"Die Hessen-SPD ist ein Sauhaufen"

Besser kann man es nicht ausdrücken.
Und der Gewinner ist der CDU-Koch, der sich königlich dabei amüsiert.
Ein lesenswertes Interview von Dieter Hildebrandt in der „Süddeutschen Zeitung“ trägt den Titel „Die Hessen-SPD ist ein Sauhaufen“.
Zum Lesen:
Kritik vom Kabarettisten-Urgestein: SPD-Sympathisant Dieter Hildebrandt erklärt, wieso Andrea Ypsilanti es nicht verdient, Hessen zu regieren und warum Kurt Beck nicht hart genug für den Kanzlerposten ist.
Hier lang zur Quelle:
http://www.sueddeutsche.de/deutschland/artikel/116/162663/

Bayrische Panik: Angst vor 29 Prozent

Es war der Schenkelklopfer seit diesen Sonntag.
Der bayrischen CSU ist der Arsch auf Grundeis gegangen. Passend zum ersten Schneefall in diesem Jahr. Die 50 Prozent-Hürde wurde bei den Stadtrats- und Kreistagswahlen von der CSU erneut verfehlt.
Und Münchens OB-Posten bleibt weiterhin in der Hand der SPD. Mit 2/3 Mehrheit der Wähler gewählt.

„Jo, mei! Dös is der Untergang des Abendlandes!“ wird jetzt an allen bayrischen Stammtischecken gestöhnt. Und der Schuldige für dieses schlechte Abschneiden gesucht. Und dann auch gleich gefunden.

Der Raucher!

Der Raucher hat die CSU nicht gewählt!
Ist doch fast jeder zweite ein Raucher. Und bei der neuen restriktiven Anti-Rauchergesetzgebung Bayerns … Also will die CSU schnell ihr Anti-Rauchergesetzgebung kippen. Schnellstmöglch. Am besten nächste Woche schon.

Jedoch stimmt das mit den Prozentzahl der Raucher nicht so ganz. Nur 29 Prozent der Bevölkerung Deutschlands sind Raucher. Tendenz fallend. Das fand
IfD – Allensbach heraus. Die Zahl der Raucher wird erheblich überschätzt. Die Allensbacher-Studie zeigt, dass der gefühlte Raucher-Anteil bei 46 Prozent liegt, der faktische nur bei 29 Prozent.
Und vor diesen 29 Prozent – wie gesagt, Tendenz fallend – hat nun also die CSU die Hasenpanier bei deren Rauchergesetzgebung ergriffen.

Nebenbei zeigt die Studie auch noch, dass 25 Prozent der 14 – 19 Jährigen raucht.
Moment.
14 – 19 Jährigen?
Das sind ja exakt 80 Prozent Jugendkriminalität!
Rauchen ist ja bekanntlich erst ab 18 erlaubt.
Und jene 80 Prozent durften diesen Sonntag auch noch nicht mal für die Chance haben, für die CSU zu stimmen, geschweige denn überhaupt zu wählen! Das wären also 20 Prozent der Gesamtheit der Raucher Bayerns, die der CSU potentiell keine Stimme gegeben hätten können!

Möglicherweise brach angesichts solcher Zahlen der CSU der panikartige Schweiß aus. Dort will man doch bei den Landtagswahlen im September das Ziel – die „2/3 + X“-Mehrheit – im bayrischen Landtag erreichen.

Und alles soll an den Sargnägeln der 29 Prozent scheitern?

Ja, denn schließlich ist Ende September das Oktoberfest und wenn in den Bierzelten nicht geraucht werden darf, dann könnte die CSU eventuell sogar unter die 50-Prozent-Hürde im Landtag rutschen!
Unausdenklich, welche politischen Tragödien sich da anbahnen könnten!
Vordergründige Rücktritte!
Verbale Fehltritte!
Hinterfotzige Nachtritte!
Die Abspaltung Bayerns als letzte Konsequenz auf der nächsten CSU-Sitzung in Wildbad Kreuth!
Vielleicht sogar mit der nachfolgenden Errichtung einer Monarchie mit König Eddie Stoiber, dem Ersten, in Brüssel …

Hm.
So eine Konstellation hatte Bayern schon mal.
Da weilte deren König in Brüssel und die Bauern marschierten sauer und bitter frierend auf München zu und wollten beinahe unbewaffnet München einnehmen. Dem König in Brüssel waren die Bauern egal und er war ganz zufrieden, was denen später als Weihnachtsgeschenk vor den Toren Sendlings gemacht wurde. Das ganze endete in der berühmten Sendlinger Blutweihnacht.

Hirngespinste.
Das sind alles nur Hirngespinste. Denn ob mit oder ohne Rauchergesetz, am Ende wird die CSU doch die Landtagswahl gewinnen. Die Panik vor den Rauchern ist nur reine Panikmache und ein Sturm im Aschenbecher.

Freuen wir uns des Schenkelklopfens, solang wir es noch können:
Am 28. September 2008 sind die Verhältnisse wieder gerade gerückt und die CSU wird als gnadenloser Sieger aus der Wahl hervorgehen.
Und die SPD? Die wird mal wieder froh sein, über die 5-Prozent-Hürde gekommen zu sein und wieder staunende Vertreter in die CSU-Hochburg – das vom bayerischen König Maximilian II. gebaute Maximilianeum – schicken zu dürfen.
Dort darf die SPD ja noch rein.
Aber das Strausoleum am Münchener Hofgarten, das wird auf Immer und Ewig Tabuzone für die bayrische SPD bleiben.
Dem ist die CSU – unsere Patronae Bavariae – vor …

Jetzt wird es ernst! Jüdisch ernst!

ECHAD

STEIM

SCHALOSCH

So, Leute des heheren Glaubens an die eigene Potenz!
Ich habe gerade all eure Kafferlöffel verbogen.
Einfach so.
Ohne um eure Erlaubnis zu fragen.
Einfach so.

ECHAD

STEIM

SCHALOSCH

Das sagt der Geller, der urige –
„urig“ kommt von „ur“ – „ur“ wie Urzeitkrebse und wenn man es langsam spricht, kann man es auch mit einem „h“ schreiben; wie „uhr“-ig

Das sagt der Geller, der urige, immer vor seinen Publikumsbeschwörungen.

Sagt es mir jetzt nach:

ECHAD

STEIM

SCHALOSCH

Merkt ihr, wie es wirkt?
Es wirkt nicht?
Zuviel hebräisch?

Kein Problem.
Geht nicht über „Los“, zieht nicht „2000 Euro ein“ sondern geht direkt ins Übersetzerstüble vom deutschen Juden Billy Wilder (soviel Humor ist jedem Antisemiten Deutschland eh zuviel und das mag ich). Denn der hat schon längst einen Film über „ECHAD, STEIM, SCHALOSCH“ gemacht gehabt. Im Deutschen heißt das geniale Machwerk „Eins, Zwei, Drei“ („1,2,3“). Und Schlemmer ruft unisono immer noch dazu „Sitzen machen!“, während Hotte Buchholz stolz seinen Ehering – gemacht aus den Kanonen der russischen Armee von Stalingrad – in das Kamera-Objektiv reckt und das Pepsi-Girl vor Wonne zerfließt.

Sitzen machen!

Echad,
Steim,
Schalosch!

Eins, zwei, drei.

So, da dieses jetzt gesagt worden ist, empfehle ich euch direkt ins nächste Kaufhaus eures Gefallens zu gehen und neue Kaffeelöffel zu besorgen. Denn eure alten sind allesamt verbogen.

Echad,
Steim,
Schalosch!

So ist das halt.
Alles, was in der Warteschlange ist, wird verbogen.
Gerade Kaffeelöffel nur für Mentalisten!
Mentalisten aller Länder, vereinigt euch!

Echad,
Steim,
Schalosch!

Frau Werwolf meint, dass muss so sein.

Und ich frage:
Weiß wer, wann die nächste Wiederholung von Billy Wilder seinem Film „1, 2, 3“ läuft?

Edit:
Echad, staim, schalosch, arba, chamesch, schesch, scheva, schmone, teischa, eser.
Bis 10 gezählt auf Hebräisch.

Vorbildfunktion

Ackermann hat sich geräuspert und ein Boulevard-Blatt sich nicht entblödet, es als zweiten Aufmacher zu verwenden:

„Top Manager müssen wieder Vorbild sein.“

Das meint Ackermann, der Anfang 2005 bei einem neuen Rekordergebnis der Deutschen Bank gleichzeitig einen Abbau von 6.000 Arbeitsplätzen ankündigte. Die WestLB-Arbeitsplätze waren freilich damals noch nicht in jener Kalkulation.

Top-Manager als Vorbilder.

Ich habe mich gerade in meiner Umgebung umgeschaut und darüber nachgedacht, wen ich entlassen könnte. Dumm, dass ich niemanden unter mir habe. Zum Entlassen. Um Vorbildfunktionen ausüben zu können. Um in Ackermanns Fußstapfen trampeln zu können.

Das Ackermann-Prinzip als moralisches Vorbild?
Für 600 Kunden und vier Millionen Euro Kosten ein Rolling Stones Konzert organisieren?
Weitere 3,2 Millionen hat Ackermann wegen seiner unrühmlichen Rolle in der feindlichen Übernahme von Mannesmann von Gerichtswegen zahlen müssen. Bei der Übernahme wurden bei Mannesmann auch wieder einige arbeitslos. Aber das hat Ackermann noch jener Esser bezahlt. bezahlt haben andere für deren Prämien mit ihrem Job.
Noch immer steht Ackermanns Satz im Raume

„Dies ist das einzige Land, in dem diejenigen, die Erfolg haben und Werte schaffen, deswegen vor Gericht gestellt werden.“

Top Manager als Vorbilder.

Aber klar doch!
Wenn man uns auch solche Gehälter bezahlt!
Mit Ackermann hat der zweithöchst bezahlte Top Manager Deutschlands gesprochen.
Jetzt warten wir noch auf den Porsche-Westfalen Wendelin Wiedeking. Aber der redet nicht viel, sondern macht von sich reden, indem er VW übernahmereif schießt. Dann wird auch dort moralisch verschlankt. Im Sinne einer Vorbildfunktion.

Top Manager als unsere Vorbilder?
Moral heisst im lateinischen „mos“ (im plural „mores“).
Und jeder weiss „Ohne Mos nix los“.
Und wer richtig Mos macht, der hat eben viele Scheine in der Tasche.
Und lebt in einer Schein-Gesellschaft.
Einer Mos-Gesellschaft.
Moralisch halt.
Ohne Moos nix los und Moral von unseren Top Mangern für alle.
Vorbildlich.

Nur weil Ackermanns Kollege im Geiste Klaus Zumwinkel wegen Steuerhinterziehung eingebuchtet wurde, redet der Ackermann in einem Blatt mit wenig Vorbildlicher Berichterstattung jetzt über Vorbildlichkeiten. Den Diekmann vom Blatt dürfte er dabei wohl nicht gemeint haben.

Schaun mer mal, wen die Steuerbehörde in den nächsten Tagen aufgabelt. Dann reden wir weiter über Vorbildfunktionen …

Unbedenklich bedenklich? Bedenklich unbedenklich?

Der 9. Februar ist geschichtlich gesehen ein recht unbedeutender Tag.
Der Schachweltmeister Gari Kasparow hatte sich an jenem Tag im Jahr 1996 auf sein Turnier gegen den von IBM entwickelten Schachcomputer „Deep Blue“ vorbereitet. Am nächsten Tag erst sollte die Weltöffentlichkeit überrascht notieren, dass ab jenem Tag auch Schachgroßmeister und Schachweltmeister nicht davor gefeit sind, von Schach-Computern wie Otto-Normal-Verwutzer geputzt zu werden.
Ansonsten hat jener 9. Februar nicht viel zu bieten. Ausser vielleicht einen eher traurigen Anlass zum Gedenken. Denn der 9. Februar ist der Todestag von dem bayrischen Komiker Karl Valentin („Nenn mich nicht Walentin, du nennst ja auch nicht deinen Vater Water“).

Im Jahr 1991 fiel der 9. Februar auf einen Samstag.
Traurig war der Tag sowieso. Auch ohne Gedenken an den 1948 verstorbenen Valentin. Denn die rheinische Tiefebene schritt mit Sieben-Meilen-Stiefeln auf den geheiligten 11. Februar zu. Aber nicht, weil ein Jahr zuvor Helmut Kohl und Michael Gorbatschow bei einem Spaziergang an einem sowjetischen Bach darüber sich verständigt hatten, dass sich „Deutschland West“ mit „Deutschland Ost“ wieder vereinigen durfte. Sondern es stand schlicht und ergreifend Rosenmontag vor der Tür.
Der Tag und die Zeit, die jene Gebiete Deutschland eh nicht verstehen, welche nie durch Napoleon Bonapartes Truppen besatzt waren, eben jenes exerzieren die Rheinländer als Parodie auf diese französische Besatzungszeit: mit französisch Uniformen, verkehrt herum auf dem Kopf gesetzten Kulturbeuteln (die sogenannte „Narrenkappe“) und dem „Stippefötsche“ (dem Po-an-Po-Tanz), der damals als eindeutig zweideutiger homoerotischer Gruß an die Besatzer zu verstehen war.

1991 war aber auch das Jahr, in dem der zweite Golfkrieg zwischen den alliierten Truppen und dem Irak ausgetragen wurde. Deutschland – frisch wieder vereinigt – beteiligte sich lediglich mit finanziellen Beihilfen am Krieg. Trotzdem grub der Krieg hier im Lande seine Spuren. Moralischen Instanzen verlangten von der Bevölkerung einen Ernst, der dem Sinn der närrischen Tage total entgegen lief.
„Wenn andere im Krieg sterben, können wir nicht feiern“ war der Leitspruch und die ultimative Keule vom moralischen Zeigefinger geführt, der das ganze karnevalistische Leben Deutschlands zum Erliegen brachte.
Nur die Kölner Bevölkerung quittierte dieses moralisierende Gebrabbel der Karnevaloffiziellen und -Nicht-Offiziellen mit einem „total ejal“ und führte die seit dem Ersten Weltkrieg verbotene Tradition des „Geisterzuges“ wieder ein.

Wider den militärischen Ernst.
Und ganz ohne Ordensverleihung einer Aachener Karnevalsgesellschaft …

Die Erinnerung an diesen offiziell verordneten Ernst wider den ausgelassenen Treiben von 1991 ist mir auch noch 17 Jahren stark in Erinnerung geblieben.
Vielleicht bin ich auch nur zu katholisch, als dass ich die Zeit vor der offiziell römisch-katholischen Lustlosigkeit (auch „Fastenzeit“ genannt) so verinnerlicht habe. Nicht-Katholen kennen dieses so ja nicht, da deren Einstellung wesentlich staatsräson-orientierter ist.
Karneval war (und ist) immer noch die letzte Möglichkeit vor der römisch-katholisch lustbereinigten Zeit die „Sau“ raus zu lassen. Denn einerseits gibt es dann ja den seelischen Fleckentferner in Form der Ohrenbeichte in jenen „Telefonzellen zum Himmel“ (Beichtstuhl). Und dann noch zum anderen die unverhüllt offene Drohung an neue Bekanntschaften, dass am Aschermittwoch eh alles gnadenlos vorbei sei.

Eine Fastenzeit wird erst dann zur gefühlten Fastenzeit, wenn jene Zeit in einem starken Kontrast zur Zeit vorher gesetzt werden kann. Wäre ich – wie die Mehrheit dieser Weltbewohner – arm und hungernd, dann wäre Fastenzeit für mich Normalzustand und nichts besonderes.
Jede Frühjahrsdiät erhält dadurch seinen Sinn, dass an Festtagen richtig geschlemmt und über Normal-Null gelebt wird. Fast wäre man geneigt zu sagen, die Hungernden dieser Welt sollten sich an Wohlstandbürgern mal ein Beispiel nehmen: Durch unsere Diäten haben wir uns Wohlbeleibte garantiert schon dutzendfach weggehungert, aber wir leben trotzdem noch.

Doch zurück zu dem Karneval und den moralischen Keulen unser Zeit.

Dürfen wir feiern, wenn andere von uns trauern?

Im Grunde hätte mit der Argumentation von 1991 jeder Karneval und jegliche Festivitäten in Folgejahren eingestellt werden müssen. Sack und Asche als Kleidung wäre dann unser Standard, wie Blut, Schweiß und Tränen der anderen.

Generell ist der frühest mögliche Termin für Rosenmontag der 2. Februar. Der spätest mögliche ist der 8. März.
Dieses Jahr ist der Rosenmontag der 4. Februar. Und bis dahin wird erstmal auf der Straße helaut und alaaft, was die Kehle zwischen zwei großen Schlucken Bier und Korn so hergibt.

Doch so einfach ist das dieses Jahr nicht.
Insbesondere nicht in München.
Am 27. Januar ist seit 1996 in Deutschland und seit 2005 weltweit der offizieller Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus (Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau). Ein Gedenktag. Kein offizieller Feiertag.
München hat seit 2006 einen Karnevalsumzug und der wurde damals immer auf zwei Sonntage vor Rosenmontag terminiert.
Fatal, fatal.
Da gibt es jetzt ganz heftige Einsprüche.
Karneval und Gedenktage zusammen? Geht das?
Insbesondere in München und dessen historische Vergangenheit in Sachen Nazi-Fackelmärsche, braune Ehrentempel usw.? Darf das sein?
Fatal, fatal.
Darf man lachen, während andere sich mit ernsten Gedanken umgeben? Wer muß auf wen Rücksicht nehmen? Insbesondere im erzkatholischen München? Darf man überhaupt lachen, wenn wer an Hitler denkt?
Nicht erst seit Roberto Benignis Film „La vita é bella“ („Das Leben ist schön“) wird intensiv darüber diskutiert, ob man lachen darf, während anderen überhaupt nicht zum Lachen zumute ist.
Das Leben ist unerbittlich und nimmt kaum Rücksicht auf historische Daten und die Belange Dritter.

Das Ende des deutschen Kaisertums, Hitlers gemeinsame Terroraktion mit Ludendorf, die Reichsprogromnacht, der Fall der DDR-Mauer und der offizielle deutsche Verkaufsstart des iPhones von Apple: Warum all diese Ereignisse auf den 9. November fallen, dass wird mir keiner wirklich schlüssig erklären können. Und warum keiner dafür Sorge getragen hat, dass sich solche wichtigen Ereignisse auf einen Tag türmen …

Warum ist das Schicksal so link und lässt meinen Vater am Hochzeitstag und Geburtstag meines Bruders sterben? Jetzt kann mein Bruder weder Hochzeitstag noch Geburtstag ohne Beigeschmack feiern. Und was mit dem Beigeschmack an jenem Tages bei meiner Mutter ist, da fragt ja eh keiner nach. Und dass an jenem Tag im Jahr 1974 beide deutsche Nationalmannschaften bei der WM ihr Spiel gewannen … hätten die damals überhaupt jubeln dürfen? Nun ja, ich hab’s getan. Dabei wurde an jenem Tag auch das KZ Auschwitz-Birkenau von den Nazis eröffnet.

Und jetzt?

Jetzt ist bald Karneval und es erhebt sich ein Geschrei wegen dem Karnevalsumzug in München. Und die Diskussion, ob man vergnügt sein darf, wenn andere einer ernsten Sache gedenken.

Vielleicht ist es aber auch nur so, dass da so eine Kettenreaktion aus diversen Befindlichkeiten abläuft.
Und sicherlich ist auch noch jemand dabei, der entweder ein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom hat oder der das Zeilengeldgeld für einen Artikel braucht.

Eine gute Sache hat diese Diskussion aber allemal:
Demnächst werden sich erheblich mehr Menschen daran erinnern, dass der 27. Januar der Tag ist, an dem die rote Rote Armee die KZ-Häftlinge aus der tödlichen Bedrohung des Nazi-Gases befreit hatte. Und der 27. Januar wird dann als Holocaust-Gedenktag in den Gedanken der Menschen endlich mal verankert.

Karneval wird dann für das Datum zweitrangig bleiben.

C’est la vie …

Und dann knallst du in mein Leben …

Ich hatte einen genialen Blitzgedanken und wollte ihn niederschreiben.
Und da kam das kleine blaue Knetmännchen mit seinem Hammer als Geschenk von blog.de …
… Maxwell’s silver hammer …Knetmännchen

Bang! Bang!
Maxwell’s silver hammer came down upon his head.
Clang! Clang!
Maxwell’s silver hammer made sure that he was dead.

by The Beatles

Gott mit dir, dem Bayernvolke

Leise rieselt der Schnee. Draußen vor dem Fenster der Kneipe.
Unweit links von mir saß er und stieß mit mir wieder mal auf das Leben an.
Mit Kölsch versteht sich.
Alles andere wäre eh nie das wahre Leben.

„Es werden jetzt die letzten Tage bei Kölsch und Zigarette in trauter Zweisamkeit sein.“

Ich nicke.

„Solche Tage muss man genießen, solange sie einem noch vergönnt sind. Im nächsten Jahr schlägt die Apartheidpolitik in Bayern voll zu.“
„Apartheidpolitik? In Bayern gibt es keine Rassisten. Nur Wissenschaftler!“
„Nein, nein. Mit Apartheidpolitk meine ich doch jetzt nicht das Synonym für „Rassentrennung“ sondern die Trennung von Gaststättenbier und Zigaretten in geschlossenen Räumen.“
„Ach so.“

Es stimmt. Nach Meinung der bayrischen Politiker schädigt das Rauchen ganz erheblich die Gesundheit der Menschen. Aber allerdings doch nicht so sehr, dass Zigaretten gleich ganz verboten gehören.

Ich nehme einen tiefen Zug meiner frisch aus Frankreich importierten Gauloises Maïs.
„Gauloises“ heißt übersetzt die „Gallierinnen“.
Es wird die Marke der neuen Résistance des neuen Rauchverbots in Bayern werden.
Ganz Bayern hat das Rauchverbot geschluckt.
Ganz Bayern?
Nein, nur ein kleines Völkchen, Sympathisanten der Gallier … „Bleeder Zipfeklatscher! Dreckerter Saupreiß“ … was sonst. Gallien liegt bekanntlich in Südschweden. Nördlich des Weißwurstäquators.
Jenseits von drüben ist bekanntlich für Bayern alles Südschweden …

Gauloises Maïs sind sozusagen das heftigste, was es an Zigaretten zu rauchen gibt. Manche bezeichnen diese als unrauchbar. Das kommt von den Maisblättchen, mit denen der Tabak gedreht wird. Andere meinen, dass diese Zigaretten aufgrund ihrer Stärke unter das Betäubungsmittelgesetz (BMG) fallen müssten.
Aber inzwischen tun es schon billige Tankstellen-„Marlboro Gold“ aus Ungarn. Mit diesen lässt sich unter der Mehrheit der Raucher das Urteil „unrauchbar“ beweisen und nicht wenige nicken auch, sollte nach einer Behandlung nach dem BMG erfolgen …
Dabei ist lediglich der Kamelmistanteil niedriger als in normalen Schmuggelzigaretten, die nicht aus Nahost kommen …
In Fernost schmecken die billigen Zigaretten eh wie „Hund hinten“ …
Rauchen ist schädlich?
Ist Rauchen schädlich?
Freilich.
Das ist es.
Was sonst?

Ich nehme einen Schluck aus meinen Glas und schaue meinen Nachbarn an, der sich wieder mal in Rage geredet hat.

„Diese Politiker. Verbieten einfach die Gemütlichkeit mit einer Zigarette. Dabei geht die bayrische Gesellschaft doch schon am Alkoholismus zugrunde. Aber ohne Alkohol können sich bayrische Politiker deren eigene Gesetze nicht mehr so schön saufen, dass sie im Landtag dafür auch noch stimmen mögen. Also wird das Land Bayern bei einem Maß Bier zum Nicht-Raucher-Land erklärt. Und dann heißt es noch: Bitte, liebe Bayern, raucht aber gefälligst weiter, denn erstens benötigen wir die normale Tabaksteuer nebst Extra-Steuer pro Zigarette für den Kampf gegen den Terrorismus. Und was wird mit den Tabaksteuern finanziert? Münchner Brauereien, die eh nur noch deswegen überleben, weil sie eine Monopolstellung für das Oktoberfest haben und den Landtag frei Haus beliefern dürfen, damit sich die Politiker ihre Gesetze schön saufen können … .“

Er muss Luft holen und seine trocken geredete Kehle anfeuchten.
Der Schluck aus dem Glas lässt die Luft die absolute 100 % Mehrheit in der Glasfüllung.
Er hat es auch erkannt.

„Oberspielleiter! Einmal Luft rauslassen, bitte!“

Der Wirt stellt ihm eine neue Stange hin, hält seinen Bierdeckel kurz fest und zieht mit sicherer Hand einen neuen Strich auf dessen Deckel.

„Könnt Ihr mit der Diskussion, um das Für und Wider in Kneipen aufhören? Es nervt mich langsam.“

Ich schaue den Wirt an. Er beteiligt sich sonst nie an Diskussionen.

„Und wie sehen Sie die neuen Gesetze?“
„Wie alle, ich werde weniger Gäste haben. Werde weniger verkaufen. Meine Aushilfe werde ich nicht mehr brauchen. Der wird sich mit den anderen Aushilfen in die Reihe der erneut Arbeitsuchenden einreihen. Und die Raucher, die trotzdem noch kommen, die werden nachher vor der Tür rauchen. Und dann kommt die Polizei, weil sich sicherlich Anwohner wegen den Unterhaltungen vor der Tür in ihrer Nachtruhe gestört fühlen. Dann krieg ich ne Abmahnung vom Kreisverwaltungsreferat. Und dann wird mir irgendwann wohl die Lizenz entzogen. Und dann ist Ruhe und keiner wird hier über das Für und Wider von Rauchen in Kneipen reden. Schön, nicht wahr?“

Ich schaute meinen Nachbarn an.
Und wir schweigen.
Ruhe.

Gott mit dir, du Land der Bayern,
deutsche Erde, Vaterland!
Über deinen weiten Gauen
ruhe Seine Segenshand!
Er behüte deine Fluren,
schirme deiner Städte Bau
Und erhalte dir die Farben
Seines Himmels, weiß und blau!

Blau, ja.
Aber von ab nicht mehr durch blauen Rauch in Kneipen.
Die Alkoholfahne des bierdimpfelnden Bayernpolitikervolkes, die Fahne eines jeden muss es jetzt alleine besorgen.

Stösscken, du Liberalitas Bavariae.

Die Liberalitas Bavariae, auf die man in Bayern immer so stolz ist, geht vom Volke aus, sagt man.
Aber wohin sie im Jahre 2008 ausgeht, das weiß nicht so genau.
Vielleicht geht sie auch nur aus. Wie die Milch im Kühlregal am Samstag um 19:59 kurz vor Toresschluss … .

Ausgehen kann man in Bayern in 2008 weiterhin.
Nur Rauchen ist dann verboten.
Aber Alkohol geht noch.
Immer.
Prost.

Mein Nachbar und ich schweigen noch immer.

Leise steigt blauer Rauch wie die erwachte Schlange der Kundlini auf und löst sich im höchsten Punkt im Scheine der Lampen auf. Vereinigt mit der kosmischen Seele und dem Menschen höchstes Glück bringend. Dass aber die Erweckung der Kundalini auch erhebliche Gefahren in sich birgt, das weiß jeder Raucher, der seine blaue Rauchschlange gen Himmel bläst.

„Kennt wer von euch beiden eigentlich Jim Jarmusch Filme „Smoke“ und „Blue in the Face“ mit Harvey Keitel?“

Wir schauen den Wirt stumm an.
Uns ist nicht nach Filmquiz zumute.

Ich blase Rauchkringel und verfolge, wie sie sich in Luft auflösen.
Stille.

Es werden jetzt die letzten Tage bei Kölsch und Zigarette in trauter Zweisamkeit sein.
Solche Tage muss man genießen, solange sie einem noch vergönnt sind.
Im Jahr 2008 schlägt dann die Apartheidpolitik in Sachen Raucher und Nichtraucher in Bayern voll zu.

Ruhe.

Es kann der Frömmste nicht in Frieden wirtschaften, …

Kaum ist die Verlosung des Lotto-Jackpots von 43 Millionen Euro noch nicht mal eine Woche Vergangenheit, schon steht erneut das nächste Geld-Thema zur Debatte:
Dürfen Manager zuviel verdienen?
Nein, das dürfen sie nicht.
Da vollführen ganze Bataillone von Köpfe ein verneinendes Headbanging durch. Und das auch ganz ohne Metal-Musik gehört zu haben.
Und weil sich damit so schön Zustimmung erreichen kann, hat sich unser Bundesinnenminister zu Wort gemeldet.
Unser allerliebster Wolfgang, der Herr Schäuble.
Fordert der doch glatt mehr Transparenz bei den Managerngehältern. Notfalls will er mit „Transparenz- Regelungen“ durch Gesetze nachhelfen.
Wie putzig.
Wir wissen ja seit einiger Zeit, woran unser herzallerliebster Wolfgang hierbei denkt: An seinen heiß geliebten Bundestrojaner. Der könnte dann ja auch hierbei für Transparenz sorgen.

Heimeliges Transparenzbedürfnis, wohin man schaut.
Frohe Weihnacht allerseits.