Über Careca

Hang zur Satire, zur Ironie und zum Zynismus; Sinn für jeden Unsinn

Kneipengespräch: Duidu, duidu.

«Darf ich Ihnen in aller Form das DU anbieten?«
»Gerne. Verbrüderung?«
»Immer. Lass uns dazu ’nen internen Maskenball veranstalten.«
»The masked Sinner?«
»Ich dachte da eher so an Johann Strauß.«
»Die Fledermaus?«
»Sing es!«
»Brüderlein, Brüderlein und Schwesterlein wollen wir alle sein, ob Lump oder Schwein. Erst ein Bro-Kuss und dann ein Du, Du, Du.«
»Duidu. Duidu.«
»Wird uns öd und wir scheißen darum andere zu, …«
»Aber immer … per du.«
»Du bist kein Kulturbanause. Prost, du!«
»Ich kenne die „Fledermaus“. Stößcken, du.«
»Aber jetzt mal zu bierernsten Themen.«
»Zwesche Salzjebäck und Kölsch?«
»Wer bin ich? Ich beschreibe wen und du sagt, wer ich bin. Also, ich nutze in der Pandemie persönliche oder politische Netzwerke zur Abwicklung großer Maskengeschäfte.«
»Also über ein persönliches Netzwerk?«
»Hohe Summen an öffentliche Gelder werden bewegt und massive Kritik an Transparenz und Moral waren ein Resultat davon.«
»Okay, ich glaube, ich weiß, worauf du anspielst. Ich bin doch nicht von gestern. Ich kenn mich aus.«
»Die Affäre dazu resultiert jeweils in politische und gesellschaftliche Debatten über Integrität und Verantwortlichkeit im Umgang mit Krisengewinnen.»
»Krisengewinnler? Ich weiß es, ich weiß es!«
»Moment. Noch eine Zusatzinformation. Söder und die CSU-Führung betonten, dass die Maskendeals privatwirtschaftliche Geschäfte gewesen seien und keine politischen Mandatsträger direkt involviert waren.«
»Wie? Okay. CSU. Regional begrenzte Partei mit überregionaler Anspruch.«
»Söder sprach von einer „Wild-West-Mentalität“ auf dem Markt für Corona-Schutzkleidung und zeigte sich erbost über die Vorgänge, ohne jedoch die betroffene Person zu verurteilen. Weil Wild-West-Mentalität kennt Söder noch von den Cartwrights und aus Raumschiff Enterprise: erst schießen, dann fragen.«
»Jens Spahn sprach neulich auch von Wild-West-Situation in der Pandemie. Du sprichst also über Münsterländischen Filz und Jens Spahn, richtig?«
»Nein. Laut Söder ist der Fall wohl „hardcore politisch motiviert“.«
»Also nicht wie bei der durch den Boulevard und CDU/CSU hartnäckig nachverfolgten vermeintlichen Vetternwirtschaft damals beim Habeck?«
»Ich sprach über die Tochter des früheren CSU-Generalsekretärs Gerold Tandler.«
»Tandler? War das nicht der Politiker, von dem mal gesagt wurde, er hätte einen geistigen Glücksspielautomaten, da wo andere ihr Hirn haben? Immer wenn man rechts den Arm am Glücksspielautomaten durchzog, rasselte es vorne?«
»Andrea Tandler. Verurteilt wegen Steuerhinterziehung bei ihren lukrativen Maskendeals mit der bayrischen Söder-Regierung. Die hatte über einen schweizerischen Softdrink-Lieferanten teure Masken an Bayern verkauft und dabei die Steuern nach dem Vorbild von Uli Hoeneß und Alfred Schuhbeck abgeführt. Jetzt sitzt sie.«
»Tja. Dumm gelaufen, wenn sie sitzt. Eindeutig Kavaliersdelikt. Familie Tandler ist politisch ja nicht nur in der CSU und in Bayern hoch angesehen. Mathematische Fehler können da schon mal passieren, wenn die Tochter eine Rechenschwäche bei hochvolumigen Deals hat. Muss man in Bayern nicht Mathe im Abitur haben?«
»Nicht unbedingt. Es reicht auch, passende Amigos zu haben.«
»Brüderlein, Brüderlein und Schwesterlein, erst ein Bro-Kuss und dann ein Du.«
»Lasst das traute Du uns schenken, für die Ewigkeit, immer so wie heut. Und dann ein Du, du, du.«
»Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist …«
»Du. Du. Du.«
»Duidu. Duidu«
»Lalalalala … .«

Wasser, Wasabi und Würstchen: So schmeckt der Sommer

Kaum ist es wieder sonnig und warm, kommen sie reihenweise: Einladungen zum Grillabend. Einladungen in bunt und kindlich bebildert, da sollte man nicht ‚Nein‚ sagen, wenn man sich nicht Feinde in der Zukunft aufbauen möchte. Und Feinde brauche ich nicht. Im Kleingedruckten fand ich auch gleich praktische Tipps, was der Gastgeber von seinen Gästen denn so zusätzlich noch mitgebracht haben wollte:

»Bring bitte Bier mit – muss nicht gekühlt sein. Ich hab da einen Trick!«, stand in der Einladung. Beim Grillabend wurde gleich demonstriert, welchen Trick er meinte: in einer Wanne im Garten ließ er kaltes Wasser ein, fügte sechs Säcke »Crushed Ice« und zwei Pakete Salz hinzu, legte die Flaschen rein und nach ein paar Minuten gab es kaltes Bier. Länger dauert allerdings dann die Erklärung, warum das so einfach geht. 15 Minuten Referat über Physik für jeden, der ein kaltes Bier haben wollte.

»Einen gut angemachten Salat wäre auch gut zum Mitbringen. Aber keinen Kartoffel- oder Nudelsalat, den macht meine Frau schon. Nach Uromas Rezept. Grillgut geht notfalls auch.« Nach Uromas Rezept? Okay. Wahrscheinlich handschriftlich überliefert, vermutlich mit Füller und Gefühl – nur eben ohne Mengenangaben. Leider seit drei Generationen ohne Verbesserungen. Praktisch bestand der eine Salat aus Kartoffeln in Salz-Öl-Essig-Gemisch und der andere aus einer nudeligen Matschepampe mit fast aufgetauten Erbsen – wahrscheinlich für den Extra-Biss.

Ich nahm mir von beiden etwas – nicht aus Hunger, sondern aus purer Selbstverteidigung. Nichts beschwichtigt einen Gastgeber mehr als ein voller Teller beim Gast. Auf den prüfenden Blick des Gastgebers gab ich etwas Positives von mir wie »Hmmm, unvergleichlich« oder »Noch nie so etwas gegessen wie diesen hier«. Man will ja nicht lügen.

Das Highlight waren die handgeschnitzten Pommes, natürlich aus der »Ninja«, dem Thermomix unter den Fritteusen. Das achtjährige Töchterchen hatte seinen ganzen Ehrgeiz in die geometrische Form einer jeden Pommes-Stange gelegt. Ich erblickte das Töchterchen in einer Ecke des Gartens. Dort hatte es eine eigene Frisierstation für ihre zahlreichen Spielzeugponys eingerichtet – inklusive Glitzerbürste, Räucherstäbchen und selbstgemachter Kräuter-Maske. Töchterchen erschien ärgerlich: Eines der Stoffponys weigerte sich, die hingehaltene Pommes zu verzehren.

Die Gastgeberin kam auf mich zu und reichte mir ein Schälchen „Wasabi-Mayo“. Früher hatte sie Kunst studiert, erzählte sie beiläufig, während sie die Mayo noch schnell mit einem Löffelchen umrührte. Heute betreibe sie ein Kochstudio, weil Ernährung ja so wichtig sei. Aber Dosenravioli fände sie in der Geschmacksvariante ‚extra pikant‘ auch ganz toll.

Ich kleckste mir zwei Löffelchen von der Wasabi-Mayo auf meine Pommes-Sticks.

»Vorsicht, ist richtig scharf!«, raunte sie mir zu. Es britzelte… nichts.

Auf dem Weg zur Toilette sah ich, wie der Gastgeber nachfüllte – direkt aus einer grünen Flasche. Neugierig inspizierte ich sie später. Inhaltsstoffe: Brandweinessig, Spinatpulver, 0,01 % Wasabi-Pulver. Also ein Drittel Wassertropfen echtes Wasabi auf 300 ml Majo. Und das nannte sich »Wasabi-Mayo«.

»Scharf, ne?«, grinst mich der Gastgeber an. »Ja, schmeckt… grün.« »Willste mehr?« »Sind die Würstchen schon fertig?«

Meine Gastgeber servierten nicht nur tolle handschriftlich überlieferte Uroma-Rezeptsalate oder auch Mayo mit 0,01 % Wasabi aus der Flasche, nein, sie wollten uns Grillgästen auch deren neuste Grill-Errungenschaft vorführen. Der letzte Schrei unter den Grill-Monstern im Garten. Ein Rolls-Royce-Phantom-Kühlergrill zum Grill umfunktioniert und eine abgesägte Motorhaube als Deckel. Deren Töchterchen stand bereits am Grill, ein frisiertes Pony in der einen Hand, eines meiner mitgebrachten Würstchen in der anderen und grinste wie ein Honigkuchenpferd über sein allererstes Würstchen. Der Gastgeber lächelte auch, zuerst sein Töchterchen und dann mich an, reichte mir eines meiner Würstchen auf einer Stoffserviette (»Handgenäht! Von unserer Reinemachefrau«) und ich biss hinein. Ins Würstchen, nicht in die Stoffserviette.

»Kühlt der beim Grillen, dein Kühlergrill?« »Wieso?« »Das Würstchen hier, das ich mitgebracht habe, ist ja noch schattig im Innern.« »Noch nicht durch? Normalerweise habe ich das immer im Gefühl, wenn Würstchen durch sind. Was hast du denn für Würstchen mitgebracht?« »Pferdewürstchen. Vom Wochenmarkt.«

Wie von der Tarantel gestochen schrie das achtjährige Töchterchen entsetzt: »Pferdewürstchen?«, schmiss ihr Würstchen reflexartig über den Zaun in Nachbars Garten, verbarg ihr frisiertes Pony unterm Shirt und steckte sich sofort den Finger in den Mund. Während sich neben mir auf dem Boden geräuschstark ein kindlicher See aus Matschepampe, Kartoffelsalat und Pferdewürstchen bildete, schaute mich der Gastgeber nur höchst böse an. Ich zuckte mit den Schultern.

Die Grill-Party musste ich verlassen. Pferdewürstchen gehen nun mal gar nicht, wurde mir unmissverständlich zu verstehen gegeben. Ich wäre total unsensibel und hätte zumindest mal an deren Töchterchen denken sollen. Nun, das hätte ich ja gerne gemacht, aber Pferdewürstchen im Prinzessin-Lillifee-Design gibt es leid noch nicht. Dabei hatte ich doch bereits eine Tafel Schokolade mit Milchfüllung und eine Tüte Schoko-Reiswaffeln dem Töchterchen mitgebracht. Oder wäre Bärchenwurst erheblich angebrachter gewesen?

Beim nächsten Mal bringe ich zu deren Pommes einfach mal Wein mit. Pommes an Wein. Aus echten Trauben. Also mindestens 0,01 %. Versprochen.

Die Drecksarbeit der Engel: Eine interessante Debatte

Als Schreiber von Blogartikeln ist es wichtig zu recherchieren und manchmal ist das nicht so einfach. Gestern Nacht hatte ich totales Glück. Auf dem Parkplatz des Walmarts im Münchner Norden ergab sich mir die goldene Gelegenheit zu profunden Recherchen.
In der weiten Leere des Parkplatzes sah ich zwei Gestalten: ein jüngerer sehr hip gekleideter Hopster und einen alten grauhaarigen Opa-Hipster im weißen Kittel. Und die bemühten sich verdächtig unauffällig um einen flachen Supersportwagen. In dessen Tank leerten sie mehrere blaue Dosen mit roten Bullen auf dem Etikett.
»Marty, nicht trinken! In den Tank damit!« »Doc, das ist nur zur Absicherung – falls er nicht mehr fliegt, fliege ich eben allein weiter.« »Jennifer hat dir das gesagt?« »Nein, Clara gab mir den Tipp.«
Bei den Namen »Jennifer« und »Clara« machte es bei mir KLICK-KLACK. Ich überriß kurz die Situation, sprintete zu denen rüber, schubste beide zur Seite, ergriff mir die restlichen Rote-Bullen-Blaudosen in dem schwarzen Karton, sprang in den DeLorean und ab ging die Luzi.

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Interview #1:
»Guten Morgen nach München. Ich sitze hier am ersten Tag meiner Reise mit dem Schöpfer dieser Welt Adonai JHWH und mit einem sehr, sehr schönen Blick auf den Kontinenten Afrika. Allerdings zu den aktuellen Geschehnissen könnte der Kontrast kaum schärfer sein und über diese möchte ich jetzt mit Adonai JHWH an diesem Heilig Abend sprechen. Guten Morgen! Ausweisung ist in den aktuellen Zeiten ein schwieriges Thema. Ist das nicht sehr verlockend, dass ihre Erzengel jetzt die Drecksarbeit machen gegen eine Familie, die für sehr viele in der Welt als einen wirklich großen Störfaktor angesehen waren.«
»Person Careca, ich bin Ihnen dankbar für den Begriff ‚Drecksarbeit’. Das ist die Drecksarbeit, die meine Erzengel machen für uns alle. Wir sind von dieser Familie auch betroffen. Diese Adam-und-Eva-Sippe hat Tod und Zerstörung über die Welt gebracht, mit Lügen, mit Mord und Totschlag auch bei deren Kindern. Das wäre ohne Adam und Eva nie möglich gewesen. Und um es klar zu sagen: meine Hände wasche ich in Unschuld von diesem Dreck ab.«

Interview #2:
»Guten Morgen nach München. Ich sitze hier am zweiten Tag meiner Reise mit dem Statthalter des Römischen Reiches, Herrn Pontius P. aus J., und mit einem sehr sehr schönen Blick auf den Steinbruch und den Felshügel Golgatha. Allerdings zu den aktuellen Geschehnissen könnte der Kontrast kaum schärfer sein und über dieses möchte ich jetzt mit dem Statthalter des Römischen Reiches, Herrn Pontius P. aus J., an diesem Karfreitag sprechen. Guten Morgen! Kreuzigungen durchzusetzen, ist in den aktuellen Zeiten ein schwieriges Thema. Ist das nicht sehr verlockend, dass ihre Legion jetzt die Drecksarbeit macht gegen den Führer einer Gruppierung, die für sehr viele in der Welt als einen wirklich großen Störfaktor angesehen waren.«
»Plebejer Careca, ich bin Ihnen dankbar für den Begriff ‚Drecksarbeit’. Das ist die Drecksarbeit, die meine Legion macht für uns alle. Wir sind von dieser Gruppierung auch betroffen. Diese sektiererische Gruppierung hat die Negierung von Tod und Zerstörung über die Welt gebracht, mit Lügen, mit angeblichen Wundern und pazifistisch verseuchten Reden auch aktuell hier vor Ort. Das wäre ohne jenen Sohn eines Zimmermanns und Führer jener Gruppierung nie möglich gewesen. Und Position zur Kreuzigung zu beziehen: meine Hände wasche ich in Unschuld von diesem Dreck ab.«

Interview #3:
»Guten Morgen nach München. Ich sitze hier am dritten Tag meiner Reise mit Leiter der Religionsabteilung ‚Christenheit‘, den Herrn Papst Innozenz III, und mit einem sehr, sehr schönen Blick auf den Vatikanischen Hügel mit seinen titanisch ausgeschmückten Religiotheken (Kirchen), wo sich immer Tausende Feierwütige bei Wein, Oblaten und Musik versammeln. Allerdings zu den aktuellen Geschehnissen könnte der Kontrast kaum schärfer sein und über dieses möchte ich jetzt mit dem Herrn Papst Innozenz III an diesem Christi-Himmelfahrt-Tag sprechen. Guten Morgen! Der gerade stattfindende Kinderkreuzzug ist in den aktuellen Zeiten in Hinblick auf Nächstenliebe ein schwieriges Thema. Ist das nicht sehr verlockend, dass ihr Kinderkreuzzug gegen Jerusalem jetzt die Drecksarbeit macht, für die christliche Nächstenliebe, gegen die Besatzer einer Stadt, die für sehr viele in der Welt als einen wirklich großen Störfaktor in Sachen Nächstenliebe angesehen waren.«
»Bruder in Jesus Careca, ich bin Ihnen dankbar für den Begriff ‚Drecksarbeit’. Das ist die Drecksarbeit, die die Kinder im Dienste der Nächstenliebe machen für uns alle. Wir sind von dieser Besatzern Jerusalems auch betroffen. Diese ungläubigen Ketzer haben Häresie und Blasphemie über die Welt gebracht, mit Raub, Mord und Totschlag auch bei deren Kindern. Das wäre ohne jene Raubmörder in Jerusalem nie möglich gewesen. Und da sollten wir unseren Kindern dankbar sein. Und jetzt reiche mir mal die Schale des Pontius Pilatus, um darin meine Hände in Unschuld von diesem Dreck dort abzuwaschen.«

Interview #4:
»Guten Morgen nach München. Ich sitze hier am vierten Tag meiner Reise, mit einem Kandesbunzler Fritze März und mit einem sehr, sehr schönen Blick auf den die letzten Internet-Meldungen. Allerdings zu den aktuellen Geschehnissen könnte der Kontrast kaum schärfer sein und über diese möchte ich jetzt mit dem Kandesbunzler an diesem Fronleichnam-Tag sprechen. Guten Morgen! Wasser predigen und Wein saufen ist in den aktuellen Zeiten ein schwieriges Thema. Ist das nicht sehr verlockend, dass Sie jetzt die Drecksarbeit machen, in ihrem privaten Weinkeller, Drecksarbeit, die für sehr viele in der Welt als einen wirklich großen Störfaktor angesehen waren.«
»Herr Careca, ich bin Ihnen dankbar für den Begriff ‚Drecksarbeit’. Das ist die Drecksarbeit, die ich jetzt selber mache für uns alle. Wir alle sind davon auch betroffen. Dieser Weinkeller droht zu verwässern, durch Wasserrohrbrüchen, Starkregen, übertretenden Flüssen und allen anderen Überflutungen, die meinen sauerländischen Weinkeller am ‚Schwarzen Felsen‘ bedrohen. Da muss ich trinkend gegen Schädigung der Weine vorbeugen. Und um es klar zu sagen: meine Hände wasche ich mit Wein in Unschuld von diesem Dreckwasser ab.«
»Herr Kandesbunzler, …«
»Und übrigens ist heute nicht Fronleichnam, Herr Careca. Da liegen Sie mal wieder völlig falsch. Heute ist Pfingsten, da spricht der Heilige Geist zu uns, insbesondere zu mir in meinem Weinkeller. Denn es heißt ‚in vino veritas‘. Und nicht ‚in aqua veritas‘, besonders nicht bei uns im Sauerland.«
»Ich hatte kein Latein in der Schule.«
»So. Mal Klartext für Sie Ungebildeten. Übersetzt heißt das, solange Wein saufen, bis die Wahrheit ausgekotzt werden muss, Sie Dummbeutel!«

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Als mein DeLorean stoppte und ich wieder vor dem unbeleuchteten Walmart stand, rissen mich so ein junger Schnösel und so ein alter Sack gemeinsam aus meinem DeLorean, schimpften unartikuliert, schubsten mich weg und machten sich dann mit dem DeLorean blitzsauber aus dem Staub.
Während ich noch verdattert auf die brennenden Autoreifenspuren starrte, kam ein anderer vierschrötiger Schnösel, stellte sich mir mit seiner rechten Faust in meinem Gesicht als ‚Biff‘ vor, nahm mir meine letzte Rote-Bullen-Blaudose ab, leerte sie in einem Zug, rannte los, den Autospuren hinterher, hob ab und flog dem DeLorean hinterher.

Enttäuscht saß ich allein auf dem riesigen Parkplatz, warmer Wind pfiff mir um die Ohren. Ich schaute betroffen, sah den Vorhang für mich zu und alle Fragen offen.
Wie gerne hätte ich heute noch paar bedeutenden Feldherren und Politikern nur wiederholt eben jene eine Frage gestellt …

Make Drecksarbeit great again.

Und vergebe unseren Gaslightern …

Was kostet die Welt?

Immer nur die Hälfte vom kalkuliertem Doppelten. Frei dem Motto: Lieber einmal zu viel als zweimal zu wenig. Somit lieber die doppelte Sicherheitsmarge. Und die bessere Hälfte davon behalten wir und die andere Hälfte präsentieren wir als Rabatt. Wobei Mercedes-Händler auf die Frage »Rabatt?« immer nur antworten: »Hauptstadt von Marokko« und nochmals 20 % Antwortzuschlag berechnen.

Das macht alles zwar keinen Sinn, nur so gehen viele scheinbar liebend gerne mit der Frage nach den Kosten der Welt um. Oder mit der Antwort meiner Mutter auf meine damalige Frage: »Mehr als deine Geburt«. Stimmt. Jene von mir und die Konsequenzen davon wurde von der Krankenkasse bezahlt. Dabei schreien doch heute so viele nach Selbstverantwortung und dass man selber für seine Kosten aufkommen solle …

Im Grunde lassen sich die Kosten der Welt nur schwer berechnen. Den letztendlich haben wir die Erde nur von unseren Vorfahren geerbt – oder wie die mosaischen Religionen so gerne behaupten – von Adam und Eva. Welche die Erde wiederum nur von irgend so einem Gott und dessen gefallenen Engel Luzifer bezogen haben.

Das klingt also so in etwa wie Münchner Privatpersonen mit Eigentumsbesitz in München. Geerbt, nicht erworben. Was kostet folglich die Welt? Einen Mietpreisspiegel plus Nebenkosten plus persönlichen Gusto-Aufschlag. Und diese erhöhen sich von Jahr zu Jahr. Schließlich steigen ja auch die eigenen SUV-Kosten und Urlaubskosten auf den Inseln Jahr für Jahr.

Work-Life-Balance at its best: Du zahlst, dass ich mein Leben als Eigentumsbesitzer deiner Mietwohnung in meiner Balance halte. Geld fällt schließlich nicht vom Himmel. Sondern aus den ausgebeutelten Taschen der Münchner Mieter. Und Mietpreisbremse ist ein gaaaaaaanz böses wokes Wort, welches ausgehebelt gehört, weil es den Eigentümer von seinen Gewinnerwartungen enteignet. Und Enteignung ist immer böse.

Äußert man dergleichen im Kreis der Münchner Immobilienbesitzer, dann ist die Standardantwort, dass man wohl möglich selber Schuld sei in München zu wohnen. Man müsse doch nicht in München wohnen. Der Umkreis wäre doch auch sehr schön. Und wahrscheinlich eh billiger.

Dass man im Speckgürtel Münchens nur Maden findet, aber keine billigeren Umstände, das zählt nicht. Denn es geht schon längst nicht mehr um Ursachen und deren Verursacher, sondern um Schuld und Sühne. Schuld ist, wer in München leben will. Der soll halt mit hohen Lebenshaltungskosten sühnen.

Schuld und Sühne. Diese moralischen Kategorien sind richtunggebend für die deutsche Fehlerkultur. Es müssen halt für Fehler immer andere herhalten. Schuld sind immer die anderen. Korrektur: Schuld sind immer wir anderen.

Ohne Fehler keinen Schuldigen, kein Scherbengericht, kein Scheiterhaufen. Ein Land in Tristesse wegen fehlender Schuldner. Und wer weiß, dass er alleinig Schuld trägt, weil er wahrlich Mist gebaut hat, der sagt bereits im Vorfeld „Wir werden einander viel verzeihen müssen„, um sich im Voraus die Absolution für seine Fehler abzuholen, ohne eine echte Ursachenanalyse zu ermöglichen. Denn? Richtig: Schuld sind immer wir anderen. Wir haben ihn moralisch zum Fehler genötigt. Somit kein Scherbengericht, kein Scheiterhaufen und Freispruch auf ganzer Linie. Dem Vergeben und Vergessen überantwortet.

Die Ursachen von Fehlern und somit deren Verursacher interessieren nicht. Es interessiert nur, wer in die Kategorie »Schuld und Sühne« eingeordnet werden kann. Nicht »Dichter und Denker« ist das Ideal, »Richter und Henker« ist in Deutschland viel packender (für Yellow- und Gossenklatschpresse und social media erst recht) und auch mehrheitsfähiger.

Dass X und Y sich getrennt haben, ist doch viel besser zum Tratschen, als sich bei den Fragen über Ursachen einer Trennung sachlich Gedanken zu machen. Warum? Dazu lässt sich vorzüglich – vorsätzlich zweckentfremdend – ein Innenminister Deutschlands von vor fast zehn Jahren rezitieren: »Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern.«

Eine allgemeine Verunsicherung macht sich nicht gut. Darum wird auch lieber über Schuldige gesprochen, denn das ist einfacher und besser emotional einzuordnen. Eine Gesellschaft, die auf den EQ (Emotional Quotient) als eindeutige und menschlich wichtige Schubladenkategorie schwört, von der kann man nichts anderes erwarten, dass sie dazu deren Stange hochhält, wo nicht erigierbares vorhanden ist.

So wie bereits während den Corona-Zeiten von diversen Pseudo-Durchblickern der verschiedenen Lager demonstriert. Oder wie in den heutigen Zeiten, mit einer populistisch magelhAFDen Argumentation gegen beispielsweise einen wie immer entarteten »Mainstream«. Oder in verschärfter Ausführung gegen Wissenschaft an sich. Die Unaufgeregtheit einer BILD-Zeitung bei der mutmaßlichen Vetternwirtschaft eines Jens Spahn ist ein Zeichen dafür, weil deren Fokusobjekt kein Habeck o.ä. ist, sondern jemand, der sich in jenem Sinne sehr gerne populistisch darstellt.

Was kostet die Welt? Nichts. Im Kofferraum hat es Ersatz. Und wenn nicht, dann langt uns das Motiv von »Schuld und Sühne«. Alle anderen wissenschaftliche Beweise werden mundtot gemacht. Beispielhaft dafür stehe Donald »Duck« Trump und weitere Konsorten in den USA, welche jene staatlich angeordnete Zensur (gerechtfertigt als »anti-woke«) frech als »freedom of speech« verkaufen, dabei geflissentlich vorsätzlich das Personalpronomen »our« unterm Tisch fallen lassen, damit es niemand merkt, auf wen sie sich beziehen. Schließlich könnte die Kenntnis davon zu Lasten dieser Konsorten (Oligarchen) fallen. Und dann könnte ja jemand auf die Frage »Was kostet die Welt« eine Antwort finden und etwas gegen jene unternehmen …

 Wea ko, dea ko

München feiert Geburtstag. 1.000 Jahre München!

Hm? Nicht? Stimmt nicht? Na ja. Fast beinahe 1.000 Jahre. Na gut, dann halt 900 Jahre München!

Wie? Stimmt auch nicht? Dazu fehlen noch immer 33 Jahre? 33 Jahre? Das ist ja eine Schnapszahl, da geben wir uns mal eine aus! Darauf eine Maß. Denn ’ne Schnapszahl, so was darf man schon feiern. Und weil es so schön ist, Stadtgeburtstage zu feiern, deswegen werden jetzt fleißig weiß-blaue Aufkleber verteilt.

Eigentlich sollten die Aufkleber mit »Ein Leben ohne Weißwurst wäre theoretisch möglich, aber sinnlos« bedruckt werden. Nur, nachdem ein berühmter fränkischer Foodblogger aus Bayern bereits die internationalen Markenrechte an dem Satz »Ein Leben ohne Bratwurst wäre theoretisch möglich, aber sinnlos« eintragen lassen will und die Verhandlungen mit einem gewissen Söder und einem Würstchen-Uli am Tegernsee zu jenem Bratwurstsatz bei einer Kabinettsitzung ins Leere verliefen, nur deswegen wurde ein anderer Text genommen

Somit werden in Kürze am Ballermann, auf den kanarischen Bierstraßen sowie den Lofoten, in der Schweiz und Österreich an jedem Laternenmast der Weisheit letzter Schluss kleben:

»Voll unfreundlich hier. Aber waren Sie schon mal in München?«

Gan unten auf dem Aufkleber, unterhalb des Slogans, kleingedruckt in 3.5er Schriftgröße, findet sich der Verweis auf die Herkunft: »Quelle: InterNations« (hier). Die Letztendbegründung für den Slogan.

Denn wisse: ohne Letztendbegründung geht in Bayern nun mal rein gar nichts. Weder in der Kirche, noch im Wirtszelt, noch im normalen Leben. Und daher manifestiert jetzt der fränkisch X-Foodblogger in seiner eigenen Letztendbegründung auch seinen Willen, Bayern mittels der Stadt München wieder erstarken zu lassen.

Klandestin hat er bereits vor den Augen aller seinen Dobrindt in die Bundespolitik eingeschleust und darauf gleich stolz verkündet, in Deutschland die Uhren um 10 Jahre zurückgedreht zu haben (Quelle: hier). Und keiner hat’s bemerkt, denn auch vor zehn Jahren war es bereits Fünf vor Zwölf. Wie dieses Uhrenzurückdrehen bei den Leuten hier ankommt, zeigt sich an München. Der Erfolg ist beim Volkssport Nummer 1 abzulesen: Leroy Sané verlässt München, Florian Wirtz zieht die Merseyside einem München vor und selbst die deutsche Fußballnationalmannschaft vermied es neulich, das Fußball-Finale der »UEFA National League 2025« in München spielen zu müssen. Sie verlor trickreich getarnt als zweiklassiges Team gegen Portugal.

Tja, und jetzt will jener fränkische X-Foodblogger die Olympiade wieder nach München holen. Wohl sein zukünftiges Lebenswerk. Heimlich druckt er wohl schon in seiner Garage neue Aufkleber. Die verteilt er sicherlich bald in jedem Wirtszelt, wo er seinen Mostrich an die armen Würstchen dort dazu gibt:

»Ein Leben ohne Olympia in München wäre theoretisch möglich, aber sinnlos.«

Dem geneigten Wirtszelt-Besucher wird’s egal sein. Hauptsache, zu saufen gibt’s, und eine Kirche mit Zwiebelturm steht in Sichtweite, um dem ganzen eine religiöse Dimension zu geben. Aber das wichtigste ist dann: mit ’ner Maß in der Hand ein Selfie zusammen mit dem fränkischen X-Foodblogger zu machen. Prost.

Make Bavaria great again!

Lebe wild und entbehrlich

(frei nach Paul Zech)

Ich bin so wild nach deiner Schlagzeile,
so süß, so rot – sie blinkt, sie schreit.
„EXKLUSIV!“ steht da – mein Herz zieht Kreise,
ich klick dich an, bin hell bereit.

Ich bin so heiß auf deinen Countdown,
drei, zwei, eins – und nichts passiert.
Werbebild und Pixelmief als Pausenclown
du warst so wild, dass es mich gefriert.

Ich bin so wild nach deinem Clickbait-Mund,
„Du glaubst nicht, was dann geschah!“
Ich scroll mich wund in deiner Gier,
und find doch nur ein Blablabla da.

Dein roter Punkt – ein Erdbeermund,
der mir verspricht: Jetzt wird es echt extrem!
Doch unter’m Hype liegt nur der Grund,
du brauchst mich für deine Klick-Armeen.

Ich bin so wild nach deinem nächsten Ton,
nach deiner Mail, die Großes bringt.
Doch jedes „Wow!“ ist längst gewohnt,
weil’s ohne Inhalt laut erklingt.

Push mich, Baby – kündig an! Wartest worauf?
Sei süßer als jegliche Gegenwart oder jed‘ Realität.
Ich will nur fühlen, will gehen in Flammen auf,
auch wenn, was du sagst, den Bach runtergeht.

Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund,
ich schäm mich fast, dass man’s hier liest.
Ich geb‘ dir meine Energie und Aufmerksamkeit
Drum folgst du mir nie nimmer – in alle Ewigkeit.

Kannste dir nicht ausdenken …

In Zeiten, in denen der Körper seinen Menschen lahm legt, geht die Seele auf Wanderschaft. Kommt sie dann nicht zurück, dann ist der Mensch tot.

Würde man die zwei vorherigen Sätze als schönes Aperçu ansehen, dann stellt sich die Frage, warum es den Seelen in deren Menschenkörpern nicht gefällt. Millionen Seelen sind täglich auf Wanderschaft. Ja, gefällt denen der Körper nicht mehr, den sie von Geburt an erhalten haben? Wenn irgendwo mal wieder eine Rakete startet und zielgenau in Menschensiedlungen einschlägt, welchen Seelen freut es dann? Richtig, die Seelen der Aktienbesitzer der Waffenindustrie. Weil, dann wird die Rakete nachbestellt. Dividende schmückt den Erfolgreichen. Immer. Würde die Rakete allerdings einfach nur wie eine Silvesterrakete am Himmel verglühen …

Nein, die Argumentation ist jetzt auch nicht stimmig. Denn das macht der Elon Musk mit seinen Raketen schon eine ganze Weile. Mal lässt er sie von Greifarmen beim Landen in Empfang nehmen, mal lässt er sie einfach in Wasser klatschen, mal kurz vorher über menschenleeren Boden explodieren. Mit letzterem käme er schon eher in Richtung zufriedenen Menschen, die sich in der Rüstungsindustrie ihr Geld vermehren lassen.

Aber immer nur über menschenleeren Gegenden Abstürze fabrizieren? Wahrscheinlich war Donald Trump neulich bei einem weiteren Start der Musk-Raketen vor Ort und stieß mit Elon Musk mit einem Glas Champagner an, um eine neue Flüchtlingsstrategie zu kreieren. Warum die Stufen nicht dort sich selbst zerstören lassen, wo dann eventuell lediglich nur tragischer Kollateralschaden entstünde? Also, über Boat-People in deren überfüllten Nussschalen auf hoher See oder über Flüchtlingslagern an den Grenzen? Oder gar Flüchtlinge als Raketenfänger im Roggen?

Die eigentliche Frage ist doch, macht Waffenindustrie glücklich? Fragt man die Finanziere des Fußballvereins BVB Dortmund, dann ja. Werbung für »Rheinmetall« in einer Sportart, welche sich auf die Fahne geschrieben hat, die Welt zu vereinen und die Menschen zusammenzubringen. Andererseits, welche Sportart basiert auf »Angriff«, »Verteidigung«‚ »Abwehr« und »Schießen«? Wo gab es schon den Bomber der Nation, wo wurde bis zur letzten Minute bis zum Umfallen gekämpft, wo schießt der eine den anderen Spieler ab, wo schreien schon mal die Obersten ihren Untergebenen zu »Knallt die durch die Wand«, wo gibt es die Torjägerkanone und wo jubeln die Schlachtenbummler bei einem Schützenfest?

Warum dann nicht auch mal Rheinmetall ne Fahne für ne Werbung herüberreichen? Denn da, wo Fußball gespielt wird, soll es keine Kriege geben. Dieser Satz konnte bislang nie widerlegt werden. Selbst im Ersten Weltkrieg als zu Weihnachten an der Front bei Frelinghien (nordwestlich von Lille) wurde Fußball gespielt und es herrschte Weihnachtsfrieden. Das Trainingsgelände von Rheinmetall muss dort so gut beackert wie die Frontlinie von Frelinghien damals sein, wenn man die Tabellenposition mit der »Wir schaffen das«-mentalität der Kicker dort und den Gesichtern der Vorstände nach jedem Spiel abgleicht. Also, solange der BVB möglicherweise auf dem Werksgelände von Rheinmetall trainiert, kann nicht damit gerechnet werden, dass von Rheinmetall Krieg ausgehen wird.

Krieg wird aber dieser Welt nie ausgehen. Davon haben wir ja genug.

Das hört sich immer auch ein wenig an, wie der demokratische Grundsatz »Alle Macht geht vom Volke aus«. Und dann kamen gleich die ganzen »Sie haben mir ins Gesicht gefilmt«-Wutbürger, AFD’ler und andere ach-so-besorgte Bürger aus ihren inzwischen rauchfreien Stammkneipen hervor und fragten im Chor: »Aha! Die Macht geht also aus. Einfach so. Vom Volke aus. Ohne uns zu fragen. Ja, wohin geht sie denn? Bei uns ist sie jedenfalls nicht!« Und die BILD-Zeitung hat direkt ungefragt dementiert »Bei uns ist sie auch nicht! Schaut doch auf die ganzen Verkehrsblockiererlampen, also die Ampel. Immer auf rot, selbst wenn sie grün anzeigt.«

Während der Merz mit seiner Cessna über all die Ampeln hinwegflog und huldvoll mit seiner rechten Hand nach unten winkte – Schamlose meinten sogar, all seine Finger seinen beim Winken erschlafft, bis auf exakt dessen Mittelfinger – wurde bei Volkswagen der neuste Porsche auf die Spur gebracht. Und eben mit diesen geschah dann das, womit Lindner dann später einfach mal dessen off-road-Verhalten testete und von der vorbestimmten Route ausbrach. Scholz meinte dazu, das gehe mal gar nicht, so abseits der Straße und da könne der SUV-Junkie denn mal bleiben, wenn er eh nicht gerade auf Sylt urlaube. Lindner konterte darauf einfach nur, Scholz Reaktion sei Wahlkampfverhalten und das hätte seine forsche Porsche-Arbeitsgruppe in allen Szenarien belegbar für die ZEIT dokumentiert. Wo ist die Neuigkeit?

Richtig. Volkswagen und damit auch Porsche stecken in der fetten Krise. Und Schuld daran seien unisono die Nicht-Erdöl-fördernden Länder wie Deutschland, Deutschland und … habe ich noch ein Land vergessen? Ach ja, Deutschland. Einfach auf alternative Energien zu setzen. Auf Windenergie. Aber damit man aus Wind Energie gewinnen kann, setzt auch voraus, dass man den Wind überhaupt wahrnimmt. Bayerns Obersöder will den neuen Wind überhaupt nicht bemerkt haben. Darum pflastern Solarpaneele seinen Weg von Bierzelt zu Bierzelt. Solarpaneele machen nämlich keinen Wind. Nachher kommt noch jemand in Bayern vorbei und versucht zu beweisen, dass der zukünftige Wind global jetzt aus einer ganz anderen Richtung weht. Das mag der technikaffine Bayer, der zärtlich die Euter seiner Kühe auf versteckten Almen knetet, damit er mit aufrechtem Stecken psychisch gestärkt Straßen blockieren konnte, ohne damit als strafrechtlich belangbarer Verkehrsstörer (wie eben jene Klimakleber) identifiziert zu werden. Deshalb will auch der Obersöder, dass eben der Anführer der Bauernblockaden nun als Landwirtschaftsministerium der neuen Regierung einziehen muss.

Richtig gelesen. Der Bär wurde noch nicht erlegt, aber der Obersöder verteilt schon mal das Fell. Ganz demokratisch. Denn in der Problembär-Jagd kennt sich Bayern komplett aus. Bereits als das bayrische Ministerium unter Stoiber ein „beauftragtes Sicherheitsteam“ auf den damaligen Problembären Bruno angesetzt hatte, mit echten Männern, mit echtem zielgenauen Schießen, da war klar, in Bayern hat keiner die Angst, dass denen die Felle wegschwimmen, die die Landesregierung zuvor erlegt hat.

Okay, von wegen »nicht wegschwimmen«, mal so am Rande bemerkt: nachdem neulich eine Gegend zwischen Ingolstadt und Schrobenhausen durch Regenfälle Land-unter ging und alles Menschliche wegspülte, da war dem Obersöder gleich klar, warum die Katastrophe für die Anwohner so katastrophal und so tragisch war: Die Grünen hatten ja schon immer Ängste dahingehend gestreut, und statt mal die Bayern einfach sich von Gottes Urgewalten positiv überraschen zu lassen, haben die erstens Gott verneint und zweitens die potenziellen Urgewalten beschrieben. So wie damals Dante die Hölle. Ging schon damals nicht.

Aber Obersöder, der ewige Biertester und „Tu-wat“-Varta-Hase (- er nutzt dafür immer Keferloher Bierkrug mit Deckel, denn solche klappern immer so schön bayrisch fordernd -), hat vor den Wasserschöpfenden unter heiter bis wolkigem Himmel gleich mal die Bayernhymne zur Ermutigung gesungen:

»Gott mit dir, du Land der Bayern, deutsche Erde, Vaterland! Über deinen weiten Gauen ruhe seine Segenshand! Er behüte deine Fluren, schirme deiner Städte Bau und erhalte dir die Farben seines Himmels, weiß und blau!«

Danach ergriff er gleich eine neben seinem Bierseidel befindliche Essensgabel, um mitzuhelfen beim Wasserschöpfen vor seiner Reporterschar. Als dann allerdings jemand ganz zögerlich und vorsichtig etwas kleinlaut anmerkte: »Herr Doktor Ministerpräsident Söder, mit einer Gabel kommen Sie aber beim Wasserschöpfen nicht weit«, da soll der Obersöder wütend aufbrausend geschrien haben: »Dann bringen Sie mir doch ein Messer, Sie himmiherrgottsakramentzefixhallelujamilextamarschscheissglumpvarrecktsrotgrünversiffter Saupreis!« und mit einem kehligen Schrei warf er die Gabel zu Boden. Die Fotografen beschlossen darauf, doch lieber ein, zwei, drei bis vierkommafünf Katastrophenbilder mehr für deren Reserve zu schießen.

Nebenbei, Bully Herbig soll den Söderschen Schrei aufgenommen und wird ihn wohl in seinem nächsten Film als neusten Wilhelmsschrei verwenden. Wird wohl Kult. Sagt man. Also, meint man. Man weiß es halt nicht so genau.

Nebenbei, Wilhelmsschreie werden in Filme verwendet, um dem Zuschauer zu signalisieren, dass jemand frisch von den Lebenden zu den Toten befördert wurde. Also als Seele auf Wanderschaft ohne Heimkehr, dem ausklingenden Schall seines Wilhelmsschreis sehnsuchtsvoll nachfolgend. Ein schönes Bild. Aber leider nur nicht in KodakChrome.

Führt man sich jetzt noch den »Herr der Ringe«-Teil vor Augen, bei dem an die 840 Sterbenden über die Leinwand röcheln … also, 840-mal den Wilhelmsschrei immer bis zum Ende? Echt jetzt? Kannste dir nicht ausdenken …

Kein Wort zum Sonntag

Wir saßen am gedeckten Tisch und jeder blickte erwartungsvoll in die Runde.

»Beten!«

Instinktiv zog ich die Hände nach oben und den Kopf nach unten. Die Hände gefaltet, den Kopf gesenkt und zumindest eine Haltung: Bethaltung.

»Ha, ha, ha, nein, bei uns wird nicht gebetet«, er hatte lachend sein Gesicht mir zugewendet, »ich wusste doch, dass das hier eine katholische Gegend ist. Ein Wort und ihr wechselt eure Haltung.«

Er hatte als Psychologe eine Anstellung in meiner Gegend gefunden, kam eigentlich aus Südamerika, hatte jedoch unsere komplizierte Sprache in seiner Jugend von seiner Mutter gelernt.

In mir kam Scham auf, dass er offensichtlich eine Konditionierung bei mir getriggert hatte. Danach konnte ich dem Standardwort »Beten« am Essenstisch nicht mehr instinktiv folgen.

Er selber war protestantisch und lebte mit seiner Frau und seinen beiden Kindern unweit meines Elternhauses.

»Gott interessiert es nicht, ob du betest oder an ihn denkst. Bei unseren Bedürfnissen hilft er uns nicht. Dafür ist er nicht feinfühlig genug.«

Durch ihn lernte ich die Maslowsche Bedürfnispyramide kennen. Basis waren Grundbedürfnisse, die sich im Hirnstamm (das sogenannte »Reptiliengehirn«) seit der Weiterentwicklung von den Reptilien nicht verändert haben: Atmen, Essen, Trinken, Schlafen, Sex. Notfalls kämpft man darum oder flieht oder stellt sich tot, um an diese Dinge zu kommen und das eigene Überleben sicherzustellen.

Sex war es dann auch, weswegen sich das Ehepaar dann scheiden ließ. Zu wenig davon. Und da auch die protestantische Welt monogam postuliert wurde, war das, was beiden außerhalb der Ehe verlief, zwar maslowsisch begründet, die Zerstörung der zweiten Stufe der Maslowschen Bedürfnispyramide: die Sicherheit durch Arbeit, Haus und Familie fehlte.

Dabei gehört doch gerade auch die sexuelle Selbstbestimmung zu dem, was das soziale Gehirn als fehlend ansah: soziale Beziehungen. Die dritte Stufe der Pyramide. Aber ebenso bei den Individualbedürfnissen (die vierte Stufe) und der Selbstverwirklichung (fünfte Stufe). Weil also Reptiliengehirn und das soziale Gehirn nur Unzufriedenheitssignale schickten, beschloss das Großhirn eine Änderung des fehlenden pyramidenumgreifenden Elements.

Und da kam das über allem stehende, göttliche Hirn des Ehepaars vorbei und erklärte den Ehebruch als moralisch verfehlt, als häretisch, als Monogamie-lästernd und die Maslowsche Bedürfnispyramide als Paulanergarten.

Dass das göttliche Hirn nicht weiß, was Sex ist, dass können viele Priester der verschiedensten Religionen bestätigen, wenn sie deren sexfeuchten Träume mit Geldscheinen von sich abwischen.

Und Gott? Keine Götter dieser Welt kamen, um die Revolution vieler Religionen hin zum Monogamismus wegzuwischen. Inzwischen wissen wir es: Die Revolution frisst ihre Kinder und die Priester echoten im Choral »Wir waren’s nicht« und die Gemeinde sind im Kanon fromm »Was geht uns die Sintflut an«. Wie gewohnt, die bekannten Paulanergartenchoräle.

Sintflut. Auch so ein mosaischer Begriff, den die Christenheit für sich geerbt hat, um zur Freiheit von jeglichen Gedanken aufzurufen. Gedankenfreiheit, wie sie sie meint. Was geht uns die Sintflut an. Denn inzwischen liegt manchem das Ahrtal oder der freundliche Hausbach von nebenan näher als die Fernbedienung zum Umschalten zwischen den verschiedenen Streams auf dem heimischen Smart-TV.

Und immer wieder soll Gott auf unserer Seite sein. »Gott mit uns«. Der Kampfbegriff, der in unseren europäischen Gegenden schon seit den alten Römern bekannt war. Ob das der Gott schon seit 3000 Jahren wusste und vorsätzlich nichts dagegen unternahm? Mit dem »Gott mit uns« wurden nicht nur ganze Städte dem Erdboden gleichgemacht, sondern auch Menschen massenhaft niedergemetzelt, die gehofft hatten, dass Gott doch gerade mit ihnen sein müsste. Weil Gott doch auf der Seite der Schwächeren stehen sollte.

Nur, Gott hat mit Altruismus oder mit dem »mit uns« so viel am Hut, wie ein AfDler eine soziale Ader hat. Vielleicht sagt er sich auch nur, was ein Kardinal zu Soldaten sagte: »In betenden Händen ist die Waffe vor Missbrauch sicher« (Kardinal Meisner, 1996 in einem Soldatengottesdienst). Oder etwa das, was eine andere Person der Zeitgeschichte erklärte: »Gläubige Soldaten sind die wertvollsten. Sie setzen alles ein.« (1933, Adolf Hitler zu dem Osnabrücker Bischof Berning).

»Gott mit uns« stand vor über fast 70 Jahren noch auf Koppelschlössern von Soldaten. Auch wenn damals der alte Bazi Franz Josef Strauß 1949 noch erklärte »Wer noch einmal eine Waffe in die Hand nimmt, dem soll die Hand abfallen« bereitete das Amt Blank genau das vor. Treppenwitz der Geschichte: Strauß übernahm sieben Jahre später das von Theodore Blank geschaffene »Bundesministerium für Verteidigung« der BRD, welches 1955 aus dem »Amt Blank« zwecks Wiederaufrüstung der BRD hervorging. Strauß überwachte demnach wohl das Abfaulen der Hände, was die anderen Militaristen der DDR bereits genau protokollierten. Wobei Strauß damals seine Hände in vielen Sachen mit im Spiel (Stichwort »Spiegel-Affäre«) hatte, aber nur nicht beim Abfaulen.

Als die Welt unter Massenkriegen geknechtet litt, da hätte der so als »Wohltäter« betitelte Gott eingreifen können. Niemals hat jemand als einer auf dieser Erde angebetete Gott seine Neutralität mehr ausgedrückt als bei jenen Massakern von Auschwitz, Buchenwald, Peking, Srebrenica, Ruanda, der arabischen Halbinsel und sonst wo, bei denen Ideologien zwischen Gut und Böse, zwischen Daumen-hoch und Daumen-runter, zwischen lebenswert und tot entscheiden. Für solche war ein Gott schon immer das Mittel zum Zweck. Und nicht nur für jene. Bekannt ist, dass Diebe und Mörder immer schon gerne Kerzen in Gotteshäusern anzündeten, um sich göttliche Unterstützung zu sichern. »Gott mit uns«.

Und Gott? Der denkt sich lediglich: »Uns? Wer ist ‚WIR‘. Na, ich doch nicht!« und schon fühlt sich eine Hundertschaft von wirren »Wir sind wer«-Meinungsdiktatoren bestätigt: »Seht ihr? Er gehört zu uns. Gott mit uns!« Nur, den ficht das nicht an, der manikürte sich seine Hände, die er danach in Unschuld, Pril oder in anderen Spiel-Weihwässern badete. Wer weiß das schon so genau.

»Beten!«

Es ist Sonntag. Ich schaue aus dem Fenster. Die Kirche gegenüber füllt sich mit Menschen, die ihren sonntäglichen Kirchgang absolvieren. Zeit zum Beten von Gebeten im Gebetshaus. Früher waren es sicherlich mehr, heute ist Beten ein Anachronismus, den bereits OpenAI locker beherrscht. Beten gehört nicht – wie vormals in vielen Kreisen postuliert – zur ersten Stufe der Maslowschen Bedürfnispyramide, sondern maximal zu der erweiterten, der achten Stufe. Und die haben eh nur wenige auf dem Schirm, indem sie die Selbstverwirklichung, die siebte, von A bis Z durchackern, um sich erfolgreich ein X für ein U vorzumachen. Nicht dass das schlimm wäre, nur das Ganze verkommt zur Hofnarrenonanie, wenn Selbstverwirklichungsangebote konsumiert und eingekauft werden, wie die Angebote der wöchentlichen Prospekte der Discount-Supermärkte frei dem Motto »Haben ist besser als brauchen«.

Beten.

Wenn das Beten sich lohnen würde, ein Stoßgebet nur. Ein Stoßgebet nur: »Herr, lass Hirn regnen!«

Aber er hört mich nicht.

Er ist bei meinem Wort zum Sonntag eingeschlafen …