Die Wissenschaft hat festgestellt …

Die amerikanische „Nielsen Norman Group“ hat festgestellt, dass deren Probanten am PC die ersten Zeilen eines Textes folgten, dann aber stark mit dem Lesen nachließen, um dann in der Mitte des Textes nochmals aufmerksam zu werden und dann mit wachsender Unaufmerksamkeit den Rest zu lesen.

Insgesamt folgte die Lesegewohnheit einem F-Muster:
Erste Zeilen lesen, dann nur noch die Anfänge der nächsten Zeilen. In der Mitte vom Text wird erneut gelesen und dann bis zum Schluss wieder nur die Anfänge. So wird das untere linke vom Text noch wahrgenommen, aber das rechte untere Seitenende fast kaum noch.

Das ist auch gut so, werden jetzt einige deutsche Web-Seiten-Besitzer mit Sitz in Dubai, Saudi Arabien, Eritrea oder sonstwo denken. Denn oben befindet sich das Werbeangebot, in der Mitte muss man seine Daten eintragen und links unten ist dann der Knopf auf dem „Senden“ oder „Abschicken“ steht.
Und rechts unten steht dann in Kleinstbuchstaben „Dieses Angebot ist ein Abo und kostet 27,90 Euro im Monat.“
So tappt der unbedarfte Internetnutzer in eine Kostenfalle, auf die er durch eine Rechtsanwaltskanzlei oder ein Inkassobüro aufmerksam gemacht wird.

Dieses Internet-Leseverhalten ist nun wirklich nichts neues. Viele Menschen haben dieses Verhalten. Und bei Computer- und Internetbenutzern findet sich insbesondere dieses ausgeprägte Merkmal des „F-Muster-Querlesens“.

Selbst dieser Eintrag ist zu lang und nur wenige lesen noch diese Zeilen. Der Leser steht auf kurze knackige Einträge wie „Mir geht’s beschissen“ oder „Das Wetter ist ätzend“ oder …

… jetzt wird auch langsam klar, warum die „Kreditanstalt für Wiederaufbau“ (KfW) der amerikanischen Lehmann-Brother-Bank nach Bekanntgabe deren Konkurses (nicht „Insolvenz“) 300 Millionen Dollar noch hinterher geschoben hatten. An den PCs der KfW saßen ein extremes Exemplar Mensch von diesen „F-Muster-Querlesern“. Denn dort hatte jener wahrscheinlich folgenden Text vor sich liegen:

Liebe Leute, schöner Tag heute, nicht wahr? Die Nachrichten vom Wochenende mitbekommen? Die Welt ist ja so mies. Oder etwa nicht? Damals war alles besser. Wirklich alles war besser. Da gab es noch eine Schoki gratis, wenn man für 30 D-Mark getankt hatte.
Das Wetter
ist ja nicht
gut. Es könnte
besser sein.
Es wird bald
Winter. Dumm, nicht?
Habt ihr schon
Weihnachtsgeschenke?
Einkaufen ist ein
echt harter Job.
Ganz im Gegensatz
zum Shoppen.
Shoppen ist ja
sowas von geil.
Fast genauso wie Geiz.
Apropos harter Job. Es steht wieder mal eine Überweisung an. Damit der Arbeitgeber was verdient. Ihr müsstet einer Bank in den USA Geld überweisen. Verdammt viel Geld. So an die 300 Millionen Euro. Das ist ne drei mit acht Nullen dahinter.
Was man damit
alles machen
könnte. Shoppen.
Shoppen. Shoppen.
Oder Neuwagen
kaufen. Oder Häuser
bauen. Apropos Häuser
und Immobilienmarkt.
Wegen der Bank.
Da ist da so ne
Sache passiert. Die ist seit heute pleite. Überweisen ist also nicht.

Und schwups, weg war die drei mit den acht Nullen.
Dumm nur, dass die restlichen Nullen mit ihrer Null-Verantwortung für Hirnnutzung vor dem Monitor danach auch nicht mehr greifbar waren.

Die Null an und für sich ist ja auch nur eine künstliche Zahl. Die Umschreibung für das komplette Nichts, wenn sie den anderen Zahlen voran geschoben wird. Daher wird sie dann auch weggelassen. Aber erst hinter anderen Nummern bekommt eine Nullen verdammt viel Gewicht. Denn sie verleiht der Nummer davor immer das zehnfache an Größe.

Nun ja.
F-Muster-Querleser.

Bis hierhin ist jetzt eh keiner gestoßen.
Ich bastel mir jetzt nen Knopf.
Setz ihn hier drunter und vielleicht drückt ja jemand nur so zum Spaß drauf und überweist mir dann ein drei mit acht Nullen … .

F-Muster-Querleser bei der KfW.
So ein Quatsch.
Analphabeten sind das …

Nebenbei: Bei mir steht rechts unten „nach oben“.
Wem ist’s aufgefallen? Wetten, das interessiert mal wieder keine Sau?

F-Muster-Querleser …

Wollt‘ ich nur mal gesagt haben.
Guten Morgen.

Warum Beckstein Recht hat …

Weisheit

Beckstein kann das. Und darf das. So kurz vor der Bayern-Wahl und vor dem Bierfest in München mit ihren Wildbieslern (von Nicht-Bayern auch „Schweine“ oder auch „Wildpinkler“ genannt).

„Mit zwei Maß kann man noch fahren“, zitiert ihn die Abendzeitung und wird bewaffnet mit zwei vollen Maßkrügen in den Händen abgebildet. Und Recht hat er.

Warum?

Fünf Argumente, warum er Recht haben muss.

Erstens:
Mit zwei Maßkrügen hinterm Steuer schafft jeder das, was jeder geübter selbstdrehender Raucher kann: mit Fußen Gas geben und bremsen, mit den Oberschenkeln lenken und mit den Waden Gänge wechseln.

Zweitens:
Unser schlitzäugige Franken-Bayer hat von den japanischen Shogune gelernt. Was denen deren Sänfte ist, das ist unserem Bier-Beckstein der eigene Fahrer. Würden sich mehr Biertrinker Fahrer einstellen, gäbe es weniger Harz-IV-Empfänger.

Drittens:
„Mit zwei Maß Wasser kann man noch fahren“, kann ein bayrischer Politiker niemals nicht sagen. Würde das doch ernsthaft bedeuten, es könne überhaupt jemanden geben, der einem bayrischen Ministerpräsident jemals das Wasser reichen könne. Sowas wäre in Bayern häresie-gleich.

Viertens:
Siehe auch erstens bis drittens.

Und fünftens:
Sowieso.

Jo mei.

Da fällt einem nichts mehr zu ein. Außer vielleicht noch der CSU-Politiker Otto Wiesheu. Mit 1,75 Promille hatte er bei einem Verkehrsunfall einen seiner potentiellen Wähler getötet und einen Menschen schwer verletzt.

Soweit zum Thema, wie ungefährlich das Fahren unter Alkoholeinfluss für den Fahrer eines Autos an und für sich ist. Wiesheu war ehemals Verkehrspolitiker und sitzt jetzt bei der Deutschen Bahn im Vorstand.

Und das ist jetzt vielleicht das letzte Argument, dass man mit zwei Maß generell in Bayern auch noch vorwärts kommt. …

Der große Selbstbetrug

Er ist der wirklich wahre Sohn unseres Ex-Großkanzlers.
Locker bewältigte er das, was unter MS-WINDOWS als „Multitasking“ bekannt wurde, von Frauen aber schon seit Jahrtausenden praktiziert sein soll: des Großkanzlers beide Söhne ersetzend, Trauzeuge spielend, Chefredakteur seiend, Fotograf und Reporter in einer Person vereint. Zu solch einer Großtat ist lediglich ein großer Journalisten bei dem historischen gewesenen Großkanzler in einer großartigen Zeit fähig:

Herr Kai Diekmann.

Und Herr Kai Diekmann ist nicht nur Journalist oder lediglich Chefredakteur, nein, er ist auch ein Essayist von Gottes Gnaden in der Tradition eines Michel de Montaigne oder eines Sir Francis Bacon.

Hierzu muss man wissen, dass im Gegensatz ein Autor eines Traktates oder der Autor einer wissenschaftlichen Abhandlung der Schreiber eines Essays (eben jener Essayist) auf objektive Nachweise und definitive Antworten verzichtet.

So schrieb also Herr Kai Diekmann seine ur-eigensten Gedanken zur deutschen Bevölkerung in dem Buch „Denkanstöße 2009“ (Piper Verlag). Dieser Essay ist gewissermaßen der destillierte Klassiker seines Buches „Der große Selbstbetrug“.

Eindringlich warnt Herr Kai Diekmann in dem Essay immer wieder davor, dass wenn überhöhte moralische Standards das politische und gesellschaftliche Handeln bestimmen, es zu einem Selbstbetrug führt. Um es gleich zu sagen, damit meint er freilich weder christlich demokratische noch christlich soziale moralische Standards. Sondern er meint vielmehr, dass uneigennütziges Handeln kein Wert an sich und „gut gemeint“ allein eben nicht „gut“ sei. Und eine Antwort sei eben deshalb nicht falsch, weil sie auf der Hand liege. Eben dieses sage schon der gesunde Menschenverstand, wenn wir ihn nur lassen würden.

So denkt zumindest der 44-jährige Herr Kai Diekmann mit seinen Denkanstößen für das Jahr 2009, wenn er 45 sein wird.

Ja, damals wäre dieses Land noch arm gewesen und das Leben hart – so räsoniert weltmännisch der 1964 in Bielefeld geborene Ostwestfale (da wo das Leben noch immer hart ist, trotz dortigen Wohlstand und intensiven langjährigen Konfetti-Werf-Trainings während den Karnevalszeiten) – und idealistische Träumereien einiger weniger wären kein Problem gewesen.
Aber heute?
Verständniswahn, wohin der Herr Kai Diekmann auch schaut. Und es schaudert ihn. Pures Entsetzen schüttelt ihn über jahrelang betriebene Verharmlosung von Multi-Kulti, vorsätzlicher Duldung wahlloser Immigration in Deutschland und der schäbigen Aufwertung kommunistischer Regime.

Wir aber besitzen im Luftreich des Traums
Die Herrschaft ganz unbestritten.

, spottete Heinrich Heine als es nach Beendigung des „Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“ nur den Deutschen Bund und die Habsburger Donaumonarchie gab.

Herr Kai Diekmann sieht den Deutschen schon wieder beim Realitätsverzicht angekommen. Die Büchse der Pandora der Deutschen soll Ende der 60er Jahre geöffnet worden sein und das Schlechte, was aus dieser Büchse entwich, seien die Hoffnung auf Gleichheit, Solidarität und Liebe aller Brudervölker gewesen. Bevor jedoch auch Skepsis aus der Büchse entweichen konnte, wurde sie wieder geschlossen, so Herr Diekmann.
Und seitdem schlagen wir uns also mit Selbstbetrug herum.

Nun. Vielfach waren diese Selbstbetrügereien. Wir glaubten an das Gute und heraus kam dann beispielsweise …

… Milli Vanilli und mit diesem Popduo die Hoffnung, dass deren Gesang und Getanze wahrhaftig sei. Sie sahnten den amerikanischen Grammy Award ab. Biss dann Produzent Frank Farian die Hoffnung zerstörte und der Presse erzählte, dass andere für dieses Popduo gesungen hatten. Das erstaunte Entsetzen war groß. Und die öffentliche Abstrafung dann nicht minders.

… der ehemalige deutsche Immobilienunternehmer Jürgen Schneider und sein „Imperium der Hoffnungswerte“ (wie dessen Richter bei dessen Verurteilung formulierte). Uns blieb die Erkenntnis, dass Schein vor Sein geht, insbesondere bei deutschen Banken. Und dass „Peanuts“ hohe Geldbeträge sind, welche deutsche Banken locker verschmerzen können, wovon ein Kleinkreditnehmer nur träumen kann.

Spendenaffären und die Hoffnung, dass zumindest christliche Parteien aufgrund ihres christlichen Hintergrundes christlich handeln würden. Sogar in einem Koch setzte man die Hoffnung, er würde „brutalst möglich“ in den heimischen Küchen aufklären. Eben dort wo solche Suppen eingebrockt wurden. Aber auch von dieser Hoffnung durften wir lediglich träumen.

… die BILD-Zeitung mit dem Spruch „Jede Wahrheit braucht einen Mutigen, der sie ausspricht“ und der Hoffnung, die BILD-Zeitung wäre mutig. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich bei uns Herrschern des Luftreichs der Träume zuletzt. Und bekanntlich spricht BILD nicht, und Wahrheit ist bei denen so gefiltert wie gesiebte Luft (die Wahrheit ist ein wildes Tier).

Wie Herr Diekmann schon schrieb, die Büchse der Pandora der Deutschen entließ viele Hoffnungen. Zurück und unbefreit blieb die Skepsis.

Neben all diesen lässlichen Sünden einer gefestigten demokratischen Gesellschaft mit BILDungsbürgertum macht sich die Hoffnung breit, dass das kommunistisch-kapitalistisch-diktatorische System in China uns wenigstens authentisches zur Olympiade fernsehtechnisch anbieten würde.

Aber nein. Es erscheint als hätten die lediglich eine Kopie unserer hoffnungsvollen Lässlichkeit im Angebot.

Zur Eröffnung bieten die uns mit Lin Miaoke ein Milli-Vanilli-Plagiat an. Mit dem Reinschneiden von computernachbearbeiteten Feuerwerkexplosionen in die Eröffnungsshow wollen die als „Imperium der Hoffnungswerte“ erscheinen und in Sachen Bestechung sollen die unseren christlichen Standartenträgern in nichts nach stehen. Bewiesen ist zwar nichts, und niemand weiß genaues nichts. Zumindest ein Amerikaner wurde von einem Chinesen bestochen und verblutete.
Fakt ist, dass in China staatlicherseits Bestechung auch mit dem Tode bestraft wird. Der chinesische Mörder sparte Prozeßkosten und beging aufgrund seiner druchgeführten Bestechung im vorbeugenden Gehorsam Selbstmord.

q.e.d.

Es drängt sich mal wieder der Eindruck auf, die Chinesen bieten nichts eigenes. Oder doch nicht? Etwa Hoffnung?

Ich stöbere im BILDeigenen Olympia-Blog und erhoffe mir, mutige BILD-Journalisten, die live aus China die Wahrheit aussprechen. Dort, wo die BILD-Reporter bloggen: „garantiert unzensiert“, wie die Seite vollmundig verkündet. „Direkt aus Peking. Direkt aus den Stadien. Direkt aus dem Deutschen Haus.“
Nun ja, in einem Artikel schreibt ein Journalist eine belanglose Rezension über die „China Daily“.
Aber ansonsten?
BILD weiß immerhin jetzt, wo der Ballermann Pekings sich befindet und verkündet wohlgemut und mutig die Wahrheit:

Das China, das wir hier sehen, hatten wir so nicht erwartet. Hier riecht es nicht nach Unterdrückung und Maulkorb. Hier riecht es nur aus der viel zu kleinen Toilette.

Wieder bin ich in einer Hoffung betrogen worden.
Und ich stimme jetzt Hern Kai Diekmann – dem Chefredaktuer der BILD-Zeitung – komplett zu, wenn der anfangs schreibt, dass die Aufwertung kommunistischer Regime schäbig sei.
China nimmt der Herr Diekmann später im Essay allerdings dabei aus – womit es auch klar wird, warum der Bild-Olympia-Blog so handzahm daher kommt:
Länder, die kein Wahlrecht kennen oder kaum Pressefreiheit besitzen, können nach Ansicht Herrn Diekmanns durchaus attraktiv und lebenswert sein, sofern sie nur kapitalistisch organisiert seien. Und als Beleg führt er das chinesische Hongkong und Singapur mit seinem hohen chinesischen Bevölkerungsanteil als Beispiele an.

Ich schlage den Essay von Herrn Diekmann zu und fühle mich wieder einer Hoffnung beraubt:
Dass China als 200% Feindbild für ein kommunistisches Regime taugen könne, war wohl nur eine trügerische Hoffnung.

Gut.
Wir brauchen halt China. Wegen den hiesigen Kaufhausprodukten und den Goldmedailien bei den jetzigen Sommerspielen in China.
Ohne China geht das halt nicht. Warum die Hand beißen, die uns gerade füttert? Wie Herr Diekmann in seinem Essay schrieb:

„Eine Antwort ist nicht deshalb falsch, weil sie auf der Hand liegt.“

Aus der wir uns gerade füttern lassen. Wenn China also die Antwort auf unsere Frage nach dem olympischen Gold ist, dann kann es gar nicht so falsch sein, wenn bei denen nur die Toiletten anrüchig sind. Und nicht deren kommunistisches System.

So denn will ich also verstummen und mit jenem BILD-Blog das El Arenal Pekings ausfindig machen. Wenn dessen Reporter in Kaschemmen versinkt, die er so selbst nach vier Jahren Hamburger Kiez noch nicht kennengelernt hat, dann habe ich alles dort gelesen.
Bis zur bitteren Neige.
Wie „Glas leer!“
„Ganbei.“
Geleert.
Marcel Reich-Ranicki sagte mal, dass ein Buch wie eine Flasche sei. Es käme auf den Inhalt an. Das Buch an sich sei nur Transportmittel für den Inhalt.
Nun, von meinen Hoffnungen auf Inhalt bei Herrn Diekmann bin ich kuriert.

Danke, Herr Kai Diekmann. Sie werden nie Hoffnungsträger für mutige Wahrheiten werden.

… und die Flasche kommt jetzt in den Recyclingcontainer.

Kneipengespräch: Die Keimzelle der Gesellschaft

– Ist das Rauchen hier jetzt eigentlich erlaubt?

Der Wirt sah mich an, grinste und reckte mir seine Hand entgegen.
Ein netter Wirt. In seiner Hand leuchtete mir ein Sargnagel entgegen.
Eigentlich wollte ich ja schon seit dreißig Jahren aufhören zu rauchen.
„Nur eine Zigarette nur. Ich muss ja nicht weiter rauchen“, hatte ich damals in der Raucherecke zu den Größeren gesagt.
Eigentlich.
Ein schönes Wort. Denn es impliziert gleich auch noch, dass es auch das Wort „uneigentlich“ gibt. Eigentlich wollte ich schon lange aufhören zu rauchen. Uneigentlich tue ich das heute noch immer. Das „aufhören wollen“. Und eigentlich schaffe ich es ja auch immer. Nach jeder Zigarette.
Wäre ich Kettenraucher, hätte ich kein Feuerzeug und würde mir vor dem Schlafengehen immer ein kleines Lagerfeuer vor dem Bett anzünden, damit ich am nächsten Morgen gleich aus der Glut mir eine neue Zichte anstecken könnte.
Ich bin aber kein Kettenraucher. Ich besitze ein ZIPPO-Feuerzeug. Allerdings gehen mir inzwischen die hohen Benzinpreise auf den Sack. Da wird das Nachfüllen vom Feuerzeug immer so teuer. Eigentlich sollte ich wirklich aufhören, um Geld zu sparen. Ich könnt ja ganz locker bei anderen mitrauchen.

– Eigentlich könntest du mir jetzt noch ein Kölsch machen.

Ich blicke neben mir. Typisch.
Er nu wieder. Sitzt neben mir und ist schon kurz vor zwei am Kölsch picheln.
An seine Gesundheit denkt der wohl nie.

– Hey, kein Bier vor vier!
– Kölsch ist kein Bier. Kölsch ist Kölsch. Und es immer später, als man denkt. Nur für Kölsch ist es nie zu spät. Eher früh.

Er musste immer recht behalten. Ein elender Rechthaber, dieser Früh-Kölsch-Trinker. Aber wo er recht hat, hat er recht. Also?

– Herr Oberspielleiter, mir auch ein Kölsch.

So saßen wir vor unseren angetrunkenen Kölschstangen und starrten den kleinen Gasbläschen zu, wie die sich eiligst mit dem Schaum vereinigten.
Eigentlich waren alles zwischen uns schon gesagt. Aber uneigentlich …

– Auf meiner Dienstreise war ich in Brasilien. In einem Internet-Forum habe ich dann scherzhaft behauptet, ich würde in São Paulo den Zuckerhut besteigen wollen. Das haben einige mir sogar wortwörtlich abgenommen und behauptet ich sei ein Depp.
– Hm. Und?
– Na, die hatten meine Ironie nicht verstanden.
– Und? Hast du ihn dort bestiegen? Du bist doch sonst so unsportlich. Du müsstest dich ja sowieso dann dort hochrollen. Wenn die da keine schmalen Türen haben, sollte es für dich kein Problem sein.

Nein, so wird das nichts mit der Konversation. Der weiß ja noch nicht mal, wo der Zuckerhut steht. Und außerdem bin ich nicht dick. Höchstens zu klein für meinen Bauchumfang.
Er nahm einen Schluck aus seinem Glas und dreht sich mir etwas seitlich zu.

– Ein Freund hatte mir neulich eine Geschichte erzählt. Ein wenig heftig. Er kam nach Hause und seine Ehefrau hatte starke Schmerzen. Ihre zwei Kinder standen untätig um das Bett herum, während sie nach den Notarzt verlangte.

Hm. Hört sich ja nicht nach fröhlicher Sonntagsgeschichte an. Ich drehte mein Glas und hörte ihm zu.

– Er rief den Notarzt und erfuhr von seiner Frau, dass die Kinder schon seit einer halben Stunde untätig herum gestanden hätten. Seine Frau musste dann direkt ins Krankenhaus. Magendurchbruch. Das eine der beiden Kinder ging mit seinem Vater täglich hin. Aber der andere, der wollte nicht. Der sagte lediglich, dass er nicht wüsste, was er dort im Krankenhaus tun solle. Er könne doch eh nichts für seine Mutter tun. Der Sohn der Mutter sagte das. Unglaublich, nicht?
– Ist er hingegangen?
– Nein. Als sein Vater meinte, der Junge wäre doch sicherlich auch froh, wenn er nicht allein gelassen würde, wenn er krank sei. Darauf entgegnete der nur, er wäre noch nie im Krankenhaus gewesen. Zudem hätte es ihn – seinen Vater – nicht zu interessieren, was er tue und was nicht.
– Und? Isser jetzt obdachtlos?
– Nö.
– Hätt‘ ich dem aber gegönnt, wäre er rausgeschmissen worden. Muss ja seinem Vater auch nicht interessieren, ob grauer Asphalt hart ist …

Die Welt ist schon turbulent. Und immer wieder passiert was unvorstellbares.
Es gibt nichts, was man sich nicht denken könnte.
Vielleicht ist es aber auch so, dass das Denken erschafft? Wie heißt es bei Dürrenmatts „Die Physiker“: „Was einmal gedacht wurde, kann nicht mehr zurückgenommen werden.“
Das Undenkbare wird denkbar. Am Anfang war das Wort und durch das Wort wurde die Welt erschaffen, heißt es in der Populärübersetzung der Bibel.
Und wenn es entdeckt wird, dass das Undenkbare geschehen ist, dann ist das Geschrei groß und erschafft noch viel mehr Undenkbares.
Als in der Münchener U-Bahn Jugendliche einen älteren Mann fast tot geschlagen hatten, da war das Entsetzen groß. Die Worte „Jugendkriminalität“ und „Ausländerkriminalität“ liefen die Medien rauf und bestimmten Politikern wie Honig runter.
Als dann kurze Zeit später sich ein Rentner von fröhlichen Jugendlichen urplötzlich bedroht fühlte und dann einen Jugendlichen vor die einfahrende U-Bahn schubste, da wartete ich nur noch auf den Leitartikler, der vom eröffneten Krieg der Generationen sprechen würde. Es passierte aber nichts. Politiker diskutierten auch nicht über „Rentnerkriminalität“ und ob man die „Renten“ als Prävention nicht gleich abschaffen sollte. Keine Renten, keine Rentner, keine Rentnerkriminalität mehr.

Aber da hatte ich mir wohl zuviel vorgestellt. Meine Worte erschaffen noch längst keine Wirklichkeit. Und von Realität ganz zu schweigen. Oder umgekehrt. Oder zugleich. Bin ich Gott?
Egal.

– Meinen Freund hatte diese Kälte überrascht. Denn der Junge hatte ihm schon mal erklärt, dass, falls jemand die Familie angreifen würde, er würde für sie kämpfen.
– Dessen Verhalten verwundert mich nicht.

Er sah mich verwundert an und ich nahm ein Schluck aus dem drogenhaltigen Geistesvernebler, das alle nur „Kölsch“ nennen.

– Wieso verwundert dich das nicht?
– Weil es unserer Gesellschaft entspricht. Wird die Gemeinschaft angegriffen, dann verteidigt sie sich. Bis zum letzten Blutstropfen. Aber kommt die Gefahr von innen, dann ist der Einzelne der Gemeinschaft hilflos. Er kann einfach nichts tun, weil ihn ja in der Gemeinschaft nichts bedroht. Ohne Bedrohung der Gemeinschaft kein Kampf. Das funktioniert so in der Familie, in der Schule, auf der Straße, im Staat. Greift jemand die Familie an, dann wird diese verteidigt. Wie oft habe ich schon den Satz gehört „Packt jemand einen meiner Familie an, dann mach ich den tot, ich schwöre“. Es ist ja auch einfacher die Gefahr von außen zu bekämpfen als die Gefahr von innen.
– Hm.
– Ich garantiere dir, würde jemand von außen das deutsche Gesundheitswesen angreifen, beispielsweise eine Art Hedge-Fond, dann wäre dieser unser Staat und seine Politiker richtig wehrhaft. Und die Bürger würden alles für ihr Gesundheitswesen unternehmen, dafür kämpfen. Aber wenn die gleichen Politiker, die alles verteidigen wollen, alles im Innern demontieren, dann regt sich nicht viel. Das wird fast gleichgültig hingenommen. Man sagt ja uns auch dauernd, dass es so sein muss.
– Die Gleichgültigkeit?
– Die auch. Weil in Deutschland ist Ruhe ja immer noch erste Bürgerpflicht.
– Was du da plapperst, erinnert mich an einen Baum. Der ist gegen Wind und Wetter wehrhaft. Aber vermodert der innerlich, dann bricht er bald. Dann fällt die stolze deutsche Eiche, an der sich jede Sau umsonst gerieben hatte.
– Mir sind die Amazonas-Riesen lieber als jene mickrigen deutschen Eichen.
– Aber an denen reiben sich inzwischen auch schon zuviel Säue. Mit deutscher Wertarbeit „Made by Stihl“ bereiten die denen den Garaus. Solange man gut verdient und nicht eine Gruppe von außen angreift, klappt doch sowas ganz passabel. Verteidigung ist nicht zu erwarten.
– Wenn die Armen ärmer werden und die Reichen reicher, dann ist das auch nicht so wichtig, wenn es von innen her kommt. Würde es von außen her kommen, dann wäre ein Zetermordio und ein Hauen und Stechen hier in Deutschland gegen den Feind, der die „Familie“ angreift. Aber das haben wir ja nicht. Die Armen sind ja selber an ihrer Armut Schuld. Sie arbeiten ja nicht wirklich richtig. Sagen die, die deren Armut festlegen.

Sein Grinsen ließ mich im Redefluss stocken. Er hatte plötzlich was schelmisches an sich. Und irgendwie hatte ich die Befürchtung dieses schwere Sonntagsgespräch würde in seichteres Fahrwasser stranden.
Er schaute mich grinsend an, während er zwei weitere Kölsch orderte.

– Ist ja auch klar. Nicht jeder erbt reich oder kann erster Klasse nach Lichtenstein fliegen. Und schon allein sowas zu organisieren, ist verdammt harte Arbeit. Weiß eigentlich ein Armer, wie teuer so ein privates Schwimmbecken in den eigenen vier Wänden ist? Die Unterhaltskosten? Der tägliche Wasserwechsel? Das Aufheizen auf 36°? Und dann die Küddel der eigenen Kinder rausfischen müssen? Oder jemanden finden, der so eine Drecksarbeit macht? Das ist nicht einfach. Davon macht sich ein Armer kein Bild, wieviel sowas kostet, wieviel man dafür arbeiten muss. Und dann noch all die vielen Biergläser, Sektflöten und Cocktails, die die Reichen in ihrer Freizeit per se vernichten müssen, damit man im Gespräch bleibt.

Der Wirt stellte uns zwei neue Stangen hin.
Wir prostete uns zu und ich ließ mir danach durch den Kopf gehen, dass wir wohl möglich gerade einem Reichen von seiner Last befreiten, in seiner kostbar teuren Freizeit sich um unsere Kölsch zu kümmern.
Besser ist das.
Nicht für so einen, aber für uns.

Hm.
Das Gespräch war abgestorben.
Stille machte sich breit, die die neuerliche Leere unserer Kölschstangen füllte.
Ob ich ihm jetzt nochmals von meiner Erstbesteigung des Zuckerhuts in São Paulo erzählen sollte?

Klimaversündiger "Dicke"

Na also! Jetzt ist es auch in der Presse! Dicke haben einen Anteil an der schlechten Klimabilanz:
Sie essen zuviel, sie schwitzen zuviel, sie furzen zuviel, sie verbrauchen zuviel Energie, sie sind schlichtweg einfach zuviel.
Das Weltklima kann sie als massive CO2-Produzenten nicht verkraften!
Und wo hab ich’s gelesen?
Na, hier! Bei der Netzeitung, die immer mehr gen Boulevard schlingert.

Wobei, mir fällt da eine Szene ein, die ich in Brasilien miterlebt hatte:
In der südbrasilianischen Küstenstadt Balneário Camboriú, ein Mekka der argentinischen Strandtouristen:
Ein Mercedes Straßenkreuzer kommt angerauscht und hält vor einem Restaurant, einer Churrascaria, einer Art „All-meat-you-can-eat“-Restaurant. Die Tür des Wagens öffnet sich und ein unheimlich fettleibiger Mensch quillt heraus. Ein Restaurant-Page übernimmt den dann lässig zugeworfenen Fahrzeugschlüssel und die Masse Mensch wogt gen Eingangstür. Und als der Mercedes mit dem Pagen weg fuhr, merkte ich, der Wagen war ja gar nicht tiefer gelegt.
„Das ist der Besitzer der Churrascaria“, raunte mir mein Begleiter zu.
Der Koloss verschwand ohne Probleme durch die Tür in sein Restaurant. Rechtzeitig zum Abendessen.
Ich wette, wenn jener Mensch flog, dann buchte der gleich immer drei Sitze nebeneinander …

Alles klar.
Dick-sein ist klimaschädigend. Bei der saumäßigen Umweltbilanz, die solche dickleibigen Menschen vorweisen können.

Aber es gibt ja auch den staatlich legitimierten Ablasshandel in Sachen Klima. Die einen Länder kaufen den anderen CO2-Emissionsscheine ab und dürfen dafür mehr CO2 rauspusten.

Und so machen wir es auch bei fettleibigkeit. Wenn wir hier zu dick werden, dann sterben halt woanders ein paar Menschen mehr an Hunger.
Somit passt’s schon wieder in der Öko-Bilanz.
Man sieht, Dicke können nun wirklich nicht für das schlechte Klima haftbar gemacht werden.

Selbst Caesar wollte schon als Staatsmann Dicke um sich haben. Sie kamen, die Dicken. Und wer starb dafür? Eben. Der Hungerhaken Caesar und danach auch er, sein nicht minder Magermodell Sohn Brutus. Die waren zu dünn. Das hatte die Natur passend nun mal so eingerichtet.

Da brauch also niemand über Dicke als „Klimaverschandler“ aufregen, solange wir hier nicht noch paar Verhungernde in der sogenannten Dritten Welt in petto haben.
Wir lassen uns doch unseren Hunger nicht vermiesen!
Auch nicht von der Netzeitung mit ihren Boulevard-Artikeln.

Mahlzeit.

Dumm und dümmer (Voll gegen die Wand … Teil 2)

Ich kam wieder zurück.
Der gleiche Weg.

Und da war er wieder.
Munter wie ein VARTA-Häschen. Kein bisschen abgekämpft.
Wieder stellte er sich mir in den Weg. Immer noch mit seiner selbst gewählten Mission gegen das Böse. In seiner Mission für das Gute. Gegen den Islam.
Penetrant wie ein Zeuge Yehovas.
Und wieder steppte er vor meiner Nase her.
Und wieder fing er an, mir seinen Sermon über die Gefahren des Islams vorzubeten.
Und wieder wedelte er mit seinen Papieren vor meinem Gesicht herum.
Und wieder verglich er Mohammed mit Hitler.

Wie es seiner Schulter gehen würde, unterbrach ich ihn schnell.

Überraschung in seinem Blick. Aber dann, ein Wiedererkennen leuchtete in seinem Gesicht auf.

Gut. Es habe nicht so weh getan und zudem würde er aber jetzt aufpassen.

Dabei tänzelte er wieder vor mir herum, meinen Weg blockierend.

– Vorsicht, hinter Ihnen hinten rechts, eine Laterne!

Wie instinktiv wich er nach links aus. Und donnerte erneut in eine Laterne.
Ich war verblüfft, dass es so einfach war. Fast so, wie in einem Bugs-Bunny-Zeichentrickfilm.
Durchdrungen von seiner Mission wollte der Knispel einfach nicht hinter sich schauen.

Bei manchen hilft der Satz „Lernen mit Schmerzen“, aber bei dem hier? Manche lernen halt nie. Da stand er nun erneut mit schmerzverzerrtem Gesicht und rieb sich seine Schulter.

Mein Weg war wieder befreit von diesem Überzeugungstäter. Einem nicht wirklich intelligenten.

Ich ging weiter.
Wie gut, dass es in der Innenstadt Straßenlaternen hat …

Voll gegen die Wand …

Da kam er in der Fußgängerzone auf mich zu.
Ein Papier in der Hand und den Kopf voll Überzeugungen.
In Mission gegen das Böse.
In seiner Mission für das Gute.
Mein Stoßgebet „Oh, Herr, lass diesen Elch an mir vorübergehen“ wurde nicht erhört.

Dieser Gutmensch fing an mir die Gefahren des Islams vorzubeten. Er verglich „Mein Kampf“ und den Koran. Mohammed mit Hitler.
Und immer tanzte er rückwärts gehend vor meiner Nase herum seine Blätter überwichtig vor meinem Gesicht wedelnd. Abnehmen sollte ich sie ihm. Da stehe die Wahrheit drinne. Und redete was von der Bedrohung des christlichen Abendlandes und dass wir – die Bewohner dieses christlichen Abendlandes – uns endlich wehren sollten.
Gleiches mit gleichen. Da wir die Guten seien, sei das okay.

Ich müsse nur eiligst zu meinem Termin.
Aber seine Botschaft sei wichtiger, meinte er.
Und er tanzte weiterhin vor mir herum. Und auch auf meine Nerven.
Ich wich nach rechts aus, um an ihn vorbei zu kommen. Er tänzelte ebenfalls nach rechts vor mir.
Ich ging weiter. Erbarmungslos.
Er tänzelte immer noch vor mir her. Erbarmungslos.
Ich überlegte kurz und tat einen Ausfallschritt nach links.
Er folgte diesem sofort.
Ohne hinter sich zu schauen.
Und knallte gegen den Laternenpfahl. Hart schlug er mit seinem linken Schulterblatt an und griff sich vor Schmerzen aufjaulend mit der freien Hand hin.

Ich ging weiter. Überzeugungstätern kann man halt nicht helfen …

Denn:

„Et jitt kei jrößer Leid, als, wat der Minsch sich selvs ahndeit.“

(„Es gibt kein größeres Leid, als, was der Mensch sich selbst antut.“)

Oder – für alle Anhänger des „christlichen Abendlandes“ – wie war nochmals der biblische Satz mit dem Splitter und dem Balken im Auge?

Gelesen: Die Schlagzeilen von heute

Schäuble: Wir brauchen einen leistungsstarken BND

Meinte er gestern.

Babyfon im Hotelzimmer gefunden
Porsche-Chef Wiedeking bei VW abgehört

Das passierte bereits im November 2007.

Na also.
Es geht doch.
Herr Schäuble, hören Sie doch auf zu meckern. Es wird doch abgehört, was das Zeug hält.

So.
Und wer nichts zu verbergen hat, der lege sich jetzt auch ein Babyfon unters Bett, lieber Bürger, und stelle als Sendefrequenz den Polizeifunk ein. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Für ein Abgehört-werden-Recht für alle!
Nicht lediglich Manager, Journalisten und Regierungen.
Weg mit den Sonderprevilegien!

„Truman show“ für alle!