In Zeiten, in denen der Körper seinen Menschen lahm legt, geht die Seele auf Wanderschaft. Kommt sie dann nicht zurück, dann ist der Mensch tot.
Würde man die zwei vorherigen Sätze als schönes Aperçu ansehen, dann stellt sich die Frage, warum es den Seelen in deren Menschenkörpern nicht gefällt. Millionen Seelen sind täglich auf Wanderschaft. Ja, gefällt denen der Körper nicht mehr, den sie von Geburt an erhalten haben? Wenn irgendwo mal wieder eine Rakete startet und zielgenau in Menschensiedlungen einschlägt, welchen Seelen freut es dann? Richtig, die Seelen der Aktienbesitzer der Waffenindustrie. Weil, dann wird die Rakete nachbestellt. Dividende schmückt den Erfolgreichen. Immer. Würde die Rakete allerdings einfach nur wie eine Silvesterrakete am Himmel verglühen …
Nein, die Argumentation ist jetzt auch nicht stimmig. Denn das macht der Elon Musk mit seinen Raketen schon eine ganze Weile. Mal lässt er sie von Greifarmen beim Landen in Empfang nehmen, mal lässt er sie einfach in Wasser klatschen, mal kurz vorher über menschenleeren Boden explodieren. Mit letzterem käme er schon eher in Richtung zufriedenen Menschen, die sich in der Rüstungsindustrie ihr Geld vermehren lassen.
Aber immer nur über menschenleeren Gegenden Abstürze fabrizieren? Wahrscheinlich war Donald Trump neulich bei einem weiteren Start der Musk-Raketen vor Ort und stieß mit Elon Musk mit einem Glas Champagner an, um eine neue Flüchtlingsstrategie zu kreieren. Warum die Stufen nicht dort sich selbst zerstören lassen, wo dann eventuell lediglich nur tragischer Kollateralschaden entstünde? Also, über Boat-People in deren überfüllten Nussschalen auf hoher See oder über Flüchtlingslagern an den Grenzen? Oder gar Flüchtlinge als Raketenfänger im Roggen?
Die eigentliche Frage ist doch, macht Waffenindustrie glücklich? Fragt man die Finanziere des Fußballvereins BVB Dortmund, dann ja. Werbung für »Rheinmetall« in einer Sportart, welche sich auf die Fahne geschrieben hat, die Welt zu vereinen und die Menschen zusammenzubringen. Andererseits, welche Sportart basiert auf »Angriff«, »Verteidigung«‚ »Abwehr« und »Schießen«? Wo gab es schon den Bomber der Nation, wo wurde bis zur letzten Minute bis zum Umfallen gekämpft, wo schießt der eine den anderen Spieler ab, wo schreien schon mal die Obersten ihren Untergebenen zu »Knallt die durch die Wand«, wo gibt es die Torjägerkanone und wo jubeln die Schlachtenbummler bei einem Schützenfest?
Warum dann nicht auch mal Rheinmetall ne Fahne für ne Werbung herüberreichen? Denn da, wo Fußball gespielt wird, soll es keine Kriege geben. Dieser Satz konnte bislang nie widerlegt werden. Selbst im Ersten Weltkrieg als zu Weihnachten an der Front bei Frelinghien (nordwestlich von Lille) wurde Fußball gespielt und es herrschte Weihnachtsfrieden. Das Trainingsgelände von Rheinmetall muss dort so gut beackert wie die Frontlinie von Frelinghien damals sein, wenn man die Tabellenposition mit der »Wir schaffen das«-mentalität der Kicker dort und den Gesichtern der Vorstände nach jedem Spiel abgleicht. Also, solange der BVB möglicherweise auf dem Werksgelände von Rheinmetall trainiert, kann nicht damit gerechnet werden, dass von Rheinmetall Krieg ausgehen wird.
Krieg wird aber dieser Welt nie ausgehen. Davon haben wir ja genug.
Das hört sich immer auch ein wenig an, wie der demokratische Grundsatz »Alle Macht geht vom Volke aus«. Und dann kamen gleich die ganzen »Sie haben mir ins Gesicht gefilmt«-Wutbürger, AFD’ler und andere ach-so-besorgte Bürger aus ihren inzwischen rauchfreien Stammkneipen hervor und fragten im Chor: »Aha! Die Macht geht also aus. Einfach so. Vom Volke aus. Ohne uns zu fragen. Ja, wohin geht sie denn? Bei uns ist sie jedenfalls nicht!« Und die BILD-Zeitung hat direkt ungefragt dementiert »Bei uns ist sie auch nicht! Schaut doch auf die ganzen Verkehrsblockiererlampen, also die Ampel. Immer auf rot, selbst wenn sie grün anzeigt.«
Während der Merz mit seiner Cessna über all die Ampeln hinwegflog und huldvoll mit seiner rechten Hand nach unten winkte – Schamlose meinten sogar, all seine Finger seinen beim Winken erschlafft, bis auf exakt dessen Mittelfinger – wurde bei Volkswagen der neuste Porsche auf die Spur gebracht. Und eben mit diesen geschah dann das, womit Lindner dann später einfach mal dessen off-road-Verhalten testete und von der vorbestimmten Route ausbrach. Scholz meinte dazu, das gehe mal gar nicht, so abseits der Straße und da könne der SUV-Junkie denn mal bleiben, wenn er eh nicht gerade auf Sylt urlaube. Lindner konterte darauf einfach nur, Scholz Reaktion sei Wahlkampfverhalten und das hätte seine forsche Porsche-Arbeitsgruppe in allen Szenarien belegbar für die ZEIT dokumentiert. Wo ist die Neuigkeit?
Richtig. Volkswagen und damit auch Porsche stecken in der fetten Krise. Und Schuld daran seien unisono die Nicht-Erdöl-fördernden Länder wie Deutschland, Deutschland und … habe ich noch ein Land vergessen? Ach ja, Deutschland. Einfach auf alternative Energien zu setzen. Auf Windenergie. Aber damit man aus Wind Energie gewinnen kann, setzt auch voraus, dass man den Wind überhaupt wahrnimmt. Bayerns Obersöder will den neuen Wind überhaupt nicht bemerkt haben. Darum pflastern Solarpaneele seinen Weg von Bierzelt zu Bierzelt. Solarpaneele machen nämlich keinen Wind. Nachher kommt noch jemand in Bayern vorbei und versucht zu beweisen, dass der zukünftige Wind global jetzt aus einer ganz anderen Richtung weht. Das mag der technikaffine Bayer, der zärtlich die Euter seiner Kühe auf versteckten Almen knetet, damit er mit aufrechtem Stecken psychisch gestärkt Straßen blockieren konnte, ohne damit als strafrechtlich belangbarer Verkehrsstörer (wie eben jene Klimakleber) identifiziert zu werden. Deshalb will auch der Obersöder, dass eben der Anführer der Bauernblockaden nun als Landwirtschaftsministerium der neuen Regierung einziehen muss.
Richtig gelesen. Der Bär wurde noch nicht erlegt, aber der Obersöder verteilt schon mal das Fell. Ganz demokratisch. Denn in der Problembär-Jagd kennt sich Bayern komplett aus. Bereits als das bayrische Ministerium unter Stoiber ein „beauftragtes Sicherheitsteam“ auf den damaligen Problembären Bruno angesetzt hatte, mit echten Männern, mit echtem zielgenauen Schießen, da war klar, in Bayern hat keiner die Angst, dass denen die Felle wegschwimmen, die die Landesregierung zuvor erlegt hat.
Okay, von wegen »nicht wegschwimmen«, mal so am Rande bemerkt: nachdem neulich eine Gegend zwischen Ingolstadt und Schrobenhausen durch Regenfälle Land-unter ging und alles Menschliche wegspülte, da war dem Obersöder gleich klar, warum die Katastrophe für die Anwohner so katastrophal und so tragisch war: Die Grünen hatten ja schon immer Ängste dahingehend gestreut, und statt mal die Bayern einfach sich von Gottes Urgewalten positiv überraschen zu lassen, haben die erstens Gott verneint und zweitens die potenziellen Urgewalten beschrieben. So wie damals Dante die Hölle. Ging schon damals nicht.
Aber Obersöder, der ewige Biertester und „Tu-wat“-Varta-Hase (- er nutzt dafür immer Keferloher Bierkrug mit Deckel, denn solche klappern immer so schön bayrisch fordernd -), hat vor den Wasserschöpfenden unter heiter bis wolkigem Himmel gleich mal die Bayernhymne zur Ermutigung gesungen:
»Gott mit dir, du Land der Bayern, deutsche Erde, Vaterland! Über deinen weiten Gauen ruhe seine Segenshand! Er behüte deine Fluren, schirme deiner Städte Bau und erhalte dir die Farben seines Himmels, weiß und blau!«
Danach ergriff er gleich eine neben seinem Bierseidel befindliche Essensgabel, um mitzuhelfen beim Wasserschöpfen vor seiner Reporterschar. Als dann allerdings jemand ganz zögerlich und vorsichtig etwas kleinlaut anmerkte: »Herr Doktor Ministerpräsident Söder, mit einer Gabel kommen Sie aber beim Wasserschöpfen nicht weit«, da soll der Obersöder wütend aufbrausend geschrien haben: »Dann bringen Sie mir doch ein Messer, Sie himmiherrgottsakramentzefixhallelujamilextamarschscheissglumpvarrecktsrotgrünversiffter Saupreis!« und mit einem kehligen Schrei warf er die Gabel zu Boden. Die Fotografen beschlossen darauf, doch lieber ein, zwei, drei bis vierkommafünf Katastrophenbilder mehr für deren Reserve zu schießen.
Nebenbei, Bully Herbig soll den Söderschen Schrei aufgenommen und wird ihn wohl in seinem nächsten Film als neusten Wilhelmsschrei verwenden. Wird wohl Kult. Sagt man. Also, meint man. Man weiß es halt nicht so genau.
Nebenbei, Wilhelmsschreie werden in Filme verwendet, um dem Zuschauer zu signalisieren, dass jemand frisch von den Lebenden zu den Toten befördert wurde. Also als Seele auf Wanderschaft ohne Heimkehr, dem ausklingenden Schall seines Wilhelmsschreis sehnsuchtsvoll nachfolgend. Ein schönes Bild. Aber leider nur nicht in KodakChrome.
Führt man sich jetzt noch den »Herr der Ringe«-Teil vor Augen, bei dem an die 840 Sterbenden über die Leinwand röcheln … also, 840-mal den Wilhelmsschrei immer bis zum Ende? Echt jetzt? Kannste dir nicht ausdenken …

