What a difference a day makes …

Wenn in Deutschland die Schlagzeilen für morgen entschieden werden, dann hat Michael Jacksons Beerdigung eindeutig die operierte Nase vorn. Direkt vor den Ereignissen in West-China.

Die Beerdigung ist für Europas Zeitungen Schlagzeilen-kompatibel, gerade weil sie 11:00 Uhr Ortszeit stattfand. Bei den Uiguren und den Han-Chinesen geht dann gerade die Sonne auf, um die nächsten Massaker ans Tageslicht zu bringen. Zu spät für unsere Druckmaschinen. Und zu spät für die totgemachten Menschen. Aber immer noch rechtzeitig für den anderen totgemachten Menschen aus Amerika.

Nebenbei: Auf BBC-Radio meldeten sich zwei Chinesen (Han) aus Peking und Shanghai telefonisch, die in der laufenden thematischen Sendung erzählten, dass er sich bei den 140 Toten um 3/4 davon um Han-Chinesen gehandelt haben soll. Als der Moderator nach der Quelle fragte, beriefen sich die beiden auf Freunde und Bekannte aus Xiandong (oder wie die Provinzhauptstadt dort heißt). Auf deren Gegenfrage, ob der Moderator andere Quellen über die Zugehörigkeit der Toten habe, müsste der Moderator erklären, dass es nur die unbestätigten Annahmen westlicher Journalisten habe. Womit die unbewiesene Annahme, die Toten seien Uiguren und lediglich die Staatsmacht grausam, ziemlich schubladenmäßig daher kam.
Als darauf noch zwei Shanghai-Engländer anriefen und dieses indirekt bestätigten, fiel mir wieder ein, wer die Hoheit über morgentlichen internationale Interessen in Deutschland hat: die am Vortage festgelegte Schlagzeile …

"Hommage au King"

Andere Stadt, andere Leute, gleicher Anlaß wie überall weltweit. Meine Frage an die Leser meines mobilen Posts: Wie heisst der Fluß im Hintergrund? Wer weiß es?

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Gemeinsamkeiten

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Welche Gemeinsamkeit hat der Kölner Platz ‚Neumarkt‘ und der Platz vor den Münchener Riem Arcaden?

Deren Pflastersteine wurden in Indien geklopft.
Mutmaßlich aus dem selben Steinbruch.
Mutmaßlich von den selben Kindern.

Tausende stehen drauf, Tausende gehen drauf. Ob Touristen, ob Schicksale, ob Geld, das darf sich selber jeder denken. Gedanken sind frei. Und die Journalisten, die den Bericht für den WDR gemacht hatten, auch noch. Das haben sie mit uns dankenswerterweise gemein.

In Köln ist man vor 800 Jahren noch anders mit Kindern umgegangen. Eltern haben ihre Kinder rheinaufwärts nach Italien wandern lassen. Jene 20000 Kinder wollten in Genua vom 12-jährige Nikolaus das Mittelmeer mit dem weltbekannten Moses-Trick teilen sehen. Das Meer teilte sich nicht, Jerusalem wurde nicht von Kölner Jüngelche befreit. Bekanntlich endete dieser ‚Kinderkreuzzug‘ unter anderem in Pisa. Dort wurden die Pisa-Studien auf Schiffen fortgeführt. Die fuhren zwar nicht in indische Steinbrüche, aber die italienischen Seefahrtskaufleute hatten auch damals schon andere Orte, wo Kindersklaven begehrt waren. Nicht nur in Bordellen.

Dabei sollten die Kölner doch eigentlich aus den Ereignissen 100 Jahre zuvor gelernt haben. Da kam auch einer, der genauso wie der Nikolaus einen Einschreibebrief ohne Rückschein von Jesus vorweisen konnte, indem sich wer über unverschämte, blutrünstige Muselmänner beschwerte und zu politisch inkorrektem Verhalten demagogisierte. Im Namen der nächstenliebenden Christenheit. Blutrünstig und unverschämt.

Jener Haßprediger kam aus Frankreich über Aachen nach Köln. ‚Kukupeter‘ wurde er genannt, Peter von Amiens hieß er. Der Kölner hatte gerade nichts zu tun – Karneval war inzwischen auch schon vorbei, dafür hatte es Meteoritenschauer, Mutterkorn und Mondfinsternis – und als er den Kukupeter mit seinen Kreuzzugsteilnehmern aus Aachen angezogen kam, rief der Kölner begeistert „D’r Zooch kütt!“, Kukupeter warf seine Kamelle und der Kölner lief ihm „Die Karawane zieht weiter“-singend und „Alaaf“-rufend hinterher.
Bis nach Belgrad kam dieser erste Kreuzzug, wo die Kölner dann von Christen und Moslems gemeinsam massakriert wurden.

Vielleicht kamen sie dabei in Rufweite von Münchens Riem Arcaden vorbei. Auch wenn es damals weder die ‚Riem Arcaden‘ geschweige denn München gegeben hatte.

Dafür gab es aber den Kölner Neumarkt.
Und von dort aus zogen die Kinder gen Süden.

Als sich das Mittelmeer vor dem Nikolaus nicht teilte, sind nicht alle mit dem nächsten freien Schiff in die Sklaverei entflohen, einige sind auch zum Papst, um sich beim Statthalter für das entgangene Wunder zu beschweren.
Andere sind auch wieder nach Deutschland zurück.
Vielleicht nicht nach Köln, sondern dahin – schmachvoll in Sack und Asche gewandet, wofür man sie irrtümlicherweise für Mönche hielt – wo heuer noch die Stadt München liegt.

Weswegen auch klarer wird, warum München und Köln das gleiche kostengünstige Pflaster sich angeschafft haben könnten. Ein paar tausend Gedenksteine an die Kinderversklavungen dieser Welt ist nicht nur was fürs Gemüt sondern auch für die Erinnerungen deutscher Geschichte … .

Immer diese Kettenbriefe …

Gerade erhalten und hier gleich reingepackt.

Dies ist KEIN Kettenbrief!
Du darfst ihn auf KEINEN Fall weiterschicken, denn das wuerde grosses Unheil ueber Dich, deine Nachfahren und deinen Erdbeerjoghurt bringen ! Selbst Ausschnitte, ja sogar einzelne Woerter aus dem Brief koennten gefaehrlich sein.

Die Urspruenge dieses Briefes gehen auf den Abschiedsbrief eines braven Bauernburschen namens Chutka Prowik zurueck, der seiner Familie in schriftlicher Form seinen Beschluss mitteilte, dass er sein Glueck in der Ferne suchen wollte. Kurz nachdem er sich von Zuhause aufgemacht hatte und die Berge ueberquerte, wurde er von einem Unwetter ueberrascht und eingefroren. Heute ist er unter dem Namen „Oetzi“ bekannt.

Bis heute weiss niemand genau, welche seiner Worte so gefaehrlich und unheilstraechtig waren, aber sie kommen auf jeden Fall alle auch in diesem Brief vor, also sieh dich vor! Ein Beispiel fuer die schreckliche Kraft dieses Briefes ist der arme Matrose

Pitr Owoschna, der auf dem beruechtigten Atom-UBoot „Blauer November“ als Ausguck arbeitete. Waehrend das Boot auf Patrouillenfahrt im Kaspischen Meer war, bekam Pitr diesen Brief an seine Heimatadresse geliefert. Ohne das zu wissen, schrieb Pitr einen Liebesbrief an seine Freundin Januschka, in dem er ungluecklicherweise mehrere der Unheilvollen Woerter benutzte. Noch in der selben Stunde explodierte der Dieseltank des Schiffes und es versank auf Nimmerwiedersehen in der See.

Beruehmte Menschen haben das Verbot zum weiterschicken missachtet. Darunter waren Lady Di, Falko, Boris Becker, Brittney Spears (kurz bevor sie beschloss, einen Film zu drehen) und diverse Angestellte im World-Trade-Center.

Doch auch die Internetabstinenz hilft nicht gegen das Unheil. Eine Gemeinschaft von ueber hundert Internetnutzern, die alle diesen Brief erhalten hatten (weiss der Himmel woher), beschloss im Sommer 2002, ihn zu entkraeften, und zumindest eine Weile weder Mails, noch Briefe, noch Schecks zu schreiben. Sie lebten ausnahmslos alle an der Elbe … Was du also tust … du bist auf jeden Fall in den Ar*** gekniffen. (wobei mir einfaellt: Habe ich schon erwaehnt, dass dir nur jemand, der dich ueber ALLE MASSEN liebt, dir diesen Brief schicken wuerde ???)

Wie gesagt: Dies ist KEIN Kettenbrief, und er sollte auf KEINEN FALL weitergeleitet werden. Sollte aber irgendwer, der diesen Brief liesst, meinen, er muesste mir Geld geben oder Schokolade schicken oder so, dann fragt mich einfach nach Adresse oder Kontonummer… ich sag da nicht „Nein“.

So .. und falls ihr es immernochnicht bemerkt habt: Dieser Brief ist genauso erfunden (inclusive der authentischen Beweise), wie die anderen Kettenbriefe auch (nur, dass dieser Brief KEIN Kettenbrief ist !!!)

Also nicht weiterschicken!
Wer mir allerdings Schokolade und Geld …
Behandle ich alles vertrauensvoll über PN.
Das Geld bitte nur unnummeriert und in ALDI-Tüten.
Danke im Voraus.

Lebe wild und gefährlich (Teil 13) … oder: Bloggen kann kostenintensiv werden

Etwas aus dem realen Leben, wo Blog-Schreiber von dem virtuellen erbarmungslos eingeholt wurden …

Ein deutscher Blog-Schreiber namens Ron Hillmann schreibt am 22. Oktober 2006 in seinem Blog über Nachrichten, die zwei große Firmen betreffen. Die eine hat ihren Sitz in Deutschland, die andere in China. Beide Firmen klären momentan einen Sachverhalt, welchen den Vorwurf der chinesischen Urheberschutzverletzung verifizieren oder widerlegen soll.

Der Blogger schreibt nur einen Kurzkommentar dazu zusätzlich in seinem Blog, wobei er negative Attribute für die Chinesen verwendete.
Einen verhängnisvoller Kurzkommentar, der seine Meinung verdeutlichen soll.
Einen verhängnisvoller Kurzkommentar, der aber in der deutschen Industrie Konsens ist und so auch schon sinngemäß in der Süddeutschen Zeitung zu lesen war …

Und prompt erhält der Blogger Post aus China.
Ein Schreiben aus der Provinz der chinesischen Justiz. Der Blogger wird darin angeklagt und zugleich zu einer Gerichtsverhandlung nach China vorgeladen.
Verhandlungsgegenstand sollen seitens des Bloggers geäußerte, ungerechtfertigte Vorwürfe über die Verletzung der Urheberrechte sein. Verhandlungsgegenstand sind somit auch Ansprüche auf hohe Schadensersatzforderung seitens der chinesischen Firma …

Geht so etwas?
Natürlich geht so etwas.

Macht so etwas überhaupt Sinn?
Für die chinesische Firma auf alle Fälle.
Denn sollte das chinesische Gericht der Klage stattgeben, kann über ein internationales Rechtshilfegesuchen das Geld von der Privatperson eingetrieben werden.

Und dass das klappen wird, dafür stehen die guten bilateralen Beziehungen der chinesischen Regierungsform und den ertragreichen Handelsbeziehungen jenes Landes mit diesem unserem Lande. Also erscheint es erforderlich für den Blogger die Reise nach China im Juni zwecks eigener Verteidigung anzutreten, um zumindest zu versuchen, die Unkosten niedrig zu halten …

Moral aus der Geschicht?
Bloggers Meinung kommt jetzt auch international vor Gericht …

Wer näheres dazu lesen möchte, der findet unter Spiegel Online den ganzen Artikel dazu:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,458039,00.html

Und was sagt der betroffene Blogger dazu?
www.autoregional.de/autonews/2006/10/22/
man-reisebusse-werden-in-china-kopiert/

Nie met Aljebra

Dunkel war’s, der Mond schien helle,
Schneebedeckt die grüne Flur,
Als ein Auto blitzesschnelle
Langsam um die Ecke fuhr.

Ein Wort aus einem anderen Blogkommentar holt in mir Erinnerungen zurück:
Pleonasmus
Ein Wort wie ein Geheimnis.
Es beeindruckt in jedem Gespräch und garantiert ehrfürchtige Blicke.
„Der Mann hat studiert“, „Der Mann ist Gelehrter“ sagen die devoten Blicke aus.
Oder aber auch:
„Fängt der Angeber schon wieder an?!“ „Der nervt!“
Oder aber es mündet in einer spitzfindigen wie ein Degen geführte Gegenfrage.
„Was ist ein ‚Pleonasmus‘?“
„Na ja, ein ‚Pleonasmus‘ ist eine ‚Tautologie‘.“
„Wie bitte?“
„Ein weißer Schimmel, eben. Eine tote Leiche, feuchtes Wasser .“
Spätestens dann kommt der Einwurf …
„Bei mir im Kühlschrank ist der Schimmel grün, die Zombies hängen am Glockenseil und wenn du hier mit deiner Bildung rumstrunzen willst, …“

„Rumstrunzen“.

Das hat nichts mit dem ehemaligen Fußballspieler Thomas Strunz oder der allbekannten berühmt-berüchtigten Rede vom „Musse-rühren“-Fußballtrainer Trapattoni („Was erlaube Struuunz?!“) zu tun.

Das Wort „strunzen“ findet sich noch nicht mal bei Wikipedia oder gar bei Wiktionary. Dabei gibt es davon reichliche Wortableitungen von „strunzen“: „Graf Strunz“, „Strunzbüggel“, „strunzdämlich“, „strunzdumm“.
Das Wort hat wohl rheinischen Ursprung und steht für „angeben, sich groß tun“. Es ist aber auch im Ruhrgebiet und darüber hinaus (z.B. Berlin) zu Hause. Interessanterweise in all den Gebieten, die unter Napoleon französisch besetzt waren.

Natürlich gibt es auch in Bundestaate „Frei statt Bayern“ ein ähnliches Wort. Die haben wohl das Wort in ihre Sprache reinkopiert und das „st“ durch den Buchstaben „b“ ersetzt: „brunzen“. Weltbekannt ist zum Beispiel in München zur Zeit eines jeden Oktoberfestes die „Brunzwiesn“. Damit ist der grüne Wall hinter den Bierzelten gemeint, da wo Zeltbesucher hinpinkeln, sich übergeben oder ihren Rausch ausschlafen, weil der Boden noch so schön warm und weich ist …
Und in München spielte dann auch der oben erwähnte Fußballtreter Thomas Strunz. Der Thomas Strunz kommt übrigens gebürtig aus Duisburg
Womit die Spur eindeutigerweise wieder raus aus Bayern gleich in den Norden führt …
„Rumstrunzen“ – ein Wort so schön wie „Verkasematuckeln“ (… offenbar auch französischen Ursprungs …) …

Ich bin abgeschwofen.
Wo war ich?
Ach ja.

„… und wenn du hier mit deiner Bildung rumstrunzen willst, …“

Der „Pleonasmus“ oder die „Tautologie“ oder das „Doppel-Gemoppel“.
Schön, dass es für diese Begrifflichkeit Worte durch alle grammatikalischen Geschlechter gibt.
Gleichberechtigung par excellence.
Jeder Gleichstellungsbeautragte wurde vor Wonne und Freude in Tränen zerfließen.
Wobei mir das Wort „Doppel-Gemoppel“ eindeutig am besten gefällt, auch wenn es mein Lehrer damals in der Schule mit einem ironischen Rüffel in meine Richtung geantwortet hatte. Es war der Deutschunterricht und auf dem Lehrplan standen rhetorische Stilmittel. „Pleonasmus“ und „Tautologie“ gehörten dazu. Wir analysierten Reden von Hitler, Göbbels und anderen Politikern, die man tunlichst mit den beiden erstgenannten nicht in einem Atemzug nennen sollte. Und irgendwann hingen mir dann die Politiker mit ihren Reden ziemlich zu den Ohren raus. Denn was anfangs wie fein durchdacht erschien, zerplatzte wie eine Sprachenwämmserei erster Güte.

Klar, geholfen hat es nicht, wenn ich bei einer Rede von Helmut, dem Ersten, und Helmut, dem Zweiten, und anderen Waldheinis und Pissbudenluis sofort „Tautologie“ oder „Akkumulation“ oder „Inversion“ oder „Anakoluth“ oder „Polyptopton“ – oder wie sie alle heißen – denken musste.
Oder sei es, dass ich bei der Kirmes beim Wort „Autoselbstfahrer“ ins Schleudern geriet oder schon beim Wort „Düsenjet“ anfing besserwisserisch zu grinsen.

Und doch.

Da gibt es ein rhetorisches Mittel, das trägt den geheimnisvollen Namen „Oxymoron“. Mit diesem Wortungetüm verbinde ich eine Hassliebe.
Eben das, was das Wort beschreibt. Die Verbindung zweier vermeintlicher Gegensätze. Wie bei einer Hassliebe halt. Oder wie bei „Eile mit Weile“.

Oder wie in dem oben bereits zitierten Versen aus einem bekannten Spottgedicht. Das interessante an diesem Gedicht finde ich, dass es nicht möglich ist, eine Quelle dafür anzugeben.
Wikisource zuckt beim Nachforschen hilflos mit den Schultern:

Dieses Gedicht gibt es in vielen Varianten und es wird spekuliert, ob Goethe, Lewis Carroll oder Christian Morgenstern der Urheber ist, dies aber ohne jede Belege. Wahrscheinlich stammt es aus dem sächsischen Volksmund aus der Zeit um 1850. Dieses Spottgedicht ist ein exzellentes Sprachspiel das von seinen Oxymora und Paradoxien lebt.

Schön, da freu ich mich, dass ich dann hier fleißig und ausführlich zitieren darf, ohne dass ich in eine Abmahnwelle (s.a. Plumpaquatsch ) gerate und spontanes Surfen lernen muss.

Nun sei’s drum. Hier das Gedicht …

Dunkel war’s, der Mond schien helle,
Schneebedeckt die grüne Flur,
Als ein Auto blitzesschnelle
Langsam um die Ecke fuhr.

Drinnen saßen stehend Leute
Schweigend ins Gespräch vertieft,
Als ein totgeschossner Hase
Auf der Sandbank Schlittschuh lief.

Und der Wagen fuhr im Trabe
Rückwärts einen Berg hinauf.
Droben zog ein alter Rabe
Grade eine Turmuhr auf.

Ringsumher herrscht tiefes Schweigen
Und mit fürchterlichem Krach
Spielen in des Grases Zweigen
Zwei Kamele lautlos Schach.

Und auf einer roten Bank,
Die blau angestrichen war
Saß ein blondgelockter Jüngling
Mit kohlrabenschwarzem Haar.

Neben ihm ’ne alte Schachtel,
Zählte kaum erst sechzehn Jahr,
Und sie aß ein Butterbrot,
Das mit Schmalz bestrichen war.

Oben auf dem Apfelbaume,
Der sehr süße Birnen trug,
Hing des Frühlings letzte Pflaume
Und an Nüssen noch genug.

Von der regennassen Straße
Wirbelte der Staub empor.
Und ein Junge bei der Hitze
Mächtig an den Ohren fror.

Beide Hände in den Taschen
Hielt er sich die Augen zu.
Denn er konnte nicht ertragen,
Wie nach Veilchen roch die Kuh.

Und zwei Fische liefen munter
Durch das blaue Kornfeld hin.
Endlich ging die Sonne unter
Und der graue Tag erschien.

Dies Gedicht schrieb Wolfgang Goethe
Abends in der Morgenröte,
Als er auf dem Nachttopf saß
Und seine Morgenzeitung las.

Schönen Tag noch. :)

P.S.:
Ich schrieb von Trapattoni.
Trapattoni?
Okay, ein kleiner Exkurs (Ausflug) in geschichtliche Erinnerungen vom 10. März 1998. Man sollte den Herrn Trapattoni nicht so schnell vergessen. Auch wenn er inzwischen mit irgend so einem Lodda Maddeus in Salzburg den dortigen Verein trainiert.
Deswegen hier mein Tribut an dem, der es verdient (den Trapattoni, nicht den Lodda):
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Malageña salerosa

Eine Musik hat mich am Wochenende verfolgt. Sie kommt im Film „Kill Bill Vol.2“ vor:

„Malageña salerosa“ von Chingnon

Die Musik weckt Erinnerungen an vergangene Zeiten in mir.
Vor meinen Augen tauchen die beiden ehemaligen chilenischen Kneipenbesitzer Don Miguel und Don Gustavo auf.
Beide waren damals die Besitzer einer Traditionskneipe mit Namen „Lennet Kann“. Sie machten aus einer ehemaligen Printenkneipe eine Art europäisch-lateinamerikanischen Treffpunkt.

Don Miguel selber war klein und untersetzt und erinnerte ein wenig an „kleines dickes Müller“ oder an Ailton. Sein Lachen beherrschte er vollkommen. Lachte er, war es wie eine la Ola. Es pflanzte sich fort. War er mies gelaunt, dann herrschte selten gute Stimmung im „Lennet Kann“.

Sein Bruder Don Gustavo war das Gegenteil von ihm. Hager, mit scharfen, markanten Gesichtszügen und spärlich im Lachen. Ein wenig unterkühlt wirkend. Harte Schale, weicher Kern.

Beide wirkten wie Patt und Pattachon.
Wie Sonne und Mond.
Wenn beide in einer Linie mit ihrer Stimmung lagen, dann herrschte gnadenlose Flut. Die Stimmung schwappte wie eine Springflut durch die Kneipe. PISCO (chilenischer Traubenschnaps) machte die Runde und es herrschte Ausgelassenheit.

Und auf den Höhepunkt dieser Stimmung kam es dann immer zur Explosion, wenn Don Miguel zu seiner Single griff. Seine Lieblingssingle auf den Plattenteller legte und deren Kratzen durch die Lautsprecher tönte. Dann griffen Don Miguel und Don Gustavo gemeinsam zum Mikro.

„Malageña salerosa“

Es war die Erfindung von Karaoke, bevor es in jener Stadt jemand wusste, was überhaupt Karaoke war. Und wenn beide hinterm Tresen sangen, dann erstarb jedes Gespräch und die Aufmerksamkeit galt voll den beiden Brüdern. Selbst das Licht in der Kneipe schien geheimnisvoller. Ein Gänseschauerfeeling griff Raum in der Kneipe, wenn die beiden die hohen Töne des Liedes lange anhielten und vergessen machten, dass beide Raucher waren.
Die Kneipe gehörte ihnen und wurde zu ihrer exklusiven Bühne, wenn das südamerikanische Liebeslied an jene unbekannte schöne Frau erklang, an jener „Malageña salerosa“

Welch schöne Augen Du hast (Qué bonitos ojos tienes)
Unter diesen beiden Augenbrauen (Debajo de esas dos cejas,)
Unter diesen beiden Augenbrauen (Debajo de esas dos cejas,)
Welch schönen Augen Du hast (Qué bonitos ojos tienes)
Sie möchten mich ansehen (Ellos me quieren mirar)
Aber Du läßt sie nicht (Pero si tú no los dejas,)
Aber Du läßt sie nicht (Pero si tú no los dejas,)
Nicht einmal blinzeln (Ni siquiera parpadear.)

Anmutige Malageña (Malageña salerosa,)
Ich wünschte, Deine Lippen zu küssen (Besar tus labios quisiera,)
Deine Lippen wünschte ich mir (A tus labios quisiera)
Anmutige Malageña (Malageña salerosa,)

Und Dir zu sagen, mein hübsches Kind (Y decirte, nina hermosa)
Dass Du schön und bezaubernd bist (Eres linda y hechicera)
Dass Du schön und bezaubernd bist (Eres linda y hechicera)
Wie die Unschuld einer Rose. (Como el candor de una rosa.)

Wenn Du mich wegen meiner Armut geringschätzt (Si por pobre me desprecias)
Kann ich das verstehen (Yo te concedo razón)
Kann ich das verstehen (Yo te concedo razón)
Wenn Du mich wegen meiner Armut geringschätzt (Si por pobre me desprecias)

Ich kann Dir keinen Reichtum darbieten (Yo no te ofrezco riqueza)
Ich schenke Dir mein Herz (Te ofrezco mi corazón)
Mein Herz schenke ich Dir (Te ofrezco mi corazón)
Zum Tausch gegen meine Armut (A cambio de mi pobreza)

Anmutige Malageña (Malageña salerosa,)
Ich wünschte, Deine Lippen zu küssen (Besar tus labios quisiera,)
Deine Lippen wünschte ich mir (A tus labios quisiera)
Anmutige Malageña (Malageña salerosa,)
Und Dir zu sagen, mein hübsches Kind (Y decirte niña hermosa)
Und Dir zu sagen, mein hübsches Kind (Y decirte niña hermosa)
Dass Du schön und bezaubernd bist (Eres linda y hechicera)
Wie die Unschuld einer Rose (Como el candor de una rosa)
Wie die Unschuld einer Rose (Como el candor de una rosa)

Applaus tobte durch die Kneipe und PISCO war beiden gewiß.

Aber die Geschäfte liefen immer schlechter. Die Lateinamerikaner blieben aus und Don Gustavo ging seinen eigenen Weg.
Irgendwann hatte dann Don Miguel das „Lennet Kann“ weiterverkauft und wollte nach Chile zurückkehren.
Die Kneipe verlor ihren Glanz. Der neue Besitzer versuchte alles, den Geist des „Lennet Kann“ zu halten. Aber er war mit Don Miguel gegangen.

Drei Jahre später kehrte ich in jener Stadt zurück. Das „Lennet Kann“ existierte noch immer und auch der neue Besitzer war noch drin. Aber seine Augen verrieten, dass die Geschäfte noch schlechter liefen.
Ich fragte nach Don Miguel. Er sagte mir, dass Don Miguel wieder in der Stadt sei. Aber er kellnere nun. Er hätte auf dem Stadtberg gekellnert. Aber dort sei er gegangen. Man sagte, er sei in der neuen Kneipe am Bushof bei dem Museum.

Ich verliess die Kneipe und ging zu der Kneipe zwischen Bushof und Kaufhaus. Dort stand Don Miguel in seiner üblichen Pose: breit lächelnd hinter dem Tresen.
Ein riesiges „Hallo“.
Und ich fragte ihn nach seiner Schallplatte. Er lächelte traurig und sagte er hätte sie beim Umzug verloren gehabt. Aber das sei nicht schlimm, denn jeder hätte ihm damals bestätigt, dass er nicht gut singen konnte.

Er holte einen Zeitungsausschnitt aus seiner Tasche hervor. Ein Zeitungsausschnitt der BILD-Zeitung aus alten Tagen, zu der Zeit als er noch Besitzer vom „Lennet“ war:
Don Miguel am Brunnen unter Kaiser Karl, dem Erbsenkopf seinen Brunnen, vor dem Rathaus. Don Miguel mit Gitarre in der Hand.
Don Miguel lachte sein breites Lachen:
„Die Doofen schreiben, ich sei ein Stadt-Original geworden und spiele und singe dauernd am Karlsbrunnen. Ich kann überhaupt keine Gitarre spielen.“

Zurück in der Gegenwart klingt das Lied durchs Radio und der Moderator verweist zuvor noch auf Tarantinos Musikgeschmack und den Film „Kill Bill“.

In Gedanken fliege ich zurück.
Eine Zeitreise über die Musik.
Das Lied an die anmutige Rose Malageña bringt mich zurück in meine Vergangenheit …

WM Stadträte

„Ohohooooo Franz! Dass du deinem armen Tantchen keine Karten zur WM geschenkt hast!“ So tönt es momentan schluchzend durch Deutschlands Wohnstuben mit TV-Geräten.

In einem Werbespot steigt eine ältere Dame im eleganten konservativen hellen Zweiteiler einen Aufzug, wartet bis die Tür schliesst und fängt effektvoll an zu schluchzen. Dann lässt sie den obigen Satz ab und pufft den Nebenmann. Und neben ihr steht Franz Beckenbauer und spielt seine Lieblingsrolle:

Keine Ahnung von nichts aber mitlächeln. ;D

Eine jüngere Frau dreht sich um und faucht den Beckenbauer an, dass er wohl hätte mehr Dankbarkeit seiner Tante gegenüber zeigen können. Beckenbauer zuckt die Schultern und sagt einen Satz, den wohl jeder Zuhörer als Charakterisierung für ihn selber unterschreiben würde:

„Da kenn ich mich nicht mehr aus!“

:roll:
:roll:
:roll:
:roll:

Es gibt einen neuen Trend in München.
Türsteher in Diskotheken verfügen über Internetlisten, die sie heimlich immer wieder studieren.
Vor dem Münchener Rathaus stehen verschiedene Leute, die ebenfalls diese Listen besitzen und argwöhnisch jeden Menschen mit Aktentasche beaugapfeln und mit ihren Listen vergleichen.
Normale Kneipenbesucher schauen sich in diversen In-Lokalen jeden Besucher genau an und vergleichen mit diesen Listen.
Es ist unheimlich.
Offenbar haben sich ganz normale Bürger zu „Linzen und Partner“ entwickelt. Jeder ein „Sherlok Holmes und Dr. Watson“. …

Ich komme in eine Kneipe und will mir an der Theke ein Bier bestellen. Eine Menschentraube von Frauen umlagert einen lächelnden Mann, versperrt mir den Weg. Der Mann erscheint mir nicht sonderlich attraktiv, aber die Frauen mögen ihn offensichtlich. Drumherum stehen und sitzen Männer, die aufmerksam die Szenerie betrachten und mich aus den Augenwinkel mit Argusaugen misstrauisch beobachten.
Mühsam erkämpfe ich mir an der Theke ein Bier, werde aber dabei von den Frauen zum Teil mehrfach in die Seite gepufft. Ich soll wohl gehen. Kopfschüttelnd trete ich beiseite. Einen Mann, der mich mit leicht gekniffenen Augen betrachtet, frage ich, wer der Mann dort wohl sei.

„Stadtrat“, ist die kurz angebundene Antwort.

„Und die Frauen?“ frage ich.

„Keine Ahnung. Meine ist die im roten Mini. Und ihre?“ fragt er zurück.

„Ich bin allein hier.“

Seine Augenbrauen ziehen sich zusammen, als ob er einen Konkurenten in mir hätte.
Ich trinke aus und gehe.

In einer anderen Kneipe, eine durchschnittliche Frau an der Theke umlagert von lachenden Männern. Einsame Frauen drumherum. Als ich einer zu zwinkere, zeigt mir diese ihre kalte Schulter und starrt auf die Gruppe vor ihr. Ich frage den Kellner, wer jene Frau sei, die von Männern umlagert sei.

„Stadträtin“ sagt der nur und zuckt gleichgültig mit den Schultern.

Als ich eine offensichtliche Solo-Frau an der Menschentraube zu einem Drink einladen will, deutet diese auf einen Mann in der Gruppe um jener anderen Frau und weisst zugleich auf ihren goldenen Ring.

Es ist überall das gleiche. Seit dem bekannt wurde, dass Stadträte das Vorkaufsrecht auf 15 unvinkulierte WM-Karten für das Münchener Stadion haben, sind die Mitglieder des Stadtrats heiss begehrt.

Man/frau sucht Anschluss.
Man/frau will deren Freund werden.

Im Umkehrschluss öffnet einem der Satz „Ich bin Stadtrat“ magische Türen. Die VIP-Lounges öffnen sich wie von Märchenhand. Allerdings gibt es schon die ersten Stadtrat-Immitanten. Seitdem besitzen die Türsteher von Promi-Diskotheken jene Internetlisten. Ausgedruckt von der homepage der Stadt München, wo man alle Stadträte mit Bild abrufen kann.

Waren vorher die Stadträte noch die Langeweiler der Münchener Abendgesellschaft, so sind sie zu Sternchen der Bussi-Bussi-Gesellschaft aufgestiegen.

Selbst Kontaktanzeigen wie „Bayrischer Schmerbauchstadtrat sucht heisse Affäre gegen ein WM-Ticket“ werden inzwischen hemmungslos beantwortet. Leider beklagte sich jedoch jener Stadtrat, dass ihm besonders viele Heteros in Frauenkleider schrieben, nur um ein WM-Ticket zu ergattern. Er sprach sogar von organisierten Fussballfan-Clubs, die u.a.a. deren Pin-Ups auf ihn gehetzt haben sollen.

Auch andersherum wird inzwischen kontaktet:
„Australierin tut alles für Stadträte bis zur WM für ein Ticket“ und sollen auch schon Erfolg gehabt haben.

Der Oberbürgermeister Ude hatte inzwischen schon sein Unverständnis über diese neue Art des Schwarzmarktes den Kopf geschüttelt. Die normalen Bürger sollen doch lieber bei der Ticketverlosung teilnehmen, statt sich auf diesen Parallelmarkt herum zu treiben.

Beckstein hat dann auch gleich den Begriff aufgegriffen und dem Ude vorgeworfen, er würde nicht energisch genug gegen diese Parallelkultur vorgehen. Sowas würde nur die Integration der normalen Münchener Bussi-Bussi-Gesellschaft in die Normalität verhindern. Wer seine Hoffnung so einfach aufgebe, bei der Ticketlotterie zu gewinnen, der könne auch nicht hoffen, dass Integration mehr als nur Worthülse bleibe.
Trank sein Mass und liess sich gleich nachschenken.

Die WM ist noch knapp 130 Tage entfernt. Und für die meisten Bewohner einer Stadt mit WM-Austragungsort wird wohl das eigene Stdion nur über den Fernseher zu bewundern sein.

Ausser man ist Münchener Stadtrat oder ist mit einem befreundet. Dann hat man sein Ticket sicher.

Das Anrecht auf 15 Tickets der Münchener Stadträte hängt übrigens mit deren Engagement zur WM-Organisation und dem Stadionbau zusammmen. Denn jene Stadträte haben nachts unbemerkt von der schlafenden Öffentlichkeit in mühsamer schweisstreibender Kleinstarbeit das neue Stadion aufgebaut. Dafür haben sie sich 15 Plätze verdient. Bewiesen wurde deren nächtliche Arbeit durch die Beobachtung, dass viele während den Sitzungen schliefen, manche dabei sogar stehend.

Kein Wunder, wenn also der Beckenbauer-Franz in die Werbekamera seinen ambivalenten Satz runterleiert:

„Da kenn ich mich nicht mehr aus!“

Verdient ist verdient.

Sowieso.

Und ich hoffe, es hat dem Beckenbauer weh getan, als die alte Dame in der Werbung mit der Handtasche nach ihm puffte.

meint

Careca :wave: