Wichtig! Aktuelle Verkehrsdurchsage!

Achtung!

Eine wichtige Verkehrsdurchsage an alle Autofahrer auf der Autobahn in Richtung Süden.

Auf der Fahrbahn in Richtung Köln/Düsseldorf kommen Ihnen die vier apokalyptischen Reiter entgegen.

Überholen Sie nicht, fahren Sie äußerst rechts und warnen Sie diese Gruppe, bestehend aus Prinz, Bauer, Jungfrau und einem herrenlosen Weihnachtsmann, mit der Lichthupe.

Wir geben Entwarnung, wenn die Gefahr vorbei ist und die apokalyptischen Reiter mittels SUV-Karnevalswagen von der Straße geholt wurden.

Also spätestens Aschermittwoch.

Und legen Sie verdammtnocheins das Smartphone weg, wenn Sie gerade diesen Text auf Ihrer Autofahrt lesen!

Der Plan

Sie arbeiteten monatelang, sammelten Zündhölzer und Klebstoff und opferten ihre Freizeit dafür. Unauffällig und unbemerkt.

Zündhölzer zu organisieren, das war kompliziert. Überall wurden ihnen nur Feuerzeuge angeboten. Angeblich, weil für deutsche Zündhölzer die Regenwälder gerodet würden und für Feuerzeuge kein einziger Baum gefällt würde.

Und Klebstoff. Richtig schwierig. An allen Ecken und Enden standen die bayerischen Schlapphüte aus Pullach vom BND unweit der Regale. Eifrig machten sie sich Notizen, wer wie viele Packungen und Arten von Klebstoff kaufte. Lagen zu viele Klebstoffflaschen im Einkaufskorb, zogen sie danach in deren Notizbüchern Linien auf kleinen Karten vom eigenen Standpunkt bis zur nächsten größeren Hauptstraße. Darum konnte nur Tübchen für Tübchen ganz unauffällig an den Kassen eingekauft werden.

Nach einem Jahr hatte es die Gruppe schließlich geschafft. Sie versammelten sich im Schein ihrer Smartphone-Taschenlampen in einer dunklen Ecke eines kleinen, muffigen, kahlen Raums.

Der Anführer erklärte vor den beiden anderen der Gruppe nüchtern:
— »Jungs, wir haben es geschafft! Morgen können wir den Anschlag durchführen!«

»Yeah!«

— »Jetzt müssen wir uns noch auf das Anschlagsziel einigen.«

»Hm.«

— »Irgendwelche Vorschläge?«

»Irgendeinen zentralen Punkt.«

— »Richtig! Mit Bedeutung, sonst bemerkt es keiner.«

»Ich würde sagen, am besten dort, wo es spannend ist. Also, was spannendes!«

»Ja! Und was zum Spielen!«

»Und mit Schokolade!«

— »Aber das sind ja gleich drei Wünsche auf einmal. Das geht nun wirklich nicht.«

»Hm. Jetzt wird das aber kompliziert.«

»Ja. Ehrlich. Warum einfach, wenn es kompliziert geht.«

»Als Genies geben wir uns mit einfachen Sachen nicht ab. Wir haben doch im letzten Jahr die Lage analysiert und festgestellt: Als Wutbürger kommste nicht weit. Worte sind schön, aber Hühner legen Eier.«

»Wir sind keine Hühner!«

»Ohne Eier keine Hühner.«

— »Leute, jetzt mal im Ernst: Wenn wir etwas mit Spannung, Spiel und Schokolade als Ziel auswählen, weiß doch gleich jeder, wer wir sind.«

»Ja? Und wer sollen wir sein?«

— »Kinder der 90er mit zu viel Fernsehkonsum.«

»Ü-Eier finde ich schon als Kind gut und jetzt immer noch. Dafür brauche ich keinen Mainstream oder Fernseher.«

»Wir müssten uns einen Namen machen.«

— »Richtig! Wir brauchen zuerst einen Namen. Einen unverwechselbaren.«

»Wie wär’s mit ‚Baby-Boomer-Bomberbande‘? Kann man auch hervorragend abkürzen: ‚BBBB’.«

»Och, nö. Das ist so abgegriffen, so linksintellektuell.«

»Wie wäre es mit ‚Bang Boom Bang‘? Kennt jeder, klingt nach Hollywood, und er spricht auch Rechtsintellektuelle an.«

— »Echt jetzt? Die Mitte-Intellektuellen beabsichtigen wir nicht anzusprechen?«

»Wie wär’s mit ‚Boom Bang-a-Bang‘? War bereits ein ESC-Hit und kann jeder Intellektuelle mitsingen.«

»Da finde ich ‚Baby-Boomer-Bomberbande‘ besser.«

»Nö. ‚Bang Boom Bang‘ ist griffiger.«

— »Ist alles Scheiße. Muss knalliger sein, mehr explosiv. Aber bitte keine Comic-Sprache.«

»Wieso nicht? Ich bin damit aufgewachsen. Wie wäre es mit ‚Alea iacta est‘?«

»‘Iacta alea est’

»Wie bitte?«

»‘Iacta alea est’.«

»Quatsch! ‚Alea iacta est‘! Habe ich doch bei Asterix gelesen.«

»Ach komm. Asterix ist so was von letztes Jahrtausend. Marvel Comics sind viel besser.«

»Ach ja? Und wie würdest du uns dann nennen wollen? ‚Avenger Action Group‘

»Hört sich an wie ‚Action Puppe’. So nach Sex-Toys für Männer, Epstein und so. Das ist ja so was von Baby-Boomer.«

»Aber explosiv sollte es schon sein? Also etwas Eruptives. Wie ein Vulkan.«

— »Vulkan ist eindeutig machistisch. Zu phallisch. Sexistisch. Geht gar nicht. Aber die Richtung stimmt. Es muss etwas sein, was Spannung vermittelt.«

»Ja, und spielerisch leicht ist.«

»Und mit Schokolade.«

— »Aber das sind ja wieder gleich drei Wünsche auf einmal. Das geht nun wirklich nicht.«

Stille. Eine peinliche Stille. Wie bei einem missglückten ersten Date. Die Stille griff um sich, schlich sich in die dunklen Ecken und verdunkelte die Lichter der Smartphones. Oder wurden lediglich deren Akkus schwach?

Jeder suchte nach Worten. Mit sich verdunkelnden Gesichtern schauten sie sich gegenseitig ratlos an.

»Ähem. Jungs, mal etwas anderes. Ich habe gerade gesehen, dass einige Tuben aus unserem Klebstoff-Vorrat abgelaufen sind. Deren MHD war Dezember letzten Jahres. Ihr hättet beim Einkaufen mal genauer hinschauen sollen. Jetzt müssen wir Ersatz besorgen.«

»Und Handschuhe. Habt ihr die Gefahrensymbole auf den Verpackungen gesehen? Wir sollten vorsichtig sein. Ansonsten geht beim Handling mit dem Klebstoff unser Anschlag nach hinten los.«

— »Ich denke, Atemmasken wären dann auch wichtig. Klebstoffe haben doch auch immer Lösungsmittel, oder nicht? Ich will keinen Lungenkrebs nachher.«

»Und ganz wichtig: Wir brauchen Trocknungsmittel, um die Streichhölzer zu lagern. Feuchte Zündhölzer nutzen uns nichts.«

»Stimmt. Für das Trocknungsmittel brauchen wir dann aber auch die passenden Handschuhe. Bock darauf, im Alter an Fingerkrebs oder so zu erkranken, hab’ ich nicht.«

— »Und wo lagern wir dann das Trocknungsmittel? Hier ist es zu feucht. Wir brauchen einen trockeneren Raum.«

»Stimmt. Mit Steckdose für unsere Smartphones. Mein Akku geht gerade zu Ende. Und er sollte größer als dieser hier sein.«

»Erreichbarkeit wäre nicht schlecht. Meine Familie sollte mich anrufen können. Wir könnten dann auch einen Kicker reinstellen. Work-Life-Balance, versteht ihr? Etwas mehr Spiel und Spannung bei unseren Besprechungen.«

»Und ich bring’ dann Schoki mit. Macht produktiver.«

— »Gut, dann treffen wir uns in sechs Monaten erneut hier. Und dann kann es wohl losgehen.«

»In sieben Monaten.«

»Sieben?«

»Im Juli habe ich Urlaub

»Ich im September. Weil Nebensaison. Die Preise sind dann billiger. Und du? Machst du denn nie Urlaub?«

— »Im August. Gut. Dann treffen wir uns im November.«

»Och nö, Vorweihnachtszeit, geht gar nicht.«

— »Okay, dann nächstes Jahr im Januar, wie immer nach dem Heilige-Drei-Könige-Tag .«

»Gleicher Ort. Gleiche Stelle, gleiche Welle.«

»Alea iacta est.«

»Iacta alea est!«

»Besserwisser.«

»Rechthaber!«

»Klugscheißer!«

»Selber!«

— »Okay, dann wäre das geklärt. Also dann: In alter Frische, Tschüss bis zu unserem nächsten Dreikönigstreffen.«

Unentdeckte Fundstücke an „Lost Places“ dieser Welt (Fake der Woche)

Wichtig! Das nachfolgende Fundstück wurde bislang nicht gefunden! Daher kann es nicht als Beweis dienen! Es liegt wohl noch immer in einem Altpapiercontainer unweit des amerikanischen Generalkonsulats in einer südöstlichen Großstadt Deutschlands nördlich vom Hofbräuhaus, in dem Alois Hingerl, Dienstmann Nr. 172 am Münchner Hauptbahnhof und letzter Dienstmann seiner Art, noch immer seine Mass trinkt (… – und b’stellt sich no a Maß, und no a Maß und no oane … und da sitzt er heit no … und somit wartet der Briefverfasser bis heute vergeblich auf die göttlichen Eingebungen und schreibt Briefchen an den Weihnachtsmann oder andere Zipfeklatscha und Vasoga …).Fake letter

Übersetzung:

“ Lieber Weihnachtsmann,
ich bin ein einsames Waisenkind, das einsamste, das ich kenne, und ohne Eltern. Leider sind mein Vater und meine Mutter viel zu früh gestorben; mein Vater an Alzheimer und meine Mutter konnte kaum noch sehen oder hören.
Eigentlich habe ich alles und sollte vollkommen glücklich sein. Aber vollkommen glücklich zu sein, ist böse, krank und woke. Deshalb hoffe ich, dass du mir auch meine wunderbaren Wünsche für mein wunderbares Weihnachtsfest erfüllst. Ich wünsche mir Folgendes (d. h.: so schnell wie möglich!):
– viel Frieden; eine wunderbare Auszeichnung für meine Friedfertigkeit wäre angemessen; die inkompetente María Corina hat mir kürzlich diese wunderbare Auszeichnung geraubt.
– ein schönes Weltpuzzle, aber bitte nur mit drei schönen Teilen; ich habe nur zwei riesige Hände.
– ein ultraschnelles Schnellboot; ihr wisst ja, der inkompetente Peter zerbricht sie immer alle, bevor ich sie bekomme, oder bringt mir nur woke Tanker
– einen unglaublich neuen Spielkameraden für mein tolles Spielzimmer; ich hätte gerne einen kleinen Nick, wie „Le petit Nicolas” von Goscinny/Sempé; jemand wie er kann auch aus meinen gefährlich woke Schurkenstaaten kommen
– jede Menge größeres Eis (der böse Jens-Frederik gibt mir seines nicht)
– tolle TACO-Angebote in einem wunderschönen Taco Bell-Restaurant im unglaublichen Bogota, direkt am unglaublichen weißen Strand von Mexiko
– ich möchte das entscheidende Tor im Finale der FIFA-Weltmeisterschaft schießen

Mit vielen respektvollen Grüßen aus meinem Spielzimmer,

Dein Honest Don“

* * * * * * * * * *

Hahleluja – Luhja – Luhja sag i – zäfix Hahleluja – Luhja!!!

Kneipengespräch: Statistisch gesehen, nur auf ein Kölsch (2)


Argwöhnisch schielt er auf das frische Kölsch des Neuen und redete den Neuen an:

»Sagen Sie mal … dat haben Sie aber geschickt eingefädelt.«

»Hm? Wie meinen Sie?«

»Na, sich hier als Statistiker auszugeben, nur damit der Wirt Ihnen überhaupt noch ’en Kölsch zapft. Der lässt sonst keine Fremden an ‚meinen‘ Platz hier.«

»Aber guter Mann, ich bin Statistiker.«

»Jaja. Und ich bin der Papst un ming Frau is dat Marieche der Funken. Statistiker trinken kein Kölsch. Statistiker trinken Mineralwasser und zählen die Blubberblasen. Und wenn einer kein Kölsch trinkt, is er statistisch gesehen ein …? Na?«

Der Neue rückt seine Brille zurecht: »Schaun Sie mal. Lassen wir die Deduktion. Was isst man zum Kölsch?«

»Nen Halve Hahn. Oder Mettbrötchen.«

»Falsch. Global gesehen: Wurst. Bratwurst. Currywurst. Fettiges Protein. Und wo isst man die? Im Stehen. An der Bude. Jetzt raten Sie mal, wo in Deutschland die höchste Imbissbudendichte herrscht?«

»In Bayern natürlich. Wo der Uli Hoeneß seine Würstchenfabrik hat und der Söder den ganzen Tag Weißwurst zuzzelt. Dat is doch dat Epizentrum des Cholesterins.«

»Ein populärer Irrtum! Weit gefehlt. Dortmund!«

»Dortmund?«

»19,5 Buden auf 100 000 Einwohner. Der Ruhrpott ist der Olymp der Fritteuse! München? Lächerliche 7,5. Selbst Bochum, wo Grönemeyer die Currywurst besungen hat, kommt nur auf 13,4. Bayern ist Wurst-Entwicklungsland.«

»Dafür zocken die in München ab.«

»Korrekt. München führt bei den Straßenpreisen. Fünf Euro für ’ne Bratwurst. Wenn Sie noch ’nen Fünfer drauflegen, kriegen Sie hier beim Türken um die Ecke schon den ersten Döner. Aber der wahre Wucher lauert in Nürnberg.«

»Wieso? Die haben doch diese winzigen Dinger.«

»Eben! ‚Drei im Weggla‘. Rechnen Sie das mal auf das Kilo hoch. 50 Euro pro Kilo Wurstbrät! Das ist Filet-Preis für Abfallprodukte. München hält dafür den Rekord beim Döner-Kilopreis: 22 Euro.«

Er nimmt einen großen Schluck und schaut den Neuen spöttisch von der Seite an:

»Traue keiner Statistik, die du nicht selbst … Wat hat dat jetzt mit Ihrem Kölsch zu tun?«

»Moment, die Korrelation kommt noch! München hat zwar wenig Wurstbuden, aber über 1000 Beautysalons.«

»Wat?«

»Ja. Aber pro Kopf liegen Wiesbaden, Aachen und – man höre und staune – Köln vorn. 85 Studios auf 100 000 Einwohner.«

»Woran liegt dat? An der Bratwurst wohl kaum.«

» … aber jetzt kommen wir zum Kern der bayerischen Anomalie. Ich nenne es das ‚Weißwurst-Paradoxon‘.«

»Dat klingt wie ’ne Krankheit.«

»Passen Sie auf: Bayern repräsentiert die Konstante der Tradition. Meine Daten zeigen eine signifikante Korrelation zwischen hohem Bier- und Fleischkonsum einerseits und stabilen Familienstrukturen sowie einer soliden Geburtenrate andererseits.«

»Moment, Moment. Sie wollen mir erzählen, wenn ich mehr Schweinshaxe esse, läuft mir die Frau nit weg?«

»Statistisch gesehen: Ja. Der bayerische Durchschnittsbürger ist zwar etwas schwerer, aber er lebt in einem stabileren sozialen Gefüge als der schlanke, vegane Großstädter. Die Hypothese lautet: Cholesterin als sozialer Klebstoff.«

Er stellt sein Kölsch energisch ab und dreht sich frontal zum Neuen:

»Juter Mann, jetzt hören Sie mir mal zu. Dat is doch Kokolores. Dat is, wie wenn Sie sagen: ‚Wenn et regnet, wird der Rasen nass, und wenn ich heule, wird dat Taschentuch nass – also heule ich, weil et regnet ‘.«

»Äh … das ist meteorologisch nicht ganz …«

»Dat nennt man ’ne Scheinkorrelation! Dat lernen wir schon im Kindergarten. Der Bayer bleibt nit bei seiner Alten, weil er Leberkäs frisst. Der isst Leberkäs und bleibt verheiratet, weil er katholisch is und Angst hat, dass der Dorfpfarrer ihm am Sonntag die Leviten liest, wenn er sich scheiden lässt!«

»Nun, die konfessionelle Variable habe ich noch nicht multivariat gewichtet …«

»Eben! Sie verwechseln Ursache mit Beilage! Nur weil Störche in Bayern brüten und da viele Kinder geboren werden, bringt der Storch trotzdem nit die Kinder. Oder wollen Sie dat auch noch behaupten?«

»Korrelationstechnisch gibt es da tatsächlich eine Überlappung in ländlichen Regionen ..«

Er schaut den Neuen aus zusammengezogenen Lidern an, richtet sich dabei gerade auf, lässt seinen Kopf ein wenig zur Seite fallen, hebt beide Hände zur Faust geballt auf Brusthöhe, die Handinnenseiten dem Neuen zugewendet, und seine Stimme verändert sich vom Kölschen zum amerikanisch Nasalen, zum Rauhen, mit Tendenz zu Höhen:

»Well. Also mal ehrlich. Sie da. Sie selbst ernannter Statistiker. Glauben Sie mir, sehr schwach. Logisch extrem furchtbar. Viele Leute sagen das, die besten Logiker. Wirklich viele. Wissen Sie, Sie nehmen eine großartige Wurst und machen daraus eine schreckliche Familie. Völlig katastrophal. Korrupte Fake Science!«

»Aber die Zahlen …«

»Niemand sollte Ihnen jemals ein wunderschönes Kölsch geben. Denn niemand durchschaut betrügerische Kausalitäten besser als ich. Ich habe den unglaublich besten Instinkt. Brilliant und outstanding! Und glauben Sie mir eines: Ihre schwache Statistik … ein totales Desaster. Very bad and very sad! Pete, hegseth him up!“«

Kneipengespräch: Statistisch gesehen, nur auf ein Kölsch (1)

»Moment!«

»Tür ist zu! Wir schließen gerade.«

»Ich hab’ noch ’nen Fuß drin! Oder beabsichtigen Sie, mir den abzuquetschen?!?«

»Dann ziehen Sie doch ihren Fuß zurück.«

»Ich weiche nicht! Lassen Sie mich rein! Mein Oberschenkel ist auch schon bei Ihnen drin! Und ein Teil meines Hüftknochens! Und …«

»Gut. Kommen Sie rein. Was wollen Sie?«

»Wer sind Sie?«

»Der Wirt. Und Sie?«

»Ich bin vom privaten Befragungsinstitut ‚Licht im Dunkeln am Tunnelende‘.«

»Aha. Kommt uns wieder ein Zug entgegen?«

»Vielleicht. Darum halte ich auch Ausschau nach dem deutschen Durchschnitts-Michel. Dem Otto-Normalverbraucher.«

»Dem Otto-Normalverwutzer? Wie soll denn der Otto so aussehen?«

»Körpergröße von exakt einem Meter und 72,5 Zentimetern. Gewicht bei 77 Kilogramm. Schuhgröße 40,5. Und durchschnittlich mit 5.205 statt der 7.000 Schritte pro Tag.«

»Bauchumfang?«

»97 Zentimeter. Also so in etwa.«

»Haarfarbe?«

»Im Schnitt ein dunkles Straßenköter-blond mit ca. 110.000 Haaren.«

»Bei welchem Intelligenzquotienten?«

»Also, 50 % liegen unter dem IQ von 100. Folglich mit 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit immer eine unverkennbare, leicht dümmliche Intelligenz.«

»Eine leicht dümmliche Intelligenz?«

»Ja. Denn der deutsche Michel wählt aus reiner Dummheit immer falsch und lebt dummerweise immer über seine Verhältnisse.«

»Michel hamwa net.«

»Wie bitte?«

»Ich sagte: ‚Einen Michael haben wir hier im Lokal nicht‘. Und ‚Otto‘ ist im Übrigen auch aus. Denn mehr als 50 % hier in Bayern wählen bereits CSU, FW und AfD. Dafür benötigen die auch keinen IQ. Aber schauen Sie sich hier bei mir im Lokal ruhig um.«

»Hm, also wenn ich mich hier so umschaue, dann sehe ich hier alle mit einem adipösen Bauchumfang und wenig Haare. Interessanter Zusammenhang. Moment, ich notiere ‚Anzahl der Haare korreliert mit Bauchumfang‘.«

»Wer kopuliert?«

»Korreliert, guter Mann. Korreliert. Bei der Verteilung der Intelligenz haben Sie auch nicht ‚Hier!‘ gerufen, oder? Ich vermute, das hängt mit Ihren wenigen Haaren auf Ihrem Kopf zusammen?«

»Wo kein Mist eingearbeitet wurde, da kann auch nichts wachsen. Alte Bauernweisheit. Vielleicht gehöre ich auch nur zu den unter 50 %, welche schweigen und nicht laut sind?«

»Hm. So hatte ich das bislang nicht betrachtet. Interessante These, das mit dem Schweigen und den Haaren. Dabei sind die Glatzköpfe unter den Skinheads doch das bekannte Gegenbeispiel. Sie sind lautstark und denen wird auch immer das bedrohlichste gesellschaftliche Potenzial nachgesagt.«

»An ihrer Stelle würde ich lieber mal ein wenig tiefer bei ihren Untersuchungen anfangen. Sie sollten bei den Füßen anfangen, nachzuforschen. Diese Skinheads haben immer ungepflegte, lange, krumme Zehennägel und abartig beharrte Füße. Darum packen sie ihre Füße immer in dicken Springerstiefeln ein, damit das niemandem auffällt.«

»Das meinen Sie wirklich erst?«

»Sie als Statistiker müssten das doch besser wissen. Wussten Sie, dass jeder vierte Deutsche seine Unterwäsche nicht täglich wechselt und jeder dritte nicht täglich duscht? Braune Bremsstreifen in der Unterbux und das olfaktorische Problem sind etwas, was in der Statistik seine Spuren hinterlässt. Der Deutsche führt im Schnitt vier Lebenspartnerschaften in serieller Monogamie, hat aber in seinem ganzen Leben im Schnitt sechs Sexualpartner. Sechs minus vier, das macht ergo zweimal Fremdgehen, nicht wahr? Und von der Statistik wissen wir, dass jeder dritte Deutsche bereits einmal fremdgegangen ist, Frauen häufiger als Männer. Wir beide sind schon mal zwei. Sagen Sie mal, sind Sie verheiratet?«

»Und das alles wegen einer Unterwäsche, die nicht täglich gewechselt wurde?«

»Der Deutsche ist im Wandel. Weg vom Schweinefleisch, hin zur Kartoffel. Weg von der lebenslangen Ehe, hin zu der seriellen Partnerschaft. Der Deutsche ist hygienisch penibel, wäscht oder rasiert seine Haare von oben bis knapp unterhalb der Gürtellinie. Aber zugleich ist jeder dritte Deutsche pragmatisch, wenn es dabei deutlich unterhalb seiner Gürtellinie zugeht, sprich, was die Unterwäsche und die Kondomnutzung angeht. Der Deutsche lebt in einer alternden Gesellschaft, in der die Taillen breiter werden, die Nutzung von Kondomen abnimmt, der Verschmutzungsgrad der Unterwäsche zunimmt, während die Schritte weniger werden. Als ob sich sein Leben mehr in der eigenen Betthälfte als außerhalb davon abspiele. Kein Wunder, dass deswegen selbst die Briefwahl floriert. Was allerdings bleibt, das ist die Ungereimtheit mit den demografischen Daten. Wenn der Deutsche doch so sehr bettaktiv ist, und seiner Kondom-Intoleranz frönt, warum gibt’s dann nicht mehr Kinder?«

»Wie kommen Sie jetzt da drauf?«

»Fragen Sie nicht mich. Sie sind der intelligente Statistiker der oberen 50 %. Meiner einer ist nur Befragungsmaterial. Oder kamen Sie her, um letztlich doch nur ein Kölsch zu trinken?«

»Sie haben mich überzeugt. Ein Kinderkölsch bitte.«

»Ihr Wunsch ist mein Befehl. Meine Umsatzstatistik wird es Ihnen ab jetzt zu 7 % mehr dankbar sein. Zum Wohlsein. Also zu meinem.«

»Prost.«

»Aber nur für die Statistik, woll?«

+ + + + BREAKING NEWS + + + + + Gesetz zur Grundsicherung Bayrischer Parlamentarier gescheitert + + + + BREAKING NEWS + + + + +

Gott hat mitgehacktIm Bayrischen Parlament ist ein Gesetz des Bundeslandes Bayern für die Grundsicherung bayrischer Parlamentarier gescheitert. Der Gesetzentwurf sah vor, dass bayrische Parlamentarier, die mehr als 3-mal hintereinander Parlamentssitzungen im Maximilianeum fernbleibt, keine jährliche Steigerung der eigenen Diäten-Grundsicherung um 7,65 Prozentpunkte erfahren. Zweimal scheiterte der Gesetzesantrag für die Grundsicherung bayrischer Parlamentarier beim Streit um die validen Prozentpunkte. Beim letzten Antrag konnte auch der Koalitionspartner der kleineren Koalitionspartei als die bayrische, Landes-führende Partei dem Gesetzesvorhaben zustimmen. Am Ende war es die Unterschrift des Ministerpräsidenten, an der das Vorhaben scheiterte.

Die zur Umsetzung des Gesetzes erforderlich Unterschrift konnte ER nicht leisten, da ER durch Außer-Haus-Termine verhindert war und ER alle Hände voll zu tun hatte:

Beleg-Bild #1: Söder brät sich ne Wurst

Beleg-Bild #2: Söder präsentiert sich ne Wurst

(Quelle: x.com/Markus_Soeder)


Laut SEINEN eigenen Aussagen auf X ging es ihm um die Wurst bei einem anvisiertem erneuten Maskendeal mit Jens Spahn.

Beleg-Bild #3: Söder isst sich ne Wurst, zusammen mit Jens Spahn

(Quelle: x.com/Markus_Soeder)

Das Treffen wird allerdings wohl wiederholt werden müssen. Die Tochter des ehemaligen Bayrischen Ex-Finanzministers Gerold Tandler zog es vor, nicht anwesend zu sein. Wie aus gut unterrichteten Greisen zu erfahren war, säße dessen Tochter gerade mit Tandler-Amigos beim Tee-trinken in der Schweiz zusammen und würde das Aufräumen ihrer Wohnung in Davos durch Hausreinemachefrauen (Bürgergeldkandidatinnen aus dem Münchner Grünwald) beaufsichtigen. Immerhin: Wenigstens irgendwo wird noch gearbeitet, wie Kanzler Merz es öffentlich bereits gefordert hat.

Die Unterzeichnung von dem Gesetz der Steigerung der Grundsicherung von bayrischen Parlamentariern ist somit erst einmal aufgeschoben sein …

+ + + + BREAKING NEWS ENDE + + + + + Gesetz zur Grundsicherung Bayrischer Parlamentarier gescheitert + + + + BREAKING NEWS ENDE + + + + +

…. Hm? Ihr habt davon nichts in den Medien gelesen? Echt jetzt? Ihr vertraut dem Mainstream und seiner Informationsbereitschaft? Mal wieder typisch. Ts, ts, ts, ts …

Söder! Übernehmen Sie!

Servus, du Wurst-Zipfeklatscha!

Make Bavaria great again!Es ging um die Wurst. Die Söderin und der gelernte Wurst- und Metzgermeister Alois Rainer (CSU) konnten jetzt erst einmal durchatmen. Das »wurst case scenario« konnte abgewendet werden. Nach dem Verbot des Genderns von Amtswegen in Bayern wurde die nächste Bedrohung der deutschen Kultur gemeistert. Im Europäischen Parlament konnte das Verbot von nicht-fleischlichen Genüssen auf deutschen Verpackungsmaterialien in die nächste Instanz zum Verbieten gebracht werden.

»Eine Wurst ist eine Wurst. Wurst ist nicht vegan«, dozierte neulich der Sauerländer Merz als TV-Oberlehrer dem Volke vor der Glotze. Damit steckte er ganz klar Neuland-Terrain seiner Kernkompetenz ab: Definitionshoheit übers Würstchen-Grillen vom kleinen, ärmlichen Feuerchen an einem Flusslauf bis hin zu den Enders-/Weber-Luxusgrillmaschinen in dem Einfamilien-Villengarten.

»Es geht um Transparenz und Klarheit für den Verbraucher und um Anerkennung für die Arbeit unserer Landwirte«, sagte eine Abgeordnete der französischen Konservativen, Céline Imart. Im Europäischen Parlament gehört sie der EVP-Fraktion an. Von Europäischen VolksPartei zu Europäischen VerbotsPartei ist es immer nur dann ein kleiner Schritt, wenn es um die Wurst geht, bei der Schnitzeljagd gegen Sprachverwurstung. Transparenz und Klarheit. Und das bei Schnitzel und Wurst. Da bringt sogar eher das Palindrom »Vitaler Nebel mit Sinn ist im Leben relativ« mehr Klarheit und Transparenz unter einem angehobenem Wurstzipfel.

Eine Wurst ist eine Wurst. Basta! Das muss mal gesagt werden! Bettwurst, Erbswurst und Adenauers patentierte Sojawurst (»Kölner Wurst«, »Friedenswurst«) können sich schon mal nach neuen Namen umschauen.

Ja, und denkt an all die armen Würstchen unter uns. So viel Mostrich gibt es gar nicht, wenn die Sprachpolizisten diese verspeisen wollen. Weder Söderin noch andere werden diesen armen Würstchen eine Extrawurst braten. Sollten jene deswegen auf beleidigte Leberwurst machen wollen, sollte denen auch mal ganz klar gesagt sein: in Kalbsfleischleberwurst steckt mehr Schweineleber als Kalbsleber überhaupt. Denn genau genommen kann in Bayern statt Kalbsleber auch Jungrindsleder genommen werden, also die Leber von Rindern im Alter von acht bis zwölf Monaten statt von Kälbern bis zu deren achten Monat. Dann ist zwar keine Kalbsleber in der Kalbsleberwurst, … aber nun denkt doch mal nach! Seit wann ist im »Bayrischem Leberkäse« Käse und Leber drinnen? So etwas hat noch nie einen großen Geist aufgeregt. Das geht völlig in Ordnung in Bayern. Maximal Hanswürste wie ich verlieren Worte darüber. Denn der »Bayrische Leberkäse« gehört gemäß dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (Minister: Alois Rainer, CSU) in die Kategorie »Brühwürste«.

Hauptsache unser Bier bleibt rein und es kommt uns auch nichts in die Wurst hinein. Also solch veganer Quatsch wie Gemüse, Obst oder anderes untierisches. Wobei Nitrite (E250), Nitrate (E252), Sorbin- oder Schwefelsäure (E200, E220), Phosphate, Emulgatoren und Antioxidationsmittel gelten nach bayrischem Verständnis nicht als vegan.

Hm? Antioxidationsmittel in einer Rostbratwurst? Ist das nicht ein Widerspruch in sich? Darf die Rostbratwurst denn noch so heißen, wenn das eisenhaltige Lebensmittel »Wurst« nicht mehr oxidieren kann, also dank Antioxidationsmittel nicht mehr rosten wird?!?

Herr Merz, bevor Sie in ihre Cessna steigen, könnten Sie nochmal eine Stellungnahme dazu abgeben?

»Eine Wurst ist eine Wurst. Wurst ist nicht vegan.«

Herr Söderin, was ist ihre Ansicht dazu?

»Ein Leben ohne Wurst ist möglich, aber sinnlos. Leberkäs statt Tofu-Tümelei.«

Alles hat ein Ende, nur … Herr Alois Rainer? Sie wollen auch noch ihren Senf dazu geben?

»Esst Fleisch fürs Klima und trinkt Milch für eure Gesundheit.«

Darauf ein Glas »Sonnenmilch« direkt aus dem Supermarkt, unweit des Kuhmilch-Regals. Daran stört sich doch auch keiner. Aber wehe, jemand sagt »Hafermilch« (oder „Mandelmilch“ oder »Sojamilch« oder etc.). Dann: Abmahnung geht raus! Weil? Weil »Sonnenmilch« hat einen Lichtschutzfaktor und »Hafermilch« eben nicht. Ganz eindeutige Verwechselungsgefahr mit gesundheitlichen Auswirkungen. Drum eben »Haferdrink« zum Schutze der Verbraucher. Im Supermarktregal, direkt neben den »Katzenzungen«.

»Esst Fleisch fürs Klima und trinkt Milch für eure Gesundheit«, erklärte uns unser Rainer Alois.

Logisch. Ja, ihm ist unser Klima halt wurstig. Herr Alois Rainer? Noch ein Nachsatz?

»Mir ist der Klimaschutz ein wichtiges Ziel. Das hat mit Fleischkonsum meines Erachtens nichts zu tun.«

Okay. Jetzt wird’s hier zu hanswurstig. Freilich, bayrisches Allgemeingut ist: Wurst essen ist Freiheit, Tofu ist Kommunismus. Und das Weißwurstfrühstück, das ist Bayern. Prost.

Apropos »Prost«. Was macht eigentlich der Ex-Bundesminister Ilse Aigner?

– Nur zur Erinnerung aller: Gendern ist in Bayern verboten, weswegen »Ex-Bundesminister« hier absolut richtig ist. »Woke« ist für die anderen, die Grünen! –

Also. Jene Frau, die Aigner Ilse, die das Reinheitsgebot beim Bier gerettet hat, bevor es die Grünen verbieten konnten, was macht die? Sie ist eindeutig darin ein Meister, weil im Jahre 2016 wurde auf ihrer Initiative hin das Bier-Reinheitsgebot zum UNESCO-Welterbe gemacht. Und noch eine Gemeinsamkeit, ja, sie hat wie Söderin beim Reden dauernd Schaum vor dem Mund (z.B. bei Brauerei- und Jahrmarktbesuchen) und rettet damit täglich das Bier nachweislich vor allen Grünen und Woken. Wenn es also um die Wurst geht, dann sollte unsere Super-Aigner, die Ilse, helfen können. Dann freut sich nicht nur die EU, sondern die ganze Welt darüber nachher wie ein Schnitzel. Garantiert fleischlich, also nicht-vegan.

Prost Mahlzeit.

Verloren, als ich mir den Weg zeigen musste

Es regnet. Ich stehe auf. Ganz nass. Der schwarze Asphalt. Es ist schon spät. Ich muss weg hier. Unfähig, den Weg selbst hinauszufinden. Suchen, finden, gesucht, gefunden und dann wieder verloren. Im grauen Alltag. Einen Weg hinaus?

Den Weg selbst finden? Oh, Heiliger Antonius, Franziskanerpater von Padua, wo ist deine Straße, die der herumirrenden Seelen? Oh, Heiliger Antonius, Beschützer der Verlorenen auf ihren Wegen, sag, führt deine Straße auch an Flüssen vorbei? Oder lediglich an Pfützen? Einer einfachen Laache? Laachen verboten? Ohne dieses „L“ wird daraus auch nur ein Ort mit heiß-warmen Quellen.

Aachen.

Das Ende der Autobahn 544 ist der Anfang von Aachen. Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, sagt man, springt doch dort ein Springbrunnen munter prächtig vor sich hin. Am Anfang war der Springbrunnen, und der Springbrunnen war beim Europaplatz, und der Europaplatz wart Sprungbrunnen.

Vierzig Jahre zuvor mündete die Autobahn direkt an dem Springbrunnen. Dessen Bordstein lauerte tückisch auf unbedarfte Autofahrer. Kerben im Bordstein erzählten von Fahrern, welche die Begrüßung Aachens auf ihre eigene Weise zelebrierten: als automobiler Badegast, getauft in Aachener Springbrunnenwasser. Mit allen Wassern gewaschen, am Europaplatz. Hoffentlich Allianz versichert.

Inzwischen ist der Bordstein nigelnagelneu. Die Abfahrt der Autobahn verläuft butterweich in den Kreisverkehr des Europaplatzes. Bei überhöhter Geschwindigkeit muss niemand mehr dran glauben – woran niemand glauben möchte –, aus der Spur zu geraten. Die direkte Möglichkeit, sich im Namen der hochheiligen Religionsgemeinschaft „Freie Fahrt für freie Bürger über Leichen, Stock und Stein“ im Springbrunnen selber zu taufen, sie existiert nicht mehr. Verschwunden gemacht.

Wie Graf Orlok am Aachener Ponttor. In der Unterführung dort gab es früher ein Graffiti vom Grafen der Finsternis. Schemenhaft stand er dort hinter Gittern an der Wand. Heute fehlen die Gitter. Das gräfliche Graffiti in der Nische lässt sich kaum noch erahnen. Ein Schatten maximal nur. Eigentlich fast weg. Lediglich, wer in Besitz von damaligen Fotos ist, der weiß, dass dort Graf Orlok auf seine Freiheit lauerte. Inzwischen ist Nosferatu wohl auf freien Freiersfüßen in Aachen. Dort, wo er einkehrt, ist die Folge Leerstand und Leblosigkeit. Horror vacui.

Die Unterführung am Ponttor stinkt nach Pisse. Dabei wirkt die hineinführende Pontstraße selber so heimelig. So wie in den 90ern die dortige Aachener Mensa.

Die Innenstadt ist leer, mit Baustellen gepflastert. Lebloses Museum für Touristen. Das ehemaligen „Lust for Life“ der ins Jenseits verschwundenen „Horten“-Geschäftskette umgibt der bittersüße Hauch von verschimmelndem Beton tropischer Metropolen Südamerikas.

Der Platz für Wasserkunst im Zentrum am Aachener Fenster ist unerreichbar. Verrammelt und versperrt. Dort befand sich ein Kaiserbad. Der Quellen wegen. Beides verschwunden. Wie die Wasserkunst.

In der Fußgängerzone der Adalbertstraße glänzt nicht nur das nasse Pflaster, sondern auch Erinnerung an Zeiten ohne Leerstand. Nicht nur jenseits des Kugelbrunnens bewegt sich nichts mehr. Selbst der Kugelbrunnen ist ein Schatten seiner Vergangenheit.

Und dort, wo ich vor Jahrzehnten noch ein Ticket für meinen letzten in Aachen geschauten Kinofilm kaufte, ist jetzt der Eingang eines Hotels. Und nicht nur dort.

Das Parkhaus im Zentrum ist ebenfalls verschwunden, hinterließ ein Horror vacui für Stadtplaner. Für die Aussätzigen der Stadt, jene Alkoholiker und Drogenabhängigen, ist es eine Heimat. Wie die Empusa, das Schiff, mit dem Graf Orlok kam, wirkt die Freifläche am Büchel. Empusa, das war eine Dämonengestalt aus der griechischen Mythologie, welche sich als schöne Frau verkleidete, um Männer zu verführen und ihnen das Blut auszusaugen. Ethylen und andere Drogen schaffen gleiches.

Lediglich die Straße des Schutzpatrons für Verlorenes, die Antoniusstraße mit ihren Präsentationsfenstern für Sexarbeiterinnen, den Prostituierten. Es scheint ein eigenwilliges Bollwerk gegen Nosferatus Wirken in Aachen zu sein. In der Antoniusstraße scheint Graf Dracula, mit seinem Schiff Demeter dort gestrandet. Demeter, das war der Name der griechischen Göttin der Fruchtbarkeit, der Ernte. Eine Ernte, welche immer die Nachfahr-Grafen Draculas für sich einfahren.

Ob Orlok oder Dracula. In neoliberalen Zeiten gilt als ungeschriebenes Gesetz, eine Krähe hackt der anderen eben nun mal kein Auge aus.

Die Antoniusstraße hatte schon immer sein eigenes Publikum. Das kam regelmäßig nach den Predigten aus dem Aachener Dom. Es gilt der katholische Glaubensgrundsatz: ohne Sünde, keine Ohrenbeichte. Ohne Ohrenbeichte, kein Priesterbedarf. Somit ermöglichte erst die Antoniusstraße die Daseinsberechtigung und Beschäftigungsgarantie der Aachener Beichtpriester. Letztendlich wollten die ja auch ein wenig Spaß beim Beichten.

Dass damals auch ein Teil der Aachener Kunstszene in der Straße beheimatet war, darüber spricht heuer garantiert niemand mehr. Vernissagen und Ausstellungen im Puff. Darüber sprach niemand gerne. Und falls doch, dann nur vom Hören-Sagen.

Dass wiederum anderes Publikum nur zum Sex-haben dorthin ging, das blieb dann die offizielle, beliebte Version. Sie gefiel der Mehrheit, welche sich ja dort eh nie im Leben hinbewegt hatte, aber ebenfalls vom Hören-Sagen alles genau wusste. Selbst wer zu den Vernissagen dort hinging. Vielleicht hatte ja auch nur ein Beichtpriester zu seinen persönlichen Ministranten geplaudert …

Die Edelcafes wie Egmont und Café Kittel gibt es weiterhin. Und wer dort regelmäßig hinging, dem hing etwas halbwegs Intellektuell-elitäres in der Maschinenbau-Studenten-Stadt an. Aber das ist so wie mit einer Flasche Wein: Eine Flasche Wein macht nicht betrunken, man muss sie dafür auch erst einmal getrunken haben. Geändert scheint es sich dort nicht zu haben.

Gestolpert war ich, am Elisenbrunnen. Auf dem nassen Asphalt. Zum Hotel wollte ich. Zurück dorthin, wo einst das UFA-Kino war. Weg hier. Raus aus dem Pflasterstein-Dschungel, weg von den eigenen leblosen Erinnerungen. Aufhören, von alten Träumen zu leben. Das Leben war nicht das, was es schien. Laachen verboten.

Und der Lippenstift der Stadt? Knallig rot, verwischt auf aufgespritzten Lippen, in einem blass-rosa geschminkten Botox-Gesicht. Es macht mich nicht mehr an. Selbst nicht mit jenen Fünftel der Zeit meines bisherigen Lebens von damals. Die Stadt sagt mir nichts mehr. Sie spricht nicht mehr zu mir. Sie kommt nicht mehr, um mich zu holen. Sie hat mich stehen gelassen, sie hat mich verloren. Und jetzt wird sie mich nicht finden, auf meinem Weg hinaus.

PKWs aus Aachen tragen „AC“ als Kennung. Als ich die Stadt an dem Europaplatz-Springbrunnen vorbei verließ, kam mir bei dem gelben, mit rotem Balken durchstrichenem Ortsschild eine Abkürzung ins Gedächtnis: „ADAC“. Ausgesprochen als »AD AC«.

Das war es, mein letzter Kommentar zu jener Stadt.