Expedition afrikanischer Ethnologen: »Das Fest des Huhnes«

Durch die Kommentatorin Eugene Faust (hier) wurde ich auf eine sehr interessante 6-teilige Dokumentation aufmerksam gemacht.

»Das Fest des Huhnes«

Wichtig und informativ!
Anschauen!

Teil 1: http://www.youtube.com/watch?v=ieRaqYq_8FE
Teil 2: http://www.youtube.com/watch?v=xgUlOPL_VEc
Teil 3: http://www.youtube.com/watch?v=4goi6AARnHw
Teil 4: http://www.youtube.com/watch?v=JS4VlNHy7Ow
Teil 5: http://www.youtube.com/watch?v=e7fGWlHukt0
Teil 6: http://www.youtube.com/watch?v=XKkTxD7H2CU

Mein Dank für diesen Hinweis gilt Eugene Faust (http://eugenefaust.twoday.net)

Einmal Sansibar hin und zurück – und dann Belgrano ade

Untergang der Belgrano im Falkland-Krieg am 2. Mai 1982
Wir sind ein streitbares Volk.
Schon als Germanen haben wir am Rande des Teutoburger Waldes hin und wieder unsere flüchtenden Möchtegern-Eroberer niedergemetzelt, bis dass die Römer nicht mehr Piep sagen konnten. Regelrecht mundtot haben wir sie gemacht.

Wir?

Jawohl wir! Es war ein Stellvertreterkrieg der unwissenden Vorfahren für deren Nachfahren. Und deswegen haben wir dem Hermann als Stellvertreter von uns eine Statue aufgebaut.

Drohend winkt sie gen Frankreich, wo Deutschland im 19. Jahrhundert die anderen Unboten Europas sahen. Aus sicherer Entfernung sollte die blanke Klinge das französische Volk zur Mahnung und Warnung dienen. Aber die hatte es aus der sicheren Entfernung nicht gesehen und so kamen sie dann noch ein paarmal bei den Deutschen vorbei, um diesen Baguettes, Rotwein und französische Rechtskultur beizubringen.

Eigentlich hieß der kupferne Germane auf seinem Sockel im Teutoburger Wald ja Arminius. Und als eben solcher hatte er den Varus und seine Römern einfach mal verraten. Aber das darf man freilich nicht als Verrat sehen, denn als Freiheitskämpfer ist man nie Verräter sondern Patriot.
Und im Grunde hieß der doch auch Hermann. „Hermann, the german“ wie die Engländer so treffend reimen.

Obwohl, Hermann war ja Cherusker. Und die Cherusker lebten bekanntlich in Ostwestfalen. Ostwestfalen. Da wo die Uhren einen Tick langsamer laufen als die von dem Rest der Welt. Viele Menschen denken bei Ostwestfalen eher an Bielefeld und seinen Merkspruch „Sehen wir uns nicht in dieser Welt, dann sehen wir úns in Bielefeld“. Oder auch an Paderborn mit seinem Drei-Hasen-Fenster. Aber an aufmüpfige Germanen oder Cherusker?
Ja, hallo erstmal! Ich weiß gar nicht, ob Sie’s wussten: aber fragt man nach dem berühmtesten Ostwestfalen, da kommt kommt als Antwort „Rüdiger Hoffmann“. Oder der Antje Vollmer. Oder Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Oder „Gerry Weber“.
Okay, Wiglaf Droste und ein Heinz Rudolf Kunze könnten das wieder aufwiegen. Aber wenn man erstmal verinnerlicht hat, dass der ZDF-Prediger und Dauergrinser Peter Hahne und auch Schlagerfuzzi Peter Orloff auch Ostwestfalen sind …
Ich schieb dann mal schnell Jürgen von der Lippe und Iris Berben nach, um das vorher Gesagte ein wenig vergessen zu machen …

Aber wem haben wir das nun alles zu verdanken? Dass Ostwestfalen so eine historische Bedeutung erlangte?
Genau. Dem Varus, dem willig billigen Opfer.
Einer gegen alle. Er gegen die Germanen. Und Hermann gegen die Römer.
Klar, eigentlich ist schon die Frage nach der Dankbarkeit falsch gestellt. Die Frage müsste lauten, wer der berühmteste Freiheitskämpfer Deutschlands ist.
Wie der Germane hieß und wie er kämpfte, da gibt das Scheffel-Lied Auskunft:

„Mit Gott für Fürst und Vaterland
Stürzen sie sich wutentbrannt
Auf die Legionen.“

Man merke, der Hermann war schon gottesfürchtig, bevor der erste christliche Missionar Germanien bekehren konnte. Knapp 24 Jahre bevor Jesus ans Kreuz genagelt wurde und Petrus meinte „Nö, den kenn ich nicht.“

Varus ist es dabei nicht so gut ergangen wie dem Jesus. Der Germane hatte schon ein wenig mehr Brutalität im Blute als jene Römer dem Jesus gegenüber.

„Diesem ist es schlimm ergangen,
Eh daß man ihn aufgehangen,
Stach man ihm durch Zung und Herz,
Nagelte ihn hinterwärts
Auf sein corpus iuris.“

In der Schule habe ich dann immer im Chor das

Schnäde räng täng, Schnäde räng täng
Schnäde räng täng, de räng täng täng

schmettern dürfen. Schön war’s, so unter geistigen Pickelhauben singen zu dürfen.

Hermann ist freilich eindeutig Westfale.
Und so feierte er auch genau so, wie es heutzutage die Westfalen auf deren eigenen Dorfkirmessen veranstalten. Dort pilgern die wackeren Recken in der Tradition von Hermann, dem Cherusker, von Bierstand zu Bierstand, von Kneipentür zu Kneipentür und meinen das sei die einzig wahre Kneipkur. Und die Frauen dieser Helden nippen großzügig stolz an deren Willybecher, dem einzig wahren, deutschen Standardglas, und benehmen sich dem Scheffel-Lied entsprechend tusneldenhaft. Thusnelda war übrigens ein holdes Blondchen, aber gesoffen haben Tusnelda und Hermann wohl so, wie es heute den deutschen Bübchen und Mädchen beim Komasaufen ein Vorbild ist.

„Wild gab´s und westfäl´schen Schinken
Bier, soviel sie wollten trinken
Auch im Zechen blieb er Held
Doch auch seine Frau Thusneld
soff walküremäßig“

Das Komasaufen der beiden war sicherlich ein großer Schritt für deren eigene Leber, aber nur ein kleiner Schritt für das deutsche Volk an sich.
Denn Hermann war nur ein Stammesfürst. Sein Sieg verhinderte, dass die römischen Besatzer aus Germanien ein geeintes Volk erschufen. So lebten die Deutschen später fleißig untertänigst mit ihren Fürsten und Kurfürsten und deren Marionetten-Kaiser und -Könige, wobei die ersteren verhinderten, dass irgendwer der zweiteren Garde zuviel Macht erhalten konnte. Jeder der fürstlichen Herrschaften und Hochwohlgeborenen hatte ein wenig Macht, aber keiner dieser Machtgesellen zuviel davon im eigenen Portfolio. Ein Gleichgewicht des Schreckens im „Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation“.
Im Überglanze jener prädeutschen Geschichte ist es ja inzwischen fast schon als Gerücht anzusehen, dass es 1989 eine Wiedervereinigung gegeben haben sollte.

Aber keine Sorge. Es hat sie gegeben, die Wiedervereinigung. Inklusive seinen begeisterten Menschen und den Kohl’schen Gärtnern der blühenden Landschaften. Und nicht zu vergessen, jene kritischen Geister, die die Wiedervereinigung rief und danach nicht los wurde. Jene die zwei Jahre später meinten „Wir sind vielleicht ein Volk“.

Doch zurück zur geschichtsbildenen Varus-Schlacht. Für Hermann war ja das Leben danach nicht einfach vorbei, als er Germaniens Besatzer auf deren Flucht permanent bis zur Unkenntlichkeit vereinzelnd gemetzelt hatte. Beim niedersächsischen Kalkriese soll bei Hermanns Haarespalten auf römischen Häuptern ordentlich Kalk gerieselt sein.
Die Geschichte meint, uns zu überliefern, dass Hermann später hinterrücks gemeuchelt wurde. Nein, nicht von seiner Ehefrau Tusnelda, sondern von seiner Verwandschaft, so wollen uns selbsternannte Geschichtsschreiber weiß machen.

Unser Hermann? Der heroische Befreier von der Knechtschaft Roms? Das offensichtliche Vorbild von Uderzos und Goscinnys Endszenen aus „Asterix und Obelix“? Das darf glauben, wer simpel gestrickt ist.
Denn in unseren Tagen weiß doch jeder, wo der Hermann mit seiner Tusnelda endete. Und zwar hier und hier.

Falls das nicht unser deutscher Hermann gewesen sein wollte, der von seiner Frau so genervt den Schlusssatz röchelte „Ich bringe sie um … morgen bringe ich sie um!“, dann weiß ich nicht, wieso ich schon damals vor Lachen unter deutschen Biedermeier-Nierentischen lag.

Jawohl! Hermann stieg auf zum gefürchteten Römer-Schlächter und endete bei Loriot als rentnender Bettvorleger seiner Frau. Wer noch nie im Kindheitsalter bei Detmold unterm Hermannsdenkmal rauf zur Schwertspritze schaute und darüber grübelte, warum Asterix dort ohne seinen Obelix rumsteht, der weiß auch nicht, dass in der Gegend drumherum die Externsteine stehen und viel interessanter sind. Da sprüht die Magie. Das ist Mystik. Das ist die dunkle Seite Germaniens. Da hat man aus Kröten mit einem Hauch Haselnussbraunfäule in Maiglöckchen-Sud gekocht, das brodelnde Gemisch den Feinden ins Gesicht geschleudert und sich nachher über deren Brandblasen ergötzt.

Ich habe noch vom 100-jährigen Jubiläum des Hermannsdenkmals ein kleines Taschenmesser. Dessen Klinge ist nicht so groß und prächtig wie die vom Hermann, eher klein und verrostet. Meine Eltern hatten es mir als Andenken gekauft und meine kleines Taschenmesser hatte mit der großen Statuenklinge eines gemeinsam: Es klebte nie Blut dran. Darum tauge ich auch nicht als Befreier der Cherusker oder Germaniens oder wenigstens Ostwestfalens. Und muss auch nicht fürchten, von der eigenen Verwandschaft gemeuchelt zu werden.Vormals Held, danach mit Neid überschüttet. Wie Hänsel und Gretel: Gehasst, geschasst und ausgesetzt.

Als streitbares Volk dürfen wir das. Ehrenmorde sind zwar verpönt (und werden zu Recht gerichtlich verfolgt), aber ein wenig Grube graben für sein Mörderherz, dagegen hat niemand was. Insbesonders nicht aus der Verwandschaft, denn das sind Familienangelegenheiten. Der angekündigte familiäre Mord ist ja immer noch ehrenhafter als der hinterrücks gestoßene Dolch aus dem Gewande der Aussenstehenden.

100 Kilometer südlich von Kalkriese im Städtchen Ahlen bewegte sich ein anderer König im letzten Jahrhundert in den Süden Deutschland und versuchte von dort aus den südlichen Überraschungsangriff auf Niedersachsens Stolz. Ein King dem Teilnamen nach. Sein Angriff misslang und der zuvor als Cherusker gefeierte forsche Porsche-Wiedeking harrt nun den meuchelnden Dolche seiner industriellen Familie.

Wiedekings Traum war der des Cheruskers: Täuschen, Tricksen, Anschleichen und dann scheibchenweises Übernehmen. Jetzt wird Wiedeking selber zerlegt. Genüßlich und mit maliziösem Lächeln seitens seiner buckligen Piech- und Porsche-Verwandschaft.
Terätätätäterä und simserim simsim simsim.
Wie hatte schon James Thurber am Ende einer seiner Gedichte gereimt gehabt:

Ashes to ashes
clay to clay
if the enemy don’t get you
your own folks may

Schnäde räng täng, Schnäde räng täng
Schnäde räng täng, de räng täng täng

Ünbrigens, Sansibar ist für Deutsche nicht das Land, wo der Pfeffer wächst. Der wächst zwar auch dort auf jener ostafrikanischen Insel. Jedoch steht „Sansibar“ im Deutschen für die Utopie nach einer besseren Zukunft (s.a. „Sansibar oder der letzte Grund“ von Alfred Andersch).

Sansibars bekanntester „Sohn“ wurde dort mit dem Namen „Farrokh Bulsara“ geboren. Im November 1991 starb er in Kensington, London, an den Folgen seiner HIV-Erkrankung. Farrokh Bulsara ist uns besser als homosexueller Sänger der Gruppe QUEEN unter dem Künstlername „Freddie Mercury“ bekannt.

Und dann noch ganz nebenbei erwähnt:
Die Regierung von Sansibar erließ 2004 ein Gesetz, welches künftig homosexuelle Akte unter Strafe stellt.

Afrika zum Auslöffeln nah (Teil 4 und Schluss)

Da Löw und seine Schildknappen jedoch nicht beim diesjährigen Konföderationen-Pokal-Turnier in Südafrika mitspielen, hat der DFB beschlossen, der Löw solle doch mal mit seinen Mannen in China nachschauen, ob dort ein Sack Reis umgefallen ist. Vielleicht kann er mit seinen Untergebenen auch schon mal afrikanische Verhältnisse mit Eselfleisch in Dosen aus Botswana simulieren.

Unterdessen – man höre und staune – spielt aber Italien beim Konföderationen-Pokal mit und Berlusconi hat sich bislang noch nicht dazu geäußert. Allerdings steht zu erwarten, dass er sich auch solange nicht äußern wird, solange erstens die „Squadra Azzurra“ noch in Südafrika mitspielt und er zweitens noch nicht in Südafrika vor Ort ist.

Dann dort wird Berlusconi sicherlich zuerst die gesunde Bräune der Gastgeber, zweitens die straffe Organisiertheit der Bevölkerung durch private Mittelsmännern in den Townships lobpreisen und letztendlich darauf verweisen, dass in Europa Kinder mordend durch Schulen rennen, im Europaparlament deutsche Politiker mit SS-Rollenpotential sitzen und auf Lampedusa italienische KZs existieren. Also, alles in allem somit ein recht ungesundes Klima für Afrikaner. Afrikaner sollten lieber nach Lybien als nach Italien auswandern.

Und wir, wir werden uns königlich über die Dumpfbacke Berlusconi empören und amüsieren.
Aber Hauptsache, Löw und seine 17 Mannen verlieren im Fußball nicht gegen China und Saudi-Arabien.
Denn dann … ja, dann … dann kriegen wir noch mehr Krise. Dann spricht keiner mehr über die Rezession der Wirtschaft. Sondern jeder sorgt sich darüber, wer denn dann die Suppe für die Qualifikation zur WM in Süd-Afrika auslöffeln soll.
Aber Deutschland kann beruhigt sein. Absolut beruhigt.

Denn wenn alle Stricke reißen, dann haben wir ja noch unseren fränkischen Lothar Nationale, unsere deutsche Matthäus-Passion. Schließlich hat der Lothar Matthäus erheblich mehr Erfahrungen im Scheitern im Trainer-Dasein als Klinsmann und Löw zusammen. Sechsmal im Zwei-Jahre-Rhythmus ist er bislang an Mannschaften gescheitert. Wie Magath. Denn der Magath selber brachte es erst bei seinem siebten Trainerjob zur deutschen Meisterschaft mit Bayern München.

Entbehrungen und Ehefrau, so stellte auch Deutschlands größte Boulevard-Zeitung heute heraus, das seien die Erfolgsgaranten zur Meisterschaft Wolfsburg gewesen.

Gilt diese Regel auch für Matthäus (er hatte inzwischen ja mehr als nur eine Frau), dann ist mit Lodda uns der Weltmeisterschaftstitel noch vor der Eröffnung der WM 2010 in Süd-Afrika nicht mehr zu nehmen. Dank dem erfolgreichen von BILD aufgedecktem Erfolgsgeheimnis eines Felix Magaths. Und niemand – das sei dem Leser hier garantiert – niemand wird dann mehr über Bankenkrise oder gar Rezession reden.
Denn alles wird gut werden.

Amen.