Westfalenland, Westfalenland ist wieder außer Rand und Band


Mit lachen und scherzen und singen, woll‘n wir eure Herzen bezwingen, wer anders denkt, hat dich nie richtig erkannt, du schönes Westfalenland!

Jawohl!
Es wird wieder mit Konfetti gearbeitet! Unweit von Bielefeld!
Die fünfte Jahreszeit ist voll im Gange. „Helau“ auf allen Karnevalswagen. Kamelle und Blumesträuße regnet es und jeder ist bier-fröhlich und doppelt gekornt …

Hm, wie bitte? Ich soll mich zusammenreißen? Es ist schließlich Pfingsten?

Wieso? ist Pfingsten nicht der Tag als der Heilige Geist den Jüngern Jesus das erste Doping der Nach-Christi-Ära verabreichte? Was haben die Jünger da in allen Sprachen geplappert. Da hatte die Innung der antiken Dolmetscher protestiert. Was das denn solle? So einfach in fremden Sprachen reden? So ganz ohne Ausbildung und Diplom?

Ja, nee, is klar, nich, sagten darauf die Jünger, und interessierten sich einen feuchten für Dolmetscherausbildung, mittlerer Reife oder Abitur. Die sind einfach in alle Himmelsrichtungen raus und haben in allen Sprachen geplappert, dass die Innung der Dolmetscher stinkig hoch drei wurde.

Vergleichbar ist das heute mit den Friseuren. Da macht jetzt jeder Hinz und Kunz, jeder Grieche und Türke nen Friseursalon für 10 Euro den Haarschnitt auf, statt 35 Euro zu kassieren, wie es deren deutschen Pedanten normalerweise so tun.

Moment!
Bevor jetzt die weibliche Leserschar bei den 35 Euro respektive 10 Euro pro Haarschnitt nervös wird, der Preis gilt nur für Männer. Bei Türken und Griechen zahlen auch Frauen entsprechend mehr, plus Aufpreise versteht sich. Gleichberechtigung der Frauen zu den Männern bei den Haarschnibblern gibt es auch woanders nicht. Frauen zahlen generell mehr, weil sie Frauen sind.

Weiter im Kontext:
Während also die Jünger Jesu am Pfingstsonntag per Daumen trampend an den Straßen dieser Welt standen, um den jetzigen Status Quo des christlichen Abendlandes herzustellen, da müssen die auch ins Westfalenland getrampt sein.
Wieso denn „trampen“? Na, weil die „Reiter der Apokalypse“ die paar Jünger mitgenommen hatten. Direkt von Jerusalem bis hin nach Kamen. Und dann am Kamener Kreuz, da wurden die Reiter von einem mehrfachen PS-Pferdegespann – wahrscheinlich mit Stern – einfach niedergebrezelt und schon hatte das Altertum den ersten Verkehrsstau der Weltengeschichte.
Da sagten dann die Ureinwohner Kamens: „Nee, isse das wieder n Kreuz mit den Rasern.“ Die Reiter der Apokalypse wurden direkt am Unfallort begraben und die Jünger Jesu packten gleich noch ein Kreuz auf dem frischen Erdenhügel. Und schon hatte die Gegend ihren bösen Namen weg.
Kamener Kreuz.
Noch heute stauen sich viele PS-Gespanne mit und ohne Stern zum Gedächtnis an jenen verhängnisvollen Verkehrsunfall am Kamener Kreuz auf der BAB A1 und klagen, dass es der Offenbarung Johannes eine Freud gewesen wäre.

Nun, die Jünger Jesu sahen so dermaßen von den Apokalyptischen Reitern mitgenommen aus, dass sie sich also zu Fuß auf den Weg machten. Sie kamen von Kamen aus dann an Hamm vorbei (bei der gastfreundlichen Begrüßung einer Frau aus Hamm soll dann einer der Jünger auch gleich den ersten Hammer der Welt erfunden haben … Coitus Interruptus kannte der noch nicht …) und gelangten schließlich in eine Stadt, die von sich behauptete, sie hieße Beckum.
Das muss dann so um 1134 gewesen sein. An dem Tag, wann der Beckumer Chronist meinte, nu sei es geschehen, nu sei Beckum gegründet und wert schriftlich erwähnt zu werden.

Der Legende nach soll Beckum ja identisch mit der Stadt Schilda sein, der Heimat der Schildbürger. Das wussten die Jünger aber nicht. Als sie dann aber in einer Eulenspiegel-Verkleidung aus der Stadt flohen, hatten sie immerhin zweierlei geschafft. Die weltbekannte Geschichte von Schilda geprägt, war sicherlich ein erwirtschafteter Mehrwert für die Vergangenheit.
Aber was erheblich wichtiger für die Nachwelt sein sollte: Die Stadt war christlich geworden und man fing an, vor der langen Fastenzeit den Karneval zu feiern. Wie es nun mal bei frommen Katholen so Brauch ist. Denn schließlich ist nur am Aschermittwoch alles vorbei. Und nicht am Karfreitag.

Nun gut. So begangen Beckumer Bürger brav bäuerlich westfälisch beinhart Bauernkarneval: Karnevalsschlägereien, Kirchengottesdienste mit Beite am Aschermittwoch. Und jedes Jahr berichteten Zeitzeugen darüber, dass etliche brave Westfalen im Alkoholgenuss abstürzten.

Nur dieses Jahr da stürzte denn letztendlich auch der Prinz ab. Der Prinzkarneval von Beckum. Helau. Erst haben ja alle gelacht.
Toller Karnevalsstunt.
Fast wie in Bottrop-Kirchhellen im „Movie Park Germany“, da wo die Stuntmen Sponge-Bob doubeln, wenn der mal wieder von rachsüchtigen TV-Serien-entnervten Eltern gejagt wird.
Bei Erstürmung des Rathauses einfach mit dem Kranwagen abgestürzt. Eine Nummer wie aus einem Bruce-Willis-Film.
Dummerweise war das aber kein Stunt. Sondern echt. Drei Meter tief aus dem Frontlader eines Treckers runter in den Rathausstaub.
Das Rathaus verblieb also in politischer Hand und so wurde folgerichtig der Beckumer Karnevalsumzug an Rosenmontag abgesagt. Er wurde verschoben. Auf den 31. Mai 2009. Auf heute.

Das hatte bislang nur Düsseldorf im Jahre 1990 geschafft, als deren Karnevalsumzug von der Karnevalsgabel Düsseldorfs geweht wurde.
Nebenbei, Kölner schaffen solche Terminverlegungen nicht. Die feieren trotz Orkan, Golfkrieg und Kardinal Meisner einfach munter flockig ihren Karneval weiter.

Nun.
Weiter.
Wegen des Rathausturzes ist nu heute in Beckum Karneval. Und der alte Prinzkarneval und seine Marschälle sind gesund wieder mit von der Partie.
Und daher gilt es jetzt, ihr Westfalen, schunkelt diszipliniert jeder Zweite! Denn jeder Erste arbeite dafür heimatverbunden mit Luftschlangen, Konfetti, Doppelkorn und Doppelkopp-Blatt.
Und darum stimmen wir jetzt heute alle ein:

Kinder, laßt uns fröhlich sein, denkt nicht mehr an morgen, stimmt in unser Lied mit ein, und vergeßt die Sorgen! Und sollte auch mal einer strein‘, Westfalen, die sind stur. So laden wir ihn freundlichst ein und singen ihm dann nur:
Westfalenland, Westfalenland ist wieder außer Rand und Band, mit lachen und scherzen und singen, woll‘n wir eure Herzen bezwingen, wer anders denkt, hat dich nie richtig erkannt, du schönes Westfalenland!

Kennt ihr unsern Doppelkorn, und den prima Schinken, die besänftigen unsern Zorn, daß wir fröhlich winken.
Und sollte auch mal einer strein‘, Westfalen, die sind stur. So laden wir ihn freundlichst ein, und singen ihm dann nur:

Ja! Westfalenland, Westfalenland ist wieder außer Rand und Band, mit lachen und scherzen und singen, wolln wir eure Herzen bezwingen, wer anders denkt, hat dich nie richtig erkannt, du schönes Westfalenland!

Westfalenland, Westfalenland ist wieder außer Rand und Band, mit lachen und scherzen und singen, wolln wir eure Herzen bezwingen, wer anders denkt, hat dich nie richtig erkannt, du schönes Westfalenland!

Wer Westfalen richtig kennt, Städte, Land und Leute, gerne unser Freund sich nennt, so wie wir auch heute. Sollte auch mal einer strein‘, Westfalen, die sind stur. So laden wir ihn freundlichst ein, und singen ihm dann nur:

Ja! Westfalenland, Westfalenland ist wieder außer Rand und Band, mit lachen und scherzen und singen, wolln wir eure Herzen bezwingen, wer anders denkt, hat dich nie richtig erkannt, du schönes Westfalenland!

Westfalenland, Westfalenland ist wieder außer Rand und Band, mit lachen und scherzen und singen, wolln wir eure Herzen bezwingen, wer anders denkt, hat dich nie richtig erkannt, du schönes Westfalenland!

Jetzt fragt freilich der gläubige Christ zu Pfingsten:
Und was wurde aus den Jüngern?

Nun ja, da gehen die Geschichten auseinander. Die sollen über die B61 via Gütersloh und Brackwede nach Bielefeld gelangt sein. Dort haben sie eine Modefirma und ein Tennisturnier aufgemacht.

Aber das ist sicherlich nur tiefster, dunkelster Mär. Alles völlig unverbürgt. Einfach nur eine Geschichte aus westfälisch langsamer Doppelkornmentalität.
Denn wie jeder weiß:

Bielefeld gibt es gar nicht!!

Klarsoweit?

5 Gedanken zu „Westfalenland, Westfalenland ist wieder außer Rand und Band

  1. Diese wahre Geschichte der Kamener Kreuzigung sollte jedem, der dort im Stau steckt, von freundlichen Gelbmännern durchs Autofenster gereicht werden.

    Beckum aka Schilda grüßt Karnevalisten übrigens, da dort gern ein eigener Stil gepflegt wird, mit »Rumskedi« statt mit »Helau« oder »Alaaf«. Das hat damit zu tun, dass die Beckumer Pohlbürger nie über den Rand ihres Bratwurstäquators hinaus gekommen sind und folglich nichts über das Brauchtum anderer Städt wissen.

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  2. Ups. Ich komme nicht aus Beckum … Rumskedi lag der Prinz unterm Frontlader … ups, jetzt werd ich pietätlos, obwohl, tot sind se ja nicht … ;)

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