Menschen sind halt so, da kann man gar nichts machen

Wenn der hauchzarte Schmelz über dem darunter Gefestigtem sich mit dem lieblichen Tageslicht in bunten Reflexen mischt, wenn sich das darunter knackige Verborgene aufleuchtend wie die krosse Schicht einer goldbraunen Crème brûlée präsentiert, dann befinden wir uns nicht in einem 5-Sterne-Restaurant und auch nicht bei den vielen Restaurant-Missionaren der Privatsender sondern schlichtweg auf der Straße.
Der Schnee taut weg und es kommen die stolzen Hinterlassenschaften der Hundesteuer-Zahlenden hervor.

Dann beginnen die Tänze der Fussgänger, die sich wünschten, sie hätten ein Hundehäufchen-Warngerät bei sich. Einen Tretminenwarner. Oder der betreffende Hundesteuer-Zahlende käme vorbei und würde kulant einem die verbraunten Schuhe säubern. Dass sich Herrchen oder Frauchen um die Reste von deren verfütterten Chapi, Morgensalami oder die Reste vom Schweinsbraten mit Kartoffelbrei, Erbsen und Möhrchen kümmern, scheint nur eine Tugend der schneefreien Zeit zu sein.

Okay, das war jetzt pauschalierend und gemein. Dem besten Freund des Menschen gegenüber. So etwas böses jenen einfach so anzuhängen. Denn es ist ja schließlich nicht bewiesen, dass solche Herrchen oder Frauchen nicht selber in den Schnee gekackt hatten und das verschämt schnell mit Schnee zugedeckt hatten, während Hundchen sich schämend abgewendet hat und schnell danach weiterging.

Denn wir alle wissen ja, Menschen sind halt so.
Da kann man gar nichts machen.
Außer Steuern zahlen.

Guten Appetit.

Der Aschermittwoch unter den Mittwochen

„Moral: Ashes to ashes, and clay to clay,
if the enemy doesn’t get you your own folks may.“

aus „The Peacelike Mongoose“ von James Grover Thurber

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Nichts aber auch gar nichts deutet bislang darauf hin, dass am Aschermittwoch alles vorbei sei.
Am Altweiberfastnachtstag in der Nacht waren die Frauen in das fremde Schloss eingedrungen und hatten ultimativ die Herausgabe des Schlüssels gefordert. Da wurde der alte Neu-Hausherr brummig und erklärte gleich seinen Auszug.

So nicht, liebe Leute, war seine Botschaft. So nicht.

Er nahm die gesammelte Wulff’sche Presseschau der letzten Tage, verbrannte sie vor den auf ihn gerichteten Kameras zu Asche und streute die Asche auf die Häupter der anwesenden Journalisten.

Der Elferrat war verwirrt. Da sollte der Rosenmontagzug doch am Montag statt finden und dann das. Ohne Prinzen. Also hockte er sich um die restliche Asche zusammen, rührten mit einem gewichtigen Mamorstößel drin rum, bis weißer Rauch aus schwarzer Asche aufstieg, und rechtzeitig vor Toresschluss präsentierte der Elferrat den neuen Prinz. Vor den neugierigen Kameraaugen präsentierten der Rat ihren Phönix.
Der Rosenmontagszug konnte stattfinden, der Karnevalsumzug war gerettet.

Dumm nur, dass jetzt wieder einige versuchten, den Phönix noch bis Aschermittwoch als Nubbel öffentlich zu verbrennen.
Das war nicht fein. Denn erstens wurde der „Nubbel“ nicht als Nubbel sondern als „Kandidat der Herzen“ präsentiert und zweitens, dem gemeinen Nubbelverbrenner stehe es auch gar nicht zu, über den Phönix und seiner Kandidatur zu diskutieren. Besonders nicht in den Weiten und Breiten des Internets. Soviel Anstand wurde von den Nicht-Medien-Organisierten Internetznutzern ultimativ unausgesprochen eingefordert. Deswegen hat auch gleich die etablierte Medienlandschaft sofort in die Ascheurne geblasen und verkündet, dass doch immer wieder Leute versuchen, destruktiv zu arbeiten, statt mal konstruktiv zu sein. Über alles dürfe nun auch wieder nicht diskutiert werden, so der ungeschrieben Untertitel derer Kritik.

Die Medien vergaben denn auch gleich schon am Veilchendienstag das Aschekreuz, welches sie mangels Stirn bestimmten Leuten an den Türrahmen zog, damit doch die Meute der „Haltet den Dieb“-Fetischisten gleich weiß, bei wem sie mit dem Schwert der eigenen Meinung einkehren solle. Auf dass aus kleinen Diskussionen keine spätere große werden solle. Im Namen der Meinungsfreiheit und im Namen des Grußonkelamtes für den neuen Phönix.

Quod licet Iovi, non licet bovi.

Und so wurden vorbeugend Schmutzkübel voller Asche gleich über jene geleert, die sich ihrer Herzensbildung dem Phönix als „Kandidat der Herzen“ verweigerten. Der bei auftretenden Ascheregen auftretende Staub war gewaltig und versperrte den Blick auf den Kern der Diskussion. Die meinungsbildende Vorherrschaft der Medien. Sie entließ doch bereits den vorherigen Schlosshausherrn. Und von derer Gnade darf einer einziehen, der auch schon eine ebenfalls herzeigenswerte „First Pfönix-Aschen-Lady“ hat.

… ich hoffe nur, bei den vielen in der Presse verwurschteten Herzen wurde jetzt nicht „herz-eigens-wert“ sondern her-zeigens-wert“ gelesen …

Was mir in den Sinn kam, als der Elferrat seinen Phönix präsentierte, werde ich nicht schreiben.
Aber so manchem Ost’ler dürfte diese von einer Ost’lerin dem Volk vorgesetzte Ämtervergabe mittels eines Ost’lers im Namen des Volkes an etwas erinnert haben, was zu den damaligen Ost-Zeiten Gang und Gäbe war. Aber jeder Ost’ler sollte sich trotz diesem Déjà-vu-Schauder vor Augen halten, die Einparteienwirtschaft ist vorbei, hierbei handelte es sich am Karnevalssonntagabend um einen deutschen, demokratischen Parteien-Vorgang entsprechend dem Grundgesetz.

Jawohl!

Und die Linken, die mal wieder eine Extrawurst drehen wollen, die werden nicht nur bereits schon von Staatsorganen überwacht sondern von Angehörigen des Elferrats als verbotswürdige Partei angesehen.
Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Geschichte wiederholt sich halt nicht.

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P.S.:
Sollte ich über diesen Beitrag „Vorsicht! Satire!“ schreiben? …
Nö, ich denke, das versteht eh niemand. Also lass ich’s mal so stehen.
Damit es vielleicht wen sogar veranlasst, vor dem Beenden des Lesens wütende Kommentare abzusetzen, …

Kneipengespräch: Furchtloses Gespräch mit Bekannten

Tresen 0

Ich schaute auf meine Kaffeetasse und folgte den leicht flüchtigen, dunstigen Kaffeeschwaden.

»Du schreibst nicht präzis genug.«

Ich zuckte zusammmen. Kannte ich die Stimme?

»Du verstehst?«

Ich schaute auf und blickte zu meiner Linken. Da saß er neben mir. Nein, nicht mein üblicher Kneipenkollege. Nein, da saß er. Er höchst selbst. Der Filialleiter vom Teppichhaus Trithemius. Und der schaute mich tadelnd an.

»Hast du verstanden?«
»Wie? Ich schreib zu viel?«
»Du schreibst nicht präzis genug. Du kommst immer von Hölzcken auf Stöckscken.«
»Häh?«
»Du schreibst nicht präzis genug.«

Verwirrt schaute ich auf meine Kaffeetasse. Und zu ihm rüber. Er drehte sein Kölsch-Glas in seinen Fingern und schaute mich durchdringend an.

»Herr Careca, ehrlich gesprochen, da hat Trithemius einfach nur recht. Nicht wahr, Trithemius?«
»Werte Frau Teppichhausfilialleiterin, ich würde nicht zu widersprechen wagen.«

Verwirrt schaute ich erneut.
Ja, da waren beide, unverkennbar, zweifelsfrei eindeutig:
Er, zu meiner Linken: Trithemius.
Sie, zu meiner Rechten: Frau Nettesheim.
TrithemiusWo war mein üblicher oberflächlicher Kneipenplausch? Mein 08-15-Zeitvertreib, mit dem ich immer locker über Gott und die Welt geplauscht hatte. Wer hatte Trithemius und Frau Nettesheim gesteckt, wo die mich aufspüren könnten?
Trithemius lehnte sich entspannt nach vorne und sinnierte mir in meine Kaffeetasse hinein:
»Man möchte glatt sagen: „Zurück in die Welt und schreibe mit einfachen Worten auf, was du siehst!“ Zurück zur Einfachheit, Herr Careca.«
Frau Nettesheim versetzte noch etwas pragmatisches hinzu:
»Und bitte nicht so ein langweiliges Tagebuch wie woanders.«
Süffisant, sarkosant butterte Trithemius noch einen drauf:
„Mach mir nicht den Wolf Schneider, Careca.“

Meine Verwirrtheit stieg.
Schnuppernd versuchte ich meinen Kaffee zu analysieren.
Farbe normal. Fettaugengehalt normal. Geruch normal. Wachmacher-Faktor normal.
Alles normal. Selbst der übliche Kaffeesatz zum Lesen war am Boden auf dem Bodenblümchenmuster vorhanden.

Ich blickte zu meiner Linken. Trithemius holte sich seinen Beutel »Van Nelle« heraus. Intensiver Tabakgeruch stieg in meiner Nase, vermischt mit dem Duft meines Kaffees. Frau Nettesheim holte einen Puderquast mit einem Handspiegel aus ihrer Handtasche und korrigierte tupfend ihr Makeup. Etwas Puderstaub verirrte sich in mein rechtes Nasenloch. Ich musste niesen.
Fasziniert schaute ich dabei auf Trithemius Finger, wie diese aus einem Blatt weißem Papier und dem braunem Krümeln aus dem »Van Nelle«-Beutel eine perfekten Glimmstengel drehte.

Derweil erklärte er mir:
»Herr Careca, auch für Sie gilt, in den Randzonen des Netzwerkes wird die wechselseitige Kommunikation zum Geschwafel. Und Sie schwafeln gerne in den Randzonen des Netzwerkes. Denn unbekannt ist alles voreinander. Hintergründe des Verfassens sind unbekannt. Es wird das beurteilt, was in jenem momentanen Augenblick gesehen wird, ohne sich Zeit zu nehmen, in der Vergangenheit des Blogs zu stöbern. Zu viele andere gehören da ja noch zum Netzwerk und die wollen auch noch angesprochen werden. Das ist gar nicht anders zu schaffen, weil der Aufwand über ein vertretbares Maß hinausginge. Große Netzwerke können nur jene unterhalten, die sich kaum für ihre Leser interessieren. Schreibt einer zu viel Sperrholz zu seinem Inhalt hinzu, schwafelt solch einer dann nur.«
Und Frau Nettesheim ergänzte:
» Die Konsequenz ist wohl, sich vernünftigerweise zu begrenzen. Nur«,
und damit wandte sie sich direkt zu Trithemius,
»das Netzwerk wird bald von selbst schrumpfen, Trithemius. Niemand muss dafür etwas tun. Selbst Herr Careca nicht.«

Verwirrtheit umgab weiterhin meine Gedanken. War da was im Kaffee? Schlechte Ernte 2011? Hat eventuell Kinderarbeit die rote Kaffeebohnenernte vor dem Rösten für uns hier verdorben? War der schwarze Tschibo-Mann gestorben und hat die Röstung rassistisch verröstet?

Tabakstaub stieg diesmal in mein linkes Nasenloch. Erneut nieste ich heftig.

»Aber ich habe erst letzten zwei weitere in meinem blog.de-Freundeskreis begrüßen können«, versuchte ich nach dem Nieser schniefend zaghaft einen Einwand meinen beiden Gesprächspartnern gegenüber.

Aber Trithemius ignorierte diesen und antwortete Frau Nettesheim direkt:
»Bitte erinnern Sie mich daran, dass ich auf Ihr Zeugnis schreibe: „Im Kollegenkreis galt sie als tolerante Mitarbeiterin.“ «
Frau Nettesheim Antwort war lediglich ein indigniertes:
»Unverschämter Patron!«

Es erinnerte mich an etwas. Nur an was? An ein Gespräch zwischen den beiden?
Weiter verwirrt schaute ich von Trithemius zu Frau Nettesheim und von Frau Nettesheim zu Trithemius und von Trithemius zu Frau Nettesheim und umgekehrt.

Und bei meiner Schau von links nach rechts und von rechts nach links und umgekehrt blieb mein Blick auf die goldene Mitte, dem Wirt, hängen. Wie ein Engel erschien er mir, als er mit einem Teller »Halber Hahn« mit »Mettbröttchen« und einer Stange Kölsch auf mich zukam.

»Na? Wieder zu viel am Grübeln?«
»Ich?«
»Ja du, du Grübeljannes. Ich habe dein Blog gelesen.«
»Und?«
»Du schreibst nicht präzis genug. Du kommst immer von Hölzcken auf Stöckscken. «
»Häh?«
»Du schreibst nicht präzis genug.«
»Aber niemand hat meine extensive Schreibe bislang in meinem Blog negativ kommentiert.«
»Du schreibst nicht präzis genug.«
»Aber wenn niemand kommentiert.«
»Du schreibst nicht präzis genug.«

Meine Zähne bohrten sich in das Käseröggelchen und das Kölsch ging sogleich als Verflüssiger den Weg des halven Hahns. Das Mettbrötchen und ihre lasziv drauf sich kringelnde Zwiebelringe riefen mir zudem verlockend ihr »Beiss mich« zu.
Sexy.

Vorsichtig schaute ich von links nach rechts.
Kein Trithemius.
Keine Frau Nettesheim mehr.
Niemand da mehr an meiner Seite.
Uff.
Nur ne Fata Morgana.
Meine Zähne zerteilten erbarmungslos die säuberlich auf dem gepfefferten Mett drapierten Zwiebelringe.
Vorsichtig schaute ich mich nochmals um. Niemand da, der mich kritisieren könnte.
Beruhigt holte ich die vier Schreibblockseiten mit meinen nächsten Blogbeitrag zum Korrigieren aus der Jackentasche raus.

Herzensbildung oder die Bestechlichkeit der Herzen

Haben wir nicht alle geheult wie die Schlosshunde? Da hatte ihr besoffener Chauffeur jene Frau Spencer in Paris in einem Tunnel einfach so gegen den Pfeiler gesetzt.
„Königin der Herzen“ erhielt sie als Titel. Posthum.

Und haben wir nicht geheult wie die Schlosshunde, als im Jahre 2001 dem FC Schlacke 05 in letzter Minute von dem FC Bayern der Meistertitel abgenommen wurde?
„Meister der Herzen“ wurden die Knappen-Mannschaft in Folge genannt. Als Meisterschaftsschalenersatz.

Und haben wir nicht geheult wie die Schlosshunde, als Joachim Gauck bei der Bundespräsidentenwahl 2010 als zweiter über die Ziellinie ging?
„Bundespräsident der Herzen“ wurde er genannt. A posterior.

Und heulen wir jetzt nicht wie die Schlosshunde, weil Joachim Gauck für die Bundespräsidentenwahl 2012 als Kandidat wieder zur Wahl steht?
„Kandidat der Herzen“ wird er jetzt genannt. A priori.

So, jetzt ist’s aber genug mit der guten Herzensbildung. Kommen wir doch mal wieder zum normalen Alltag zurück.
Im Januar vor einem Jahr schrieb ich noch das folgende:

Erinnert sich noch wer an die letzte Woche vor der Bundespräsidentenwahl 2010?

Es ging darum, ob Joachim Gauck oder Christian Wulff der erste Mann im Staat werden sollte. Die Diskussionen schwankten zwischen Bewertung wie „Gold und Silber“, „Pest und Cholera“, „Menschenrechtsvertreter und Menschenrechtvertreter“.

In diesem Blogeintrag schrieb ich über meine Begegnung mit einem Unfallopfer:
Ein Mann wurde in München eine Woche vor der Bundespräsidentenwahl 2010 von einem 7er BMW angefahren. In dem gepanzerten BMW saß unter anderem auch Joachim Gauck als Mitfahrer auf dem Rücksitz. Ihm ist freilich der Unfall nicht anzulasten. Er war nur Mitfahrer auf dem Rücksitz. Joachim Gauck sagte damals in der ZDF-Sendung „Was nun?“ zu dem Unfall: „Es war so ein Schreck.“ (Joachim Gauck). So sprach derjenige, der sich bereits damals als potentieller „Bürgerpräsident“ sah.

Es wurde auch berichtet, dass sich Joachim Gauck um das Unfallopfer gekümmert hätte. Er wäre sogar am Krankenbett des verunfallten Fahrradfahrers gewesen. Nur, so hatte mir der verunfallte Fahrradfahrer persönlich versichert, an einen Joachim Gauck an seinem Krankenbett konnte er sich nicht erinnern. Auf der Intensivstation, wo eh nur Familienangehörige eingelassen werden, wo er auch sofort und zweimal danach wegen dem Zusammenstoß noch operiert wurde. Andere Personen konnten ihm ebenfalls von keinem Gauck-Besuch an seinem Bett berichten. Aber es wurde damals verbreitet, dass Gauck sich am Krankenbett des Verunfallten befunden haben sollte.
Gauck, der mitfühlende Kandidat. Das war opportun. Und wir alle haben es geglaubt. Können Politiker lügen? Oder Zeitungen? Oder beide?
Was der Verunfallte letztendlich an seinem Krankenbett fand, das war ein Blumenstrauß von dem damaligen SPD-Kreisvorsitzenden. In dessen Büro war Joachim Gauck direkt vor jenem Unfall, um für seine Kandidatur zu werben.

Von Joachim Gauck persönlich hatte der Verunfallte nie mehr etwas gehört. Es mag sein, dass er sich vielleicht über seinen Zustand erkundigt haben mochte. Vielleicht über Mittelsmänner. Aber auch davon hatte der Verunfallte keine Kenntnisse erhalten. Nichts.
Selbst Thomas Gottschalk hat sich mehr um seinen verunfallten „Wetten, dass“-Gast gekümmert als Joachim Gauck um jenen Menschen. Sowohl Thomas Gottschalk als Joachim Gauck waren als unmittelbare Zeugen durch einen Unfall betroffen, ohne überhaupt schuldig am Geschehenen gewesen zu sein. Allein Gauck als Kandidat für das bedeutendste Amt der Bürgerschaft, dieser Gauck interessierte sich nur für seine Außendarstellung. Der Rest war ihm herzlichst egal.

Änderung/Ergänzung vom 13.3.2012: Nach Angaben der „Süddeutschen Zeitung“ hat sich Joachim Gauck im Rahmen seiner Vorstellung als Kandidat für das Präsidentenamt bei den Parteien hier in München mit dem damaligen Unfallopfer getroffen. Sollte diese Nachricht keine journalistische Ente sein, so steht das jetzt diametral meinen Aussagen gegenüber. Dieser Akt bringt ihm meine Achtung, aber als „Kandidat meines Herzens“ geht er bei mir weiterhin nicht durch. Zu viel war seit jenen Tagen bereits von Gauck erzählt worden, was heute jeder als Missverstehen seiner Aussagen interpretiert.

Vor einem Jahr schrieb ich noch:

Letztendlich wurde Christian Wulff der neue Bundespräsident und Gauck ging als schulter-geklopfter „Verlierer“ aus der Wahl hervor.
Christian Wulff ist vielleicht doch der ehrlichere, denn für ihn ist der Bürger ostentativ nur Staffage (siehe seine Weihnachtsansprache), während ihm die Maschmeyers näher sind als die Probleme vieler Bundesbürger, die er lieber in der Marginalität sehen möchte.

Gauck wurde inzwischen von fünf Parteien zum Amt des Präsidenten nominiert. Als weiterer Grußonkel der Geschichte und als Substitut einer nicht-vorhandenen deutschen konstitutionellen Monarchie hat Joachim Gauck bereits im vorbeugenden Kalkül darum gebeten, ihm jetzt schon zukünftige Fehler zu verzeihen:

„Und kann Sie nur bitten, die ersten Fehler gütig zu verzeihen und von mir nicht zu erwarten, dass ich ein Supermann und ein fehlerloser Mensch bin.“ Joachim Gauck

Ein genialer Schachzug. Hätte sich Wulff diesen Satz am Anfang seiner Amtszeit ebenfalls zurecht gelegt gehabt und wäre CDU-Politiker Hintze nicht so Talkshow-gesprächig gewesen, Wulff wäre noch heute Präsident. Meiner Meinung nach war Wulff sogar die damalige bessere Wahl dieser beiden schlechten Kandidaten-Sonderangebote der politischen Resterampe.

Eines wird uns heute dafür sicher sein: Von Gauck werden wir noch einiges zu Gehör bekommen. Nicht nur die Linken der SPD, Grünen und der Linken werden jetzt schon das ungute Gefühl haben, einen Polemiker zur Wahl zu bekommen, der sich mehr als mitsprechenden Bürger sieht und sich auch nicht für den Kampf über die Lufthoheit der Stammtische zu Schade sein wird. Ohne Rücksicht auf Verluste bei der eigenen Herzensbildung.

Aber zur Herzensbildung können dann ja immerhin weiterhin allerhöchste Aristokratentitel vergeben werden. Vom Aristrokratensubstitut zu Bürgertum.
Denn vergessen hatte ich in obiger anfänglicher Aufzählung als Bestecher der Herzen noch jemanden. Nein, keinen Journalisten und nicht die meinungsbildende Presse. Sondern lediglich und immerhin Florian Silbereisen.
Haben wir nicht geheult wie die Schlosshunde, als Florian Silbereisen 2006 in der Rolle eines Lokalreporters eine junge Liebe rettete?
„König der Herzen“ hieß dieser deutsch-österreichische Schmachtfetzen im Privatfernsehen.
Aus Berechnung.
Denn etwas besseres als Deutschlands Sommermärchen finden wir ja allemal, sprachen schon weiland die Bremer Stadtmusikanten …

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P.S.:
Es ist natürlich ein gaaaaanz billiger Trick von mir, oben „FC Schlacke 05“ zu schreiben und sich somit bei den Dortmunder Fans anzubiedern und den Hohngelächter der Bayern-Fans gegen jenen Verein einzuheimsen. Darum gehe ich hier mal mit Carmen Thomas konform und verbessere mich nachträglich: Es heißt natürlich korrekt „FC Schalke 05“ …

Der psychedelische Tunnel

Flughafen Detroit 2

Am Flughafen von Detroit gibt es eine Verbindung zwischen den Terminals. Durch diesen Tunnel laufen jeden Tag unendlich viele Flugreisende. Das Besondere ist hierbei, dass der Tunnel durch eine Licht-Musik-Show illuminiert wird. Viele hetzten über die Laufbänder von einer Flugverbindung zur nächsten durch den Tunnel. Es wirkt surreal. Es hat ein wenig davon, als ob Jean-Michel Jarre eine Show-Bühne erhalten hätte.

Flughafen Detroit 1

Es gibt die Reisenden, welche die Laufbänder nutzen und dann die, welche sich die Zeit nehmen durch die Mitte des Tunnels zu gehen. Oder die sich fast fünf Minuten lang auf den Laufbändern durch den Tunnel transportieren lassen. Und jeder der Fußgänger oder Laufbandnutzer ist umgeben von dem Wechselspiel der Lichter und der psychedelischen Musik.
Aber alles wird untermalt durch die Rollen der Koffer, welche auf den geriffelten Laufbändern ein Sirren erzeugen. Je höher dieses Sirren ist, desto eiliger hat es der Kofferbesitzer. Und häufig werden die Laufbänder als Geh-Beschleuniger genutzt, denn viele sind Geschäftsreisende und haben zeitlich knapp gebuchte Anschlussflüge.
Dieser Verbindungstunnel am Flughafen von Detroit ist sicherlich ein Erlebnis. Nur, wer ihn mehrmals erleben muss, wird vielleicht nach einiger Zeit beschließen, rasch hindurch zu eilen.

Vielleicht kann das nachfolgende Video ein wenig, den Eindruck davon beim Betrachter hinterlassen, was einem in jenen Tunnel erwartet: Psychedelisches pur …

Quelle: Youtube