Expedition afrikanischer Ethnologen: »Das Fest des Huhnes«


Durch die Kommentatorin Eugene Faust (hier) wurde ich auf eine sehr interessante 6-teilige Dokumentation aufmerksam gemacht.

»Das Fest des Huhnes«

Wichtig und informativ!
Anschauen!

Teil 1: http://www.youtube.com/watch?v=ieRaqYq_8FE
Teil 2: http://www.youtube.com/watch?v=xgUlOPL_VEc
Teil 3: http://www.youtube.com/watch?v=4goi6AARnHw
Teil 4: http://www.youtube.com/watch?v=JS4VlNHy7Ow
Teil 5: http://www.youtube.com/watch?v=e7fGWlHukt0
Teil 6: http://www.youtube.com/watch?v=XKkTxD7H2CU

Mein Dank für diesen Hinweis gilt Eugene Faust (http://eugenefaust.twoday.net)

Einmal Sansibar hin und zurück – und dann Belgrano ade


Untergang der Belgrano im Falkland-Krieg am 2. Mai 1982
Wir sind ein streitbares Volk.
Schon als Germanen haben wir am Rande des Teutoburger Waldes hin und wieder unsere flüchtenden Möchtegern-Eroberer niedergemetzelt, bis dass die Römer nicht mehr Piep sagen konnten. Regelrecht mundtot haben wir sie gemacht.

Wir?

Jawohl wir! Es war ein Stellvertreterkrieg der unwissenden Vorfahren für deren Nachfahren. Und deswegen haben wir dem Hermann als Stellvertreter von uns eine Statue aufgebaut.

Drohend winkt sie gen Frankreich, wo Deutschland im 19. Jahrhundert die anderen Unboten Europas sahen. Aus sicherer Entfernung sollte die blanke Klinge das französische Volk zur Mahnung und Warnung dienen. Aber die hatte es aus der sicheren Entfernung nicht gesehen und so kamen sie dann noch ein paarmal bei den Deutschen vorbei, um diesen Baguettes, Rotwein und französische Rechtskultur beizubringen.

Eigentlich hieß der kupferne Germane auf seinem Sockel im Teutoburger Wald ja Arminius. Und als eben solcher hatte er den Varus und seine Römern einfach mal verraten. Aber das darf man freilich nicht als Verrat sehen, denn als Freiheitskämpfer ist man nie Verräter sondern Patriot.
Und im Grunde hieß der doch auch Hermann. „Hermann, the german“ wie die Engländer so treffend reimen.

Obwohl, Hermann war ja Cherusker. Und die Cherusker lebten bekanntlich in Ostwestfalen. Ostwestfalen. Da wo die Uhren einen Tick langsamer laufen als die von dem Rest der Welt. Viele Menschen denken bei Ostwestfalen eher an Bielefeld und seinen Merkspruch „Sehen wir uns nicht in dieser Welt, dann sehen wir úns in Bielefeld“. Oder auch an Paderborn mit seinem Drei-Hasen-Fenster. Aber an aufmüpfige Germanen oder Cherusker?
Ja, hallo erstmal! Ich weiß gar nicht, ob Sie’s wussten: aber fragt man nach dem berühmtesten Ostwestfalen, da kommt kommt als Antwort „Rüdiger Hoffmann“. Oder der Antje Vollmer. Oder Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Oder „Gerry Weber“.
Okay, Wiglaf Droste und ein Heinz Rudolf Kunze könnten das wieder aufwiegen. Aber wenn man erstmal verinnerlicht hat, dass der ZDF-Prediger und Dauergrinser Peter Hahne und auch Schlagerfuzzi Peter Orloff auch Ostwestfalen sind …
Ich schieb dann mal schnell Jürgen von der Lippe und Iris Berben nach, um das vorher Gesagte ein wenig vergessen zu machen …

Aber wem haben wir das nun alles zu verdanken? Dass Ostwestfalen so eine historische Bedeutung erlangte?
Genau. Dem Varus, dem willig billigen Opfer.
Einer gegen alle. Er gegen die Germanen. Und Hermann gegen die Römer.
Klar, eigentlich ist schon die Frage nach der Dankbarkeit falsch gestellt. Die Frage müsste lauten, wer der berühmteste Freiheitskämpfer Deutschlands ist.
Wie der Germane hieß und wie er kämpfte, da gibt das Scheffel-Lied Auskunft:

„Mit Gott für Fürst und Vaterland
Stürzen sie sich wutentbrannt
Auf die Legionen.“

Man merke, der Hermann war schon gottesfürchtig, bevor der erste christliche Missionar Germanien bekehren konnte. Knapp 24 Jahre bevor Jesus ans Kreuz genagelt wurde und Petrus meinte „Nö, den kenn ich nicht.“

Varus ist es dabei nicht so gut ergangen wie dem Jesus. Der Germane hatte schon ein wenig mehr Brutalität im Blute als jene Römer dem Jesus gegenüber.

„Diesem ist es schlimm ergangen,
Eh daß man ihn aufgehangen,
Stach man ihm durch Zung und Herz,
Nagelte ihn hinterwärts
Auf sein corpus iuris.“

In der Schule habe ich dann immer im Chor das

Schnäde räng täng, Schnäde räng täng
Schnäde räng täng, de räng täng täng

schmettern dürfen. Schön war’s, so unter geistigen Pickelhauben singen zu dürfen.

Hermann ist freilich eindeutig Westfale.
Und so feierte er auch genau so, wie es heutzutage die Westfalen auf deren eigenen Dorfkirmessen veranstalten. Dort pilgern die wackeren Recken in der Tradition von Hermann, dem Cherusker, von Bierstand zu Bierstand, von Kneipentür zu Kneipentür und meinen das sei die einzig wahre Kneipkur. Und die Frauen dieser Helden nippen großzügig stolz an deren Willybecher, dem einzig wahren, deutschen Standardglas, und benehmen sich dem Scheffel-Lied entsprechend tusneldenhaft. Thusnelda war übrigens ein holdes Blondchen, aber gesoffen haben Tusnelda und Hermann wohl so, wie es heute den deutschen Bübchen und Mädchen beim Komasaufen ein Vorbild ist.

„Wild gab´s und westfäl´schen Schinken
Bier, soviel sie wollten trinken
Auch im Zechen blieb er Held
Doch auch seine Frau Thusneld
soff walküremäßig“

Das Komasaufen der beiden war sicherlich ein großer Schritt für deren eigene Leber, aber nur ein kleiner Schritt für das deutsche Volk an sich.
Denn Hermann war nur ein Stammesfürst. Sein Sieg verhinderte, dass die römischen Besatzer aus Germanien ein geeintes Volk erschufen. So lebten die Deutschen später fleißig untertänigst mit ihren Fürsten und Kurfürsten und deren Marionetten-Kaiser und -Könige, wobei die ersteren verhinderten, dass irgendwer der zweiteren Garde zuviel Macht erhalten konnte. Jeder der fürstlichen Herrschaften und Hochwohlgeborenen hatte ein wenig Macht, aber keiner dieser Machtgesellen zuviel davon im eigenen Portfolio. Ein Gleichgewicht des Schreckens im „Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation“.
Im Überglanze jener prädeutschen Geschichte ist es ja inzwischen fast schon als Gerücht anzusehen, dass es 1989 eine Wiedervereinigung gegeben haben sollte.

Aber keine Sorge. Es hat sie gegeben, die Wiedervereinigung. Inklusive seinen begeisterten Menschen und den Kohl’schen Gärtnern der blühenden Landschaften. Und nicht zu vergessen, jene kritischen Geister, die die Wiedervereinigung rief und danach nicht los wurde. Jene die zwei Jahre später meinten „Wir sind vielleicht ein Volk“.

Doch zurück zur geschichtsbildenen Varus-Schlacht. Für Hermann war ja das Leben danach nicht einfach vorbei, als er Germaniens Besatzer auf deren Flucht permanent bis zur Unkenntlichkeit vereinzelnd gemetzelt hatte. Beim niedersächsischen Kalkriese soll bei Hermanns Haarespalten auf römischen Häuptern ordentlich Kalk gerieselt sein.
Die Geschichte meint, uns zu überliefern, dass Hermann später hinterrücks gemeuchelt wurde. Nein, nicht von seiner Ehefrau Tusnelda, sondern von seiner Verwandschaft, so wollen uns selbsternannte Geschichtsschreiber weiß machen.

Unser Hermann? Der heroische Befreier von der Knechtschaft Roms? Das offensichtliche Vorbild von Uderzos und Goscinnys Endszenen aus „Asterix und Obelix“? Das darf glauben, wer simpel gestrickt ist.
Denn in unseren Tagen weiß doch jeder, wo der Hermann mit seiner Tusnelda endete. Und zwar hier und hier.

Falls das nicht unser deutscher Hermann gewesen sein wollte, der von seiner Frau so genervt den Schlusssatz röchelte „Ich bringe sie um … morgen bringe ich sie um!“, dann weiß ich nicht, wieso ich schon damals vor Lachen unter deutschen Biedermeier-Nierentischen lag.

Jawohl! Hermann stieg auf zum gefürchteten Römer-Schlächter und endete bei Loriot als rentnender Bettvorleger seiner Frau. Wer noch nie im Kindheitsalter bei Detmold unterm Hermannsdenkmal rauf zur Schwertspritze schaute und darüber grübelte, warum Asterix dort ohne seinen Obelix rumsteht, der weiß auch nicht, dass in der Gegend drumherum die Externsteine stehen und viel interessanter sind. Da sprüht die Magie. Das ist Mystik. Das ist die dunkle Seite Germaniens. Da hat man aus Kröten mit einem Hauch Haselnussbraunfäule in Maiglöckchen-Sud gekocht, das brodelnde Gemisch den Feinden ins Gesicht geschleudert und sich nachher über deren Brandblasen ergötzt.

Ich habe noch vom 100-jährigen Jubiläum des Hermannsdenkmals ein kleines Taschenmesser. Dessen Klinge ist nicht so groß und prächtig wie die vom Hermann, eher klein und verrostet. Meine Eltern hatten es mir als Andenken gekauft und meine kleines Taschenmesser hatte mit der großen Statuenklinge eines gemeinsam: Es klebte nie Blut dran. Darum tauge ich auch nicht als Befreier der Cherusker oder Germaniens oder wenigstens Ostwestfalens. Und muss auch nicht fürchten, von der eigenen Verwandschaft gemeuchelt zu werden.Vormals Held, danach mit Neid überschüttet. Wie Hänsel und Gretel: Gehasst, geschasst und ausgesetzt.

Als streitbares Volk dürfen wir das. Ehrenmorde sind zwar verpönt (und werden zu Recht gerichtlich verfolgt), aber ein wenig Grube graben für sein Mörderherz, dagegen hat niemand was. Insbesonders nicht aus der Verwandschaft, denn das sind Familienangelegenheiten. Der angekündigte familiäre Mord ist ja immer noch ehrenhafter als der hinterrücks gestoßene Dolch aus dem Gewande der Aussenstehenden.

100 Kilometer südlich von Kalkriese im Städtchen Ahlen bewegte sich ein anderer König im letzten Jahrhundert in den Süden Deutschland und versuchte von dort aus den südlichen Überraschungsangriff auf Niedersachsens Stolz. Ein King dem Teilnamen nach. Sein Angriff misslang und der zuvor als Cherusker gefeierte forsche Porsche-Wiedeking harrt nun den meuchelnden Dolche seiner industriellen Familie.

Wiedekings Traum war der des Cheruskers: Täuschen, Tricksen, Anschleichen und dann scheibchenweises Übernehmen. Jetzt wird Wiedeking selber zerlegt. Genüßlich und mit maliziösem Lächeln seitens seiner buckligen Piech- und Porsche-Verwandschaft.
Terätätätäterä und simserim simsim simsim.
Wie hatte schon James Thurber am Ende einer seiner Gedichte gereimt gehabt:

Ashes to ashes
clay to clay
if the enemy don’t get you
your own folks may

Schnäde räng täng, Schnäde räng täng
Schnäde räng täng, de räng täng täng

Ünbrigens, Sansibar ist für Deutsche nicht das Land, wo der Pfeffer wächst. Der wächst zwar auch dort auf jener ostafrikanischen Insel. Jedoch steht „Sansibar“ im Deutschen für die Utopie nach einer besseren Zukunft (s.a. „Sansibar oder der letzte Grund“ von Alfred Andersch).

Sansibars bekanntester „Sohn“ wurde dort mit dem Namen „Farrokh Bulsara“ geboren. Im November 1991 starb er in Kensington, London, an den Folgen seiner HIV-Erkrankung. Farrokh Bulsara ist uns besser als homosexueller Sänger der Gruppe QUEEN unter dem Künstlername „Freddie Mercury“ bekannt.

Und dann noch ganz nebenbei erwähnt:
Die Regierung von Sansibar erließ 2004 ein Gesetz, welches künftig homosexuelle Akte unter Strafe stellt.

Afrika zum Auslöffeln nah (Teil 4 und Schluss)


Da Löw und seine Schildknappen jedoch nicht beim diesjährigen Konföderationen-Pokal-Turnier in Südafrika mitspielen, hat der DFB beschlossen, der Löw solle doch mal mit seinen Mannen in China nachschauen, ob dort ein Sack Reis umgefallen ist. Vielleicht kann er mit seinen Untergebenen auch schon mal afrikanische Verhältnisse mit Eselfleisch in Dosen aus Botswana simulieren.

Unterdessen – man höre und staune – spielt aber Italien beim Konföderationen-Pokal mit und Berlusconi hat sich bislang noch nicht dazu geäußert. Allerdings steht zu erwarten, dass er sich auch solange nicht äußern wird, solange erstens die „Squadra Azzurra“ noch in Südafrika mitspielt und er zweitens noch nicht in Südafrika vor Ort ist.

Dann dort wird Berlusconi sicherlich zuerst die gesunde Bräune der Gastgeber, zweitens die straffe Organisiertheit der Bevölkerung durch private Mittelsmännern in den Townships lobpreisen und letztendlich darauf verweisen, dass in Europa Kinder mordend durch Schulen rennen, im Europaparlament deutsche Politiker mit SS-Rollenpotential sitzen und auf Lampedusa italienische KZs existieren. Also, alles in allem somit ein recht ungesundes Klima für Afrikaner. Afrikaner sollten lieber nach Lybien als nach Italien auswandern.

Und wir, wir werden uns königlich über die Dumpfbacke Berlusconi empören und amüsieren.
Aber Hauptsache, Löw und seine 17 Mannen verlieren im Fußball nicht gegen China und Saudi-Arabien.
Denn dann … ja, dann … dann kriegen wir noch mehr Krise. Dann spricht keiner mehr über die Rezession der Wirtschaft. Sondern jeder sorgt sich darüber, wer denn dann die Suppe für die Qualifikation zur WM in Süd-Afrika auslöffeln soll.
Aber Deutschland kann beruhigt sein. Absolut beruhigt.

Denn wenn alle Stricke reißen, dann haben wir ja noch unseren fränkischen Lothar Nationale, unsere deutsche Matthäus-Passion. Schließlich hat der Lothar Matthäus erheblich mehr Erfahrungen im Scheitern im Trainer-Dasein als Klinsmann und Löw zusammen. Sechsmal im Zwei-Jahre-Rhythmus ist er bislang an Mannschaften gescheitert. Wie Magath. Denn der Magath selber brachte es erst bei seinem siebten Trainerjob zur deutschen Meisterschaft mit Bayern München.

Entbehrungen und Ehefrau, so stellte auch Deutschlands größte Boulevard-Zeitung heute heraus, das seien die Erfolgsgaranten zur Meisterschaft Wolfsburg gewesen.

Gilt diese Regel auch für Matthäus (er hatte inzwischen ja mehr als nur eine Frau), dann ist mit Lodda uns der Weltmeisterschaftstitel noch vor der Eröffnung der WM 2010 in Süd-Afrika nicht mehr zu nehmen. Dank dem erfolgreichen von BILD aufgedecktem Erfolgsgeheimnis eines Felix Magaths. Und niemand – das sei dem Leser hier garantiert – niemand wird dann mehr über Bankenkrise oder gar Rezession reden.
Denn alles wird gut werden.

Amen.

Afrika zum Auslöffeln nah (Teil 3)


Südlich von Botswana, da liegt das Land Süd-Afrika. Süd-Afrika ist ja für uns Deutsche von unabdingbarer Wichtigkeit.
Der Grund?
Im nächsten Jahr findet dort doch die Fußball-Weltmeisterschaft der Herren statt. Da will doch der Herr Jogi Löw mit getreuen Knappen den Fußball-Weltpokal in Empfang nehmen.
Nun, Fußball in Süd-Afrika, das ist uns wichtiger als Flüchtlinge auf Lampedusa oder Eselfleisch in Dosen aus Botswana.

Fußball, das ist unser tägliches Elixier.
Die Frage nach den Geheimnissen des Gekickes von 22 Beinen allein gegen eine Kunstoffkugel gilt es zu klären. Was ist denn nun das Geheimnis für Erfolg?Wie muß so ein Lebensweg aussehen?
Zum Beispiel so?
In Hamburg, Nürnberg, Bremen, Frankfurt und Stuttgart berühmt berüchtigt geworden, in München wegen Erfolglosigkeit beurlaubt, dann nach Wolfsburg weiter gewandert.
Und das alles im Zwei-Jahre-Rhythmus.
Solch einen zeitlichen Verlauf kann nur der Fußball-Sport einem Menschen in dessen Lebenslauf diktieren. Ein typischer Lebenslauf eines flexiblen Wanderarbeiters, der für einen Job immer seinen Lebensmittelpunkt ohne Wenn und Aber einfach so verschiebt. Der selbst Beleidigungen wie „Quälix“ lächelnd überhört. Alle zwei Jahre. Richtig, dieser Wanderarbeiter in Zeiten der tiefen deutschen Rezession, der heißt „Felix Magath“.

Aha, denke ich mir da bei all der Lobpreisung in den Zeitungen, daraus muss du was lernen.
Erfolgsmodell „Magath“.
Ich bin ja selber Schuld, dass ich nicht so bin wie der Magath. Ich bin ja nicht flexibel, wechsle nicht alle zwei Jahre meinen Arbeitgeber und Arbeitsort und will dann zu allem Überfluss noch nicht mal Annehmlichkeiten eines sesshaften Lebens entbehren. So wie der Magath.
Statt eines üppigen Jahressalärs plus Dienstfahrzeug der oberen Mittelklasse fordere ich ja gnadenlos und kompromisslos ein einigermaßen normales Einkommen bei gleichzeitigem Anspruchsdenken, öffentliche Verkehrsmittel einfach so nutzen zu wollen. Bei solch einem unverantwortlich überzogenen Verhalten meinerseits ist es natürlich gerechtfertigt, dass mich die Rezession stärker ängstigt als beispielsweise einen flexiblen und entbehrungsreich lebenden Erfolgsmenschen wie Felix Magath.

Und weil Magath mit Gewinn der Fußballmeisterschaft durch Wolfsburg auch schon weit über seine Verhältnisse verwöhnt wurde, geht der auch gleich freiwillig wieder von dort weg. Immer dahin, wo die subjektiv gefühlte Not am größten und die Geldreserven eines nicht abstiegsbedrohten Vereins ausreichend sind. Diesmal also weiter nach Gelsenkirchen auf Schalke. Und niemand von den Personalchefs fragt ihn dort: „Ja, sagen Sie mal, Herr Magath, sie halten es wohl bei keiner Firma länger als zwei Jahre aus, oder?“ sondern wohl eher „In welcher Farbe und mit welcher Sonderausstattung hätten Sie denn gern Ihren Dienstwagen?“

Jetzt ist es ja nicht so, dass Magath ein Abzocker ist. Das ist der bei weitem nicht.
Aber im Sinne der deutschen Rezession erscheint es normal, dass kein etablierter, alteingesessener Bundesligaverein die Meisterschaftsschale haben wollte.
Schließlich stehen ja noch hehere Ziele an.
Zum Beispiel die Qualifikation zur Weltmeisterschaft in Südafrika.

Afrika zum Auslöffeln nah (Teil 4 und Schluss) »

Afrika zum Auslöffeln nah (Teil 2)


Wir Deutschländer haben also nicht wirklich „Antipoden“. Da teilen wir das Schicksal Mittel- und Westeuropas. Erst die Chinesen und mittelöstlichen Russen können sich über die Existenz von eigenen Antipoden rühmen. Es sind die Menschen Argentiniens, Chiles, Uruguays, Boliviens und Süd-Perus.

Aber Afrika?
Afrikas Antipoden befinden sich auch mehrheitlich auf hoher See des Pazifiks. Nur Botswana hat eindeutig Antipoden und die sind uns erheblich sympathischer. Es sind die Menschen Hawaiis.
Aloha.

Das heißt jetzt aber nicht, dass sich der Eigentümer seines 50. US-Bundesstaats um seine Antipoden in Botswana liebevoll kümmern würde. Für sowas gibt es kein Naturgesetz. Daher machen es nun mal die Chinesen.

Botswana.
Die Bevölkerung von Botswana hatte im Jahr 1991 eine Lebenserwartung von stolzen 63 Jahre. 13 Jahre später beträgt die Lebenserwartung in Botswana lediglich nur noch 31 Jahre.
„31“ ist inzwischen auch die Zahl, die verwendet wird, wenn es darum geht, den Anteil der HIV-Infizierten zur Gesamtbevölkerung in Prozent darzustellen. Womit sich damit auch die geringere Lebenserwartung erklärt.

Dasjenige Land, welches mit Botswana intensiv Handel treibt und Botswana für sich als touristisches Ziel ausgebaut, ist im übrigen China. Im Gegenzug stellt eines der Hauptexportprodukte Botswanas nach China Eselfleisch in Dosen dar.
Freilich sind es auch Diamanten. Indirekt. Denn der hauptsächliche Diamantenhandel läuft aufgrund der Botswanischen Verträge mit der Firma De Beer noch über andere Märkte.

Nebenbei:
Die Debswana (ein Joint-Venture der Regierung Botswana und der Firma De Beer) hatte von Mitte Februar bis Mitte April dieses Jahres wegen geringeren Nachfrage den Diamantenabbau vorübergehend eingestellt gehabt. Soviel erstmal zum Thema „Weltwirtschaftskrise“ und Kurzarbeit in anderen Ländern.

Afrika zum Auslöffeln nah (Teil 3) »

Afrika zum Auslöffeln nah (Teil 1)


Kennt jemand einen neuen Anti-Afrika-Witz? Vielleicht gibt es wieder was neues zum körperlichen Abschütteln vom Herren Ministerpräsident Berlusconi? Berlusconi, Italiens „personal manager“, der mit den erklärten Zuständigkeiten für die drei F’s:
Fußball, Fernsehen und Frauen.

Nun, mit Sicherheit hätte sich die Firma „Langnese“ jetzt mit ihrem neusten Werbespruch ihrer Produktreihe „cremissimo“ von den Desserttellern der Berlusconis und Lampedusaner gekickt:

„Afrika zum Löffeln nah.“

Keine Nation aus Europa will Afrika „nah“. Besonders nicht zum Löffeln. Weder zum Auslöffeln, geschweige denn will eine Nation in Löffelchenstellung mit Afrika überhaupt eine Nacht verbringen. Was das europäische Auge nicht sieht, tut schließlich dem kosmopolitischen Herzen nicht weh. Mit einem goldenen Löffel im Munde geboren zu sein, soll schließlich selbst erklärtes Anrecht für uns Europäer bleiben. Notfalls nehmen wir zum Vergolden der Löffel auch Gold aus Südafrika her.

Das nahe Afrika ist uns so fremd wie ein Mensch dem anderen, welcher auf der anderen Seite der Erdkugel dem einen gegenüber lebt. Die Griechen haben dafür uns den schönen Ausdruck „Antipoden“ vererbt. „Antipoden“, das sind die, die uns deren Füße entgegenstrecken.

Die entscheidende Frage ist nun für uns Deutschländer:
Gibt es Antipoden für Deutschland? Und ja, wie heißen die?

Nun, im Prinzip lautet die Antwort „Nein“. Denn dort wo unser geografisches Gegenstück liegen sollte, da ist nur Wasser. Und Meeresbewohner haben nun mal keine Füße. Außer sie leben auf Schiffe. Diese nennt man dann Seemänner.
Oder Piraten.
Beurteilt, je nach Art ihres täglichen Broterwerbs.

Auf alle östlich von Neuseeland und ganz knapp östlich der Datumsgrenze – da wo unsere Antipoden leben müssten, wenn sie denn unsere Antipoden sein wollten -, da wird weniger von Piraten als vielmehr von Weltenbummler auf Schiffen berichtet.
Wenn überhaupt.

Die sich anschließende Frage ist dann freilich, sollte dort nun jemand segelnderweise uns die Füße entgegen recken und die Datumsgrenze überschreiten, ist der dann von heute oder bereits von morgen.
Oder anders herum betrachtet: Leben wir in Deutschland aus Sicht des Seglers noch am gleichen Tag oder sind wir bereits von gestern?

Diese Frage kann nicht sofort absolut beantwortet werden, sondern hängt eindeutig von der Segelrichtung des Seemanns ab, relativ betrachtet zum Greenwicher Nullmeridian in England. Die christliche Seefahrt hat sich deswegen den Merkspruch kreiert:

Von Ost nach West halt’s Datum fest,
von West nach Ost lass‘ Datum los

Wenn als irgendwer zum Beispiel im „Diercke Weltatlas“ nachschaut,
– der schwere überdimensionale „Diercke Weltatlas“, das wohl beliebteste Diebesgut ambitionierter Weltenbürger in der Schulzeit –
wer die Antipoden für uns Deutschländer sind, so endet das mit einem Schlag ins Wasser. Direkt neben Neuseeland.
Im Pazifik halt.

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