Kneipengespräch: Wenn zwei das Gleiche … rien ne va plus …

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„Jetzt haben die die ganze Münchner Innenstadt lahmgelegt!“

„Was?“

„Na die da, die jetzt den ganzen Verkehr behindern!“

„In der Innenstadt? Maxvorstadt?“

“Ja, total. Nichts geht mehr.”

“Gar nichts mehr?”

“Nullkommanull. Vor 14 Tagen konnten ich mit meinem Q4 noch raus und am Stadtrand meine Besorgungen erledigen. Aber heuer? Nüscht! Totale Blockade und die Staatsmacht schaut tatenlos zu, alles total voll zu, nichts ging mehr. Überall haben die ihre Stände hin geklebt und feiern ihre Autos ab.”

“Ah, Sie meinen die IAA in der Innenstadt, sagen Sie das doch. Dachte zuerst, Sie meinten diese Klimaterroristen mit ihren Sekundenklebertuben.”

“Ja, die IAA. Blockade total und keiner tut was, um uns davon zu befreien.”

“So etwas können Sie aber nicht so einfach dahin rotzen, als ob die Staatsmacht tatenlos zuschauen würde. Die schaut immer ganz genau hin. Wenn ein Stand nicht exakt aufgebaut und ausgerichtet worden ist, gibt’s sofort Ordnungsgeldbescheid. Pro überschrittenem Zentimeter. Oder falsche Schrauben, falscher Kleber, falscher Feuerlöscher, nicht gegen Steinschlag oder Hochwasser oder Erdbeben gesichert, Freibier ohne Pfand oder nicht genau auf Eichstrich, zack, Ordnungsgeldbescheid.”

“Wie viel?”

“Mindestens immer doppelt soviel wie einmal Falschparken.”

“Und was hilft es mir? Davon hab ich nichts. Meine Besorgungen bleiben trotzdem auf der Strecke. Im Streckenstau. Vorgestern, ich musste Omma zum Arzt fahren. Meinen Sie, das hat geklappt? Permanent nur Stau, nichts ging mehr, keinen Zentimeter.”

“Tja, diese Klimakleber auf den Kreuzungen.”

“Schön wär’s. Nur Stau wegen der IAA. Weil fast alle Straßen der Innenstadt für die Automobilmesse gesperrt wurden. Hey, vor uns war sogar ein Rettungswagen, Blaulicht, Sirene, der kam auch nicht weiter. Stau, Stau, Stau. Nicht mal Rettungsgasse für den Sani. Ich hoffe, der im Krankenwagen ist nicht gestorben, dann hätte die IAA den aber so was von auf dem Gewissen! Wetten, dass das dann keinen einzigen Staatsanwaltgeist berühren würde? Und dann letztendlich nach Stunden an der Arztpraxis, da konnten wir nicht mal parken. Wegen den anderen Klebern.”

“Ah, doch Klimakleber! Einfach eine Plage, jene. Gas geben und drüberfahren sollte man. Nur dann gibt’s wieder Ärger mit der Staatsmacht. Diese Kleberterroristen können einfach unsere Freiheit einschränken, haben dabei keinen Schaden, lediglich wir. Wir haben den Salat und müssen die von jenen uns eingebrockte Suppe auslöffeln.”

“Nee, nee. Die waren es nicht, das waren die vielen Wahlplakatkleber der AFD, FDP, VOLT, CSU und wie sie alle heißen. Die Plakate einfach auf den Bürgersteig geknallt, an Masten angeklebt, verkehrshinderlich, keine Chance zum Parken auf dem Bürgersteig. Absolut unglaublich. Vorher ging a bisserl immer was, aber heuer nüscht.”

“Und?”

“Musste in zweiter Reihe parken, Omma auf der Straße nur kurz aus meinem Q4 helfen und in die vierte Etage bringen. Gesundheit geht immer vor. Und wissen Sie, was in der Zwischenzeit passierte?”

“Was?”

“Strafzettel! Nur weil ich mich paar Dutzend Minütchen um die Gesundheit meiner Omma sorgte. Wegen so ner Bagatelle von Zeit, da schaut dann die Staatsmacht ganz genau auf ihre Sekundenzeiger. Aber bei den Stauverursacher, diese der IAA, da schaun’se weg, statt mal dafür zu sorgen, dass wir Stau-frei in der Innenstadt fahren können. Wofür gibt es eigentlich das Messegelände in München-Riem? Für Helene Fischer Konzerte?”

“Besser ein Dutzend Helene Fischer Konzerte als ein Dutzend Klimaterroristen, die einem am Fahren hindern und Stau erzeugen.”

“Staus gehen gar nicht! Die schränken die Freiheit ein!”

“Richtig. Staus erzeugen Klimaschäden, wegen den Abgasen. Wenn aber garantiert ist, dass jeder schnell fahren kann, dann ist die Klimabelastung kürzer, weil alle schneller ans Ziel kommen. Nur wer schnell ist, kommt eher ans Ziel als andere. Das sollte man nicht nur den Grünen und ihren Klimaklebern begreiflich machen. Aber das einzige, was jene begreifen, ist maximal Asphalt unter ihren Händen. Zu mehr Begreifen reicht deren Intelligenz nicht. Früher hätte man einfach Gas geben, über solche Klimakleber hinweg. Aber heute?”

“Eben, mit einem Aiwanger als Minipräsi in Bayern wäre in den letzten fünf Jahren alles besser gelaufen. Dann gäbe es auch keine dummen Wahlplakate mehr, die einem die freien Parkplätze wegnehmen.”

“Ähem. Bitte jetzt keine Wahlwerbung hier, okay. Politik und Kneipe zusammen, das sind für mich NO-GOs in ner Kneipe. Ich will entspannen, und nicht Politikgelaber hören.”

“Egal. Jetzt einfach mal Prost.”

“Dito, Prost.”

IAA, damit auch morgen andere Messen wieder kraftvoll gelesen werden können …

Oha. Zwei Menschen zusammen. Nähe Fahrbahnrand.

Protestpotential! Auf einer Parkbank. Nah an der Straße.

Moment, ich notiere mir in meiner Kladde: Parkbank am Stemmer Hof, Kilometer Nullkommazwei, Richtung Kölsch-Kneipe. Er, eins achtzig groß, blond, circa 30. Sie eins fünfundsechzig, 19 oder 20 … hm, eher 24. Halten sich an den Händen. Sie verdeckt zusätzlich einen verdächtig tubenförmigen Gegenstand in der Rechten, sehr verdächtige Tube … .

Lippenstift … hm. Protestpotential negativ. Eher wohl Liebespaar. Hetero. Keine Klimakleber.

Hier in München ist was los. Dabei mögen wir es hier in München doch eher beschaulich. Da hinten, am Hotel, da hat sich schon das “USK Bayern” einquartiert. “USK”, das steht für “Unterstützungskommando” und nicht für “Universitäts- und Stadtbibliothek Köln”, wie so ein Schwurbler in jener Kölschkneipe versuchte, Fake-Nachrichten zu verbreiten.

Nebenbei, Kölschkneipe. Ha. Eine Kneipe mit nicht-Münchner Bier. Das sollte hier nicht erlaubt sein in unserer traditionsreichen Stadt. Dieses pissgelbe Gesöff in Reagenzgläsern ohne Trinkkultur. Da kommt keine Beschaulichkeit auf, weil die Kellner immer rennen müssen, um für ihre Gäste immer neues von diesem Noagerl-Bier herbei zu karren.

Also, wie gesagt, USK heißt Unterstützungskommando und sie bekämpft organisierte Kriminalität, Schwerkriminalität und Drogenkriminalität. Jetzt hier in München.

Also nicht wegen den Biertrinkern, Und auch nicht wegen dem Biertrinker Aiwanger und seinem Flugblatt, an dem sich jener genauso detailliert erinnert wie ein Bundeskanzler Olaf Scholz an seine Cum-Ex-Geschichte mit der Warburg Bank. Oder wegen dem Biertrinker Dr. Markus Söder, der sich inzwischen auch nicht mehr daran erinnert, dass er als bayrischer Umweltminister in 2011 mal mit persönlichen Konsequenzen drohte, sollte der Atomausstieg in Bayern nicht vollzogen werden. Oder wegen der Biertrinker Clan-Tochter. Die aus dem Tandler-Clan. Jene Frau, die ihrem Vater nacheifert und nun ebenfalls es wegen mutmaßlicher Steuerhinterziehung vor Gericht geschafft hat. Oder etwa wegen Akten zu Kindesmissbräuchen vom Freisinger Papst, die eventuell in München zwischen Augustiner-Mönch-Bierfässern gelagert sein könnten. Nein. Ganz und gar nicht.

Die USK ist hier, weil München seit 2021 eine neue Messe hat. Zur Erklärung: Messe, das ist das, wenn etwas Goldenes herumsteht und alle drumherum tanzen. Nicht ein Kalb oder Bierfass, sondern das heiligs Blechle. Eine Blechmarke. Von damals. Mit ihr konnten sich damals städtische Arme eines Ortes als approbierte bestätigte Bettler ausweisen, mit jener Blechmarke. Heiligs Blechle. Heute ist das ein Nummernschild an dem Deutschen seinen unantastbaren Heiligtum.

Bis 2018 hatte Frankfurt zum heiligs Blechle noch die passende Messe dazu. Aber dann strampelte Bayern wie ein trotziges Kleinstkind (“Wir sind mal Papst gewesen!”) und plärrte “Wui I aa Messe!” (auf deutsch: “Will ich auch Messe!”). Frankfurt kapitulierte und seit 2021 hat München die IAA.

Ab morgen wird sie erneut gelesen, die Messe. Zu Ehren dem heiligen Automobil mit der ehernen Sankt-Christophorus-Plakette auf dem Beifahrer-Airbag-Deckel. Wenn der Airbag zündet, dann schützt die dem Beifahrer sich entgegenschleudernde Plakette dessen Seelenheil. Sobald die Münze im Kopfe klingt, die Seele in den Himmel springt. Alte katholische Redensart. Als letzte Segnung sozusagen. Jeder seinem Glauben nach. Nur für mich wäre das nichts, weil so eine Plakette auf dem Cockpit ist für mich ein absoluter höllischer Designfrevel.

Also, zurück zur USK: die USK ist zur IAA hier, um den Kriminellen gewissermaßen die Messe zu lesen. Genauer gesagt, also das heißt, eigentlich will die USK nur Autofahrer vor organisierten Schwerstkriminellen mit Sekundenkleber-Fläschchen schützen.

Mein Nachbar meinte zu mir, man wisse doch, was solch ein technologischen Event wie die IAA an Gesindel anlocken wird: Lehrer, Studenten, vegane Körnerfresser, streikende Schüler, Öko-Hausmänner, queere Tabakdampfer und im Gepäck noch nen Habeck und ähnlich schreckliches Zeug. Und? Wo bleibt dabei die Staatsgewalt? Eben, Fehlanzeige!

Nicht mal der deutsche Geheimdienst wird hier tätig und lässt sich beim Observieren blicken. Kein Wunder, meinte der Schorsch vom Internet-Stammtisch, der wird bereits schon passend auf Englisch übersetzt, als “go home service” bezeichnet. Und recht hatte er. Darum bringe ich mich aktiv ein, helfe aktiv mit. Beim Schützen. Gewissermaßen ehrenamtlich. Unentgeltlich. Schon seit drei Monaten.

In meinem Internet-Stammtisch hatten wir bereits vor den Sommerferien festgestellt, dass es erforderlich ist, eine klare Trennung zu vollziehen, also genau das, was sauber denkende Menschen wie Domenika Gruber, Detlev Nuhr und Hubert Einfanger bereits umgesetzt haben. Eine klare Trennung zwischen Politik und Sachverstand. Wir können doch Klimaklebern nicht die Politik der Straße überlassen und uns von denen bevormunden lassen. Wo kämen wir denn dahin, wenn die uns überall nur am Fortkommen hindern? Wir hätten somit einen Progressionsstau. Und will den wer? Eben.

Also, ich hatte mich danach direkt mit Kladde und Bleistift auf den Weg gemacht, notiere seither jede verdächtige Bewegung zur Straße hin, in allen Details. Notfalls mit Fernglas. Ich hab da keine Scheu, dass ich dabei gesehen werde. Tue Gutes und zeige dich dabei, ist mein Motto.

Und was soll ich Ihnen sagen? Es passiert nichts!

Und warum? Weil der Feind bereits unter uns ist.

Eben! Der weiß seine Klimakleberabsichten zu tarnen! Diese Wölfe getarnt als Schlafschaf, welches sich urplötzlich als stauerzeugendes Klebemonster entpuppt! Da muss man doch aufpassen, den Anfängen wehren!

Drum führe ich Buch über alles und jeden. Dabei gibt es immer interessantes zu notieren.

Beispiel: der Mann von gegenüber, der Herr Niederwörgl, 36, verheiratet, zweieinhalb Kinder, Weißbiertrinker, BMW 5er-Fahrer, Affäre mit einer Frau in Schwabing und einer weiteren in Hasenbergl, Wohnhausbesitzer mit nicht mehr allen Latten am Zaun und einige davon sind sogar geklebt! Also, klar, das ist nun doch zu eindeutig! Wer seinen Gartenzaun nicht in Ordnung hält, das ist doch oberverdächtig. Wer dabei klebt statt ordentlich schreinert, der will wohl auch noch Zeit sparen und das ist ein Risiko. Mit seiner eingesparten Zeit klebt der wohlmöglich nachher in Maxvorstadt auf der Leopoldstraße auf dem Asphalt und hält den Verkehr auf. Vielleicht sogar noch auf dem Zufahrtsweg zur IAA!

Ja, solche Beobachtungen sind eindeutig präventiv zu notieren. Und zu bewerten. Wenn die USK bei so einem die Personalien überprüft, dann kann man die Fakten der eigenen Beobachtung präsentieren und – schwupps – ist die Klebersau für vier Wochen in Präventivhaft. Und mit welchem Recht? Mit allem Recht! Zum Wohle der IAA und der Autofahrer, die auf der Zufahrt zur IAA mit deren heiligs Blechle nicht selbstverschuldet wegen Klimaklebereien im Stau stehen wollen.

Nebenbei, Frau Niederwörgl kenne ich persönlich. Man nennt sie auch das Sendlinger Tageblatt. Der Frau Niederwörgl habe ich im Cafe Schuttner vor einem Monat mal meine Beobachtungen mitgeteilt. Danach war in Sendling der Teufel los. Die Hölle muss wohl das reinste Paradies dagegen gewesen sein. Und schnell hatte ich von interessierten Frauen weitere Termine im Cafe Schuttner.

Das Ergebnis? Fünf Scheidungen, siebzehn außereheliche Beziehungen beendet, vier außereheliche Kinder aufgedeckt, acht Zivilklagen, drei Strafverfahren und ein gebrochenes Nasenbein. Aber das war es mir wert.

Ich mache weiter, so etwas hält mich nicht auf. Denn seitdem herrscht in unserem Viertel wieder Zucht und Ordnung. Alles ist jetzt wieder moralisch gefestigt und Gartenzäune werden auch nicht mehr geklebt, sondern ordentlich geschreinert repariert. Wir sind wieder auf dem Weg zum Vorzeigeviertel.

Und sollte ich in der letzten Zeit auch keine verdächtigen klandestinen Klimakleber auf unseren Sendlinger Straßen beobachten können, so ist doch eines keinesfalls mehr von der Hand zu weisen. Man muss nicht alles gleich schlecht reden:

Die Klimakleber haben für unser Viertel eine ganze Menge Gutes gebracht.

Kneipengespräch: Luftige Gedanken

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“Große was?”

“Koalition.”

“Und was ist davon das Gegenteil?”

“Kleinkrieg.”

“Geht alles nicht. Hört sich nach dicke Luft an. Geht gar nicht!”

“Wem sagst du das. Ein Freund hatte letztens einen Job in der Bauleitung am Flughafen BER offeriert bekommen. Im obersten Baucontainer dort.”

“Wow! So ein Job ist zukunftssicher. Job mit Aussicht. Bis zu Rente Vollbeschäftigung. Sofort annehmen.“

“Er hat abgelehnt. Stattdessen ist er zu den Stadtwerken gegangen.”

“Schlechte Entscheidung. Wenn demnächst eh jeder sowieso umsonst fahren darf, im öffentlichen Nahverkehr. Bekloppte Idee. Völlig hirnrissig.”

“Idee ist die Entlastung der Straßen. Das schafft mehr Platz für unsere SUVs und andere Pferdestärken.”

“Ja, sicher. Mehr Parkraum für die Autos. Weil, die Bürgersteige werden nachts bei Schnee und Regen leerer. Wenn die ganzen miefenden Penner und stinkenden Junkies dann U-Bahnen, Busse und Straßenbahnen nutzen und mit ihrem Gestank alles verpesten. Nur, klappt das nicht. Denn so kriegste die Leute nur ruckzuck zurück in ihre SUVs und Diesel-Edeldroschken. Damit schaffste ÖPNV-Abstinenzler. Und wer soll dann das alles wieder zahlen, wenn jeder umsonst fährt? Schwarzfahrer als Gegenfinanzierung fällt ja dann auch weg.”

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Alles gut

Heute bin ich gutmütig. Normalerweise dürfen jene blau gekleideten  Menschenwesen nicht bei schneebedeckten Autos im „Anwohnerparken“ nach den Parkausweisen hinter den Windschutzscheiben forschen. Den Schnee zu beseitigen, ist verboten. Als Rache der Autohalter sind die Klagen wegen Kratzer am Fahrzeug zu häufig. Es ist in München den Politessen und Politess-Essenern untersagt, investigativ tätig zu werden: das Blech ist heilig! Das Schaben an Windschutzscheiben ist in München den Offiziellen ohne Polizeiabzeichen komplett untersagt.

Neuschnee. Neulich. Unberührt, jungfräulich weiß, unbefleckt (… hatte München zu Silvester etwa gar Smog? …)

Alle Fahrzeuge im „Anwohnerparken“ sind schneebedeckt. Sogar das Fahrzeug mit dem Kennzeichen „AC“. Ich habe aus einer gelangweilten, sadistischen Intention meiner einerseits das „AC“-Fahrzeug oberhalb der Motorhaube komplett vom Schnee befreit. Man gönnt den anderen ja sonst nichts. Brot für die Welt, aber die Butter bleibt hier. Der Fahrzeughalter hätte mich ob meiner Handlung wahrscheinlich am liebsten am nächsten katholischen Kirchturm brennend kreuzigen lassen.

Sieben Uhr abends. Sonnenuntergang war bereits Vergangenheit. Präteritum. Die Arbeit lange danach auch. Heimweg. Das Auto stand unberührt von meiner Aktion weiterhin dort. Das Verkehrsschild daneben versprach weiterhin jedem Autohalter nichts Gutes. StVO. Absolut Ungutes. StVO-Doppelplus-Ungut. Nur mir nicht. Freudig lächelnd erblickte ich das Knöllchen im Plastiktütchen unterm Scheibenwischer vom „AC“-Vehikel.

Gewissenbisse? Nö. Das Vehikel ist ja nicht meines. Was geht mich das Unglück anderer an? Also darf ich das. Ergo: Widerspruch zwecklos. Zahlen sollt ihr, ihr vorsätzlichen Falschparker!

Meine Kissenunterlage, jene für das Fenster zur Strasse hinaus, darauf wie eine römische, eherne Statue auf Ellenbogen abgestützt, die ist mit mir legendär. Die kennt jeder in meiner Nachbarschaft: Da bin ich der King und geachtet. Eine lokale Größe. Behandelt mit gebührendem Respekt. Man kennt mich als den „Anzeiger“ und respektiert mich für meinen Ordnungssinn und ob meiner STVO-Kenntnisse. Bin ja sowieso Ü50. Ich darf das und habe auch eine Lebensaufgabe: Alle Macht der STVO!

Echt jetzt? Nun ja, ich habe kein Auto … also egal …

Wenn ich groß bin, werde ich ein Ferrari

„Wenn Recht zu Unrecht wird, dann wird Widerstand zur Pflicht, mein Sohn!“, sprach der Herr Papa erregt zu seinem Sprössling auf dem Beifahrersitz.

„Aber Papi! Du kannst doch nicht …“

„Doch ich kann. Und zwar so wahr ich Johannes Berthold Bachmaier heiße. Ich kann!“

„Aber …“

„Wenn ich eines von meinen Eltern auf ihren Anti-Atombomben-Demos der 80er gelernt habe, dann das, dass man sich nicht alles zu gefallen lassen hat! Okay, die Anti-Atombomben-Demos waren pillepalle. Was sind schon Atombomben im Verhältnis zu dem, was Banken so an hohlen Spekulationsobjekten produzieren. Explodiert eine Atombombe, das betrifft einen eingeschränkten Kreis, vielleicht ne halbe Millionen Menschen. Wenn die Banken jedoch ihre Spekulationsobjekte zünden, dann stürzt so etwas mehrere Millionen ins Elend. Sagte bereits Warren Buffet. Nur, dagegen demonstriert niemand mehr, nicht einer von den 80er-Jahren-Friedensaposteln kommt aus dem Quark, nachdem bereits die Finanzwelt mit Massenvernichtungswaffen aufgerüstet hat! Nein, dagegen gibt’s von denen kein Widerstand! Null.“

„Aber Papi, nur weil  einer sagt, er könne Millionen explodieren lassen, kannst du doch nicht so einfach hier …“

„Doch, Stefan, doch! Dein Papa kann das! Dein Papa zahlt Einkommenssteuer, Vermögenssteuer, Mehrwertsteuer, Tabaksteuer, Alkoholsteuer, Mineralölsteuer, Autosteuer, Mautsteuer, Vergnügungssteuer und was sonst noch. Da kann dein Papa erst recht! Ich lass mir dieses Unrecht nicht mehr gefallen, diese Willkür, diese Ignoranz und Arroganz von diesen Arschlöchern, die nicht wissen, was sie tun. Obwohl, das werden sie sehr wohl wissen.“

„Papi, nun hör schon auf …“

„Stefan! Du sollst mich nicht unterbrechen, wenn ich rede. Kinder haben gefälligst zuzuhören, wenn Erwachsene erzählen, wie das Leben wirklich ist! Wie wollt ihr denn sonst lernen, wie die immer mehr euer gutes, zukünftiges Recht beschneiden?!? Wer da nicht aufsteht und mal sich richtig …“

Es klopft an der Scheibe. Herr Bachmaier drückt auf einen Knopf und ganz leise surrend bewegt sich die Seitenscheibe hinunter. Ein Polizist blickt ihm ins Gesicht.

„Sie stehen im absoluten Halteverbot. Sind Sie mit einer Verwarnung von 20 Euro einverstanden?“

„Im Halteverbot? Das muss aber neu sein. Vor Weihnachten war das noch nicht. Da konnte ich meinen Sohn hier immer von der Nachhilfe abholen.“

„Zusätzlich haben Sie in zweiter Reihe gehalten und Sie behindern den Verkehr.“

„20 Euro sagten Sie? Einverstanden.“

Er reichte einen Geldschein durchs Fenster und erhielt Quittung und Beleg. Erneut drückte er den Knopf. Die Seitenscheibe schloss sich wieder. Ein weiterer Druck auf einen anderen Knopf und kaum hörbar startete der Motor.

„Papi, ich dachte, du sagtest, dass Widerstand Pflicht wäre. Aber jetzt hast du trotzdem bezahlt?“

„Das verstehst du nicht. Man muss sich ja auch an Regeln halten, nicht wahr.“

„Ich hatte dir doch zuvor bereits erklärt, dass hier jetzt Halteverbot ist und ich zum Parkplatz kommen könnte.“

„Stefan, du musst mir nicht immer widersprechen, nicht wahr. Das verstehst du nicht, okay.“

„Okay.“

„Und kein Wort zur Mutti, nicht wahr. Sonst gibt’s Ärger!“

„Okay.“

„Diese Säcke von Politiker. Klauen mir permanent mein Geld und ich bezahl mit meiner Freiheit! Aber die können was erleben. Im September kriegen die von mir die Quittung! Da vergeht denen noch deren Gefasel! Und Stefan, kein Wort zu Mutti, verstanden?!“

Sprach’s und drückte das eiserne Gaspedal bis zum Anschlag durch.

On the road again – Antipodische Autofahrt unter Anleitung einer Frau …

Oder wie Australier Autofahrten hier erleben könnten, würden sie von down under hier mitfahren …

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Automobilindustrie auf dem Jakobsweg

Google Schlagzeit
Der letzte Montag war bedeutsam.

Zuerst kam das Rüsselsheimer Dreigestirn König Foster, Bauer Demant und Jungfrau Franz geleitet vom sinkenden GM-Stern auf ihren Kanossa-Gang bei der deutschen Päpstin Merkel vorbei. Sie stiegen aus ihrem neusten automobilen Konstrukt „Insignia“ und brachten ihrer Hochwohlgeborenen Weihrauch, Myrrhe und etwas Katzengold dar. Als Ersatz kamen sie mit dem Versprechen von Milliarden zurück. Euronen, seid umschlungen.

Und kaum waren die beschenkten Schenker gegangen, kamen schon die nächsten Notleidenden. Zum Mittagsmahl kommen nun zu Merkel nicht die Reinen, Guten, Erlösten, sondern die Mühsamen und Beladenen, die erst durch Merkels Gnade Läuterung erfahren sollten. Der Junker Löw kam mit seinen Mannen und wollte denen unter Aufsicht vom Schäferdackel Bierhof zeigen, was denn die gute Frau Merkel für eine Fußballexpertin sei. Nach Journalistenberichten herrschte erführchtiges Staunen und keiner dieser namenlosen Gesichter muckte irgendwie auf und stellte ketzerische Fragen.

Ja, dieser Montag, der 17-November-2008, ging in die Geschichte Deutschlands als der „Montag der Leidenen“ ein. Und Frau Merkel als die Trösterin der Beladenen.

Wohin sowas jedoch führt, erfuhr dann die Nationalmannschaft zwei Tage später: gegen England verloren. Erneut in einem Olympiastadion verloren. Damals 1:5 in München und jetzt 1:2 in Berlin. Oh Schmach, oh Schmach, oh Schmach. Rachegedanken kamen aber höchstens bei den Besuchern des Fussballspiels auf. Der Rest war schon vor den Fernsehern entschlafen.

Opel und die Nationalmannschaft, am gleichen Tag bei der Kanzlerin. Ich hoffe, dass das jetzt kein schlechtes Omen für Opel sein wird.

Opel?
Da war doch was.
Genau.
Der Journalist Markus Breitscheidel hat im Stile eines Günter Wallraffs ein Buch geschrieben: „Arm durch Arbeit“. Vor einem Monat hatte das ARD dazu den Film „Leiharbeit undercover“ gesendet.
Markus Breitscheidel war auch Leiharbeiter in Rüsselsheim. Bei einer Aussuchfirma. Die Aufgabe solcher Firmen entspricht der Aufgabe der Tauben im Märchen „Aschenputtel“: Die schlechten ins Kröpfchen, die guten ins Töpfchen.
Und so dokumentierte Breitscheidel, dass er mit Kollegen die Aufgabe erhielt, chinesische Scheinwerfer für Opel Vectra nach Fehlern auszusortieren. Und so sortierten sie nach Vorgabe über die Hälfte der Scheinwerfer als fehlerbehaftet aus.
Bis, ja, bis dann ein Opel-Manager auftauchte. In der typischen Automobil-Manager-Tracht: blaues Hemd, Schlips und Kragen. Und der erklärte denen dann im überaus erregtem Ton, dass das überhaupt nicht toll sei, was die da so machten. Das Montageband würde in 20 Minuten stehen, würden sie so weiter sortieren. Sie sollen gefälligst so sortieren, dass keine Teile als fehlerbehaftet aussortiert würden. Breitscheidel und Kollegen taten wie ihm von jenem Manager befohlen.
Opel ließ im übrigen durch seinen Sprecher Frank Klaas (Sprecher Opel Europa) ganz klar und eindeutig erklären, dass die Angaben von Breitscheidel in keiner Weise nachvollziehbar seien und ein Verbau fehlerbehafteter Scheinwerfer nicht festgestellt wurde.

Diese Woche gab es aber nicht nur die Firma Opel in den Schlagzeilen.

Daimler in Sindelfingen geriet in den Fokus einiger Journalisten. Daimler Mitarbeiter aus dem Bereich der Qualitätssicherung haben offenbar dafür gesorgt, dass Aussuchfirmen Aufträge zugeschanzt bekämen. Die Daimler Angestellte (ein Mechanikermeister und zwei Sachbearbeiter der Qualitätssicherung) sollen bei den Baureihen der C-, E- und S-Klasse Oberflächen beschädigt, Schraubverbindungen gelockert sowie Flüssigkeiten in Bremsleitungen eingespritzt haben.
Aufgrund dieser Fehler wurden Auftragsfirmen zur Aussuchaktion beauftragt. Auf Kosten der Lieferanten, die diese Aussuchaktionen zu zahlen hatten. Die Auftragsfirmen sollen sich dann bei den drei Angestellten mit Viagra, Konzertkarten und Urlaube geschenkt bekommen haben.

Viagra? War da nicht mal was mit VW und Viagra?
Stimmt! VW-Manager sind nach Brasilien geflogen, haben sich Viagra eingeschmissen und dann wie 20-jährige in Betten von gemieteten Frauen benommen haben. Gebauer, Volkert, Uhl und Hartz, das waren die vier, die dabei in den Verdacht standen, sich auf VW-Kosten Sexerlebnisse in Rio de Janeiro an der Copacabana gegönnt zu haben. Haste Viagra in der Blutbahn, kannst poppen wie ein Truthahn.
Schon mal nen VW-Arbeiter diesen Spruch erzählt? Vorsicht vor tieffliegenden Gegenständen!

Die Geschichte mit den Aussuchfirmen ist im übrigen keine Daimler-spezifische Sache. Dass Aussuchfirmen Aufträge zugeschustert bekommen und deswegen manchmal arg nachgeholfen wird, ist normale Praxis in der Automobilindustrie. Der Käufer des Autos merkt davon nichts. Dadurch steigen auch keine Autopreise, denn für „Fehler“ zahlt immer der Lieferant und kann zum Jahresende zusehen wie seine Gewinnmarge wegsortiert wurde. Bei diesen Betrügereien geht hierbei nicht selten um sechs- bis siebenstellige Summen im Umsatz pro Jahr.

In der momentanen Krise leuchten die Automobilisten nicht wirklich als Beispiel. Und bei Opel, GM und FORD werden bei diesem Weihnachtsnachtsfest wohl dort aber trotzdem einige Lichter brennen.
Und zwar dort, wo die Finanzexperten hocken.
Fürwahr, ein wirklich besinnliches Weihnachten …

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Innovationen

Moon over munich

Belesene Leser, verlesene Lesende,
Ihr sitzt mit Sicherheit vor einem Computer und ihr werdet mir mit Freude erklären können, wo bei meinem Computer die Achse ist.
Klar, ich weiß, was eine Achse ist. Sowas ist eine Verbindung zweier rotierender Körper.

Mein Computer hat eine rotierende Festplatte und diverse Ventilatoren und die Verbindung dazu sind Kabel. Ja, ich habe sie vermessen und bin zu keinem Ergebnis gekommen. Welchen Sinn soll das haben?
Und ist eine Achse nicht eher etwas mit einer Mittellinie, um der sich was dreht? Dreht sich nicht alles um die Verkabelung in meinem PC?
Und wenn ich das Ergebnis habe, was sagt es mir?

Ich werde wohl doch zu dem Experten gehen, der an der Straßenecke mit „Computerachsvermessung“ wirbt. Wer weiß wozu das mal wieder gut ist.

Schilda

Ansonsten handelt jener Experte ja mit Autos. Wozu er sich jetzt auch noch auf Computer verlagert?

Ach ja, die Krise in der Automobilindustrie.
Verständlich.

Der Automobilindustrie wird ja inzwischen vorgeworfen, dass sie zu unflexibel sei und daher Schuld an deren jetzigen Niedergang. Es reicht halt nicht den neusten Porsche Cayenne in zig Ausstattungsvarianten dem Käufer anbieten zu können. Und die dann noch mit verschiedensten spritsaufenden Motoren auszustatten.
Solche Fahrzeuge werden auch gerne als SUV (sprich: Ess Ju Wie) bezeichnet. „Saufen und Verbrauchen“ könnte die Abkürzung heißen. Sowas freut jede ölfördernde Nation.

Aber vielleicht hat der Kunde ja auch noch Sonderwünsche. Dann fängt ja die wirkliche Felxibilität an. Und kann der Hersteller diese nicht voll flexibel befriedigen, greift der Käufer zur Selbsthilfe.
So wie der folgende mit seinem Satellitenwagen.
In Eigenbau.

Satellitenwagen

Da freuen sich die Sendeanstalten …

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