Coming home for X-Mas (2)

Geliebte Geliebte,

die erste Nacht in fremden Gestaden war okay. Es war in der Nähe von der ehemaligen Gaststätte “Dicke Weib”. Am Emmerbach. Am See. Diesen verzierte eine dünne Eisschicht. Und am Ufer Schnee.

Schnee, geliebte Geliebte. Das musst du dir vorstellen. Allein die Erwähnung des Wortes “Schnee” führt dazu, dass die ganze Münchner Polizei hellhörig wird. Oder besser geschrieben “würde dazu führen, dass”. Denn die haben erst letztens massenhaft Schnee verbrannt. In München. Bei der Polizei. Schrieben die Zeitungen. Schreibe ich dir auch jetzt. Denn alles andere wäre ja rein undenkbar. Hoheitliche Aufgaben sind auch das Verbrennen von Schnee.

Habe ich dir mal erzählt, dass früher in Rio de Janeiro der Schnee nur ein Privileg der Reichen und Schönen war? Dann zusätzlich das Privileg der Polizei. Und dann das der Unterschicht. Aber du wohnst ja in München. Da gibt es keine Unterschicht. Höchstens Hartz-4-Empfänger. Und in deren Harz-4-Sätzen ist kein Koks mit einkalkuliert, außer das Koks, welches im Hausbrand Verwendung findet. Aber Hausbrand gibt es in Münchener Mietwohnungen eh nicht mehr. Die würden eh auf Kosten der Mieter energiesparmäßig aufgerüstet. Da gibt es Fernwärme und Gas und Heizöl. Alles CO2-konform reguliert. Hausbrand, das können sich nur noch die leisten, die Geld haben und in deren Heim ein Kamin befeuern können. Deswegen können die Kamine der Reichen auch weiterhin mit Holz, Papier und ja, und auch Koks befeuert werden. Es lebe die Demokratisierung des Hausbrands. Und sei es nur die eigene Schnapsbrennerei im eigenen Keller.

Und wenn denn mal ein Haus brennt, dann ist es nebenbei bemerkt kein Hausbrand, sondern eher eine Katastrophe für die Mieter. Oder anders betrachtet ein Beitrag zum Thema “Schöner Wohnen. Danach”. Also ein reiner Versicherungschadensvorfall und ne Arbeitsbeschäftigungmaßnahme für die Feuerwehrleute, die aus Langeweile gerade den neusten klandestinen Hausbrand aus Gustls Schnapsbrennversuchen zu verköstigen.

Geliebte Geliebte, ich war heute an der Düvelseik. Das ist ist regionales Homing-Speech. Auf Deutsch, heißt das Ding “Teufelseiche”. Ein Schaustück knorriger Natur in einem Regionalbezirk, welcher vor paar Hundert Jahren noch feucht und unwirtlich war. Ich traf jemanden, der sich “Dave R.T. Nuckel” nannte und mir eine Geschichte erzählte, die so unglaublich klingt, dass sie auch in den bekannten und  von allen favorisierten Mainstreammedien wie BILD-Zeitung, BILD-TV, WELT oder ntv hätte stehen können, wäre die Story nicht grad mal ein wenig länger als ein herkömmlicher Twitter-Post.

Es ging um eine Spinneleonore, einem Hoho-Mannecken, einem Rentmeister Schenkenwald, einer schwarzen Kutsche mit Mönchen und dem Unaussprechlichen höchstselbst. Ich habe mir die Rechte an seiner Kurzgeschichte gesichert und werde versuchen, diese über einen Buchverlag zu veröffentlichen. Die Erlöse der Veröffentlichung werden uns Wohlstand und Reichtum versprechen. Der Literaturnobelpreis sollte greifbar sein, wenn man mir wohl gesonnen sein sollte..

Und vom geplanten Erlös werden wir dann garantiert eine Reise in ein vom Chiemsee nicht entferntes Etablissement machen können. Zusammen. Gemeinsam ganz enthemmt. Sex pur. Ein Stundenhotel an der Dachauer Straße im Norden Münchens. Sollte dann die Erde beben, die Gegend südöstlich davon dabei flach gelegt werden, dann könnten wir sogar den Chiemsee mittels Ferngläsern vom Dach des Drive-In-Apartments sehen. Was hältst du von dieser Idee?

Geliebte Geliebte, es soll hier auch “Lost Places” geben, also Orte die verlassen wurden und die den Geist von vollprozentigen-Mysteriums atmen. Zwei Flugzeugabsturzstellen. Ein Flugzeug davon musste man aus dem Erdreich erst aus buddeln. Das andere knallte so in die Davert rein. Zwei Kreuze, zwei Tote. Dazu noch ein Schießübungsplatz und verlassene Kasernen. Das hört sich an wie in Bayern Landsberg, wo nicht nur Hitler einsaß, sondern wo auch unterirdische Startbahnen geplant wurden und wo in dessen Frauenwald nur noch die Ruinen davon übrig sind. Ich werde dieser Sage hier nachgehen. Es kann nicht sein, dass so etwas in Vergessenheit gerät, woran sich eh keiner mehr dran erinnert.

Ach ja. Deswegen bin ich ja nicht hier. Heimreise war das oberste Ziel. Mutti besuchen.  Bürgertests durchführen. Lächeln hinter der FFP-2-Maske an Eingängen, damit die eigenen Augen strahlen. Das ist ungewohnt. In Bayern hat mir die FC-Bayern-Armbinde immer gereicht, um Einlass zu bekommen. Mir wurde gesagt, dass das maximal noch hier im Westfalen-Lande in Lippstadt, dem Heimatort vom Ex-Bayern-Vorstand KHR (Karl-Heinz Rummenigge) klappen könnte … nur wenn ich Bayern erwähne, ernte ich immer nur hasserfüllte Blicke.

HG Butzko hatte ich geschrieben. Er wollt mal wieder unbedingt Mettigel, so hab ich sein letzten Beitrag interpretiert.. Auf deutsch, München geht gar nicht. Typisch. Schalke 05  hatte sich doch extra in Liga 2 platziert, weil es dort von schlechten Mettigeln und hundsmiserablen Currywürsten in den Stadien Bayerns sicher war. Mettbrötchen gibt es in München nur als “Mett-Baguette” und die sind so knusprig wie ne Münchner Weißwurst. Und Currywürste in der Allianz-Arena? Darüber schweigt des Sängers Höflichkeit.

Geliebte Geliebte, ich bin nicht hier um Bayerns Glanz und Gloria (auch nicht von Thurn und Taxis) zu polieren, denn dafür gibt es in Bayern eine eigene Abteilung. Ich wollte dir schreiben, wie ich meine Vergangenheit hier aufarbeite. Hier im Westfalenland außer Rand und Band. Hier im Münsterland. Hier als Davertnickel. Geht so etwas überhaupt? Ich gehe in mich und konfrontiere mich mit meiner eigenen vergangenen Leere als schwarzes Loch einer expandierenden vorwärtsschauenden Vergangenheit. Geht das überhaupt?

Bis dahin, gehabt dich wohl, geliebte Geliebte.

Biss denne

Coming home for X-Mas (1)

Geliebte Geliebte,

die Fahrt in so eine weit entfernte Stadt, in der ich mal beheimatet war, ist nicht wirklich ein Vergnügen.

Ich verstehe die Autofahrer nicht. Die Langsamen fahren langsam und behindern mich am Überholen. Und die Schnellen, ja, die drängeln. Immer. Können die  nicht mal ne Minute warten, bis ich den Kleinstwagen-Fahrer vor mir überholt habe? Muss ich denn mit 180 überholen? Es reicht doch auch, wenn die Audi-RS-Fahrer mal für drei Minuten 140 fahren, oder?

Und dann diese Kleinstwagenfahrer mit deren Tucktuck-Mobile, diese Klein-aber-oho-Fetischisten mit einem Ego so breit, dass es von der linken bis zur rechten Leitplanke langt. Ist das hier ne Carrera-Rennbahn, ihr Boomer? Immer wollen die dann überholen, wenn ich von hinten komme und dann bremsen muss. Ja, Herrschaftszeiten, ist das etwa umweltfreundlich? Die können doch auch mal mitdenken und verhindern, dass ich unwirtschaftlich fahren muss. Aber nein, was zählt, dass ist mal wieder deren Freiheitsbegriff. Bruchrechnung. Zählung durch Nennung. Ich zähle nicht. An mich denkt mal wieder keiner. Und wenn dann hinter mir der nächste Audi RS, Porsche, BMW M-Klasse, Mercedes sowieso die Lichthupe zieht, dann möchte ich am liebsten ne Vollbremsung hinlegen, auf dem Mittelstreifen anhalten und dem Knilch in seinem sportlichen Gesches erklären, er solle sich doch bei den Asphaltbasen vor mir beschweren. Aber mir, mir kann man doch die Fahrweise meiner Vorfahren doch nicht anlasten. Da sind doch ganz andere Schuld, dass die deren freie Fahrt als freie Bürger nicht erhalten bekommen.

Ja, geliebte geliebte, man solle doch logischerweise all diesen Kleinstwagen und deren anderen Geschwindigkeitsunwilligen die Fahrerlaubnis entziehen.

Gut.

Vor einem Jahr, als diese Corona-Pandemiebegann, da haben wir alle von “Entschleunigung” geredet. Weißt du noch, wie unsere Mutti mit dem Rollator noch schnell in den Supermarkt wollte? März April 2020.

“Mach langsam, Muttchen, nur keine Hektik. Entschleunige dich mal.”

Gut. Sie war dann stinksauer, weil, als sie ankam, war der Supermarkt bereits drei Minuten zuvor in seiner Ladenschließung-Zelebration. Meine Mutti diskutierte noch mit dem Türsteher, der darüber wachte, dass nur exakt so viele Menschen im Laden sein durften, bis dass die amtliche Strafandrohung greifen konnte. Nur dieser Mensch von Kleiderschrank, schwarz gewandet wie jener Mr. Smith aus dem Film “Matrix”, jener “Homo Erectus”  war ob jener Argumentation, dass sie och nach Klopapier und Nudeln schauen würde,der war unfähig, kompetent zu antworten. Selbst der Marktleiter schaute vorbei und meinte lakonisch “Nudeln und Klopapier? Gerade aus”. Wozu der schwarz gewandete Kleiderschrank anmerkte: “Geradeaus habe ich auch nichts. Aber schau, Muttchen, wenne keine Nudeln zum Kauen hast, brauchste auch kein Klopapier. Verzichte mal auf die Nudeln. Wirste auch nicht fett. Brauchste auch weniger Vitamin D.”. So kam meine Mutter entschleunigt heulend am Rollator wieder nach Hause.

Entschleunigung. Warum fährt dieser Knilch vor mir auch so langsam? Verständlich. In dessen Alter ham die es nicht so sehr mit dem vorzeitigen Exitus. Dem Sterben an sich. Jener hat sicherlich noch 50 Jahre hin, bis dass er in jenes Gras beißt, welche wir Alten ihm erst noch säen werden und jener dann zu einem Wald oder Industriestandort umfunktionieren wird. Ich wette, der wird an einer Straßenkehre beerdigt. Da, wo die Randstreifenbegrünung noch fröhlich Urständ fiert.

Überhaut. Hat sich schon jemand Gedanken darüber gemacht, dass Autobahnen der Hort des Grünen sind? Ein Kilometer Autobahn bedeutet drei Kilometer Grün: jeweils einen Kilometer an den Rändern und einen in der Mitte. Und neuerdings werden Lärmschutzwälle daneben gebaut. Das heißt, ein Kilometer Grün auf der Walloberseite und jeweils einen an dessen Wallhängen. Beidseitig der Autobahn. Macht summa summarum neun Kilometer Grün pro Autobahnkilometer (… na? hat jemand nachgerechnet, ob’s stimmt? …). Warum dann  nicht mehr Autobahnen gebaut werden, um uns Bürgern mehr Grün zu spendieren, versteh ich nicht.

Stattdessen will jeder ein Eigenheim mit Kiesgarten davor. Kiesgarten oder Steingarten. Der letzte Schrei der Häusle-Besitzer. Macht keine Arbeit, lockt keine lästigen Insekten an, welche man dann abends im Hause mit dem ökologischen Bio-Fliegenspray wieder von den Design-Polstermöbel vernichten muss; keine ekligen Nacktschnecken, die nichts finden zum Anziehen, weil im Steingarten keine Blätter gedeihen; keine Einbrecher, die selbst auf leisen Sohlen im Kiesbett (oder Steingarten) Krach machen würden und einem im gesunden Schlaf oder bei der wichtigen Meditation stören würden … ja so ein Kiesgarten, respektive Steingarten, der hat doch auch seine Vorteile. Einfach nur mit dem Gartenschlauch kurz abspülen und weg ist der Dreck. Sauber isses.

Geliebte Geliebte, die Fahrt ist eintönig, es herrscht kaum Verkehr hier auf der Autobahn. In meiner Playlist läuft gerade zum vierten Mal Chris Rea “Driving home for Christmas”. Chris Rea, der alte “Running on empty”-Philosoph. Ich laufe auch gleich auf empty. Nur noch ein Strich auf meiner Tankanzeige. Das Fahrzeug läuft super. Mit Super super. Eins fuffzich hatte der Liter an der letzten Tanke gekostet. Eins fuffzich: genau so wie der Abstand bei der AHAL-Regel. Der Verbrauch des Fahrzeugs ist auch akzeptabel: von 4 Liter bis 15 Liter auf 100 Kilometer ist alles machbar. Inklusive Abstandwarnung.

Lediglich das bordeigene Navi nutze ich nicht. Dann doch lieber die App meines Smartphones. Bei der werden auch die Blitzer vermerkt. Auf Englisch gibt es dann  noch die Stimme vom Weihnachtsmann: “Now, turn right. And ring the sleight bells. Ho ho ho.”

Ho ho ho. Am Anfang fand ich das noch witzig, dieses Ho-ho-ho-Männeken..Gut. Auf der Autobahn meldet sich das Smartphone bislang selten. Kein einziger Blitzer. Polizei in Weihnachtsstimmung. Es wir ein kostengünstiges Weihnachtsfest.

“Guten Tag. Sie wissen, warum wie Sie angehalten haben? Zu schnell, zu dicht aufgefahren, Lichthupe, rechts überholt, Stinkefinger gezeigt, ausgebremst. Das macht 1500 Euro Sofort-Kasse. wir nehmen auch ihr Fahrzeug in Zahlung. Sammeln Sie Punkte in Flensburg? Keine Sorge, die lassen wir Ihnen kostenlos nachtragen. Sie sollen doch auch noch für später etwas haben. Frohe Weihnachten, Merry Christmas. ho ho ho.”

Geliebte geliebte. Ich bin bei Lüdenscheid. Die A45 ist gesperrt. Im Herzen von Merz-County. Sauerland. Siegen hatte ich bereits hinter mir gelassen. Ich erinnere mich an das Lied von Pete Wyoming Bender und sein Anti-Siegen-Lied. das war im November 1981. Das ist schon sechs Beziehungen her.

Mann, Mann, Mann, waren die Einwohner von Siegen angepisst, die männlichen Einwohner besonders: “Nie mehr siegen “ (“ und das als Mann. Nie mehr siegen, ob ich das kann … und ob ich auch siegen will, hat man mich nie gefragt” …) . Pete Wyoming Bender. Lang ist’s her. Ob sich hier noch wer dran an ihn erinnert?

Ich muss jetzt wieder auf den Fahrersitz klettern, den Autopiloten mit der Sprachsteuerung im Menü deaktivieren. Muss leider wieder selber fahren. Das wird jetzt stressig.

Ich schreib dir wieder, wen ich in der Gebrauchsanweisung gefunden habe, wo ich den Autopiloten und seine Sprachsteuerung im Menü deaktivieren kann und ich ihn später wieder aktiviert bekomme. Ich hoffe, 200 km/h erreicht meine Stimme zeitlich noch vorher das Mikro bevor ich am Ziel bin. Einstein hatte da mal gesagt, wo ich mir nicht ganz sicher bin, ob er damit auch bei einem PKW-Autopiloten in seiner wissenschaftlichen Aussage recht hat. Denn damals gab es so etwas ja noch nicht. Den Vordersitz zu erklimmen, wird noch ein wenig dauern. Wird schon alles gut gehen.

Bis dahin, gehab dich wohl, geliebte Geliebte.

Bis denne.

Über kreisende Berge und geborene Mondkälber

»Und an dieser Stelle, meine sehr verehrten Herren und Damen Politiker hier anwesend im Saale, möchte ich nun nachfragen, ob Sie eventuell ein unübliches Getränk zu sich genommen haben. Denn Sie sagten unvernünftiger weise bereits …«

»Stopp! Stopp! Das geht so nicht.«

»Was geht so nicht?«

»Ihre Rede ist ja komplett für Somnambule. Professor Hastig der Sesamstraße wäre zu Ihnen bereits die reinste Redekanone.«

»Professor Hastig? Wer soll das sein? Ein Somnambuler?«

»Manno, im Vergleich zu Ihrer Rede erregen zwei Schnecken mehr Aufmerksamkeit, wenn die statt Ihner am Rednerpult einfach nur vögeln würden.«

»Schnecken vögeln für Aufmerksamkeit?«

»Sagen Sie doch einfach: ‚Und an dieser Stelle, Ihr Poly-Ticker hier im Saale, habe ich nur eine Anmerkung: Ob Sie Lack gesoffen haben, habe ich gefragt’«

»‘Lack gesoffen’? Wer tut den so etwas?«

»Ihre angesprochenen Leute. Die vor Ihrem Rednerpult.«

»Die sollen Lack saufen?«

»Das ist Rhetorik!«

»Lack trinken, das könnt ich noch verstehen. Also so ein Mal, so aus Irrtum. Aber Lack saufen, so regelmäßig in Übermaß? Das schlägt doch auf den Magen, oder etwa nicht?«

»Man, hey, das ist Rhe-to-rik! Das ist doch nicht wörtlich zu verstehen!«

»Nein?«

»Nei-en! Das ist lediglich eine kalkulierte Verbalinjurie!«

»Aber warum soll ich denn so eine Beleidigung aussprechen?«

»Weil, politisch Korrektes können Sie ruhig anderen Volltrotteln überlassen. Sie aber müssen mitreißen, bewegen, aufwühlen, Widerspruch erzeugen, kontrovers sein.«

»Und für so etwas nehme ich dann an, dass die anderen Lack saufen?«

»Mann, oh Mann.«

»Ich kannte da mal ein Elternpaar, die hatten einen Sohn, der hatte mal Lack getrunken. Sie hatten es nicht verhindert. Weil sich dessen Widerstandskraft und Immunsystem auf Umweltgifte einstellen sollte, meinten sie. Danach hatten die den Lackhersteller verklagt, weil dessen Warnung auf der Dose für Kinder nicht deutlich genug lesbar gewesen sein sollte. Und den Hersteller der Gegenmedizin.«

»Darum geht es nicht, ob Sie irgendein, so ein Vollhorst-Elternpaar kennen …«

»Lehrerin für Deutsch und Religion und er Ingenieur. Beide Akademiker. Sie prozessierten bis zur letzten Instanz.«

»Mir doch egal. Ihre Geschichte interessiert keine Sau. Was zählt, ist die Rede. Es geht darum, was Sie mit Ihrer Rede bewirken. Und wenn nachher alle Lack saufen sollten, okay, nicht Ihr Problem, okay, das kann Ihnen doch letztendlich egal sein.«

»Ja aber ….«

»In Ihrer Rede kann es nur um das eine gehen: wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, kommt der Berg zum Propheten. Darum kreist Ihre Rede. Ihre Rede muss einschlagen, wie ein Berg bei den Propheten. Also nochmal das Ganze!«

»Und an dieser Stelle, meine sehr verehrten Herren und Damen hier im Saale, habe ich nur eine wichtige Anmerkung, die mir mein Redenschreiber vermittelte: Lack reißt mit, Lack bewegt, Lack wühlt auf und erzeugt Widerspruch. Seien sie kontrovers, kaufen Sie Lack. Das schlägt ein!«

»Saufen! Nicht ‚kaufen‘, Dämlack!«

»Äh, saufen. Also nicht kaufen, Sie Dämlacke!«

»…«

»Besser?«

Chiffrierte Drohung eines Kriminellen am Nikolaustag

Prolog:

Adventskalender, Adventskalender, was schaust du so traurig rein?

Adventskalender, Adventskalender, durfte ich nicht bei dir rein?

1. Dezember: Schokorute

Zielorientiert schlug ich des Nachts im Dunkeln dein erstes Türchen ein,

War’s nicht so, wie du es dachtest, hätt’s nicht Mitternacht sollen sein?

2. Dezember:  Schokoschwert

Dein zweites Türchen im Dunkeln ich ebenfalls energisch hab aufgemacht,

Du warst ob meiner nächtlichen Penetration nur ein wenig mehr aufgebracht.

3. Dezember: Schokoriemen

Dein drittes Türchen im Halbdunkeln mit einer Linken ich hab aufgeschlagen

Sag mir, was wagst du, ob fehlendes Lichts so dreist auch noch dich zu beklagen?

4. Dezember: Schokobolzen

Durch dein viertes Türchen dessen Öffnung ich mir kompromisslos organisierte,

Verstehst du nicht, dass der vollendete Einlass ob meiner Verwegenheit mich zierte?

5. Dezember: Schokobärchen mit Zauberstab

Hinter des Türchens Nummer Fünf, bewusst geplant war’s von mir am helllicht Tag,

Denn bei Tageslicht ist’s einfach lecker, cooler, sinnlicher, wie ich es nun mal so mag,

Wollt ich sehn das jed Herz höher schlagen Lassende, das schokobraune Bärchen,

Ein besser Fest wär’s mir gewesen, gewesen wär’s eingecremt und ohne Härchen.

6. Dezember: Nikolaus und Knecht Ruprecht

Am nächsten Tag des Mittags, mich ehrlich total voll freute des sechsten Mals mit vollstem Recht,

Hinterm Türchen lauernd warst du, Adventskalender, zitternd, mit Nikolaus und Knecht Ruprecht.

»Knecht Ruprecht«, riefst du, »alter Gesell´,

Heb deine Beine und spute dich schnell!

Für miese Säcke wie ihm hier, diesem gefährlich Männe,

Der maximal nur so denkt mit dessen Schwanzes Länge,

Triff ihn mit deiner schweren Rute in sein Gemächt,

Mit voller Kraft, bitte, ich will nur eines sein: gerächt!

Nikolaus, deck mich!

Ruprecht streck dich!

Den Stahlknüppel drauf, auf diesen Sack!«

Dunkel wurd’s mir danach in meinem Frack.

7. Dezember: Schokopampe

Durch die vergittert Türe reingeschoben von Knecht Ruprecht Nummer Zwei

Erhielt ich einen Essensnapf, irgendwas ehrloses, offensichtlich Zwieback-Brei.

Im Folgenden: Schokolos

Derweil eine Lehre sich mir brannte ein in mein Hirn,

Gravierte sich mit Denkerfurchen hinter meine Stirn

Dass vorm Türchen-Öffnen abzuchecken es unheimlich wichtig nun mal ist,

Mit welch Knecht Ruprecht so ein ehrloser Adventskalender verbandelt ist.

Paar Tage später:

Nikolaus Nummer Zwei, ungefragt es wagte, zu sprechen mir ins Gesicht,

Mit mega faltig Munde er sprühte seine elend Galle wie voll giftig Gischt,

Mich zutextete mit Fehlurteil, dann treffsafe ich verächtlich bespuckt ihn hab deswegen.

Erneut in einer Zelle dann, drei Stunden Respekt-Einnorden ich musste lehren Zell-Kollegen,

Bis ich den Dulli hatte voll geschwächt,

Brav krault er mir jetzt mein Gemächt.

Wichtig ist’s, all Knastis um mich rum wissen, wo ich stehe,

In der Rangfolge eben immer oben, ansonsten … wehe, wehe!

Ein Jahr später

Ein Jahr in Zelle Sieben, als Pedant, mein Zellentürchen stets im Blick,

Für danach nun alles safe geplant, nicht bloß bis zum nächsten Fick

An meinem Freedom-Day in fünf Jahren, ich werd’ durchschreiten dies Türchen mit Gitter,

Bin ich dann raus, ich sag’s dir nur einmal, Adventskalender, du, für dich wird’s bitter!

Epilog:

Eine etwaige Ähnlichkeit mit lebenden, toten oder anderen Affen unserer Gesellschaft wäre rein zufällig, allerdings wäre es leider auch unvermeidlich.

Das Wort des Jahres für eine Sekunde

»Und dann, sie mit mir im Dunkeln am Strand, dann sie zu mir so, mit einem Tränchen im Auge: “Du Hengst!”«

»Hat sie nicht gesagt.«

»Doch hat sie. Ich schwör!«

»Nee, sagte sie nicht. Sie meinte, du hängst.«

»Sag ich doch.«

»Sie meinte, du hängst. Du mit deinen Piercings. Hängen kommt von hängen. Hängen wie aufhängen, abhängen, weghängen, durchhängen, mit-hängen und so. Hast dich in ihr verhängt?«

»Also doch Hengst.«

»Nicht Hengst. Hängst. Hängst mit “ä”.«

»Nein.«

»Doch.«

»Oh. Woher weißt du das?«

»Grundschulabschluss. Vierte Klasse. Nach Diktat erfolgreich bestanden. Das Diktat war lächerlich. Echt. Zum Wiehern.«

»Du Hengst, du.«

Männer hart wie Hufeisen, die den Sonnenuntergang suchen

Im Jahre 1985 wanderte Detective Captain John Book mit einer kleinen Gruppe seiner Santa-Baum-Gemeinde von Kalifornien mit einem Einbaum nach Europa aus.

Die Meisten des gemischt-geschlechtlichen Einbaums kamen aus dem Raum um den Ort “Peter Total Weir” bei Pennsylvania. Jene Amish-Leute, wie sie auch heute noch genannt werden, leben wie vor Jahrhunderten. Sie wenden sich nach wie vor gegen den technischen Fortschritt wie Dieselmotorensoftware, Alexa, Siri, Hey Google und andere Angebote der modernen Welt. Sie benutzen Pferdefuhrwerke, aber nicht Holzvergaser und trotz Sonnenwind-Mühlen verzichten sie dafür auf Elektrizität, lebten somit ohne Telefon, BILD-TV, Springer-Verlag und anderer dieser populären Mainstream-Medien. Vorwiegend betreiben sie Farn- und Farmwirtschaft. In ihrem Glauben lebend verweigerten sie als Pazifisten den Kriegsdienst. Ihre Gewaltlosigkeit geht sogar soweit, dass sie sich selbst, wenn sie angegriffen werden, nicht zu Wehr setzen.

Einige von ihnen vertrauten in Gott. Sie vertrauten dermaßen in diesem Über-Begriff, dass sie eben einen zusätzlichen Emigrationsschritt ein weiteres Jahr später von Florida mit der Fähre nach Genua unternahmen und als Bio-Baumheilige darauf wie weiland Attila Hiltmann, der vegane Alpen-Ötzi-Überquerer, erschöpft die Gegend um München herum besiedelten. Sie nannten den Stadtteil “Stadt der jungen Gesendeten”, der jünglich Gesendeten, der Sendlinger, und waren somit den Archäologen weit voraus, die meinten Sendlinger wären von gestern. Was nicht stimmt, denn Sendlinger sind nachgewiesenermaßen von vorgestern. Als Gesendete taugten sie immerhin noch als Bauernvolk für das Blutweihnachtsmassaker, während deren Obrigkeit dabei in Brüssel bei Champagner und Knabbereien verweilte und über die Faktenlage entschied. Im 1900 Jahrhundert, als es noch kein WhatsApp gab, aber Tinder in den Adels-und Kirchenkreisen schon fuckable war.

John Book ist somit der letzte Überlebende für Gerechtigkeit und Gnadenlosigkeit unter Amish-Leuten. Aber wen interessiert so etwas noch? Wen interessiert so etwas überhaupt noch, während bei er Dieter-Hildebrandt-Schule eine neue Turnhalle vor meinem Fenster erschaffen wird. Der Acker dazu ist als archäologisch neutral deklariert worden.

Von Westen erleuchtet in den Schluchten der Schule die Sonne das Baugebiet. Die untergehende Sonne wirft rötliche Strahlen ins Baugebiet. Ein Kran ragt in der Höhe. Unterhalb der Kabine drohen vier Scheinwerfer der Dunkelheit derer Nacht zum Tage werden zu lassen. Und das bedeute immer ab sechs Uhr dreißig.

Es ist Wochenende. Kein Scheinwerfer glüht. Die Baustelle ruht im Dornröschenschlaf. Die Bauarbeiter aus Osteuropa sind noch nicht eingetroffen. Deren Wohndorf aus gestapelten Containern steht bereit. Arbeitsbeginn ist noch etwas entfernt.

Der erste Advent ist am Vorübergehen. Die Sonne geht unter. Der klassische Sonnenuntergang. Viel Kitsch, viel rot. Ein richtiger männlicher Sonnenuntergang. Die dritte Schachpartie zwischen Magnus Carlsen und Jan Nepomnjaschtschi blieb heute ohne Prickel-Effekt. Obwohl Nepomnjaschtschi eine halbe Stunde über einen Zug nachdachte. Ein Spiel, zwei harte Kerle, drittes Remis, erste Langeweile.

Noch brennt das erste Licht auf meinem virtuellen Adventkranz meines Monitors. Draußen ist es dunkel. Und diese wirkt auf mich ein. Ich kämpfe gegen meine Müdigkeit an. Gegen meine Ich-will-nicht-ins-Bett-Attitüde.

Meine Corona-App zeigt mir eine Begegnung mit niedrigem Risiko am letzten Montag, am 22-November. Alles grün. Am 22ten war ich nur in der Firma und dann zu Hause. In den letzten 14 Tagen mussten inzwischen schon einige mener Firma in Quarantäne. Ungeimpfte. Mit leichten bis schweren Symptomen. Und jetzt vierzehn Tage ohne Einkommen zu deren Auskommen.

Für Ungeimpfte wird es immer enger. Ich hoffe, wir Geimpfte verlassen sie nicht, auch wenn jene uns bereits als schuldig Verstoßene klassifiziert haben mögen.

Täter-Opfer-Umkehr in deren Sinne. Mainstreamangehörige. Jene, welche blind BILD und Co verfolgen, und somit deren Absolution haben. Die Springer-AG-Jünger. Jene werden sich nie als Mainstreamangehörige einordnen, weil die Springer-AG bereitwillig die Querdenker unterstützt und folglich somit nicht ARD/ZDF/FAZ/WAZ/SZ/etc, welche der Springer-Verlag auch nicht von der Polemik der „Lügenpresse“ in Schutz nehmen wird, weul sie ein Blatt der Opportunisten für Opportunisten des Populismus meiner Meinung nach ist. Weil eben jene anderen immer verwerfkicherweis pro Regierung sind und somit per Springee-Definitionem volxfern, wie es halt die BILD-Nation wohlwollend schweigend nickend goutiert. Meine Meinung.

Egal.

Gut. Okay. Ich habe keinen Bock mich über Ungeimpfte auszulassen.

Warum habe ich trotzdem noch diesen Eintrag verfasst?

Keine Ahnung.

Dubai-Schach!

Dubai-Matt!

Happiness is a warm gun.

But only in Saudi-Arabia, Mr. Khashogi.

Und ewig schleichen die Erben … (2)

A: »Ja, guck dir bloß die beiden an.«

B: »Wo?«

A: »Hinter uns! Nicht hinschauen!«

B: »Wie soll ich die den sehen, wenn ich nicht hinschauen soll?«

C: »D-d-du muss-mu-sst ja ni-ni-nicht hinscha-auen.«

A: »Die müssen nicht wissen, dass wir sie kennen.«

B: »Wer?«

C: »D-d-die bei-beiden.«

A: »Sie ist die Tochter vom Ewald seiner ersten. Und er der Sohn des Schwippschwagers der Frau, welche damals hier in der Lokalpresse war.«

C: »Weil-weil sie Hä-hä-hengste liebt und zü-hü-züchtete.«

B: »Tochter vom Ewald seiner ersten? War die nicht eng mit unserem Ottokar, Gott hab ihn selig? Sie soll ja in dessen Testament stehen, munkelt man.«

C: »W-w-war ein Hä-hä-hengst, der O-o-otto-kar. U-hu-und sie soll ne Hä-hä-hengstin im Be-hett s-sss-sein.«

B: »Im Bett? Das ist schamlos! Und dann ist sie hier? So eine ausgeschamte Person!«

A: »Warum sollte Ottokar auch wohl sonst einen Herzinfarkt erlitten haben, Gott hab ihn selig. Er war ja bekannt für seinen Bio-Tick. Manchmal können Bettgeschichten nun mal zum Boomerang werden.«

C: »Bu-bu-merang. Der war gut. Be-be-bett-Bu-hu-booster.«

B: »Booster? Im Bett? Klar, junges Blut tut gut. Absolut ehrlos diese Frau. Das die sich traut hier zum Leichenschmaus zu erscheinen. Und er?«

A: »Tja, er soll ihr sexuell hörig sein, hab ich gehört. Eine Freundin eines Bekannten, den ich noch damals auf der Schulabschlussfeier bei dessen´m Sohnes kennengelernt hatte, meinte ihn schon mal auf BDSM-Partys gesehen zu haben.«

C: »Iih, bääh! W-w-wie e-e-ekelhaft!«

B: »Ja, komplett moralisch am Abgrund, diese Welt! Allein der Gedanke daran … total pervers, die beiden. Kein Wunder, dass es Corona gibt. Vielleicht kommt dadurch die Jugend endlich wieder in die Spur und lernt was wahre Werte sind! Wie gut, dass Ottokar das jetzt nicht mehr miterleben muss, Gott hab ihn selig.«

C: »Ah-a-armer O-o-otto-kar.«

B: »Gott hab ihn seelig. Und wer ist der Haupterbe? Wer kriegt jetzt sein ganzes Vermögen? Ich müsste ja alles erhalten, bin ja schließlich die einzige Person mit Erbrecht, weil um zwei Ecken mit Ottokar, Gott hab ihn selig, verwandt, da sollte doch wohl alles für mich drin sein.«

A: »Wahrscheinlich aber diese Nutte hier! Sagte mir die Liesl, als der Sarg niedergelassen wurde. Die Liesl trifft es besonders hart. Seit ihr Mann von ihr gegangen ist, …«

B: »Gott hab ihn selig.«

A: »Nein, nein, der Arsch hat sie dauernd mit einer Jüngeren betrogen, wollte dann neues Frischfleisch und ist dann mit dessen Ergotherapeutin, einer Mittdreißigerin, nach Gran Canaria getürmt. Auf und davon.«

C: »U-hu-unglaub-l-l-lich!«

A: »Und jetzt ist die Liesl unschuldig alleinstehend und muss alle ihre Rechnungen selber bezahlen. Eigentlich hatte sie auf Ottokar gehofft. In den hatte sie sich bereits in der Grundschule verguckt, aber dann kam dieses Mistviech von Nutte und jetzt muss Liesl wahrscheinlich mit Hartz 4 planen …«

B: »Psscht! Da kommt einer von den beiden!«

Die beiden Kellnerinnen schauten die drei schwarz-gekleideten Personen an und bemerkten eine weitere Person, die sich schleichend auf den Weg zu denen begab. Die eine Kellner schüttelte den Kopf und meinte leise zu der anderen:

»Boah ey, wenn man die so reden hört, möchte man nur im Strahl kotzen! Voll socially awkward! Alte, das ist hier ne Beerdigung. Echt total cringe! Das sind die, vor der wir uns safe warnen müssen!«

»Ey, Taschaia, nuff said. Wir jobben nur hier. Undertaker sind andere. Ey, die Dipshit-Peter-Pan-Truppe da drüben, die sieht safe trocken aus. Bring denen mal paar Hard Seltzer, damit die wieder lächeln.«

Und ewig schleichen die Erben … (1)

»Jetzt geh doch mal zur Tante Erna rüber, nu mach schon.«

»Aber Onkel Heinrich labert die doch gerade zu.«

»Na und? Der ist doch nur hinter ihrem Geld her. Wenn du nicht jetzt rüber gehst und mit ihr Small Talk betreibst, wird die ihn noch in ihrem Testament bedenken und dann ist das ganze schöne Geld futsch.«

»Wir könnten auch einen Kredit aufnehmen.«

»Bist du verrückt? Verschulden? Während unsere Verwandtschaft wie Dagobert in Geld badet? Hast du Lack gesoffen? Das ist hier kein Leichenschmaus, sondern knallhartiger Beauty Contest. Erben läuft nicht von selbst, man muss auch was dafür tun. Leistungsprinzip, verstehste! Wenne nix tust, haste es auch nicht verdient!«

»Soll ich etwa den Halbhorst deshalb jetzt wegbunkern, oder was?«

»Ja, was denn sonst. Der geht bei ihr doch ab wie ein rotes Moped! Denk dran, wir müssen noch die Flyer und Kleber bezahlen, um all die Vollhorste aufzuklären, dass Impfen und Boostern Gefahr für Leib und Leben bedeuten kann und das wir Spenden auf unser Konto brauchen, im Kampf gegen Impfidioten und für Aufklärung.«

»Ich denk ja schon an nichts anderes.«

»Und du hast doch seit gestern den positiven PCR-Test erhalten, dann kannste auch zur Tante Erna rüber. Sei mal cool mit denen dort. Yallah!«

»Nur Alphakevins hier, walla.«

»Und Onkel Eduard. Bei dem Elch stehen wir doch garantiert im Testament. Solchen Boomern weint doch eh keiner mehr ne Träne nach. So wie die leben. Die mit ihren SUVs, monatlichen Flugreisen und Kreuzfahrten. Das sind doch die, die unser Klima versauen. Die haben schon genug auf unsere Kosten gelebt und verprassen unsere Zukunft und Geld. Mitleid haben die nicht verdient. Alles stabil bei dir? Du schaffst das.«

»Naise. Da nicht für.«

»Also? Moment. Hab ich da gerade “boostern” gehört? Wollen die Boostern? Reden die Boomer über Boostern? Wollen die etwa noch ewig leben? Solche Azzlacks! Da krieg ich Schnitzelpanik! Du musst sofort dazwischen!«

»Mach ich. Ahem. Und was sag ich?«

»Erst umarmen, intensiv abbusseln, Beileid wünschen und dann sagen, dass Onkel Otto eh nie skin positiv war und das hat ihn dahingerafft. Dann kriegen die alle Schnappatmung und du musst nur überlegen tief ausatmen. Beeil dich, da kommt auch Billo-Opa Rainer, der hat ne Finca auf Mallorca und ein Haus in Schwabing, ich steh auf seiner Erben-Liste! Mach! Denk dran, wenn wir fertig sind, dann zusammen Netflix und chill.«

»On fleek. Auf uns und unsere baldige Gönnjamin-Zeit. Chabos wissen, wer der Babo ist.«

»Eben, you’ve got the drip!«

»Covid-XOXO!«

Die beiden Kellner schauten dem Ehepaar zu, als einer davon sich schleichend auf den Weg zu der in schwarz-gekleideten Personengruppe machte. Der eine Kellner schüttelte den Kopf und meinte leise zum anderen:

»Ehrlich? Und ich dachte unsere Jugend wäre so. Es ist wohl doch die Generation, vor der uns früher unsere Jugend immer gewarnt hatte.«

»Mach dir keinen Kopp. Wir müssen nur arbeiten hier, ist nicht unser Leichenschmaus. Lebbe geht weiter. Die Trauergruppe da drüben sieht trocken aus. Bring denen mal ein Tablett Prosecco, damit die wieder lächeln.«