Michael Jackson soll Selbstmord begangen haben. Nachdem ein Pater dem Jacko einen Film über barocke Engelsputten vorführte und meinte, dass solche Putten den Himmel bevölkern würden und auch auf Jacko zu Diensten sein würden, da wollte Jacko einfach nicht länger warten …
Archiv für den Monat Juni 2009
Protokoll eines gescheiterten Grabraubes
– Schlagbohrer! Gib mir jetzt den Schlagbohrer!
– Moment. Den Bosch oder die Hilti?
– Den Hilti, Mensch. Oder meinste, ich will hier Bilder aufhängen?
– Welchen Bohrer?
– Den 20er!
– Moment.
– Beeil dich.
– Jaja. So hier. Ist okay?
– Halt die Lampe!
Ein Surren erfüllt den Raum, feiner Bohrstaub durchzieht die Luft. Es kracht.
– Sag, mal spinn ich? Was ist denn das für ein Bohrer?
– 20er, wie du gesagt hattest.
– Du Volltrottel! Das ist ein Holzbohrer, du Dünnbrettbohrer! Wir brauchen den Steinbohrer! Holzbohrer, ich glaub ich spinne. Wir bohren hier doch keine Holzsärge! Das ist ein Sarkophag, du Hirni.
– Tschuldige. Hier. 20er Diamantbohrer extra hart.
– Na also, es geht doch.
Erneut erfüllt ein hartes Surren den Raum, noch feinerer Bohrstaub vernebelt das Licht der Lampe. Der Bohrer dreht im Lehrlauf hoch. Irgendetwas scheint sich um den Bohrer gewickelt zu haben. Ein Stück violettes Stofftuch.
– Violettes Tuch? Ich wette, hier war ein Schwuler begraben. Los, gib mir das Endoskop. Ich will reinschauen!
– Hier. Nimm. Und siehste was? Gold? Diamanten? Juwelen? Alte Schriftrollen?
– Nichts. Nur Knochen und offenbar Marihuanabrösel.
– Mist. Dann erstatte ich mal Meldung. Eichhörnchen an Raubkatze. Eichhörnchen an Raubkatze. Hörst du mich? Nein, Eure Exzellenz, auch in dem letzten Sarg war nichts bedeutsames.
Wenige Stunden später:
– Und wurde was dort unten entdeckt?
– Nichts.
– Überhaupt nichts?
– Nur Knochen, violette Tuche und ein Paar Brösel, von denen der verfilzte Bergmann meinte, es sei Marihuana.
– Und wo ist das Gold? Die Juwelen? Die Diamanten?
– Ich glaube, das ist nur das Grab eines Ur-Christen. Die hatten damals nicht soviel Geld für Grabbeigaben.
– Und wie überleben wir jetzt die Finanzkrise? Ohne Kredit? Wo kriegen wir das frisches Geld für die Vatikanbank jetzt her?
– Da gäb es noch eine Möglichkeit …
24 Stunden später:
Der Vatikan meldet einen sensationellen Fund: Knochen in einem Grab gefunden. Ist es der Heilige Paulus?
Papst überzeugt: Knochen sind authentisch.
Papst Benedikt XVI. hat zum Abschluss des Paulus-Jahres eine archäologische Sensation bekanntgegeben: Archäologen entdeckten in einem Sarkophag menschliche Knochenreste, einige Körner Weihrauch, ein, so der Papst, „kostbares“ Stück purpurfarbenen Leinenstoffs mit Goldpailletten und ein blaues Gewebe mit Leinenfasern.
Thomas Bernhard hätte geschossen. Aber er hat geschossen
Es gibt derzeit wohl keine intensivere Kabarett-Erfahrung, als ein Besuch bei Georg Schramms Kabarettstück „Thomas Bernhard hätte geschossen“.
Georg Schramm spielt in seinem Stück vier Rollen:
Die des Rentners „Lothar Dombrowski“, „Oberstleutnant Sanftleben“, der alte hessische Sozialdemokrat und Drucker „August“, dann noch ein Wartezimmerpatient und im ersten Teil den Moderator.
Es fängt eigentlich wie ein Vortrag (vom Moderator) an. Jemand will dem Zuschauer, die Lösung der Weltwirtschaftskrise und die Belebung der Innenkonjunktur präsentieren. Und die Zuschauer steigen drauf ein. Saßen wir nicht in einer Kabarettveranstaltung? Georg Schramm benutzt genau die Mittel, die wir von den Heizdeckenverkäufern auf den Verkaufsfahrten kennen. Verwischt die Realität oder holt sie das Kabarettpublikum ein? Und wenn dann der Oberstleutnant Sanftleben referiert, ist das nicht die Normalität, die aus dieser Rolle spricht? Diese beißende Realität? Und dann kommt zum ersten Mal der Rentner Lothar Dombrowski und es wird heftig. Die Wut spricht. Doch nur gebremst, der Moderator fängt alles ab und entlässt das Publikum in die Pause. Der Kabarettist Georg Schramm zieht ein Jacket an, und das völlig schweissdurchnässte blaueHemd verschwindet darunter.
Der zweite Teil legt dann an Bissigkeit und Tempo zu. Georg Schramm kalauert nicht, Georg Schramm lässt seine Figuren sprechen insbesondere den Rentner Lothar Dombrowski. Er stellt dort Zusammenhänge her, dass das Lachen schmerzt. Aber auch hinderlich ist, denn es unterbricht die Gedankengänge und erzeugt nur mehr Brüche, die der Rentner dann bearbeitet. Es ist schwierig zu erklären, was er genau sagt. Eine verständige Zusammenfassung würde sich kaum vom Vortrag unterscheiden.
Georg Schramm schreit seine Wut förmlich heraus. Und das Publikum hört atemlos zu. Und die erste Reihe deckt ihre Rotweingläser ab. Georg Schramm hält keine trockene Reden.
Und erst am Schluss kommt dann Thomas Bernhard ins Spiel. Aber Thomas Bernhard hat mit Georg Schramms Stück nicht viele Überschneidungen. Thomas Bernhard hätte geschossen, Georg Schramm hat es getan.
Auf dem Weg nach Hause fiel mir ein Lied von der Grande Dame des deutschen Kabaretts, Lore Lorentz, ein.
„Die Wut ist jung“ …
Dieses Lied passt zu und auf Georg Schramm.
Die Wut ist jung,
so können die nicht mit mir verfahren.
Ich schenke denen nach all den Jahren,
doch nicht mein Schweigen.
Die Wut ist jung,
doch können die mich nicht überhören.
Ich kann die Zerstörer nicht zerstören,
doch auf sie zeigen.Ja, ich bin müde
und wissen Sie, bin auch noch prüde und teufelsolide,
dem Wohlleben gerne ergeben.
Doch ich kann schrein und spein
und und gar nichts verzeihn,
denn es geht wieder einmal ums Leben.Die Wut ist jung,
und ich habe kein Lust,
verstummt zu zittern.
bloß werd ich nicht verbittern
Ich kann auch hassen.
Die Wut ist jung
Ich kann das Warum und das Weswegen
auch nicht mal meinen Freunden und Kollegen
ganz überlassen.
Ausschnitt, Text: Werner Schneyder
Meine Empfehlung: Reingehen und scharf aufpassen, dann wird auch nicht die Hälfte beim lachen überhört …
Zahlenspielereien
Die Erstausstellung eines neuen Personalausweis kostet 8 Euro.
Die Jahresgebühr für eine VISA-Card kostet oft 40 Euro.
130 km/h ausserhalb geschlossener Ortschaften auf Landstraßen zu fahren kostet u.a. ungefähr 103,50 Euro.
Ein illegales Straßenrennen zu veranstalten, kostet u.a. 500 Euro.
Ein 1.000 Euro-Schein gibt es bislang nicht, trotzdem zahlten schon diverse Leute auf dreister Weise mit solchen Scheinen.
1.000 Euro ist auch der Betrag, den die Bundesregierung für das nächste Jahr pro Kopf je Bundesbürger als Staatsverschuldung aufnehmen wird.
2500 Euro gibt es als Abwrackprämie für alte Fahrzeuge.
Vier Mal die Abwrackpränmie, also 10.000 Euro, musste der australische Tennisverband zahlen, weil er aufgrund der terroristischen Anschläge auf das indische Hotel Taj Mahal nicht im indischen Chennai spielen wollte
Bis zu 50.000 Euro kann derjenige sparen, wer über staatliche Zuschüsse das Wohn-Riester-Darlehen nutzt.
125.000 Euro kann der Staat einsparen, wenn seine Bürger auf die Zeugung jeweils eines Kindes verzichten. Denn dem Staat kostet das Kind bis zu dessen 18. Lebensjahr ungefähr 125.000 Euro (Quelle: ifo-Institut).
Ehepaare oder Lebensgemeinschaften können bis zu 240.000 Euro in 18 Jahren, verzichten sie auf den Verzicht auf Verhütungsverzicht. Die Zahl gilt pro Kind (Quelle: ifo-Institut).
1 Million Euro gibt es bei der Beantwortung aller Fragen bei Günther Jauchs „Wer wird Millionär“.
1,4 Millionen Euro ist die gerichtlich verordnetet Rechnung, die eine Frau wegen dem Anbieten von illegalen Downloads zahlen muss.
3,5 Millionen ist die Anzahl der Arbeitslosen, die Leistungen nach ALG1 empfangen.
6,5 Millionen erhalten dagegen Unterstützungen nach ALG2 (auch unter dem Begirff „Harz-4“ bekannt).
Würden diese 6,5 Millionen knappe 14,50 Euro zusammen legen, dann hätten sie für knappe 94 Millionen einen knackigen portugiesischen Fußballspieler kaufen und der Paris Hilton nach deren One-Night-Stand mit ihm Tantiemen abverlangen können.
OPELs Verluste monatlich entsprechen etwas mehr als die Ablösekosten, die „Real Madrid“ sein Bauunternehmer für Christiano Ronaldo an „Manchester United“ bezahlt hat.
100 Millionen Euro.
Mit 300 Millionen Euro wird inzwischen als der Verlust beziffert, den die Konzertveranstalter aufgrund des Tods von Michael Jackson und dem Ausfall seiner Londoner Konzerte kalkuliert haben.
Ebenfalls 300 Millionen Euro ist der Betrag, den die KfW am Tage der Lehman-Brothers-Pleite einer Bank noch schnell überwiesen hatte. Der Lehman-Brothers-Bank.
Auf 500 Millionen Euros sollen sich die Schulden von Michael Jackson bei dessen Tod summiert haben.
750 Millionen Platten hatte Michael Jackson zu seinen Lebzeiten verkauft haben.
1 Milliarde Überschuss hat in diesem Jahr bislang der Gesundheitsfond inzwischen erwirtschaftet.
100 Milliarden Euro ist die Summe der Staatsbürgschaft für die „Hypo Real Estate“ und deren Finanzkompetenz.
1000 Milliarden Euro werden jährlich von kriminellen Organisationen gewaschen.
Mit der gleicher Summe von 1000 Milliarden Euro wollen im übrigen die G-20-Staaten über den Internationalen Währungsfonds die globale Wirtschaftskrise bekämpfen.
1000 Milliarden Euro nennt man auch 1 Billion Euro. Das mag sprachlich opportun sein, aber inhaltlich unvorstellbar.
Als der Komet Hale-Bopp am 30.3.1997 seinen sonnennächsten Bahnpunkt mit einer Entfernung von 137 Millionen Kilometern zur Sonne erreichte, hatte er einen Staubschweif von ca. 23 Millionen Kilometern.
Wie viel diese 23 Millionen Kilometer sind? Wie kann man diese Entfernung ein wenig greifbarer machen?
Nun diese Entfernung erhält man, wenn man eine Billion Euro-Stücke nebeneinander hinlegt …
Meine fünf Cents zu medialen Zahlenspielen …
Religion ist, wenn man trotzdem stirbt
Regenzeit in München.
Bindfäden ergießen sich aus Kübeln, als ob der Siebenschläfer am 27. Juni sieben Woche Dürre verkünden wird.
Ein typischer Novembertag.
Grau.
Regnerisch.
Trist.
Beerdigungswetter.
Mitten im Jahr. Fast Ende Juni. Vorgestern hatte der Sommer begonnen. Und von nun ab geht’s bergab. Der Winter ist im Anmarsch.
Wie schrieb schon Paulus in seinen ersten Brief an die Korinther?
„Der Sommer ist verschlungen vom Sieg. Sommer, wo ist dein Sieg? Hitze, wo ist dein Stachel?“
Hm? Hat der so gar nicht gesagt? Falsche Übersetzung?
Genau! Weg mit falschen Übersetzungen! Hin zu neuen Erklärungen!
Also, hin und weg zu einem ehemaligen Grafiker der kölschen Firma „4711“. Hin zu Mythen in Tüten. Ja, was glauben Sie denn?
Was? Na, ich zum Beispiel mit einem einfachen Handy den eigenen Fotoapparat ersetzen zu können.
Das ganze Foto hat schon ein wenig „BILD-Reporter“-Charakter. Die Qualität ist auf alle Fälle dementsprechend. BILD-Zeitungsmässig. Man möge mir großzügig verzeihen und vergeben. Und es zum Vergrößern anklicken.
Und was sieht man nun auf dem verrauschten Foto?
Jürgen Becker mit einem Kölsch-Kranz voller Sion-Kölschstangen. Die hat er kostenlos seinen Gästen von seinem Kabarett-Programm „Ja, was glauben Sie denn?“ serviert. Mit Kölscher Hintergrundmusik.
Da kam aber Freude auf. Mitten im Herzen Bayerns. Der Weltstadt mit Herz. Da, wo man Bayern nie das Wasser reichen darf.
Wie meinte Jürgen Becker, als er mit den ersten beiden Kölsch-Kränzen wieder hinter der Bühne hervorkam?
„Langen Sie ruhig zu, hier können Sie Ihren Eintrittspreis wieder raussaufen.“
Jawohl, Herr Becker. Hab ich gemacht, Herr Becker. Vom vielen Lachen war meine Kehle auch schon ganz trocken geworden.
Im Herzen von Weißbier und „Laß dir raten, trinke Spaten“. Ein Kölsch in einem echt bayrischem Lokal zu trinken, das hat was. Vergleichbar ist das ganze damit, ein Kölsch an der längsten Theke der Welt in D-Dorf-Stadt zu verschnabulieren und dann leise vor sich hin zu singen:
Trinke die Freude, denn heut ist heut
Das was gefreut, hat noch nie gereut
Fülle mit Leichtsinn dir den Pokal
Karneval Karneval
Hast du zum Küssen Gelegenheit
Mensch dann geh ran mit Verwegenheit
Sage nicht nein, wenn das Glück dir winkt
Bald das Finale erklingt
Am Aschermittwoch ist alles vorbei …
Text: Hans Jonen
Musik: Jupp Schmitz
Wer Jürgen Becker demnächst in seiner Nähe sehen kann, meine Empfehlung: UNBEDINGT REINGEHEN!
In seinem Programm geht es um Humor, Evolution und die drei abrahamitischen Religionen. Und das ganze hochphilosphisch verstrickt, untermauert und dann abgesegnet.
Oder wie Jürgen Becker es ausgedrückt hat:
Humor ist wenn man trotzdem lacht.
Philosophie ist, wenn man trotzdem denkt.
Religion ist, wenn man trotzdem stirbt.
Keine ruhige Kugel
Ein Platzhirsch muss sich bewegen. Die „Ziehung der Lottozahlen“ am Samstag soll auf einen späteren abendlichen Zeitpunkt verschoben werden, so kam die Nachricht heute von der ARD. Die Samstag-Sportschau der nächsten Bundesliga-Saison soll bis 20:00 dauern. Daher bliebe für die Ziehung der Lottozahlen nur ein späterer Austragungszeitpunkt.
Mein Vorschlag:
Die „Ziehung der Lottozahlen“ kann direkt mit dem „Wort zum Sonntag“ kombiniert werden. Gleiches zu Gleichem. Denn beide haben es ja bekanntlich mit Kreuzen …
Unverständliches auf Westerland von der Netzeitung …
«Besonders erschreckend waren dabei die hohe Anzahl der zum Teil erheblich alkoholisierten Teilnehmer und das damit verbundene Aggressionspotenzial», erklärte die Polizei.
Hm. Aha. Spontan-Fete auf Sylt und alle blau. Und aggressiv wegen dem Alk.
Oder doch nicht?
Weil der Strand aber nur von ein paar Ghettoblastern beschallt worden und der Getränke-Nachschub schon bald ausgeblieben sei, habe sich die Stimmung der Partygäste schnell verschlechtert.
Was denn nu? Blau und aggressiv oder zu wenig Alk und aggressiv?
Oder kommt nach genügend Alk die unaggressive Phase?
Arcandor – das Monster bei Karstadt, das im Dunkeln lauert
Na endlich! Wurde aber auch allerhöchste Zeit.
Jetzt hat dieser Laden mit seiner Hintergrundsdudelmusik seine gerechte Strafe erhalten. Wer alte Schlager über hauseigene Quäk-Lautsprecher nicht nur aufwärmt sondern auch verhunzt, dass es dem Kunden dabei speiübel wird, der hat es nicht anders verdient. Dieser mehrgeschossige unpersönliche Tante-Emma-Laden mit amerikanischen Shopping-Mal-Anwandlungen.
Weg damit! Mit ihm und all seinen „Wenn es nicht im Regal steht, haben wir es auch nicht!“-Verkäuferinnen.
Schon mal Schuhe in Größe 46 gesucht?
Nein?
„Sagen Sie mal, haben Sie denn keine Herren-Schnürschuhe mit Ledersohle in Größe 46?“
Schon mal so was in aller Naivität in deren Schuhabteilung gefragt? Nein? Dann kamen Sie noch nie in den Genuss deren hochphilosophischer Antwort:
„Wir haben ‚keine Herren-Schnürschuhe mit Ledersohle‘ in Größe 64. ‚Keine Herren-Schnürschuhe mit Ledersohle‘ in Größe 46 kriegen Sie bei Clamotten-Anton.“
Eine Unverschämtheit.
Mal abgesehen davon, dass so was doch glatt gelogen ist. Denn ‚keine Herren-Schnürschuhe mit Ledersohle‘ gibt es nur bei Eisen-Hans oder bei Obi.
Da fragen Sie sich schon, welche Schulungen die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen bei Karstadt erhalten haben. Vielleicht eher mathematische Nachschulungen „Wie berechne ich die verbleibenden Arbeitstage bis zu meiner Rente“. Oder auch „Welche Gesprächsthemen sind mit Kollegen immer zu führen, wenn Kunden in der Nähe sind“.
Selbstbedienung wurde damals bei Karstadt ganz groß geschrieben. Selbstbedienung bis man davon von selbst bedient war.
Ich erinnere mich noch an dunkle Mittelalterzeiten, als ich als Kind mit meinen Eltern noch Fangen und Verstecken mit den Verkäuferinnen spielte. War das putzig. Wir mussten sie suchen und die versteckten sich. Hätten wir eine entdeckt, hätten wir sie als Kindermädchen behalten dürfen, hatte uns mal ein Karstadt-Mitarbeiter nach Dienstschluss erklärt. Wir trafen ihn an einer Tankstelle. Wir durften ihn nicht behalten.
Ich wuchs ohne Kindermädchen auf.
So.
Und nu ist Karstadt weg vom Schaufenster.
Na gut, nicht gleich. Erstmal ist das Insolvenz-Verfahren beantragt worden, um Arbeitsplätze zu schaffen.
Das muss jedem erst einmal klar werden. Denn auch im Falle von Arcandor gilt, Insolvenz-Verfahren schaffen immer Arbeitsplätze. Mindestens einen. Den für den Insolvenz-Verwalter.
Und daher war es auch dumm, Opel die Schaffung eines neuen Arbeitsplatzes zu verweigern. Diese dummen SPD’ler. Einfach die Intention des Wirtschaftsminister Guttenberg, Arbeitsplätze zu schaffen, mit der Bestrebung, Arbeitsplätze zu erhalten, zu durchkreuzen. So was macht man doch nicht. So was von unsinnig. Aber solche Fehler macht niemand zweimal.
Zumindest bei Arcandor hat die Arbeitsplatz-Schaffung geklappt. Und die SPD ist auch lernfähig. Guttenberg, SAL Oppenheimer und Madelaine Schickedanz feiern, einen Arbeitslosen von der Straße geholt zu haben. Und solange dieser Insolvenz-Verwalter nun die Akten und Werte bei Arcandor sichtet, solange befindet sich Karstadt auf dem Weg in die Seitwärtsbewegungen.
„Seitwärtsbewegung“.
So bezeichnen fortschrittlich denkende Arbeitgeber inzwischen den Stillstand. Klar. „Fortschrittlich“ und „Stillstand“, das passt zusammen wie „Feuer“ und „Wasser“. Also muss man „Wasser“ ersetzen. Am besten mit „Öl“. Dann wird alles nicht mehr so statisch und lkangweilig vorhersehbar, wenn Öl und Feuer zusammen kommen.
Und der bislang verwendete Begriff „Null-Wachstum“ hört sich auch viel zu statisch an. So wie „Null-Appetit“ in der Sahel-Zone. Darum „Seitwärtsbewegung“. Das klingt dynamischer. Das hat mehr Power. Das hat Coolness!
Auf der Straße des Fortschritts mutet dann der Begriff „Seitwärtsbewegung“ wie das Ausscheren beim Überholmanöver an. „Seitwärtsbewegung“! Das klingt wie „Wiener Walzer“. Und ein wahrer „Wiener Walzer“ wird nach den Regeln des Anstands getanzt. Den Normen der Sittlichkeit entsprechend. Daraus leitet sich im Deutschen auch der Begriff „sich schicken“ ab, so sagt der „Duden“, auch wenn es nicht logischg erscheint.
Aber was ist schon logisch? Seitwärtsbewegungen beim Wiener Walzer? Ist so was überhaupt schicklich? Ob Seitwärtsbewegungen beim „Wiener Walzer“ schicklich sind, dass bestimmt die Art der Bewegung. Sind diese Bewegungen mit modische Feinheit und Eleganz verbunden, dann kann ruhig auch das französische Wort „chic“ für „schick“ benutzt werden. Am besten mit einer Noblesse der Nonchalance verbunden leicht nasal ausgesprochen. Das schmückt.
Chic tanzen, das will jeder gehen. Aber nur im Kölschen, da kommt die Aktualität der Noblesse auch ohne Nasalitäten glänzend zur Geltung. Wie der Kölner in seiner Mundart zu sagen pflegt: „Schick danzen“.
Womit wir wieder bei der Frau Schickedanz und ihren Oppenheimern angekommen wären.
Wie die um die Hilfsgelder von der Bundesregierung getanzt haben, das war allerdings gar nicht ganz so schick wie bei den Opel’anern. Schickedanz und Oppenheimers Fähigkeiten in Sachen „Tanz“ hatten die Anmut von „Kleiderschrank schieben“. Da war nichts von „schwebend so leicht wie eine Feder“.
Darum wollte auch niemand mehr mit Arcandor tanzen. Weder die Merkel noch der Steinmeier. Ausgetanzt hatte es sich dann.
Trotzdem übt sich nun Arcandor mit Karstadt und Quelle jetzt in Seitenbewegungen. Um mit dem Monster bei Karstadt zu tanzen.
Was?
Ein Monster bei Karstadt?
Sie kennen es nicht?
„42, bitte 7.“
oder
„15, bitte.“
oder
„72, bitte sofort 3e!“
Sie kennen das Tagebuch des Karstadt-Bombers nicht? Schauen Sie im Internet Ihres Vertrauens nach. Sie werden schon lesen, was das Monster bei Karstadt mit seinen Kunden so machen kann. Ungefährlich ist das nicht. Das Monster, das im Dunkeln lauert: http://www.leo.org/information/freizeit/fun/karstadt.html
„20, bitte 20!“
Nebenbei: Einige Dechiffrierungen dieser codierten Sprache finden sich hier: http://www.nostrada.net/Fun/Bilder/codes.jpg
Und jetzt ist es raus.
Losgelassen.
Das Monster bei Karstadt.
Raus aus dem Dunkeln, rein ins Scheinwerferlicht für Rampensäue.
Licht aus! Spot an!
Hey und hier ist es, das Insolvenzmonster! Applaus, applaus, applaus!
Der König ist tot, es lebe der König. Nur soooo einfach stirbt es sich nicht bei Karstadt.
Erinnert sich noch wer an den Fernseh-Vierteiler vom Dieter Wedel? „Der große Bellheim“ von 1993? Die Geschichte von den vier Rentnern, die die Kaufhauskette „Bellheim“ vor einem gierigen Investor retten? Nein? Wie hieß darin nochmals der Investor? Daran erinnert sich jetzt doch kein Schwein mehr. „Karl-Heinz Rottmann“ hieß der böse Investor im „Der große Bellheim“.
Ein Dutzend Jahre später nach der Bellheim-Erstausstrahlung kam ein Manager „Thomas Middelhoff“ bei Karstadt vorbei. Qualifiziert war er schon. Mit Bertelsmann im Huckepack stieg er bei der Online-Tauschbörse „Napster“ ein. Zwei Jahre später war „Napster“ pleite. Und Middelhoff war inzwischen schon bei einem Finanzinvestor untergekommen. Einer Private-Equity-Gesellschaft.
Zur Erklärung:
„Private-Equity-Gesellschaften“ sind Gesellschaften, die ihren Fokus auf maximalen Ertrag bei geringem Risiko legen. Mit „Heuschreckenschwärmen“ hatte Müntefering diese Gesellschaften verglichen und jeder hat empört aufgeschrien. Diese „Heuschreckenschwärmen“ verhungern jetzt aber, weil die Wirtschaftskrise ihnen vor der Nase deren Nahrung weg frisst: Den risikoarmen Ertrag.
Dieser Middelhoff wechselte aber ein weiteres Jahr später zu „KarstadtQuelle AG“ und schmiss all sein Finanzinvestoren-Wissen und all seine BWL-Rezepte in einem Topf, nannte es „Arcandor“ und rührte fleißig in dieser Melange herum, bis alles Unausgegärte anfing zu gären. Und es entstand etwas neues.
Ganz was Neues.
„Committed to creating value“ ist der Leitspruch Arcandors. Übersetzt auf Deutsch: „Verpflichtet, Werte zu schaffen.“
Ist?
Habe ich „ist“ geschrieben?
„War“ wäre wahrer.
Oder zumindest ehrlicher. Aber was ist schon ehrlich. Ein Manager mit Ehrenkodex und sozialem Gewissen? Oder ein Manager ohne Ehrenkodex aber mit Betriebswirtschaftslehrestudium?
Was ist mehr wert? Ein Studium oder ein Unternehmen, das man gegen die Wand fährt?
Eine Frage der Mehrwert-Ehre. Committed to creating value. Werte schaffen mit immer weniger Schaffen. Den „Minus-Mehrwert“.
Wie beim „Kaufhaus Kortum“ in Bochum. Dort wurde die Serie „Der große Bellheim“ nach Ladenschluss gedreht. Und es führte zu der Diskussion, welche Werte mehr wert sind. Alte oder neue. In der Serie „Der große Bellheim“ wurde die Kaufhauskette „Bellheim“ gerettet. „Kaufhaus Kortum“ in Bochum allerdings ging den absoluten „Minus-Mehrwert“-Weg. Auf gut Deutsch: Konkurs.
Und wenn das Insolvenzmonster bei Karstadt sich die Wampe voll geschlagen hat, dann wird sich keiner mehr über verschlüsselte Durchsagen, Dudelmusik oder unsichtbares Verkaufspersonal mehr ärgern. Aber dann wechseln wir einfach in den „Hertie/Kaufhof“-Konzern. Der wird dann bestimmt die Verwertungsrechte für verschlüsselte Durchsagen, unsichtbares Verkaufspersonal und Dudelmusik aus der Insolvenzmasse „Karstadt“ herausgelöst haben.
Schließlich will ich mich auch morgen noch kraftvoll aufregen können, wenn es wieder heißt:
„4711, bitte sofort 08-15.“
oder auf Deutsch, für jedermann verständlich:
„Frau Meier, Sie sind ab sofort freigesetzt.“

