Westfalenland, Westfalenland ist wieder außer Rand und Band

Mit Lachen und Scherzen und Singen wollen wir eure Herzen bezwingen, wer anders denkt, hat dich nie richtig erkannt, du schönes Westfalenland!

Jawohl!
Es wird wieder mit Konfetti gearbeitet! Unweit von Bielefeld!
Die fünfte Jahreszeit ist voll im Gange. „Helau“ auf allen Karnevalswagen. Kamelle und Blumensträuße regnet es und jeder ist bierfröhlich und doppelt gekornt …

Hm, wie bitte? Ich soll mich zusammenreißen? Es ist schließlich Pfingsten?

Wieso? Ist Pfingsten nicht der Tag, an dem der Heilige Geist den Jüngern Jesu das erste Doping der Nach-Christi-Ära verabreichte? Was haben die Jünger da in allen Sprachen geplappert? Da hatte die Innung der antiken Dolmetscher protestiert. Was das denn solle? So einfach in fremden Sprachen reden? So ganz ohne Ausbildung und Diplom?

Ja, nee, is klar, nich, sagten darauf die Jünger, und interessierten sich einen feuchten für Dolmetscherausbildung, mittlere Reife oder Abitur. Die sind einfach in alle Himmelsrichtungen raus und haben in allen Sprachen geplappert, dass die Innung der Dolmetscher stinkig hoch drei wurde.

Vergleichbar ist das heute mit den Friseuren. Da macht jetzt jeder Hinz und Kunz, jeder Grieche und Türke nen Friseursalon für 10 Euro den Haarschnitt auf, statt 35 Euro zu kassieren, wie es deren deutschen Pedanten normalerweise so tun.

Moment!
Bevor jetzt die weibliche Leserschar bei den 35 Euro respektive 10 Euro pro Haarschnitt nervös wird: Der Preis gilt nur für Männer. Bei Türken und Griechen zahlen auch Frauen entsprechend mehr, plus Aufpreise, versteht sich. Gleichberechtigung der Frauen zu den Männern bei den Haarschnibblern gibt es auch woanders nicht. Frauen zahlen generell mehr, weil sie Frauen sind.

Weiter im Kontext:
Während also die Jünger Jesu am Pfingstsonntag per Daumen trampend an den Straßen dieser Welt standen, um den jetzigen Status quo des christlichen Abendlandes herzustellen, da müssen die auch ins Westfalenland getrampt sein.
Wieso denn „trampen“? Na, weil die „Reiter der Apokalypse“ die paar Jünger mitgenommen hatten. Direkt von Jerusalem bis hin nach Kamen. Und dann am Kamener Kreuz, da wurden die Reiter von einem mehrfachen PS-Pferdegespann – wahrscheinlich mit Stern – einfach niedergebrezelt und schon hatte das Altertum den ersten Verkehrsstau der Weltengeschichte.
Da sagten dann die Ureinwohner Kamens: „Nee, isse das wieder n Kreuz mit den Rasern.“ Die Reiter der Apokalypse wurden direkt am Unfallort begraben und die Jünger Jesu packten gleich noch ein Kreuz auf den frischen Erdenhügel. Und schon hatte die Gegend ihren bösen Namen weg.
Kamener Kreuz.
Noch heute stauen sich viele PS-Gespanne mit und ohne Stern zum Gedächtnis an jenen verhängnisvollen Verkehrsunfall am Kamener Kreuz auf der BAB A1 und klagen, dass es der Offenbarung Johannes eine Freud gewesen wäre.

Nun, die Jünger Jesu sahen dermaßen von den Apokalyptischen Reitern mitgenommen aus, dass sie sich also zu Fuß auf den Weg machten. Sie kamen von Kamen aus dann an Hamm vorbei (bei der gastfreundlichen Begrüßung einer Frau aus Hamm soll dann einer der Jünger auch gleich den ersten Hammer der Welt erfunden haben … Coitus Interruptus kannte der noch nicht …) und gelangten schließlich in eine Stadt, die von sich behauptete, sie hieße Beckum.
Das muss dann so um 1134 gewesen sein. An dem Tag, an dem der Beckumer Chronist meinte, nu sei es geschehen, nu sei Beckum gegründet und es wert schriftlich erwähnt zu werden.

Der Legende nach soll Beckum ja identisch mit der Stadt Schilda sein, der Heimat der Schildbürger. Das wussten die Jünger aber nicht. Als sie dann aber in einer Eulenspiegel-Verkleidung aus der Stadt flohen, hatten sie immerhin zweierlei geschafft. Die weltbekannte Geschichte von Schilda geprägt, war sicherlich ein erwirtschafteter Mehrwert für die Vergangenheit.
Aber was erheblich wichtiger für die Nachwelt sein sollte: Die Stadt war christlich geworden und man fing an, vor der langen Fastenzeit den Karneval zu feiern. Wie es nun mal bei frommen Katholen so Brauch ist. Denn schließlich ist nur am Aschermittwoch alles vorbei. Und nicht am Karfreitag.

Nun gut. So begingen Beckumer Bürger brav bäuerlich westfälisch beinhart Bauernkarneval: Karnevalsschlägereien, Kirchengottesdienste mit Beite am Aschermittwoch. Und jedes Jahr berichteten Zeitzeugen darüber, dass etliche brave Westfalen im Alkoholgenuss abstürzten.

Nur dieses Jahr, da stürzte denn letztendlich auch der Prinz ab. Der Prinzkarneval von Beckum. Helau. Erst haben ja alle gelacht.
Toller Karnevalsstunt.
Fast wie in Bottrop-Kirchhellen im „Movie Park Germany“, wo die Stuntmen Sponge-Bob doubeln, wenn der mal wieder von rachsüchtigen, TV-Serien-entnervten Eltern gejagt wird.
Bei der Erstürmung des Rathauses einfach mit dem Kranwagen abgestürzt. Eine Nummer wie aus einem Bruce-Willis-Film.
Dummerweise war das aber kein Stunt. Sondern echt. Drei Meter tief aus dem Frontlader eines Treckers runter in den Rathausstaub.
Das Rathaus verblieb also in politischer Hand und so wurde folgerichtig der Beckumer Karnevalsumzug an Rosenmontag abgesagt. Er wurde verschoben. Auf den 31. Mai 2009. Auf heute.

Das hatte bislang nur Düsseldorf im Jahre 1990 geschafft, als deren Karnevalsumzug von der Karnevalsgabel Düsseldorfs geweht wurde.
Nebenbei: Kölner schaffen solche Terminverlegungen nicht. Die feierten trotz Orkan, Golfkrieg und Kardinal Meisner einfach munter flockig ihren Karneval weiter.

Nun.
Weiter.
Wegen des Rathausturzes ist jetzt heute in Beckum Karneval. Und der alte Prinzkarneval und seine Marschälle sind gesund wieder mit von der Partie.
Und daher gilt es jetzt, ihr Westfalen, schunkelt diszipliniert jeder Zweite! Denn jeder Erste arbeite dafür heimatverbunden mit Luftschlangen, Konfetti, Doppelkorn und Doppelkopp-Blatt.
Und darum stimmen wir jetzt heute alle ein:

Kinder, lasst uns fröhlich sein, denkt nicht mehr an morgen, stimmt in unser Lied mit ein, und vergesst die Sorgen! Und sollte auch mal einer schrein, Westfalen, die sind stur. So laden wir ihn freundlichst ein und singen ihm dann nur:
Westfalenland, Westfalenland ist wieder außer Rand und Band, mit Lachen und Scherzen und Singen, woll’n wir eure Herzen bezwingen, wer anders denkt, hat dich nie richtig erkannt, du schönes Westfalenland!

Kennt ihr unsern Doppelkorn, und den prima Schinken, die besänftigen unsern Zorn, dass wir fröhlich winken.
Und sollte auch mal einer schrein, Westfalen, die sind stur. So laden wir ihn freundlichst ein, und singen ihm dann nur:

Ja! Westfalenland, Westfalenland ist wieder außer Rand und Band, mit Lachen und Scherzen und Singen, woll’n wir eure Herzen bezwingen, wer anders denkt, hat dich nie richtig erkannt, du schönes Westfalenland!

Westfalenland, Westfalenland ist wieder außer Rand und Band, mit Lachen und Scherzen und Singen, woll’n wir eure Herzen bezwingen, wer anders denkt, hat dich nie richtig erkannt, du schönes Westfalenland!

Wer Westfalen richtig kennt, Städte, Land und Leute, gerne unser Freund sich nennt, so wie wir auch heute. Sollte auch mal einer schrein, Westfalen, die sind stur. So laden wir ihn freundlichst ein, und singen ihm dann nur:

Ja! Westfalenland, Westfalenland ist wieder außer Rand und Band, mit Lachen und Scherzen und Singen, woll’n wir eure Herzen bezwingen, wer anders denkt, hat dich nie richtig erkannt, du schönes Westfalenland!

Westfalenland, Westfalenland ist wieder außer Rand und Band, mit Lachen und Scherzen und Singen, woll’n wir eure Herzen bezwingen, wer anders denkt, hat dich nie richtig erkannt, du schönes Westfalenland!

Jetzt fragt freilich der gläubige Christ zu Pfingsten:
Und was wurde aus den Jüngern?

Nun ja, da gehen die Geschichten auseinander. Die sollen über die B61 via Gütersloh und Brackwede nach Bielefeld gelangt sein. Dort haben sie eine Modefirma und ein Tennisturnier eröffnet.

Aber das ist sicherlich nur tiefster, dunkelster Mär. Alles völlig unverbürgt. Einfach nur eine Geschichte aus westfälisch langsamer Doppelkornmentalität.
Denn wie jeder weiß:
Bielefeld gibt es!!
Klarsoweit?

"Bis hierher und weiter"

Ein Wahnsinnsabend.
2x 90 Minuten plus 20 Minuten Pause.
Nein, kein Fußball, sondern ein Kabarett-Abend mit Bruno Jonas.
Eine absolute Empfehlung von mir.
BrunoJonas

Afrika zum Auslöffeln nah (Teil 4 und Schluss)

Da Löw und seine Schildknappen jedoch nicht beim diesjährigen Konföderationen-Pokal-Turnier in Südafrika mitspielen, hat der DFB beschlossen, der Löw solle doch mal mit seinen Mannen in China nachschauen, ob dort ein Sack Reis umgefallen ist. Vielleicht kann er mit seinen Untergebenen auch schon mal afrikanische Verhältnisse mit Eselfleisch in Dosen aus Botswana simulieren.

Unterdessen – man höre und staune – spielt aber Italien beim Konföderationen-Pokal mit und Berlusconi hat sich bislang noch nicht dazu geäußert. Allerdings steht zu erwarten, dass er sich auch solange nicht äußern wird, solange erstens die „Squadra Azzurra“ noch in Südafrika mitspielt und er zweitens noch nicht in Südafrika vor Ort ist.

Dann dort wird Berlusconi sicherlich zuerst die gesunde Bräune der Gastgeber, zweitens die straffe Organisiertheit der Bevölkerung durch private Mittelsmännern in den Townships lobpreisen und letztendlich darauf verweisen, dass in Europa Kinder mordend durch Schulen rennen, im Europaparlament deutsche Politiker mit SS-Rollenpotential sitzen und auf Lampedusa italienische KZs existieren. Also, alles in allem somit ein recht ungesundes Klima für Afrikaner. Afrikaner sollten lieber nach Lybien als nach Italien auswandern.

Und wir, wir werden uns königlich über die Dumpfbacke Berlusconi empören und amüsieren.
Aber Hauptsache, Löw und seine 17 Mannen verlieren im Fußball nicht gegen China und Saudi-Arabien.
Denn dann … ja, dann … dann kriegen wir noch mehr Krise. Dann spricht keiner mehr über die Rezession der Wirtschaft. Sondern jeder sorgt sich darüber, wer denn dann die Suppe für die Qualifikation zur WM in Süd-Afrika auslöffeln soll.
Aber Deutschland kann beruhigt sein. Absolut beruhigt.

Denn wenn alle Stricke reißen, dann haben wir ja noch unseren fränkischen Lothar Nationale, unsere deutsche Matthäus-Passion. Schließlich hat der Lothar Matthäus erheblich mehr Erfahrungen im Scheitern im Trainer-Dasein als Klinsmann und Löw zusammen. Sechsmal im Zwei-Jahre-Rhythmus ist er bislang an Mannschaften gescheitert. Wie Magath. Denn der Magath selber brachte es erst bei seinem siebten Trainerjob zur deutschen Meisterschaft mit Bayern München.

Entbehrungen und Ehefrau, so stellte auch Deutschlands größte Boulevard-Zeitung heute heraus, das seien die Erfolgsgaranten zur Meisterschaft Wolfsburg gewesen.

Gilt diese Regel auch für Matthäus (er hatte inzwischen ja mehr als nur eine Frau), dann ist mit Lodda uns der Weltmeisterschaftstitel noch vor der Eröffnung der WM 2010 in Süd-Afrika nicht mehr zu nehmen. Dank dem erfolgreichen von BILD aufgedecktem Erfolgsgeheimnis eines Felix Magaths. Und niemand – das sei dem Leser hier garantiert – niemand wird dann mehr über Bankenkrise oder gar Rezession reden.
Denn alles wird gut werden.

Amen.

Afrika zum Auslöffeln nah (Teil 3)

Südlich von Botswana, da liegt das Land Süd-Afrika. Süd-Afrika ist ja für uns Deutsche von unabdingbarer Wichtigkeit.
Der Grund?
Im nächsten Jahr findet dort doch die Fußball-Weltmeisterschaft der Herren statt. Da will doch der Herr Jogi Löw mit getreuen Knappen den Fußball-Weltpokal in Empfang nehmen.
Nun, Fußball in Süd-Afrika, das ist uns wichtiger als Flüchtlinge auf Lampedusa oder Eselfleisch in Dosen aus Botswana.

Fußball, das ist unser tägliches Elixier.
Die Frage nach den Geheimnissen des Gekickes von 22 Beinen allein gegen eine Kunstoffkugel gilt es zu klären. Was ist denn nun das Geheimnis für Erfolg?Wie muß so ein Lebensweg aussehen?
Zum Beispiel so?
In Hamburg, Nürnberg, Bremen, Frankfurt und Stuttgart berühmt berüchtigt geworden, in München wegen Erfolglosigkeit beurlaubt, dann nach Wolfsburg weiter gewandert.
Und das alles im Zwei-Jahre-Rhythmus.
Solch einen zeitlichen Verlauf kann nur der Fußball-Sport einem Menschen in dessen Lebenslauf diktieren. Ein typischer Lebenslauf eines flexiblen Wanderarbeiters, der für einen Job immer seinen Lebensmittelpunkt ohne Wenn und Aber einfach so verschiebt. Der selbst Beleidigungen wie „Quälix“ lächelnd überhört. Alle zwei Jahre. Richtig, dieser Wanderarbeiter in Zeiten der tiefen deutschen Rezession, der heißt „Felix Magath“.

Aha, denke ich mir da bei all der Lobpreisung in den Zeitungen, daraus muss du was lernen.
Erfolgsmodell „Magath“.
Ich bin ja selber Schuld, dass ich nicht so bin wie der Magath. Ich bin ja nicht flexibel, wechsle nicht alle zwei Jahre meinen Arbeitgeber und Arbeitsort und will dann zu allem Überfluss noch nicht mal Annehmlichkeiten eines sesshaften Lebens entbehren. So wie der Magath.
Statt eines üppigen Jahressalärs plus Dienstfahrzeug der oberen Mittelklasse fordere ich ja gnadenlos und kompromisslos ein einigermaßen normales Einkommen bei gleichzeitigem Anspruchsdenken, öffentliche Verkehrsmittel einfach so nutzen zu wollen. Bei solch einem unverantwortlich überzogenen Verhalten meinerseits ist es natürlich gerechtfertigt, dass mich die Rezession stärker ängstigt als beispielsweise einen flexiblen und entbehrungsreich lebenden Erfolgsmenschen wie Felix Magath.

Und weil Magath mit Gewinn der Fußballmeisterschaft durch Wolfsburg auch schon weit über seine Verhältnisse verwöhnt wurde, geht der auch gleich freiwillig wieder von dort weg. Immer dahin, wo die subjektiv gefühlte Not am größten und die Geldreserven eines nicht abstiegsbedrohten Vereins ausreichend sind. Diesmal also weiter nach Gelsenkirchen auf Schalke. Und niemand von den Personalchefs fragt ihn dort: „Ja, sagen Sie mal, Herr Magath, sie halten es wohl bei keiner Firma länger als zwei Jahre aus, oder?“ sondern wohl eher „In welcher Farbe und mit welcher Sonderausstattung hätten Sie denn gern Ihren Dienstwagen?“

Jetzt ist es ja nicht so, dass Magath ein Abzocker ist. Das ist der bei weitem nicht.
Aber im Sinne der deutschen Rezession erscheint es normal, dass kein etablierter, alteingesessener Bundesligaverein die Meisterschaftsschale haben wollte.
Schließlich stehen ja noch hehere Ziele an.
Zum Beispiel die Qualifikation zur Weltmeisterschaft in Südafrika.

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Afrika zum Auslöffeln nah (Teil 2)

Wir Deutschländer haben also nicht wirklich „Antipoden“. Da teilen wir das Schicksal Mittel- und Westeuropas. Erst die Chinesen und mittelöstlichen Russen können sich über die Existenz von eigenen Antipoden rühmen. Es sind die Menschen Argentiniens, Chiles, Uruguays, Boliviens und Süd-Perus.

Aber Afrika?
Afrikas Antipoden befinden sich auch mehrheitlich auf hoher See des Pazifiks. Nur Botswana hat eindeutig Antipoden und die sind uns erheblich sympathischer. Es sind die Menschen Hawaiis.
Aloha.

Das heißt jetzt aber nicht, dass sich der Eigentümer seines 50. US-Bundesstaats um seine Antipoden in Botswana liebevoll kümmern würde. Für sowas gibt es kein Naturgesetz. Daher machen es nun mal die Chinesen.

Botswana.
Die Bevölkerung von Botswana hatte im Jahr 1991 eine Lebenserwartung von stolzen 63 Jahre. 13 Jahre später beträgt die Lebenserwartung in Botswana lediglich nur noch 31 Jahre.
„31“ ist inzwischen auch die Zahl, die verwendet wird, wenn es darum geht, den Anteil der HIV-Infizierten zur Gesamtbevölkerung in Prozent darzustellen. Womit sich damit auch die geringere Lebenserwartung erklärt.

Dasjenige Land, welches mit Botswana intensiv Handel treibt und Botswana für sich als touristisches Ziel ausgebaut, ist im übrigen China. Im Gegenzug stellt eines der Hauptexportprodukte Botswanas nach China Eselfleisch in Dosen dar.
Freilich sind es auch Diamanten. Indirekt. Denn der hauptsächliche Diamantenhandel läuft aufgrund der Botswanischen Verträge mit der Firma De Beer noch über andere Märkte.

Nebenbei:
Die Debswana (ein Joint-Venture der Regierung Botswana und der Firma De Beer) hatte von Mitte Februar bis Mitte April dieses Jahres wegen geringeren Nachfrage den Diamantenabbau vorübergehend eingestellt gehabt. Soviel erstmal zum Thema „Weltwirtschaftskrise“ und Kurzarbeit in anderen Ländern.

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Afrika zum Auslöffeln nah (Teil 1)

Kennt jemand einen neuen Anti-Afrika-Witz? Vielleicht gibt es wieder was neues zum körperlichen Abschütteln vom Herren Ministerpräsident Berlusconi? Berlusconi, Italiens „personal manager“, der mit den erklärten Zuständigkeiten für die drei F’s:
Fußball, Fernsehen und Frauen.

Nun, mit Sicherheit hätte sich die Firma „Langnese“ jetzt mit ihrem neusten Werbespruch ihrer Produktreihe „cremissimo“ von den Desserttellern der Berlusconis und Lampedusaner gekickt:

„Afrika zum Löffeln nah.“

Keine Nation aus Europa will Afrika „nah“. Besonders nicht zum Löffeln. Weder zum Auslöffeln, geschweige denn will eine Nation in Löffelchenstellung mit Afrika überhaupt eine Nacht verbringen. Was das europäische Auge nicht sieht, tut schließlich dem kosmopolitischen Herzen nicht weh. Mit einem goldenen Löffel im Munde geboren zu sein, soll schließlich selbst erklärtes Anrecht für uns Europäer bleiben. Notfalls nehmen wir zum Vergolden der Löffel auch Gold aus Südafrika her.

Das nahe Afrika ist uns so fremd wie ein Mensch dem anderen, welcher auf der anderen Seite der Erdkugel dem einen gegenüber lebt. Die Griechen haben dafür uns den schönen Ausdruck „Antipoden“ vererbt. „Antipoden“, das sind die, die uns deren Füße entgegenstrecken.

Die entscheidende Frage ist nun für uns Deutschländer:
Gibt es Antipoden für Deutschland? Und ja, wie heißen die?

Nun, im Prinzip lautet die Antwort „Nein“. Denn dort wo unser geografisches Gegenstück liegen sollte, da ist nur Wasser. Und Meeresbewohner haben nun mal keine Füße. Außer sie leben auf Schiffe. Diese nennt man dann Seemänner.
Oder Piraten.
Beurteilt, je nach Art ihres täglichen Broterwerbs.

Auf alle östlich von Neuseeland und ganz knapp östlich der Datumsgrenze – da wo unsere Antipoden leben müssten, wenn sie denn unsere Antipoden sein wollten -, da wird weniger von Piraten als vielmehr von Weltenbummler auf Schiffen berichtet.
Wenn überhaupt.

Die sich anschließende Frage ist dann freilich, sollte dort nun jemand segelnderweise uns die Füße entgegen recken und die Datumsgrenze überschreiten, ist der dann von heute oder bereits von morgen.
Oder anders herum betrachtet: Leben wir in Deutschland aus Sicht des Seglers noch am gleichen Tag oder sind wir bereits von gestern?

Diese Frage kann nicht sofort absolut beantwortet werden, sondern hängt eindeutig von der Segelrichtung des Seemanns ab, relativ betrachtet zum Greenwicher Nullmeridian in England. Die christliche Seefahrt hat sich deswegen den Merkspruch kreiert:

Von Ost nach West halt’s Datum fest,
von West nach Ost lass‘ Datum los

Wenn als irgendwer zum Beispiel im „Diercke Weltatlas“ nachschaut,
– der schwere überdimensionale „Diercke Weltatlas“, das wohl beliebteste Diebesgut ambitionierter Weltenbürger in der Schulzeit –
wer die Antipoden für uns Deutschländer sind, so endet das mit einem Schlag ins Wasser. Direkt neben Neuseeland.
Im Pazifik halt.

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Die Rache der Frauen zum Vatertag …

„Booaaaah, ist die Sara sexy!“, kreischt unterdrückt die Uschi vor dem Fernseher. Beate, Klarissa und Daphne klammerten sich sprachlos an ihren Prosecco-Gläsern und schluckten sichtlich schwer.

Und da rief Leon plötzlich einfach brutal „Ausziehn! Ausziehn! Ausziehn!“ dazwischen. Rainer, Dieter und ich kugelten vor Lachen vom Sofa. Das war klar. Das war eine eindeutige verbale Grätsche. Sowas zieht nen Platzverweis nach sich. Rote Karte für uns Viererbande.
Voll berechtigt. Da hatten wir doch bei Deutschland Reste-Rampe für unentdeckte Topmodels doch „sexy“ nicht aus weiblicher Sicht interpretiert. Pfui.

Wir verdrückten uns ins kleine Zimmer und Rainer fing an die DVD-Sammlung zu untersuchen.

Neidi Dumms knallharte Realisierung von Darwins Theorien mittels TV-Kameras bewegt die Herzen der Frauen einer ganzen Nation.
Es ist gewissermaßen jetzt die Rache an alle Fußballfans. Alle, die am Abend zuvor für mehr als vier Stunden die einheimische Fernbedienung mittels Fußball-Quarantäne wegblockten. Nur wegen Werder Bremens UEFA-Final-Bemühungen und Klinsmanns Exklusiv-Interview in RTL.
Und weil Rache richtig kalt serviert werden muss, da kam den Sendungsmacherinnen um Neidi Dumm nur ein Donnerstag in den Sinn.
Ein Feiertags-Donnerstag muss es sein.
Der Christi Himmelfahrt.
Der Tag, der mit dem Untertitel „Vatertag“ versehen wurde.

Und während Neidi Dumm MacDonalds-mäßig in die Kameras lächelt, verzieht Mann sich hinter dem Zweitfernseher oder Computer.
Ist eh ein zu hohes Risiko sich die Sendung anzuschauen.
Eine Bemerkung wie „Boah, die Sara sieht super geil aus“ provoziert doch nur den nächsten Ehekrach. „Typisch deutscher Mann. Die fahren immer auf farbige Schlampen ab“. Stimmt. Aber würde das der deutsche männliche Michel eingestehen?
Oder: Die Anmerkung „Mandy hat tolle blonde Haare“ ergibt doch nur ein „Ich weiß doch, dass du auf blonde Frauen stehst. Mich findest du ja häßlich“. Stimmt. Die blonden Haare von Gina Wild sagten vielen Männern zu …

So sitzen wir jetzt also vor dem Kleinstfernseher und schauen uns das „Leben des Brian“ an. Denn da sind wir uns sicher. Bei unseren verbalen Steinigungen sind keine Frauen anwesend. Die würden das eh nie verstehen. Wegen mangelnder Selbstironie.

Ach ja.
Und für männliche Frauenversteher sei auf den morgigen Freitag verwiesen. Da spielt die Frauenmannschaft FCR Duisburg im UEFA-Pokal-Finale gegen Swesda Perm aus Russland. Hört sich an wie Werder Bremen (nördlich von Duisburg) gegen Schachtjor Donezk (ebenfalls Russland). Das Ergebnis soll aber eindeutig positiv für Duisburg enden.

Kneipengespräch: Krisenflieger

– Ist denn schon wieder Vatertag?

Ich blickte zur Seite. Klar, wer da neben mir stand. Und noch klarer, wem als zweites dessen Aufmerksamkeit gehörte. Eine Handbewegung von ihm ähnlich eines schüchternden i-Dötzchens und der Wirt ergriff mit rechts einen Bierdeckel, stellte mit links ihm eine leuchtende Stange Kölsch drauf und erneut mit seiner rechten Hand holte er einen Maurerbleistift hinter seinem Ohr hervor und zog einen schnellen Strich auf dessen Deckel.
Seine Handbewegung und des Wirtes Reaktion drauf, das war nicht mehr nur „Just in time„, das war schon „Just in sequence„.

– Wieso Vatertag?
– Dich sehe ich auch nur noch hier am Tresen rumhängen.
– Na und? Nach einer Woche Abstinenz?
– Gibt’s denn nichts anderes außer Alk? Mach doch mal Sport, lies ein gutes Buch, spiel ein Instrument oder geh mal wieder ins Museum.
– Hört sich an wie ein Konjunkturprogramm für kulturell Unterbemittelte.
– Und?

Ich winkte ab.

– Ich brauche kein Notprogramm. Ich bin auch schon ohne kulturell unterbemittelt.
– So schlimm?
– Weiste, schlimm ist kein Ausdruck.
– Lächle es könnte schlimmer kommen.
– Ich lächelte und es kam schlimmer.
– Der Mensch denkt, Gott lenkt.
– Der Mensch dachte, Gott lachte.

Er nahm einen Schluck aus seinem Glas und grinste mich an. Sinnlos Phrasendreschen, darin sind wir inzwischen geübt. Vielleicht sollten wir in die Politik gehen.

– Du hast ja ne Art, dass jede Bundesregierung hoffnungslos Selbstmord begehen würde.
– Und würde es schaden?
– Kommt auf die gewählte Selbstmordwaffen an.
– FDP? Die Grünen? Die Linke? Wir sitzen doch alle im selben Boot.
– Ja, aber die einen geben den Rudertakt vor.
– Wie bei Asterix und Obelix auf der Galeere von Epidemais.
– „Ave Cäsar, lucrifacturi te salutant.“ Na? Welcher Band?
– Moment, ich hab’s gleich … „Asterix und Obelix – Die Odysee“, wahrscheinlich auf der achten Seite, oder? Übersetzt heißt das „Sei gegrüßt, Cäsar. Die sich bereichern wollen, grüßen dich.“
– Der Standardsatz der Bankers und der darbenden Automobilindustrie im Berliner Kanzleramt.
– Appetit gut, alles gut.
– Majestix im Band „Avernerschild“ als er zur Kur geht.
– Ohne Fleisch kein Preisch.

Mit leuchtendem Auge prosteten wir uns zu. Vor uns breitete sich unsere Jugend aus. Ja, mit Asterix und Obelix haben wir den Lateinunterricht und unseren genervten Pauker überlebt.
Es war der perfekte Moment und wir schwelgten schweigend in Erinnerungen.
Vor mir sah ich die Galeere und nicht weit davon das Piratenschiff, den erschrockenen Ausruf von Baba im Ausguck und dann die Selbstversenkung.

Der Wirt hatte eine alte Scheibe von Tom Waits eingelegt und ein Hauch von Whiskey-geschwängerter Luft umgab uns.

„It’s such a sad old feeling, the fields are soft and green it’s memories that I’m stealing, but you’re innocent when you dream when you dream, you’re innocent when you dream.“

– Ich war vor drei Tagen noch in Shanghai.

Er schaute mich an.

– Du siehst auch noch irgendwie ganz mitgenommen aus. War’s schlimm?
– Bei der Einreise mussten wir einen Fragebogen ausfüllen, ob wir in letzter Zeit Kontakt mit Schweinen gehabt hätten. Dann haben die uns erstmal eineinhalb Stunden unter Quarantäne gestellt. Jeder wurde einzeln mit einem Laser auf Körpertemperatur gescannt. Die Typen sahen fast so aus wie im Film „Outbreak„. Du weißt, diesen Petersen-Film mit Dustin Hoffman. Genauso kam ich mir vor.
– Und? Haste deinen Sombrero rausgeholt und erstmal heftig in deine Papiertaschentücher gerotzt?
– Hm. Ich fand es nervig. Besonders nach den zwölf Stunden Flugzeit zuvor. Das ganze Flugzeug voller Chinesen, die sich hemmungslos deren Schuhe auszogen. Kennste noch den Geruch in den Umkleiden der Turnhallen an der Schule? Das war ein nur ein leichter Hauch. Im Flieger brannten mir die Augen. Nur die Chinesen schienen nichts zu riechen. Auf dem Rückflug genauso. Brutal.
– Ich hab schon gehört, dass die eine andere Kultur pflegen.
– Und dann der Anschlussflug in China. Der hatte eine Stunde Verspätung. Ich und mein Kollege waren schon die Treppe in Flieger gestiegen, als wir dann auf dem Rollfeld sahen, wie sich Passagiere fast mit der Flugzeugcrew prügelte. Die Polizei kam und verhinderte schlimmeres. Ein anderer Passagier übersetzte uns, dass die Passagiere dort draußen Schadensersatz für die Verspätung haben wollten und die Fluggesellschaft nicht zahlen wollte, da sind die den Piloten an die Wäsche gegangen. Auf dem Rollfeld. Ich dacht, ich werd‘ nicht mehr.
– Haste mit deiner Kamera mitgefilmt?
– Nein, die besten Fensterplätze waren schon von Chinesen besetzt, da war nichts mehr mit filmen. Leider.

Er grinste.

– Ich habe von einem befreundetem Journalisten vor einer Woche ne ganz andere brutale Geschichte gehört.
– Aus China?
– Nein, aber aus Frankfurt. Du weißt doch, die Flugzeuge werden doch mit den Wägelchen für Essen, Getränke und Duty-Free-Kram beladen.
– Ja.
– Das machen solche sogenannte Cartering-Gesellschaften. Eine davon sitzt in Frankfurt, die Gesellschaft „El Essge“. Die haben offenbar inzwischen auch die Krise. Da die Gesellschaft hauptsächlich ja nur Arbeitskräfte auf 400-Euro-Basis plus Überstundenzulage beschäftigt und deswegen nicht wirklich Kurzarbeit anmelden kann, werden die Arbeitskräfte nicht mehr so häufig abgerufen. Somit ergeben sich keine Überstunden und die Leute schauen finanziell mit in den Abgrund der Krise.
– Ja, solche trifft es immer am härtesten.
– Jetzt sind jene Mitarbeiter der „El Essge“ so sauer darüber geworden, dass die sich bearten haben und kurzerhand die Speisekarte eines Langstreckenfluges umgestrickt haben.
– Die Speisekarte?
– Statt Hühnchen und Rind haben die kurzerhand nur Schweinefleischgerichte in die Wägelchen eingeräumt.
– Und?
– Der Flieger gehörte der Fluggesellschaft Emirates und flog nach Dubai.
– Ach du Scheiße.
– Kannst du dir das vorstellen? Ein ganzer Flieger voll mit Moslems und die Crew hat nur Schweinefleisch an Bord? Muss ne richtige „La Ola“-Welle im Flieger gegeben haben. Ui, da war ne Stimmung an Bord wie zu Karneval und Beerdigung gleichzeitig. Da flogen die Löcher aus dem Käse und sicherlich stand nicht nur ein Pferd auf dem Flur. Wenn der Werker will, stehen alle Räder still.

Ich musste grinsen, als ich mir die Gesichter der Crew vorstellte. Und dann auch noch die Gesichter der „El EssGe“-Chefs. Da werden wohl viele spontan zu „Bleichgesichtern“ geworden sein. Und inzwischen wohl einige der 400-Euro-Jobber auch arbeitslos. Das ist brutaler Imageschaden.

Ich nahm einen Schluck aus meinem Glas. Aus den Lautsprechern quoll Waits besoffenes Klavier heraus. Ein wohltemperierter Klavier wie es Johan Sebastian Bach verabscheut hätte. Tom Waits schickt seinen Sumo Ringer vollmundig durch die Kneipe. Der Wirt stellte schon seine ersten Stühle hoch und wischte die Tische flüchtig sauber.
Zeit zu gehen.

„And the piano has been drinking
Not me, not me, The piano has been drinking not me“

Ich schaute auf mein Kölsch. Mein Nachbar stiess aufmunternd mit seinem Kölsch an meins und meinte:

– Prost. So jung kommen wir in einer Krise nicht mehr zusammen.

Ich prostete lächelnd zurück und hielt einen Moment inne.
Tom Waits sang seinen rauchigen „Tom Traubert’s Blues“. Irgendwie der passende Soundtrack zum gehen. Ich trank aus und legte meine Geld auf dem Bierdeckel. Viel war es heute Abend nicht. Aber darauf kommt es an so einem Abend auch nicht an. Irgendwie wollte ich nur meinen Tagesrhythmus zurück und den Jet Lag besiegen.
Draußen fiel noch immer der Regen. Passend zur Musik. Ich ergriff mir meinen Schirm und verharrte den letzten Klängen von Tom Waits Lied zuhörend.

„And it’s a battered old suitcase to a hotel someplace
And a wound that will never heal
No prima donna, the perfume is on
An old shirt that is stained with blood and whiskey
And goodnight to the street sweepers
The night watchman flame keepers and goodnight to Matilda too
Waltzing Matilda, waltzing Matilda
You’ll go a waltzing Matilda with me“

Die Tür fiel hinter uns ins Schloss, der Schlüssel vom Wirt verrichtete sein Werk. Die Nacht hatte uns wieder.
Back to life …