Lunatic

“Schauen Sie, das hier ist unser Premium-Park mit Flussläufen und Wellness-Garantie. Für die Auszeit von der Hektik des Alltags. Mit ungehindertem Blick zum Nachhimmel. Eine 400 Hektar Oase.”

“Das sind ja mehr als der Englische Garten in München.”

“Und sicherer. Wir achten darauf, dass sich jeder dort wohlfühlen kann. Grasflächen, Bäume, Pflanzen und kleine ungefährliche Nagetiere wie Eichhörnchen, Häschen, Meerschweinchen und so weiter.”

“Und warum sind Sie so sicher, dass ihr Park der sicherste der Welt ist?”

“Am Eingang erhält jeder eine Eintrittskarte, welche einen NFC-Chip enthält. Damit lassen sich bei uns in der Hauptzentrale – wir nennen es unser “Doktor-Feel-Good-Center” – die Position von Personen übermitteln. Einzelne Spanner und andere bedrohliche, suspekte Individuen beim Versuch, ihre niederen Instinkte auszuüben, sind somit sehr leicht zu identifizieren und zu isolieren.”

“Sie sehen Einzelpersonen als Gefährder an?” Weiterlesen

Ertrage die Clowns (10): Über Rough Music, Halali, Horrido und das erfolgreiche Ende eines Haberfeldtreiben

Im Jahr 1949 steckte sich der junge Joachim Fest einen Zettel ins Portemonnaie, den er bis zu seinem Tode mit sich führte. Auf dem Zettel stand der Satz:

„Ertrage die Clowns!“

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Bei “Rough music” handelte es sich um einen Begriff, der in England gebräuchlich war. Seit dem Ende des 17. Jahrhunderts diente der Ausdruck eine lautstarke Kakophonie, genutzt um Spott oder Beleidigungen gegenüber Einzelpersonen auszudrücken, welche beschuldigt wurden, gewissen Normen einer Gesellschaft nicht respektiert zu haben.“Rough music” war eine Form der Manifestation mit Strafcharakter gegen diejenigen, die die aktuellen Normen des Gemeinschaftsverhaltens missachten. “Rough music” konnte wegen verschiedenen Umständen realisiert werden: kleine Diebstähle unter Nachbarn, Ausdruck der Missbilligung einer richterlichen Entscheidung, gegen unbeliebte Mitarbeiter, gegen die Polizei, gegen Informationsträger, gegen Leichendiebe, gegen Rekrutierer, gegen unpopuläre und mormonische Prediger, aufgrund ungerechter Entlassungen, gegen die Vertreibung einer Familie aus der Hütte des Arbeitgebers, usw. “Rough Music” zeigte sich als rauer Lärm, ohrenbetäubendes Gelächter und obszöne Pantomimen den zu Bestrafenden gegenüber.

Die britische “Rough Musik” hatte seine Entsprechungen in Frankreich als “Charivari”, in Italien als “Scampanate”, in Bayern als “Haberfeldtreiben”, in nördlicheren deutschen Gefilden als “Thierjagen”. Der Begriff “Katzenmusik” hat seine Ursprünge in der Anwendung ebenfalls daher. “Haberfeldtreiben” und “Thierjagen” gehören nicht zu den Ruhmesblättern der deutschen Geschichtsschreibung, weswegen dazu auch nicht viel zu finden ist. Weiterlesen

Kneipengespräch: Dumm gelaufen, Ehrlicher!

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Er brabbelte vor sich hin. Nicht laut, aber störend.

“Hey, kannste mal damit aufhören, hier rumzubrabbeln?”

Er stirrte mich verwundert an. Wahrscheinlich schon im Dilirium Tremens. Ich seufzte und wollte mir gerade das nächste Kölsch bestellen, als er loslegte:

“Alles Clowns, alles Clowns. Alle miteinander. Sie schwätzen dir das Rosarote vom Himmel und wollen es dir als Sonnenaufgang verkaufen.”

“Stattdessen ist es wohl nur dein aufgehender Säufermond, woll”, versuchte ich zu kontern.

“Stell dir vor, heute hat man mir in der Firma erklärt, ich sei zu alt und zu erfahren für eine andere Position. Man würde lieber jemanden Jüngeren die Chance geben. Die wäre noch formbar, auch wenn sie keine Erfahrung hat.”

In meiner Tasche kramte ich nach den Ohrenstöpseln, die ich mir am Nachmittag aus einem Krankenhaus habe mitgehen lassen. WO hatte ich die nochmals hingesteckt? Innentasche der Jacke? Oder Außentasche? Weiterlesen