Kleinmachnow Löwin-Rätsel gelöst, MacGuffin gefunden

… und Jesus kam und verwandelte Wasser in Wein und Löwin in Wildschwein. Und worum ging es wirklich bei dieser Sommerloch-2023-Geschichte?

… Nachforschungen ergaben, es ging um den berühmt berüchtigen MacGuffin, aus Schottland importiert und bei Kleinmachnow Nähe Bärlin ausgesetzt … :

Es könnte ein schottischer Name sein aus einer Geschichte über zwei Männer, die Zug fahren. Der eine Mann fragt: ‚Was ist das für ein Päckchen in der Gepäckablage?‘ ‚Nun,‘ sagt der andere Mann, ‚das ist ein MacGuffin.‘ ‚Was ist ein MacGuffin?‘ ‚Ein MacGuffin ist eine Vorrichtung, um im schottischen Hochland Löwen zu fangen.‘ ‚Aber im schottischen Hochland gibt es doch gar keine Löwen.‘ ‚Nun, dann ist es eben auch kein MacGuffin.‘ Sehen Sie, ein MacGuffin ist gar nichts.

(aus einem 1966 von François Truffaut geführten Interview mit Alfred Hitchcock:  https://www.youtube.com/watch?v=mNkPLuBjZRM)

Gut gebrüllt, Löwe! oder: … die einzig wahre, wahre Geschichte im löchrigen Sommer 2023 …

In Bayern ist Wahlkampf.

Aber in Bayern ist nicht nur Wahlkampf. In Bayern werden auch akademische Titel verliehen. Da wird studiert und geschrieben, was die felißigen Finger der Beteiligten so hergeben. Und die Anzahl der Strebenden nach akademischen Titeln ist lang.

So schreibt auch Herr Dr. Söder immer wieder dabei fleißig mit. Mit seinen Kurz-Habilitationschriften bei Twitter, zur Erlangung der Würde des “Doctor habilitatus”. Denn ein “Dr. Dr. habil.” schmückt die Visitenkarte eines jeden Promovierten, so wie das Geweih des Wolpertingers an der Wand eines bayrischen Jägers.

Entsprechend habilitierte letztens unser „nur Dr.” Söder mal wieder mit seiner 661 Zeichen langen Kurzschrift, dass Bayern ein Sehnsuchtsort sei: das Land sei lebensfroh und lebenswert, fortschrittlich und frei, die Leitschnur hieße Leben und Leben lassen. Er wolle dabei alle mitnehmen und motivieren. 90 Prozent der Menschen lebe gern in Bayern, so gab seiner Überzeugung kund. Denn Vielfalt mache sein Land aus: ökonomisch und sozial, wirtschaftlich und technologisch, bei Lebensqualität, Natur, Tradition und Ehrenamt. Familiengeld, Pflegegeld und die kostenfreie Meisterausbildung gäbe es so nur in Bayern – und mit der Hightech-Agenda investiere er und seine CSU wie kein anderes Bundesland in die Zukunft. Bayern halte international jedem Vergleich stand. Er meinte, seine Bayern könnten stolz sein, in Bayern leben zu dürfen.

Betonung – das sei gleich mal vorweg genommen – liegt auf “dürfen”.

Und heute morgen 6 Uhr 58, Hr. Dr. Söder machte sich ausgehfein für seinen morgendlichen Ausritt in der majestätischen, königlichen Kini-Kufenkutsche (… abgekürzt ‘mkKKKkR’; das große “R” mit dem kleinen „m“ voran, weil die Kutsche auf kleinen Rädern freilich, wir haben schließlich Sommer, nicht wahr …). Gezogen wird der Prunk mit dem Gamsfedern geschmückte Achtspänner paar Straßen weiter zum Studio des nüchternen Bayrischen Rundfunk. In dem Moment rief in sein Generalsekret, der Huber-Martin ( Dr. verz.), an: die freilaufenden, mutmaßlichen Löwin von Kleinmachnow (südlich von Bärlin), welche gerade in diesem gelochten Sommer die Titelseiten von BILD, Boulevard und anderen Lügenpressen mit dicken Lettern beherrsche, hätte sich auf den Weg nach Bayern gemacht. Die Löwin soll wohl auf ihren SmartPhone Herr Dr. Söders Twitter-Habilitationsschriften gelesen haben und sei der Meinung, der Bundesstaat mit dem Löwen als Wappentier und dieser freundlichen bayrischen Willkommenskultur solle ihre neue Heimat werden. Der Scheuer-Andi (PhDr. Dr. verz.) hätte sich bei ihm, eben jenem Huber-Martin (Dr. verz.) sehr aufgebracht auch deswegen gemeldet, weil die Löwin ja eventuell auch mautfrei seine bayrischen Autobahnen nutzen könnte. Und das wäre nicht richtig, geschweige denn korrekt.

Söder wurde blass und seine Visagistin legte wortlos augenblicklich mehr braunes Rouge bei ihm auf, damit er wieder von der rechten Sonne des Sehnsuchtlands Bayern wie frisch gebräunt ausschaute.

Derweil schrieb selbst Bayerns Gesundheitsminister höchstselbst, der Holetschek-Klaus (kein “Dr.” oder “Dr. verz.”), dem Dr. Söder eine SMS:

Wir sind der Anwalt der kleinen Krankenhäuser Bayerns. Im Kern ist das richtig, dass wir Medizin anders finanzieren müssen, aber nicht zulasten der ländlichen Räume mittels Löwinnen als nicht zugelassene Heilerinnen und anderen fehlenden Ausweisdokumenten, das lasse ich nicht zu.“

Söder schluckte und rief die Morgenmagazin-Sendungen auf seinem Tablet auf. Als er seinen alten Ego und Juniorpartner, den Aiwanger-Hubert (Dipl. Ing. Agrar), bei dem Sender “Servil TV” auf dem Interview-Stuhl sah, hörte er jenen sagen:

Die Löwin von Berlin wird sicherlich von denjenigen Großstadtökologen richtig gemanagt, die sich in den letzten Wochen für die Akzeptanz von Bären in Bayern stark gemacht haben.”

Der Moderator erwiderte sofort sichtlich begeistert: “Die Wokeness gepaart mit Cancle Culture also mal wieder? Könnte die Löwin nicht sogar Eier legen und somit Nachkommen ausbrüten? Sollte dagegen nicht etwas unternommen werden?

Aiwanger-Hubert, Dipl. Ing. Agrar, erhob mit behänder Leichtigkeit bedeutungsschwer seine rechte Hand und reckte behäbig dessen langen, aufrechten Zeigefinger direkt zur hellgrauen Studiodecke: “Die Grünen entwickeln sich immer mehr zu einer Partei der Tierquäler. Sie wollen die Jagdgesetze dahingehend ändern,dass Muttertiere von den Jungen weggeschossen werden dürfen,so dass der Nachwuchs elend zugrunde geht. Im Namen des Klimaschutzes. Als nächstes? Stoppt die Grünen!

Dr. Söder nickte zustimmend murmelnd: “Wir als CSU sind Anwalt der Mitte, der Normalverdiener und hart arbeitenden Leute. Es braucht Entlastung für die Normalverdiener! Keine Löwenbelastung. Feuer frei.

Seine Sekretärin im Hintergrund hatte aufmerksam zugehört, befand die ersten beiden Sätze für die Nachwelt erhaltenswert, ergriff ihr SmartPhone und schickte diese beiden Sätze sofort als Tweet unter dem CSU-Account (blauer Haken).

Dr. Söder blickte nochmals auf Aiwanger-Hubert (Dipl. Ing. Agrar) in dessen Stuhl und seufzte:

Hubert zitiert auch nur immer sich selbst und seine Twitter-Tweets. Und 177 Zeichen nur. Der sollte sich meine viermal so langen Tweets reinziehen. Dieser Twitter-Hubi für Arme. Den blauen Haken hat der doch nur, weil ich mir meinen gekauft habe und er mich nachäffen will.”

Danach legte er das Tablet beiseite und stand auf, um rauszugehen, der Achtspänner wartete schon, die Pferde ( – acht amtliche Schimmel, handverlesen und wohlgenährt – ) vermeinte er frohgemut wiehern zu hören. Sie würden später noch dem zahlenden Volke dienen dürfen, damit es was im Magen habe.

Doch bevor er die Tür erreichte, öffnete sich diese. Ein Ameisenstrom von Arbeitsbienen unter Anführung des bayrischen Staatsministers für Medien Herman-Florian (Dr. jur. LLM.) flutete Dr. Söders Schminkraum:

“Markus, Alarmstufe 1!”

Die Grünen sind bei den Wahlprognosen wieder zweistellig?

Nein, so schlimm auch wieder nicht.

Die AfD ist jetzt in Bayern vor dem Aiwanger-Hubi dessen Partei bei den Wahlprognosen?

Nein, nein, das wäre halb so schlimm, solange wir die Nummer 1 mit einem Zehntel Prozentpunkt davor liegen. Denn dann sind wir Sieger!

Sondern?

Die Löwen kommen!

Was? 1860 kommt jetzt hier in die Staatskanzlei?!? Weiß der Hoeness-Uli Bescheid?

Nein, die Problemlöwin! Und wenn jene Beispiel macht, kommen mit ihr sicherlich noch viele, viele weitere Löwen!

Wehret den Anfängen!

Genau! Hier ist kein Platz für Löwen; außerhalb des Fußballvereins 1860 München.

Und?

Mein Team hat Übertragungsutensilien dabei. Wir haben eine Direktleitung zum BR …

Was? Keine mkKKKkR? ich hatte mich schon so sehr gefreut, von der Kutsche aus meinem Volke am Straßenrand zu hul …

Nein, Markus. Heute nicht. Ich habe hier deine Rede. Hab sie vom Stoiber damals genommen und umgeschrieben. War damals für Stoiber auch der Hit, totaler PR-Erfolg. Wurde mit absoluter Mehrheit deswegen wiedergewählt.

Beim damaligen Problembär?

Die Kamera steht dort drüben, darunter der Teleprompter mit der Rede. Scheinwerfer an! In drei, zwei, eins …

Dr. Markus Söder schaute mit gebührenden Ernst in die laufende Kamera. Es war mucksmäuschenstill in seiner Make-up-Gaderobe. Eine Frage einer BR-Moderatorin ertönte über einen kleinen Quäker-Lautsprecher:

Herr Dr. Markus Söder, die Löwin – bitte verzeihen Sie mir, nur an dieser Stelle ist das Wort ‘Löwin’ grammatikalisch korrekt verwendet und kein Gendern – Herr Dr. Söder, die Löwin hat um 5:44 Uhr die bayrische Landesgrenze überschritten. Und seit 5:45 Uhr ist Bayern bereit zurückzuschießen, so erklärte vorhin in einer Live-Schalte ihr Verteidigungsexperte Florian Hahn, der gerade berufsbegleitend im Rahmen seines MBA-Studiengangs in Aserbaidschan militärische Studien durchführt. Herr Dr. Markus Söder, wurde seit 5:45 Uhr der Marschbefehl für das Königlich Bayerisches Infanterie-Leib-Regiment, die bayrischen Gebirgsjäger und die bewaffneten bayrischen SEKs der Polizei erteilt?

Alle hielten den Atem an. Nur nicht Dr. Söder, der Luft von sehr tief herholte und dann ohne Atempause mit besorgten Gesicht eines Familienvaters, dessen Sohn gerade zum ersten Mal allein aufs Klo geht, erwiderte :

Natürlich freuen wir uns, das ist gar keine Frage, freuen wir uns, und die Reaktion war völlig richtig. Eine, sich normal verhaltende Löwin – das ist jetzt kein gendern – in Bayern zu haben, ja, das ist gar net zum Lachen. Ja, und die Löwin im Normalfall, ich muss mich ja auch, also, der Andi, mein Scheuer-Andi, hat sich natürlich hier intensiv mit so genannten Experten über die Anwendung von Mautabgaben für Löwen im Allgemeinen und im Speziellen ausgetauscht und austauschen müssen. Nun haben wir, also, die normal verhaltende Löwin lebt in der Savanne, geht niemals raus und reißt vielleicht ein bis zwеi gazellenschlanke bayrische Kälbchen im Jahr, auf den bayrischen Savannen, der bayrischen Alm. Wir haben dann einen Unterschied zwischen die sich verhaltende Löwin, der Schadlöwin, und der Problemlöwin. Und es ist ganz klar, dass diese Löwin eine Problemlöwin ist. Und es ist im Übrigen auch im Grunde genommen durchaus ein gewisses Glück gewesen, sie hat wohl um 5:44 Uhr des Nachts praktisch diese bayrische Staatsgrenzenschranke gerissen, ohne sich auszuweisen. Und Gott sei Dank war in dem Grenzhaus der bayrischen Staatspolizei, also jedenfalls ist der Übertritt wegen dem Schengenabkommen und so nicht bemerkt worden. Auf Grund von, … also es ist nicht bemerkt worden. Stellen Sie sich mal vor, die war ja mittendrin an der Grenzstation, stellen sich mal vor, unsere Grenzer wären aufgewacht und rausgekommen, um das Dubliner Abkommen durchzusetzen, und wären praktisch jetzt der Löwin praktisch begegnet. Was da bei der Ausweiskontrolle hätte passieren können – also, das viele Blut, wer soll denn dass aus unserem schönen Bayern nachher wieder wegmachen? Wir haben leider auch in Bayern Fachkräftemangel – und deswegen, man muss einfach hier sehen, ich habe sehr viel Verständnis für all diejenigen – außer natürlich, wenn sie von unserer rot-grünen Ampelregierung sind, die wie Aiwanger bereits betonte, die Löwin gleich wieder als Schmusetiger gesehen haben wollen – , die jetzt sagen: Um Gottes Willen, ähm, die Löwin und warum muss die gleich jetzt abgeschossen werden, beziehungsweise muss eine Abschusserlaubnis gegeben werden. Nur: Wenn mein Experte, der Scheuer-Andi, sagt, die Löwin zahlt keine Autobahnmaut und hat keine Ausweispapiere, das ist eine be-scheuer-te äh, das ist eine absolute Problemlöwin, da gibt es nur die Lösung, sie zu beseitigen. Weil einfach die Gefahr so groß ist, dann hat auch unser Verteidigungsexperte, der Hahn-Florian, keine andere Möglichkeit als eben so zu handeln, wie er gehandelt hat, jetzt handelt und dann gehandelt haben wird. Bayern muss schön bleiben. In Bayern leben, heißt sicher leben. 45.000 bayerische Polizisten leisten hervorragende Arbeit. Nirgends in Deutschland ist die Kriminalität geringer, nirgends ist die Aufklärungsquote höher. Wir in Bayern stehen für Sicherheit und Ordnung! Und das lassen wir uns in dieser momentanen Verbotskultur Deutschlands für unsere schöne bayrische Heimat nicht verbieten! Auch nicht bei dieser Löwin.”

Atemstille. Nadel. Fallhöhe. Steinfußboden. Aufprall. Im Hintergund versucht die Sekretärin die letzten acht Sätze auf Twitter zu verbreiten, erinnert sich an die letzten beiden nicht mehr und drückt trotzdem auf ‘Senden’…

In Bayern bewahren und fördern wir unsere Traditionen, Brauchtum und Kultur. Auch im Angesicht einer löwengefährlichen Situation. Das ist unzumutbar. Es braucht deshalb die volle Konsequenz des bayrischen Gesetzes. Jeder Bürger bekommt einen Strafzettel, wenn er falsch parkt. Diese Konsequenz muss auch hier gelten. Es gibt in Bayern keinen Rabatt dafür. Wir sagen Ja zum Liberalitas Bavariae, aber Nein zu Löwinnen.”

Weiterhin Stille.

Markus, Markus”, vom bayrischem Staatsminister für Medien Herman-Florian (Dr. jur. LLM.) sprühte aufgeregte Verwirrtheit in den Raum, “Markus, die Leitung ist direkt am Anfang zusammen gebrochen, es wurde nichts übertragen.”

Dann wiederholen wir es einfach, oder?

Ähem, nein, das Ganze wurde jetzt einfach gecancelt.

Macht denn diese woke Cancel Culture-Kultur jetzt nicht mal vor unserm Bayrischen Rundfunk mehr halt?

Ja, scheint so. Die interviewen jetzt stattdessen live den Dr. jur. Stoiber- Edmund-Rüdiger-Rudi zu dem neuen Problembären, der Löwin.

Und was mache ich jetzt mit dem Achtspänner?

Füttern des Volkes, wie geplant. Die Pferdemetzgerei am Viktualienmarkt. Die zahlen momentan Höchstgebote.

Und ich?

Wir hätten da noch eine Bierzeltrede beim Bierfest in Hinterobertrautenbachlauf in der Oberpfalz. Internetanbindung zum Twittern, Bier und Brezn werden gestellt. Und: Fotografen sind auch schon vor Ort.

Geh ma …

Reflektion

Ich rede.

Ich schweige.

Ich rede.

Ich schweige.

Ich rede.

Du sagst, dass ich mehr als nur einmal geschwiegen habe. Ich stimme dem Fakt vorbehaltlos zu.

Du sagst, dass ich hätte nicht schweigen dürfen. Wer etwas zu sagen wichtiges hätte, dessen Prinzip wäre des Schweigens nicht.

Ich schweige.

Deine Argumente sind mehr gewichtiger als mein Schweigen. Du bist mehr als ich.

Ober sticht Unter.

Sowieso. Drum schweig ich. Du hast die Meinungshoheit.

Ich schweig, denn trotz Internet-Suche muss man noch immer nicht alle Infos haben. Die Anzahl der Infos übersteigt die Lebenszeit zum Lesen derer.

Ich bin zu blöde zum Reden. Also habt ihr Recht.

Recht.

Isso

Mit nem Tretboot in Seenot … , sagte wer was von Rettungsboot?

Kaum Platz an Bord. Eng bei eng sitzen die Insassen beieinader. Das Gefährt wirkt improvisiert. Ein Zeuge sagte aus, dass man dort wie eingesperrt sei. Wenn man auf der Wasseroberfläche treiben sollte, käme man trotzdem nicht raus. Ohne Rettung von außen, keine Chance.

Wer mitfahren wollte, musste viel Geld bezahlen, ohne dass damit der Platzverkäufer auch nur einen Hauch einer Haftung übernehmen würde. Wenn was schief laufen sollte, wäre das nicht das Bier des Betreibers des Gefährts. Eigenverantwortung gilt. Gesteuert wird das Boot mit einfachen Mitteln. Mit einer Spielkonsole, sagt man.

Man sorgt sich um die Insassen. Die Zeitungen berichten ununterbrochen. Auf Seite 1. Auf Seite 2 und auf den anderen Seiten. Im Internet auf der Homepage ebenfalls. Mit Fotos von den Passagieren. Werden sie überleben? Schließlich haben sie dafür bezahlt, nicht wahr. Wer mehr wissen will, kann hinter einer Paywall der Zeitungen nach Zahlung eines Monatsbeitrags mehr darüber lesen.

Nebenbei erwähnt: es geht hier nicht um ein Flüchtlingsboot mit vielleicht 500 Menschen. Nein. Es geht um ein Mini-U-Boot mit 5 Menschen. Drei davon dürften wohl über 100.000 Euro bezahlt haben. Einer davon soll wohl einer der reichsten Unternehmer Pakistans, sagt man.

Man habe den Kontakt verloren. Man weiß nicht, wo das U-Boot sich befindet. Leben die Millionäre noch? Man sorgt sich. Sehr. Militärische Suchmittel zum Aufspüren des U-Boots werden eingesetzt. Die Passagiere müssen gerettet werden. Sie haben ja auch so viel für den Tauchgang zur “Titanic” bezahlt.

Statt wie jene letzten Ersoffenen aus Afrika oder aus dem Nahen Osten in dem anderen Tretboot, die ihre paar Hundert Euro fuffzich für ne Überfahrt nach Europa zuvor den Platzverkäufern übergaben …

Man merke sich den Unterschied: bei einer Tauchfahrt zur “Titanic” handelt es sich schließlich um ein Freizeitvergnügen. Man ist auf Freizeit. Und nicht auf der Flucht. Bei einer Flucht besichtigt man auch nichts. Da geht es um die Freiheit in der Freizeit, Schiffswracks zu besichtigen. Nicht ums Überleben. Darum liegt die ganze Energie jetzt auch auf das Überleben der Fünfe.

Energie folgt der Aufmerksamkeit. Energy flows, where attention goes.

Achtung, bitte! Weitergehen! Bitte nicht auf Flüchtende achten. Da gibt es nichts zu sehen. Bitte weitergehen!

“Row Zero”– die ersten, die nie die letzten sein werden

Nachdem von unermüdlich investigativen Boulevard-Journalisten aufgedeckt wurde, dass bei der Musik-Kombo “Rammstein” die erste Reihe der Zuschauer bei deren Musikaufführungen vor der Bühne mit Menschen bestückt wird, die nachher bei den sogenannten After-Show-Partys kostenlos mit Drogen zum Sex angehalten wird, ist das Wort “Row Zero” in aller Munde.

Leider gibt es noch keine gerichtlichen Urteile dazu, so dass die Bürger mit gesundem Menschenverstand, Sitte und Moral aufgefordert werden, ihr eigenes valides Urteil zu bilden. Opfer müssen Genugtuung für deren erlittenes Leid erhalten, wenn sie es denn ob der verabreichten Drogen dieses noch detailliert öffentlich beschreiben können.

So finden sich immer mehr Zeugen, dass “Row Zero” bei öffentlichen Veranstaltungen schon immer bestimmten obskuren Absichten dienten. Auf unserem Aufruf auf Telegramm und Twitter erhielten wir verschiedene Reaktionen. Wir sprachen mit Heiner P. aus D., der uns mit stockender Stimme seine Erlebnisse mit “Row Zero” erzählte:

Es war anfangs immer so ein Wettkampf unter uns Jungs, wer in die erste Reihe kam. Wir hatten uns deswegen hin und wieder auch schon geschubst dafür. Aber  ich weiß noch, dass meine Eltern stolz auf mich waren, dass ich in der ersten Reihe war. Und der Pastor vor uns hatte immer so freundlich uns, insbesondere mich angelächelt. Wir wurden danach immer eingeladen. In die Sakristei. Dort hat mir seine Weine gezeigt. Oder in seine Gesprächskreise. Mit Themen wie warum Kinder so rein seien oder so. Jedes Mal rückte er mir immer näher, berührte mich an bestimmten Körperstellen und meinte, ich wäre ein reines Geschöpf Gottes. Ich wollte dann nicht mehr in die erste Reihe, ich weigerte mich. Trotz meiner Eltern. Die fanden das gar nicht gut und schimpften mich “nichtsnutziger Rebell” oder so. Zur Strafe haben meine Eltern mich auf ein Internat geschickt, wo der Pastor auch Abends oder des Nachts unterrichtete und dort musste ich immer in die erste Reihe. Und immer danach …

Heiner P.’s brach dann seine Schilderungen im Interview ab. Allerdings schickte uns der Rechtsanwalt von Pastor F. die Androhung einer einstweiligen Verfügung, weil es kein rechtskräftiges Urteil gäbe und Pastor F. ein angesehener Mann in der Kirche und den christlichen Staatskreisen wäre.

Daher machen wir an dieser Stelle aufmerksam, dass es sich hier um unbewiesene Erzählungen aus den Erinnerungen von Kindern handelt. Einer Vorverurteilung darf damit kein Vorschub geleistet werden. Es gilt die Unschuldsvermutung, auch wenn die Schilderungen gar grauslich garstig sind und uns den Schauer überm Rücken jagen.

Trotz solchen Androhungen haben wir weiter geforscht und auch andere Menschen zum Thema “Row Zero” befragt. Wir wollen lediglich ein objektives Meinungsbild. Das hat mit Vorverurteilung nich im Geringsten zu tun. Wir trafen Andrea T. aus M. und sie erzählte uns bereitwillig von ihren “Row Zero”-Erfahrungen:

Ich finde das “Row Zero”-System voll in Ordnung. Hier im Bundesland geht es ja jetzt voll ab. Jedes Wochenende gibt es Wahlveranstaltungen der CSU, FDP und Freie Wähler. Wenn du dann über Twitter oder Telegram für “Row Zero” ausgewählt wirst, dann gibt es Freibier und hin und wieder auch nen Schmalzler oder ne Linie. Und die After-Show-Partys von denen in den Clubs sind auch nicht von schlechten Eltern. So viel gratis, was man normalerweise nur über Umwege erhält. Und man lernt die Wichtigen einer Partei kennen, erhält Connections, um beruflich voran zu kommen. Vor zwei Jahren erhielt ich so den Draht, um an die bayrische Staatsregierung Masken zu verkaufen. Die klassische win-win-Sache, nicht wahr, ich konnte auf den Malediven urlauben und die anderen hatten dafür einen Schutz im Gesicht. Allerdings, neuerdings, nach den letzten vier “Row Zero”-Veranstaltungen erinnere ich mich kaum noch, was nach den Veranstaltungen passierte. Und ich hatte Schrammen und Flecke an Armen und Beinen und auf meinem Dirndl. Vielleicht hatte ich zuviel Bier getrunken und mir waren wohl Bierkrüge darauf gefallen. Ich bin ja recht zierlich, nicht wahr. Am Wochenende bin ich wieder in eine Bierzelt-“Row Zero” geladen und dann soll es nachher in einen Club gehen. Ich find “Row Zero” okay. Mir dient es der politischen Bildung, das hat Niveau. Man sollte nicht alles schlecht reden, vor allem nicht bei bayrischer Kultur. Allerdings war ich mal auf einer Bierzeltveranstaltung von den Parteien, die ich vorhin nicht nannte und wurde in deren “Row Zero” eingeladen. Katastrophe. Ich möchte mich nicht dran erinnern, was dort abging. Sie erdreisteten sich, Drogen abzugeben, also uns Freibier und Schmalzler anzubieten. Wir wissen ja bereits, dass jene Lauterbach-Fanboys eine seltsame Vorstellung von Drogen haben, aber was da umsonst uns angeboten wurde, …

Andrea T. stockte in ihrer Erzählung und ihr entsetzter Gesichtsausdruck lies uns den Rest dieser schlimmen “Row Zero”-Erfahrung erahnen. Und danach konnten wir das System “Row Zero” live miterleben: Andrea T. erhielt für eine ihrer Anfragen bei einer CSU-Club-Veranstaltung ein Herzchen, die Reservierungsbestätigung für einen VIP-Platz direkt vor der Bühne und die Aufforderung, sich nachher mit ihrer jüngeren Schwester unbedingt backstage bei Marco S. persönlich zu melden.

Peter S., Basketballspieler aus F. am Main, konnte uns von gar ganz schlechten “Row Zero”-Erfahrungen erzählen.

Wenn ich in “Row Zero” stand, kam garantiert immer einer, der mir auf die Schulter tippte und meinte, ich solle den Kleineren Vortritt lassen, damit die auch etwas sehen könnte. Nur weil ich Zweizehn groß bin. Wenn ich nicht wollte, dann riefen die die Security, die mich der “Row Zero” verwiesen. So landete ich dann nachher immer in Reihe vier bis fünf. Bei Helene Fischer sogar in Reihe zwölf. Sauerei. Kann ich was dafür, dass ich so groß bin? Das ist doch Diskriminierung. Ich würde sogar behaupten, Rassismus uns Großen gegenüber. Nur einmal, bei einer Party mit Live-Gesangseinlage-Act von einem Glööckler, da durfte ich in “Row Zero” bleiben. Ich erfuhr erst danach, dass es wohl eine Schwulenparty war. Das war so … erniedrigend … so …

Auch Peter S.konnte seine “Row Zero”-Erfahrungen nicht weiter ausführen, weil seine Stimme stockte und er fassungslos den Kopf schüttelte.

Sieglinde D. aus doppel D. dagegen schrieb uns:

Row Zero? Fand ich geil. Früher konnte ich dann immer mit einen von denen von der Bühne vögeln. Super war’s. David Bauwie, Michael Jäger, Börth Kontrol, Die Härzte, Nana, Pater Lebbich, einfach geile Shows. Heute bin ich nicht mehr so aktiv, aber Row Zero hat mir schon viel Befriedigung gebracht. Außer einmal, bei einem Heino Nachmittagskonzert um ein Uhr mittags, im Münchner Olympiastadion, scheisse war’s, möcht’ ich nicht dran denken, da war Row Zero echt kacke, da wollten zwei von der Securities nen Dreier mit vier anderen Groupies innerhalb von fünf Minuten … also Sex vor Sieben, unter mein Niveau … shocking! …

Wir befragten noch Dutzende “Row Zero”-Opfer. Manche wie im Falle Heiner P., andere wie Andrea T., und immer wieder stießen wir auf das Phänomen, dass jene Opfer indirekt oder direkt das “Row Zero”-System nie in Frage stellten und danach drunter litten.

Es scheint wohl eindeutig, dass die “Row Zero” mit Realitätsverlust einhergeht, weil es ein selten gewährtes Privileg zu sein scheint, im exklusiven Club der “Row Zero”-Leute sich zu befinden. Unsere Schlussfolgerung ist daher, bei jeder Veranstaltung “Row Zero”, also die erste Reihe, zu verbieten, um das Wohl unserer Kinder sicher zu stellen. Hierbei sollte man immer ortsbezogen vorgehen. Also von der Security immer die erste Reihe aus dem Zelt oder Veranstaltungsort sicher hinausleiten. Das wird dann zwar dazu führen, dass nach kurzer Zeit, immer wenn die erste Reihe safe eliminiert wurde, der Veranstaltungsort leer ist, aber dann ist die Sicherheit von unseren Mädchen und Buben gesichert.

Wir, die Redaktion der bayrischen Vertretung für Anstand und Moral plädieren, dass dies zuerst einmal bei den nicht sittlich gefestigten Gruppierungen bis zum 3. Oktober durchgeführt wird. Damit ist der Fokus auf Gruppierungen gelegt, die keinerlei Bezug zu christlichen Werten haben. Also eindeutig identifizierbar, durch fehlende Namensgebung, fehlende Koalitionen, keine Sympathiekundgebung oder keine familiäre Bindungen zu unseren christlich-sozialen Grundwerten in Bayern.

Bei den Gruppierungen der SPD, den Grünen und den Linken und deren Bierzeltveranstaltungen sollte man sehr aufmerksam hinschauen, dass unsere Buben und Mädchen nicht Opfer eines “Row Zero”-Systems werden.

Denn wie unsere christliche Bibel schon sagt: “Die ersten werden immer die letzten sein” und wir in Bayern, wir werden entsprechend dafür sorgen, dass die Ersten ganz, ganz schnell und zügig die Letzten sein werden. Wir in Bayern haben schon mit den Klimaklebern in den ersten Reihen, also den “Row Zero”-Klimaklebern, mittels unseres Polizeiaufgabengesetzes begonnen. Generell sollte jede erste Reihe nicht erlaubt sein, erst recht keine nullte. Zum Schutze unserer Kinder! Und Kindes Kinder. Ja, wir sind eindeutig gegen Verbote und sind niemals eine Verbotspartei, aber so etwas wie “Row Zero” darf auch nicht erlaubt sein.

Und nach der Bayernwahl: Schaun mer mal. Schaun mer mal weiter, gell, ob wir das alles unter Kontrolle bekommen haben.

Denn: Wehret den Anfängen!

gez. Christlich-Bayrische Vereinigung für Anstand, Sitte, Moral und Liberalitas Bavariae

Von Wölfen, Bären, Schafen und Fellen

Wolfspelze sind momentan im Angebot. In XL, in XXL und in 3XL. Totschick. Kombinierbar mit dem neusten, veganen Patchwork Velours-Trainingsanzug aus dem Highend-Labelstore der geheimen Seitenstraße in der Landeshauptstadt. Ausschließlich für Insider, die wissen, was ihnen steht. Für die größeren Größen ab 4XL gibt es Bärenfelle. Ebenfalls wie die Wolfspelze sind diese frisch erlegt, gestriegelt und vorher mit Trichloraldehydbibenzol-haltiger und Vitamin P302 angereicherter Tensid-Lauge gewaschen. Damit diese fies müffelnden Pulverrückstände der Schrottkugelgewehre verschwinden. Vom Material und von der Haptik, da tun sich die beiden Pelze nichts.

Nur zum Verständnis bei den Bärenfellen: Wer eine Körperfülle ausweisen kann, welche die Kleidergröße 4XL erfordert, nur solch eine Person ist für Bärenfelle tauglich und zum Tragen derselben auserlesen.

Denn im Gegensatz zur potenziellen Expansion der Leibeskörperumfangfülle eines Menschen vergrößert sich gleichzeitig nicht auch damit die Ohren an dem Kopf des Bärenfelltragenden. Ohren überschreiten eine gewisse Größe nie, so dass, wenn jemand einem Bärenfellträger auf offener Straße das Fell über die Ohren zieht, dieser Person nicht auch die Ohren abgerissen werden.

Gerade eben drum, weil viele Mitmenschen Ohrenschmuck tragen und sie beim Verlust eines Bärenfells nicht wollen, auch noch dafür bluten zu müssen, ist es wichtig, diese 4XL-Mindestgrößenregel zu beachten. Wolfpelztragende müssen beim Fellabziehen solch ein Risiko in Kauf nehmen. Sie sind also gewissermaßen “Bärenfelle light”-Träger, also eine Spezies der Bulimie-Erkrankten mit Modebewusstsein.

Ob Wolfspelze oder Bärenfelle, eines ist beiden gemein: sie schmücken den Träger und sie verhüllen jedes Schaf.

Richtig. Verhüllen jedes Schaf.

Niemand will mehr Schafe. Oder Schaf sein. Denn das Schaf an sich hat in den letzten Jahren erheblich an Popularität verloren und ist nicht gern gelitten. Das hatte bereits mit der Pandemie und seinen Pandemiegegnern beim Schlafen mit Schafen begonnen. Schlafen mit Schafen? Ja, deren Motto war ganz Woody Allen-mäßig: ”Wie du mi’, so do mi’.” Drum mag jetzt auch keiner Schafe mehr.

Wer heutzutage in einer Dönerbude „Döner mit schaf” bestellt, kriegt die gleichen verachtenden Blicke wie diejenige Person, die in Düsseldorf ein Kölsch mit Weißwurstsenf als Dressing bestellt. Selbst die Schnellsprechversion „Döner schaf” in der Dönerbude macht es nicht besser. Erst recht nicht ein joviales „Döner määäh”. So etwas provoziert maximal angehende Kleingärtenpächter zu der bedenklichen Kalauer-Antwort: »Mäh’ doch selber.«

Denn es gilt der Sinnspruch: wer das „r” nicht ehrt, ist der Schärfe eines Döners nicht wert und wirkt zweitens wie ein dummes Schaf der deutschen „r“-Landschaft. Wer das „r“ nicht beherrscht, beherrscht auch nicht das dominante Wort „richtig“, sondern hat sich verlegen mit dem unterwürfigen Wort „genau“ auszuhelfen. Die „r”-Verwender können somit als die würdigen Bärenfellträger eingeordnet werden. Und die Wolfspelzverwutzer als eher als getarnte submissive „genau”-Sager.

Allen beiden ist allerdings mithin gemein, dass sie zutiefst in ihrem Innern lediglich Schäfchen sind. Zwar lieben sie scharfe Sachen. Zum Beispiel Frauen mit Leopardenfellhüte in Leopardenfelltangas auf Leopard-Panzer. Oder zum Beispiel Männer mit Leopardenfellhüte in Leopardenfelltangas auf Leopard-Panzer. Aber das war es fast schon.

Fast. Bis auf eine Eigenart: Menschen, die wiederkäuend wie Schäfchen auf Chillies starren. Dann beißen jene todesmutig die Zähne zusammen und hauen sich die Chillies freiwillig in die Ladeluke, wie andere sich ihr Popcorn im Kino einschmeißen. Die schmalen roten Chillies. Oder die dicken kurzen. Oder die mittleren langen. Hauptsache rot und scharf.

Hauptsache Chillies. In Todesverachtung essend. Danach unter rinnenden Schweiß und laufenden Tränen sich dem Ritual der Schnappatmung und des Schluckaufs ergebend. Und zu guter Letzt, wie springende Offiziere von Luftlandetruppen dazu auf und ab gehend. Wie sagte bereits Gert Fröbe als ‘Oberst von Holstein’ im Film „Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten“?

»Es gibt nichts, was ein deutscher Offizier nicht kann!«

Also, Leute, kauft Wolfs- und Bärenpelze. Freilich vorzugsweise Bärenpelze. Und vorzugsweise für Männer der Zielgruppe von 23 bis 43 Jahren. Denn dazu passt immer ein passender Kinn- und Backenbart mit frisch rasiertem Schafsschädel. Frauen in diesem Zielgruppenalter können sich ja Leopardenfellhüte besorgen. Sieht auch ganz schmuck aus.

Alle anderen Gruppen von Menschen, die in diesen beiden Gruppen der 23- bis 43-Jährigen nicht reinpassen, die sind eh lost. Die sind dumme Schafe halt, welche in Döner-Läden dumme Schaf-Witze machen und immer »genau« sagen. Die Generation der gutturalen Laute, die lieber wie Tauben auf Dächern sitzen, statt wie ein Spatz in einer Hand.

Diese „g“-Gurru’s murmeln vorzugsweise leise stündlich ihr Mantra »Sich rää-gen, bringg-t sää-gen«, als sich täglich laut im Bärenfell als richtige Retter des „r“s zu präsentieren. Mit ihren Glaubenssatz zum Schutze ihrer Gewissheit schreien sie stumm die Bärenfell- und Wolfspelzträger an:

»Leggt mich am Ge-säß, ihre Schafe! Denn es kommt der Ta-ag, da will die Sää-ge sää-gen.«

Tja. Und mehr ist dann nicht mehr.

Demnächst sind übrigens wieder Zwergpygmäenpinscher zum Schafe-Hüten gefragt. Deckt euch mit diesen lieber heute schon mal für morgen ein.

Deren traurig überzüchteter Hundeblick ist einmalig. Da gehen sogar Wölfe und Bären freiwillig auf die Knie, vor Rührung weich gespült. Schäfchenweich …

Zu Ostern, die Unvollendete …

»Ein Ei! Ein Ei! Ein Ei!«

Lang ist’s her. Wenn mein Vater die Eier, Osternester, Osterhasen und Zusatzgeschenke im Garten versteckte, dann mussten wir ins »Beste Zimmer«, in welchem die Rollladen heruntergelassen waren. Die Anzahl der gefärbten Eier waren die einzige bekannte Konstante beim Suchen. Denn am Vortag hatten wir die Eier gefärbt. Wir? Eigentlich nur ich, unter Obacht meiner Mutter. Weil mein Bruder das als Kinderarbeit ansah und er doch schon so erwachsen war.

Und Eier, die wollte er eigentlich nicht suchen, das überließ er im Garten mir. Aber eigentlich doch nicht. Denn uneigentlich fand er immer exakt die Hälfte plus eins. Generell von allem immer die Hälfte plus eins. Und nachher verkündete er am Mittagstisch triumphierend, er habe mehr als ich gefunden, um mich dann mit einem abgrundtief verachtenden Blick zu strafen. Daher war es ihm auch immer wichtig, en passant das spezielle Geschenk meiner Eltern an mich zu finden: »Hey, hier ist deins. Ich hab’s grad gefunden. Vielleicht kannst du den Mist gebrauchen.«

Osterfeste kamen und gingen. Viele sind nicht mehr speziell in meiner Erinnerung. Außer jenes Osterfest, als Schnee lag. Mein Vater verlagerte das Ganze ins Haus. Weil Spuren im Schnee alles verraten hätten. Wir mussten auf unsere Zimmer warten. Die Sucherei erfolgte im Haus. Im Besten Zimmer und in der Küche und im Flur. Das letzte Ei fand mein Bruder. Abends. Er hatte sich drauf gesetzt. Es war aus Schokolade und schmolz dahin, als er es ohne zu wissen ausbrütete. Von hinten sah er aus, als ob er …

Klar, er gab mir die Schuld. Weil ich darüber gelacht hatte. Und wer lacht, ist Schuld. Mein Vater hatte auch gelacht, aber mein Bruder war körperlich noch nicht stark genug und ich war der Schwächste. Er meinte, ich hätte es absichtlich dort versteckt, dort, wo er immer doch saß, um fernzusehen. Dort versteckt, damit er danach aussehen sollte, als ob er sich in die Hose gekackt hätte.

Die Schuld hatte ich freilich abzuzahlen: so wie er es zwischenzeitlich in der Schule von seinen Klassenkameraden gelernt hatte, schlug er mir zur Strafe mehrfach hart auf den Oberarm. Aber erst, als er sich sicher war, dass meine Eltern es nicht sahen. Faustschläge auf den Oberarm schmerzen nachhaltig. Das hatte er in einem Gymnasial-Kurs gelernt. Ein Kurs, der in den großen Pausen auf dem Pausenhof unter den Schülern selber unterrichtet wurde. Kursinhalt: »Wie werde ich bei meinem Geschwistern zum Alpha«. Passender Inhalt für eine christlich humanistischen orientierte Schule …

Eier. Hauptsache Eier. Und irgendwann war dann auch dieser Such-Spaß zu Ostern vorbei. Es wurde nicht mehr gesucht. Weil Bruder mit Kinderkram nichts mehr zu tun haben wollte. Selbst in seiner Klasse mache das eh niemand mehr. Vox populi, vox Rindvieh. Wie in der Schule gelernt, so zu Hause umgesetzt. Zudem fände er bekanntlich doch immer alles, ich hätte mir noch nie Mühe gegeben, überhaupt etwas zu finden.

Abends war es Tradition noch zum Osterfeuer im Dorf zu gehen. Osterfeuer war cool. Auch für ihn. Es war kalt, das Feuer heiß und es knisterte und krachte so schön. Der Rauch dazu kam nebenbei nicht aus dem Weihrauchfässchen vom Priester, der es beim Entzünden segnete, sondern von den Reifen unterm Holz. Gummi brennt halt andauernd und macht schön Rauch. Und weil der Priester den Haufen Reisig-Holz-Papier-Reifen-Sprit geweiht hatte, konnte jener Rauch – als ihn Fackeln in Brand steckten – ohne Probleme als Weihrauch gelten.

Der Herr hat’s gegeben, also Reisig, Holz, Papier, Reifen und Sprit (in Form von steuerlich vergünstigtem Landwirtschaftsdiesel), der Herr hat’s genommen, der Name des Herrn sei gepriesen. Daher soll er auch mit den Konsequenzen leben, dass Reifen rauchen. Ansonsten kann er dorthin gehen, wo der Pfeffer wächst. Also nach Südindien. Da, wo es so heiß ist, dass es keine Sau ertragen kann, auch noch durch eines der Dörfer dort getrieben zu werden. Genau. So heiß wie in der Hölle. Wo der Pfeffer wächst. Also zum Beelzebub. den Herr der Fliegen, dem Satanas, jenem gefallenen Engel, dem Luzifer. Dahin könnt er sich verziehen, also jener Herr, wenn es ihm nicht passe.

Heute sind alle aufgeklärter und es wird über jene Vorstellung eines Beelzebub oder Satans nur mitleidig gegrinst. Der Teufel ist was für Anfänger und andere Milchbubis. Heute hasst man aufgeklärter. Man weiß, dass die gefallenen Engel sich re-inkarnierten, und zwar in jene Klimakleber, jene Klimaerklärbären, jene Grünen. Jeder weiß, dass kein gewisser ‘Lucifer’ der Hölle vorsteht, sondern man ist aufgeklärt: Klimaprotestler – jawohl – die sind die Vorsteher der Hölle. Das weiß inzwischen auch mein Bruder. Als Grüner gefällt ihm dieser Gedanke zwar ganz und gar nicht. Also wurde er wieder praktizierender Christ und erklärt, dass das Böse personifiziert als Antichrist an allem Schuld ist. Und die Inder in Südindien. Weil, die könnten auch mal CO2 reduzieren, statt den Untergang der Welt zusammen mit den Nordindern, China, USA und Europa heraufzubeschwören. Oder so. Naja, fast so ähnlich.

»Ein Ei! Ein Ei! Ein Ei!«

Vielleicht wäre der Satz irgendwann mal aus meinen Gedanken verschwunden. Aber da war jene Frau am Ostermorgen mit ihren Lippenstift in meinem Bett. Als sie putzmunter aufwachte und gleich wieder auf 180 war.

Aber das ist ne andere Geschichte.

Eine Geschichte von Lust, Laster und Lachen. Nicht wie diese hier. Jene würde ich gerne erzählen. Genau so ausgiebig, wie die Geschichte über das Vollei, welches mein Bruder ist. Nur ist jene Geschichte nicht jugendfrei. Also lass ich’s. Lediglich eine rein technische Bemerkung noch: nicht jeder Lippenstift geht gleich beim ersten Waschen aus Bettwäsche raus und manche sind auch beim Duschen noch der Seife gegenüber resistent…

Inzwischen bin ich älter. Ich krame in österlichen Erinnerungen. Gedanken über Eier, Osternester, Osterhasen und andere süße Dinge.

Tja. Früher war mehr Lametta.

Geht doch gen Sommerzeit, ihr Mainstreamlappen, ihr!

Mainstream. Mainstream ist das letzte. Mainstream kann jeder. Der Mainstream hatte es, dass früher alle ein schlechtes Gewissen hatten, hatten sie von “James of Phones” eine Folge verpasst. Oder erfolgreich subversive Comedians frequentiert hatten. Oder bei der Serie über die Zukunft “Jean luggt Bicard” feststellen, dass ein Protagonist Kunststoff-Trinkhalme in ach-so-lustige Brezn verbiegt, während hier der Mainstream Kunststoff-Trinkhalme für Natur-gefährdend erachtet.

Mainstream. Mainstream ist das aller letzte. Wer den Mainstream folgt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren. Hatte bereits Karl Lagerfeld richtigerweise ausgesprochen. Nur, er machte es dem Menschen-Mainstream gleich und starb. Immer der Mehrheit hinterher laufend. Also diesmal sterben. Früher hieß es noch “Who wants to live forever”, gesungen von der Mainstream-Band der “Queenies” in nem Film, der wo es nur einen zu leben und zu sterben gab.

Mainstream. Pah. Mainstream. Besser kann man das Verachtenswerte dieser Gesellschaft nicht beschreiben. Mainstream ist was für Lappen. Für Loser! Genau. Also jene, die das Wort mit einem “o” schreiben, während der Mainstream das Doppel-“o” bevorzugt. Oder Standard mit “t” am Schluss. Weil es Mainstream ist.

Und dann die ganzen hippen Overachiever. Die immer besser sein wollen, wie alle anderen. So wie wir es aus den Fortsetzungen von Hollywood-Filmen wie “Rocky und seinem Creed” oder in “Jurrasics Dark” oder “In Diana Bones” so kennen. Da taucht der alte, seit langem etablierte Held auf, macht auf gewitzt routiniert und dann kommt so ein junger cool-hipper Overachiever auf und – batsch, klatsch, bumm – schon sieht der alte Held ganz schön alt aus.

Diese Overachiever, die uns alte Helden der Arbeit aus unsere Jobs drängeln, weil sie noch keine “4” oder “5” vor deren Altersangabe nachweisen können, die sind der Mainstream pur. Die für weniger Arbeitszeit mehr verdienen wollen, weil sie meinen, sie hätten das moderne Wissen und wären nicht nur effektiver, sondern gleichzeitig auch noch effizienter. Pah! Effizienz für’n Arsch! Mainstream war noch nie effizient. Geschweige denn effektiv.

Ich wette, all diese ach-so-hippen Overachiever stehen ab nächsten Sonntag (spätestens am Montag) immer eine Stunde früher auf, weil sie mit dem Mainstream gehen. Das nennt man dann verschleiernd: “Sommerzeit”. Damit keiner merkt, wie hipp und Mainstream die alle so sind.

Aber nicht mit mir. Ich bin nicht so wie der Mainstream. Ich werde demonstrativ eine Stunde später aufstehen. Ich lass mir doch nicht vom Mainstream diktieren, dass ich wegen einer sogenannten Pseudo-Zeitumstellung eine Stunde früher aufstehe. Den Ausgeschlafenen dieses Globus gehört die Welt. Nur wer ausgeschlafen anpackt, kann was erreichen. Die im Bett Liegenden dieser Welt haben noch nie einen Krieg angefangen. Das machen nur die Bettflüchtlinge, die auf Stress stehen und blind Leistung fordern. Der Mainstream eben.

Auch wenn es der Mainstream nicht wahrhaben will, dass das so ist, was Fakt ist. Und ich bin nicht alleine damit. Da gibt es über ein Dutzend Millionen hier, die das gleiche wie ich denken und dem Mainstream regelmäßig in die Suppe spucken. Wir sind keine vom Mainstream wegzudiskutierende Minderheit. Wir sind die Mehrheit. Drum fordere ich als deren Vertreter den Mainstream auf: Schafft die Sommerzeit ab! Gebt den Ausgeschlafenen das zurück, was uns in unserem Leben durch euch Mainstreamern geraubt wird:

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p align=“center“>Zeit!

Mainstream. Mainstream ist das letzte. Mit der Meinung bin ich nicht allein. Denn das sagt die Mehrheit: Mainstream ist das letzte. Und jetzt nehme ich mir die Zeit und drehe mich deswegen im Bett nochmal rum. Mainstream am Arsch.