Auf Deutsch: 50 Schattierungen von Grau

Hm, jetzt lese ich auf meinem Kindle gerade das, was ich denke, dass in allen Bestseller-Listen auf Platz 1 platziert ist. Aber irgendwie kann ich die Faszination nicht teilen.

„50 shades of grey“.

Was ist daran erotisch?
Warum stehen Frauen so auf dieses Machwerk?
Und überhaupt, wo ist da irgendeine romantische Handlung?

Fünfzig Schattierungen von Grau

Ja, und je länger ich es anschaue, ja, es könnte was mit Masochismus zu tun haben, sich so etwas als Nicht-Fotograph anzuschauen …

Dinner for Sarkozerkel – das Dream-Team zum Sylvester-Abend

Sylvester ohne „Dinner for one“?
Ehrlich?
Geht das noch?
Nein.
Das geht nicht.
Absolut nicht.
Denn:
„Madame Merkel, die selbe Prozedür wie letzte Gipfel?“
„Dat selbe wie imma, Flitzpiepe.“

‚Dinner for one‘ feat. Sarkozy und Merkel:

Guggst du hier: http://www.youtube.com/watch?v=S8kj4JBf-W0

Ertrage die Clowns (3): Über Gleichschaltungsmentalitäten und Wahrscheinlichkeiten im bayrischen Radio

Im Jahr 1949 steckte sich der junge Joachim Fest einen Zettel ins Portemonnaie, den er bis zu seinem Tode mit sich führte. Auf dem Zettel stand der Satz:

„Ertrage die Clowns!“

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Hast du etwas Zeit?
Es wird wieder länger.
Prosaisch episch überzogen.
Erheblich.
Von Hölzcken auf Stöckscken.
Keine Twitter-Kurzmeldung mit 140 Zeichen.
Auch kein Facebook-Status mit maximal 420 Zeichen.
Ich kann es nu mal nicht lassen, die Facebook-Twitter-Zeichenreglementierung oder den »1:30«-Minuten Wortbeitrag einzuhalten …

Im Juni dieses Jahres verstrich ein Jubiläumsdatum, welches weniger Beachtung erhielt, als es eigentlich verdient hätte. Mit dem »3. Rundfunk-Urteil« vom 16. Juni 1981 wurde vor 30 Jahren das Zeitalter der hohen Low-Level-Unterhaltungskunst für private Medien eröffnet. Private Rundfunk- und Fernsehanstalten in Deutschland (West) erhielten Raum für ihre Sendungen. Low-Level-Unterhaltungskunst musste sein. Der Produktionsstandort »Deutschland« vertrug nichts mit der Vorsilbe »Hoch«. Hoch waren die Arbeitslohnnebenkosten, die Steuern für Unternehmer, die Ansprüche der Arbeitslosen und Arbeitssuchenden, der Wille nach einer friedlichen Zeit (geprägt durch die Hochzeit der Anti-NATO-Doppelbeschluss-Demonstrationen, welche den Politikern »hoch« gewaltsam erschienen) … .
Soviel »Hoch« tut nie gut. Daher wird es verständlich, wenn es ein »Tief« – also ein »Low-Level« an sich – benötigte …

Prinzipiell ist nichts gegen eine Pluralität der Medien einzuwenden. Der mündige Zuschauer hatte zu damaligen Zeiten noch immer den Knopf rechts unten am Fernseher. Radioknöpfe und deren Funktionen wurden auch schon damals ausreichend beschrieben. Auch heute sind die Ausschaltknöpfe der Fernbedienung in Rot gehalten. Ein Druck auf entsprechenden Knopf, und der Quatsch hatte ein Ende. Für den »mündigen« Bürger. Was immer das auch sein mochte.

Dass vier Jahre nach jenem Urteil der amerikanische Schriftsteller Neil Postman zur »Frankfurter Buchmesse« seine vielbeachtete Rede »Wir amüsieren uns zu Tode« (»Amusing Ourselves to Death« als mp3-Hörbuch hier runterladbar: http://www.archive.org/details/Amusing_Ourselves_to_Death) hielt, das hatte mit dem Urteil nicht viel gemein. Beide waren unabhängig gehalten: das eine kam aus dem deutschen, demokratischen Rechtsverständnis (West), das andere aus dem real existierenden Leben des US-Fernsehens. Ein Jahr später hatte Neil Postman in einem gleichnamigen Buch seine Thesen ausgearbeitet und mit bemerkenswertem Erfolg auf den Markt gebracht. Für das Buch erhielt er dann auch 1986 den »Orwell Award« (»NCTE George Orwell Award for Distinguished Contribution to Honesty and Clarity in Public Language«; in Anlehnung an Georg Orwell; einen Preis, den es noch immer gibt, was aber keinen mehr großartig interessiert).
Der »mündige« Bürger konnte es lesen, wenn er wollte. Er las es. Geholfen hatte es aber nicht. Denn offensichtlich saßen die Leser bei den privaten Medien-, Rundfunk- und Fernsehanstalten …

Bislang ist mein Artikel hier nervig? Zu viel der Worte? Keine Sorge. Derer habe ich noch mehr gecopyed und gepasted aus Guttenbergs Duden.

Neil Postman hatte etwas in seinem Buch treffend beschrieben: Lesen verlangt intensives Sich-Beschäftigen mit dem Inhalt und ein Nachdenken, ein Reflektieren des Gelesenen. Ein gutes Buch kommt nicht im Stile einer BILD-Zeitung, eines Kölner EXPRESS oder der Schweizer BLICKs daher. Bücher lesen, heißt selber am Geschriebenen teilzunehmen und sich mit dem Inhalt aktiv auseinander zu setzen. Es geht hierbei um die Arbeit eines jeden einzelnen mit dem inhalt eines Buches. Deswegen sind solche Empfehlungen wie »Les‘ dieses oder jenes und du verstehst alles« sinnlos, weil sie einfach das Erkennen des Einzelnen pauschalieren und dessen Eigenheiten platt machen.
Meiner Meinung nach, muss derjenige, der ein oder mehrere Bücher liest, eindeutig intellektuell höher eingestuft werden als diejenige Person, die sich als Lektüre nur auf jene ± 80 Cent-Blätter beruft. Eine Bücher lesende Person setzt sich mehr mit seinem eigenen Leben auseinander als diejenigen, die sich rühmen, nie ein Buch im Leben gelesen zu haben. Natürlich gibt es auch hier Unterschiede: Diejenige Person, die nur John-Sinclair- oder Konsalik-Bücher liest, lässt sich nicht mit der Person auf einer Stufe vergleichen, die alle Philosophen dieser Welt durchackert. Andererseits kommt es immer auf das individuelle Ergebnis des eigenen Engagements an. Auf das Ergebnis der intellektuellen Auseinandersetzung mit dem Inhalt.
Und genau das unterscheidet beispielsweise einen Anders Behring Breivik von einem Jesus oder Mohammed: Anders Behring Breivik las viel. Die beiden anderen setzten sich mit vielen anderen Schriften auseinander. Anders Behring Breivik mordete mehr als fünf Dutzend Menschen auf jener Insel Norwegens. Die beiden anderen waren keine Massenmörder und hätten dem Anders Behring Breivik ganz was anderes zu dessen morbiden Plänen erzählt. Aber offensichtlich hatte Anders Behring Breivik sich mit deren Bücher nicht auseinandergesetzt.
Versteht mich nicht falsch: Anders Behring Breivik hat sicherlich sich mit diversen Gedankenmodellen auseinandergesetzt und seine Rückschlüsse gezogen. Für seine Fehlschlüsse darf er nun zahlen. Er erhält auf Staatskosten genügend Zeit, über seinen Schwachsinn nachzudenken. Wir können nur hoffen, dass er nicht den Weg eines Horst Mahlers geht. Ansonsten sollte ihm die Nachdenkzeit danach noch einmal gegönnt werden, statt wie im Falle des ehemaligen RAF-Mitglieds und jetzigen Verfechters der rechten Politik Horst Mahler weiterhin in Deutschland Freiraum zu geben, rechte Hatz verbreiten zu dürfen.

Zurück:
Fernsehen wird lediglich passiv konsumiert. Eine intellektuelle Verarbeitung mit dem Gesendeten ist von den Programmmachern nicht vorgesehen. Gescriptete »Realtity«-Serien dienen nur zur Befriedigung der vorurteilsbehafteten Gelüste der Drehbuchschreiber auf Kosten der Fernsehzuschauer, welchen etwas als Realität verkauft werden soll, was solche Schreiber gerne als Realität sehen würden. Gescriptet eben.
Oder Umberto Eco zitiert:
„Klar, du unterschiebst de anderen, was du selber tust, und da du etwas hässliches tust, beginnst du die anderen zu hassen. Aber da die anderen in der Regel genau das Hässliche, das du gerade tust, gerne täten, kollaborieren sie mit dir, indem sie dich glauben machen, was du ihnen unterschiebst, sei in Wirklichkeit das, was sie sich schon immer gewünscht hatten. Gott blendet, wen er verderben will, man muss ihn nur dabei helfen.“
(aus dem Buch »Das Foucaultsche Pendel«)
Wie es Henning Venske und Jochen Busse in deren gemeinsamen Kabarett-Programm bereits sagten: »Fernsehen macht keine Dummen. Sondern Dumme machen Fernsehen.«

Wenn man sich das Nachmittagsprogramm der Sender, die Rechtsurteile über Nichtigkeiten im Privatleben, die Abmahnwellen im Internet und die Zusammensetzung des Bundestags nach Berufsgruppen generell anschaut, dann fällt sofort auf, wo die Not am größten in diesem Lande ist: Rechtsanwälte und Juristen. Die scheinen momentan eine wirkliche Not in Sachen Berufsausübung zu haben. Wer es nicht in den Bundestag geschafft hat, wer im Zivilrecht keine Nische zur Marktführerschaft ausbauen konnte, wer auch im Internet keine juristische Hoheit für sich klamieren konnte, den muss wohl ein Arzt jegliche intellektuelle Tätigkeit untersagt haben, womit dem armen Menschen nur noch eine Laufbahn blieb: Drehbuchschreiber für die Nachmittagsendungen. … oder es hat ihn berufsfremdelnd ins private Radioprogramm verschlagen.
Gut. Belegt ist das nicht. Es ist meine private, persönliche, despektierliche Meinung. Eine zynisch-satirische Meinungsäußerung von mir. Nicht mehr und nicht weniger.

Nun. Das Radioprogramm in Bayern glänzt durch katastrophale, gleichmachende Aussetzer. Da wird R&B, HipHop, Rave, Rock und Balladen brav hinter einander abgespielt, ohne das sich jemand Gedanken darüber macht, ob es zueinander überhaupt passt. Keine Rolle spielt es, ob ein raviges Stück a la Dr. Alban »Sing Halleluja« sich mit einer danach gespielten Scorpions-Ballade musikalisch beißt. Da steht ein Programmauftrag eines Senders diametral konträr zum erwartenbaren Geschmack. Offensichtlich denkt jeder Programmdirektor in Gießkannenmodellen: Besser alle erhalten immer mal wieder ein Tröpfchen ihres Musikgeschmacks, dann kann auch keiner sagen, es würde eine Musikrichtung bevorzugt.
Der Jingel »Das beste der 80, der 90, der Nuller und das Beste von heute« drückt das aus, was kein Restaurant servieren dürfte, wollte es überleben: »Das Beste von Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag in einem Eintopf vom Samstag mit einem Häubchen Schlagsahne garniert vom Sonntag«. Versteht jemand warum so etwas niemand in einem bayrischen Restaurant serviert haben möchte? Die Radiomacher sehen das aber anders.
1986 probten Thomas Gottschalk und Günther Jauch im Sender »Bayern3« den Aufstand, banden bayrische Printmedien in ihre Kampagne ein, ein einheitliches Musikprogramm im Radio pro Sendung zu präsentieren. Ziel war es, kein Musikmischmasch zu senden, so dass alle befriedet waren. Deep Purple, Phil Collins, Nicki und Biermösl Blasn wurde von denen als Musikmischmasch abgelehnt. Das war vor einem Vierteljahrhundert als die gleichschaltungsmentalität die öffentlich-rechtlichen Sender wie die Pestilenz umwaberte. Damals. Sie haben sich gebessert.

Aber inzwischen auch wieder verschlechtert. Die private Konkurrenz im Nacken, das war nicht wirklich hilfreich. Es hat längst wieder begonnen. Der Kniefall vor dem Idol »Everybodys darling«.

Leuchtturm dieser Gleichschaltungsmentalität ist »Antenne Bayern«.

Kurzreisen über Bundesländergrenzen hinaus können da immer wieder erhellend sein. »Antenne Bayern« bildet hierbei immer wieder den Kontrastsender. Immer mit dem Besten der Musik und Witzen aus den letzten drei Jahrzehnten. Oder was der Programmmacher gerade dafür hält.
Und wenn es mal nicht gerade Musik ist oder die Nachrichten, die hochdramatisierend über Nichtigkeiten des Lebens berichten, dann reichen auch andere Tagesthemen, welche die Welt beschäftigen. Und – auch das muss gesagt werden – die Zuhörer mögen/ertragen es gerne:
»vox populi vox dei« so wird es den Hörern immer wieder gerne verkauft. Und der Hörer lässt sich halt gerne verkaufen. Welche Alternative hat er schon in dem radioinfernalischen Einheitsbrei? Maximal des Pudels Kern, wie bereits Doktor Faustus mal feststellte, als es zum Tacheles-reden ging.

So. Aber jetzt genug des monologisierenden, einschläfernden Einheitsbrei einer Medienschelte. Ich komme zum Kern des Ganzen. Worte sind schön, aber Hühner Legen Eier. Und Radiosender dem Hörer.

So berichtete »Antenne Bayern« letzte Woche doch glatt mal etwas kritischer über »Leerverkaufsgeschäfte«. Zumindest versucht hatte es der Sender.

»Leerverkaufsgeschäfte« sind das, wenn ich jemanden für ein wertloses Papier beispielsweise 10 Euro gebe, in der Hoffnung, es sei in ein paar Tage mehr wert. Dann – die weiter gehende Hoffnung – ich könne es doch dem Verkaufenden für den neuen Wert zurück verkaufen. Für einen Wert, der gesetzlich öffentlich garantiert wird. Und so liefen derer Tausende – ach was schreib ich; lasst es mich privatfunkrechtlich dramatisieren – es liefen Aber-Millionen zu den öffentlichen Handelsplätzen und jeder wollte ein »Leerverkaufsgeschäft« tätigen. Die Hoffnung auf Gewinn stirbt zu Letzt.

Nun sind allerdings »Leerverkaufsgeschäfte« ins Gerede gekommen. Die sollen wirtschaftlichen Schaden bringen. So sagen manche. Börsenjournalisten sagen das gerne.
Und »Antenne Bayern«?

Jetzt glaubt aber mal nicht, dass sich »Antenne Bayern« aufs wirtschaftliche Eis der Kritikübenden begeben würde. Denn bei obige erwähnten Geschäften ging um die rein private Lust an »Leerverkaufsgeschäfte«: Lotto nennt sich das.
20 Millionen gab es zu gewinnen. Da wird jeder mal gerne zum »Leerverkaufsgeschäftstätigender«.

Mal im Ernst: Wer würde nicht gerne ein Papier für 8 Euro kaufen und nachher diese Wette beim Halter dieser Wette – dem Staat – für lockere 20 Millionen Euro einlösen? Börsenmakler machen nichts anderes. Nur, dass bei Börsengeschäften ein Papier nie nur zwischen den Grenzen »völlig wertlos« (also 0 Eurocent) und »etwas wert« (±20 Euro) schwankt.

Und immer wenn der Jackpot im Lotto hoch ist, dann hat »Antenne Bayern« wieder ihren Professor in der Leitung auf Sendung. Der Professor, der dann dem Hörer erklärt, was es denn nu mit der Wahrscheinlichkeit eines Lottogewinns auf sich hat.

Der rational aufgeklärte Bundesbürger weiß ja inzwischen: der Aufenthalt unter einer Eiche bei Gewitter kann erfolgreicher sein als das Spielen im Lotto an der nächsten Lotto-Annahmestelle (was auch logisch ist: aufgrund deutscher Bauvorschriften haben Lotto-Annahmestellen Blitzableiter installiert und schützen somit folgerichtig den Lotto-Annahmestellenaufsuchenden).

Während also der Professor versucht zu erklären, dass jede Lottozahlenkombination zu jeder anderen gleichberechtigt ist (was in etwa der gleichmacherischen Musikpolitik von »Antenne Bayern« entspricht), hakt der Moderator nach, welche Lottoscheinmuster total ungünstig seien.
Total ungünstig? Richtig gelesen. Das hatte der Moderator gesagt. Wahrscheinlich hatte er dem Professor zuvor nicht zugehört. »Wahrscheinlich« ist hierbei nur ein Euphemismus, eine Beschönigung. In der Schule hätte der Moderator wegen Unaufmerksamkeit die Note »5« kassiert.
.
Der Professor erklärte also auf Nachfrage des Moderators, dass bei einer Auswertung einer Ziehung festgestellt wurde, dass ca. 8.000 Lottospieler eine Diagonale auf dem Lottoschein angekreuzt hätten. Der Moderator merkte sofort an, dass es also unklug wäre, eine Diagonale anzukreuzen. Richtig. Denn sonst müsse man den 20-Millionen-Gewinn mit 8.000 anderen Menschen teilen. Der Moderator verabschiedete den Professor und empfahl den Hörern keine Diagonale anzukreuzen. Vorgerechnet hatte er die Gewinndifferenz nicht. Bei 20-Millionen wäre der Gewinn für eine Diagonale nur 2.500 Euro gewesen. Statt 0 Euro für eine Nicht-Diagonale. Vorausgesetzt die Diagonale hätte gewonnen.

Nebenbei in obiger Rechnung von mir ist noch ein Fehler drin. Welcher? Ankreuzen bringt nur sechs Richtige. Um den Jackpot zu knacken, benötigt es aber noch eine weitere Zahl des Lottoscheins. Und die kann man nicht ankreuzen, sondern nur in der Lotto-Annahmestelle durch Auswahl des Scheins wählen. Aber das ist die höhere Kunst des Lotto-Spiel-Verlierens und selbst das Wissen kann man von »Antenne Bayern«-Moderatoren nicht erwarten. Hauptsache, die amüsieren ihre Zuhörer mit Schein-Fakten zu Tode.

Es gibt viele Sendungen im Radio, worüber ich mich echauffieren kann. Aber immer wenn ich »Antenne Bayern« einschalte, dann verreist es mich regelrecht. Aber den Grund, warum es nur mich zereist und nicht die anderen Hörer, den habe ich bislang nicht heraus gefunden. Mein Intellekt ist dazu noch nicht weitergebildet genug. Ich glaub, ich nehme mir mal wieder ein Buch zum lesen vor …

Ertrage die Clowns (1): Norwegen und seine Interpreter

Im Jahr 1949 steckte sich der junge Joachim Fest einen Zettel ins Portemonnaie, den er bis zu seinem Tode mit sich führte. Auf dem Zettel stand der Satz:

„Ertrage die Clowns!“

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Das Attentat des bekennenden Christen lässt wohl allgemein vorgeschobene Ratlosigkeit bei den Journalisten zurück. Wäre er ein Islamist gewesen, die Welt wäre so einfach zu erklären gewesen. Aber es war ja kein Pluderhosenträger sondern jemand, der die Freiheit Europas verteidigen wollte. Das passt vielen ganz und gar nicht ins derzeitige Konzept. Wie schrieb die rechtsgerichtete Internetplattform „PI“ (Quelle des folgenden Zitats ist die Internetseite http://www.pi-news .net):

Im heute viel diskutierten Manifest des norwegischen Terroristen Breivik kommt auch ein Auszug aus einem Interview Henryk M. Broders vor. Der Tagesspiegel kontaktierte Broder darauf in England, wo er sich gerade aufhält, und fragte, wie er sich dazu stelle und ob er sich Sorgen mache. Broders Antwort:
“Das einzige, worüber ich mir Sorgen mache, ist, woher ich Ersatzteile für meinen Morris Traveller aus dem Jahre 1971 bekomme. Sogar in England werden die Teile knapp.”
Eine sehr gesunde Einstellung meiner Ansicht nach!

Weitere Irrungen und Wirrungen der Glaskugelleser finden sich auf den folgenden Internetseiten hier (http://www.bildblog.de/32127/vorzeitiger-mutmassungserguss/) und hier (http://www.stefan-niggemeier.de/blog/feiges-journalistenpack/) trefflich wiedergegeben.

Im DWF (Deutsche Welle Fernsehen) sah ich heute einen Kommentar, der davon sprach, dass solche Terroristen ernst genommen werden sollten und die Ausländerpolitik in Europa besser geregelt werden müsse. Mir fiel das Frühstück dabei fast aus dem Gesicht. Wäre es ein Islamist gewesen, es wäre übrigens der gleiche Kommentar gewesen, aber mit noch wesentlich härter geforderten Gangarten wie Überwachung von Moscheen, Überwachung ausländischer Gruppierungen, Strafe bei Nicht-Integration usw. usf.. Vielleicht hätte auch jemand eine Bestrafung des Berliner Türken gefordert, der den vorsätzlich provozierenden Sarazin mit seinem Kamerateam aus seinem Lokal warf (was ja bereits die BILD-Zeitung indirekt als bestrafungswürdige Häresie wertete).
Nun war es aber keine unrasierte, dunkelhäutige mit gegelten schwarzen Haaren daher-gelaufene Pluderhose, sondern ein blondes, blauäugiges, sauber rasiert und gescheiteltes Bürschlein. Ein ausgewachsenes Jüngelchen, welches mit voller Ratio und hinterhältiger Planung zum Massenmörder wurde und sich inzwischen damit auch noch brüstet, insbesondere Sozialisten getötet zu haben.

Dass der Junge nun nicht wirklich ins derzeitige Raster der gewollten Terror-Ausübenden passt, wird viele nicht daran hindern, neue Daumenschraubengesetze gegen diejenigen zu verhängen, die damit nicht das geringste zu tun haben. Im Namen der Freiheit werden Freiheiten eingeschränkt werden. Das ist so sicher, wie bei bestimmten „Christen“ das Amen in der Kirche.

Von den Attentaten hatte ich zuerst nichts mitbekommen, weil ich auf einer Rückreise aus den USA war. Gewundert hatte ich mich am Tage der Attentate lediglich, dass die USA-Ausreise so langwierig wurde. Aber wer die USA-Einreise kennt, den wundert so etwas nicht wirklich. Als ich dann am nächsten Morgen landete und meinen Koffer vom Band holte, fiel mir erst zu Hause auf, dass eines meiner TSA-Schlösser (http://de.wikipedia.org/wiki/TSA-Schloss) fehlte. Es war zusammen mit einer Reißverschlusslasche abgerissen worden (die andere Lasche befand sich kurioserweise verbogen noch dran, so dass das Schloss wohl entweder gewaltsam geöffnet oder gleich zerstörerisch herunter gerissen worden sein musste, wobei die andere Lasche vom Koffer gerissen wurde). Mein Koffer war offensichtlich durchsucht worden. Der Grund präsentierte sich mir auch gleich: Meine vor der Rückreise geleerte Kunststoffwasserflasche. Geöffnet fand ich sie sich in meinem Koffer, obwohl ich sie vorher verschlossen hatte, damit der Rest Wasser nicht auslaufen sollte.
Ja, es war dumm von mir, eine leere Kunststoffwasserflasche im Koffer zu haben. Da sieht der Zöllner am Scanner nichts drin. Keine Flüssigkeit. Nichts. Es könnte ja also auch Gas drin gewesen sein. Richtig dämlich, nicht wahr. So etwas tut man auch nicht.
Aber welches Arsch nimmt sich trotz nicht billigem und für Zöllner jederzeit aufschließbaren TSA-Zahlenschloss (15 Euro das Schloss) heraus, erstens dieses gewaltsam zu entfernen und zweitens meinen Koffer zu beschädigen? Ist das mein Preis für diese deren verdammte Terror-Paranoia?
Super.
Eeeeeeeeeecht toll.
Stürzen die meisten Flugzeuge etwa wegen Terroranschläge ab? Als die Air-France-Maschine zwischen Rio de Janeiro und Paris im Atlantik abstürzte, waren die ersten Vermutungen gleich beim Terrorismus und der „Achse des Bösens“.
Klar, es gibt sie, die Oberärsche, die meinen, Attentate öffnen einem das Tor zur Ruhmeshalle oder zu politischen Lösungen. Ich bezweifle es nicht, dass es solche Gefährliche gibt.
Aber irgendwo hört die Vernunft auf und der Wahnsinn fängt an.
Und das nicht ausschließlich bei Terroristen.

Die Journalisten-Kommentare, die ich inzwischen zu dem Terroranschlag von rechts las, passen zu meinem Erlebnis. Alte Wild-West-Masche: Erst schießen, dann fragen. Und wenn wer dafür seinen Preis zahlen muss, heißt es entschuldigend „Kollateralschaden“. Dann muss auch niemand das zahlen, was eh da ein anderer schon bezahlt hat. So etwas nennt man in der Industrie geflissentlich auch „Eh-da“-Kosten.

Sogenannte Experten (in Regierungen und vor den Kameras und Mikrofonen der Auflagen-hinterher-Hechelnden sind sie eh da … es geht um Werbegelder und Werbeminuten; wer kein attraktives Programm hat, kriegt kein Geld mehr auf dem Markt zusammen und geht im Sinne von „Angebot und Nachfrage“ dem Gang aller wirtschaftlich erfolglosen Unternehmen, den neoliberalistischen Gang …). Und die Exekutiven spielen Hand in Hand.
Teamwork.
Und wir sollen alle brav mitspielen. Respektive mitarbeiten.
Die einen bauen die Pyramide und die anderen haben die Aufpasser und Pläne dazu. Und wir alle spielen brav mit. Denn wir finden Pyramiden toll. Letztendlich können wir darin unsere Freiheit in goldenen Särgen reinstellen. Ist das etwa nichts?

Als 2001 9/11 geschah, waren sich Kommentatoren darüber einig, dass jenes das Ende der „Spaßgesellschaft“ sein müsse. Denn angesichts solch eines ernsten Terroranschlags wäre es unglaublich, dass solche Dinge wie „Love Parade“, Raves und Hedonismus noch eine Berechtigung hätten.

Über zehn Jahre zuvor, Anfang der 1990er wurde in Deutschland der Karneval abgesagt. Denn wenn andere sterben würden (Golf Krieg No. 2, auch unter dem Begriff „Desert Storm“ bekannt), dürfen andere nicht feiern.

Jetzt, 10 Jahre später – wir schreiben das Jahr 2011 -, ertönen bereits die Kommentare, dass Länder zu sehr offen sein können, dass Europa in der Ausländerpolitik irre. Wohlgemerkt, es wird bereits nicht darüber diskutiert, wie gegen Terror von Rechts vorgegangen werden soll, sondern wie rechte Terroristen durch Politikwandel beruhigt werden können.

Selbsternannte Experten aus dem journalistischen „Allzeit-bereit-Experten“-Pool erklären uns, warum uns ein Massenmörder nicht schrecken sollte. Solche „Experten“ füllen Seiten und Sendezeiten. Oder wie BILD darüber unter dem Titel „Wie gefährlich ist dieser Täter-Typus?“ schrieb (ich zitiere lediglich den ersten und den letzten Satz; der Rest dazwischen unterstreicht beides):

Fanatische Einzelgänger oder Amokläufer erschießen nicht selten Dutzende Menschen. […] „Mit diesem Risiko müssen wir leben.“

Quelle des Zitats aus der BILD-Unterseite …/politik/ausland/norwegen-massaker/anders-breivik-wie-gefaehrlich-ist-dieser-taeter-typus-19027034.bild.html
Da muss ich mir mal den polemischen Zwischenruf gestatten dürfen: Wer redet da eigentlich noch von Fachkräftemangel in Deutschland, bei solchen Experten?

Bislang lese ich nicht vieles, was darauf hindeutet, was getan wird, um den Terror von rechten Menschen zu bekämpfen, außer dass man denen nachgeben will, indem man auf deren Forderungen mit Kompromissen eingehen könnte. Eher wird immer wieder darauf hingewiesen, dass es sich um ein Einzeltäter handele und dass Norwegen eine zu freie Gesellschaft sei, aufgrund dessen ein Einzeltäter zum Schluss kam, ein Massaker in Oslo und auf einer Insel zu realisieren.
Wie heißt es doch immer wieder in bestimmten Kreisen: Wozu brauch ich staatlicherseits im Hirn ein erhellendes 100-Watt-Lämpchen, wenn die ganzen Watt gleich in die Exekutive und ihre Oberarme gesteckt werden?

Naja, ich vermute insgesamt wird wieder die Freiheit ein Opfer der Journalisten und Politiker werden. Es wird so kommen, wie es in den letzten Zeiten immer kam: Im Namen der Freiheit werden Freiheiten eingeschränkt. Als Koonzession den Linken und Rechten gegenüber.
Aufklärung dagegen und über die verursachenden Grundübel wird seitens solchen Parteien nicht betrieben, denn Wissen ist Macht. Und es soll doch so bleiben, dass alle Macht vom Volke ausgeht und nicht, dass es zum Volke zurückkehrt.
Wie immer.
Freiheit ist gefährlich. Für Linke insbesondere wie für Rechte.
Wir warten auf deren Einschränkungen.
Im Namen der Freiheit.

Die Freiheit
(von Georg Danzer)

Vor ein paar Tagen ging ich in den Zoo,
die Sonne schien, mir war ums Herz so froh.
Vor einem Käfig sah ich Leute stehn,
da ging ich hin, um mir das näher anzusehn.

„Nicht füttern“ stand auf einem großen Schild
und „bitte auch nicht reizen, da sehr wild!“
Erwachsene und Kinder schauten dumm,
und nur ein Wärter schaute grimmig und sehr stumm.

Ich fragte ihn: „wie heißt denn dieses Tier?“
„Das ist die Freiheit!“ sagte er zu mir,
„die gibt es jetzt so selten auf der Welt,
drum wird sie hier für wenig Geld zur Schau gestellt.“

Ich schaute und ich sagte: „Lieber Herr!
Ich seh ja nichts, der Käfig ist doch leer!“
„Das ist ja grade“, sagte er, „der Gag!
Man sperrt sie ein und augenblicklich ist sie weg!

Die Freiheit ist ein wundersames Tier
und manche Menschen haben Angst vor ihr.
Doch hinter Gitterstäben geht sie ein,
denn nur in Freiheit kann die Freiheit Freiheit sein.

Blick zurück in den Zorn (oder: Kernschmelze des Vertrauens)

Anfang 1987 fand der damals frisch eingestellte Geschäftsführer der Hanauer Atomfirma „Transnuklear“, Hans-Joachim Fischer, falsche und überhöhte Abrechnungen der Abteilung „Radioaktive Abfälle“ auf. Fischer erstatte Anzeige wegen Veruntreuung von Firmengeldern. Im April 1987 begannen die umfangreichen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Ende 1987 erreichte der Skandal für nicht möglich gedachte Dimensionen. Kontaminierte Abfälle mit den radioaktiven Elementen Kobald 80 und Plutonium waren in Fässern als harmlosere Abfallstoffe deklariert worden. Diese Umdeklarierung hatten sich mehrere Mitarbeiter der Hanauer Firma „Transnuklear“ sehr gut bezahlen lassen. Fünfzehn Millionen D-Mark Schmiergelder sollen es gewesen sein.
Anfang Dezember tauchten dann die ersten falsch deklarierten Fässer bei der Preussag in Hannover auf. Immer mehr falsche Lieferungen wurden im Dezember letztendlich bei anderen Firmen entdeckt. Am Ende waren es 1942 Fässer. Kurz vor Silvester ’87 hatte der Skandal seinen Höhepunkt erreicht.

Die Firma SIEMENS war dabei im Atomdorf bei Hanau für ca. eine Milliarde D-Mark, eine Anlage zur Produktion von Mox-Brennelementen zu errichten. Das brisante dabei war, dass in Mox-Brennelemente das nach dem Höllenfürsten Pluton benannte Plutonium eingebaut wird. Mox-Brennstäbe bestehen aus einem Uran-Plutonium-Mischoxid.
Das Brennelementewerk sollte das bei der dort ebenfalls geplanten Wiederaufarbeitung von Brennstäben anfallende Plutonium zu MOX-Brennelementen verarbeiten. Die SIEMENS stellte die Anlage zwar fertig, konnte sie aber nie in Betrieb nehmen und verzichtet 1995 komplett auf die Pläne zur Inbetriebnahme.

Zuvor positionierte sich SIEMENS mit seinen Plänen bereits, nachdem sie im Umfeld des Hanauer Bestechungskandals ahnte, dass deren Pläne zum Umsetzen der Anlage problematisch werden würden.
Der Super-Gau von Tschernobyl aus dem Jahr 1986 war noch frisch in Erinnerung. Im September 1988 wurden 100 Eisenbahnwaggons mit Cäsium 137 verstrahlter Molke bei Rosenheim aufgefunden. Die Süßwarenfirma Ferrero stellte ihre Bewerbung deren Produkt „Ferrero Rocher“ mit dem Werbezusatz „mit Bizantiner Königsnüssen“ ein, denn nachdem die Bevölkerung mitbekam, wo Byzanz lag und wie es mit der Kontaminierung u.a.a. von Haselnüssen damals generell aussah.

Der im September 1998 gestorbene SIEMENS-Vorstandsvorsitzende Karlheinz Kaske sprach am 2. Februar 1988 in einer Münchener Pressekonferenz über den damaligen Skandal bei den Hanauer Atomfirmen. Zu einer möglichen Gefährdung durch falsch deklarierte Atommüllfässer meinte er:

„Nur 0,2 Milligramm Plutonium war in den Fässern. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.“

Vielleicht hatte Karlheinz Kaske den damaligen Bayerischer Staatsminister für Umweltfragen Alfred Dick (CSU) als Vorbild. Dieser hatte im September 1988 medienwirksam einen Teelöffel Molke, welche mit Cäsium 137 belastete war und aus den 100 Rosenheimer Eisenbahnwagon stammte, vor laufender Kamera gegessen und dessen angebliche Ungefährlichkeit mit den Worten „Des tut mir nix!“ kommentiert.

Nur, hätte der Atom-Gourmet Kaske das gleiche mit einem Teelöffel Plutonium verseuchten Lebensmittel getan, ihm wäre ein Staatsbegräbnis sicher gewesen. Seinen Worten des „auf der Zunge zergehen lassen“ folgten keine Taten.
Ein Milligramm Plutonium strahlt mit 2,5 Millionen Becquerel. In Konsequenz nach den Strahlenschutzverordnungen Deutschlands hätte dann aber die Aussegnungshalle als „radioaktiv“ und der Friedhof als „strahlengefährdetes Gebiet“ gekennzeichnet werden müssen. Mit 0,2 Milligramm Plutonium lassen sich langfristig 5.000 Menschen in Gräbern befördern, welche dann für die nächsten 100.000 Jahre Sperrgebiet wären. Das würde sich niemand einfach mal so auf der Zunge zergehen lassen, wie es der damalige SIEMENS Vorstandsvorsitzende Kaske lächelnd in die Kameras verkündete.

Die Bemerkung von Karlheinz Kaske war damals von den Medien als Beruhigungsmittel gedacht gewesen. Die Bemerkung fiel in einer durch die Hanauer Atomfabriken „Nukem“ und „Alkem“ aufgeregten Athmosphäre. Und, sie wirkte. Die Bevölkerung war beruhigter.

Jetzt wurde in der Umgebung von Fukushima Spuren von Plutonium nachgewiesen. Spuren von Plutonium. Wer möchte sich diese auf der Zunge zergehen lassen?

Vielleicht könnten sich diejenigen freiwillig zum Kernbrennstäbe putzen melden, welche jetzt meinen, dieser Fund wäre unbedenklich. TEPCO sucht sicherlich noch paar Freiwillige in Schutzanzügen, die deren schmelzende Brennstäbe runterkühlen … .

Quelle des Zitats von Karlheinz Kaske: „Süddeutsche Zeitung“ vom 3.2.1988, Nr. 27

Libyen, eine deutsche Blamage und was uns sonst noch fehlt …

Da tobt also die Presse von links bis rechts:
Westerwelle habe Deutschland blamiert.

So was dummes aber auch.
Da hat Deutschland gerade mal nen temporären Platz in der UN-Sicherheitsexpertenrunde und da macht das D-Land nicht das, was alle machen: Kriegerische Handlungen absegnen.

Wenn ich die renommierten Zeitungen jenseits des Boulevards lese, dann kommt mir der Eindruck, Deutschland habe einer dummen Minderheit gefolgt, den Einsatz gegen Libyen nicht zu legitimieren. Minderheit.
Wenn man dann so am Rande liest, dass die BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China) sich ebenfalls nicht für einen Militäreinsatz in Libyen …

Moment! Über Libyen. Denn es ging um die Lufthoheit in Libyen, nicht um die Bodenhoheit. Das sollte nicht vergessen werden, wenn Panzer und Truppen vor Bengasi aus der Luft von alliierten Kampfflugzeugen angegriffen werden. Panzer und Truppen können bekanntlich nicht fliegen, aber dieses Detail interessiert niemand. Eine UN-Entscheidung wird mal locker zum Gummiband degeneriert.
Flugverbotszone?
Haut weg, die Truppen von Gaddafi. Mit Bomben und Raketen. Schließlich geht es um den Schutz der apostrophierten „demokratischen“ Rebellen. Rebellen gegen Diktatoren sind automatisch gut.
Und schützenswert.
Sowieso.

Na, da werden wir ja wohl mit dem Angriff gegen Libyen auch militärisch die Bewegungen in Bahrain unterstützen, die niedergeschossen wird. Und die Widersacher bei den Diktatoren der Saudis demokratisierend aufräumen. Und überhaupt die seit 20 Jahren erwartete Demokratie in Kuwait, die soll dann wohl auch mit dem Frühlingsanfang endlich Einzug halten … .

Wurde eigentlich damals in der UNO in Sachen „Dafur-Konflikt“ (Sudan) genauso für einen Eingriff parliert? Hm. War da was? Ich glaube nicht.

Und Somalia? Ich mein, gleich eingreifen und die Piratenfraktion das Lebensgrundrecht entziehen. Was ist mit Kenia? Stimmt. Da wollten wir ja Waffen hinliefern, die uns die somalischen Piraten entführt hatten. Seitdem kreuzen dort Schiffe der Armeen und bewachen die Rüstungsexporte. Kenia gut, Somalia schlecht. Beide Länder sind alles andere als freiheitlich und demokratisch zu klassifizieren. Das eine entspricht Afghanistan, das andere liegt so zwischen Mubarak und Gaddafi.

Und was ist mit China? Dort werden politische Gegner gleich weg gesperrt und erhängt von den dortigen blutrünstigen Machthabern! Die sind genauso so wenig zimperlich wie der Herr Gaddafi. Wieso greift in China niemand ein? Ach, stimmt. Ich vergaß. Wir machen dort ja gute Geschäfte und der chinesische Markt hilft uns aus der Krise. Da sind uns die Demokratiebestrebungen der Leute dort herzlichst egal.

Nur Libyen, die Obersau von Terrorist, der Lockerbie-Bomber, der hatte sein Land nicht mehr im Griff. Vorher war ja alles so toll. Der Gaddafi, sein Öl, seine Armee, welches als Bollwerk für die EU taugte. Und jetzt haut der mit den Rüstungsgütern, die er sich von den Waffenhändlern der 1. Welt zusammen gekauft hat, seine Bürger kaputt. Und der Ölexport nach Europa klappt auch nicht mehr, stattdessen nur Boat People, die nur wegen des Wohlstandes nach EU kommen…

NATOd, übernehmen Sie.

IMHO haben sich unsere oberen Herrschaften Deutschlands, die Westwelles und Merkels, bereits schon lange vorher blamiert, dass sie Nordafrikanische Staaten als stabile und unterstützendwerte Länder klassifizierten, welches sie wohlwollend betrachteten. Und eine wie auch immer geartete Blamage kam nicht mit der Enthaltung im UN-Sicherheitsrat, wo Deutschland am gleichen Strick wie die BRIC-Staaten (Vertreter der Mehrheit der Menschen dieses Globus, so am Rande mal erwähnt, was ich jetzt mal nicht als deren moralische Legitimation verstanden wissen möchte, aber das ist USA und EU ja auch nicht) gezogen hat. Ist ja freilich verwerflich…

Wer es vergessen haben sollte, Haiti liegt immer noch im Erdbebenschutt, den auch Japan gerade neben seiner AKW-Zerstörung bekämpft. Das letztere Land interessiert uns aber erheblich stärker als Haiti oder den 30000 Flüchtlingen in Brasilien wegen den Regenüberschwemmungen.
Oder will wer wissen, dass im worst-case BMW und Daimler seine Produktion hier einstellen muss, weil wichtige elektronische Schaltteile in Japan nicht mehr hergestllt werden?
Eben.
Was ist Haiti uns wert, wenn Japans Wirtschaft Brüderles „XXL-Aufschwung“ im Exportbereich hindern könnte.

Und was hat das mit Gaddafi und der Sperrung seines Luftraums zu tun?
Nun, ich weiß allerdings, dass Gaddafis Sohn den bayrischen KTG in seiner Copy&Paste-Leistung übertroffen hat (die Internetschwarmintelligenz demaskiert inzwischen auch dessen Doktorarbeit und Gaddafis Sohn war ein erheblich besserer Kopierer als KTG), dass Gaddafis Familie vor einem Jahr auf dem Wiener Opernball noch ein gern gesehener Gast war, dass Gaddafi selber vormals in der EU keine persona-non-grata war.
Weil aber die Widerstandsbewegung gegen Gaddafi sich als Windei herausgestellt hat, wollen alle von außen eingreifen. In Tibet, Birma, Dafur und in anderen Ländern wurde zugeschaut. Warum nur?

Dieses Eingreifen ist in meinen Augen ein erneuter Sündenfall und dass Deutschland dabei nicht mitspielt, hat nichts mit moralischer Überlegenheit zu tun, sondern eher von dem Gleichnis von dem mit Blindheit geschlagenen Huhn, der neben dem Gockel auch mal groß da stehen möchte.

Aus dem Bürgerkrieg wurde ein internationaler Krieg.

Der Kommentar zum Donnerstag: Gibt es wichtigeres in Deutschland?

Es funktioniert. Ja, langsam aber sicher funktioniert es.
Die Übersättigung bricht sich ihre Bahn.
Nachdem der Mann per Copy&Paste sich seinen Doktor zusammengebastelte hatte und inzwischen mit dem Verlust seines Doktortitels bezahlte, höre in meiner Umgebung höre ich in meiner Umgebung immer öfters die Phrase, ob es denn nichts Wichtigeres gäbe als jenes leidige Thema „zu Guttenberg“.

Nun, was lernen wir daraus, wenn der Herr Ex-Dr. weiterhin im Kabinett beschäftigt bleibt, während andere für Frikadellen, Gebäck oder Pfandbons gekündigt werden, weil bei jenen die vertragliche Vertrauensbasis vom Arbeitnehmer mutwillig zerstört wurde?

Richtig.
Leistung muss sich wieder lohnen.
Und wer gut entlohnt wird, darf sich auch viel leisten.
Jene werden „Leistungsträger“ genannt, samt derer Fehler und Reue.
Die anderen werden entlassen.
Die Definition von „Leistungsträger“ hat bereits Thilo Sarrazin in seinem Buch niedergeschrieben: Als er bei der Bundesbank arbeitete und gutes Geld als Leistungsträger erhielt, hatte er seine Arbeit bis Dienstag Mittag erledigt gehabt und dann an sein Buch geschrieben.
Ich faule Sau, ich benötige für meine Arbeit 40 Stunden die Woche. Deshalb bin ich auch kein „Leistungsträger“. Ich arbeite zu lange.

Gestern sah ich die „Fragestunde“ und „Aktuelle Stunde“ im Bundestag auf dem Sender „Phoenix“:
Zu Guttenberg verhielt sich Demut simulierend aalglatt. Es steht berechtigterweise zu vermuten, dass alle seine Reue-Erklärungen und Selbstanschuldigungen Guttenberg als eine geritzte aber ehrliche Haut erscheinen lassen. Auch die BILD-Zeitung berichtet vollmundig, dass zu Guttenberg mit 87% Zustimmung der BILD-Leser seinen Job erledige.

Zu Guttenberg beendet somit seinen Gang durch eine Art Fegefeuer, welches er selber mit angefeuert hatte. Recht heiß sollte es erscheinen. Aber er bleibt weiterhin Verteidigungsminister und wird fleißig weiterhin un unsere Freiheit am Hindukush besuchen, wo diese angeblich mit bewaffneter Gewalt verteidigt wird …

In der „Fragestunde“ und „Aktuelle Stunde“ im Bundestag war das Geschrei auf den Abgeordnetenbänken recht groß. Leider waren die vielen Zwischenbrüller der CDU, CSU, SPD, FDP, Grüne und Linken nicht zu verstehen. Zu Guttenberg stand dabei wie ein Fels in der Brandung der Aufregung und erklärte immer wieder, wie leid es ihm tue.

Irgendwer meinte heute zu mir – ich hörte diese Meinung zum zweiten Mal binnen 24 Stunden -, dass die Opposition nicht so laut schreien solle. Die hätte doch auch alle Dreck am Stecken.
Und dabei fiel mir die FDP auf.
Stimmt, die FDP muss wohl sauber sein, denn während der ganzen Causa „zu Guttenberg“ hat die nichts dazu gesagt. Die ist genauso sauber wie die Bildungsministerin Schavan, die für Uni-Angelegenheiten ihren Job hat. Brutalst mögliche Aufklärung durch beredendes Schweigen einer Ministerin. Und von den anderen Laberköpfen wissen wir ja, dass die alle Leichen im Keller haben müssen, nicht wahr. Das Nichtauffinden dieser Leichen ist doch Beweis genug. Was bedarf es der Schwarmintelligenz eines Internets um eine Doktorarbeit zu diskreditieren. Die Bösen sind immer die anderen, die schreien. Denn wer schreit hat NICHT Recht. Oder hat wer zu Guttenberg schreien gehört? Na also. Dafür war da aber Reue, Demut und Entschuldigung medial zubereitet zu Hauf.

Gibt es denn nichts wichtigeres in Deutschland?
Klar, gibt es wichtigeres als jene Tugenden wie Glaubwürdigkeit, Ehrlichkeit und Anstand, welche immer wieder mal als Mangelware bei Deutschen durch die presse geistern.

Nichts wichtigeres? Aber sicher gibt es das:
Zum Beispiel Bankenrettung, Wahlen, HRE, Landtagswahlen, Afganistan, Wahlen, Eurorettung, Landtagswahlen, Leistungsgerechtigkeit, Wahlen, Exportweltmeisterschaft, medienwirksame Charity, öffentlichkeitswirksame Medienpflege und dann wieder Wahlen.
Aber weniger Hartz-IV, Armut, noch viel weniger die seit Jahren stagnierende Binnennachfrage und vor allem ganz und gar nicht die seit 10 Jahren stagnierende Löhne in diesem Lande, weil das kostet doch alles viel zu viel und bringt doch nichts … zudem soll sich der Staat endlich aus allen sozialen Dingen raushalten und es der freien Marktwirtschaft überlassen (wie Rente, Gesundheit, Pflege etc.), damit unsere so sehr verehrten deutschen Maschmeyers das Geld dahin schaufeln können, wohin es garantiert gehört: in private Taschen zum Zocken an deregulierten Börsen.

Mein Gott, jeder ehemaliger Ossi wird sofort aus den öffentlichen Dienst rausgeschmissen, wenn später bekannt wird, dass er gelogen hat und es Stasi-Notizen in Akten von ihn gibt (dazu muss jener noch nicht mal IM gewesen sein!), egal welchen Posten der beim Entdeckungszeitpunkt bekleidet hatte. Der wird dann geschmissen, weil der wegen unwahrhaftigen Angaben bei der Einstellung nicht mehr vertrauenswürdig sein soll.

Aber ein zu Guttenberg, der darf das, weil seine Beziehungen als Alumnus der „Atlantischen Brücke e.V.“ so brutal stark verankert sind, dass wir jetzt alle das Credo „Gibt es nichts wichtigeres im Lande?“ runterbeten sollen. Die Presse macht es uns am Altar der Merkel-Regierung vor und wir sollen es gefälligst kritiklos nachbeten.

Nö danke.
Nicht mit mir.
Diese Einlullungsmethode und Mundtot-Macherei erlaubt doch bestimmten Kreisen genüßlich in Eselsmilch zu baden und die Mehrheit der deutschen Bürger voll zu verarschen …

Denn das Wichtige in diesem Lande wird gar nicht erst angepackt.
Wozu auch?
Geht es den bestimmten Zirkeln etwa schlecht?
Na also.
Und falls es denen schlecht gehen sollte, dann schrauben wir an den da unten rum, bis die noch weniger haben. Warum soll es uns hier besser gehen als den Menschen in den Schwellenländern?

Ergo: Wir sind alle nur arme Würstchen in dem Spiel der Mächtigen.

Im Kommunismus kommt der Senf für die Würstchen, die die Mächtigen verspeisen, aus einem zuvor gemeinsam erarbeiteten Gemeinschaftstopf; in einer nicht-kommunistischen Diktatur wird den Würstchen der Senf heraus gepresst, bevor sie verspeist werden; in einer Demokratie dürfen die Wähler zwischen Löwensenf, mittelscharfen Senf, Dijon-Senf, Weißwurstsenf und so weiter wählen, mit denen die Mächtiger und Politiker ihre Leute nachher verspeisen …

Deutschland ist endgültig in der internationalen Gemeinschaft der Bananenländer angekommen.

Recht haben die da oben allesamt:
Und darum wälze Ich halte lieber mal die Klappe und stelle meine politische Arbeit in diesem Lande ein. Denn es gibt bezahlte, die es besser wissen, können, machen und dürfen.

Ruhe ist des Deutschen erste Bürgerpflicht.
Und Friedhofsruhe ist das Gold im Munde des zu früh aufgestandenen Deutschen.
Und keinesfalls des dabei gefangenen Wurms.

Amen.

Staatsbürger ganz unikonform

Ich gestehe.
Ohne Vorbehalte.
Ganz offen.
Vollkommen ehrlich.
Ich habe sie nicht gesehen, die Neujahrsansprache unseres Kalle-Theo zum gutten Freiberg bei der Vierschanzentournee in Oberstdorf.

Wie bitte?
Die Vierschanzentournee war heute gar nicht in Oberstdorf? Sondern in Innsbruck?
Macht nichts. Wintersport interessiert mich ja auch nicht die Bohne. Nur, warum war denn dann der Kalle denn dort? Wollte der für die Oberstdorfer Kandidatur zu den Winterspielen mit seiner Neujahrsansprache werden?

Wie? Oberstdorf kandidiert nicht? Warum denn nicht? Und der Kalle war ebenfalls nicht dort? Die Neujahrsansprache hat er auch nicht gehalten? Aber wer hat denn dann der Nation die Neujahrsansprache gehalten? Der Vermittlungs-Heiner, die Geißel? Schrödinger? Von der Leine? Osterwelle?

Wer? Angela Merkel? Die schon wieder? Aber die hatte doch schon letztes Jahr …

Okay, da gehe ich ganz konform. Die darf das. Dafür wurde sie vom Bundestag ja gewählt. Als Stummelmutti der Nation. Und? Hat sie endlich die Wahrheit gesagt? Hat sie gestanden? So wie der Wulf? Nein? Nicht? Sie steht halt nicht zu dem, was sie sagt. Selbst Wulf traute sich vor der Kamera nicht, zu seiner Rede alleine einzustehen.

Wie? Ich hab keine Ahnung? Okay. Da gehe ich ganz konform. Wie es sich eben gehört, für einen Staatsbürger ohne Uniform. Nie war ich in der Staatsschule. Bin vielmehr Angehöriger der PISA-Staatsbürgerkundler. Immer schon gewissenhaft drauf bedacht gewesen.
Drückeberger ohne Uniform.
Die Ablehnung dieser Köpenickiade zur Rückgrat-Ausformung im noch formbaren Alter, diese schriftlich niedergelegte Entsagung war mein Vergehen an der deutschen Demokratie, die damals an den Ostgrenzen zur DDR verteidigt wurde und jetzt – kusch, kusch, kusch – am Hindukush.
Stattdessen hatte ich – gewissenlos dem Staate gegenüber – gewissenhaft Tucholsky und seine Sätze gelesen:

„Da gab es vier Jahre lang ganze Quadratmeilen Landes, auf denen war der Mord obligatorisch, während er eine halbe Stunde davon entfernt ebenso streng verboten war.
Sagte ich: Mord?
Natürlich Mord.
Soldaten sind Mörder.“

Aber jetzt, ganz nach Kiesingers Leitbild stellt Kanzlerin und Bundesregierung die Bundeswehr so dar, dass wir 08-15-Michel denken sollen: „Donnerwetter, das sind aber ganze Kerle in Afghanistan“.
Haben denn unsere Jungs in Afghanistan fleißig Weihnachtspäckchen bekommen?

Ich weiß.
Päckchen gen Afghanistan bedeuten nur eines: Wohltat und Anerkennung des soldatischen Handwerks.
Päckchen im eigenen Land: Terrorgefahr.
Das zu lernen, ist des Staatsbürgers zweite Pflicht.
Direkt nach dem Schweigen.

Aber ich schweige nicht.
Denn ich gestehe.
Ohne Vorbehalte.
Ganz offen.
Vollkommen ehrlich.
Ich habe sie nicht gesehen, die Neujahrsansprache unseres Kalle-Theo zum gutten Freiberg bei der Vierschanzentournee in Oberstdorf.

Egal. Auch Merkels Neujahrsansprache, phantasielose Kamerafahrten von links (von Weitwinkel) nach rechts (zur Naheinstellung) und Wintersport haben bei mir die gleiche Chance wie eine Schneeflocke im Hochsommer: Und tschüss …