Wenn Extremisten und ihre Sympathisanten brutal zuschlagen, …

… dann ist es erforderlich, endlich mal Solidarität mit den Opfern  (< 80%) zu zeigen. Weiterlesen

Kneipengespräch: Und willst du nicht mein Bruder sein, breche ich dir das Nasenbein

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„Kenn ich dich? Stalkst du mich?“

Er saß neben mir und starrte mich bedrohlich drohend durchdringend an. Ich hatte ihm ungefragt in sein überhebliches, nationalistisches Geschwafel reingequatsch und sein unreflektiertes Alphamännchen-Gehabe gestört.

„Nein. Aber du wünscht dir nachher, dass ich du mich nicht kennengelernt hättest.“

„Du willst mir drohen?“

„Dir kann man drohen? Du bist es doch immer, der droht, wenn er meint, er sei in seiner Meinung bedroht, nicht wahr. Der Wutbürger im eigenen luftleeren Hirnraum.“

„Pass mal auf, Bürschlein, …“

„Bürschlein ist nicht mein Name. Etwa der deine?“

„Arschloch! Ich heiße Oliver.“ Weiterlesen

Können Artischockenherzen vegan ausbluten?

Seit einem Monat sitzt mein neuer Kollege vor mir. Ich mag ihn nicht. Er hat einen Kopf so stromlinienförmig, dass er wahrscheinlich der ideale Tour-de-France-Abfahrer wäre. Breite Stirn, dahinter ein spitz sich verjüngender Kopf. Sein Gesicht verziert ein Zinken, der spitz herausragt und sich wie eine Kartoffel zwischen Oberlippe und Augenpartie ausbreitet. Seine Augen werden oben von buschigen Augenbrauen überschattet. Seine Haare hat gegelt und mit groben Kamm exakt parallel zu seiner Kopfform nach hinten weggekämt. Das Sonnenlicht, das hinter ihm durchs Fenster sein Haupt streift, lässt das Straßenköterblond seiner Haare noch einen Tick heller ausfallen und mit dem Gel ergibt sich gelegentlich der Effekt eines Heiligenscheins. Ich mag ihn nicht. Er ist mir zu streberhaft. Weiterlesen

Vollmond, rück mich ins rechte Licht! oder: Menschen, die auf Displays starren

Es ist Vollmond. Die Leute verlassen ihre Wohnung. Das Licht des Mondes durchflutet die Straßen …
… nicht wirklich, dank Elektrizität schaffen wir es inzwischen schon selber. Aber das Licht des Trabanten ist weiterhin in dunklen Ecken …

Neuer Versuch:

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Nein, das ist kein Vollmond …

Es ist Vollmond.
Heute Nacht.
Die Leute verlassen ihre Wohnung. Risikoreich.
Auf eigene Gefahr.
Monster. Denn die Straßen sind voller Monster.
Aber die Menschen jagen sie. Alle. Unerbittlich.
Bei Vollmond.
Von Grundschulalter bis ins Rentenalter. Alle sind sie dabei.
Ich habe sie alle gesehen. Heute Abend. Heute Nacht.
Monsterjagd.
Mit dem Smartphone in der Hand.
Die Displays erleuchten deren Gesichter.
Menschen, die auf Displays starren.
Bei Vollmond. Weiterlesen

A hard rain’s gonna fall …

Bushaltestelle.
Sonntags Abends.
Es gießt wie aus den berühmten Kübeln.
Die Strasse wird zur Flusslandschaft. Nicht wirklich. Aber fast.
Und es schweifen die Gedanken an die Regenkatastrophe von Niederbayern, bei der acht Menschen in den Regenfluten eines Dorfes starben.
Mein Regenschirm dient mir als Abwehrschild gegen Autofahrer, die in hoher Geschwindigkeit durch das Wasser der Straße fahren und einen extra Regenguss für die Leute in dem Wartestellenhäuschen produzieren.
Zwei Menschen sitzen auf der Bank. Beide in den klassischen Fünfzigern und er schwadroniert über das Wetter: Weiterlesen

Nicht für die Schule, sondern fürs Leben …

Knopf drücken, Klacken vernehmen, Pappschuber herausziehen, leicht zusammendrücken, Innenteil in die Hand rutschen lassen, Deckel abnehmen, Scheibe vorsichtig aus dem Innenteil rutschen lassen, Mittelfinger aufs Loch, Handballen am Rand, Innenteil ablegen, Scheibe zwischen den beiden Handballen kurz drehen und prüfend das Schwarze mustern, Staub leicht abblasen, dann Loch durch Bolzen, vorsichtig, leicht drehen, Rotation einstellen, Hebel umlegen, Arm anheben, rüberführen und Nadel dann mittels der Absenkvorrichtung langsam auf den Rand absenken, beobachten wie die Nadel in die Rille einfädelt, Knistern hören und sehen wie Nadel in das Meer der Rillen in den See der Erinnerungen sticht … Weiterlesen

Kneipengespräch: Zahlemann und Söhne

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„Also, das waren jetzt drei Kinder-Kölsch. Macht sechs sechzig.“

Der Gast beugte sich lässig vor und, abgestützt durch seinen Ellenbogen auf dem Tresen, ließ mit lockerer Nonchalance zwischen Zeige- und Mittelfinger eingeklemmt eine Kreditkarte vorschnellen: „Mach sieben Euro. Der Rest ist Trinkgeld.“

„Hm. Kreditkarte nehmen wir aber nur erst nach zehn Kölsch und fünf Schabaus.“

„Was? Zehn Kölsch und fünf Schnäpse? Dann bin ich ja blau und kriege die Unterschrift nicht mehr hin.“

„Das geht schon. Geht mit Chip-Zahlung und 10 Euro Kreditkartenzahlungsgebühr. Schabau määt schlau! Weeßte“, lächelte ihn der Wirt verschwörerisch an.

„Glaub ich nicht. Okay. Gut. Dann zahl ich mit EC-Karte“, sagte der Gast, holte seine Geldbörse hervor, schob die eine Karte rein und holte die andere raus.

„EC-Kartenzahlung erst ab fünf Kölsch und einen Schabau. Plus zwei Euro fuffzich EC-Kartenzahlungsgebühr.“ Weiterlesen

Wie ich mit einem Dreierpasch die Welt rettete …

Niemand von ihnen konnte es gewesen sein. Weder Herr Biersack, noch Herr Wolfhausen, noch Herr Dörthofen. Trotzdem standen sie wie Sich-schuldig-fühlend um den toten Mops herum.

„Er war ein braves Tier“, seufzte Herr Biersack.

„Ja, das war es!“, stimmte Herr Wolfhausen zu.

„Und so treu“, seufzte Herr Biersack.

„Ja, treu war er“, stimmte Herr Wolfhausen zu.

„Wie Gold“, seufzte Herr Biersack. „Da kann sich manchs Weibsbild was von abschneiden.“

„Und Mannsbild!“, pflichtete Herr Wolfhausen zu.

„Mannsbild und Kindsbild erst!“, betonte Herr Biersack. Weiterlesen