Über Careca

Hang zur Satire, zur Ironie und zum Zynismus; Sinn für jeden Unsinn

Gigantische Schiffe am Tannhäuser Tor

Ich habe Sachen gesehen, die Menschen niemals glauben gelesen zu haben. Gigantische Reisegruppen, die vor Leidenschaft brannten, draußen auf den Schultern des Orion. Ganz ohne James Webb.

Ich sah Sichtbalken auf Monitoren, glitzernd im Dunkeln vor privaten Sendern, welche keine gebührenfinanziert bezahlt- nur deutlich mehr begeisternd beklatschend – klatschend auf Balkonen am Tannhäuser Tor aus Solidarität zugunsten des emotionalen Empathie-Event. Dem Event, wegen dem die Fotographen deren Akkus aufgeladen, deren Speicherkarten geleert und deren detaillierte Zooms angeschnallt hatten. Ein Klatsch-Klatsch-Event der Extra-Klasse. Fotos ohne Akustik. Beeindruckend. Fast so wie bei BAPs “Kristallnaach”, gespielt live immer am Anfang.

Ich sah Rentner zwischen deren Koffern am Gleis 2, Abschnitt B. Ich sah Hartz-4-Empfänger in der Wartezone mit gezogenen Nummern in der Hand. Ich sah, Anwälte von Gutverdienenden vor Richtern, gespickt mit gut verischerungsbezahlten Argumenten. Ich sah Wettervorhersagen mit Aussagen in Trockengebieten, Aussagen über Regengebieten über Ozeanen, ich sah Politiker, sich auf Koalitionsvereinbarungen berufend, sich gleichzeitig in Videos geistig einen  runterholtend. Ich sah Oppositionspolitiker, die flogen, bevor sie überhaupt geflogen werden konnten, weil es BILD & Co KG als untragbar beurteilt wurde. Ich sah Oppositionspolitiker, offen masturbierend und dafür um Beifall für deren Orgasmus heischend. Und das, komplett unabhängig von den anderen Medien, welche ein 08/15-Leser in den 1/4-stündigen Betriebsarbeitspausen liest.

Ich sah alle. Mich zugleich im Spiegel. Und ich sah die Gesellschaft sich selber spiegelnd. Ich stand derweil in der ersten Reihe. Trotzdem meckere ich hier unreflektiert. Warum auch nicht? Das ist das Anrecht, sich unreflektiert über andere zu echauffieren. Letztendlich reicht ein sich berufen auf das Schlagwort “Meinungsfreiheit”. Es ist dabei völlig uninteressant, ob “Meinungsfreiheit” gegen Staatsorganisationen erschaffen wurde, um deren diktatorische Zensur (staatliche Informationskontrolle) zu bekämpfen, oder ob “Meinungsfreiheit” erschaffen wurde, um dem direkten Nachbarn mit konträrer Meinung den Mund zu verbieten. Es bleibt unerheblich, ob “konträre Meinung” mit Sachlichkeit oder mit Polemik zu tun hat, aber Hauptsache “verbieten” oder “cancel culture”. Definitions are belonging always to the one of the owner of an opinion topic. Could be wired, really, but has to be carried over as a thought..

Ich habe Sachen gesehen, die Menschen niemals glauben, gelesen zu haben. Reisegruppen, die vor gigantischer Leidenschaft brannten und Handtücher auf Liegestühle dominierten. Ich sah Influencer, die man früher Manipulierer schimpfe, die glitzernd im Dunkeln am liebsten vorm Tannhäuser Tor brillierten, um deren Selfie-Aufnahmen zu machen.

Ich sah mich im Spiegelkabinett, von gestern, heute, morgen und den “Okay Boomer”n. Und ich sehe meine Boomer-Mitkollegen. Ich denke, ich bin zu lahm, um mit den Herausforderungen der Gegenwart mitzuhalten. Alle sind kompetenter (inklusive meinem älteren Bruder) und alle wissen mehr als meiner einer. Selbst von älteren Boomern werde ich maximal nur noch gefragt, ob meine Meinung nicht erheblich zu revidieren zu sein hat, weil meine Meinung in der Form nicht zähle (und ich eh das falsche wählen würde, statt mich der obligatorischen Mehrheit zu beugen; freilich im demokratisch Sinne, woll).

Meinung ist kein Pfund zum Wuchern. Sondern zu, Verstehen.

Boundary talk.

Gendern? Aber bitte doch! Drum “Missfits”! Vorschlag zur Begutachtung

Ein Vorschlag aus dem letzten Jahrtausend von dem kongenialen Kabarett-Duo “Missfits” (Gerburg Jahnke und Stephanie Überall) über “Feminispräch” als Kontra-Punkt der männlich dominierten Sprache (neudeutsch: “Gendern”):

https://youtu.be/T42FwIfuT0Q

und der Teil 2

https://youtu.be/uBa5qa0j7jo

Passt es?

Grüße ´gen Oberhausen an Gerburg Jahnke und Stephanie Überall! Missfits!

Viel Spaß.

Aloisius

Es war ein kalter August. Viel Regen, wenig Sonne. Nasskalt. Wenn die Sonne zu sehen war, dann nur morgens oder abends als kaltgelber Ball zwischen den Wolken.

Alles war kalt, die Hände, die Nase, die Füße, die Zehen. Der Regen schien in die
Kleidung einzuziehen. Klamm war sie. Das Frühjahr war bereits sehr schattig gewesen. Und nahtlos ging das Frühjahr in den Sommer rüber.

Mamertus, Pankratius, Servatius und Bonifatius gaben sich unterkühlt und verschnupft die Klinke in die Hand und hinterließen eine unangenehme Kühle im Land. Und erst recht die kalte Sophie. Sie zeigte ihre kälteste Schulter.

Siebenschläfer war regnerisch. Was mindestens sieben Wochen schlechtes Wetter bedeuten sollte. Besagte eine alte Bauernregel, von der alle sagten, dass sie nicht stimme, aber niemand glaubte, dass es nicht so sei. Denn man kannte die berühmt berüchtigte Bauernschläue nur zu gut.

Jemand meinte, einen Sonnenstrahl an jenem Tag gesehen zu haben und erzählte davon hoffnungsschwanger. Nur wurde er veräppelt:
„Du hast Sonne gesehen? Wo? Wo? Wo? Sag schon, wo isse?“
Er schwieg. Er schwieg über den gelben Strahl, der sich seinen Weg durch zwei stahlgrau, dunkle Wolkentürme bahnte. Wie das Lichtschwert eines Yedis hatte die Sonne ihre Kraft gezeigt.
„Und? Haste dich gleich eingecremt? Lichtschutzfaktor 15?“
15. 15 war,damals das höchste der Gefühle, was in der Drogerie von „Schlecker“ als Sonnencreme kaufbar war. Die Sonnencreme war recht fetthaltig und konnte somit auf der Haut auch als Isolationsschicht vor Kälte verwendet werden.

Die Kirmes – wie üblich Anfang August – war ein buchstäblicher Schlag ins Wasser. Sie war ein Pfützenfestival. Jede Pfütze ein Wassergraben zum Drüber-hinweg-Springen. Der reinste Pfützenslalom. Und die Karussells waren in etwa das, was der Schleudergang bei Waschmaschinen darstellt. Der Auto-Scooter war die begehrteste Attraktion, war es doch überdacht. Ebenso „Die Raupe“. Aber Karussells wie „Hully-Gully“ oder das Flugzeugkarussell, die waren ungeschützt und man verließ sie immer mit nassem Hosenboden. Bei jenem Sauwetter wollten auch die Helfer der Schausteller nicht raus und jedes Mal alles trocken wischen.

Jeder war sich im Klaren, besser würde das Wetter nicht werden. Und die ersten sahen schon die Horrorvisionen der Maisernte im September und Oktober voraus: verschlammte Straßen durch Trecker, deren Reifen den klatschfeuchten Lehm vom Maisfeld auf die Straße brachten. Und wer hatte dann die Malaise? Richtig. Die Autofahrer mit ihren frisch gewaschene PKWs, mit denen sie Sonnabend oder Sonntag Morgen zur Kirche wollten. Niemand wollte mit einer Dreckskarre vor der Kirche parken.

Denn Leute mit Anstand im Dorf fuhren zum Gottesdienst nur mit blitzendem Blech vor. Nur jene Alternativen mit deren Schrott auf Rädern und dem Heck voller Aufkleber von Pop- oder Rock-Gruppen oder mit politischen oder philosophischen Botschaften wie rausgereckten Zungen, rot oder schwarz-weiß, die dazu noch mit Unsinnssprüchen glänzten. Das waren eher jene ohne Anstand oder Respekt vor dem heiligen Blech vor dem heiligen Gotteshaus. Man schüttete darüber insgeheim und öffentlich den Kopf und träumte von einer Zukunft, in der es keine PKWs mehr gäbe, auf deren Heck bunte Aufkleber klebten und irgendwelche Botschaften verbreiteten. Wenn wenigstens der Regen solche PKWs sauber waschen würde. Denn er war ja zumindest sauer. Aber wohl nicht so sauer, wie mancher über bunt beklebte Heckfronten eines Autos. Sauber blitzende Hecks von sauber blitzenden Autos, das waren das erklärte Zukunftstraumziel.

Der Priester im Dorfe hatte bereits verschiedene Andachten organisiert, die nur dem einen Ziele dienten, schön Wetter zu machen. Gott solle doch ein Einsehen haben, dass soviel Regen der Gemeinde nicht gut tue. Es schade den Ernten und machte die Leute nur depressiv. Im Stakkato wurden AVE MARIA, und VATERUNSER herunter gebetet und Rosenkränze in den Händen geknetet. Aber das Wetter wurde nicht besser.

Es ging der August, es kam der September und der Oktober stand vor der Tür. Regenwetter, Regen, Schnürlregen, Landregen. Grau in grau.

– Sonne? Sie haben Sonne gesehen? Wo?
– Da hinten. Zweite Straße rechts.
– Wo? Wo? Wo?

Ein beliebter Otto-Waalkes-Witz zu jener Zeit.

Die Andachten reihten sich aneinander, wie die Perlen der Rosenkränze, die durch die Finger der Andachtsteilnehmer liefen. Erntedankfest kam und die blitzeblank-gewienerten PKWs mussten über verschlammte Straßen zum Gottesdienst.

Erntedank ging. Der triste November kam und ein Sommer, der kein Sommer war, hatte
schon seit langem einem Herbst Platz gemacht, einem Herbst, der sich bereits im Frühjahr in der Gegend umgeschaut hatte.

“Schau mal, Petrus. Ich glaube, jetzt sind die hier mal dran. Die wollen besseres Wetter.”
”Nach 40 Jahren? Das war vor 40 Jahren.”
”Ja und? Bei soviel Bitten und Fürbitten, die sich hier stapeln. Das ist immerhin ne Menge Arbeit. Abzuarbeiten, alles der Reihe nach, eines nach dem anderen. Wir können schließlich auch nicht hexen. Aber wir lassen uns niemals nicht nachsagen, dass wir unseren Aufgaben nicht nachkommen würden. Wir haben schließlich ein Ruf zu verlieren. Man solle nie sagen dürfen, ein Gott nähme die Bitten seiner Gläubigen nicht ernst.”
”Wie du meinst.”
”Also, Petrus, wie viele Andachten, Fürbitten und Gebete waren es für besseres Wetter in dem Landstrich zu jener Zeit?”
”Also, vom Stiefel des Erdenstrichs bis hin zum ewigen Eis nach oben, also so ungefähr paar Dutzend Millionen Bitten, Fürbitten und Andachten. Und einige davon von Gläubigen mit verklebten Autohecks.”
”Echt? Diese Barbaren. Autohecks zu verkleben, geht gar nicht! Es geht doch nichts über blitzendes sauber lackiertes Autoblech. Was sind das für Frevler? Aber deren unerschütterlichen Glauben lob ich mir.”
”Wirklich?”
”Aber sicher das, Petrus. Ich will mich denen erkenntlich zeigen. Gib denen mal zwanzig Jahre nur Schönwetter, von April bis November. Also, richtig gutes warmes bis heißes Wetter und kein Regen. Die sollen mal die Sonnenseite des Lebens kennenlernen.”
”Und dazwischen, von November bis April?”
”Ein wenig Abkühlung mit Fluten, Gewittern und Stürmen. Übermütig sollen die schließlich auch nicht werden.”
”Geht Klar, Vater. Soll der Heilige Geist dann wenigstens an den heißen Tagen wehen?”
”Nicht notwendig, Petrus. Alles sollen die dort auch nicht gleich geschenkt bekommen, woll. Und sag meinem Sohn, er soll endlich ins Münchner Hofbräuhaus gehen und dem Dienstboten, dem Saufkopp, in den Allerwertesten treten.”
”Dem Aloisius? Der schon seit hundert Jahren dort seine Maß säuft?”
”Der soll endlich den Regierungen dort unter meinen göttlichen Eingebung mitgeben.”
”Mach ich. Geht klar. Gleich nach der Werbepause. Wenn das Endlos-Wirtschaftsspiel im Stream aus ist.”

Cancel-Culture-Scherbengericht

»Angeklagter, Sie stehen hier vor dem Gericht wegen missliebigen Verhaltens.«
»Ich fühl mich keiner Schuld bewusst.«
»Der Angeklagte gibt also zu, im Vorsatz gehandelt zu haben.«
»Vorsatz? Wobei denn?«
»Der Angeklagte ging am 3. Februar bei einer Dienstagsdemonstration am Donnerstag gegen staatlich verordnete Maßnahmen mit einer Reichsflagge auf der Straße herum.«
»Ja und?«
»Der Angeklagte hatte vormals und auch danach nichts mit den eigentlichen Reichsbürgern zu tun.«
»Wäre ja auch noch schöner.«
»Am 18. März wurde er vor einem Dienstgebäude gesehen, wie er seinen Arm waagerecht zum Gruße erhoben hatte.«
»Kann doch mal passieren, oder. Vielleicht habe ich auch nur im militärischen Stechschritt lustgewandelt?«
»Der Angeklagte hatte aber nie eine direkte Vergangenheit mit den Nationalsozialisten der Nazi-Herrschaft gemein. Selbst seine Eltern oder Elterns-Eltern waren nicht in jener Partei.«
»Tja, geht vielen von uns hier so. Nicht mal meine Elterns-Elterns-Eltern.«
»Am 5. April wurde der Angeklagte von vier Leuten beobachtet, wie er auf mutmaßlich ‚Rassist‘ machte und Mitmenschen wegen deren Aussehen beleidigte …«
»Sagt wer?«
»… und sie offensichtlich aus dem Lande gewiesen sehen wollte.«
»Man darf doch wohl seine Meinung noch öffentlich sagen hier, oder etwa nicht? Oder leben wir in einer Meinungsdiktatur? Jetzt darf man noch nicht mal mehr seine Meinung sagen, oder wird man das jetzt auch nicht mal mehr sagen dürfen?«
»Dem Angeklagten wird weiterhin vorgeworfen, dass er Devotionalien und andere Objekte aus den Dreissiger und Vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts sammelt. Auf einem Flohmarkt am 8. Juli wurde er beobachtet, wie er diverse Devotionalien begutachtete und offensichtlich drei davon kaufte, zwei Parteiorden und eine Binde mit Emblem.«
»Na und? In der Freiheit darf jeder sammeln, was er möchte, nicht war? Drum sind wir ja ein freies Land und keine Diktatur. Sammeln ist doch nicht verboten, oder?«
»Aufgrund dieser und andere diverse, von Einzelpersonen bezeugte Fakten wird dem Angeklagten vor diesem Volxrechtshof die kulturelle Aneignung einer Kultur vorgeworfen, welche in der Vergangenheit zwar Status Quo Mitteleuropas war, aber keinen Fortbestand hatte und der der Angeklagte nie zugehörte und oder zugehören konnte.«
»Kulturelle was?!«
»Diese ‚Kulturelle Aneignung‘ äußert sich darin, dass sich Unbefugte das Leben einer Kultur befleißigen, für die Menschen aufgrund deren Gesinnung verfolgt und mit Freiheitsstrafen in unseren Breitengraden verfolgt wurden und werden.«
»Andere nennen das nicht ‚Kulturelle Aneignung‘ sondern ‚Traditionspflege‘! Und Skandinavier, Amerikaner und andere leben diese von Ihnen angesprochene Tradition schon seit jeher, also seit dem letzten Jahrhundert weiter.«
»Weiterer Punkt: der Angeklagte macht sich über dieses Volxrechtshof lustig. Bitte diesen Tatbestand ebenfalls ins Protokoll aufnehmen.«
»Der Angeklagte kann Euch mal, ihr woker Euer-Ehren-Pseudorichter! Ihr Cancel-Culture-Fetischisten!«
»Auch diese Aussage ins Protokoll aufnehmen. Der Angeklagte missachtet die rechtsprechende Instanzengemeinschaft ebenfalls vorsätzlich.«
»’Kulturelle Aneignung‘, pah! Nur weil ich kein unrechter Spinner bin? Nur weil ich eine rechte Meinung habe? Ihr seid so etwas von woke!«
»Die elf Geschworenen haben ihr Urteil bereits in Scherben einer ruhmreichen Walhalla-Vase geritzt und nach der Einzelkontrolle durch den Geschworenen-Lenkungsplanmanager mir übergeben.«
»’Kulturelle Aneignung‘, pah! Woke Säcke, ihr!«
»Hiermit verkündige ich das Urteil: …«
»Ihr woken Säcke! Ihr Boomer-Woker! Ihr Scheiß-Moralwächter!«
»Im Namen des Volxkörpers verkündige ich das Urteil über den hier Angeklagten, beschuldigt des Tatbestands der ‚Kulturelle Aneignung‘. Mit elf zu null Stimmen wurde von den Geschworenen beschlossen, dass der Angeklagte schuldig im Sinne der Anklage ist. Er erhält somit hiermit die unveräußerliche einmalige Möglichkeit, als Mitgliedschaft in einer operativen Organisation für ‚Stochastischen Terrorismus‘ aufgenommen zu werden. Herzlichen Glückwunsch, Angeklagter. Per Darknet schicken wir Ihnen eine Liste der möglichen Organisationen zu.«
»Echt? Keine Hinrichtung? Ich komme hier ohne Beeinträchtigung meiner Freiheit raus?«
»Wir wünschen Ihnen als engagierten, strebsamen und meinungsstarken Mitmenschen auf seinem weiteren Berufs- und Lebensweg alles Gute und weiterhin viel Erfolg.«
»Oh, sehr schön. Die letzten drei Schimpfwörter nehme ich übrigens zurück. Tut mir leid. Ist mir so rausgerutscht, war irgendwie nur spontan von mir. Bin halt ein empathischer Mensch, nicht wahr, und Empathie ist ja wertvoll, nicht wahr.«
»Wie bitte? Haben Sie sich gerade entschuldigt?«
»Tjo, ähm, ja, ich dachte, ich mach das mal. Man muss ja nicht jeden beleidigen, oder. Hab das ja alles nur getan, weil es mir ein Herzenswunsch war. Und Wünsche sind ja Ansichtssache. Meinung halt. Und Meinung wird man doch wohl noch haben dürfen, oder?«
»Was?«
»Wusste ja nicht, dass Sie und die Geschworenen, Ihr alle hier, so cool drauf seid. Ich find eure urteilende Kultur schon echt recht cool. Werde ich mir zu eigen machen.«
»Geschworene! Ihr habt es gehört! Dieser Lappen von Angeklagte hat sich gerade als woke Wurst demaskiert! Zu den Waffen! Mit Gott auf unsrer Seite, jagt die Sau!«
»Was?«
»Attacke!!!!«

Streng geforscht, locker erzählt, verbindlich gelogen

Hallo,

ich möchte an dieser Stelle meines Blogs exklusiv eine meiner bahnbrechenden Forschungen vorstellen und dem allgemeinen Peer-to-Peer-Review zur Verfügung stellen. Also, gewissermaßen zur Herstellung einer win-win-Situation: Gewinn für euch, Gewinn für mich.

Zur Erklärung: Peer-to-Peer-Review ist die Bewertung einer Arbeit durch unabhängige Gutachter, Menschen desselben Metiers, sogenannte »Peers«, was Englisch ist und für »Ebenbürtige«, »Gleichrangige« steht. Also Leser meines Blogs, klar soweit.

Das Peer-Review-Verfahren beim Bloggen ist das gängigste Verfahren der Qualitätsprüfung in Klein-Bloggershausen vor Veröffentlichung von Beiträgen in anderen Blogs, auf Flugblättern, gesprüht auf jeder Wand als Graffiti, getanzt als Walzer, Slow-Fox und Gabalier-Pogo, gegrölt auf Sauf-Feten, Trinkgelagen und live übertragen in den nicht-öffentlich-rechtlichen Medien. Klar so weit?

Nebenbei: ich distanziere mich hier ausdrücklich und so weit wie möglich von dem Thema »Wissenschaft«, denn solche sind keine uns »Ebenbürtige« oder »Gleichrangige«, sondern elitäre Eigenbrötler, die sich bei deren Peer-to-Peer-Reviews mittels verklausulierter Sprache uns und unserem Verständnis entziehen wollen, um damit deren eigene Süppchen zu kochen, die wir dann alle auslöffeln sollen.

Klar soweit? Safe. Dann fang ich mal an:

Jeder kennt die Schokoladenei-Werbung, in der Kinder vor einem Schoko-Ei mit Spielzeuginhalt gesetzt werden und versprochen kriegen, dass wenn das Kind das Ei nicht anrühre, dann kriege es zur Belohnung ein weiteres. Das Ganze basiert auf der 1972 veröffentlichten Marshmallow-Test-Studie des Wissenschaftlers Walter Mischel der Stanfort University. In dieser Studie wurde einem Kind vor einem Marshmallow gesetzt und erhielt die Wahl zwischen einer kleinen, aber sofortigen Belohnung, wenn es das Marshmallow direkt aufesse, und zwei kleinen Belohnungen angeboten, wenn es eine Zeit lang warten würde, bevor es das Marshmallow verschlingen würde.

Was der Test damals zumindest aussagte, war, dass Kindern von Akademikermüttern erheblich erfolgreicher widerstanden als jene Kinder, deren Mütter aus den eher bildungsferneren Bereichen stammten. Die Strategie, die eigene menschliche Gier nicht so offensichtlich zu zeigen und ihr gleich nachzugeben, hat also etwas mit Bildung zu tun. Gier an sich ist eh’ per natura bildungsfern und gehört vielmehr zu den basalen Überlebensstrategien des Menschen an sich.

In meiner Studie habe ich diesen Marshmallow-Test abgeändert und durch einen Bündel 100-€-Geldscheine ersetzt. An meiner Studie nahmen 30 erwachsene Frauen und Männer aus allen Bildungsschichten teil. Ich setzte sie jeweils in einem grünen Erholungspark unter strahlendem Sonnenschein auf einem hölzernen Stuhl an einem massiven Tisch, legte das Bündel vor denen hin, erklärte die Spielregeln, dass, würde das Bündel nach zehn Minuten noch auf dem Tisch liegen, ich zusätzlich ein Bündel 5-€-Scheine drauflegen würde und nach einer weiteren Minute ein weiteres Bündel 5-€-Scheine und nach weiteren fünf Minuten auch eine Rolle 1-€-Stücke. Alles war druckfrisch und original gebündelt von der Deutschen Bundesbank. Um die Wartezeit für die Studienobjekte am Tisch zu überbrücken, legte ich ihnen Papier und Bleistift hin, damit sie mir im Gegenzug deren Kontaktdaten niederschreiben konnten.

Das Ergebnis meiner Forschungsstudie:

Alle 30 Teilnehmer zeigten vollkommen das gleiche Verhalten. Auch wenn sich deren akzelerative Tempozunahme von 0 km/h hin zu erstaunlichen Fluchtgeschwindigkeiten vom Tisch und Sitzplatz weg in die freie Natur des Parks hinein nicht gleich verhielt, so war sicherlich die freundliche Umgebung, also der sonnendurchflutete Park, wohl an dieser vom-Tisch-weg-Beschleunigung ein nicht zu vernachlässigender Parameter, den ich in zukünftigen Studien zu berücksichtigen habe. Aber viel schwerwiegender dürfte es wohl sein, dass die Analphabeten-Quote um einiges höher liegt, als die Mainstream-Medien uns weis machen wollen, eben weil mir kein Teilnehmer Adresse oder Telefonnummer auf dem Zettel hinterließ. Möglich ist es aber auch, dass diese Menschen sich als Bundesbürger Erster-Klasse eindeutig disqualifiziert haben, weil sie mir deren Kontaktdaten vorenthielten. Das wichtigste und das eigentlichste ist das Ergebnis: ich habe jetzt 300.000 € Außenstände bei der Deutschen Bank, welche mir die Forschungsmittel als Kredit zur Verfügung gestellt hatte. Und die Kosten für das von mir vorgesehene Inkasso-Unternehmen (junge Burschen aus Russland) zur Eintreibung meiner Außenstände muss ich ja auch noch ausgleichen.

Für das von mir an dieser Stelle gedachte Peer-to-Peer-Review bitte ich somit die Leser meines Blogs nur um eine Aktion: ihre Meinung unter diesem Post kund zu tun und die dazu erforderliche obligatorische freiwillige Spende (mind. 100 € in unnummerierten, unmarkierten Scheinen oder Münzen) auf mein Konto zu überweisen. Meine IBAN findet sich im Impressum. Meine Bankdankbarkeit für die Spender in meinem Herzen.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Kneipengespräch: Wissenschaft ist nur Argument für Arschlöcher

[…]

»Es sind die Riesling-Weine, die nicht nur staubig trocken schmecken. Sondern die, die obwohl sie trocken sind, fruchtig sind. Also zwischen mineralisch und fruchtig liegen. Es gibt Riesling-Weine, die leicht nach Aprikose schmecken. Und diese fruchtige Weine findet man besonders häufig in den Mosel-Anbaugebieten.«

»Das ist Quatsch. Das ist ein Narrativ, den Narrativ kenn ich. Der wird gerne verwendet. Ich hab noch nie so ein Wein angetroffen. Auch in meinem Bekanntenkreis kennt niemand so etwas und die trinken schon wirklich edlen Riesling.«

»Das habe ich in den 90ern kennengelernt, da war Internet ohne Bedeutung und das Wort ‚Narrativ‘ gab es noch nicht. Und der Riesling war nicht exklusiv.«

»Nenn es wie du es willst,es bleibt ein Narrativ. Wahrscheinlich war der Riesling gepanscht. War ja gängig in den 90ern. Das stimmt nicht, was du sagst.«

»Aber ich habe es selber für mich ergründet.«

»Du warst wahrscheinlich von der Werbung im Fernsehen oder von Fernsehsendungen beeinflusst.«

[…]

»Es ist möglich das CO2 zu cracken und zu Kohlenstoffverbindungen zurück zu führen. Also auch in Erdöl zu überführen.«

»Das ist Quatsch! CO2 und Erdöl haben ganz andere chemische Molekularketten.«

»Das ist richtig. Aber ich habe auch nicht gesagt, dass das Cracking von CO2 direkt in Erdölverbindungen übergeht.«

»Das geht überhaupt nicht. CO2 besteht aus Kohlenstoff und Sauerstoff, einem Atom Kohlenstoff und zwei Atmen Sauerstoff. Und Erdöl besteht aus Kohlenstoff und ganz viel anderen Atomen und Elementen. Wenn das so einfach wäre, dann müsste man die vielen anderen Elementen außer dem Kohlenstoff mit was anderem verbinden und das kann nur schädlich sein.«

»Kannst du denn die Erdölverbindungen hier und jetzt auf einem Blatt Papier niederschreiben?«

»Wieso? Was soll das helfen? CO2 und Erdöl sind so weit entfernt wie Mond und Sterne. Was soll da CO2-Cracking helfen?«

»Sie sind nicht so weit weg. Das Cracking ist nur verdammt teuer. Der Preis dafür ist der Ersten Welt noch zu hoch.«

»Und warum macht man es trotzdem nicht, wenn es generell geht? Wir haben doch angeblich Not am Mann. Wenn es geht, ist es machbar. Also, es geht nicht. Darum macht man es nicht.«

»Es geht. Es ist machbar. Das ist Basis der Wissenschaft. Es ist nur ne Frage des Preisschildes.«

»Ja, nee, ist klar. Jetzt windest du dich über das Preisschild raus. Gib doch zu, dass es nicht machbar ist.«

»Es ist machbar. Hast du die wissenschaftlichen Grundlagen zu deinem ‚Geht nicht‘? Ich lass dir Papier und Bleistift geben und du kannst die chemische Deduktion niederschreiben und die basalen chemischen Reaktionsgleichungen niederschreiben, die in der Wissenschaft State-of-Art sind.«

»Warum sollte ich das machen, mit Papier und Bleistift? Bin ich Wissenschaftler? Ich muss hier gar nichts beweisen. Du verteidigst die Wissenschaft und du musst allein und ganz allein das beweisen, dass die Wissenschaft stimmt. Und solange ich es nicht glaube, war der Beweis nicht effektiv, ist die wissenschaftliche Thesis für den Mülleimer. Wir wissen allesamt, die Wissenschaft kann sich auch erheblich irren. Hat man in der Pandemie der letzten zwei Jahre und Lauterbachs Kommentare dazu zu häufig gesehen. Schau auch nur damals, also im Mittelalter, nicht wahr. Die gleichen Lügen der Wissenschaftler.«

»Deine Argumentation ist Quatsch. Peer-to-Peer-Reviews wurden erst im 20. Jahrhundert deutlich verbessert. Peer-to-Peer-Reviews sind sind keine Basis einer Argumentation, das etwas nicht machbar ist. Und das Cracking von CO2 zu Erdöl wurde schon in den 90ern des letzten Jahrhunderts wissenschaftlich nachgewiesen.«

»Und? Warum passiert es jetzt nicht? Eben. Weil es nicht stimmt. Was zu beweisen war.«

[…]

»Langsam wirst du Wissenschaftsheini hier nervig. Kannst du überhaupt die Gültigkeit von ‚E=m mal c Quadrat‘ nachweisen?«

»Wie bitte? Du wagst es zu bestreiten, dass Masse Energie in Relation zur Lichtgeschwindigkeit aufweist?«

»Kannst du es hier mir am Tresen nachweisen? Und dass keine Geschwindigkeit die Lichtgeschwindigkeit überschreiten kann? Du redest dauernd von Wissenschaft. Dann mach sie mal für mich. Beweis mir, dass nichts schneller ist als Lichtgeschwindigkeit. Nimm mir den Zweifel, dass Energie sich aus Produkt von dessen Masse und Lichtgeschwindigkeit ergibt.«

»Hier am Tresen?«

»Hier direkt vor mir. Das kannst du nämlich auch nicht. Wenn es so einfach ist zu erklären, dann mach es mir doch! Ich bestell dir Papier und Kugelschreiber von der Wirtin und du erklärst mir, warum Einsteins Formel gültig ist.«

»Du willst ein Semester an der Uni hier binnen fünf Minuten erklärt haben?«

»Sag doch gleich, dass du es mir hier nicht nachweisen kannst, dass du dazu nicht fähig bist.«

»Das ist doch Kappes! Wissenschaft lässt sich nicht auf einem Bierdeckel erklären.«

»Ach ja? Und daher wir sollen der Wissenschaft dann blindlings vertrauen? Nur weil man es mir nicht in zwei drei klaren Sätzen erklären kann? Vertrauen, statt selber mündige Bürger zu sein?«

»Mündiger Bürger und Vertrauen sind kein Gegensatz. Soll ich dir Zusammenhänge erklären, was ich in zwei Semestern erklärt bekommen habe?«

»Sag doch gleich, du kannst es nicht. Wissenschaft ist Onanie am Hofe der Herrscher. Wissenschaft, die nicht einfach und für jedermann zu erklären ist, ist keine Wissenschaft.«

»Komplexe Themen wie der ‚Erste Thermodynamische Energieerhaltungssatz‘ kann man nicht in Gänze erklären. Und wer den Satz »Perfektuum Mobile gibt es nicht« nicht akzeptiert und nicht versteht, warum  das so ist, warum sollte ich es das alles hier und jetzt in dieser Kneipe gerade dir erklären?«

»Typisch. Arrogant und unverständig. Du bist das klassische wissenschaftliche Arschloch, was uns vorsätzlich im Dunkeln lassen will. Oder genauer gesagt, ihr Arschlöcher wollt nicht, dass man euren Lügen auf der der Schliche kommt. Deshalb verschanzt ihr euch hinter Formeln und Geschwurbel!«

»Das ist doch Quatsch.«

»Du bist ein Arschloch. Du kannst noch nicht mal eine deiner Thesen detailliert nachweisen, bestehst aber darauf, dass das Wissenschaft ist und wir es uns selber erlernen sollen oder – schlimmer noch – glauben sollen. Wie bei einer Religion. Statt es mal gehörig und evidenzbasiert in Frage zu stellen, ob es überhaupt Wissenschaft ist. Oder nur Manipulation interessierter Parteien!«

»Wissenschaft ist Empirik und besteht aus der Peer-to-Peer-Analyse.«

»Nimm zur Kenntnis, Wissenschaft ist nicht evidenzbasiert und ihr unterstützt nur Narrative offizieller Seite. Du erzählst Mist und bist ein Arschloch!«

[…]

»Das langt! Du ignorierst die Realität  vorsätzlich. Dann beleidigst du alle, die in deiner Ideenwelt nicht reinpassen. Deine Blase ist gefährlich, in der du lebst!«

»Okay, ich nehme das ‚Arschloch‘ zurück. Du bist vielmehr ein ‚realitätsfremdes Arschloch‘. Du manipulierst Menschen zu Fehleinschätzungen, indem du Fehlanalysen der Wissenschaft als vermeintliche Wahrheiten ohne Evidenzbasis einführst, du bist …«

»Wirt! Zahlen! Es reicht!«

»Kommt jetzt noch das lächerliche Argument von euch Wissenschaftsfanatikern, dass wir anderen alle ‚Flat-World-Society’-Gläubige sind? Oder Reichsbürger? Oder Nazis? Ihr Arschlöcher schreckt auch vor keiner unhaltbaren Beleidigung zurück!«

»Es reicht! Wirt! Zahlen!«

»Typisch. Kaum wird es ernst, geben diese vermeintlichen Wissenschaftsadepten Fersengeld.«

Parkbankgespräch: Real virtuell im Virtuell-Realem

Parkbank»Ich weiß nicht, was ich sagen soll.«

»Dann lass es.«

»Aber ich muss es sagen. Es muss aus mir raus. Weil es hier ne Parkbank ist.«

»Dann sag es und gut ist.«

»Es regt mich auf.«

»Okay, was regt einen momentan eh nicht auf.«

»Aber das hier ist ernst.«

»Ernst ist das Kind von Verhütungsplanung. Ernst sein Vater ist jetzt geschockt, dass Verhütung nicht allein Frauensache ist. Nach zehn Jahren Rumbumsen ohne jeglichen Ernst …«

»Das mein ich nicht.«

»Sondern?«

»Eher das, was mit der Inflation vor Ort am gemeinen Essenslokal angepasst wird.«

»Die Preise von McDonalds?«

»Der Preis der Menschheit.«

»Ach ne, was du nicht sagst, du Hobbyphilosoph.«

»Ich hatte einen Freund …«

»Wer hatte den nicht.«

»… und der war auf seine Weise intellektuell.«

»Jaja, nee, ist klar. Hatte der jemals einen offenen Brief geschrieben? Nein? Dann ist der auch nicht intellektuell. Wenn jemand einen offenen Brief schreibt, dann muss er auch die augenblickliche Inflation der offenen Briefe im Auge behalten. Und der Reaktionen darauf. Und den Stand der Immobilienfonds im eigenen Portfolio. Ansonsten ist so einer nur Schwätzer..«

»Ich glaube, du verstehst nicht, was offene Briefe sind.«

»Briefe, die dem Postgeheimnis unterliegen, auf das der Sender des Briefes keinen Wert legen. Also so wie ein Wichtigtuer von Datenschützer, der mit Google-, Microsoft- und Amazon-Apps auf seinem Smartphone rumläuft, um wichtige Emails zu schreiben. Der allein schon beim Einloggen ins GMS-Netz seine Spuren für jedem hinterlässt.«

»Das ist Kappes, das meinte ich nicht. Eher das folgende: ich denke, also wissen wir.«

»Freilich. Wissen ist immer gut.«

»Wissern ist wichtige!«

»Okay, nur vom eigentlichen Wissen wissen wir immer zu wenig. Sagt bereits die Volksseele.«

»Was uns als Wissen aber fehlt, sind für uns Wissende die Wissenslücken.”

“Freilich. Wir sind Unwissende.”

“Es gibt Menschen, die behaupten aber nicht bloß, dass wir nichts von all dem wirklich wissen, was wir allgemein zu wissen glauben – sie behaupten sogar, dass sie wissen, wie es wirklich ist.«

»Kenn ich. Der Volksmund nennt solche Menschen schlicht und ergreifend: Wichtigtuer. Im Neudeutsch auch ‘Verschwörungstheoretiker’.«

“Somit lässt der Volksmund sie dort liegen, wo sich jene schon immer befanden: an den Rändern der gesellschaftlichen Kommunikation.«

»Mainstream eben.”

“Mainstream bedeutete ja ursprünglich kommerzielle, massentaugliche Oberflächlichkeit. Woraus sich in der Kritik eine gewisse Geringschätzung ergab.«

»Mainstream gab es für uns Boomer nicht. Das ist ein Begriff der ‘Gen Y’ ausgesprochen ‘generation why’. Boomer nannten das damals lediglich ‘Massengeschmack’. Also, etwas ohne besondere Würze und für jeden ohne Schluckauf schluckbar. Gen Y nennt es jetzt ‘Boomer Mainstream’.«

»Egal. Die radikalen Ränder haben nun eben diesen Boomer-Begriff ‚Mainstream‘ gekapert, nur um die gesellschaftlichen Mehrheit zu deren Feind zu erklären. Sie bezeichnen die gesellschaftlichen Mehrheit als Diktatur, weil die Mehrheit sie abweist und an den Rändern hält.«

»Und nu, was soll das? Ränder sind nun mal Ränder. Jede Pizza hat Ränder, auch wenn sie knusprig und lecker sind.«

»Eben jene Ränder sind nun nur deshalb sichtbar, weil die Mehrheit sich mit ihnen beschäftigt. Der Mainstream beschäftigt sich nun mal mit jenen.«

»Wahrscheinlich aus Langeweile.«

»Und das geschieht besonders immer in einer Demokratie. Demokratie setzt sich für so etwas ein, dass soziale Ränder möglichst nicht ausgegrenzt werden. Die Ränder mögen das nicht und schelten sie daher als Diktatur. Paradox.«

»Sie meinen also wohl eher ‘Demokratur’?«

»Nur, in einer Diktatur werden aber solche, wenn sie denn gefährlich zu werden drohen, direkt in Gefängnissen und Lagern isoliert. In der Demokratie lediglich in den verschiedensten Medien berücksichtigt und besprochen.«

»Ich hab noch ne Rollte Alufolie. Kann man locker nen Aluhut raus basteln. Für dich und deine Gefängnisse- und Lager-Argumentation. Du driftest ab in Verschwörungsmythen.«

»Nun. Verschwörungsmythen stellen auch Teil eines Unterhaltungsgewerbes dar.«

»Du meinst, mit wenig Aufwand eine Erschaffung von Gruppenzugehörigkeit und Weltbilder?«

»Und jene sind die irgendwo zwischen Gaming und Kino angesiedelt sind. Zwischen ‘Marvel Universe’ und dessen ‘Avengers’ und einem Krieg a la  ‘Call of Duty’, den erfolgreichsten Beschäftigungsprogrammen für Großhirne vor Monitoren.«

»Aha, beim Lästern bist du jetzt bei der Playstation und den privat finanzierten Fernsehkanälen angekommen? Dem allseits bekannten Kino für geistig Arme?«

»Kino und Internet haben in den letzten 30 Jahren ein ganzes Universum an Verschwörungen ausgedacht. Das Monster bei Karstadt lässt grüßen. Oder Bielefeld und seine Saga

»Und das Drei-Hasen-Fenster in Paderborn.«

»Viele Verschwörungsgläubige scheinen in dem einen oder anderen Blockbustern der eigenen Blasen hängengeblieben zu sein. Da ist das 3-Hasen-Fenster nur das kleinere Übel.«

»Okay, momentan gibt es viele Superhelden- oder Anti-Superhelden-Filme und Serien auf den Streaming-Kanälen. Das ist wohl der neue geistige Existentialismus im virtuellen Hirn, der real viral in solchen Köpfen hoch und runter stiefelt.«

»Nicht wahr? Im virtuellen Raum lässt sich das echt prima ausleben.«

»Wir beide sind hier aber auf einer Parkbank. Die ist nicht viral und auch nicht durch einen Virus verursacht. Und die Parkbank geht auch nicht hoch oder runter.«

»Das ist wahr.«

»Und was sagt das uns?«

»Nun ja. Das alt bekannte Rezept: lasst es uns öffentlich aussitzen.«

»Da vorne ist ein McDonalds. Wir könnten in der Zwischenzeit ja ne Apfeltasche mit Cola mit nem Milcheis danach zu uns nehmen.«

»Gerne. Wenn es danach nicht viral geht …«

Evidenzbasiert

Könntest du nach einer Flasche Rosè noch reden? Nein? Du musst es versuchen. Einfach versuchen. Einfach Mund auf und Stimmbänder unter der Ausatemluft vibrieren lassen. Dann versteht dich hier jeder. So wie immer bei den Oppositionellen.

Wie bitte? Dafür braucht es keine Flasche Rosè? Aber hey, was ist mit evidenzbasiert? Und was ist mit verhältnismäßig?  Dafür braucht es immer eine Flasche Rosé.

Evidenzbasiert: auf der Basis empirisch zusammengetragener und bewerteter wissenschaftlicher Erkenntnisse.

Wo sind denn die Studien, die zeigen, dass Masken bei Corona wirken? Buschmann  (NRW Justizminister) sieht nur Studien der letzten beiden Jahre, jedoch nichts aktuelles aus dem Fernsehprogramm des Jahres 2022.

Ich trinke meinen Rosé. Ist das schädlich? Meine Leber hebt den Finger. Leber ist immer gut. Gebraten und gut gewürzt. Nur, wo ist deren evidenzbasierter Grund, den Finger zu heben? Richtig. Unverhältnismäßig einen Finger gegenüber der Schwerkraft hochzuheben und damit ein Signal zu geben, das ist nun wirklich nicht evidenzbasiert. Geht gar nicht.

Und überhaupt: wo sind denn die Studien, dass Hummeln fliegen können. Ich sehe immer nur welche von vor ein Dutzend Monate. So wie Buschmann zu den evidenzbasierten Studien bezüglich Corona. Nur hier die Hummel.

Die Hummel hat 0,7 cm² Flügelfläche und wiegt 1,2 Gramm. Nach den Gesetzen der Aerodynamik soll es unmöglich sein, bei diesem Verhältnis zu fliegen. Die Hummel kümmere das nicht und sie fliege trotzdem. Da die Hummel die Gesetze der Aerodynamik (… dummes Vieh, ungebildetes …) nicht kennt, fliegt sie dennoch.

Sagen die Nachdenker in Scharen und weitere müllernde Berger-Seiten, die in Aerodynamik eh nie eine Prüfung bestanden hätten, aber dafür um so mehr Meinungskraft auf deren Internetseiten verbreiten können. Sagt ein evidenzbasiert blinder Buschmann.

Was Buschmann wie seine FDP gerne ostentativer sagen würde: Fresst Scheiße! Denn  evidenzbasiert scheinen viele Fliegen unabhängig vom derzeitigen politischen Status sich in Exkremente zu suhlen. So wie Putin, Trump, Xi Jinping, Bolsonaro, Kim Jun-un, Mohammed bin Salman al-Saud, Dr. Keiner Vüllnicht, die neuen Rechtsradikalen der NaDeSe-Müll-Berg-War-und-weg.

Zuviel der AKFs? (= Abkürzungsfimmel).

Okay.

Zuwenig nachdenken und reflektieren. Passiert auch anderen. Nicht nur mir. Nur ich hab weniger Verbreitungsgebiet.

… jaaa, neee, is klar, diese Art der Argumentation, typisch, verhetzter Blogger, der ich bin …

Gimmie a Rosé. Nix weiß, nix rot, nur Rosé. Passend zur Jahreszeit. Fruchtig. Süffig. Lecker.

Könntest du nach einer Flasche Rosè noch reden? Nein?

Lass es einfach. Macht nur unpopulär, macht Blog-Eintragungen ….