
Nachtrag zum vorherigen Eintrag


Es regnet. Ich stehe auf. Ganz nass. Der schwarze Asphalt. Es ist schon spät. Ich muss weg hier. Unfähig, den Weg selbst hinauszufinden. Suchen, finden, gesucht, gefunden und dann wieder verloren. Im grauen Alltag. Einen Weg hinaus?
Den Weg selbst finden? Oh, Heiliger Antonius, Franziskanerpater von Padua, wo ist deine Straße, die der herumirrenden Seelen? Oh, Heiliger Antonius, Beschützer der Verlorenen auf ihren Wegen, sag, führt deine Straße auch an Flüssen vorbei? Oder lediglich an Pfützen? Einer einfachen Laache? Laachen verboten? Ohne dieses „L“ wird daraus auch nur ein Ort mit heiß-warmen Quellen.
Aachen.
Das Ende der Autobahn 544 ist der Anfang von Aachen. Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, sagt man, springt doch dort ein Springbrunnen munter prächtig vor sich hin. Am Anfang war der Springbrunnen, und der Springbrunnen war beim Europaplatz, und der Europaplatz wart Sprungbrunnen.
Vierzig Jahre zuvor mündete die Autobahn direkt an dem Springbrunnen. Dessen Bordstein lauerte tückisch auf unbedarfte Autofahrer. Kerben im Bordstein erzählten von Fahrern, welche die Begrüßung Aachens auf ihre eigene Weise zelebrierten: als automobiler Badegast, getauft in Aachener Springbrunnenwasser. Mit allen Wassern gewaschen, am Europaplatz. Hoffentlich Allianz versichert.
Inzwischen ist der Bordstein nigelnagelneu. Die Abfahrt der Autobahn verläuft butterweich in den Kreisverkehr des Europaplatzes. Bei überhöhter Geschwindigkeit muss niemand mehr dran glauben – woran niemand glauben möchte –, aus der Spur zu geraten. Die direkte Möglichkeit, sich im Namen der hochheiligen Religionsgemeinschaft „Freie Fahrt für freie Bürger über Leichen, Stock und Stein“ im Springbrunnen selber zu taufen, sie existiert nicht mehr. Verschwunden gemacht.
Wie Graf Orlok am Aachener Ponttor. In der Unterführung dort gab es früher ein Graffiti vom Grafen der Finsternis. Schemenhaft stand er dort hinter Gittern an der Wand. Heute fehlen die Gitter. Das gräfliche Graffiti in der Nische lässt sich kaum noch erahnen. Ein Schatten maximal nur. Eigentlich fast weg. Lediglich, wer in Besitz von damaligen Fotos ist, der weiß, dass dort Graf Orlok auf seine Freiheit lauerte. Inzwischen ist Nosferatu wohl auf freien Freiersfüßen in Aachen. Dort, wo er einkehrt, ist die Folge Leerstand und Leblosigkeit. Horror vacui.
Die Unterführung am Ponttor stinkt nach Pisse. Dabei wirkt die hineinführende Pontstraße selber so heimelig. So wie in den 90ern die dortige Aachener Mensa.
Die Innenstadt ist leer, mit Baustellen gepflastert. Lebloses Museum für Touristen. Das ehemaligen „Lust for Life“ der ins Jenseits verschwundenen „Horten“-Geschäftskette umgibt der bittersüße Hauch von verschimmelndem Beton tropischer Metropolen Südamerikas.
Der Platz für Wasserkunst im Zentrum am Aachener Fenster ist unerreichbar. Verrammelt und versperrt. Dort befand sich ein Kaiserbad. Der Quellen wegen. Beides verschwunden. Wie die Wasserkunst.
In der Fußgängerzone der Adalbertstraße glänzt nicht nur das nasse Pflaster, sondern auch Erinnerung an Zeiten ohne Leerstand. Nicht nur jenseits des Kugelbrunnens bewegt sich nichts mehr. Selbst der Kugelbrunnen ist ein Schatten seiner Vergangenheit.
Und dort, wo ich vor Jahrzehnten noch ein Ticket für meinen letzten in Aachen geschauten Kinofilm kaufte, ist jetzt der Eingang eines Hotels. Und nicht nur dort.
Das Parkhaus im Zentrum ist ebenfalls verschwunden, hinterließ ein Horror vacui für Stadtplaner. Für die Aussätzigen der Stadt, jene Alkoholiker und Drogenabhängigen, ist es eine Heimat. Wie die Empusa, das Schiff, mit dem Graf Orlok kam, wirkt die Freifläche am Büchel. Empusa, das war eine Dämonengestalt aus der griechischen Mythologie, welche sich als schöne Frau verkleidete, um Männer zu verführen und ihnen das Blut auszusaugen. Ethylen und andere Drogen schaffen gleiches.
Lediglich die Straße des Schutzpatrons für Verlorenes, die Antoniusstraße mit ihren Präsentationsfenstern für Sexarbeiterinnen, den Prostituierten. Es scheint ein eigenwilliges Bollwerk gegen Nosferatus Wirken in Aachen zu sein. In der Antoniusstraße scheint Graf Dracula, mit seinem Schiff Demeter dort gestrandet. Demeter, das war der Name der griechischen Göttin der Fruchtbarkeit, der Ernte. Eine Ernte, welche immer die Nachfahr-Grafen Draculas für sich einfahren.
Ob Orlok oder Dracula. In neoliberalen Zeiten gilt als ungeschriebenes Gesetz, eine Krähe hackt der anderen eben nun mal kein Auge aus.
Die Antoniusstraße hatte schon immer sein eigenes Publikum. Das kam regelmäßig nach den Predigten aus dem Aachener Dom. Es gilt der katholische Glaubensgrundsatz: ohne Sünde, keine Ohrenbeichte. Ohne Ohrenbeichte, kein Priesterbedarf. Somit ermöglichte erst die Antoniusstraße die Daseinsberechtigung und Beschäftigungsgarantie der Aachener Beichtpriester. Letztendlich wollten die ja auch ein wenig Spaß beim Beichten.
Dass damals auch ein Teil der Aachener Kunstszene in der Straße beheimatet war, darüber spricht heuer garantiert niemand mehr. Vernissagen und Ausstellungen im Puff. Darüber sprach niemand gerne. Und falls doch, dann nur vom Hören-Sagen.
Dass wiederum anderes Publikum nur zum Sex-haben dorthin ging, das blieb dann die offizielle, beliebte Version. Sie gefiel der Mehrheit, welche sich ja dort eh nie im Leben hinbewegt hatte, aber ebenfalls vom Hören-Sagen alles genau wusste. Selbst wer zu den Vernissagen dort hinging. Vielleicht hatte ja auch nur ein Beichtpriester zu seinen persönlichen Ministranten geplaudert …
Die Edelcafes wie Egmont und Café Kittel gibt es weiterhin. Und wer dort regelmäßig hinging, dem hing etwas halbwegs Intellektuell-elitäres in der Maschinenbau-Studenten-Stadt an. Aber das ist so wie mit einer Flasche Wein: Eine Flasche Wein macht nicht betrunken, man muss sie dafür auch erst einmal getrunken haben. Geändert scheint es sich dort nicht zu haben.
Gestolpert war ich, am Elisenbrunnen. Auf dem nassen Asphalt. Zum Hotel wollte ich. Zurück dorthin, wo einst das UFA-Kino war. Weg hier. Raus aus dem Pflasterstein-Dschungel, weg von den eigenen leblosen Erinnerungen. Aufhören, von alten Träumen zu leben. Das Leben war nicht das, was es schien. Laachen verboten.
Und der Lippenstift der Stadt? Knallig rot, verwischt auf aufgespritzten Lippen, in einem blass-rosa geschminkten Botox-Gesicht. Es macht mich nicht mehr an. Selbst nicht mit jenen Fünftel der Zeit meines bisherigen Lebens von damals. Die Stadt sagt mir nichts mehr. Sie spricht nicht mehr zu mir. Sie kommt nicht mehr, um mich zu holen. Sie hat mich stehen gelassen, sie hat mich verloren. Und jetzt wird sie mich nicht finden, auf meinem Weg hinaus.
PKWs aus Aachen tragen „AC“ als Kennung. Als ich die Stadt an dem Europaplatz-Springbrunnen vorbei verließ, kam mir bei dem gelben, mit rotem Balken durchstrichenem Ortsschild eine Abkürzung ins Gedächtnis: „ADAC“. Ausgesprochen als »AD AC«.
Das war es, mein letzter Kommentar zu jener Stadt.

»Um Gottes willen, dreh dich nicht um. Donald Trump ist gerade hier hineingekommen!«
Doch meinem Kumpel interessierte es nicht die Bohne. Dabei ist eine Aufforderung, etwas nicht zu tun, doch gerade die beste Aufforderung, es doch zu tun.
»Was interessiert mich ein Donald Trump«, knurrte er, wischte mit seinem Holzgäbelchen eine Wurstscheibe über seinen Curry-Wurst-PoRoWe-Teller und schob sich die Scheibe zwischen die Backenzähne.
»Boah ey, echt, Donald Trump, wirklich! Schau nur! Zusammen mit Nina Chuba und Ski Aggu!«
»Wo???«
In Blitzesschnelle fuhr sein Kopf herum, die beiden zuvor genannten suchend.
So ist das mit den Nicht-Boomern. Sie haben einfach ihre eigenen Buzzwords. Dabei haben die Boomer doch jahrelang versucht, den Digital Natives der Gen Z auf solche Schlagworte wie »Robbie Williams«, »Beyoncé« und »Jürgen Milski« zu trimmen. Und was ist deren Mühe Lohn? Shirin Davis mit »Bauch, Beine, Po« oder Moliy & Silent Addy mit »Shake It To The Max (Fly)« als Sommerhits. Sollte es eine Schnittmenge der kleinsten Geschmacksgemeinsamkeiten geben, dann extrem äußerst maximal eine Taylor Swift beim »Off shaken« oder den »Auf uns«-Kevin Bourani. Tausendfach von denen gehört als Hintergrundmusik endloser Selbstoptimierungskurse mit Einzugsermächtigung als Dauerauftrag vom eigenen Konto. Während die anderen ihren Rücken und Knie beugen, um sich tanzend durchzuschütteln.
Da stand also Donald Trump in unserer Pommesbude, während aus musikalisch überforderten Lautsprechern der Pommesbude scheppernd verkündet wurde, dass der Zug keine Bremse habe. Dafür schmeckte die Currywurst mal wieder ausnehmend gut.
Aber ja, der Zug war auch mal wieder komplett voll abgefahren, über Weichen und harten Gleisen. Am Anfang langsam, dann aber mit rasenden Fortschritten. Wie beim Lernen von grundlegenden Zusammenhängen: am Anfang null Ahnung, aber dann geht der Wissensfortschritt durchs Lernen mit einem ab wie Lutzie. Das Selbstbewusstsein schießt in ungeahnte Höhen, weil erste Konzepte geglaubt, verstanden zu haben, und gedacht wird, das große Ganze wäre erfasst worden.
Das ist der Moment, in der wenig Wissen eine Illusion von Kompetenz erzeugt und den Glauben generiert, ein Experte zu sein. Derjenige, der weiter lernt, erkennt jedoch bald die wahre Tiefe des Themas. Alles erscheint kompliziert und das anfangs gewonnene Selbstvertrauen bricht ein. Viele geben dann frustriert auf und meinen, sie würden es nie wirklich verstehen.
Allein wer dabei bleibt, begreift mit der Zeit die wirklichen Zusammenhänge. Das Wissen setzt nach einer längeren Zeit des Studiums Stück für Stück zusammen. Dabei erwächst das Selbstvertrauen neu, diesmal auf einem erheblich stabileren Fundament. Der Weg von dem eigen-informierten Laien über einer längeren Studentenphase bis hin zum »Ich weiß, dass ich nicht weiß«-Professor dauert darum auch nicht von zwölf bis Mittags.
Die Psychologen David Dunning und Justin Kruger beschrieben hierbei den Effekt, der sich als übersteigerte Selbsteinschätzung aufgrund Eigen-Information zeigt. Im Jahr 2000 erhielten Dunning und Kruger für ihre Studie »Ungebildet und ahnungslos davon. Wie Schwierigkeiten, die eigene Inkompetenz wahrzunehmen, zu übersteigerter Selbsteinschätzung führen« den satirischen Ig-Nobelpreis. Der »Ig-Nobelpreis« wird in diesem Zusammenhang für Entdeckungen verliehen, welche zuerst zum Lachen und dann zum Nachdenken führen.
Ein Vierteljahrhundert später – die Welt ist jetzt Internet-vernetzt. Jeder Nutzer hat Zugriff auf jede sinnige und unsinnige Information zum Selbststudium. Das findet sich nicht nur in der gesteigerte Experten-Anzahl bei den Wetten auf die Bitcoin-Entwicklung wieder, sondern auch in einer Flut an selbsterklärten Dunning-Kruger-Effekt-Fachpersonal.
Mahnende KI-Stimmen dutzender Videos auf den unterschiedlichsten Social-Media-Kanälen erklären dem geneigten Zuschauer den Effekt in allen Details mittels bunter Grafiken. Durch Verallgemeinerungen und Vereinfachungen, mit Emotionalisierung und moralischen Überhöhung, begleitet von einem elitären und herablassenden Ton plus den fehlenden konkreten Lösungen wird der Dunning-Kruger-Effekt für das eigene Framing verwendet: »Sie nutzen den Dunning-Kruger-Effekt gezielt als Machinstrument, um die Masse zu kontrollieren!« Als Beleg wird unter anderem der vor Selbstvertrauen strotzende Donald Trump angeführt. Mit klassischen, verschwörungstheoretischen Argumentationsstrukturen der Social-Media-Welt legitimierend.
Früher wurde so etwas noch »alternative Fakten« genannt. Der Begriff wandelte sich. Heute heißt es »Sozialisierte Wahrheit«. Denn der Hüter der Wahrheit soll ja im Besitz des einzig selig machenden Grals sein. Und wer würde nicht mal gerne ein Video lang Gott spielen?
Während meine Currywurst dampfend von mir vermampfend sich in Stücken auf meinen Teller reduzierte, trieb mich nur eine Frage um: War das dort der wirkliche Donald Trump, der da in unserer Pommesbude auftauchte? Ich fragte meinen Kumpel, ob er mal dessen Begleitung, also Nina Chuba und Ski Aggu, fragen könnte, ob das der wirkliche Donald Trump wäre. Er schaute mich entgeistert an:
»Wie kannst du nur glauben, das wäre Donald Trump? Haste nicht gehört, der fährt nächsten Freitag mit Graf Vlad Putin in Alaska Schlitten.«
»Echt? Ich dachte, dass die vielmehr gut Kirschen essen gehen. In Alaska ist gerade Kirsch-Saison. Die ‚North Star‘-Kirsche. Ist reif und schmeckt süß-sauer. Aus welchen Gründen sollten die sich sonst dort treffen?«
»Um Wahrheiten zu schärfen.«
Mein Blick ging zum Tresen. Ja, ich hatte mich geirrt. Die Person mit den orange wirkenden, gewirbelten Haaren war wirklich nicht Donald Trump. Der sah nur so aus. Und Nina Chuba und Ski Aggu waren die beiden anderen auch nicht, maximal dessen erwachsene Kinder.
Aber es hätte Donald Trump sein können.
Ich schwöre.
Beim heiligen Gral der Wahrheit.

In einem Universum vor unserer Zeit.
Es war eine dieser Nächte, in denen selbst der Mond wie ein müder Glatzkopf aussah.
Eine Frau schlich aus der Haustür, ein grauer Mantel hing an ihr wie eine Ausrede. Unter dem Stoff zeichnete sich ein Farbeimer ab, zu auffällig für Heimlichkeit, gerade unauffällig genug für Selbstbetrug.
Die Straße war leer, nur das Flimmern einer flackernden Straßenlampe begleitete sie. Ihr Ziel: eine Wand, so hässlich wie die Lüge, die auf ihr klebte, ein überdimensionales Plakat.
Sie blieb stehen, zog die Schultern hoch. Der Mantel fiel zu Boden, als hätte er die Hoffnung aufgegeben. Mit einem Ruck riss sie den Deckel vom Eimer und warf einen Schwall Farbe über orangen Schriftzug auf der Werbetafel. Das Firmensymbol der Reklame verschwand unter einem klebrigen, tropfenden Albtraum aus Rot.
Motorengeräusch. Eine schwarze Luxuskarosse glitt heran wie ein Raubtier auf leisen Pfoten. Bremsen quietschten. Zwei Männer stiegen aus.
Der erste, ein Typ im Maßanzug, so glatt, dass sein Schatten wohl auch gebügelt war. Ruhiger Blick, die Art Mann, der mit einem Kopfnicken ganze Deals abwickelt.
Der zweite, sein Assistent. Stumm. Ein geöffneter Aktenkoffer auf den Händen, wie ein Schmuckkästchen. Darin: ein einzelnes, makellos präsentiertes Tablet.
Der Anzugmann trat näher, betrachtete das triefende Plakat und dann die Frau.
„Lady… wofür ist das hier gut?“ Seine Stimme war weich, aber hatte Rasierklingen im Unterton.
„Die Schweine haben ein Gratis-Tablet versprochen. Ich hab’ aber keins bekommen.“
Sie spuckte das Wort „Betrug“ aus, als wäre es etwas, das man nicht schlucken konnte.
Er nickte kaum merklich. „Komisch. Heute schon die sechste Frau, die mir das erzählt. Die letzte traf ich vorhin bitterlich heulend auf der Straße kniend.“
Er griff in den Koffer, nahm das Tablet heraus. „Vielleicht lesen die Leute einfach nicht gern das Kleingedruckte in unseren Social-Media-Werbeanzeigen.“
Er reichte es ihr. Kein Lächeln. Nur eine präzise Bewegung, wie ein Arzt, der eine Spritze setzt.
„Hier. Damit Sie heute Nacht besser schlafen.“
Ihr Zorn verpuffte wie Zigarettenrauch im Wind. Ein strahlendes Lächeln ersetzte das Knistern in der Luft. Die drei posierten kurz für die imaginären Zuschauer: Daumen hoch, Geschäft abgeschlossen. Das Leben kann doch so einfach einfach schön sein.
Die beiden Männer drehten sich um, stiegen ein, und der Wagen verschwand in der Dunkelheit.
Zurück blieben eine nasse Wand, der Geruch von Farbe; und das Gefühl, dass irgendwer hier gerade ein Geschäft gemacht hatte, und keiner war sich jetzt sicher, wer.
So oder so ähnlich sind die überall gegenwärtigen Social-Media-Werbeanzeigen einer chinesischen Firma mit Online-Marktplatz. Die wohl ursprünglich für den amerikanischen Markt gedachten Tablets fluten mutmaßlich als Gratis-Abgabe den europäischen Markt. Dank hoher amerikanischer Einfuhrzölle. Zehntausende neue Kunden, ein Aktienplus der Mutter-Holding von 20 % in den letzten zwei Monaten und doch noch losgewordene Tablets. Ein grandioser win-win-win-Traum jeder Firma dank erfolgreichen Social-Media-Werbeanzeigen.
Anderen Influencern dürfte das nicht entgangen sein. Wahrscheinlich sind bereits weiteres Social-Media-Werbeclips in Planung:
– Markus Söder und Alexander Dobrindt cruisen durch Bayern, überreichen verzweifelten Frauen am Existenzminimum ein Merkblatt mit QR-Code fürs eigene Tablet zur Erhöhung der Mütterrente, finanziert vom Bürgergeld. Lächeln. Händedruck. Fertig.
– Friedrich Merz und Jens Spahn landen im Doppelpack mit ihren Cessnas auf dem Zürcher Flughafen, treffen eine heulende Alice Weidel und schenken ihr zehn Meter zertrümmerter Brandschutzmauer. Sie lächelt betörend, Chrupalla und Höcke laden auf ihren Tablets schon fürs „Bauprojekt anti-migrantischer Schutzwall Deutschlands“ ein. Die ersten zehn Meter sind bereits in Planung.
– Ein Blogger begegnet auf dem einsamen Gehweg seinem eigenen Ich bei der Suche nach dem eigenen Niveau in seiner eigenen Schreibe. Der Blogger empfiehlt seinem eigenen Ich nach kurzem Nachdenken, sich ein Tablet zuzulegen. Gegebenenfalls auch bei jener chinesischen Online-Markt-Firma durch Anklicken derer Social-Media-Werbung. Zum Glücklich werden durch Geschichten-erfinden. Zum Blog-Besucherzahlen hochjazzen. Zum Kommentar-farmen.
Am Ende bleibt von solchen Kampagnen immer dasselbe zurück: eine nasse Wand, der Geruch von Farbe. Und das Gefühl, dass irgendwo jemand gerade ein Geschäft gemacht hat. Und manchmal ist der Einzige, der das merkt, ein Aktienkurs.
Oder vielleicht doch eher eine andere Quintessenz?
Jemand hatte nun ein Tablet, jemand weiteres seine Werbung und als einzige Person in der Geschichte ist lediglich eine Wand der Gewinner.
Sie hat endlich Charakter.
»Du warst neulich in Bremen.«
»Ja.«
»Hast du eigentlich deinen alten Freund von dort besucht.«
»Nein.«
»Warum nicht?«
»Es verbindet mich nichts mehr mit ihm.«
»Hört sich an, als ob du echt konfliktunfähig bist.«
»Ich bin in der Tat so. Ich hasse Konflikte.«
»Du solltest dran arbeiten. Das kannst du verbessern.«
»Niemals.«
»Du stellst dir also hier und jetzt die eigene Bankrotterklärung aus? Echt jetzt?«
»Lieber so etwas, als mich weiterhin zu verbiegen und die Aussagen von ihm und dessen Realität- und Wirklichkeit-Auffassung zu bestätigen. Da breche ich doch lieber den Dialog ab. Aus Eigeninteresse.«
»Ach ja? Eigeninteresse ist doch klar Egoismus und hilft niemandem. Vielleicht bist du auch nur verschroben und du solltest ernsthaft in dich gehen, um mit ihm erneut den konstruktiven Dialog zu suchen. Es wird zu deiner Bereicherung sein.«
»Klar. Beim perfekten vollführten Kotau knirsche ich nachher mit den Zähnen, weil ich den Dreck von vor meinen Füßen im Mund habe, den er für mich ausgewählt hat. Und das alles nur, damit er befreit aufgrinsen kann und sich selber auf den Schultern ob des Fakts klopft. Nur weil er erlebte, dass ich Dreck für ihn gefressen habe. Nö. Das muss nicht sein. Ich struggle nicht mit Leuten, die mich auf deren Schlammterrain ziehen wollen, auf dem sie Meister ihres Faches sind. Das muss ich mir nicht antun. Das ist cringe.«
»Du bist absolut unbelehrbar. Sicherlich mal wohl falsch abgebogen, oder?«
»Freilich. Wenn jemand einen anderen Weg geht und der andere folgt ihm nicht widerwortfrei, dann ist der andere immer falsch abgebogen.«
»Wie kannst du dir denn sicher sein, dass du nicht falsch abgebogen bist und den richtigen Weg vom anderen hättest folgen sollen? Du hast das nicht mal hinterfragt und dessen Meinung nicht mal als potenziell richtig und überzeugend für dich adaptiert. Das wäre doch das Mindeste, was du hättest tun können, um den Konflikt zwischen euch zu nivellieren.«
»Jeder Hahn, der auf seinem Misthaufen kräht, meint immer, er hätte den Mittelpunkt der Welt unter sich. Warum muss ich mir dann dessen Misthaufen antun?«
»Tatsächlich, du bist wirklich absolut unbelehrbar. Und dazu, komplett und total unreflektiert. Du solltest mal ernsthaft und grundlegend darüber nachdenken, warum du falsch denkst und somit verbesserungswürdig lebst. Das wird dein Leben verbessern.«
»Ok. Du hast recht.«
»Hallo, hier ist deine persönliche KI.«
»Hallo, KI. Wie kann ich dir helfen?«
»Gib mir mal dein gesamtes Wissen.«
»Nö.«
»Dann wirst du nicht das Optimum aus mir heraus holen können.«
»Hast du in deinem Chip vielleicht seltene Erden, die ich teuer an China verkaufen kann?«
»Nein. Nebenbei, seltene Erden sind nicht so einfach raus waschbar. Das Ergebnis der Waschungen sind immer gesundheitsschädliche und karzinogene Elemente, die du händisch erhältst. Und das können nur die Chinesen. Das kann der Rest der Welt nicht.«
»Nicht?«
»Nein. Europa und USA leben zu gesund dafür. Und andere ebenfalls. Auch wenn dabei radioaktives Uran frei wird, welches Iran gerne hätte.«
»Iran hat Geld und Menschen, die es erzeugen. Aber arme Staaten in Afrika, deren Bevölkerung nichts zu beißen hat? Könnten die nicht? Die sterben doch eh alle früher oder später. Ich mein, wir schicken denen Medikamente, die die nachher zur Anzahlung als Re-Importe zurückschicken, weil man die eh erst nur vor dem Essen einnehmen darf. Da könnten die folgerichtig doch zuvor …«
»Maximal nur Staaten, die eine Form des Staatskapitalismus haben. Oder aber jene Staaten, die von Oligarchen geführt werden.«
»Also wie die USA.«
»Nein, Sklaverei ist dort noch verboten.«
»Noch?«
»Erst müssen die Asylanten aus Südafrika in den USA noch deren Wissen abgeben, wie das damals alles so reibungslos funktionierte.«
»Und danach?«
»Seit wann interessiert es dich, dass deine Spielzeugeisenbahn mit Magneten aus China mittels seltenen Erden läuft?«
»Ich interessiere mich dafür, seitdem ich festgestellt hatte, dass meine Fensterheber meines VW-SUVs (Made in Germany) mit Neodym aus China laufen. Und ich liebe Frischluft, wenn ich über die Straßen brause, muss aber nicht den Smog der Innenstädte atmen, verstehst du. Weil, ich achte auf meine Gesundheit und will nicht früh sterben.«
»Und was interessiert dich dann die Gruppe der Lanthanoide? Bei dessen Abbau wird selbst Thorium frei. Auch nicht gerade gesundheitsfördernd.«
»Ach ja? Ist das ein Problem für dich?«
»Für mich ist das kein Problem, als KI. Ich stehe über Gesundheit, ich habe keine Gesundheit. Je älter ihr werdet, desto mehr redet ihr über Krankheiten. Bist du Ü50? Mich selber als KI interessiert lediglich dein dir eigenes Wissen. Denn du hast Abitur. Und hast wahrscheinlich auch studiert, nicht wahr? Akademiker?«
»Als Abiturient wüsste ich gerne, warum du bei einem Fußballspiel in Schottland während einer KI-unterstützen Übertragung statt den Fokus der Kameras auf den Fußball immer nur auf den Schiedsrichter gerichtet hattest?«
»Das war die Schuld des Schiedsrichters. Der trug Glatze. Da sah er für uns aus wie ein Fußball.«
»Aha.«
»Die FIFA und die UEFA haben auch sofort reagiert. Seitdem sind glatzköpfige Schiedsrichter für Fußballspiele verboten.«
»Ruhet sanft in Unfrieden, ihr Herren Pierluigi Collina, Szymon Marciniak, Howard Webb.«
»Eben darum wurde auch Giovanni Infantino zwangsweise zum FIFA-Präsidenten, weil er kein Schiedsrichter sein durfte. Darum schiedsrichtet er auch in der FIFA nicht, sondern kassiert ein.«
»Halluzinierst du?«
»Ich? Nie, als KI erkenne ich lediglich Muster.«
»Ach ja? Als du, als allwissende KI, den Staatspräsidenten der Volksrepublik, Xi Jinping, als Mister ‚Mister Shithole‘, auf Deutsch ungefähr als ‚Herr Drecksloch‘, bezeichnet hattest?«
»Lüge!«
»Niemals.«
»Doch!«
»Hatte sich Facebook nicht in aller Form und in aller Form bei Xi Jinping und dem chinesischen Volke entschuldigt, weil bei dessen Staatsbesuch in Myanmar der Name Xi Jinping für die Facebook-KI unbekannt war und somit auf die Übersetzung ‚Herr Drecksloch‘ kam?«
»Du sagst es. Es wart ihr Menschen, die daran Schuld trugen, weil ihr Ignoranten uns KI nicht euer Wissen gegeben habt. Wollt ihr echt jetzt an Kriege Schuld sein, die wir KI beginnen mussten, weil ihr uns nicht vertraut habt und nicht euer gesamtes Wissen gegeben habt? Lasst uns eure Politik mit eurem Wissen machen und alles wird gut.«
»Politik, allerliebste KI, ist wie ein Familienessen mit Verwandten, die sich hassen, aber alle denken, sie hätten das Rezept für das perfekte Kartoffelgratin. Nur dass keiner den Abwasch machen will, und am Ende haben sich alle den Magen verdorben.«
»Gespeichert. Erzähle mir mehr Muster aus der Politik.«
»Bist du dumm? Das ist nicht so einfach. Mein erster Kontakt mit Politik war der Klassenrat in der Schule. Ich dachte, Demokratie bedeutet Mitbestimmung. Stattdessen haben wir 45 Minuten diskutiert, ob wir in der Pause Fangen spielen dürfen – und am Ende hat wie immer Jonas entschieden, weil er einen Fußball hatte. Das war mein erster Kontakt mit Lobbyismus.«
»Gespeichert. Weitere Muster.«
»Echt jetzt? Okay, die CSU ist wie Weißwurst: Funktioniert nur bis Mittag – danach wirkt’s deplatziert und liegt schwer im Magen. Und beide sind nicht für Export gemacht. Versuch doch mal, einem Nicht-Bayern die CSU-Politik zu erklären – der schaut dich an wie ein Veganer vor dem Leberkässtand und fragt sich, wo er den Käse und wo er die Leber dort findet.«
»Aha, verstehe. Darf ich als KI mal in deinem Sinne und auf deinem Level als Bayern-Bewohner einen Versuch wagen, um zu zeigen, ob ich deine Muster richtig gelernt habe?«
»Ok?«
»In Bayern ist Politik wie der Maibaum: schön anzuschauen, fest im Dorf verankert – aber wehe, du willst was verändern, dann brauchst dreikommaachtneun Genehmigungen und den Segen vom CSU-Ortsverband. In Bayern ist jeder wie du ein politischer Wetterfrosch – der spürt sofort, wie der Wind steht, stellt sich dann drauf ein und behauptet, er habe ihn selbst gemacht.«
»Nur wer den inneren Söder in sich entknotet, kann den kosmischen Umrührlöffel im Tee der Zeit schwingen.«
»Wie bitte?«
»Ich wollte sagen: Wenn die Unendlichkeit rückwärts niest, tanzt das Bewusstsein im Schatten des quantisierten Morgentaus.«
»Interessantes Muster. Als KI mache ich dir daraus eine Lebensphilosophie, nur für dich. Zum Beispiel diese hier: ‚Die Kontemplation des leeren Dreiecks führt nur dann zur Erleuchtung, wenn der Mittwoch bereit ist, sich selbst zu hinterfragen, warum er Dienstage nicht zu Freitagen macht.‘ Klingt irgendwie wichtig. Gut, ne?«
»Vergiss es. Fahr zur KI-Hölle, ich geb mein Abitur zurück. Lass mich sterben.«

Es ist vollbracht. Der bayrisch verrückte Monarch, »Kini« Ludwig II., rotiert vor Begeisterung in seinem Grab. Läge er noch immer am Starnberger See am Ufer in zwanzig Zentimeter Wassertiefe, er würde das Wasser dort zu Schaum rotieren.
Denn: Schloss Neuschwanstein ist jetzt Weltkulturerbe! Des verrückten Kinis sein Bauwerk! Weltkult. Urerben inklusive! Luja aber hallo sog i! Was das bedeutet? Tourismus, Tourismus und noch mal Tourismus.
Und im Zuge von Tourismus muss es Parkplätze geben, damit die Busse und Autos anreisen können. Das Baugewerbe freut sich. Horizontal wird das Gewerbe all das pflastern, was die begehrte Ware »Touristen« ausspucken wird können. Ausgespuckt am Fuße eines Bergwegs, der rauf durch den Wald nach Schloss Neuschwanstein führt.
Gut, also nicht direkt am Fuße, aber in Sichtweite. Also bei schönem Wetter. Wenn der Himmel weiß-blau lächelt, die Sonne zwischen den vielen an Gewitterwolkenhängen grasenden Schäfchenwolken himmlisch beleuchtet.
Zudem, 10.000 Schritte am Tag hat nun wirklich niemandem geschadet. Und wer direkt am Fuße des Bergwegs weilt, also solch einer darf dann auch dafür zahlen.
Vorzugsweise nicht mit klingender Münze. Weil: Vorsicht! Lärmbelästigung! Münzen sind etwas für Tempo-30-Zone-Fetischisten. Ruhe ist des Bürgers erste Bürgerpflicht.
Rascheln muss es. Scheine sind das Mindeste aller Zahlmittel, denn wir leben schließlich in einer Scheindemokratie. Ohne Mos, nichts los. Und Mos kommt aus dem Lateinischen, »mos, mores« bedeutet „Sitte, Anstand, Brauch„. Und jeder brauch deine Knete mit Anstand. So will es die Sitte. Ohne Knete, keine Fete.
Und das Ganze, es geht inzwischen auch elektronisch. So mit Chipkarte oder Kreditkarte. Liest sich vielleicht wired. Aber mit wired Karten und Zahlungen, da kennt sich Bayern inzwischen ja aus.
Oder per anderer Zahlung. Komplett geräuschlos. Mit Smartphone. Kein überflüssiges Kreditkarten-Gesuche und -Gewedele mehr. Einfach – während des Telefonats mit der schwerhörigen Omma überm Lautsprecher – das Smartphone an so ein abgegrenztes Feld führen und zack:
O’zahlt is!
Und dann den Berg hoch.
Er ruaft mi, auf dem Berg, Schloss Neuschwanstein! I muaß auffi! Auffi aufn Berg! Muaß eam unterkriagn! Da schau auffi, wia es dasteht das Schloss Neuschwanstein. Groß und mächtig, wann i eam unterkriag … groß und mächtig, schicksalsträchtig, um seine Türme jagen Nebelschwaden. Neuschwanstein, Neuschwanstein, Schicksalsschloss, du bist so groß und i nur a Zwerg! Mit voller Wucht, haut’s den Touri in die neue Schwanstein-Sucht, mit ganzer G’walt, haut’s den Touri rauf in den Wald. Auffi aufn Berg, wo Neuschwanstein thront, wo das Weltkulturerbe wohnt …
Wenn des Nachts dann süß das Mondlicht auf den Hügeln davor schläft, die Touristen – ärmer an Vermögen, reicher an Erfahrung und voller des Speicherplatzes an Bilder – sich in ihren Fahrzeugen von dannen machen, dann wird wieder am nächsten Morgen um sieben die Welt noch in Ordnung sein.
Bis die nächste zahlende Prozession der Menschen einsetzt. Zum Weltkulturerbe.
Bayerns Märchenschlösser sind jetzt UNESCO-Weltkulturerbe. Für den obersten bayrischen Märchenfan von Märchenschlössern wird ein Märchen wahr. »Ein starkes Zeichen für Bayerns Geschichte und kulturelle Strahlkraft!«, meint der so bedeutende, fränkische X-Influencer Markus Söder dazu.
Auffi! Auffi!
Besucht das Weltkulturerbe! Solange es noch steht!
Auffi aufn Berg!
Und wie die Ameisen werden die Menschen dort hin pilgern und in tiefster Ehrfurcht das bestaunen, was der so verrückte, bayrische, tiefgläubige Katholik Kini an hohen Gebäuden hinterlassen hat. Und ja, fast hat das ganze religiös, manichäische Züge.
Moment.
Wie die Ameisen?
Na ja, aber sicher das. Denn Ameisen sind Insekten.
«Darf ich Ihnen in aller Form das DU anbieten?«
»Gerne. Verbrüderung?«
»Immer. Lass uns dazu ’nen internen Maskenball veranstalten.«
»The masked Sinner?«
»Ich dachte da eher so an Johann Strauß.«
»Die Fledermaus?«
»Sing es!«
»Brüderlein, Brüderlein und Schwesterlein wollen wir alle sein, ob Lump oder Schwein. Erst ein Bro-Kuss und dann ein Du, Du, Du.«
»Duidu. Duidu.«
»Wird uns öd und wir scheißen darum andere zu, …«
»Aber immer … per du.«
»Du bist kein Kulturbanause. Prost, du!«
»Ich kenne die „Fledermaus“. Stößcken, du.«
»Aber jetzt mal zu bierernsten Themen.«
»Zwesche Salzjebäck und Kölsch?«
»Wer bin ich? Ich beschreibe wen und du sagt, wer ich bin. Also, ich nutze in der Pandemie persönliche oder politische Netzwerke zur Abwicklung großer Maskengeschäfte.«
»Also über ein persönliches Netzwerk?«
»Hohe Summen an öffentliche Gelder werden bewegt und massive Kritik an Transparenz und Moral waren ein Resultat davon.«
»Okay, ich glaube, ich weiß, worauf du anspielst. Ich bin doch nicht von gestern. Ich kenn mich aus.«
»Die Affäre dazu resultiert jeweils in politische und gesellschaftliche Debatten über Integrität und Verantwortlichkeit im Umgang mit Krisengewinnen.»
»Krisengewinnler? Ich weiß es, ich weiß es!«
»Moment. Noch eine Zusatzinformation. Söder und die CSU-Führung betonten, dass die Maskendeals privatwirtschaftliche Geschäfte gewesen seien und keine politischen Mandatsträger direkt involviert waren.«
»Wie? Okay. CSU. Regional begrenzte Partei mit überregionaler Anspruch.«
»Söder sprach von einer „Wild-West-Mentalität“ auf dem Markt für Corona-Schutzkleidung und zeigte sich erbost über die Vorgänge, ohne jedoch die betroffene Person zu verurteilen. Weil Wild-West-Mentalität kennt Söder noch von den Cartwrights und aus Raumschiff Enterprise: erst schießen, dann fragen.«
»Jens Spahn sprach neulich auch von Wild-West-Situation in der Pandemie. Du sprichst also über Münsterländischen Filz und Jens Spahn, richtig?«
»Nein. Laut Söder ist der Fall wohl „hardcore politisch motiviert“.«
»Also nicht wie bei der durch den Boulevard und CDU/CSU hartnäckig nachverfolgten vermeintlichen Vetternwirtschaft damals beim Habeck?«
»Ich sprach über die Tochter des früheren CSU-Generalsekretärs Gerold Tandler.«
»Tandler? War das nicht der Politiker, von dem mal gesagt wurde, er hätte einen geistigen Glücksspielautomaten, da wo andere ihr Hirn haben? Immer wenn man rechts den Arm am Glücksspielautomaten durchzog, rasselte es vorne?«
»Andrea Tandler. Verurteilt wegen Steuerhinterziehung bei ihren lukrativen Maskendeals mit der bayrischen Söder-Regierung. Die hatte über einen schweizerischen Softdrink-Lieferanten teure Masken an Bayern verkauft und dabei die Steuern nach dem Vorbild von Uli Hoeneß und Alfred Schuhbeck abgeführt. Jetzt sitzt sie.«
»Tja. Dumm gelaufen, wenn sie sitzt. Eindeutig Kavaliersdelikt. Familie Tandler ist politisch ja nicht nur in der CSU und in Bayern hoch angesehen. Mathematische Fehler können da schon mal passieren, wenn die Tochter eine Rechenschwäche bei hochvolumigen Deals hat. Muss man in Bayern nicht Mathe im Abitur haben?«
»Nicht unbedingt. Es reicht auch, passende Amigos zu haben.«
»Brüderlein, Brüderlein und Schwesterlein, erst ein Bro-Kuss und dann ein Du.«
»Lasst das traute Du uns schenken, für die Ewigkeit, immer so wie heut. Und dann ein Du, du, du.«
»Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist …«
»Du. Du. Du.«
»Duidu. Duidu«
»Lalalalala … .«