Wahlfang in Europa (Teil 3)

Nun, da bin ich schon wieder bei dem Posselt und der Frage „Muss man den kennen?“
Aber sicher doch! Posselt, der Mann ist für mich nicht wirklich fotogen. Aber das ist nur meine Meinung.
Posselt
(Fotoquelle: http://www.europarl.europa.eu)
Fiese Zeitgenossen meinen zwar pöbelnderweise immer beim flüchtigen Hinblicken, der Posselt und sein Haarwuchs hätten Ähnlichkeiten mit einer anderen Unperson. Nettere Menschen meinen, er hätte gewisse Ähnlichkeiten mit dem „Strauß“-Sohn Maximilian Josef, jener der immer gekonnt vor Gericht von sich Reden macht.

Nun des Posselts Gesicht grinst nun von jeder Straßenecke wie ein bayrischer Buddha und es kann nur eine Art bürgerliche Notwehr sein, den Posselt direkt ins Europäische Parlament weg zu wählen. Dabei ist der Posselt ja kein echter Münchener, geschweige denn ein Bayer. Der Posselt ist eigentlich ein Baadenser. Also ein Baadischer. Ob er für seinen Wahlkreis nun ein Sym-Baadischer oder Unsym-Baadischer ist, das wird sich bei der Europawahl herausstellen. Wobei, sollte er nach dem 7. Juni sein geliebtes „MdEP“ führen können, ist damit zu rechnen, dass er noch intensiver die Betreuung des „vierten Stammes“ übernehmen wird.

Stämme in Bayern?
Klar doch. Die ersten drei Stämme Bayerns sind Altbayern, Franken und Schwaben. Und der vierte Stamm, dass sind die Sudetendeutschen. „Die Bayerische Staatsregierung betrachtet die sudetendeutsche Volksgruppe als einen Stamm unter den Volksstämmen Bayerns“ heißt es in der bayrischen Verleihungsurkunde vom 5. November 1962. Posselt ist sudetendeutsch-steirischen Ursprungs. Würde er also nicht ins Europäische Parlament kommen, der Seehofer müsste ihn direkt wieder ins bayrische Kabinett integrieren. Und wer weiß, ob es nicht besser wäre ihn direkt wieder nach Straßburg-Brüssel zu schicken, statt ihn auf Bundesebene zu haben.

Was prädestiniert also den Posselt fürs Europaparlament außer seine bayrisch anmutende Doppelkinn-Erscheinung und seine Vergangenheit?

Beispielsweise tritt er ein für eine europäische Hymne mit lateinischen Text. Nein, Sponsorgelder für jene Anfrage (19-02-09) hat er nicht vom Vatikan erhalten. Aber sicherlich einen besseren Platz auf Wolke 7 für spätere Zeiten. Direkt neben seinem Vorbild FJS.

Des weiteren hat er erfolgreich Schaden vom bayrischen Volke in Europa abgewendet. Er erklärte dem Europäischen Parlament (12-11-07), dass der Parlamentsdolmetscher aus dem damaligen Europaminister Bayerns Markus Söder einfach mal den „Europaminister Bulgariens“ gemacht hat.
Letztendlich ist Posselt Experte für alles, was Christentum und europäische Nation und der Bedrohung derselben darstellt.

Zum Beispiel die Situation der Flüchtlinge auf Lampedusa. Da ist er fast schon in gefährlicher Nähe der Meinung vom Herren Berlusconi. Denn die Flüchtlinge drohen von Lampedusa in München einzufallen. Noch schlimmer noch, die bleiben nicht in München, nein, danach wollen die auch noch in Europäische Parlament und dann weiter zum internationalen Gerichtshof in Den Haag …

Hier werden Menschen gezielt über Libyen nach Lampedusa gebracht und dann über Lampedusa in die Europäische Union eingeschleust. Und sind sie einmal auf dem europäischen Festland, dann können sie ohne Kontrolle nach München, nach Straßburg, nach Den Haag oder wohin auch immer gelangen.(14-04-05)

Posselts Wortmeldungen im Europäische Parlament lassen sich über 30 Seiten auf den Seiten des Europäischen Parlaments (www.europarl.europa.eu) nachlesen. Das sind einfach über 400% mehr Wortmeldungen eines Platz-7-CSU-Listenkandidaten zusammen als die eines Herren Kreissl-Dörflers und einer Frau Dr. Koch-Mehrin zusammen. Dort finden sich Posselts Aussage zum Sitzfleisch der anderen Parlamentarier in den Aufzeichnungen zu den Parlamentsdebatten (20-02-08) verewigt:

Herr Präsident! Bevor wir zur Schlussabstimmung kommen, wollte ich nur sagen: Ich bin verwirrt, weil alle meine gelben Nachbarn verschwunden sind. Es ist nur noch ein einziger da.

Achtung, er redet hier jetzt nicht von Chinesen sondern von den Liberalen im EU-Parlament.
Posselt ist das fleischgewordene Straßburger Parlamentssitzmonster, dem man Parlamentsmüdigkeit in keiner Weise nachsagen kann. Ob das negativ zu werten ist? Vielleicht sollte man sich deswegen noch ein paar Posseltsche Selbstbeschreibungen im Straßburger Parlament zu Gemüt führen. Wie zum Beispiel diese (14-01-09):

Herr Minister, es wird immer gesagt, Landwirtschaftspolitik sei nur für 3 % Bauern da. Es gibt aber 100 % Esser. Ich bin zum Beispiel ein recht guter Esser, und ich möchte sehr klar sagen: Ich glaube schon, dass Nahrungsmittelsicherheit existenziell ist.

Aber klar, Herr Posselt, was wäre schon Ihr Leben ohne Schweinsbraten, Weißwürscht und Weißbier? Richtig. Verdammt klapperknochengestellmäßig ohne Doppelkinn. Vom Posselt wurde der Magermixmotor oder der 1-Liter-Motor bestimmt nicht erfunden. So etwas passt eher zur hageren Gestalt des VW-Piechs. Fast könnte man meinen, wer Posselt kennt, weiß warum in bestimmten Gegenden dieser Welt Hunger … nein, nein, das war jetzt unbedacht.
Und falsch.

Fortsetzung folgt

Wahlfang in Europa (Teil 2)

Nun, die Wahl kommt und die Frage wird sich stellen: Wie wird das Wetter? Und wenn das Wetter weder knallig brütend noch regnerisch ist, muss ich dann wirklich hin? Und dann sind da noch verschärfend die Ferien in Bayern! Nicht dass niemand in Bayern wählen geht, weil sich die Wähler entweder in der Toscana oder auf Mallorca tummeln muss.

Müssen muss niemand. Nur sterben. Soviel ist dem Menschen zumindest vorbestimmt. Außer vielleicht in Diktaturen, da wo mit 99% Wahlbeteiligung und mit ebenso hoher Regierungsbestätigung zu rechnen ist. Also wie damals in der DDR. Oder bei den Wahlen zu CSU-Vorstandsvorsitzenden. Wobei, bei den letzteren war die Einheit auch schon mal höher. Als der GröBaz, der Strauß, noch lebte, da war die CSU ein monolithischer Block. Da gab es den Strauß. Und dann erstmal nichts bis gar nichts. Und wenn man heute auf die CSU schaut, wer schaut dann einem an? Nein, nicht Seehofer. Klar, der Seehofer ist zwar Parteivorsitzender, aber der kandidiert nicht für die CSU als Europaparlamentarier. Sondern Bernd Posselt.

Bernd Posselt? Muss man den kennen?
Nun, nicht wirklich. Warum sollte man einen Posselt kennen dafür aber einen Herrn Kreissl-Dörfler und eine Frau Dr. Koch-Mehrin nicht? Das macht ja keinen Sinn. Schließlich starren alle drei die Münchener jetzt von jeder Ecke dieser Stadt an. Man wagt sich ja schon nicht mehr auf öffentliche Toiletten, weil man Angst es könnte einem einer dieser drei Kandidaten von der Klotür aus anstarren. Wobei die Gefahr, dass die beiden letzteren einem mit ihren Blicken über den eigenen Haufen schießen könnten, ist ja nicht so hoch wie beim Posselt. Denn der Posselt hat ja keinen Doppelnamen. Der ist platzsparender was Aufkleber und Plakate betrifft. Okay, der Posselt hat fast keinen. Denn wenn man davon mal absieht, dass der Posselt nie ohne seinen „MdEP“ hausieren geht.
Jetzt mein ich eigentlich, dass Doppelnamen wie Kreissl-Dörfler oder Koch-Mehrin aus der Grünen- oder Linke-Ecke kommen müssten. Fehlanzeige. Seit Sabine Leutheuser-Schnarrenberger wissen wir, Doppelnamen sind eher Anrecht der FDP. Kreissl-Dörfler ist da eher sowas wie die Ausnahme in der SPD, so eine Art Unikum der SPD. Denn die SPD kontert die FDP inzwischen ja mit Doppel-Vornamen aus. Was der CSU vor 20 Jahre der verblichene FJS war, das ist der SPD inzwischen der FWS, der Frank-Walter Steinmeier. Und um es gleich zu differenzieren, ein FWS wird nie einen Flughafen mit eigenem Namen erhalten, wie der FJS im Norden Münchens.

Nun. Doppelnamen in der CSU?
So einen Neomodernismus! Nee, sowas braucht Bayern nicht. Deswegen heißt auch die Tochter von Strauß nicht „Hohlmeier-Strauss“ oder „Strauß-Hohlmeier“. Das wäre ja fast indirekt ein verbotener Dreifachname.
Andererseits „Strauß-Hohlmeier“, das wäre schon gefährlich. Denn Frau Hohlmeier kandidiert im Frankenland für das Europaparlament und wenn dann einer aus der eigene Fraktion im EU-Parlament rufen würde: „Strauß-Hohlmeier“, sie würde glatt aufstehen und versuchen den niedersächsischen CDU Hans-Peter Mayer holen zu gehen … .

Frau Hohlmeier ist im Europaparlament?!?
Nein, natürlich nicht. Noch nicht. Frau Hohlmeier will aber dort hin. Nachdem sie bei der letzten Bayernwahl den Einzug sowohl ins Bayernparlament als auch in Seehofers Kabinett nicht schaffte, will sie jetzt mit Anlauf von München aus übers Oberfränkische Bad Staffelstein ins Europaparlament rüber machen. Dafür hat sie den CSU-Listenplatz Nummer 6. Direkt vor dem Listenplatz von Bernd Posselt. Und da der Posselt schon seit 1994 immer fleißig zwischen Straßburg, Brüssel und dem Münchener Biergärten im Stadtteil Moosach pendelt, denkt sich die Hohlmeier, damit könne sie weiterhin Politikerin bleiben und müsse nicht wieder in ihren mit Auszeichnung erlernten Ausbildungsberuf „Hotelkauffrau“ wechseln.

Fortsetzung folgt

Wahlfang in Europa (Teil 1)

Es kommt. Und wie es kommt.
Es kommt mit geballter Macht.
Das kommt so was von kommend, dass es allen wieder Kopfschmerzen bereiten wird. Ohne Kopfschmerztabletten in der Hinterhand hält man sowas nicht aus. Vorher. Am nächsten Sonntag. Und dann nachher.
Da dürfen wir wieder wählen.
Europawahl 2009.

Wahlen sind demokratisches Urrecht. Daher gilt auch das Motto eines jeden demokratischen Bürgers „Ich wähle, also bin ich“. Allerdings meinen viele, wenn er seine Stimme abgegeben habe, dann habe er dieselbe nicht mehr, um mitreden zu dürfen. Das wissen die Wähler sehr wohl, weshalb sie denn auch ungern ihre Stimme bei einer Europawahl abgeben.

Darum jetzt mal eine kleine Testfrage so für zwischen durch. Ein Fragen-Quikie sozusagen:
Wie hoch war die Wahlbeteiligung an der Europawahl 2004? Na, wer weiß es?

43%.

Viele hätten das jetzt sicherlich auch ohne Publikums- oder Telefonjoker gewusst, da bin ich mir absolut sicher. Ich hatte es auch spontan gewußt. Nachdem ich in Wikipedia nachgelesen hatte. EUweit waren es übrigens 45,5 %. Da sind wir Deutsche doch gar nicht soooo schlecht, wie uns die Spitzenkandidaten der Europawahl immer weiß machen wollen.
Naja, okay, wir sind weit entfernt von so solchen Strebern wie die Belgier. Seit der ersten Wahl im Jahre 1979 liegen die immer über 90% …

90%! Das muss man sich mal vorstellen! Und das für ein demokratisches Land! Und am anderen Ende der Wahlbeteiligungsmeßlatte, da tummeln sich die Slowaken: 16,7 %.
Damit haben wir die Streber und Faulpelze bei den Europawahlen schon mal gleich herausgestellt. Da liegen die deutschen Wähler also in der goldenen Mitte. Naja, im unteren Bereich der goldenen Mitte. Aber immer noch vor den Ösis, Käsköppen und Insulanern, die da wo Tee wie die Ostfriesen schlürfen.

Na gut, das mit den Niederländern ist zu erklären. Die fahren ja eh immer auf der Überholspur mit ihren Wohnwagengespannen und wenn sie dann wählen sollen, trauen die sich von der Überholspur nicht runter und wenn, dann finden die keinen Parkplatz am Wahllokal.

Und bei den Engländern wissen wir doch alle, dass die nicht wirklich so europäisch sind. Oder warum hat es die Natur so eingerichtet, dass die Britten von uns durch ein Wasser getrennt wurden?
Eben. Also.

Fortsetzung folgt

Westfalenland, Westfalenland ist wieder außer Rand und Band

Mit Lachen und Scherzen und Singen wollen wir eure Herzen bezwingen, wer anders denkt, hat dich nie richtig erkannt, du schönes Westfalenland!

Jawohl!
Es wird wieder mit Konfetti gearbeitet! Unweit von Bielefeld!
Die fünfte Jahreszeit ist voll im Gange. „Helau“ auf allen Karnevalswagen. Kamelle und Blumensträuße regnet es und jeder ist bierfröhlich und doppelt gekornt …

Hm, wie bitte? Ich soll mich zusammenreißen? Es ist schließlich Pfingsten?

Wieso? Ist Pfingsten nicht der Tag, an dem der Heilige Geist den Jüngern Jesu das erste Doping der Nach-Christi-Ära verabreichte? Was haben die Jünger da in allen Sprachen geplappert? Da hatte die Innung der antiken Dolmetscher protestiert. Was das denn solle? So einfach in fremden Sprachen reden? So ganz ohne Ausbildung und Diplom?

Ja, nee, is klar, nich, sagten darauf die Jünger, und interessierten sich einen feuchten für Dolmetscherausbildung, mittlere Reife oder Abitur. Die sind einfach in alle Himmelsrichtungen raus und haben in allen Sprachen geplappert, dass die Innung der Dolmetscher stinkig hoch drei wurde.

Vergleichbar ist das heute mit den Friseuren. Da macht jetzt jeder Hinz und Kunz, jeder Grieche und Türke nen Friseursalon für 10 Euro den Haarschnitt auf, statt 35 Euro zu kassieren, wie es deren deutschen Pedanten normalerweise so tun.

Moment!
Bevor jetzt die weibliche Leserschar bei den 35 Euro respektive 10 Euro pro Haarschnitt nervös wird: Der Preis gilt nur für Männer. Bei Türken und Griechen zahlen auch Frauen entsprechend mehr, plus Aufpreise, versteht sich. Gleichberechtigung der Frauen zu den Männern bei den Haarschnibblern gibt es auch woanders nicht. Frauen zahlen generell mehr, weil sie Frauen sind.

Weiter im Kontext:
Während also die Jünger Jesu am Pfingstsonntag per Daumen trampend an den Straßen dieser Welt standen, um den jetzigen Status quo des christlichen Abendlandes herzustellen, da müssen die auch ins Westfalenland getrampt sein.
Wieso denn „trampen“? Na, weil die „Reiter der Apokalypse“ die paar Jünger mitgenommen hatten. Direkt von Jerusalem bis hin nach Kamen. Und dann am Kamener Kreuz, da wurden die Reiter von einem mehrfachen PS-Pferdegespann – wahrscheinlich mit Stern – einfach niedergebrezelt und schon hatte das Altertum den ersten Verkehrsstau der Weltengeschichte.
Da sagten dann die Ureinwohner Kamens: „Nee, isse das wieder n Kreuz mit den Rasern.“ Die Reiter der Apokalypse wurden direkt am Unfallort begraben und die Jünger Jesu packten gleich noch ein Kreuz auf den frischen Erdenhügel. Und schon hatte die Gegend ihren bösen Namen weg.
Kamener Kreuz.
Noch heute stauen sich viele PS-Gespanne mit und ohne Stern zum Gedächtnis an jenen verhängnisvollen Verkehrsunfall am Kamener Kreuz auf der BAB A1 und klagen, dass es der Offenbarung Johannes eine Freud gewesen wäre.

Nun, die Jünger Jesu sahen dermaßen von den Apokalyptischen Reitern mitgenommen aus, dass sie sich also zu Fuß auf den Weg machten. Sie kamen von Kamen aus dann an Hamm vorbei (bei der gastfreundlichen Begrüßung einer Frau aus Hamm soll dann einer der Jünger auch gleich den ersten Hammer der Welt erfunden haben … Coitus Interruptus kannte der noch nicht …) und gelangten schließlich in eine Stadt, die von sich behauptete, sie hieße Beckum.
Das muss dann so um 1134 gewesen sein. An dem Tag, an dem der Beckumer Chronist meinte, nu sei es geschehen, nu sei Beckum gegründet und es wert schriftlich erwähnt zu werden.

Der Legende nach soll Beckum ja identisch mit der Stadt Schilda sein, der Heimat der Schildbürger. Das wussten die Jünger aber nicht. Als sie dann aber in einer Eulenspiegel-Verkleidung aus der Stadt flohen, hatten sie immerhin zweierlei geschafft. Die weltbekannte Geschichte von Schilda geprägt, war sicherlich ein erwirtschafteter Mehrwert für die Vergangenheit.
Aber was erheblich wichtiger für die Nachwelt sein sollte: Die Stadt war christlich geworden und man fing an, vor der langen Fastenzeit den Karneval zu feiern. Wie es nun mal bei frommen Katholen so Brauch ist. Denn schließlich ist nur am Aschermittwoch alles vorbei. Und nicht am Karfreitag.

Nun gut. So begingen Beckumer Bürger brav bäuerlich westfälisch beinhart Bauernkarneval: Karnevalsschlägereien, Kirchengottesdienste mit Beite am Aschermittwoch. Und jedes Jahr berichteten Zeitzeugen darüber, dass etliche brave Westfalen im Alkoholgenuss abstürzten.

Nur dieses Jahr, da stürzte denn letztendlich auch der Prinz ab. Der Prinzkarneval von Beckum. Helau. Erst haben ja alle gelacht.
Toller Karnevalsstunt.
Fast wie in Bottrop-Kirchhellen im „Movie Park Germany“, wo die Stuntmen Sponge-Bob doubeln, wenn der mal wieder von rachsüchtigen, TV-Serien-entnervten Eltern gejagt wird.
Bei der Erstürmung des Rathauses einfach mit dem Kranwagen abgestürzt. Eine Nummer wie aus einem Bruce-Willis-Film.
Dummerweise war das aber kein Stunt. Sondern echt. Drei Meter tief aus dem Frontlader eines Treckers runter in den Rathausstaub.
Das Rathaus verblieb also in politischer Hand und so wurde folgerichtig der Beckumer Karnevalsumzug an Rosenmontag abgesagt. Er wurde verschoben. Auf den 31. Mai 2009. Auf heute.

Das hatte bislang nur Düsseldorf im Jahre 1990 geschafft, als deren Karnevalsumzug von der Karnevalsgabel Düsseldorfs geweht wurde.
Nebenbei: Kölner schaffen solche Terminverlegungen nicht. Die feierten trotz Orkan, Golfkrieg und Kardinal Meisner einfach munter flockig ihren Karneval weiter.

Nun.
Weiter.
Wegen des Rathausturzes ist jetzt heute in Beckum Karneval. Und der alte Prinzkarneval und seine Marschälle sind gesund wieder mit von der Partie.
Und daher gilt es jetzt, ihr Westfalen, schunkelt diszipliniert jeder Zweite! Denn jeder Erste arbeite dafür heimatverbunden mit Luftschlangen, Konfetti, Doppelkorn und Doppelkopp-Blatt.
Und darum stimmen wir jetzt heute alle ein:

Kinder, lasst uns fröhlich sein, denkt nicht mehr an morgen, stimmt in unser Lied mit ein, und vergesst die Sorgen! Und sollte auch mal einer schrein, Westfalen, die sind stur. So laden wir ihn freundlichst ein und singen ihm dann nur:
Westfalenland, Westfalenland ist wieder außer Rand und Band, mit Lachen und Scherzen und Singen, woll’n wir eure Herzen bezwingen, wer anders denkt, hat dich nie richtig erkannt, du schönes Westfalenland!

Kennt ihr unsern Doppelkorn, und den prima Schinken, die besänftigen unsern Zorn, dass wir fröhlich winken.
Und sollte auch mal einer schrein, Westfalen, die sind stur. So laden wir ihn freundlichst ein, und singen ihm dann nur:

Ja! Westfalenland, Westfalenland ist wieder außer Rand und Band, mit Lachen und Scherzen und Singen, woll’n wir eure Herzen bezwingen, wer anders denkt, hat dich nie richtig erkannt, du schönes Westfalenland!

Westfalenland, Westfalenland ist wieder außer Rand und Band, mit Lachen und Scherzen und Singen, woll’n wir eure Herzen bezwingen, wer anders denkt, hat dich nie richtig erkannt, du schönes Westfalenland!

Wer Westfalen richtig kennt, Städte, Land und Leute, gerne unser Freund sich nennt, so wie wir auch heute. Sollte auch mal einer schrein, Westfalen, die sind stur. So laden wir ihn freundlichst ein, und singen ihm dann nur:

Ja! Westfalenland, Westfalenland ist wieder außer Rand und Band, mit Lachen und Scherzen und Singen, woll’n wir eure Herzen bezwingen, wer anders denkt, hat dich nie richtig erkannt, du schönes Westfalenland!

Westfalenland, Westfalenland ist wieder außer Rand und Band, mit Lachen und Scherzen und Singen, woll’n wir eure Herzen bezwingen, wer anders denkt, hat dich nie richtig erkannt, du schönes Westfalenland!

Jetzt fragt freilich der gläubige Christ zu Pfingsten:
Und was wurde aus den Jüngern?

Nun ja, da gehen die Geschichten auseinander. Die sollen über die B61 via Gütersloh und Brackwede nach Bielefeld gelangt sein. Dort haben sie eine Modefirma und ein Tennisturnier eröffnet.

Aber das ist sicherlich nur tiefster, dunkelster Mär. Alles völlig unverbürgt. Einfach nur eine Geschichte aus westfälisch langsamer Doppelkornmentalität.
Denn wie jeder weiß:
Bielefeld gibt es!!
Klarsoweit?

"Bis hierher und weiter"

Ein Wahnsinnsabend.
2x 90 Minuten plus 20 Minuten Pause.
Nein, kein Fußball, sondern ein Kabarett-Abend mit Bruno Jonas.
Eine absolute Empfehlung von mir.
BrunoJonas

Afrika zum Auslöffeln nah (Teil 4 und Schluss)

Da Löw und seine Schildknappen jedoch nicht beim diesjährigen Konföderationen-Pokal-Turnier in Südafrika mitspielen, hat der DFB beschlossen, der Löw solle doch mal mit seinen Mannen in China nachschauen, ob dort ein Sack Reis umgefallen ist. Vielleicht kann er mit seinen Untergebenen auch schon mal afrikanische Verhältnisse mit Eselfleisch in Dosen aus Botswana simulieren.

Unterdessen – man höre und staune – spielt aber Italien beim Konföderationen-Pokal mit und Berlusconi hat sich bislang noch nicht dazu geäußert. Allerdings steht zu erwarten, dass er sich auch solange nicht äußern wird, solange erstens die „Squadra Azzurra“ noch in Südafrika mitspielt und er zweitens noch nicht in Südafrika vor Ort ist.

Dann dort wird Berlusconi sicherlich zuerst die gesunde Bräune der Gastgeber, zweitens die straffe Organisiertheit der Bevölkerung durch private Mittelsmännern in den Townships lobpreisen und letztendlich darauf verweisen, dass in Europa Kinder mordend durch Schulen rennen, im Europaparlament deutsche Politiker mit SS-Rollenpotential sitzen und auf Lampedusa italienische KZs existieren. Also, alles in allem somit ein recht ungesundes Klima für Afrikaner. Afrikaner sollten lieber nach Lybien als nach Italien auswandern.

Und wir, wir werden uns königlich über die Dumpfbacke Berlusconi empören und amüsieren.
Aber Hauptsache, Löw und seine 17 Mannen verlieren im Fußball nicht gegen China und Saudi-Arabien.
Denn dann … ja, dann … dann kriegen wir noch mehr Krise. Dann spricht keiner mehr über die Rezession der Wirtschaft. Sondern jeder sorgt sich darüber, wer denn dann die Suppe für die Qualifikation zur WM in Süd-Afrika auslöffeln soll.
Aber Deutschland kann beruhigt sein. Absolut beruhigt.

Denn wenn alle Stricke reißen, dann haben wir ja noch unseren fränkischen Lothar Nationale, unsere deutsche Matthäus-Passion. Schließlich hat der Lothar Matthäus erheblich mehr Erfahrungen im Scheitern im Trainer-Dasein als Klinsmann und Löw zusammen. Sechsmal im Zwei-Jahre-Rhythmus ist er bislang an Mannschaften gescheitert. Wie Magath. Denn der Magath selber brachte es erst bei seinem siebten Trainerjob zur deutschen Meisterschaft mit Bayern München.

Entbehrungen und Ehefrau, so stellte auch Deutschlands größte Boulevard-Zeitung heute heraus, das seien die Erfolgsgaranten zur Meisterschaft Wolfsburg gewesen.

Gilt diese Regel auch für Matthäus (er hatte inzwischen ja mehr als nur eine Frau), dann ist mit Lodda uns der Weltmeisterschaftstitel noch vor der Eröffnung der WM 2010 in Süd-Afrika nicht mehr zu nehmen. Dank dem erfolgreichen von BILD aufgedecktem Erfolgsgeheimnis eines Felix Magaths. Und niemand – das sei dem Leser hier garantiert – niemand wird dann mehr über Bankenkrise oder gar Rezession reden.
Denn alles wird gut werden.

Amen.

Afrika zum Auslöffeln nah (Teil 3)

Südlich von Botswana, da liegt das Land Süd-Afrika. Süd-Afrika ist ja für uns Deutsche von unabdingbarer Wichtigkeit.
Der Grund?
Im nächsten Jahr findet dort doch die Fußball-Weltmeisterschaft der Herren statt. Da will doch der Herr Jogi Löw mit getreuen Knappen den Fußball-Weltpokal in Empfang nehmen.
Nun, Fußball in Süd-Afrika, das ist uns wichtiger als Flüchtlinge auf Lampedusa oder Eselfleisch in Dosen aus Botswana.

Fußball, das ist unser tägliches Elixier.
Die Frage nach den Geheimnissen des Gekickes von 22 Beinen allein gegen eine Kunstoffkugel gilt es zu klären. Was ist denn nun das Geheimnis für Erfolg?Wie muß so ein Lebensweg aussehen?
Zum Beispiel so?
In Hamburg, Nürnberg, Bremen, Frankfurt und Stuttgart berühmt berüchtigt geworden, in München wegen Erfolglosigkeit beurlaubt, dann nach Wolfsburg weiter gewandert.
Und das alles im Zwei-Jahre-Rhythmus.
Solch einen zeitlichen Verlauf kann nur der Fußball-Sport einem Menschen in dessen Lebenslauf diktieren. Ein typischer Lebenslauf eines flexiblen Wanderarbeiters, der für einen Job immer seinen Lebensmittelpunkt ohne Wenn und Aber einfach so verschiebt. Der selbst Beleidigungen wie „Quälix“ lächelnd überhört. Alle zwei Jahre. Richtig, dieser Wanderarbeiter in Zeiten der tiefen deutschen Rezession, der heißt „Felix Magath“.

Aha, denke ich mir da bei all der Lobpreisung in den Zeitungen, daraus muss du was lernen.
Erfolgsmodell „Magath“.
Ich bin ja selber Schuld, dass ich nicht so bin wie der Magath. Ich bin ja nicht flexibel, wechsle nicht alle zwei Jahre meinen Arbeitgeber und Arbeitsort und will dann zu allem Überfluss noch nicht mal Annehmlichkeiten eines sesshaften Lebens entbehren. So wie der Magath.
Statt eines üppigen Jahressalärs plus Dienstfahrzeug der oberen Mittelklasse fordere ich ja gnadenlos und kompromisslos ein einigermaßen normales Einkommen bei gleichzeitigem Anspruchsdenken, öffentliche Verkehrsmittel einfach so nutzen zu wollen. Bei solch einem unverantwortlich überzogenen Verhalten meinerseits ist es natürlich gerechtfertigt, dass mich die Rezession stärker ängstigt als beispielsweise einen flexiblen und entbehrungsreich lebenden Erfolgsmenschen wie Felix Magath.

Und weil Magath mit Gewinn der Fußballmeisterschaft durch Wolfsburg auch schon weit über seine Verhältnisse verwöhnt wurde, geht der auch gleich freiwillig wieder von dort weg. Immer dahin, wo die subjektiv gefühlte Not am größten und die Geldreserven eines nicht abstiegsbedrohten Vereins ausreichend sind. Diesmal also weiter nach Gelsenkirchen auf Schalke. Und niemand von den Personalchefs fragt ihn dort: „Ja, sagen Sie mal, Herr Magath, sie halten es wohl bei keiner Firma länger als zwei Jahre aus, oder?“ sondern wohl eher „In welcher Farbe und mit welcher Sonderausstattung hätten Sie denn gern Ihren Dienstwagen?“

Jetzt ist es ja nicht so, dass Magath ein Abzocker ist. Das ist der bei weitem nicht.
Aber im Sinne der deutschen Rezession erscheint es normal, dass kein etablierter, alteingesessener Bundesligaverein die Meisterschaftsschale haben wollte.
Schließlich stehen ja noch hehere Ziele an.
Zum Beispiel die Qualifikation zur Weltmeisterschaft in Südafrika.

Afrika zum Auslöffeln nah (Teil 4 und Schluss) »

Afrika zum Auslöffeln nah (Teil 2)

Wir Deutschländer haben also nicht wirklich „Antipoden“. Da teilen wir das Schicksal Mittel- und Westeuropas. Erst die Chinesen und mittelöstlichen Russen können sich über die Existenz von eigenen Antipoden rühmen. Es sind die Menschen Argentiniens, Chiles, Uruguays, Boliviens und Süd-Perus.

Aber Afrika?
Afrikas Antipoden befinden sich auch mehrheitlich auf hoher See des Pazifiks. Nur Botswana hat eindeutig Antipoden und die sind uns erheblich sympathischer. Es sind die Menschen Hawaiis.
Aloha.

Das heißt jetzt aber nicht, dass sich der Eigentümer seines 50. US-Bundesstaats um seine Antipoden in Botswana liebevoll kümmern würde. Für sowas gibt es kein Naturgesetz. Daher machen es nun mal die Chinesen.

Botswana.
Die Bevölkerung von Botswana hatte im Jahr 1991 eine Lebenserwartung von stolzen 63 Jahre. 13 Jahre später beträgt die Lebenserwartung in Botswana lediglich nur noch 31 Jahre.
„31“ ist inzwischen auch die Zahl, die verwendet wird, wenn es darum geht, den Anteil der HIV-Infizierten zur Gesamtbevölkerung in Prozent darzustellen. Womit sich damit auch die geringere Lebenserwartung erklärt.

Dasjenige Land, welches mit Botswana intensiv Handel treibt und Botswana für sich als touristisches Ziel ausgebaut, ist im übrigen China. Im Gegenzug stellt eines der Hauptexportprodukte Botswanas nach China Eselfleisch in Dosen dar.
Freilich sind es auch Diamanten. Indirekt. Denn der hauptsächliche Diamantenhandel läuft aufgrund der Botswanischen Verträge mit der Firma De Beer noch über andere Märkte.

Nebenbei:
Die Debswana (ein Joint-Venture der Regierung Botswana und der Firma De Beer) hatte von Mitte Februar bis Mitte April dieses Jahres wegen geringeren Nachfrage den Diamantenabbau vorübergehend eingestellt gehabt. Soviel erstmal zum Thema „Weltwirtschaftskrise“ und Kurzarbeit in anderen Ländern.

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