ersten werden immer die letzten sein” und wir in Bayern, wir werden entsprechend dafür sorgen, dass die Ersten ganz, ganz schnell und zügig die Letzten sein werden. Wir in Bayern haben schon mit den Klimaklebern in den ersten Reihen, also den “Row Zero”-Klimaklebern, mittels unseres Polizeiaufgabengesetzes begonnen. Generell sollte jede erste Reihe nicht erlaubt sein, erst recht keine nullte. Zum Schutze unserer Kinder! Und Kindes Kinder. Ja, wir sind eindeutig gegen Verbote und sind niemals eine Verbotspartei, aber so etwas wie “Row Zero” darf auch nicht erlaubt sein.

Und nach der Bayernwahl: Schaun mer mal. Schaun mer mal weiter, gell, ob wir das alles unter Kontrolle bekommen haben.

Denn: Wehret den Anfängen!

gez. Christlich-Bayrische Vereinigung für Anstand, Sitte, Moral und Liberalitas Bavariae

Alles für den Dackel, alles für den Club, unser Leben für den …

Da hatte es mich doch heuer ganz bös erwischt, da herinnen in München, im heimisch zünftigen Paulaner-Garten. Mir war bereits seit langem klar, dass die Drogenpolitik der Ampel-Regierung einem schwer zu denken gibt. Nachdem Herr von und zu Lauterbach seine neusten Drogenkontrollpläne bekannt gab, da schlug der Puls der Aufregung in Bayern auf neue Bluthochdruckwerte.

So hatte die BILD-Zeitung in die bayrische Staatskanzlei hinein ein Dokument als LEAK aus dem Ministerium vom Herrn Lauterbach verteil. Und dieses Dokument, welches ein Namenloser der vielen BILD-Arbeitsdrohnen klandestin und mit eigens installierter Internetverbindung von den öffentlichen Lauterbach-Ministerium-Internetseiten in mühevoller Kleinarbeit heruntergeladen hatte, dabei jenen Download Bit für Bit konsumierend und dann per Träger über die Staatkanzlei-Tiefgarage in die oberen Regierungszimmer vom Söder hochgebracht, also, dieses Dokument sagte etwas darüber, wie die Abgabe von Bier neu geregelt werden könnte: Der Bierkonsum solle entkriminalisiert und aus den Schmuddelecken der anonymen Trinkerhallen herausgeholt werden. Auf die mit Bier regelmäßig eingeleitete schwere Alkoholsucht sollte proaktiv reagiert werden. Proaktiv heißt, eine kontrollierte und gesellschaftlich verantwortungsvolle Abgabe von Bier wurde anvisiert.

Und weil “verantwortungsvoll” der Aufgabenbereich eines Ministerpräsidenten ist und nicht die eines dahergelaufenen, nicht-bayrischen Kölners mit Ministerposten sein kann, daher hat sich sofort der fränkisch Landesvater in seiner oberbayrischen Staatskanzlei per Twitter gemeldet:

Wir lehnen die Bierkontrollpläne der Ampel ab. 90 Bier im Monat, 3 Bier am Tag – das darf es nicht geben. Wir werden alles tun, das zu verhindern. Wir wollen keine Drogen in Bayern. Wir schützen unsere Kinder und Jugendlichen. #csupt23 #miteinander

3 Bier am Tag? Wie hatte der ehemalige bayrische Ministerpräsident Beckstein erklärt: „Wenn man die zwei Maß in sechs, sieben Stunden auf dem Oktoberfest trinkt, ist Autofahren noch möglich“, sagte Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein von der CSU dem Bayerischen Rundfunk in München. Das Trinkprofil eins Oktoberfest’lers ist am Anfang nur an seine Maß zu nippen und dann am Schluss seines Zeitfensters, Gas zu geben und zu schütten. Das ist weltweit bekannt und gehört zum bayrischen Kulturgut. Lediglich Preußen (- jene FDH’ler des Bierkonsums –) nippen ihr Bier schlückchenweise alle dreieinhalb Minuten und prosten sich dabei auch noch zu, was als harmloser einzustufen wäre, ganz im Gegentum zu dem Trinkverhalten eines bayrisch Traditionsverhafteten bei dessen Bierkonsum beim Starkbierfest oder beim Oktoberfest, welches Sprünge auf der zweifelhaften Karriereleiter einer tragischen Alkoholkarriere sein können.

Aber zurück zum jetzigen Landesvater:

90 Maß Bier im Monat, dass ist schon nicht mehr verantwortungsvoll. Selbst bei 60 Maß Bier im Monat (also zwei Maß Bier pro Tag im Monat mit dreißig Tagen), da ist der Alkoholsucht der Weg schon mit Bierleichen gepflastert. Mit kindlichen und jugendlichen Bierleichen. Das geht nicht. Da tritt der bayrischen Schutzinstinkt ein. Wehret den Anfängen, bevor zu spät ist! Hat schon der Strauß, der Franz-Josef, gesagt.

Kinder und Jugendliche gilt es zu schützen. Keine Macht der Liberalisierung von Bier. Daher war es wohlfeil und positiv gesonnen zu lesen, dass unser bayrische Landesvater diesen Schutz über alles stellt. Notfalls lassen sich ja Kinder und Jugendliche nach dem bayrischen Polizeiaufgabengesetz (PAG) genau so behandeln wie sogenannte “Klimabkleber”.

Bei Überprüfung der Sachlage und Feststellung der drohenden Gefahr (u.a.a. bei Selbst-Gefahr-dung) kann mit unbefristeten Sicherungsgewahrsams im Hinblick auf das rechtsstaatliche Bestimmtheitsgebot aus Art. 3 Abs. 1 Satz 1 Bayerische Verfassung reagiert werden.

Einfach mal vier Wochen Vorbeugehaft für diese Biertrinker und potentielle Alkoholmissbrauchsstraftäter. Allgemeine Anlässe des Bierkonsums und daher drohende Gefahren gibt es reichlich: Silvester/Neujahr, Karneval, Karfreitag, Tag des deutschen Bieres, 1. Mai, Muttertag, Vatertag, Geburtstage, Abi-Feiern, Schulschluss, Wochenende generell, Frühlingsfest, Internationale Tag des Bieres, Oktoberfest, Tag des österreichischen Bieres, Weihnachtsmärkte, usw. usf. .

Bei bereits in den Polizeiakten geführten “Klimaklebern” ist es denen verboten mit Kleber in der Tasche angetroffen zu werden. Falls, dann geht es gleich wieder für vier Wochen in Vorbeugehaft. Das gleiche sollte für Kinder und Jugendliche in Sachen Bier und Alkohol gelten. Es ist beruhigend, dass sich unser Landesvater Söder in seinem Tweet dazu eineindeutig klar und ohne Umschweife geäußert hat. Das würde man mal gerne von einem Habeck oder der Ampel an sich lesen.

Wie bitte?

Alles falsch?

Ich habe falsch zitiert?

Es geht gar nicht um Bier oder Alkohol?

Söder hatte in Wahrheit über “Cannabis-Pläne” mit über  “90 Joints im Monat, 3 Joints am Tag” gesprochen, als er sich um den Schutz von Kindern und Jugendlichen sorgte?

Ach so.

Dann habe ich mich wohl verlesen. Gott sei Dank.

Ich hab mich schon wundern getan, warum Söder jetzt von Bier als Einstiegsdroge für Alkoholsucht und Alkoholspätfolgen schrieb. Bier ist natürlich nicht schädlich, sondern hat sogar wohltuende Effekte fürs Haar. Darum sieht man den Söder auch immer wohlfrisiert auf Twitter, wie er biergefüllte Krüge auf diversen bayrischen Bierfesten festhält. Bierkrüge zwischen den Fingern, nicht Joints. Bayrische Kultur und nicht Einstiegsdrogen zu einer Suchtkrankheit.

So. Das wär’s von hier aus’m Paulaner-Garten. Ich trink noch mein Starkbier-Maß, zuzle meine restlichen Fränkischen Bratwürste aus und gehe heim in meine Staatskanzlei, zu meinen Dackel und zu meinen Club. Mei Leb’n für an Hund …

Luhja sog i …

Ertrage die Clowns (16): Kann ich nicht beurteilen, muss ich nackt sehen

Im Jahr 1949 steckte sich der junge Joachim Fest einen Zettel ins Portemonnaie, den er bis zu seinem Tode mit sich führte. Auf dem Zettel stand der Satz:

„Ertrage die Clowns!“

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A: “Anderes Wort für Pink Floyd?”

B: “Anderes Wort? Ich verbinde damit in einem dunklem Raum zu sitzen, die Musik zu hören und meinen Gedanken und Imaginationen freien Lauf zu lassen. Statt Drogen einzupfeifen.”

A: “Schön, du 70-ger Jahre Adept. Hattest wohl kein Taschengeld für LSD oder so gehabt, he? Zu arm gewesen, oder was. Für ne LP hatte es gereicht, für nen ‘Schwarzen Marokkaner’ aber nicht mehr, oder? Trotzdem. Ein anderes Wort für Pink Floyd?”

B: “Roger Waters?”

A: “Hm. Könnte passen. Noch ein Versuch.”

B: “Antisemitismus?”

A: “Der Kandidat hat hundert Punkte!”

B: “Wish you were here.”

A: “Was?”

B: “Wish you were here.”

A: “Money?”

B: “The dark side of the moon.”

A: “The dark side of the wish-you-were-here-money! Hey, Roger Waters will nur Geld scheffeln und Antisemitismus verbreiten.”

B: “Hm.”

A: “Isso.”

B: “Sagt wer?”

A: “Frankfurt. München. Immer regiert mit den Grünen.”

B: “Ist also eine politische Erzählung?”

A: “Quatsch. Es geht um Antisemitismus.”

B: “Wow.”

A: “’Wow’ wieso?”

B: “Another brick in the wall!”

A: “Richtig! Die Grünen mal wieder! Bauen die Mauern der Rechten. Früher schon und heute nicht besser als damals.”

B: “Sagt wer von den politischen Gruppierungen?”

A: “Äh, die Grünen. Und sogar von der SPD.”

B: “Die uns vor Pink Floyd schützen wollen?”

A: “Nein, sondern vor Roger Waters, den Antisemiten.”

B: “Antisemit? Wieso?”

A: “Liest du keine Nachrichten? Internet-Verweigerer? Sagt sogar der Zentralrat.”

B: “Zentralrat. Ist die Erwähnung dieses Gremiums als Argument zu eigenen Argumentationslogiken an sich nicht auch potentiell antisemitisch?”

A: “Hast du Lack gesoffen? Bekloppt oder was?”

B: “Ist es nicht verdächtig, dass Parteispektren von CDU, CSU über FDP bis hin zur AfD als Zeugen für Roger Waters Antisemitismus den Zentralrat zitieren? Jene Söders, Maaßens, Wagenfelds und Höckes, die schon immer gegen das angeblich deutsch-widersprechende wettern? Die nur von zwölf bis mittags denken und die Zeit dazwischen mit Shitstorms füllen?”

A: “Nein, denn wie sagen wir im Deutschen: blinde Hühner finden auch mal ein Korn. Blinde Hühner wie Habeck, Baerbock, Özdemir, Hofreiter oder Aiwanger aber eher nicht.”

B: “Ist es nicht verdächtig, dass sich blinde Hühner immer an jenem Korn besaufen, dass sie sich einschenken, und es dann als Ideal eines Mutterkorns von Vater Staat für ihre Kinder deklarieren? Nur um damit ein ‘Another brick in the wall’ als Widerstandsanführer einer imaginären Opposition zu flöten?”

A: “Ach, hömma! Seit wann ist es überhaupt illegal, blind zu sein und Mutterkorn zu saufen? Wir leben immer in Eigenverantwortung! Das ist das, was jeder zu verantworten hat. Eigenverantwortung, sowas ist nie und nimmer illegal. Somit ist es rechtmäßig.”

B: “Rechtmäßig? Maximal anders ausgesprochen, als ‘recht mäßig’. Und dann besser als ‘rechts’ und ‘mäßig’. So etwas geht nur als Westfale mit der Spezialität, Münsterländer zu sein. Bayer bissu nicht. Bissu?”

A: “Und? Hast du diesen Qualifikationsnachweis?”

B: “Verbrieft. Geburtsurkunde.”

A: “Ah, ein Übermensch. Wir Untergebene der Rest der Welt verneigen uns vor dir.”

B: “Und?”

A: “Du redest Müll, will ich dir damit sagen. Lass uns stattdessen in den rhetorischen Diskurs über ‘Cancel Culture’ einsteigen.”

B: “Niemals. Eher sage ich, dass die Siedlungspolitik des Staates Israels extrem kritisch betrachtet werden muss, als mir mit rechtsradikalem ‘Cancel Culture’ aus der falschen Ecke den Mund verbieten zu lassen.”

A: “Antisemit!”

B: “Echt?”

A: “Genauso wie Roger Waters. Der behauptet auch, dass der Ukrainekrieg nicht ausschließlich zu Lasten des russischen Staates geht.”

B: “Echt? ‘Cancel Culture’? Auf Kosten der Toten?”

A: “Hömma! Jeder Kultur einen Totenkult.”

B: “Und sei es einen mit Fackeln überm Königsplatz in München.”

A: “Machst du jetzt auf Pazifismus-Opportunist a la Schwarzer und Wagenfeld?”

B: “Gebt den Toten eine Stimme. Sie können dagegen nicht protestieren.”

A: “Wer lebt hat immer recht. Wir leben, wir reden.”

B: “Wer überlebt, hat überrecht.”

A: “Jeder Schwachsinn hat seinen Superlativ.”

B: “Und für jeden Starksinn einen Diminutiv.”

A: “O si tacuisses, philosophus mansisses.”

B: “Wie belieben?”

A: “Übersetzt: ‘Fick dich ins Knie, du Genie’. Schweige jetzt, oder rede nimmer!”

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(screenshot aus einem Youtube-Video vom Auftritt von Roger Waters in Lissabon 2023)