Aus einem nie stattgefundenen Telefongespräch

– Guten Tag, ich bin der Sohn des alten Mannes, dem Sie über die Straße helfen wollten.

  • Sie sind wer?

– Sie wollten meinen Vater über der Straße helfen. Jenem Mann mit dem Rollator.

  • Das war ihr Vater?

– Ja.

  • Und sie wollen sich bedanken?

– Ich finde ihre Hilfsbereitschaft bemerkenswert und so etwas hat Wertschätzung verdient. Es gibt so wenig Liebe und Verständnis in dieser Welt und ihre Tat sollte gewertschätzt werden. Deswegen rufe ich an.

  • Wertschätzung?

– Ja.

  • Ihr Vater hat mich geschlagen.

– Er nannte es … Weiterlesen

Die Nacht ohne Morgen, am Tag ohne Sorgen

In leuchtendem Weiß stand Michazrael neben dem in weiß leuchtenden Gaphrael. Von hinten schien die lodernde Gestalt Mattatron, dessen Feuer alles überstrahlt.

Michazrael: Oh Gott, da kommt wieder der Angeber mit einem neuzeitlichen Doppelklingen-Lichtschwert.

Mattatron: Das habe ich gehört! Du sollst nicht nehmen des Herrn und Gebieters abwertenden Menschenbezeichnung in deinem Mund.

Gaphrael: Komm, Mattatron, mach dich mal locker und atme mal durch die Hose.

Mattatron: Hose? Was ist das? Kannst du nicht sehen? Mein goldenes Gewand ist keine stupide Hose. Weiterlesen

Vogel hin, Vogel her

Hallo Welt,

heute ist der 5. Januar im Jahre unseres Längengrades, auf den sich jeder Papst von 2022 berufen wird. Der Tag ohne Bedeutung. Der Tag vor dem Tag mit Bedeutung, Vor den Drei-König-Tag-Treffens auf dieser Welt, wo immer sich auch drei Könige auf einem Kreuzungsmittelpunkt mit zweihundert Sachen treffen mögen.

Und nicht nur das schale Witze kann jeder. Nur, heute ist der Welttag des Vogels. Der 5. Januar 2022.

Hallo! Vogel!

Tag des Vogels!

Nicht Vögel! Menno.

Vögeln kann jeder feiern, aber Vögel feiern, das können nicht viele. Denn wer hat schon einen Hansi, einen Peterle oder einen Kuki bei sich auf dem Beistelltisch vorm eigenen Gelsenkirch’ner Nieren-Wohnzimmertisch aus den 70er-Jahren? Geldenkirchner Barok? Kennt das noch wer, ausser Herr Tegtmeier von nebenan hier in München?

Na?

Na?

Na?

Richtig. Einen Vogel haben viele. Aber auf einem Beistelltisch neben dem Wohnzimmertisch im geräuschisolierten ‘Besten Zimmer’, isoliert von den beiden Scotish-Fold-Hauskatze und den domestizierten ‘Fliegenden Piranha-Fischleins’ aus klandestiner Polenzucht und unverhohlener ‘Rettet Dörrie’-Haltung der Disney-Neuzeit, das muss man mal erst mal haben können.

Würden diese Heimvögel nicht immer so einen Krach machen, aber mal ehrlich, dann dürften die auch mehr in den Lebensmittelpunkt rücken. Man kann schließlich von den eigenen Kindern nicht dauernd erwarten, dass diese sich während derer Playstation-Sessions und den TicToc-Videoaufnahmen auch noch um solche Nerverle wie Peterle, Hansi, Pupsi, Kuki und Kekerle kümmern. Die stören den eigenen Hauskinder-Spielenden doch nur, wenn jene lauschen müssen, von wo der böse Feind anschleicht, um jenen mit der Effizienz-modifizierten AK47 gerechterweise niederzumähen. Feind ist Feind. Der gehört niedergemetzelt. Ein Hoch auf das Schwarz-Weiß-Denken in Zeiten von 6k-HDR-Plus.

Und vergesst nicht niemals nicht: zum 24. Dezember wurde bereits ne fette dicke Gans verspeist. Nein, nicht die unerträgliche Nachbarin oder die Frau vom Controlling, welche wieder die Solo-Spesen vom Drei-Sterne-Restaurant gestrichen hatte.

Die eigenen Haustiervögel könnten in Relation uns dazu mal etwas dankbarer sein. Weil zum ersten wurden jene beim weihnachtlichen Gansvogel-Verzehr in Sichtweite des Essentisches platziert. Das nennt sich artgerechte Haltung bei uns Menschen. Und zweitens wurden jene Haustiervögel nicht bereits um 17:59 mit dem Küchenhandtuch abgedeckt.

Dankbarkeit darf nicht heißen, dem Herrchen, Frauchen oder Kindchen am Essenstisch demonstrativ den Vogel zu zeigen. Dankbarkeit muss heißen, das gewünschte Lied fehlerfrei und in UHD-HiFi-Qualität vor zu flöten. Ohne nervend zu werden. Welcher Vogel es trotzdem wagt … ab in die Abstellkammer! Wir können auch anders! Nennt uns nur nicht unmenschlich. Schließlich können wir dann auch anders: menschlich halt.

Heute ist Tag des Vogels. Internationaler, welcher einer. Vogeltag.

Lasst uns diesen Vögeln gedenken, wenn die mal wieder unseren Autos die verkehrsrechtliche Vorfahrt nehmen und dann auch noch mit deren Kadaver-Überresten unsere Straßen verschmutzen. Wenn diese zum wiederholten Male rücksichtloserweise Fliegzeuge zur Notlandung zwingen, was dann in den Meldungen mit “Vogelschlag” verzeichnet wird. Oder wenn der aktuelle amerikanische Truthahn-Präsident dieses Jahr wieder einen mitregierten Truthahn von der Truthahn-Bratröhre begnadigt. Das ist Vogel-Gedenken.

Tag des Vogels.

Ach, Leute. Wisst ihr was? Das ist mir total wumpe.

Vogel hin, Vogel her. Wenn mir so ein Vogel im Verkehr in die Quere kommt, kriegt der die Hupe meines E-Smarts. Ansonsten brettere ich den nieder. Quid pro quo. Genug Newtonmeter hat mein neuer umweltfreundlicher E-Smart dafür auf alle Fälle. Und Gewicht auch noch. Tschüssikowski, du für mein mobil-flexibles Fortbewegungsbedürfnis contra inempathisches Naturflugwesen.

Das Rad des Lebens. Es kommt immer drauf an, auf welcher Seite so ein anderer Vogel sich halt mal befindet. Vorm Rad und somit gleich auch unterm Rad. Oder auf dem Steuerungssitz des Fahrzeugs, welches der Lenker vom Rad ist. Gelernt ist gelernt. Mit Ausbildungszertifikat.

Heute ist Tag des Vogels. Hat wer da etwas dagegen? Menno! Dann geh halt vögeln, du unsensible Vogel-Sau!

Coming home for X-Mas (4)

Geliebte Geliebte,

Die Weihnachtsfeiertage sind vorbei. Meine Zeit hier neigt sich dem Ende zu. Ich war bei dir am Grab. Das Eichenlaub dieses Herbstes lag noch drauf rum. Drei Kerzen vom Allerseelentag und das dazugehörige Allerseelengesteck.

Erinnerst du dich noch an die Allerheiligentage auf dem Friedhof? Überall rote Grablichter glimmten auf den Grabfeldern. Und dann die Blicke und Getuschel der Friedhofsbesucher: “Schau mal, der hat ne ganz schmucke Grabkerze.” “Guck mal, der Schulze mal wieder, lebt in Saus und Braus aber nur ein mickriges Kerzchen und das dürre Gesteck. Wenn das sein Vater sehen würde, der würde im Grab rotieren.” “Ist das nicht die Neunbeck? Dass die sich mal hier wieder auf dem Friedhof sehen lässt, unglaublich. Und dann der protzige Grabschmuck. Schämen sollte die sich.” “Hab ich dir nicht gesagt, wir hätten den größeren Kranz nehmen sollen? Die Poltes haben auch einen ganz Großen gekauft! Dabei nagen die doch am Hungertuch!” “Warum hast du die Streichhölzer vergessen? Wie sollen wir denn nur die Kerzen jetzt anmachen?”

Erinnerst du dich noch an das Grab des Chinesen? Der hatte keine Kerze auf das grab seiner Frau gestellt, lediglich eine Schale Reis. “Hey, Chinamann, glaubste, deine Frau kommt raus, um deinen Reis zu essen? Wann soll denn das passieren?” “Zu dem gleichen Zeitpunkt, wenn deine Eltern aus dem Grab kommen, um sich deren Hände an euren Kerzen zu erwärmen.”

Zwei Grabkerzen habe ich im Dorf gekauft. Eine soll sechs Tage brennen, die andere drei. Ich hoffe, das 6-Tages-Licht schafft es bis Neujahr. Ich erinnere mich noch, als du in unserer Schule aus dem Klassenzimmerfenster geklettert warst, aufs Fenstersims, zwei Klassenkameraden haben dich dort wieder gewaltsam runtergezogen. Zuvor hatte noch einer aus meinem Dorf das lakonische “Spring doch” lachend gerufen. Es war eine 5-köpfige Gruppe aus meinem Dorf, welche den Rest der Klasse perfekt unter ihre Kontrolle hatte. Zwei waren deren Soldaten. Sie waren gewissermaßen die gewalttätige Exekutive, sie schlug zu, wenn sie es für notwendig erachteten. Einer war der Beifallklatscher und wortgewandte Befürworter, was die anderen beiden als intellektuelle Köpfe diese 5er-Gruppe waren. Diese beiden gaben die Anweisungen und die Richtung derer Pöbeleien vor. Heute bezeichnet man das als klassisches Mobbing, damals war es noch Seitens der Lehrerschaft ein vermintes Feld. Denn drei dieser Fünfer-Gruppe, waren Söhne von Lehrern, Schulleitern und Politikern. Lief etwas nicht richtig für deren Zöglinge, dann wurde den Lehrern die Konsequenz derer Überlegungen direkt vor Augen geführt. Die Eltern von zwei der Fünfer-Gang waren wirtschaftlich sehr gut verzweigt und angesehen. Wer einen Rabatt wollte, kam um diese nie herum. Und wer woanders kaufte, einer solchen Familie schossen die Eltern mit Gerüchten vor dem Bug. Es hört sich kurios an, nur vor vierzig Jahren war so eine Konstellation ein wohlbehütetes Nest für deren verkommene Brut. Du wurdest vom Fenstersims gezogen, aber dein Leben war nachhaltig ruiniert. Du warst immer nur der Spielball anderer Interessen, du konntest keinen Widerstand in dir gegen solche Halunken aufbauen. Daran bist du letztendlich gestorben.

Ich weiß inzwischen, wie sich die 5er-Gruppe weiterentwickelt hatte. Der eine Intellektuelle gründete beim vorletzten NRW-Landtagswahlkampf eine eigene Partei, weil er Recht und Ordnung und Tugenden bei den anderen nicht mehr erkennen konnte. Danach löste er seine Partei auf und trag einer Rechtsextremen bei, in der als Polizist für seine Ideen sich einsetzte. Der andere wurde mit Hilfe seines Vaters Bankdirektor und wurde inzwischen mit Cum-Ex-Geschäften in Verbindung gebracht. In der C-Partei wurde er dagegen ausgebootet, weil er wohl zu undemokratisch sich verhielt. Er sollte eigentlich auch dort Karriere machen. Der Applaudierer lebt unauffällig im Dorf. Man kann ihn nicht einordnen, weil er sein Fähnchen immer in den passenden Wind hängt, um das Geschäft seines Vaters über Wasser zu halten. Aber er soll recht ideenlos wirtschaften und nur den Vorteils des Vitamin-Bs des Bankiers haben. Die beiden “Soldaten” sind im Dorf als “Stinkstiefel” verschrien. Der eine klagt aus Prinzip vor Gericht, wenn er irgendwo einen Vorteil für sich oder einen Nachteil für andere drin sieht. Ihn müssen wohl bislang sogar die Frauen zum Heiraten gemieden haben. Der andere ist verheiratet, aber weiterhin gewalttätig. Seine Frau kommt nicht von ihm los, ihre Anzeigen wurden nie aufgenommen, sie scheint sich mit seinem Verhalten arrangiert zu haben. Will man mehr erfahren, dann schweigen des Sängers Lueder, aus Höflichkeit. Du siehst, deine Täter leben nicht wirklich das Leben eines Vorbilds. Ja, sie haben Freunde, die sich deren Meinung fügen (bis auf den einen, der sich halt selber anderen fügt), aber sie sind allgemein nicht wirklich beliebt und jeder lässt Vorsicht bei den Kontakten mit diesen walten.

Aber das wird dich nicht trösten, geliebte Geliebte. Denn zu deinen Depressionen kam letztendlich ja auch noch Krebs. Bei den fünfen weiß ich von einem, dass er meint, wer sich richtig und gut ernährt, der habe ein funktionierendes Immunsystem und dem könne keine Krankheit nichts anhaben, weder Krebs, noch Grippe, noch Covid19. Ich wünsche, er schläft mal mit ner Frau die Tripper oder Syph hat. Mal sehen, was dann er zu seinem Immunsystem meint. Er könnte auch gleich mal frische Kuhfladen essen. Oder einen Schwimmkurs im Ganges. Er hat ja sein Immunsystem als Rückversicherung, ihm sollte also nichts passieren.

Geliebte Geliebte, ich habe mich heute von meiner Mutter verabschiedet und weiß nicht, ob es nicht auch so sein wird, wie bei dir. Ich hoffe nicht, aber die Zeit tickt Sekunde für Sekunde die Lebensuhr runter. Irgendwann ist jede Lebensuhr einmal abgelaufen. Dann stellen andere Menschen die 6-Tages-Grablichter oder die Reisschalen aufs eigene Grab. Das Schöne heute war am Grab das Rotkelchen. Es tanzte dort munter und pickte sich deren Mittagessen aus dem Boden. Es war ein wilder Tanz: hüpfend, springend, seitwärts steppend. Einfach so. Aus reiner Lebenslust. Ein eigenwillig schönes Bild. Das Leben steppte gewissermaßen oberhalb der Erde, während darin der Mensch seine ewige Ruhe bekommen hat. Das Leben geht weiter, geliebte Geliebte. Auch wenn die Grablichter verlöschen und der Wind neues verwelktes Eichenlaub aufs Grab wehen wird.

Meine Mutter kommt am Mittwoch wieder aus dem Krankenhaus raus. Sie plant schon wieder ihr Leben bei sich zu Haus. Mit 90 Jahren. Für mich kommt es aber leider zu spät. Ich werde morgen mich auf den Rückweg machen. Ja, Fotos habe ich für mein Archiv gemacht, ihre Umarmung gespürt, ihre Stimme in meiner Seele eingraviert. Aber in Kürze bin ich wieder eine 8-Stunden-Reise von ihr entfernt. Auch du wirst wieder von mir entfernt sein. Nur in Gedanken, da ist die Entfernung kürzer. Ein Mensch stirbt nur dann für immer, wenn sich niemand mehr an ihn erinnert. Wenn er gestorben ist. Für die Lebenden gibt es das Handy, das Telefon, den Brief. Oder die Reise. Lebbe geht weiter, geliebte Geliebte.

Ich ende hier. Mein Schmerz des Fortfahrens erwacht und es wird kein Gegenmittel dazu geben.

Geliebte Geliebte, habe die Ehre und gehabe dich wohl.

Über kreisende Berge und geborene Mondkälber

»Und an dieser Stelle, meine sehr verehrten Herren und Damen Politiker hier anwesend im Saale, möchte ich nun nachfragen, ob Sie eventuell ein unübliches Getränk zu sich genommen haben. Denn Sie sagten unvernünftiger weise bereits …«

»Stopp! Stopp! Das geht so nicht.«

»Was geht so nicht?«

»Ihre Rede ist ja komplett für Somnambule. Professor Hastig der Sesamstraße wäre zu Ihnen bereits die reinste Redekanone.«

»Professor Hastig? Wer soll das sein? Ein Somnambuler?«

»Manno, im Vergleich zu Ihrer Rede erregen zwei Schnecken mehr Aufmerksamkeit, wenn die statt Ihner am Rednerpult einfach nur vögeln würden.«

»Schnecken vögeln für Aufmerksamkeit?«

»Sagen Sie doch einfach: ‚Und an dieser Stelle, Ihr Poly-Ticker hier im Saale, habe ich nur eine Anmerkung: Ob Sie Lack gesoffen haben, habe ich gefragt’«

»‘Lack gesoffen’? Wer tut den so etwas?«

»Ihre angesprochenen Leute. Die vor Ihrem Rednerpult.«

»Die sollen Lack saufen?«

»Das ist Rhetorik!«

»Lack trinken, das könnt ich noch verstehen. Also so ein Mal, so aus Irrtum. Aber Lack saufen, so regelmäßig in Übermaß? Das schlägt doch auf den Magen, oder etwa nicht?«

»Man, hey, das ist Rhe-to-rik! Das ist doch nicht wörtlich zu verstehen!«

»Nein?«

»Nei-en! Das ist lediglich eine kalkulierte Verbalinjurie!«

»Aber warum soll ich denn so eine Beleidigung aussprechen?«

»Weil, politisch Korrektes können Sie ruhig anderen Volltrotteln überlassen. Sie aber müssen mitreißen, bewegen, aufwühlen, Widerspruch erzeugen, kontrovers sein.«

»Und für so etwas nehme ich dann an, dass die anderen Lack saufen?«

»Mann, oh Mann.«

»Ich kannte da mal ein Elternpaar, die hatten einen Sohn, der hatte mal Lack getrunken. Sie hatten es nicht verhindert. Weil sich dessen Widerstandskraft und Immunsystem auf Umweltgifte einstellen sollte, meinten sie. Danach hatten die den Lackhersteller verklagt, weil dessen Warnung auf der Dose für Kinder nicht deutlich genug lesbar gewesen sein sollte. Und den Hersteller der Gegenmedizin.«

»Darum geht es nicht, ob Sie irgendein, so ein Vollhorst-Elternpaar kennen …«

»Lehrerin für Deutsch und Religion und er Ingenieur. Beide Akademiker. Sie prozessierten bis zur letzten Instanz.«

»Mir doch egal. Ihre Geschichte interessiert keine Sau. Was zählt, ist die Rede. Es geht darum, was Sie mit Ihrer Rede bewirken. Und wenn nachher alle Lack saufen sollten, okay, nicht Ihr Problem, okay, das kann Ihnen doch letztendlich egal sein.«

»Ja aber ….«

»In Ihrer Rede kann es nur um das eine gehen: wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, kommt der Berg zum Propheten. Darum kreist Ihre Rede. Ihre Rede muss einschlagen, wie ein Berg bei den Propheten. Also nochmal das Ganze!«

»Und an dieser Stelle, meine sehr verehrten Herren und Damen hier im Saale, habe ich nur eine wichtige Anmerkung, die mir mein Redenschreiber vermittelte: Lack reißt mit, Lack bewegt, Lack wühlt auf und erzeugt Widerspruch. Seien sie kontrovers, kaufen Sie Lack. Das schlägt ein!«

»Saufen! Nicht ‚kaufen‘, Dämlack!«

»Äh, saufen. Also nicht kaufen, Sie Dämlacke!«

»…«

»Besser?«

Chiffrierte Drohung eines Kriminellen am Nikolaustag

Prolog:

Adventskalender, Adventskalender, was schaust du so traurig rein?

Adventskalender, Adventskalender, durfte ich nicht bei dir rein?

1. Dezember: Schokorute

Zielorientiert schlug ich des Nachts im Dunkeln dein erstes Türchen ein,

War’s nicht so, wie du es dachtest, hätt’s nicht Mitternacht sollen sein?

2. Dezember:  Schokoschwert

Dein zweites Türchen im Dunkeln ich ebenfalls energisch hab aufgemacht,

Du warst ob meiner nächtlichen Penetration nur ein wenig mehr aufgebracht.

3. Dezember: Schokoriemen

Dein drittes Türchen im Halbdunkeln mit einer Linken ich hab aufgeschlagen

Sag mir, was wagst du, ob fehlendes Lichts so dreist auch noch dich zu beklagen?

4. Dezember: Schokobolzen

Durch dein viertes Türchen dessen Öffnung ich mir kompromisslos organisierte,

Verstehst du nicht, dass der vollendete Einlass ob meiner Verwegenheit mich zierte?

5. Dezember: Schokobärchen mit Zauberstab

Hinter des Türchens Nummer Fünf, bewusst geplant war’s von mir am helllicht Tag,

Denn bei Tageslicht ist’s einfach lecker, cooler, sinnlicher, wie ich es nun mal so mag,

Wollt ich sehn das jed Herz höher schlagen Lassende, das schokobraune Bärchen,

Ein besser Fest wär’s mir gewesen, gewesen wär’s eingecremt und ohne Härchen.

6. Dezember: Nikolaus und Knecht Ruprecht

Am nächsten Tag des Mittags, mich ehrlich total voll freute des sechsten Mals mit vollstem Recht,

Hinterm Türchen lauernd warst du, Adventskalender, zitternd, mit Nikolaus und Knecht Ruprecht.

»Knecht Ruprecht«, riefst du, »alter Gesell´,

Heb deine Beine und spute dich schnell!

Für miese Säcke wie ihm hier, diesem gefährlich Männe,

Der maximal nur so denkt mit dessen Schwanzes Länge,

Triff ihn mit deiner schweren Rute in sein Gemächt,

Mit voller Kraft, bitte, ich will nur eines sein: gerächt!

Nikolaus, deck mich!

Ruprecht streck dich!

Den Stahlknüppel drauf, auf diesen Sack!«

Dunkel wurd’s mir danach in meinem Frack.

7. Dezember: Schokopampe

Durch die vergittert Türe reingeschoben von Knecht Ruprecht Nummer Zwei

Erhielt ich einen Essensnapf, irgendwas ehrloses, offensichtlich Zwieback-Brei.

Im Folgenden: Schokolos

Derweil eine Lehre sich mir brannte ein in mein Hirn,

Gravierte sich mit Denkerfurchen hinter meine Stirn

Dass vorm Türchen-Öffnen abzuchecken es unheimlich wichtig nun mal ist,

Mit welch Knecht Ruprecht so ein ehrloser Adventskalender verbandelt ist.

Paar Tage später:

Nikolaus Nummer Zwei, ungefragt es wagte, zu sprechen mir ins Gesicht,

Mit mega faltig Munde er sprühte seine elend Galle wie voll giftig Gischt,

Mich zutextete mit Fehlurteil, dann treffsafe ich verächtlich bespuckt ihn hab deswegen.

Erneut in einer Zelle dann, drei Stunden Respekt-Einnorden ich musste lehren Zell-Kollegen,

Bis ich den Dulli hatte voll geschwächt,

Brav krault er mir jetzt mein Gemächt.

Wichtig ist’s, all Knastis um mich rum wissen, wo ich stehe,

In der Rangfolge eben immer oben, ansonsten … wehe, wehe!

Ein Jahr später

Ein Jahr in Zelle Sieben, als Pedant, mein Zellentürchen stets im Blick,

Für danach nun alles safe geplant, nicht bloß bis zum nächsten Fick

An meinem Freedom-Day in fünf Jahren, ich werd’ durchschreiten dies Türchen mit Gitter,

Bin ich dann raus, ich sag’s dir nur einmal, Adventskalender, du, für dich wird’s bitter!

Epilog:

Eine etwaige Ähnlichkeit mit lebenden, toten oder anderen Affen unserer Gesellschaft wäre rein zufällig, allerdings wäre es leider auch unvermeidlich.

Das Wort des Jahres für eine Sekunde

»Und dann, sie mit mir im Dunkeln am Strand, dann sie zu mir so, mit einem Tränchen im Auge: “Du Hengst!”«

»Hat sie nicht gesagt.«

»Doch hat sie. Ich schwör!«

»Nee, sagte sie nicht. Sie meinte, du hängst.«

»Sag ich doch.«

»Sie meinte, du hängst. Du mit deinen Piercings. Hängen kommt von hängen. Hängen wie aufhängen, abhängen, weghängen, durchhängen, mit-hängen und so. Hast dich in ihr verhängt?«

»Also doch Hengst.«

»Nicht Hengst. Hängst. Hängst mit “ä”.«

»Nein.«

»Doch.«

»Oh. Woher weißt du das?«

»Grundschulabschluss. Vierte Klasse. Nach Diktat erfolgreich bestanden. Das Diktat war lächerlich. Echt. Zum Wiehern.«

»Du Hengst, du.«

Männer hart wie Hufeisen, die den Sonnenuntergang suchen

Im Jahre 1985 wanderte Detective Captain John Book mit einer kleinen Gruppe seiner Santa-Baum-Gemeinde von Kalifornien mit einem Einbaum nach Europa aus.

Die Meisten des gemischt-geschlechtlichen Einbaums kamen aus dem Raum um den Ort “Peter Total Weir” bei Pennsylvania. Jene Amish-Leute, wie sie auch heute noch genannt werden, leben wie vor Jahrhunderten. Sie wenden sich nach wie vor gegen den technischen Fortschritt wie Dieselmotorensoftware, Alexa, Siri, Hey Google und andere Angebote der modernen Welt. Sie benutzen Pferdefuhrwerke, aber nicht Holzvergaser und trotz Sonnenwind-Mühlen verzichten sie dafür auf Elektrizität, lebten somit ohne Telefon, BILD-TV, Springer-Verlag und anderer dieser populären Mainstream-Medien. Vorwiegend betreiben sie Farn- und Farmwirtschaft. In ihrem Glauben lebend verweigerten sie als Pazifisten den Kriegsdienst. Ihre Gewaltlosigkeit geht sogar soweit, dass sie sich selbst, wenn sie angegriffen werden, nicht zu Wehr setzen.

Einige von ihnen vertrauten in Gott. Sie vertrauten dermaßen in diesem Über-Begriff, dass sie eben einen zusätzlichen Emigrationsschritt ein weiteres Jahr später von Florida mit der Fähre nach Genua unternahmen und als Bio-Baumheilige darauf wie weiland Attila Hiltmann, der vegane Alpen-Ötzi-Überquerer, erschöpft die Gegend um München herum besiedelten. Sie nannten den Stadtteil “Stadt der jungen Gesendeten”, der jünglich Gesendeten, der Sendlinger, und waren somit den Archäologen weit voraus, die meinten Sendlinger wären von gestern. Was nicht stimmt, denn Sendlinger sind nachgewiesenermaßen von vorgestern. Als Gesendete taugten sie immerhin noch als Bauernvolk für das Blutweihnachtsmassaker, während deren Obrigkeit dabei in Brüssel bei Champagner und Knabbereien verweilte und über die Faktenlage entschied. Im 1900 Jahrhundert, als es noch kein WhatsApp gab, aber Tinder in den Adels-und Kirchenkreisen schon fuckable war.

John Book ist somit der letzte Überlebende für Gerechtigkeit und Gnadenlosigkeit unter Amish-Leuten. Aber wen interessiert so etwas noch? Wen interessiert so etwas überhaupt noch, während bei er Dieter-Hildebrandt-Schule eine neue Turnhalle vor meinem Fenster erschaffen wird. Der Acker dazu ist als archäologisch neutral deklariert worden.

Von Westen erleuchtet in den Schluchten der Schule die Sonne das Baugebiet. Die untergehende Sonne wirft rötliche Strahlen ins Baugebiet. Ein Kran ragt in der Höhe. Unterhalb der Kabine drohen vier Scheinwerfer der Dunkelheit derer Nacht zum Tage werden zu lassen. Und das bedeute immer ab sechs Uhr dreißig.

Es ist Wochenende. Kein Scheinwerfer glüht. Die Baustelle ruht im Dornröschenschlaf. Die Bauarbeiter aus Osteuropa sind noch nicht eingetroffen. Deren Wohndorf aus gestapelten Containern steht bereit. Arbeitsbeginn ist noch etwas entfernt.

Der erste Advent ist am Vorübergehen. Die Sonne geht unter. Der klassische Sonnenuntergang. Viel Kitsch, viel rot. Ein richtiger männlicher Sonnenuntergang. Die dritte Schachpartie zwischen Magnus Carlsen und Jan Nepomnjaschtschi blieb heute ohne Prickel-Effekt. Obwohl Nepomnjaschtschi eine halbe Stunde über einen Zug nachdachte. Ein Spiel, zwei harte Kerle, drittes Remis, erste Langeweile.

Noch brennt das erste Licht auf meinem virtuellen Adventkranz meines Monitors. Draußen ist es dunkel. Und diese wirkt auf mich ein. Ich kämpfe gegen meine Müdigkeit an. Gegen meine Ich-will-nicht-ins-Bett-Attitüde.

Meine Corona-App zeigt mir eine Begegnung mit niedrigem Risiko am letzten Montag, am 22-November. Alles grün. Am 22ten war ich nur in der Firma und dann zu Hause. In den letzten 14 Tagen mussten inzwischen schon einige mener Firma in Quarantäne. Ungeimpfte. Mit leichten bis schweren Symptomen. Und jetzt vierzehn Tage ohne Einkommen zu deren Auskommen.

Für Ungeimpfte wird es immer enger. Ich hoffe, wir Geimpfte verlassen sie nicht, auch wenn jene uns bereits als schuldig Verstoßene klassifiziert haben mögen.

Täter-Opfer-Umkehr in deren Sinne. Mainstreamangehörige. Jene, welche blind BILD und Co verfolgen, und somit deren Absolution haben. Die Springer-AG-Jünger. Jene werden sich nie als Mainstreamangehörige einordnen, weil die Springer-AG bereitwillig die Querdenker unterstützt und folglich somit nicht ARD/ZDF/FAZ/WAZ/SZ/etc, welche der Springer-Verlag auch nicht von der Polemik der „Lügenpresse“ in Schutz nehmen wird, weul sie ein Blatt der Opportunisten für Opportunisten des Populismus meiner Meinung nach ist. Weil eben jene anderen immer verwerfkicherweis pro Regierung sind und somit per Springee-Definitionem volxfern, wie es halt die BILD-Nation wohlwollend schweigend nickend goutiert. Meine Meinung.

Egal.

Gut. Okay. Ich habe keinen Bock mich über Ungeimpfte auszulassen.

Warum habe ich trotzdem noch diesen Eintrag verfasst?

Keine Ahnung.

Dubai-Schach!

Dubai-Matt!

Happiness is a warm gun.

But only in Saudi-Arabia, Mr. Khashogi.

Und ewig schleichen die Erben … (1)

»Jetzt geh doch mal zur Tante Erna rüber, nu mach schon.«

»Aber Onkel Heinrich labert die doch gerade zu.«

»Na und? Der ist doch nur hinter ihrem Geld her. Wenn du nicht jetzt rüber gehst und mit ihr Small Talk betreibst, wird die ihn noch in ihrem Testament bedenken und dann ist das ganze schöne Geld futsch.«

»Wir könnten auch einen Kredit aufnehmen.«

»Bist du verrückt? Verschulden? Während unsere Verwandtschaft wie Dagobert in Geld badet? Hast du Lack gesoffen? Das ist hier kein Leichenschmaus, sondern knallhartiger Beauty Contest. Erben läuft nicht von selbst, man muss auch was dafür tun. Leistungsprinzip, verstehste! Wenne nix tust, haste es auch nicht verdient!«

»Soll ich etwa den Halbhorst deshalb jetzt wegbunkern, oder was?«

»Ja, was denn sonst. Der geht bei ihr doch ab wie ein rotes Moped! Denk dran, wir müssen noch die Flyer und Kleber bezahlen, um all die Vollhorste aufzuklären, dass Impfen und Boostern Gefahr für Leib und Leben bedeuten kann und das wir Spenden auf unser Konto brauchen, im Kampf gegen Impfidioten und für Aufklärung.«

»Ich denk ja schon an nichts anderes.«

»Und du hast doch seit gestern den positiven PCR-Test erhalten, dann kannste auch zur Tante Erna rüber. Sei mal cool mit denen dort. Yallah!«

»Nur Alphakevins hier, walla.«

»Und Onkel Eduard. Bei dem Elch stehen wir doch garantiert im Testament. Solchen Boomern weint doch eh keiner mehr ne Träne nach. So wie die leben. Die mit ihren SUVs, monatlichen Flugreisen und Kreuzfahrten. Das sind doch die, die unser Klima versauen. Die haben schon genug auf unsere Kosten gelebt und verprassen unsere Zukunft und Geld. Mitleid haben die nicht verdient. Alles stabil bei dir? Du schaffst das.«

»Naise. Da nicht für.«

»Also? Moment. Hab ich da gerade “boostern” gehört? Wollen die Boostern? Reden die Boomer über Boostern? Wollen die etwa noch ewig leben? Solche Azzlacks! Da krieg ich Schnitzelpanik! Du musst sofort dazwischen!«

»Mach ich. Ahem. Und was sag ich?«

»Erst umarmen, intensiv abbusseln, Beileid wünschen und dann sagen, dass Onkel Otto eh nie skin positiv war und das hat ihn dahingerafft. Dann kriegen die alle Schnappatmung und du musst nur überlegen tief ausatmen. Beeil dich, da kommt auch Billo-Opa Rainer, der hat ne Finca auf Mallorca und ein Haus in Schwabing, ich steh auf seiner Erben-Liste! Mach! Denk dran, wenn wir fertig sind, dann zusammen Netflix und chill.«

»On fleek. Auf uns und unsere baldige Gönnjamin-Zeit. Chabos wissen, wer der Babo ist.«

»Eben, you’ve got the drip!«

»Covid-XOXO!«

Die beiden Kellner schauten dem Ehepaar zu, als einer davon sich schleichend auf den Weg zu der in schwarz-gekleideten Personengruppe machte. Der eine Kellner schüttelte den Kopf und meinte leise zum anderen:

»Ehrlich? Und ich dachte unsere Jugend wäre so. Es ist wohl doch die Generation, vor der uns früher unsere Jugend immer gewarnt hatte.«

»Mach dir keinen Kopp. Wir müssen nur arbeiten hier, ist nicht unser Leichenschmaus. Lebbe geht weiter. Die Trauergruppe da drüben sieht trocken aus. Bring denen mal ein Tablett Prosecco, damit die wieder lächeln.«

Notstandsbekämpfung

[…] Neulich sah ich ein Haus. Es brannte. Am Dache
Leckte die Flamme. Ich ging hinzu und bemerkte
Dass noch Menschen drin waren. Ich trat in die Tür und rief ihnen
Zu, dass Feuer im Dach sei, sie also auffordernd
Schnell hinauszugehen. Aber die Leute
Schienen nicht eilig. Einer fragte mich
Während ihm schon die Hitze die Braue versengte
Wie es draußen denn sei, ob es auch nicht regne
Ob nicht doch Wind gehe, ob da ein anderes Haus sei
Und so noch einiges. Ohne zu antworten
Ging ich wieder hinaus. Diese, dachte ich
Müssen verbrennen, bevor sie zu fragen aufhören. Wirklich, Freunde
Wem der Boden noch nicht so heiß ist, dass er ihn lieber
Mit jedem andern vertauschte, als dass er da bliebe, dem
Habe ich nichts zu sagen. […]

aus “Das Gleichnis des Buddha vom brennenden Haus”, Berthold Brecht, 1937

Das ist Porree, du Lauch!

Mir ist das ultimative Interview untergekommen: Warum die Gurtpflicht Scheiße ist und deswegen nicht sein darf. Ein Interview geführt mit einem Stuttgarter Verkehrsrichter, der zuvor zwölf Jahre am Stuttgarter Landgericht Vorsitzender einer Großen Strafkammer war. Zitat:

Mir geht es nur um die Frage: Darf es der Gesetzgeber verantworten – in Kenntnis darüber, daß es Unfallabläufe gibt, wo sich der Gurt verhängnisvoll auswirkt -, den Leuten eine Verpflichtung aufzuerlegen, die auch zu ihrem Schaden führen kann. […] Weil immer nur die positive Seite des Gurtes herausgestellt wird und alles andere unter den Tisch fällt.

Quelle: hier (Anm.: Verlinkung führt auf die Seiten von Der SPIEGEL)

Werde gleich die Argumentation für meine Eigene gegen die Impfpflicht verwenden. Und dann noch ein Spendenkonto einrichten, um mit dem Geld einen Grundsatzprozess in Karlsruhe gegen die Impfpflicht vorzubereiten. In einer Finca am Strand auf den Kanaren. Mit vielen hippen Vorbereitungspartys. Mit den Spendengelder. Was spezielle Vertreter der Querdenker finanziell erreicht haben, will ich auch. Meine Rente ist sicher.


Evidenzbasiert” ist das neue “Geil”. Meine jahrelangen Forschungen in diversen Quellen wie Nachrichten, Bücher, Geheimpapieren und Stammtischbesprechungsprotokollen hat ergeben, dass im Fußball immer wieder Gegentore fallen. Es gibt zwar Mannschaften, die Serien ohne Gegentore aufstellen oder auch Spiele ohne Gegentor bestreiten, aber das sind Randerscheinungen, welche man getrost als Ausnahmen aus der Statistik nehmen kann. Und schaut man sich diese dann bereinigte Gegentor-Statistik an, fällt einem direkt ins Auge, dass in 100% der Fälle die jeweilige Mannschaft mit einem Torhüter aufgelaufen ist. Wenn also eine Mannschaft mit Torhüter aufläuft, muss sie sich nicht wundern, dass sie auch Gegentore kassiert.

Ich habe meine evidenzbasierte Beobachtung dem DFB geschrieben. Eine Antwort steht bislang aus. Ich vermute stark, der DFB will nächstes Jahr in Katar nicht Weltmeister werden, auf Torhüter verzichten und somit Reisekosten sparen. Was mich nicht wundert, denn es gibt eindeutige Hinweise auf finanzielle Machenschaften im Weltfußball mit denen in Katar, über welche das Publikum fahrlässiger weise im Unklaren gelassen wird.


»Ich pupse letzter Zeit so unverschämt viel.«

»Allein?«

»Nein, zusammen mit meiner Freundin. Im Bett.«

»Gibt es da nicht etwas von Ratio-Darm?«

»Ich vermute eher, es hängt mit unserer neuen Kitsch-I-Mea-Diät zusammen.«

»Kitsch-I-Mea-Diät?«

»Yep. Jeweils vier Kapseln davon aufgelöst in unser Low-Carb-Zwiebelsuppe unter zartem Zwiebelschmelz.«

»Kein Wunder, dass ihr pupst. Ihr müsst auch vorher noch eine zur Vorbeugung einschmeißen, damit der Darm nicht so gereizt wird.«

»Und danach?«

»Acht Doppelkorn und drei Bier. Wirkt Wunder. Und danach noch ne weitere Kapsel Kitsch-I-Mea.«

»Echt?«

»Ich schlaf immer sofort ein, schlafe wie ein Stein. Und vom Pupsen in der Nacht merke ich dann auch nichts mehr.«


Das neue neuen Chill-Out-Café hat gut Betrieb. Der Wirt kennt das Niveau der Mehrheit seiner Gäste und lässt dem Monitor das neue Nonstop-Nonsens laufen: “BILD-TV”. Es versendet gerade Nachrichten und zu den laufenden Bildern deren Kommentare der “BILD-TV”-Redacktion. Drei Mittzwanziger sitzen am Tisch unter dem Monitor und amüsieren sich prächtig. Jedes Mal, wenn “BILD-TV” während derer Nachrichtensendung Tote zeigt, kreischen die drei im Choral auf:

»Oh mein Gott! Sie haben Kenny getötet! Ihr Schweine!«

Dreimal fordert der Wirt die Drei auf, still zu bleiben, beim vierten Mal stellt er kommentarlos auf “Sturm der Liebe” um. Viele Gäste winken kurz darauf den Kellner, um zu zahlen. Nach dem 3/4 der Gäste gegangen ist, schaltet der Wirt darauf wieder “BILD-TV” an, lässt die drei Südpark’ler die Rechnung zahlen und rausbefördern. Das Cafè füllt sich erneut und der Wirt schaut wieder zufrieden.


»Glatze? Seit wann? Hast du eine Wette verloren?«

»Nein. Die Glatze ist mein Ausdruck für Friedfertigkeit, für Aufgeschlossenheit, für Anstand und Höflichkeit, für Toleranz mit Respekt, …«

»Für was?«

»… für Gewaltlosigkeit, gegen das herrschende ‘Gewalt ist auch eine Lösung’-Dogma, gegen die latente gesellschaftliche Aggressionen, gegen Entsolidarisierung den Schwachen und Vulnerablen gegenüber, gegen …«

»Glatze steht eher für Krankheit oder Neonazis, du Lauch

»… Vorurteile … Hey, was … warum gehst du? Fick dich!«


Wenn die Impfungen ein Segnung für die pharmazeutischen Industrie sein sollen (“Cui bono”), weil sie damit ordentlich Kasse machen, und nur als Nebeneffekt dafür sorgen, dass weniger ins Krankenhaus müssen, dann bin ich gegen die Impfpflicht. Oder gegen die Impfung an sich. Mit jeder Krankenhauseinweisung und jedem Intensivstation-Patienten lässt sich mehr Geld verdienen als mit jenen 30-Euro-Ampullen oder einem, der vielleicht sogar mit Verkehrsunfall oder Herzinfarkt auf die Intensivstation kommt. Ja, richtig, ab jetzt bin ich gegen eine Impfpflicht und gegen die Impfung generell. Weil? Cui bono? Ich! Und nicht nur ich! Meine Aktien steigen mit jedem eingelieferten Corona-Patienten. Meine Aktiengesellschaften verdienen richtig geil und ich mit den Dividenden dadurch ebenfalls. Pfizer, Biontech, Moderna und Co. gehören geächtet, mit deren destruktiven Ertragsvernichtung anderer Menschen mit Aktien. Hatte ich schon mal betont, dass meine Rente gesichert ist? Danke, Corona.


Meine Schwester ist Heilpraktikerin. Nein, keine von diesen Sekten-Esoterikerinnen oder so. Nein, sie ist eine ganz Seriöse ist sie, eine Fundierte, eine, die neue und traditionelle Medizin zum Wohle ihrer Klientel vereint. Sie nutzt sowohl CT-Untersuchungen wie auch Dunkelfeld-Analysen, unvoreingenommen und ehrlich. Ihre Ergebnisse sind herausragend, bestätigen mir ihre Patienten aus derer Freundeskreis. Und weil sie so praktisch denkend und pragmatisch orientiert ist, hat sie mir vor ner Woche ne ganze Packung Corona-Präventionsvitamine D3 + K2 geschickt. Und eine große Dose D6/D12/D15 Similasan-Echinacea- Immunabwehr-Verstärkungsglobuli. Beides erst einmal umsonst, statt zukünftig für 150 Euro das Gesamtpaket. Morgens und Nachmittags zum Kaffee, zweimal täglich, da habe ich sie genommen. Aber ich werde es nicht mehr fortsetzen. Die Globuli und die anderen sind echt Scheiße als Süßmittel, die taugen nichts. Nach drei Tagen war die Packung bereits aufgebraucht. Ich steige jetzt wieder auf Zuckerwürfel um. Die halten länger.


»Freiheit!«, schrie die Marionette und schnitt sich ihre Fäden durch.

Und überhaupt ist mal wieder alles klar, auf der Andrea Doria …

»Das Schiff sinkt!«

»Und woran möchtest du das bitte festmachen?«

»Das Bug hebt sich!«

»Das ist immer so, wenn ein Schiff beschleunigt. Der sehr starke Heckmotor haut rein, zieht das Schiff durch seine Pferdestärken im Dieselaggregat hinten runter und das ganze Schiff beschleunigt. Eine göttliche Power hat dieser Motor!«

»Aber hinten läuft kein Motor mehr.«

»Vergaseraussetzer. Kennt man doch. Scheiss Ingenieurskunst. Taugt ja alles nichts. Made in Germany war mal erheblich besser. Früher war alles besser. Und nicht so schrottig wie heute!«

»Aber die Leute da vorne, am Bug, die rutschen bereits zum Heck runter!«

»Ja und? Ist doch normal, wenn das Heck unterhalb vom Bug liegt. Das ist physikalisch normal. Dazu braucht es keine Wissenschaftler. Hätten die Leute dort jetzt bessere Schuhe, wäre das denen nicht passiert. Die sind selber Schuld dran, dass die jetzt rutschen und gegen die Wände schlagen.«

»Steuerbord habe ich bereits Wasser reinlaufen sehen.«

»Das Schiff hat Lenzpumpen. Die pumpen das locker weg. Ganz easy peasy locker. Dafür sind die ausgelegt. Zum Trockenpumpen.«

»Aber Backbord …«

»Du musst hier nicht den BigMac markieren, nur weil du ein paar Seemannsausdrücke kannst.«

»Mir egal. Backbord liegt oberhalb von Steuerbord. Ich will zu den Rettungsboten.«

»Es gibt keinen Grund für Rettungsbote. Erst recht keinen Grund zur Panik.«

»Wo sind die Rettungsboote? Auf halb achtern?«

»Angst zu verbreiten ist eine ganz miese Tour von dir! «

»Ich will überleben!«

»Wollen wir doch alle. Oder kannst du mir einen nennen, der nicht leben möchte?«

»Aber du sagtest doch, dass hier nichts untergeht! Stimmst du mir jetzt doch zu, dass wir sinken?«

»Na und? Wenn es um Rettungsboote geht, dann immer zuerst die Nicht-Schwimmer, nicht war. Das erfordert schon der Anstand. Anstand heißt, zu warten, bis alle Nichtschwimmer versorgt sind, wenn das Schiff untergeht. Dann können die Schwimmer, denn die können notfalls auch schwimmen.«

»Aber das Schiff geht doch unter!«

»Quatsch. Bleib gefälligst hier und hör auf Panik zu schieben. Nur weil einige um uns herum unbegründet den Untergang ausrufen?«

»Die ersten sind schon zu den Rettungsbooten unterwegs.«

»Ty-pisch! Immer diese, die alles unreflektiert glauben, statt es zuerst einmal zu hinterfragen! Und statt dann sich zu fragen, wer nicht schwimmen kann, …«

»Du kannst nicht schwimmen?«

»Nein. Also gehört mir zuerst ein Platz in den Rettungsbooten.«

»Aber du hast doch gesagt, dass das Schiff nicht sinkt, sondern nur beschleunigt.«

»Eben. Daher besteht auch kein Grund zur Panik. Wenn alle so ruhig bleiben würde wie ich, dann wäre hier keine Panik. Und man könnte die Rettungsboote im Ernstfall auch noch nutzen.«

»Oh Gott! Der Vorderteil des Schiffs ist abgebrochen! Um Himmels willen!«

»Siehste! Das macht die Panik. Alle sind nach vorne zum Bug gelaufen, weil keiner am Heck bleiben wollte. Der Bug wurde dadurch zu schwer und ist jetzt abgebrochen. Das sind die real existierenden Auswirkungen von Angst und Panik, hervorgerufen durch Menschen, die alles nachreden, was man denen vorredet. Statt sich erst einmal auch mit vernunftbegabten Menschen abzusprechen.«

»Das Schiff sinkt. Ich will zum Rettungsboot.«

»Ty-pisch. Statt erst einmal zu fragen, wer nicht schwimmen kann?«

»Nicht-Schwimmer?«

»Überzeugter! Ich lass mir doch von niemanden sagen, dass ich auf dem Lande schwimmen können muss. Nur weil einige wenige meinen, dass das Überleben im Wasser vom Schwimmen abhängt. Das Überleben im Wasser hängt ab von den anderen Menschen, die einem dann helfen. Niemand muss schwimmen lernen. Und wenn man schwimmen kann und dabei einen Beinkrampf bekommt oder Herzinfarkt oder Schlaganfall oder Krebs und deswegen ertrinkt, was hat es dann gebracht, schwimmen zu können? Schwimmen ist nicht erforderlich, weil es auf dem Land kein Wasser gibt.«

»Aber hier könntest du doch ein Bedürfnis danach haben, oder? Mach hinne, die Zeit rennt auch gegen dich! Renn um dein Leben!«

»Das Bedürfnis schwimmen zu lernen, wird doch von den anderen Menschen hervorgerufen, die dauernd Angst wegen dem Nicht-Schwimmen erzeugen wollen und am liebsten eine Schwimmpflicht hätten. Damit sie in den Schwimmbädern mit Schwimmkursen ein Heidengeld an uns Nicht-Schwimmern verdienen können. Auf unsere Kosten! Für etwas, was nicht über längere Zeit als wirksam überhaupt zu 100% bei jedem Menschen getestet wurde.«

»Soll ich dir jetzt etwa die Grundzüge des Schwimmens beibringen? Oder kommst du freiwillig mit zu den Rettungsbooten?«

»Nun mal keine Panik auf der Titanic. Ich lasse mir von dir doch keine Schwimmstunde aufdrängen, nur damit mir nachher eine Stunde Lebenszeit fehlt. Und außerdem ist es meine freie Entscheidung, in ein Rettungsboot einzusteigen oder nicht.«

»Dann verreck!«

»Moment! Du kannst nicht einfach meinen Platz im Rettungsboot einnehmen! Ich bin Nicht-Schwimmer!«

»Dann lern schwimmen!«

»Bin ich Fisch, oder was? Für sowas opfere ich doch nicht meine Lebenszeit! Das darf ich doch wohl noch selber entscheiden! Oder willst du mir meine Freiheit einschränken?«

»Dann verreck!«

»Ty-pisch! Ty-pisch Spalter! Diese Spalter müsste man ans Kreuz schlagen! Die spalten mit deren Mentalität die Schiffsgemeinschaft und sind Schuld, dass Menschen ertrinken. Nicht weil das Schiff sinkt, sondern weil die uns als Opfer in Kauf nehmen, indem sie uns zur Wahl zwingen wollen zwischen Ertrinken und Schwimmen-lernen! Die wollen uns zwingen, statt uns die freiheitliche Wahl zu lassen.«

»Niemand zwingt dich zu überhaupt zu etwas! Verdammt, das abgebrochene Heck rollt immer stärker! Ich bin dann mal weg, zu den Rettungsbooten! Ciao!«

»Dann hau doch ab zu deinen Rettungsbooten! Und lass uns Nichtschwimmer doch vorsätzlich allein, du asozialer Sack, du! Ich bleib hier. Das hier ist kein Schiffsuntergang. Dafür gibt es keine evidenzbasierten Beweise dazu. Alles wird gut. Alles wird wieder gut! Und ich werde recht behalten. Und euch Panikhansel wird kein Hahn überhaupt ein Kickeriki nachkrähen, wenn ihr in euren Rettungsbooten abgesoffen seid. Denn 10% von diesen ungetesteten Rettungsbooten kentern sowieso. Sowieso. Da! Da hinten, das gelbe Rettungsbott. Siehste! Eine Welle hat es gerade versenkt! Siehst du das, du Schlafschaf, das immer in der Masse schwimmen will, statt selbst mal zu denken?!?  Na. Da hatte ich doch recht. Das Bott ist untergegangen und die Insassen kämpfen jetzt sogar noch um deren Leben. Es gibt keinen Grund für Rettungsboote. Kein Grund. Nicht einen. Die wurden alle nicht getestet. Von wegen Schiffsuntergang! Kellner! Einen Martini-Cocktail, bitte! Aber bitte rühren und nicht schütteln!«

Ein Kellner-Tablett war im Begriff, auf den Holzplankenboden an ihm vorbei zu schlittern. Es trug zwei halb-volle Cocktail-Gläser. Einen Swimming-Pool und einen Martini. Er stoppte das Tablett geschickt mit dem linken Fuß und ergriff beide Cocktails, während der Kellner hinter ihm an ihm vorbei fiel. Der Blick des Mannes mit den beiden Cocktailgläsern in der Hand, fiel auch mich:

»Hey! Hey du! Was machst du da?«

»Ich schreib nur das alles mit. Für meinen Blog. Ein neues Post,« antwortete ich schüchtern.

»Hab ich das erlaubt? Hast du dafür meine Einwilligung? Das ist illegal! Du kriegst Post von meinem Anwalt!«

»Ich dachte, ich könnte weil … das hier ist eine Notsituation und …«

Er bewegte sich mit den beiden Cocktails bedrohlich auf mich zu:

»Notsituation?«

Ich überlegte fieberhaft meine Antwort. Und dann sprudelte es einfach so aus mir heraus, einfach so, während ich alles auf meinem Notebook abspeicherte, es herunterfuhr und in den wasserdichten Seesack stopfte:

»Nun ja, ich dachte, ich schreib mal mit, bevor hier alles voll Wasser ist. Einfach mal, bevor es keiner mehr lesen kann. Als Nachgedanken an die Nachwelt zum Nachdenken. Als etwas Historisches. Heroisches versus feiglinghaftes. «

»Und? Hast du keine Angst? Keine Panik? Willst du nicht das tun, wie hier alle tun?«

»N … n … n …ein, nein.«

Er lachte laut auf.

»Lobenswert! Du lässt dich nicht von der Panik der Masse anstecken und glaubst nichts vom dämlichen Narrativ der Ängstlichen. Von wegen Untergang. Pah! Du bist ein Mann nach meinem Geschmack, mein Bester! Hier, nimm einen Cocktail und lass uns auf das Leben trinken! Und auf diese Panikhansel spucken! PROST!«

Ich nahm den mir angebotenen Swimming-Pool, trank einen Schluck, hustete ein wenig, nahm den zweiten Schluck und danach wurde es dunkel. Absolut finster. Absolutes nichts.

Und so verschwand meine historische Geschichte für die Nachwelt im Orkus des Internets.

Für immer.

Ungelesen.

So war es, ich schwöre.

Parkbankgeschichte: Verantwortungslos

ER sitzt auf seiner Parkbank und schaut auf seine Pulle “THE DUKE”. Bio Gin durch und durch. Und dazu noch destilliert in seinem Minga, seinem München. Da sitzt ER nun im Englischen Garten und seine Gedanken kreisen um diese “42% vol”. Das hatte ER noch nie, diese nachdenkliche Seite an sich, diese zu entdecken, diese echte Nachdenkseite.

“42%? Vol? Was heißt das? Wenn die Flasche voll ist, hat sie 42%?”

Der Banknachbar packt vorsichtig seine “Münchener Currywurst besonders spezial” aus, jenes neue In-Gericht der “Young-Kitchen-Cooking-B30s”. Sechs Euro fuffzig ohne Semmel. Er zelebriert das Auspacken in der Weise als ob der das Gemälde “Jungfrau züchtigt das Jesuskind vor drei Zeugen” von Max Ernst freilegen würde. Dabei schaut er eher wie zufällig neugierig interessiert zu IHM rüber.

ER aber meditiert nachdenklich über das Etikett seiner Flasche:

“Nullkommasieben. Hm. Mit zweiundvierzig Prozent, wenn die Buddel voll ist? Mach wie viel?”

Sein Nachbar erhebt aufmerksamkeitsheischend seine Hand. Er war schon immer gut im Kopfrechnen. Nur merkt er, dass seine Expertise in diesem Moment nicht gefragt ist. Denn ER grübelt leise vernehmlich weiter:

“Wenn ich also von den Nullkommasieben die Hälfte trinke, dann sind es nur noch einundzwanzig Prozent, weil nicht mehr voll. Und dann davon die Hälfte, dann nur noch knappe elf Prozent. Dann noch zweimal die Hälfte jeweils, dann hat es nur noch den Gehalt eines Light-Bieres. Das ist ungefährlich.”

Sein Nachbar winkte nicht mehr, sondern widmet sich leidlich konzentriert seinem Kochkunstwerk. Er stößt seine Holzgabel in eine der Weißwurstscheiben mitten in der gescheibten Curry-Weißwurst, führt die aufgespießte Scheibe zu seinem Mund, blickt dabei etwas irritiert durch seines Nachbars Worte zu eben diesen, verfehlt dabei im ersten Anlauf seinen geöffneten Mund rechts davon, korrigiert seine Handführung nach links und … . Ein leichter Windstoß umweht die Parkbank, er versucht deswegen ausgleichend seine Holzgabel elegant zu balancieren, aber die Scheibe enthüpft von der Gabel und landet auf seiner beigen YSL-Cargohose.

“Nur, wie komme ich an dieses 2,5% Gin? In der Zeitung las ich, Alkohol ist leichter als Wasser. Und er ist volatil. Also müsste es klappen, wenn ich die Flasche wie vorhin kopfüber trinke. Dann schwimmt der Alkohol oben, entfleucht in den Hohlraum darüber und der Geschmack bleibt unten. Und wenn die 42% der Nullsieben oben ist, dann kann ich ja über die Hälfte trinken, ohne dass ich Alk zu mir nehme.”

Sein Nachbar schaute entsetzt auf seine Hose. In Gedanken stellt sofort die logische Verbindung zwischen Wurstscheiben-Fall und dem irritierenden Gefasels seines Nachbarn her.

“Also”, grübelt ER weiter, “könnte ich doch dreiviertel der Flasche kopfüber trinken, der Hohlraum vergrößert sich, der Alkohol volatiert dahinein und dann habe soviel wie zwei Light-Bier-Mass in mir. Und irgendwer von den wichtigen Menschen in Bayern sagte damals doch, mit zwei Mass kann man noch fahren.”

Sagt es, öffnet die Flasche, stellt zwischen Po-Backen, Rückgrat, Hals und Flasche eine senkrechte Achse her und schluckt. Und schluckt. Und schluckt. Und verschluckt sich, behält aber einen Rest in der Flasche zurück. Den alkoholischen Rest, wie zuvor analysiert.

“So, das war jetzt die vierte Light-Gin- … Light-Gin-Pause. Ei, ein … eine geht noch”, artikuliert ER und platziert die fast leere Flasche zurück in seinen Rucksack zu den anderen Sechsen und holt die nächste Volle heraus. ER schaut sie kritisch an, öffnet sie, stellt die Achse her, setzt zuvor an, noch etwas tiefbewegendes zu sagen, kippt dabei urplötzlich nach links von der Bank, wie ein Brett, und rührt sich nicht mehr. Reglos liegt ER nun dort, neben der Bank unterhalb der Sitzfläche.

Der Banknachbar war in der Zwischenzeit wütend aufgestanden, hatte mit der Edel-Serviette versucht, seine Hose zu säubern, den Fleck aber nur vergrößert. Wutentbrannt hatte er den Rest des In-Gerichts “Münchener Currywurst besonders spezial” vor sich auf den Boden gedonnert, versuchte, dabei den Curry-Spritzern der hingeschmissenen Portion auszuweichen, sah mit wachsendem Entsetzen die Curry-Spritzer auf seinen Schuhen, kriegte mit, wie sein Nachbarn kippte, umkippte und dann regungslos liegen blieb.

Er geht zu IHM rüber und misst dessen Puls an der Halsschlagader, spürt kaum etwas, nimmt seine Finger vom Hals des Mannes und seufzt erbost:

“Typisch mal wieder. Deutschland eben! Unverantwortlich! Und wer bezahlt mir jetzt meine Reinigungskosten?”

Der päpstliche Fasteleer (Teil 2)

Joseph. Auf Deutsch: “Gott vermehre”. Im Rheinland nennt man diesen Vornamen auch Jupp, in Bayern Sepp und in Spanien Pep. Sprachgourmands fällt bereits auf Zwei “p”s im Vornamen kommt immer gut. Wie bei “Pömpel”, “poppen” oder “Papst”.

Aloisius (auf Deutsch: “ganz weise”) dagegen … in meiner Schule im Westfalenland hatte ich einen Mitschüler, der diesen Namen trug. Und alle – von Eltern über Pastor bis hin zum Lehrer – sprachen ihn “Alo-i-sius” aus. Knappe 600 km südlich beharren Eltern, Pastoren, Lehrer und Päpste darauf, dass dieser Vornamen “A-läu-si-us” ausgesprochen wird. Was will man auch machen in einem Bundesland, welches versucht sich die Zunge mit “Blaukraut bleibt Blaukraut und Brautkleid bleibt Brautkleid” zu verknoten, während der Westfale leicht angeödet lediglich ein “Rotkohl bleibt Rotkohl und Brautkleid bleibt Brautkleid” verkündet, um sich danach seine Zunge mit einem Pils und nem Korn zu verknoten. “Alo-i-sius” oder “A-läu-si-us”, das ist schon ein bedeutsamer Unterschied, so wie “Karneval” und “Fasching”. Oder “Knäppchen” und “Scherzerl”. Wichtig ist, um was es dabei im Eigentlichen geht.

Joseph Aloisius. So ein Vornamenkonvolut geht ratzfatz am Standesamt eingetragen und bleibt dem Jungen dann mal eben fünf Dutzend Jahre hängen. Unserm Joseph Aloisius Ratzinger. Unserm Joseph Aloisius, der Ursache für den Aufmacher mit den zwei “p”s: “Wir sind Papst”. Vergelt’s Gott.

Je mehr man sich mit den Verlauf der Geschichte des Papstes Benedikt XVI., unserm Joseph Aloisius Ratzinger, anschaut, so mehr habe ich den Eindruck es war immer schon ein Fangen-Spiel. Oder Fangerl-Spiel, wie der Bayer zu sagen pflegt. Und seine Ankündigung, die als Rücktritt aufgefasst wurde, erscheint mir eher dem Wort “Aus” (“Freio”, “Wupp”, “Haus”, “Klippo”), welches Kinder für einen Ort beim Fangenspiel (Greifen, Haschen, Nachlaufen, Fangkus etc.) ausrufen, an dem man “sicher” ist. Bei jener Ratzinger-Erklärung im Februar 2013 könnte man dessen zeitlichen Umfelds niederträchtiger weise die Züge eines gigantisch historischen Karnevalsstreichs unterstellen.

Jetzt sollte man wissen, dass unser bodenständige bayrische Sepp (“Holleri du dödel di diri diri dudel dö”) und gleichzeitig himmlischer Aloisius (“Wann krieg na i wos z’tringe? … Luhja! Sacklzementhalleluja! Luhja, sog i! Mei Lieber Luja!”) eine besondere Vergangenheit hat. Also noch eine speziellere als man dessen Vitae eh als besonders ansieht.

Was hat der Seppeli Aloisili gemein mit folgenden Personen? Franz Josef Strauß, Bruno Kreisky, Helmut Kohl, Hans-Dietrich Genscher, Norbert Blüm, Jürgen Möllemann, Edmund Stoiber, Roman Herzog, Horst Seehofer, Markus Söder?

Na? Ihr grübelt noch? Dann noch ein paar Namen zusätzlich: Andreas Gabalier, Heino, Till Schweiger, Thomas Gottschalk, Aenne Burda, Vitali Klitschko und Wladimir Klitschko?

Immer noch nichts? Keine Idee, was alle verbindet? Keine göttliche Eingebung? Ausnahmsweise noch ein paar Namen: Werner Finck, Vicco von Bülow, Sir Peter Ustinov, Ephraim Kishon, Emil Steinberger, Rudi Carell, Hape Kerkeling, Michael “Bully” Herbig, Dieter Hallervorden?

Nun, die alle und noch viel mehr, wurden sie von der Münchner Faschingsgesellschaft Narrhalla mit dem “Karl Valentin Orden” ausgezeichnet. Und der Ratzinger-Sepp hat ihn ebenfalls umgehängt bekommen (Foto). Der Grund? Seitens Ratzinger gab schon immer eine innere Verbindung zu Karl Valentin. Im Sommer 1948 ging er auf einer Pilgerfahrt nach Planegg zum Grab von Karl Valentin 15 km zu Fuß. Als er dann vierzig Jahre später seinen Ausspruch „Ich bin nicht befugt, aus dem Vaterunser ein Mutterunser zu machen“ tätigte, da war er fällig und die Münchner Faschingsgesellschaft fragte ihn, ob er den Orden haben wolle. Entgegengenommen hatte ihn während des Verleihungsfestakts allerdings Joseph Aloisius Ratzinger nicht persönlich, sondern seine Schwester Maria, welche dann auch Ratzingers Dankesredetext verlas. Darin erklärte er:

Eine närrische Ordnung, mit der wir uns selbst und die Ernsthaftigkeit der großen Welt verspotten, ist eine gute Sache. Und das ist auch der Grund, warum ich es gerne angenommen habe. Einige Leute haben Zweifel geäußert, ob das zu einem so seriösen Beruf wie dem meinen passt. Das scheint mir sehr gut zu passen, denn es ist bekannt, dass es das Privileg des Volkes ist, die Wahrheit sagen zu können. An den Höfen der alten Potentaten war der Hofnarr oft der Einzige, der sich den Luxus der Wahrheit LUXUS DER WAHRHEIT leisten konnte … Und da ich in meinem Beruf zufällig die WAHRHEIT sagen MUSS, bin ich sehr glücklich, nun in die Kategorie derer aufgenommen worden zu sein, die dieses Privileg genießen … „Wir sind Narren um Christi willen (1. Korinther 4:10)”.

Was hat der Valentin-Orden nun mit seinem Verzicht auf die Machtausübung als Papst zu tun?

Nun, am 11. Februar 2013 erklärte Ratzinger in seiner Rolle als Papst Benedikt XVI. seinen Verzicht auf das Regieren im Vatikanstaat für den 28. Februar.

Der 11. Februar 2013 war ein Rosenmontag. Es war der ROSENMONTAG, Rosenmontag, eine Fortsetzung der alten römischen Traditionen, in denen Sklaven und Diener für einen Tag zu Herren wurden, wo der klassische Topos der „Welt auf dem Kopf“ noch heute verwirklicht wird. Nebenbei: an einem Rosenmontag ist auch Karl Valentin 1948 (9. Februar) gestorben, zu dessen Grab Ratzinger 15 km zu Fuß hinging.

Ratzinger erklärte in einen seiner späteren Bücher, dass er sich nicht bewusst war, dass jener 11. Februar ein Rosenmontag war, obwohl er explizit zwei später die Liturgie zum Aschermittwoch geplant und durchgeführt hatte. Er meinte, er hätte das Datum auch gewählt, weil am 11. Februar 1858 gegen 11 Uhr 11 wohl die erste Lourdes-Erscheinung der 14-jährigen Bernadette Soubirous statt fand.

1858?

In den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts fielen drei Straßenkarnevalsumzüge in Köln aufgrund staatlicher Restriktionen aus, zwei wurden gesplittet durchgeführt (weil sich die Jecken nicht auf einen großen Umzug einigen wollten) und die anderen beiden waren keiner Erwähnung wert. Erst 1858 wurde die Tradition des großen Straßenkarnevalsumzugs wieder durchgeführt, welche am Rosenmontag mit 34 Mottowagen, von Vier-, Sechs- und Achtspännern gezogen, umgesetzt wurde (… ob die Gäule danach im Rheinischen Sauerbraten Verwendung fanden ist nicht überliefert …). Mit dem Wieverfastelovend am 11. Februar 1858 um 11:11 Uhr begann der Kölsche Fasteleer.

Und am 11. Februar 1858 gegen 11:11 Uhr hatte Bernadette Soubirous ihre Vision. Natürlich in Lourdes und nicht in Köln. Seitdem gibt es dort Lourdes-Wasser In Kanister gegen teures Geld für Pilger, während Köln nur kostenloses Rhein-Wasser und Kölsch in Stangen zu bieten hat.

Interessant, welche Koinzidenzen es so in der Geschichte gibt. Das kann doch kein Zufall sein, da steckt sicherlich ein ganz großer Plan dahinter. Bill Gates kann es nicht sein, denn der wurde im Oktober geboren und Papst ist er auch nicht geworden. …

Nebenbei für die Historiker unter uns: in Bayern wäre an jenem Tag der “Unsinnige Donnerstag” gewesen, was die Bayern aber zu jener Zeit noch nicht wussten. Abends wurde in München am 11.Februar “Die heimliche Ehe” von Domenico Cimarosa zum zweiten Mal aufgeführt und alle schwelgten in Schöngeisterei. Tags zuvor veranstaltete der bayrische König Ludwig II. (ja genau, eben jener verrückte Neuschwanstein-Erbauer, welcher später im Starnberger See bei 20 Zentimeter Wasserhöhe ertrank) eine Schlittenfahrt mit einem Sechsspänner durch die Straßen Münchens, um mit seiner Gemahlin zu einem Abendessen zu gelangen.

Fasching selber wurde in München drei Tage später begangen. Als Künstlermaskenfest im ehemaligen Odeonssaal: eine italienischen Nacht im Beisein von König Ludwig II., mit dem damaligen “Prinz Carneval” (sic!) und als Höhepunkt dazu noch eine Depesche der Dresdener Künstler zum Lobe des bayrischen Königs.

Eine Verbindung zu den Visionen von Lourdes lässt sich bei allen Münchner Begebenheiten also getrost nicht feststellen. Luhja, sog i!

Zurück zu unserm Joseph Aloisius Ratzinger und seinem 11. Februar. Der 11. Februar, dieses Datum hat eine innere Verbindung, so schreiben Autor Seewald und Ratzinger in deren Buch “Letzte Gespräche” (2016; ISBN: 9783426276952; auch hier). Denn die Visionistin von Lourdes, jene Bernadette Soubirous starb am 18. April (1879; Gründonnerstag). Unser Ratzinger hat nun ebenfalls seinen Geburtstag an einem 18. April (1927; Ostermontag). Innere Verbindung.

So verbindet sich das eine mit dem anderen, das andere mit dem einem und alles mit allem, so dass Ratzinger seinen Ausspruch „Ich bin nicht befugt, aus dem Vaterunser ein Mutterunser zu machen“ tätigt und daher am 11. Februar seinen Abschiedsbrief mit zwei lateinischen Syntax-Fehlern veröffentlichte. Der katholische Teil des “Wir sind Papst”-Deutschlands hielt verstört in ihrem Helau und Alaaf inne und brachte stattdessen lediglich ein Feierbiest-trunkenes “Echt jetzt?” als Bäuerchen heraus.

Selbst von der BILD-Zeitung wird berichtet, dass sie es noch nicht mal schaffte, den naheliegenden Aufmacher “Wir Päpste treten zurück” in Schwarz-Rot-Gold zu bringen. Das wäre allerdings eh nicht so günstig gewesen, denn die Mainstream-BILDungsbüger-Leserschaft hätte einen solchen Aufmacher eh nicht verstanden. Stattdessen hätte sie ob der fehlenden Angabe der Richtung bloß ratlos auf die Buchstaben des Aufmachers gestiert, weil denen die Erklärung gefehlt hätte, gegen wen BILD mal wieder tritt.

Überhaupt ist die Geschichte vom angeblichen Rücktritt des Papstes Benedikt XVI. eh recht schwer verständlich, weil nach kanonischen Recht das Papsttum auf zwei Bereiche (munus und ministerium) sich erstreckt und er wohl nur einen Bereich aufgegeben hat. Oder einfacher, betriebswirtschaftlicher erklärt: das Papstamt umfasst CEO und COO. Der Ratzinger hatte wohl den COO-Bereich einfach abgegeben und den CEO behalten. Es könnte die Erklärung sein, weswegen der Kardinal Jorge Mario Bergoglio bei seinem Amtsantritt nur in Weiß erschien, statt sich in dem üblichen roten Papstroben gekleidet zu haben. Aber das ist nur eine herbeigeklaubte Vermutung, wie man sie nur an einem Donnerstag unsinnigerweise machen kann.

Egal. Fakt ist, der Papst war amtsmüde oder hatte keinen Bock mehr oder beides, und die kirchlichen katholischen Feierbiester mit Rang und Namen versammelten sich in der Sixtinischen Kapelle, um dort beim eintägigen Feiern den Zermonien-Meister Jorge zu inthronisieren. Früher wurden die Feierbiester dann auch schon mal zwei Jahre lang eingesperrt, wenn die sich nicht einigen konnten. Da war dann für diese Rock ’n Roller Feiern bei Wasser und Brot angesagt, im Jahre 1279. Sowas war damals in Rom noch machbar. Im Jahre 2013 waren die Hotelpreise für die Kardinal-Bedienstete in Rom erheblich höher, weswegen das ganze Abstimmen auch nur einen Tag lang dauerte. Man wollte ja nicht arm wie eine Kirchenmaus wieder in deren Kardinalshochburgen zurück kommen … .

Und was sagt uns das? Seit jenem Abend des 13. März 2013, noch kurz vorm Wetterbericht der Tagesschau, seit jener Zeit dürfen nun die Katholen an eine dreifaltige Gottheit (Vater, Sohn und Heiliger Geist) vertreten auf Erden durch ein zweifaltigem Papsttum (Sepp Loisl und Jorge) mit einfaltiger Einheit glauben. Einfaltig. Nicht einfältig. Also einfaltig eher so wie ein gefaltetes Blatt Papier.

Gefaltetes Papier. Wenn man gefaltetes Blatt Papier mit nem Locher stanzt, kriegt man doppelt so viel Konfetti, als wenn man es nur einfach stanzt. Dazu darf man dann aber auch nicht die Hände falten und beten, sonst wird das ganze private Konfetti-Stanzen richtig ineffektiv.

Und es wird wieder Zeit Konfetti zu stanzen. Der Elfte im Elften ist wieder eingetreten. Der Reigen beginnt erneut: Advent, Maria Empfängnis, Weihnachten, Wieverfastelovend, Rosenmontag und dann vielleicht wieder ein Rücktritt? Ratzinger war ja auch nur acht Jahre lang aktiver Papst. Warum sollte Jorge Mario Bergoglio in seiner Hauptrolle als Papst Franziskus es anders halten? Denn am Aschermittwoch soll doch alles vorbei sein. Warum auch nicht dann der jetzige päpstliche Fasteleer? Zumindest hätten dann der Seppl Loisl und der Jorge im März den dritten Mann auf Augenhöhe zum Skat spielen. Papst-Skat. Als Einsatz könnten die Einkünfte der “Brüder im Nebel” verwendet werden. Als Aschermittwoch-Spende. An darbende Personen im Vatikan. Überwiesen vom Kölner Erzbischof Kardinal Woelki, der während seiner geistlichen Auszeit sein volles Monatsgehalt von 13.700 Euro weiter erhält. Jene 13.700 Euro, die von den normalen deutschen Steuereinnahmen an ihn weiter geleitet werden. 

Und in der Tradition, dass alle acht Jahre ein Papst zurück tritt, dann wäre in acht Jahren drauf auch Schafskopfen möglich. Das würde den Bayer Seppl Loisl erfreuen. Wäre doch mal ne Anregung, für ein wenig Äkschn im Vatikan.

In der Zwischenzeit lasst uns jetzt Konfetti-Stanzen. Ist ja offiziell wieder Karneval. Und der Wieverfastelovend ist ja nicht mehr weit. Genießen wir also solange das Schisma, solange es noch lebt …

Alles auf dem Tisch aufgetischt

Ich habe Steffen getroffen. Gestern, mitten in der Fußgängerzone. Steffen ging dort mit Stolz geschwellter Brust. Ihr kennt Steffen nicht? Steffen, das ist derjenige, der irgendwo im Internet etwas gelesen hatte, das niemand wusste. Und damit konnte Steffen das Problem lösen, an welchem Experten jahrelang auf der ganzen Welt geforscht und diskutiert hatten, aber zu dem keiner der Experten eine Lösung fand. Außer Steffen. Im Internet. Durch Lesen von etwas. Was niemand wusste. Steffen ist der wahre Experte aller sogenannten Experten.

Ihr kennt Steffen noch immer nicht? Steffen ist einer der ‘hidden champions’ dieser Welt. Er wird aus berufenen Mündern auch gerne ‘Ehren-Steffen’ genannt. So wie ‘Ehren-Mann’, nur halt ‘Ehren-Steffen’. Warum er Euch trotzdem nicht bekannt ist? Fragt euch selber: cui bono? Wem nützt es, dass er nicht Euch bekannt ist. Eben, den Forschenden, die mit der Schmach leben müssten, dass sie es selber im Internet nicht gefunden hatten. Und deswegen findet sich zu Steffen auch nichts in den Mainstream-Medien.

Gestern lief er mitten in der Fußgängerzone, mit seinem Smartphone vor der Brust. Er nutzte es als Fußgängernavigationshilfsmittel, weil er vom Münchner Marienplatz zum Münchner Stachus musste. Und ohne seine Information aus dem Internet, wer weiß, er wäre vielleicht auf der Kölner Domplatte rausgekommen. Oder im Hamburger Kiez. Wer weiß das schon so genau. Steffen verlässt sich halt nicht auf Expertenmeinungen, denn er hat Internet. Mobil auf seinem Smartphone. Er ist ja selber Experte und lässt sich nicht mehr ‘X’ für ein ‘U’ vormachen.

Freilich ist es wohlfeil und billig, mich hier über das Expertentum Deutschlands auszulassen. Vor nicht ganz 24 Stunden hatte ich es mit Experten zu tun. Ich nenne sie mal so, denn sie sind im Besitz akademischen Segnungen. Wie ich übrigens auch. Aber das tut hier nichts zur Sache.

Es ging mir darum, meine Impfung abzuholen. Nachdem viele Experten erklärt hatten, dass alle Geimpften im September sterben würden, dachte ich mir, dass – wenn jetzt binnen 24 Stunden mindestens 64% der Bevölkerung sterben würde – ich mit den restlichen 36% nicht mehr weiter leben mochte.

Die Impfstation war leer. Die Mehrheit bestand aus freiwilligen Ärzten, die vor ihren Tischen hockten und Kaffee tranken. Ich wollte mich den Tischen nähern, aber eine Person drückte mir Kugelschreiber und Papier in die Hand. Von der Wiege bis zur Bahre halt Formulare, Formulare, Formulare. Die üblichen Fragen mit Auswahlkästchen zum Ankreuzen halt. Ob ich Allergien hätte. Ob ich schwanger wäre. Ob ich die letzten vierzehn Tage eine Person mit Covid kontaktiert hätte. Ob ich dieses oder jenes hätte oder nicht hätte. Und ob ich bereit wäre auf eine medizinisch-ärztliche Aufklärung zu verzichten. Ja, verzichten, das wollte ich, denn die Infos dazu hatte ich schon mehrfach gelesen gehabt.

Mit den ausgefüllten Zetteln in der Hand, meinem Personalausweis, meinem Impfpass und meinem Genesenen-Zertifikat begab ich mich zu den Tischen und wählte mir einen der Mediziner aus. Ich übergab ihm alle Papiere und setzte mich. Ob es meine erste Impfung oder meine zweite sein würde, war die erste Frage. Ich erklärte, dass ich Genesener sei und ich mir darum jetzt die sogenannte Zwei-Impfung abholen würde. Er schaute mich verwirrt an und beharrte auf die Beantwortung seiner Frage. Ich verwies auf mein Genesenen-Zertifikat, was ihn aber nicht weiter interessierte. Ein Kollege flüsterte ihm etwas zu und erst dann schien er zu verstehen. Darauf wollte er das Datum meiner Erkrankung wissen. Ich verwies erneut auf das Genesenen-Zertifikat. Er erwiderte mir, dass er etwas offizielles benötigen würde. Etwas, worin zu lesen wäre, wann meine Erkrankung festgestellt worden ist. Ich verwies zum dritten Male auf mein Genesenen-Zertifikat. Erst jetzt faltete er es unwirsch auf und erklärte mir:

“Nein, da steht dazu nichts drin.”

“Doch, da steht das Datum der Erkrankung drin. Sie müssen nur lesen.”

“Was soll das überhaupt sein, dieses Genesenen-Zertifikat? Das hab ich ja noch nie gesehen.”

Die Antwort lies mich anfangs sprachlos. Ich erklärte ihm, dass diese EU-Genesenen-Zertifikate seit ungefähr sechs Wochen in Apotheken ausgestellt werden, nachdem eine Gesetzesänderung verabschiedet wurde, welches den Apotheken diese erst ermöglichte. Zuvor war das nur bei Ärzten möglich.

“Ja, aber ich brauche das Datum, wann die Erkrankung festgestellt wurde, und das finde ich hier nicht in diesem seltsamen Wisch.”

Hat schon jemals jemand sich der Versuchung hingegeben, jemand anderem per Telefon die Bedienung eines Fernsehgerätes zu erklären? Oder die Verwendung eines Computers? Oder das Mixen eines primitiven Martini Cocktails? Meine Empfehlung: einfach mal versuchen. Es ist die beste Möglichkeit in tiefen Depressionen zu verfallen und der Menschheit das Überleben aus gewichtigen Gründen abzusprechen. Und bitte! Und bitte, niemals den Satz ‘Lies doch einfach mal in der Gebrauchsanweisung nach’. Das geht gar nicht. Alle Dinge müssen einfach sein. Mundgerecht vorbereitet, abwaschbar, verbrauchergerecht. Und bitte nicht vom Gegenüber verlangen, er müsse selbst etwas tun. Wie lesen beispielsweise. Wer noch nie im Internet eine Gebrauchsanweisung herunter geladen hat, um dem Menschen am anderen Ende der langen Leitung vorzulesen und zu erklären, wie er denn den Fernseher einzustellen habe, der gehört eindeutig zu den glücklichen Teil dieser Menschheit. Zu so etwas fällt mir der Film “Idiocracy” aus dem Jahre 2006 ein. Nicht dass der Film ein wirkliches Kino-Highlight wäre, eher ganz im Gegentum, aber er tröstet so unfassbar sehr. Besonders nach einem Telefongespräch mit Vorlesen und Erklären einer Gebrauchsanweisung, welche der andere Mensch selber lesen und verstehen hätte können.

Und so hatte ich auch meinen positiven PCR-Test von damals dabei. Voraussicht? Vorahnung? Die Gabe? Na gut, eher nur Berufserfahrung. In meinem Beruf rechnet man mit menschlichen Fehlern und versucht diese zu vermeiden. So etwas wirkt sich auch privat aus, was dann von anderen auch gerne als Negativismus ausgelegt wird. Daran habe ich mich bereits gewöhnt. Es ist lediglich die reine Risikoabschätzung. Und somit hatte ich mein damaliges PCR-Testergebnis gleich mit eingepackt gehabt. Somit lagen dann alle meine Papiere vor ihm auf dem Tisch.

Und der gute Mensch mir gegenüber nahm sich mein PCR-Testergebnis und fing auch gleich laut an zu rechnen, ob ich überhaupt impfberechtigt wäre: Erkrankungsdatum plus ein halbes Jahr. Und prompt hatte er sich um vier Wochen verrechnet. Trotz dem Ergebnis seiner Rechnung, wollte er mich ausnahmsweise zulassen.

Demütig schwieg ich zu seinem Rechenfehler. Er war es mir nicht wert. Er war es nicht wert.

Und dann fing er an, mir all jene Fragen zu stellen, welche ich zuvor auf dem Bogen beantwortet hatte und per eigener Unterschrift beglaubigte. Jede dieser einzelnen Fragen nochmals. Den Drang, ihn auf meinen ausgefüllten Bogen hinzuweisen, verkniff ich mir. Dafür unterschrieb ich erneut den Bogen, den er mir frisch aus seinem Laptop ausgedruckt vorlegte. Und auch noch einen Bogen, dass ich auf eine medizinisch-ärztliche Aufklärung zur Impfung verzichten würde. Alles lag nun endgültig auf dem Tisch. Und erst dann durfte ich in den Raum, wo ich den Spritzeninhalt injiziert bekam.

Am Anfang dieses Posts hatte ich übrigens gelogen. ‘Steffen’ habe ich freilich nicht getroffen. Auch nicht in der Fußgängerzone zwischen Marienplatz und Stachus. Und auch nicht im Impfzentrum. Aber ich hätte ihn treffen können. Jederzeit.

‘Steffen’ gibt es natürlich nicht wirklich. Weil ‘Steffen’ nur die Erfindung eines Karikaturenzeichners ist. Von Joscha Sauer. Derjenige, der die genialen “Nicht Lustig”-Cartoons zeichnet. Und das ‘Steffen’-Cartoon (hier) hatte Joscha Sauer über Twitter allen ‘Steffens da draußen’ gezeichnet. Der Arzt im Impfzentrum mir gegenüber war jetzt kein ‘Steffen’, aber er hätte gut und gerne einer der Applaudierenden (- nein, nicht in dem dargestellten Publikum, sondern aus dem applaudierendem Gremium -) in dem Cartoon sein können.

Ach ja. Und heute ist der 1. Oktober. Die Geimpften sind trotz der Aussagen gewisser verquer denkenden Experten gestern nicht wie die Fliegen gestorben, so wie in Kreisen der Impfschwurbler zur Angstmache einfach mal prophezeit wurde. Es ist einfach nicht eingetroffen, dass mal über 64% verstarben, so wie bei dem ‘Thanos’ aus dem Marvel-Universum der Avengers, der mit seinem Snap die Hälfte der Bevölkerung der Erde einfach mal wegschnipste. ‘Thanos’ des Marvel-Universums wohlgemerkt. Nur zum Verständnis: ‘Thanos’ ist das Pendant zu dem ‘Bill Gates’ der Querdenker.

So.

Damit ist das auch mal auf dem Tisch, was unsere vermeintlichen, so ungewertschätzte heimliche Expertenelite da draußen angeht.

#allesaufdemtisch

Kneipengespräch: Die 3-J-Regel

Die Tür schob sich nach innen, ein Windstoß bewegte die Luft im Raum, ein Gast trat ein. Die anderen Gäste am Tresen schauten kurz auf und blickten darauf wieder auf ihre flache Kölsch-Schaumkrone in deren Stange.

Allein der Wirt stockte beim Kölsch-Stangen-Polieren und blickte fordernd den eintretenden Gast an. Der Gast bewegte sich auf den Tresen zu, ergriff sich routiniert den einzige leeren Stuhl, hockte sich drauf, nahm seine Maske ab und sprach die magischen vier Worte:

»Dun mer en Kölsch.«

»Früh, Reissdorf oder Päffgen?«

»Päffgen? Du hast Päffgen?«

»Und du schuldest hier noch drei fuffzich.«

Der Gast zog seine Geldbörse raus und legte dem Wirt einen 50iger auf den Tresen.

»Reicht das?«

»Päffgen ist aus. Reissdorf?«

»Okay, dann zwei.«

»Nimm Früh, kommt früher. Läuft besser.«

Der Nachbar schaute rüber.

»Na? Wette verloren?«

»Wie?«

»Beim letzten Mal war auf ihrem Kopf noch Vollhaar. Weiß, schütter und mittellang. Vormals alter grauhaariger, weißer Mann. Jetzt Glatzköpfiger aus dem Sonnenstudio.«

»Werter Gast«, unterbrach der Wirt und schaute den neu hinzugekommenen Gast an, »ich benötige noch ne Antwort auf dringende Bewirtungsfragen.«

»Akzeptiert. Du darfst mein Glas spülen.«

»Status?«

»Ich gehöre zu den Drei-Jott.«

»Drei Jott?«

»Jeimpft, jenesen und jetestet.«

»Aja?«

»Ich bin jenesen.«

»Nachweis?«

»Schau auf mein schütterndes Haar. Kann diese Glatze lügen?«

Der Wirt schaute ihm auf seine glänzende Billardkugel.

»Aha. Das Äußere deiner Gesinnung haste nu also haarklein angepasst? Balastbefreit?«

»Wie meinen?«

»Du Skinhead. Du Undemokrat.«

»Okay. Und was soll das jetzt darstellen?«

»Haarspalter mit rechtsextremen Argumenten. Spalter von Haaren. Auch mit ner Axt auf fremden Köpfen, wie für Patrioten üblich.«

»Na. Wir wollen doch nicht hier am Tresen Haare spalten, oder?«

»Wenn sich kein Haar in meinen Kölsch-Stangen findet und Gäste wegen rotem Kölsch sich beschweren … also: welches J haste?«

»Die Welt hat letztens sich selber entlarvend berichtet, die haben sich demaskiert …«

»Die Welt ist Medien-Mainstream und Medien-Lügenpresse. Bild-Niveau. Extra Reichelt-tiefergelegt. Wie bei Fahrzeugen: tiefergelegt geht schneller und nimmt keine Rücksicht auf nachhaltige Argumentationen. Die WELT vor unserer Haustür halt. Also. Welches J?«

»Jones.«

»Aja.«

»Indiana Jones.«

»Willst sagen, du hasst Schlangen. Dann kannst du dich jetzt in der Test-Schlange zwei Straßen weiter einordnen. Mit nem positiven Negativ-Test kriegste auch ein Kölsch.«

Der Gast lehnte sich zum Wirt rüber:

»Das letzte Gespräch zwischen uns hängt dir wohl noch arg nach, oder?«

»Gespräch? War eher ein Monolog.«

»Ja, nee, is klar. Die Wahrheit schmerzt, nicht wahr?«

»Nein. Nicht die Wahrheit, sondern deine verblendete Dummheit.«

»Die Wahrheit findest du im Internet bei den alternativen Medien …«

»PI? Nachdenkseiten? Russia Today?«

»WELT. BILD und BILD-TV.«

Der Gast fixierte den Wirt, seine Stirnfalten verkündeten Blitze und Donner.

»Wenn du dich nicht im Internet bei vertrauenswürdigen Medien informieren willst, dann ist das deines Geistes Schwäche. Du solltest mal auf andere hören statt nur den Mainstream-Medien-Lügen. Im Internet findest du die Wahrheit. Unzensiert. Wenn sie nicht gerade auf Youtube oder Facebook oder Twitter zensiert wird, dann auf den Kanälen der alternativen Medien.«

»Wie ich bereits fragte: auf den Seiten von PI oder den Nachdenkseiten?«

»Bei Leuten, die Statistiken mit deren ureigenem Wissen privat, deswegen Respekt und Vertrauen verdienen, das eigene Wissen analysieren und die verblüffenden Ergebnisse dann veröffentlichen!«

»Ureigenes Wissen? Selbst analysiert? Ist das eine Qualifikation? Hört sich nach Selbst-Referenzialität an. Hofnarren-Onanie der eigenen, nach außen verschleierten Überzeugung.«

Der Gast strich sich über seine Glatte Glatze, griff in seine Tasche und tauschte den 50er mit nem 5er aus.

»Sorry, aber du bist mir zu dumm. An dir ist Hopfen und Malz verloren. Mainstream-Trottel. Informier dich mal. Die Einsfuffzich sind für dich, Trinkgeld, aber nicht gleich alles versaufen, okay. Investier das Trinkgeld in deine geistige Zukunft.«

Der Wirt ergriff den 5er und grinste:

»Den 5er nehm ich doch glatt. Jetzt weiß ich, warum du dir ne Glatze hast machen lassen.«

Der Gast blickte skeptisch zum Wirt auf.

»Mit Glatze kann der Gedanke frei fliegen. Ohne von Haaren in seiner Freiheit beschränkt zu sein.«

»Ach ja? Und?«

»Kommt der Gedanke dann zu dir zurück, dann gehört er dir auf ewig. Nur, das wird nie passieren. Gedanken haben auch ihren Stolz. Denn du hast nur Käfige für deine Gedanken.«

Der Gast donnerte seine Faust auf den Tresen.

»Nur weil ich jetzt ein Glatzköpfiger bin, …«

Der Wirt unterbrach ihn: »Speakers room hinten rechts. Für alle, die glauben, dass hier eine Meinungszensur herrscht, Speakers-Room hinten rechts. Freier Zutritt nur für Bekloppte.«

»Nur weil ich Glatzköpfiger bin, …«

»Rasierstube ist zwei Straßen weiter rechts bei den türkischen Friseuren für die Generation U30.«

Der Gast erhob sich wortlos von seinem Hocker und schritt auf die Ausgangstür zu.

Der Wirt schaute in die Tresenrunde und fragte:

»Jemand noch ein Kölsch nach der 3-J-Regel?«

Einer hob seine Stange, dem Wirt zuwinkend:

»Hauptsach joot, jerad und jenau, dann passt et scho. Hauptsach drei-Jot.«

Leise gluckerte der Zapfhahn.

Parkbankgespräch: Brauchse wat zu kaun, Quatsch mit Soße

»Hm. Was’n das?«

»Currywurst a la Bavaria.«

»Heißt was?«

»Bayrische Currywurst.«

»Und was ist das besondere daran?«

»Du kannst wählen, ob du auf dem angewärmten Tomatenketchup Currypulver draufhaben willst oder nicht.«

»Echt jetzt? Currywurst ohne Curry?«

»Warum nicht? Ist für Curry-Allergiker. Die allbekannte ‚C‘-Allergie.«

»Allbekannt. Ja, nee is klar.«

»Doch. Es gibt auch ‚CSU‘ ohne ‚C‘. Für jene Mehrheit der ‚C‘-Allergiker.«

»Also Urrywurst ohne Urry?«

»Soziale Union ohne einen Hauch von ‚Christlich‘. Wählbar. Jederzeit zur Wahl. Du kannst in Bayern auch wählen, ob als Currywurst eine als rot oder weiß verwendet werden soll.«

»Rot oder weiß? Ne Soz’n-Wurst oder ne White-Collar-Wirecard-Verwurstung? So wie  pikant oder normal?«

»Naja. Eher Bratwurst normal oder Bratwurst mit mehr Bratwurstgeschmack.«

»Ich dachte, bei Currywurst gibt es eher die Auswahl ‚mit Darm‘ oder ‚ohne Darm‘.«

»Bei den Preußen. Aber nicht hier in Bayern. ‚Mit Darm‘ oder ‚ohne Darm‘, da sei den Bayern der Leibhaftige vor!«

»Gibt es denn in Bayern kein feurig, voll scharf, mit-schaaf oder larifari?«

»Nur bei den Preußen. Oder Türken im Dönerladen. Aber nicht hier bei den Bayern. Hier gibt es die Currywurst mit Currypulver überm angewärmten Ketchup. Oder halt ohne.«

»Ohne? Ai em schockt.«

»Als Merksatz merke dir: Die Geschichte der bayrischen Currywurst ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Man sieht nichts, man riecht nichts, und außen bleibt alles angenehm sauber.«

»Always? Ultra wie bei der Weißwurst?«

»Wie bei der urbayrischen Version von den Bayern-Currywurst-Enthusiasten. Der ‚mit-schaaf?‘-Abstinenten.«

»Na, dann lieber Currywurst mit Po-ro-we-u-se.«

»Po-ro-we-u-se?«

»Pommes rot-weis mit Senf. Currywurst extra scharf mit Po-ro-we-u-se. Der Klassiker der Pause.«

»Pausensnack. Die Currywurst ist der Kraftriegel am Morgen für den Werker am Band. Halb zehn in Deutschland. Das hieß damals noch Currywurst mit Pommes. Jetzt denkt jeder an Haselnusscremewaffel.«

»In Bayern hat sich die Idee des Werkers am Band doch eh nie richtig durchgesetzt. Die stehen eher mehr auf Kette als auf Band. Die Kette im Steuertrieb der Verbrennungsmotoren. Weil Bayrische Motoren Werke. Kette statt irgend so ein Band oder nen nassen Riemen. Südlich des Weißwurstäquators ist das als Gesetz gesetzt.«

»Und nun streicht gerade der VW die Currywurst von dem Speiseplan einer seiner sieben Kantinen.«

»Der Untergang des Abendlandes.«

»Wie schön, dass du auf das Attribut ‚christlich‘ verzichtet hast.«

»Hatte ich doch bereits gesagt, ‚C‘ geht hier gar nicht. Weil ‚C‘-Allergie in Bayern.«

»Äußert sich wie?«

»Emeritierung als Freisinger Papst. Oder als Rücktrittsgesuch als Münchner Kardinal.«

»Vorsicht, ganz dünnes Eis, du Ketzer!«

»Nö, nur Currywurst-ohne-Darm-extra-scharf-mit-Po-ro-we-u-se.«

»Sei froh, dass die Bayern noch nicht wieder auf Preußen schießen dürfen.«

»Stimmt, weil sie es noch nicht begriffen haben, dass die Preußen so schnell nicht schießen.«

»Bayern hätten zwei Schüsse Vorteil. Matchball bereits vor dem ersten Aufschlag auf dem Tennisplatz des Lebens.«

»Schön philosophiert. Worte sind schön, aber Hühner legen Eier. Darum streicht nun VW die Currywurst von dem Speiseplan einer seiner sieben Kantinen. Und unser Ex-Kanzler Schröder wittert die große Verschwörung. Er meinte, wenn er noch im Aufsichtsrat von VW säße, ja, dann hätte es so etwas nicht gegeben.«

»Schröder? Who the fuck ist Schröder?«

»Hartz-4-Erschaffer und Urheber der folgenden Bemerkung: ‚Vegetarische Ernährung ist gut, ich selbst mache das phasenweise auch. […] Aber grundsätzlich keine Currywurst? Nein! Currywurst mit Pommes ist einer der Kraftriegel der Facharbeiterin und des Facharbeiters in der Produktion. Das soll so bleiben.‘« (hier)

»Wahnsinn! Wird er dafür im nächsten Jahr den Nobelpreis für Biologie erhalten?«

»Schlimmer.«

»Den Friedensnobelpreis?«

»Schlimmer.«

»Die goldene Currywurst am Pommes-Bande?«

»So in etwa. Er wird Spitzenkandidat der Partei ‚DIE SONSTIGEN‘, Listenplatz 43 der kommenden Bundestagswahl.«

»Na ja, als Spitzenkandidat der V-Partei³ hat er es sich wohl verscherzt. Das wird ihm die ‚Partei für Veränderung, Vegetarier und Veganer’ niemals verzeihen.«

»Sicher das. Beim Verzehr einer veganen Currywurst werden sie offen dreimal geschlossen ausspucken.«

»Dabei hat Schröder doch extra erklärt: Vegetarische Ernährung sei gut, er selbst mache das phasenweise auch.«

»Das ist wichtig. In der SPD-Tradition von Helmut und Loki Schmidt. Die haben auch erklärt, dass sie nach jeder Zigarette aufgehört haben, zu rauchen.«

»Lobenswert. Und Mutter Beimer brät sich dabei jedes Mal ein Spiegelei.«

»Absolut.«

»Kann ich mal nen Happen Ihrer Currywurst haben?«

»Einen?«

»Einmal einen Happen Heimat kosten.«

»Heimat-Blues? Hm. Bisse richtig down, brauchse wat zu kaun?«

»Ne Currywurst.«

»Gehse inne Stadt, wat macht dich da satt?«

»Ne Currywurst.«

»Kommse vonne Schicht, wat schönret gibtet nich?«

»Als wie Currywurst.«

»Aufm Hemd, auffer Jacke, Ker, wat ist dat ne K … ?«

»Mal ehrlich und ganz ungelogen: Was wäre nur die Currywurst ohne der alten Ode an ihr durch Herbert, dem Grönemeyer?«

»Nur ne christliche Version der bayrische Weißwurst mit süßem Senf?«

»Quatsch mit Soße!«

Kneipengespräch: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel

»Ist der Knispel von neulich nochmals wieder gekommen?«

Der Wirt stellte seinem Gast ein frisch gezapftes Kölsch hin und blickte ihn an: »Nein. Bislang nicht. Obwohl er noch Drei Fuffzig schuldig geblieben ist.«

»Echt? Er hatte doch drei Zehner hingelegt gehabt.«

»Rechnen konnte der auch nicht.«

»Was is’n passiert?«, fragte der zweite Gast am Tresen.

»Ach, so ein Zeuge Coronas war hier. Der hat uns letztens mehr als eine Halbe Stunde lang etwas vom Pferd erzählt, auf das er so setzt«, erwiderte stattdessen der erste Gast, der dankbar sein Kölsch entgegen nahm.

»Welches Pferd denn?«

»Dieser geschenkte Gaul. Dem jeder ins Maul starren möchte. Diesen Corona-Mist halt, den er uns hier in der Kneipe im Gespräch aufzwingen wollte.«

»Ach so. Übrigens, ich bin der Peter. Und wie heißt du denn so?«

Gast Nummer Eins schaute den Peter an und ignorierte dessen Frage: »Der hat hier wie aus einer Bibel gelabert.«

»Bibel?«

»Ja, seine Mainstream-Medien.«

»Ach so.«

»Und gegen die alternative Gegenöffentlichkeit hat er gewettert.«

»Gegen welche alternative Gegenöffentlichkeit?«

»Gegen all das, was nicht mit dem Mainstream schwimmt und darauf achtet, dass die uns nicht einseitig belügen. Also Telepolis, RT, KenFM, Nachdenkseiten, Junge Welt und so. Nenn mich Stefan. Prost, Peter.«

»Stößcken, Stefan.«

Beide nahmen einen langen Schluck aus deren Kölschglas und horchten ihrem Schluck hinterher, wie er in deren Kehlen verschwand. Stille. Kein Gurgeln, kein Aufstoßen. Ruhe. Im Hintergrund klampften leise ‘De Höhner’ un-plugged ihr “Alles was ich will”.

»Alles klar? Noch jeder ein Kölsch?«, der Wirt blickte abwartend in die Runde.

»Mir erstmal noch nicht«, antwortete Stefan, »Ich hatte mal bei so einer Mainstream-Zeitung einen wohl argumentierenden Leserbrief geschrieben und der wurde nicht veröffentlicht. War denen wohl nicht genehm genug. Seitdem weiß ich, dass die Leserbriefe nach eigenem Gusto filtern.«

»Mir erstmal auch noch nicht«, antwortete Peter dem Wirt und fuhr zu Stefan gewandt fort: »Kenn ich. Ist mir bei alternativen Medien noch nie passiert. Ich hatte dort mal einen der Autoren auf einen Fehler hingewiesen und dass er nicht jene, die nicht seiner Meinung wären, als komplette Vollidioten hinstellen sollte.«

»Und?«

»Der Autor hatte sich aufrichtig entschuldigt und sofort versprochen, seinen Artikel zu korrigieren.«

»Echt?«

»Nö. Er nannte mich uneinsichtig und ich solle nochmals drüber nachdenken, was ich unsägliches geschrieben hatte, wollte ich nicht auch zu den Vollidioten gehören. Fast in der gleichen Weise wie der Knispel letztens auch.«

Beide schwiegen wieder und schauten in deren Gläser.

»Es erinnert mich an den Mitte-80er-Jahre Witz. Sagt der BRD-Deutsche dem Besucher aus DDR-Deutschland angesichts des Bonner Wasserwerks: ‚Wenn ich hier hinstelle und brülle, dass im Bonner Parlament nur Knallchargen sitzen, dann passiert mir nichts. Das nennt sich Meinungsfreiheit.‘ Sagt der Ost-Deutsche darauf: ‚Haben wir auch. Den identischen Satz kannste auch vor Erichs Lampenladen in Berlin brüllen, und dir wird dort auch nichts passieren‘«, sinnierte Peter.

»Politik?« Der Wirt schaute beide scharf an. »Politik? Nicht hier am Tresen, okay! Dann hinten rechts, dafür gibt es den ‚Speakers Room’, da könnt ihr eure Stammtischhoheiten ausfechten.«

»Ashes to ashes and clay to clay, if the enemy doesn’t get you your own folks may,«, flachste Stefan zurück.

Peter zuckte mit den Schultern: »Stammtischhoheiten? Die Kneipen haben doch ausgedient dafür. Heute geht es doch alkoholfreier und dafür wesentlich ungehemmter im Internet zu. Noch ‘n Kölsch, Stefan?«

Stefan nickte.

»Lass uns über Fußball reden. In drei Wochen spielt der Effzeh hier in München in der Bundesliga gegen Mia-san-mia.«

»Schön. Und ich dachte die Leidenszeit wegen Fußball wäre seit der EM beendet. Dass die Bayern sich auch immer Trainingsmannschaften vom Rhein in deren Stadion einfliegen lassen.«

»Die Kölner werden nicht fliegen. Die kommen mit dem Bus über die Landstraßen.«

»Per Bus über Landstraßen? Dann müssten die ja bereits ne halbe Woche vorher losfahren.«

»Tja. Das ist wegen den vielen Blitzern und roten Ampeln. Schneller kommt der Effzeh bei Auswärtsspielen nie an die wertvollen Punkte.«

»Der ewige Kampf gegen den Abstieg. Und was macht ein Kölner, wenn sein Effzeh Deutscher Meister geworden ist? Die X-Box aus!«

Der Wirt kam, stellte zwei Kölsch hin, schaute beide an und meinte mit leicht leidendem Unterton: »Okay. Es reicht. Eure Köln-Witze sind ein Witz. Dann redet mir lieber ruhig wieder über Politik. Aber hört auf mit euren Köln-Witzen. Die sind grausam.«

Still wurd’s. Die beiden Gäste schauten erst sich und dann den Wirt ratlos an. Der schaute lediglich zurück, zuckte mit den Schultern, schnappte sich eine gespülte Kölsch Stange und fing an sie zu polieren.

»Hm. Ob der Knispel von neulich nochmals wieder kommen wird? Zum Rückspiel?«, fragte der eine Gast.

»Ich glaube nicht. Denn das nächste Spiel ist immer das schwerste«, meinte der andere.

Die Eingangstür knarzte leicht. Ihre Köpfe fuhren von deren Kölsch hoch, sie schauten hinter sich zur Tür. Niemand trat ein. Es wurde still.

Kneipengespräch: Doppelt dumm gelaufen, du Ehrlicher, du!

Er brabbelte vor sich hin. Nicht laut, aber störend.

“Hey, kannste mal damit aufhören, hier rumzubrabbeln?”

Er starrte mich verwundert an. Wahrscheinlich schon im Delirium Tremens. Ich seufzte und wollte mir gerade das nächste Kölsch bestellen, als er spontan loslegte

“Ich lass mir nichts verbieten!”

Vorsichtig entgegnete ich: “Was bitte?”

“Ich’s bin’s nicht gewesen.”

“Ja?”

“Die anderen war’s.”

“Sie meinen Türkenhochzeiten? Oder Oma-Geburtstag? Motorrad im Hühnerstall?”

“Bürschchen, halt die Klappe.”

“Wie bitte?”

“Das ist momentan normal. Außer Verboten fällt denen nix ein.”

“Verbote? Wem?”

“Ich kenn keinen, den es in Wirklichkeit erwischt hat.”

“Okay …”

“Also wird es wohl nicht so schlimm sein.”

“Und?”

“Mich trifft’s nicht.”

“Echt?”

“Alles übertrieben. Total übertrieben.”

“Hm, warum?”

“Das ist wissenschaftlich nicht eindeutig erwiesen. Und irgendeiner hat’s in die Welt gesetzt, um mich zu unterdrücken. Great Resett. Weiß doch jeder!”

“Ähem, weiß wer?”

“Das Ganze ist lediglich ein primitives Machtinstrument. Ein Spiel der Herrschenden!”

“Ein Machtinstrument?”

“Die da oben gegen uns da unten! Mit Fake-News der Mainstream-Medien wie BILD, EXPRESS und so. Hör mal! Ich hab keinen Bock auf Verzicht!”

“Was?”

“Ich selber hab ein Recht, durch die Welt zu fliegen. Ein natürliches Anrecht auf meine Freiheit! Steht auch im Grundgesetz.”

“Freiheit?”

“Jawohl, meine demokratische Freiheit ist wichtiger als irgend so ein Live time-Fußabdruck für paar Dagegen-Fuzies.”

“Fußabdruck? “

“Hömma, wir reden bekanntermaßen von einer Erfahrungsdimension, von vielleicht jetzt knapp ein Dutzend Monaten.”

“Okay. Erfahrungsdimension?”

“Hey, ein Wandel wird nichts sein, worauf man dann nach paar Monaten Einschränkung keinen Bock mehr hat. Das macht pessimistisch.”

“Dass die Menschheit das hinkriegt? Moment. Erklär mir mal: Worüber hast du gerade geredet? Über Corona an sich? Oder über den Klimawandel generell?”

”Herr Oberspielleiter, zwei Kölsch bitte!”

Sich im Kosmos herumzutreiben ist doch was für die Jugend, oder?

“Der Weltraum, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2021. Dies sind die Abenteuer des Raumschiffs Enterprise, das mit seiner 400 Mann starken Besatzung 5 Jahre unterwegs ist, um fremde Galaxien zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen. Viele Lichtjahre von der Erde entfernt dringt die Enterprise in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.“

»Jim.«

»Spock?«

»Unser Computer empfängt Frequenzen von einem Planeten der Klasse M.

»Klasse M?«

»Klasse M, Captain.«

»Also humanoides Leben? Faszinierend.«

»Jim?«

»Spock?«

»’Faszinierend’ als Aussage von Ihnen als Vertreter der Humanoiden ist unlogisch.«

»Sie haben recht, Spock. Ich würde sagen, seien wir vorsichtig. Alarmstufe 1. Maschinenraum! Scotty, alles auf Position! Alles bereit für einen potentiellen Alarmstart. Wir haben Kontakt zu einer unlogischen Lebensform. Sind die Warp-Kerne aktiv?«

»Jim, mein zweiter Offizier macht sich gerade einen Earl-Grey. Ich tue mein Bestes, aber 24 Stunden brauche ich mindestens.«

»Scotty, das ist nicht akzeptabel. Versuchen Sie es bitte in der Hälfte der Zeit.«

»Ay,ay, Captain.«

»Sulu! Kurs auf Klasse M Objekt! Ungefähre Ankunft?«

»Jim, Steuermann Sulu hat die korrekte Aussprache unseres R-Konsonanten noch nicht korrekt gelernt. Bis dahin ist ihm vom Kommando untersagt in seiner Rolle als Steuermann R-Worte auszusprechen. Das wäre gegen die achtzehnte Direktive.«

»Spock, das ist nicht witzig!«

»Ich habe einen Witz gemacht? Faszinierend.«

»Spock, wo ist Fähnrich Chekov, unser Navigator?«

»Jim?«

»Pille?«

»Ich muss leider mitteilen, dass ich Fähnrich Chekov zur Weizendestillation eingeteilt habe. Er kennt sich darin am besten aus.«

»Pille, warum? Konntest du nicht jemand anderen dazu einteilen, Pille?«

»Jim, ich war in unserem Vodka-Vorratsraum.«

»Wo warst du, Pille?«

»Im Vodka-Vorratsraum. Er ist tot, Jim. Fast tot, Jim.«

»Pille, sei kein Maschineningenieur, sei ein Arzt! Lieutenant Uhura!«

»Ja, Captain? Soll ich Sie wieder einmal küssen? Black and white, unite, unite?«

»Lieutenant Uhura, übertragen Sie die Kommunikation vom Klasse M Planeten! Frequenzen auf den Äther!«

»Guten Tag. Spreche ich mit dem Gesundheitsamt? Sind Sie Herbert?«

»Ja, hier ist Ihr Gesundheitsamt.«

»Ich brauche eine Quarantänebescheinigung.«

»Eine Quarantänebescheinigung?«

»Genau, eine Quarantänebescheinigung wegen einer Corona-Erkrankung und der von Ihrer Behörde verordneten Quarantäne.«

»Aber Sie haben doch bereits eine Quarantäneverfügung erhalten, da steht doch ihr Quarantäne-Zeitraum drin.«

»Ja, ja, ja. Aber die eigentliche Quarantäne ging länger, als wo da in der Verfügung drin stand. Und laut Gesetz müssen Sie mir eine Bescheinigung ausstellen.«

»Aber nur in begründeten Fällen.«

»Mein Fall ist begründet.«

»Ach ja?«

»Ach ja. Mein Arbeitgeber will das auch so.«

»Wie lang war denn ihre Quarantäne?«

»Zwei Tage länger als in der Verfügung.«

»Und da benötigt ihr Arbeitgeber jetzt eine Bescheinigung? Über diese zwei Tage?«

»Über diese zwei Tage.«

»Greift da nicht die Drei-Karenztage-Regelung für Erkrankungen?«

»Laut Gesetz müssen Sie mir eine Bescheinigung ausstellen.«

»Laut Gesetz muss ich gar nichts.«

»Laut Gesetz sind Sie Staatsbediensteter und somit ein Diener des Volkes! Und ich gehöre zum Volk! Also müssen Sie mir dienen!«

»Laut Gesetz benötigen Sie einen Anwalt.«

»Laut Gesetz werde ich Sie verklagen! Sie Herbert, Sie!«

»Ihren Namen, Geburtsdatum, Adresse.«

»Gebe ich Ihnen nicht! Datenschutz! DSGVO, Sie Analphabet!«

»Und wohin sollen wir dann die Bescheinigung schicken?«

»Ja, haben Sie denn meine Daten nicht? Warum muss ich denn ihrer Behörde alles hundertmal mitteilen? Erfassen Sie unsere Daten etwa doch nicht?«

»Laut Gesetz benötige ich dazu Ihre Daten.«

»Ja, glauben Sie ja nicht, wen Sie vor sich haben! Sie sind ja anmaßend! Ich will nur eine klitzekleine Bescheinigung, die binnen zwei Minuten ausstellt werden kann und Sie machen hier am Telefon nen Ballyhoo, als ob die Sicherheit des Staates in Frage steht! Wir reden bereits schon 125 Sekunden, also über zwei Minuten! Vergessen Sie nicht, wer Sie bezahlt! Und zwar ich von meinen Steuergeldern!«

»Ach ja? Sie zahlen brav Ihre Steuern? Ich würde das gerne mal von unseren Finanzexperten überprüfen lassen. Name? Adresse?«

»…«

»Hallo? Aufgelegt? Arschloch.«

»Ich hab Sie gehört! Sie Herbert, Sie! Geben Sie mir Namen, Geburtsdatum, Adresse, um Sie zu verklagen! Sie hören von meinem Anwalt!«

»Sie mich auch. Und Tschüß.«

»Jim?«

»Spock?«

»War das vom Klasse M-Planeten?«

»Direkt vor uns. Blauer Planet. Scheint bewohnt zu sein. Mit humanoider Lebensform.«

»Faszinierend.«

»Ähhmmm – mir fällt da etwas ein: Warum sagen die eigentlich immer Herbert zu Ihnen, Spock?«

»Jim, ja, wissen Sie, sehr schmeichelhaft ist das nicht, Captain. Herbert war ein mittlerer Beamter, der für seine engstirnige, kleinkarierte Denkweise bekannt war.«

»Dann versuchen Sie eben in Zukunft etwas weniger eng zu denken, Herbert. Scotty?«

»Jim, hier Scotty, alles erledigt, der Whisky ist gelutscht, der Warp-Kern steht bereit. Wir können.«

»Sehr schön, Scotty. Warum nicht gleich so schnell.«

»Ay, ay, Jim. Unmögliches mache ich sofort, nur für Wunder brauch ich länger. «

»Pille?«

»Vodka-Vorräte sind wieder aufgefüllt, Jim. Chekov kommt sehr viel später wieder auf deine Kommandobrücke zurück. Er ist tot, Jim. Noch. Ich muss ihn noch von seiner Vodka-Verkostungstour reanimieren.«

»Er gehört dir Pflaume, ähh… Doktor McCoy.«

»Jim, Wuuzi-wuuzi-kuuzi-kuu, wuuzi-wuuzi-kuuzi-kuu!«

»Pille, wuuzi-wuuzi-kuuzi-kuu? Spock? Weitere geistreiche Bemerkung zum Ergänzen?«

»Wuuzi-wuuzi-kuuzi-kuu, Captain?«

»Wuuzi-wuuzi-kuuzi-kuu, Spock.«

»Faszinierend.«

»Spock, eine anhaltende, humanoide Vorliebe für Irrelevanz. Demonstriert nur für Sie. Sulu, nächste Galaxie mit intelligentem Lebensformen ansteuern. Am besten die dort hinten rechts, die da wo so blau blinkt und leuchtet. Spock?«

»Jim?«

»Eine Runde Scrabble?«

»Faszinierend.«

»Tun wir’s so.«