Das Traktat des PentAgrion (Kneipengespräch)

Prolog

***

Tresen2

„Das Kölsch in der Hand ist aller Anfang Schand“, pflegte mein Vater zu sagen und trank am Wohnzimmertisch sein Altbier.

Das war damals. Wie der Vater so der Sohn. Damals hatte ich es auch gern getrunken. Mit einem Schuss Malzbier drinnen. Oder hin und wieder auch Himbeersaft. Selbst Berliner Weiße mit Himbeersaft war eines meines Lieblingsbiergetränke.

Berliner Weiße mit Himbeersaft und Trinkhalm. Strohhalm wurden diese vor 30 Jahren noch genannt. In frühester Jugend hatte ich manchen Fruchtsaft mit einem Halm aus echtem Stroh getrunken. Jene Halme hatten zwei Funktionen: zum Trinken von Säften im Sommer oder zum Basteln von Strohsternen im Winter.

Mit 16 Jahren kam für mich die Funktion „Berliner Weiße mit Schuss“-Trinken hinzu. Aber da waren die meisten Strohhalme schon aus Plastik und wurden fortan Trinkhalme genannt.

Altbier mit Schuss. Berliner Weiße mit Schuss. Später kam noch „Pils-Schuss“ hinzu. Und noch viel später lernte ich noch eine Spezialität des wilden Südwestens der Baadenser kennen: Hoepfner Weizenbier mit Bananensaft. Das war in Karlsruhe. Der Bananensaft machte das Weizenbier gerade noch genießbar. Die Karlsruher liebten das. Mir wurde jedes mal speiübel.

Wiederum etwas später verstand ich, dass Biere auch ohne „Schuss“, Trinkhalme oder Bananensaft schmecken können.
Bier pur sozusagen.
Aller Anfang ist halt schwer.

– Das Kölsch in der Hand ist aller Anfang Schand.
– Wie meinen?
– Das hat immer mein Vater gesagt, wenn er sein Altbier trank.
– Du weißt schon, wo du hier bist, oder?

Freilich wusste ich es. Der Wirt schaute mich fragend an und mein Nachbar hob herausfordernd seine Kölsch-Stange.

– Natürlich weiß ich das.
– Na also. Dann: „Prösterchen“.

Der erste Schluck Kölsch ist zwar immer der beste, aber nach der zweiten Stange ist das eh einem total egal. Und wir waren inzwischen schon bei der vierten Stange angekommen. Damit war das sowieso so etwas von total egal. Egaler ging es da schon nicht mehr. Hauptsache Kölsch. In meiner Münchener Kölschkneipe.

Er stellte seine Stange vor sich hin und drehte sich mir zu.

– Sag mal, hast du schon mal etwas total Verrücktes gelesen?
– Ich lese die BILD-Zeitung schon seit Langem nicht mehr. Maximal den Aufmacher und die Nackte von Seite 1.
– Nein, nein. Ich meine etwas, was jemand selber eigenhändig geschrieben hat.
– So wie das „Traktat vom Steppenwolf“?
– Jetzt nicht das Traktat von einem berühmten Schriftsteller wie Hesse oder so. Sondern von einer Privatperson.

Von einer Privatperson? Ich überlegte.

– Vor Jahren hatte mein Freund und ich mal eine Frau getroffen. Die hatte uns in einer Disko angemacht. Oder besser gesagt meinen Freund. Den hatte sie zu sich nach Hause abgeschleppt. Am nächsten Tag hatte mein Freund dann von ihr einen Packen Papier mitgebracht. So eine Art Traktat mit dem Titel „Himbeereis auf Stragula Oder: Colabüchse am Westwall“.
– Und?
– Ich hatte versucht, das Traktat zu lesen. Schon nach einer Seite musste ich kapitulieren. Es war so eine Mischung aus Hermann Hesse und Erich Fromm. Und absolut knochentrocken. Allein die vier Hauptwörter des Titels bestanden zur Hälfte aus mir unbekannten Worten. „Stragula“. „Westwall“. Das sagte mir alles nichts. Und der Inhalt war noch viel schlimmer. Dagegen ist Hesses Traktat vom Steppenwolf eine Wohltat zu lesen.
– Ja, so eine Situation kenn ich. Hast du das Traktat noch?
– Nein, ich nicht, aber vielleicht mein Freund.

Er nickte und nippte nachdenklich an seinem Kölsch.

– Soll ich ihn fragen, ob er es noch hat?
– Ich kenn jemanden, der ist offenbar auch auf so ein total schräges Dokument gestoßen.
– Ein Traktat?
– Es scheint so. Der Autor nennt sich selbst „Pentagramm“ oder „Pentagon“ oder so ähnlich.
– Pentagon? Ein Politischer? Aus den USA?
– Ein Holländer. Ich habs: „Pentagrion“ nennt der sich. Mit einem großen „A“ in der Mitte.

Er erzählte mir, dass dieser „PentAgrion“ seit 1999 zehn Jahre auf der Erde gelebt und seine Erfahrungen niedergeschrieben hätte. Es soll eine Studie im Auftrag der wissenschaftlichen Weltgemeinschaft des Planeten Usjh gewesen sein. Ins Internet seien dann diese Studien gelangt. Inzwischen seien diese aber dort nicht mehr auffindbar.

– Weißt du, als ich diese Studie zum ersten Mal las, dachte ich nur an eine Fiktion. So etwas wie die Bielefeld-Saga, nach der es Bielefeld eigentlich nicht gäbe. Oder wie jene Geschichte von den kleinen Leuten aus Swabedooda. Die mit ihren Pelzchen.
– Kenn ich. Eine süße Geschichte. Ich habe sie meinen Enkeln schon zum Einschlafen vorgelesen.
– Ein Stijn Van de Voorde hatte diese Studien ins Netz gestellt und nur durch Zufall fand ich in einem Unterverzeichnis seiner Homepage eine Übersetzung auf Deutsch.
– Hattest du dir die Studie abgespeichert?

Er verneinte.

– Ich hatte die Seiten eigentlich vergessen gehabt. Aber jetzt lese ich im Internet von einem Blog-Schreiber, dass der die Studie auch gelesen haben will.Und das wirklich Seltsame ist, der hat auch so einen komischen Namen gewählt wie jener „PentAgrion“.
– Welchen?
– „Tritterminus“ oder so. Ach ja, „Trithemius“ nennt der sich. Aber dann nicht nur das. Anfangs dachte ich, unter dem Eintrag des Trithemius wären nur dumme frotzelnde Kommentare zu jenem Beitrag.
– Was denn?
– Die fingen an, über schwarzes Internet und Illuminaten zu schwafeln.
– Illuminaten? Haben die zu viel Dan Brown gelesen?
– Hatte ich erst auch gedacht. Dan Brown ist ja momentan nach der Verfilmung seiner Bücher viel gelesen. Aber dann fingen die Kommentatoren an, immer wilder zu phantasieren.
– Wie das?
– Der Trithemius hatte ein Video in sein Blog reingestellt und darin tauchte ein Symbol auf mit zwei Buchstaben. Zwei „T“s. Aber zuvor war schon gemutmaßt worden, dass der PentAgrion mit dem Gründungsort des Illuminatenordens in Verbindung stehe.
– Mit Ingolstadt?
– Richtig. Und mit der großen Automobilfirma dort. Dem Audi.
– Na und?
– Die Diskussion begann just zu dem Zeitpunkt, als der Todestag von Jörg Haider sich jährte. Du weißt, das ist der, der in dem VW Phaeton in Österreich tödlich verunglückte.
– Und?

Er nahm einen Schluck aus seinem Kölsch. Fahrig wischte er sich seine Haare mit der flachen Hand zurück.

– Die graue Eminenz von VW ist doch der Piech, der Österreicher. Der hatte damals in Ingolstadt bei Audi sich hochgearbeitet. Und jetzt gehört dem quasi der VW-Konzern. Dort herrscht er wie Göttervater Zeus und hat dort seinen Phaeton in Dresdens Gläsernen Manufaktur erschaffen. Und mit diesem Phaeton soll er indirekt jenen anderen aufstrebenden Österreicher von der Straße gestoßen haben. Und dem VW-Konzern und somit dem Piech gehört doch die Ingolstädter Audi-Produktion. Und jetzt kommt es: Audi produziert seinen „Audi TT“ in der ungarischen Stadt Györ. Und jetzt ist Györ die Partnerstadt Ingolstadts! Und jetzt findet der Trithemius am Kamin seines Hauses die beiden „T“s wieder.

Ich schaute mir meinen Nachbarn an. Das waren mir entschieden zu viele „und jetzt“s, mit denen er anfing, mich zuzutexten. Er schien mir einen an der Waffel zu haben.

– Du glaubst, ich habe einen an der Waffel, nicht wahr?
– Du kannst Gedanken lesen.
– Warte erst einmal, bevor du urteilst. Du musst wissen, dass der berühmte Knigge bei Hannover lebte. Jener Adolph Freiherr Knigge. Der war auch mal ein Illuminat.

Die Geschichte langweilte mich langsam aber sicher immer stärker. Jegliches Verständnis dafür, was er mir überhaupt sagen wollte, das hatte ich schon lange nicht mehr. Ich trank mein Kölsch leer und orderte per Fingerzeig ein neues. Am Anfang war die Welt wüst und leer, bis jemand das erste Kölsch bestellte.

– Der Trithemius lebt auch in Hannover.
– Na und? Warum sollte er nicht? Aber was hat das mit Jörg Haider und seinem Todestag zu tun?
– Nicht Jörg Haider, sondern PentAgrion.
– Okay, PentAgrion oder wie der heißen mag. Was hat der damit zu tun?
– Sein Traktat. Ich hatte es damals auch im Internet gelesen.
– Wie schön für dich. Damit haste zweifelsohne dein Grundschulwissen angewandt, stimmts?
– Hör mal auf mich zu veräppeln.
– Ach ja?
– Als ich PentAgrions Studien gelesen hatte, zog ich gerade von Hannover nach Köln um. Ich hatte mir den Bookmark in Hannover gemacht, um die Studien nochmals zu lesen. Als ich in Köln meinen Computer wieder ins Internet brachte, führte der Bookmark ins Internet-Nirvana. Und kurz danach erhielt ich einen Job in Ingolstadt bei AUDI.
– Ach ja? Na, wie der Piech biste aber wohl nicht zum Chef von VW geworden, oder?
– Du nimmst mich nicht ernst!
– Wie sollte ich dich ernst nehmen? Wir sitzen hier zwischen Salzgebäck und Kölsch. In Münchens Kölschkneipe und nicht in Ingolstadt Kirmesbierzelt. Und du laberst etwas von erleuchteten Traktat-Autoren aus einer Stadt an der Isar.
– Donau!
– Oder Donau. Ist auch unwichtig, wenn es nicht der Rhein ist.
– Ingolstadt liegt an der Donau! Das Traktat selber wurde in Holland geschrieben.
– Und wenn die ganze Welt an der Donau liegt, es gibt keine Außerirdischen mit holländischen Sprachkenntnissen.
– Woher willst du das wissen?
– Weil E.T.s keine Wohnwagenführerscheine haben. Sondern sich maximal bei Steven Spielberg von Kindern an dem Mond vorbei schweben lassen.

Er schaute mich beleidigt an. Ja, sein Blick war regelrecht kalt geworden. Er nahm seine Geldbörse, kramte einen 20-Euro-Schein hervor, legte diesen auf den Tresen und ging wortlos.
Der Wirt schaute mich erstaunt an.

– Was ist denn mit dem los?
– Ach, der halluziniert.
– Komisch, das Fass Kölsch hatte ich heute Nachmittag extra frisch angestochen. Am Kölsch kann es nicht liegen.
– Der redete was von PentAgrion, Ingolstadt an der Oder und Traktaten von außerirdischen Holländern. Totaler Driss. Ich hoffe, der landet nicht demnächst in der Klapse.
– PentAgrion?

Der Wirt schaute mich ernst an. Nicht ein Minenzug schien mir Zustimmung zu signalisieren. Meine Verwirrung wuchs erneut.

– Du kennst doch nicht etwa auch den PentAgrion? Oder was?
– Ich lebte damals in Groningen in Holland. Meine Freundin rief mich damals am Sonntag Nachmittag über ihr Handy an. Sie wollte bei ihrer damalige Freundin in Amsterdam ein Manuskript abholen und daher dort übernachten. Sie fuhr daher spontan nach Amsterdam.
– Von Groningen nach Amsterdam?
– Es ist jetzt 17 Jahre her. Am 4. Oktober 1992, an dem Tag starb meine Freundin in der Wohnung ihrer Freundin. Der verdammte Flug El-Al 1862 krachte genau in den Amsterdamer Wohnblock. Genau dort, wo sich beide aufhielten. Ein Triebwerk der Frachtmaschine war genau in der Wohnung der Freundin eingeschlagen. Die Wohnung war komplett leergebrannt. Meine Freundin wollte nur kurz zu ihr hin. Am nächsten Tag wollte sie wieder bei mir sein. Sie meinte am Handy, es gehe um ein bedeutendes Manuskript. Eines holländischen Autors. Nie werde ich dessen Namen vergessen. Er hieß PentAgrion.

Komplett verwirrt starrte ich den Wirt an.
Wie komplett bescheuert muss denn eine Welt sein, dass alle plötzlich von jemandem mit einem total unholländischen Exotennamen reden, den die Welt nicht braucht?
Wut stieg in mir auf. Eigentlich wollte ich mich nur zerstreuen, ein paar nette Kölsch trinken und dann nach Hause. Der Abend war verdorben. Ich kramte mir einen 10-Euro-Schein aus meiner Geldbörse, legte ihn auf den Tresen und verlies wort- und grußlos die Kneipe.

PentAgrion. Mit einem großen „A“ in der Mitte.
PentAgrion. PentAgrion. PentAgrion.
Der Name ging mir nicht mehr aus dem Sinn. Kälte drang durch meine Jacke. Vor paar Tagen war es noch Sommer.
PentAgrion. PentAgrion. PentAgrion.
Mein Atem produzierte in der Kälte kleine Wölkchen. Der Winter war eingetroffen.
PentAgrion. Mit einem großen „A“ in der Mitte.

Schneeflocken tanzten um mich herum. Der erste Schneefall in München.

Der Wirt hatte mich total verarscht.
Hatte mir der andere nicht gesagt, dass PentAgrion erst ab 1999 in Holland lebte? Mal wieder klar: Wer nichts wird, wird Wirt und Geschichtenerzähler für Tresen-Hocker. Typisch. Und ich als dämlicher Gast glaubte ihm auch noch.

Der Abend war jetzt endgültig versenkt.

„Hoffentlich kann ich vor lauter „PentAgrion“ noch schlafen“, waren meine letzten Gedanken, als ich in den Kissen meines Bettes versank.

(Was danach geschah)

Das Hexen-Einmaleins

0:
Es ist der Ursprung. Der Ursprungspunkt. Undefinierbar. Wenn es keine anderen Standpunkte gibt, dann ist der Punkt nicht räumlich definierbar. Er ist überall und nirgends. Er wird als Beobachterposition gebraucht. Er ist da, aber hat keine Dimension, keine Ausdehnung. Einfach nur ein Punkt. Einfach nur anwesend. Mehr nicht. Er zählt nicht.

1:
Durch den zweiten Punkt ist es möglich, auf diesen aus der Richtung vom ersten Punktes aus zu schauen. Der zweite Punkt existiert, weil er vom Ursprung aus gesehen werden kann. Aber es fehlt die Möglichkeit den ersten Punkt zu beschreiben, es fehlt der objektivierbare Vergleich. Ob der zweite Punkt groß oder klein ist, ob er weit oder nah entfernt, all das ist nicht beschreibbar. Denn diese dimensionellen Begrifflichkeiten fehlen mangels Vergleichbarkeit.

2:
Erst mit dem dritten Punkt lässt sich der vorherige Punkt vergleichen. Wer von beiden größer ist, kann jetzt vom Ursprungspunkt aus beschrieben werden. Und es ist jetzt auch möglich die erste Verbindung herzustellen. Eine Linie kann zwischen diesen beiden Punkten definiert werden. Aber diese Linie ist ohne definierte Lage.

3:
Mittels des nächsten Punktes ist es möglich den ersten vorherigen Punkten eine definierte Lage zu geben. Der dritte Punkt ermöglicht Entfernungen zu vergleichen. Die Längen der Linien, die jeweils immer zwei Punkte verbinden, können jetzt untereinander verglichen werden. Zum ersten Mal ist es möglich zu sagen, wie weit die Punkte untereinander entfernt liegen. Die Begriffe „näher“ und „weiter“ bekommen einen Sinn.
Auch spannen zum ersten Mal alle drei Punkte über diese Linien eine Fläche auf: Das Dreieck.

4:
Wird ein neuer Punkt in das obige System eingefügt, wird damit die dritte Dimension ermöglicht. Natürlich ist es möglich, mit dem vierten Punkt ein Viereck aufzuspannen. Aber dann würde der Punkt in der Ebene der drei Punkte nur eine Position einnehmen, die auch jeder der drei anderen Punkte einnehmen könnte.
Mittels des neuen Punktes außerhalb der Ebene der drei anderen Punkte kann die Neigung der Ebene bestimmt werden, sollte die Entfernung der anderen drei zum letzten neuen Punkt unterschiedlich sein. Mit diesem Punkt ist es möglich einen Raum aufzuspannen, den ersten dimensionellen Körper auf, den Tetraeder, eine dreiseitige Pyramide. Der Körper nennt sich auch Vierflächner, weil deren vier Punkte mit ihren sechs Verbindungslinien vier Dreiecksflächen erzeugen, welche einen Raum umschließen. Das erste dreidimensionale Gebilde wurde geschaffen.

5:
Der nächste Punkt wird heikel. Denn vom Ursprungspunkt aus betrachtet können mit den anderen drei Punkten jede neue Punkt in dessen Lage beschrieben werden. Jeder Punkt ist so verschiebbar, dass der nun sechste Punkt ersetzbar ist. Dieser Punkt benötigt eine neue Dimension. Eine Dimension, die unabhängig von den anderen fünf Punkten ist. Dieser Punkt wird in die Zeit ausgelagert. Es ist der Zeitpunkt „0“. Er erinnert an den ersten Nullpunkt, den Ursprungspunkt „0“. Der sechste Punkt eröffnet lediglich die neue Dimension.

6:
Ein weitere Punkt muss der Zeit-Dimension hinzugefügt werden. Zusammen mit dem vorherigen Punkt kann ein Zeitstrahl errichtet werden. Die Lage der anderen geometrischen Punkte kann nun von verschiedenen Zeitpunkten aus betrachtet werden. Noch fehlen aber die Begrifflichkeiten wie „vorher“ oder „nachher“, „früher“ oder „später“. Daher wird es notwendig, einen weiteren Punkt in der Dimension der Zeit einzufügen.

7:
Dieser Punkt ermöglicht den Vergleich der verschiedenen Zeitpunkte. Genauso wie der Punkt „3“ es uns ermöglichte Vergleiche anzustellen. „Vorher“ oder „nachher“, „früher“ oder „später“ erhalten einen Sinn.Die geometrischen Punkte lassen sich im Wandel der Zeit betrachten.

8:
Nehme ich mir noch einen weiteren Punkt in der Zeitdimension hinzu, dann habe ich die Möglichkeit einen „Zeitraum“ zu errichten. Jetzt kann ich die geometrischen Figuren innerhalb eines Zeitraumes betrachten

9:
Bislang waren alle Punkte in den geometrischen und in den zeitlichen Dimensionen verteilbar. Beide Dimensionen sind vollständig darstellbar. Der neunte Punkt kann also nicht in diesen beiden Dimensionen liegen. Er liegt außerhalb unserer normalen Vorstellungswelt. Es ist der Punkt der alle Dimensionen umfasst. Die Abstraktion der Punkte zuvor. Das eigene Erleben.

Und somit wird man mit dem nächsten Punkt wieder auf Ursprungspunkt und dem ersten Punkt zurück geworfen:

Die 10

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Zu schwierig?

Dann gehe ich mal das ganze rückwärts.

9:
9 Musen gibt es. Genauso viele Köpfe hat die mythische Hydra. Im Alten Testament bezeichnet die „9“ die Vollendung des Schicksal. Im Neuen Testament starb Jesus in der 9. Stunde. König Arthur brachten 9 Könige ihre Gaben dar. Die Germanen hatten 9 Beurteiler eingesetzt, die eine Frist zum Urteilen von 9 Tagen hatten.

8:
Im Islam gibt es 8 Himmel, weil Allahs Barmherzigkeit um eins größer ist als sein Zorn (7 Höllen). Der Buddhismus kennt einen achtfachen Pfad, der zum Nirvana führt. In Israel wird am 8. Tag nach der Geburt die Beschneidung vorgenommen. 8 Menschen wurden in der Arche Noah gerettet. 8 steht im Neuen Testament für die Auferstehung. Das Jahresrad der Germanen hat 8 Speichen. Die Zahl 8 steht für die Unendlichkeit, denn wird sie hingelegt zeigt sich das Symbol, was auch in der Mathematik für die Unendlichkeit verwendet, die Lemniskate.

7:
7 Tage hat die Woche. Am 7. Tag ruhte Gott nach der Schöpfung der Erde aus. 7 Erzengel bevölkern den Himmel. Der Pharao sah 7 fette und 7 magere Kühe, 7 dicke und 7 dünne Ähren. Allahs Zorn hat 7 Höllen. Die Eröffnungssure des Korans hat 7 Verse. Alchemisten müssen zur Herstellung von Gold 7 Arbeiten durchführen. Die 7 Todsünden. 7 Chakras. 7 Teufel treibt Jesus aus Maria Magdalena aus.

6:
6 ist nach Meinung der griechischen Mathematiker eine vollkommene Zahl, da sie durch die ersten drei zahlen darstellbar ist. Gott erschuf binnen 6 Tagen die Welt und Jesus wurde am 6. Wochentag zur 6. Stunde gekreuzigt. Der Himmel der Chinesen ist 6-stufig. Das Druidenjahr beginnt am 6. Tag des Vollmondes. 6 Druiden schneiden den Mistelzweig.

5:
5 Finger hat die Hand. Der 5-zackige Stern, das Pentagramm, wird zur Abwehr des Bösen verwendet. Der Islam kennt fünf Säulen (Bekenntnis, 5-maliges Beten am Tag, Almosen, Fasten, Hadsch). Die Chinesen kennen 5 Richtungen (die vier Himmelsrichtungen plus der Mitte). Die Pythagoreer sahen die 5 als Zeichen der Ehe und geistigen Vervollkommnung.

4:
Es gibt 4 Temperamente, 4 Evangelisten, 4 Jahreszeiten, 4 Kasten der altindischen Sozialordnung, 4 Wahrheiten im Buddhismus, 4 Kardinaltugenden, 4 Elemente, 4 Himmelsrichtungen

3:
Die 3 gilt als die heilige Zahl schlechthin. Vater, Sohn und Heiliger Geist. Anfang, Mitte, Ende. Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. Wodan, Donar, Ziu. Weihnachten, Ostern, Pfingsten. Caspar, Melchior, Balthasar.

2:
Die Dualität, die Zweiheit. Ying und Yang. Männlich und Weiblich. Himmel und Erde. Gott und Mensch. Gut und Böse. Salzgebäck und Bier. Tag und Nacht. Das Alte und das Neue Testament. Zwitter. Zweifel. Zwietracht. Zwillinge. Vishnu und Shiva.
2 ist die Abspaltung von der

1:
Im Arabischen wird die 1 durch den ersten Buchstaben Alif ausgedrückt. Es ist auch das Symbol Allahs. Die Juden und Moslems akzeptieren nur einen Gott. Die 1 hat die Eigenschaft, dass sie mit sich selbst multipliziert unveränderlich ist.

0:
Die Erfindung der Null verdanken wir den Indern. Die indische Bezeichnung lautet „sunya“ und heißt übersetzt „Leere“. Die Araber übersetzten es mit „sifr“, woraus sich über das lateinische „zephirum“ bei den Engländern „zero“ und „cipher“, bei den Franzosen „zero“ und „cifre“ und bei uns das Wort „Ziffer“ entstand. Die arabische Ziffer für Null und das Zeichen der Null bei den Mayas haben die Form der Vagina. Die Null ist die Gebärmutter, aus der alle Zahlen entstanden. Die Zahl „Null“ gebar das Dezimalsystem. Führende Nullen werden in der Mathematik nicht geschrieben.
Führende Nullen in der Wirtschaft haben wir dagegen haufenweise. Und sie gebären die Zahlen, die uns nachher als Rechnung zum Begleichen überlassen werden.

Endgültig verwirrt?

„Du mußt versteh’n!
Aus Eins mach Zehn,
Und Zwei laß geh’n,
Und Drei mach gleich,
So bist Du reich.
Verlier die Vier!
Aus Fünf und Sechs,
So sagt die Hex’,
Mach Sieben und Acht,
So ist’s vollbracht:
Und Neun ist Eins,
Und Zehn ist keins.
Das ist das Hexen-Einmaleins!“

von Goethe

Über allen Gipfeln auf dem Dach der Welt

Nach der Lektüre von John Krakauers Bericht „In eisigen Höhen“ über die Bergsteigerkatastrophe auf dem Mount Everest im Jahr 1996 verfolgte mich für kurze Zeit ein Bild, dass die Routen vom letzten Hochlager bis zum Gipfel des Berges von erfrorenen Bergsteigern am „Wegrand“ eingerahmt sind. Eine Armee der Eis-Gewordenen auf dem Dach der Welt.

Absurd erscheint es, dass Menschen sich in gefährliche Grenzbereiche hinein wagen, ihr Leben als Preis für das Erklimmen des höchstens Erdpunktes in die Waagschale werfen. Im Endeffekt ist es höchstens paradox und surreal. Denn Menschen haben schon immer deren eigene Grenzbereiche ausgelotet.
Gut organisierte, kommerzielle Expeditionen auf den Mount Everest ermöglichen dieses Erlebnis. Die geplante Lebensgefährdung als kommerzialisiertes Kalkül. Der Gefriertod als ständiger Begleiter. Seit der Mount Everst bestiegen wurde, sind bislang mehr als 200 Menschen verunglückt. Abgestürzt oder in der Todeszone nahe des Gipfels schlicht erfroren. Mittels Google finden sich Bilder der Toten, die sich dort noch immer befinden, weil deren Bergung aus der Todeszone des Mount Everest zu gefährlich ist.

Durch Zufall erhielt ich nach der Lektüre des Buches von einem Arbeitskollegen den IMAX-Film „Everest“. Dieser Film wurde an den Tagen jenes Unglücks gedreht, über den John Krakauer schreibt. Im Film sieht es mühsam, aber doch recht einfach aus, wenn die Menschen den höchsten Punkt der Erde begehen. Der Film zeigt keine erfrorenen Bergsteiger. Und er zeigt auch nicht die direkten persönlichen Mühen. Das gelesene Buch im Hinterkopf war mir aber wie ein Untertitel zu dem Film.

Mir fiel dabei das Drama im vergangenen Jahr am Nanga Parbat ein, wo zwei Bergsteiger von einem Hubschrauber aus dem Berg gerettet wurden, nachdem beide zuvor ihren erfahrensten Bergsteiger „verloren“ hatten. In der Presse fand dieses Drama am Nanga Parbat ein großes Echo.
Etwa zu der gleichen Zeit stürzte ein Einkäufer eines großen französischen Autokonzerns mit seinen fünf Begleitern am Mont Blanc in den Tod. Dies fand in der Presse keine Beachtung. Von diesem Unglück erzählte mir ein Arbeiter jenes Autokonzerns. In einer Randnotiz fand ich später in Google das Unglück bestätigt.

Berge reizen mich nicht. Ich finde sie imposant, aber ich schaue lieber zu ihnen rauf. Persönlich bin ich eher derjenige, der am Strand aufs Meer rausschaut. Derjenige, der raus schaut und der hypnotischen Musik der Wellen zuhört.

John Krakauers Buch hat mich trotzdem fasziniert. Aber es hat mich auch darin bestärkt, mutwillig keine Berge zu bewandern oder gar zu erklimmen. Lieber setze ich mich den Tsunami- und Sonnenbrand-Gefahren an Stränden wie oben in meinem Blog-Header aus.

Nun ja, wahrscheinlich bin ich einfach nur pragmatisch bewegungsfaul.

Mit einem riesigen Danke gen Rio de Janeiro!

So etwas findet man nicht alle Tage in seinem Postkasten.
Insbesondere nicht diese zwei DVDs.
Deshalb nochmals mein Danke an das ARD Studio in Rio de Janeiro. Insbesondere an Thomas Aders vom ARD Studio Rio!

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Gemütlich brutal oder brutal gemütlich

Schreiben zwei Zeitungen über das Gleiche …
Klug ist, wer weiß, daß die Hälfte gelogen ist. Klüger ist, wer weiß, um welche Hälfte es sich hierbei handelt.

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Mörderdienstleistung

Zweimal habe ich hingeschaut. Doch. Da steht als Dienstleistungsangebot „Hinrichtungen“ am Computerladen, nicht „Einrichtungen“. Ich hoffe doch, dass es ein Rechtschreibfehler und nicht freie, soziale Marktwirtschaft ist.

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Guggst du – mein Taxistand-Guck

Was gibt es neues von meinem Taxistand? Finde die Unterschiede auf den drei Bildern und kreuze sie mit einem Teppichmesser an. Den ausgefüllten Monitor schicke dann bitte an die auf dem Bild unauffällig beworbend Telefonnummer. Erster Preis ist eine Taxifahrt zum Taxistand-Gucken.

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Suchbild

Nichts ist für die Ewigkeit. Vor paar Tagen hatte ich das obere Bild gemacht, heute das untere. Wo ist der Unterschied?

Soll keiner meinen, an Taxiständen passiere nichts.

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