Die Sonne so hoch


Die Sonne steht immer dann am höchsten, wenn man am tiefsten gesunken ist.

Kneipenweisheit.

Je weiter man die Realität hinunter schreibt, desto tiefer wird der eigene Standpunkt. Und das wirkt. Der Kampf zwischen Gut und Böse würde keinen Geist rühren, ginge es nur um ein wenig Gut gegen ein wenig Böse. Erst der Kontrast macht den Unterschied. “Star Wars” wäre reinstes Disney-Mickey-Mouse-Kino, gäbe es nicht dort einen wirklich Bösen, also jemanden, der genauso sympathisch ist, wie auf einem Bürgersteig der frisch dampfende Hundekot, in dem niemand treten möchte. Und statt sich des blauen Himmels zu erfreuen, hält jeder nach der Scheiße vor seinen Füßen Ausschau. Es ist eine subtile Methode, Aufmerksamkeit zu lenken und alle Energien auf Scheiße zu fokussieren, ruft man auf der öffentliche Rasenfläche eines Parks nur richtig laut, man hätte mit seinem Schuh eine Tretmine erwischt. Und schon interessieren sich die Leute der Umgebung nur noch für Hundehaufen statt für Flora und Fauna.

Erheblich kontrastreicher wird der Effekt beim Kampf zwischen Gut und Böse, hat dabei die positive Utopie keine Chance mehr aufzutauchen. Leidet der Mensch unter Diktatoren und Egomanen und spürt die Einschränkung der eigenen Freiheit, dann ist das der Stoff, von denen Heldensagen leben. Nur fieser wird es, wenn der Protagonist alle Freiheiten hat, aber er trotzdem ohne Hoffnung für seine Utopie bleibt. Die Dystopien von Philip K. Dick und auch die aktuellen von Charlie Brooker lassen jede Eutopie, die positive Utopie, grau und altbacken ausschauen. Dystopien sind das Genre, welches in den letzten Jahren bis heute noch immer die Film-und Serienlandschaft füllt.

Aber was passiert, wenn sich Dystopien in Realität umwandeln? 1984? Der Roman von George Orwell war in den 80ern oft Anlass heißer Diskussionen, auch in dem Zusammenhang mit dem damaligen Zensus 1983 und den darin enthaltenen Fragen. Heute würden die Fragen keinen großen Geist mehr bewegen. Und unsere Realität würde in Teilbereichen eine Realisierung von 1984 möglich machen. Zur Realisierung fehlt lediglich das diktatorische Zwangselement.

China wird in zwei Jahren ein Social Credit System einführen. Vorbereitet wird dieses System bereits seit dem Jahr 2005. Das System beruht auf der Bewertung (Ranking) des Menschen durch Organisationen und Menschen. Führende Firmen, die dieses Ranking-System aufbauen sind Baidu, AliBaba und Tencent. Ein Mensch mit einem unzureichenden Ranking könnte beispielsweise nicht bestimmte Sozialleistungen erhalten. Oder keine Erste-Klasse-Tickets für Flüge kaufen. Das Social Credit System wird nicht per diktatorisch erzeugte Angst aufgezogen, sondern der soziale Faktor wird die Rolle spielen. Im Konfuzianismus ist die Harmonie einer der Handlungsmaximen im öffentlichen Verhalten. Das Land des Lächelns erzeugt eine staatlich verordnete Kuschelatmosphäre für seine Angehörigen.

Immer schlechte Laune und nur am Meckern? Das soziale Ranking wird die Rechnung präsentieren. Wir kennen das System von Yelp, Foursquare oder Trip Advisor. Hatte der Kellner nicht ausreichend gelächelt? War das Hotelpersonal nicht verhandlungsbereit? Hatte der Friseur nicht auf den Punkt geschnitten? Bewertungen auf den sozialen Medien können zum Sargnagel eines Start-Ups werden. Bei einem Ranking von 0,0 bis 5,0 könnte man sagen, dass nur Leute mit einem Ranking von mindestens 4,0 in die Nähe eines Fußball-Stadions dürften. Wäre doch toll, endlich keine Hooligans mehr, vor denen man sich fürchten müsste, oder? Wenn China dieses staatlich angeordnete System eingeführt hat, dann kann die FIFA denen doch endlich mal die Fußball-WM anvertrauen, oder etwa nicht? Vielleicht sollte man auf Facebook oder Twitter doch die ein oder andere kritische oder zynische Bemerkung löschen, wenn man auf Jobsuche ist. Es könnte dem Personalchef vielleicht als Zünglein an dessen eigene Waage dienen. Oder abfällige Bemerkungen im sozialen Netzwerk über das Finanzamt? Vielleicht liest ein Finanzbeamter mit und dann prüft der deswegen die Unterlagen deutlich gründlicher und stößt vielleicht auf Ungereimtheiten und macht Stunk?

Nach einer Idee von Charlie Brooker wurde dieses bereits als Dystopie in der ”Black Mirror“-Folge “Nosedive” (deutsch: “Abgestürzt”) 2016 umgesetzt. Eine Frau benötigt eine 4,5 um eine bestimmte Wohnung in einer privilegierten Lage zu erhalten. Sie lächelt und ist freundlich, was das Zeug hält, denn sie ist nur eine 4,2. Letztendlich erhält sie die einmalige Chance auf einer Hochzeitsfeier eine Rede zu halten, um die 4,5-Schallmauer zu durchbrechen. Ihr Rankingsabsturz beginnt unaufhaltsam, als sie nur einmal ihre freundliche Fassade fallen lässt. Das Ende ist ein Ranking von 0,6 und ihre Inhaftierung.

Das ist dann kein Kampf mehr zwischen Gut und Böse, denn Gut ist, was die Gesellschaft als gut bewertet. Und Böse muss auch nicht immer gleich böse sein. Denn wäre das der Fall, würde kein Mensch mehr in der westlichen Welt mit jener Frisur herumlaufen, die wir hier in Deutschland als “undercut” bezeichnen. Im englisch-amerikanischen Raum wird diese Frisur immer wieder mal auch als “Hitler-Youth hairstyle” bezeichnet wird, obwohl sie ihren Ursprung in den Nuller-Jahren bis den 20-Jahren des letzten Jahrhunderts bei Armen (weil kein Geld für einen richtigen Friseur vorhanden war, welcher einen passenden Übergang von langen zu kurz gestutzten Haaren geschaffen hätte) und bei den amerikanischen Street-Gangs haben dürfte. Stattdessen hat diese Art Kim-Jong-un-Gedächtnisfrisur eine Wiederbelebung erhalten, welche mit einem Rankingsystem wohl kaum Überlebenschancen hätte: eine Wahlfreiheit zieht eher selten negativen Konsequenzen nach sich.

“Keine negativen Konsequenzen” kann aber auch das Mittel sein, um nur vordergründig eine Wahlfreiheit zu lassen. “Compliance” ist dazu das neue Zauberwort. Früher war richtig gute “compliance” für mich wichtig, aber nicht bezahlbar. Das Wort bezog sich auf Tonabnehmersysteme (insbesondere auf die Nadel) für Plattenspieler. Aber das war einmal. In Zeiten von Edward Snowden und VW-Betrug wird “compliance” in Firmen groß geschrieben. Es regelt das Verhalten der Mitarbeiter und schlägt damit Grenzpfosten für das eigene Handeln, Kommunizieren und Reagieren innerhalb einer Firma ein. Es geht dabei nicht nur darum, dass Korruption, Betrug, Diskriminierung und Kinderarbeit bekämpft wird. Das sind wichtige Punkte, ohne Frage. Nur, liest man sich die Compliance-Regeln der verschiedenen Firmen durch, fällt einem das andere Wort “Whistleblower” ein. Dieses wird somit indirekt unter Strafe gestellt, denn jedes Compliance-Regularium hat auch einen Compliance-Ansprechpartner, der zuerst zu kontaktieren ist.

VW hatte seine Compliance bereits, bevor deren Skandal die Runde machte. Kennt man allerdings die Firmenkultur bei VW ein wenig (oder hat sich dazu das Wissen zwischen den Zeilen der Berichterstattungen angelesen), dann wird auch klar, warum es so kommen musste, wie es kam. Trotz Compliance. Zumindest hat die VW-Compliance dem inhaftieren Manager in der USA das Ergebnis gebracht, dass sich VW um ihn nicht mehr kümmerte. Der Mann wurde nach seiner Inhaftierung seitens VW entlassen und war somit kein VW-Mitarbeiter mehr, um den man sich bei VW kümmern müsste. Der Kampf gegen das Böse und jenen Mitarbeiter wurde firmenintern abgeschlossen. Dessen Social-Ranking wird nach der Strafverbüßung in den USA für den Arbeitsmarkt in Deutschland sich ganz unten befinden. Er wird dann wieder Freiheit haben zu fühlen, wie es ist, wenn das Internet nicht vergisst. Vorausgesetzt, er fühlt danach überhaupt noch irgendetwas.

Und wer weiß, wie weit das Social Credit System Chinas als Blaupause für unsere Internet- und Real-Welt bereits genutzt wird, um zwischen Gut und Böse bei den ganzen Internetfilterblasen zu differenzieren.

Zumindest wird uns demnächst wohl immer mehr verkauft werden, wie hoch die Sonne doch steht, wenn unser Internetverhalten synchron mit der Androhung der Einschränkung unserer Wahlfreiheiten um die Wette läuft. Es wird eine schöne neue Welt werden. Ohne diktatorische Maßnahmen. Denn bislang gibt es schon genügend Beweise, dass alle Macht vom Volke ausgeht, und dieses hat verdammt viele Hobby-Diktatoren im Internet. Da brauchen wir keinen Stellvertreter explizit küren.

Und:

Ich habe keine Ahnung, wie man solch eine Dystopie zu einer Eutopie wandelt. Der Mensch lebt immer nach der Maxime “was dürfen wir nicht”. Und entsprechend handelt er. Schwer und betrüblich in der Ansichtssache lässt dieses keine Hundekottretminen von Rasenflächen dieser Parks verschwinden. Besser wäre die konstruktive Entwicklung hin zu einem “was wollen wir werden” mit dem Ziel eine Frage zu beantworten: “Was wollen wir wollen?” (s.a. Yuval Noah Harari “Eine kurze Geschichte der Menschheit”). Statt den Fokus aufs Negative, den Fokus aufs Positive, aufs Helle, Leichte und Weite zu richten.

Na ja, vielleicht klappt es ja dieses Jahr.

Fake der Woche: Nächtliche Pressekonferenz im Kanzleramt


Berlin.
Ungewöhnliches spielte sich heute Nacht kurz nach Mitternacht ab. Der Regierungssprecher Ulrich Wilhelm hatte zu einer Pressekonferenz für fünf nach zwölf geladen. Und pünktlich saß er dann in einer Reihe mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, Wolfgang Schäuble (CDU) und Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) auf dem Podest vor den geladenen Pressevertreter und reichte den Kabinettsmitgliedern das Wasser.

Während Herr Schäuble die Namen der Pressevertreter auf der Anwesenheitsliste nachprüfte, veranlasste Bundeskanzlerin Merkel, dass die Pressevertreter ihre Notebooks den ebenfalls anwesenden BKA-Beamten anzuvertrauen hätten. Sie verwies darauf, dass Frau Zypries gerade ihre prä-menstruelle Phase hätte und das Klappern der Tastaturen würde Frau Zypries Kopfschmerzen bereiten. Um die Regierungsfähigkeit nicht einzuschränken und den Krankenstand niedrig zu halten, müsste sie – Bundeskanzlerin Fau Merkel – darauf bestehen, dass die Notebooks der Journalisten den BKA-Beamten ausgehändigt würden. Diese würden diese in einem sicheren Raum verwahrt. Der Chef des BKAs, Herr Jörg Ziercke, werde persönlich durch seine Anwesenheit für die Unversehrtheit der Notebooks garantieren.

Nachdem die Journalisten dieser Anordnung Folge geleistet hatten, begrüßte Ulrich Wilhelm die anwesenden Presseleute insbesondere aus dem Nahen und Fernen Osten und übergab das Wort dem Innenminister Schäuble für das Vorwort zur Pressekonferenz. Schäuble fragte aber nur kurz nach, wo denn der Journalist von Al-Dschasira säße und warum der Journalist der Beijing Evening News so verdächtig europäisch aussähe. Nachdem diese Fragen schnell geklärt und deren Ausweise überprüft worden waren, übergab Schäuble das Wort an Frau Merkel.

Frau Merkel begrüßte die zu so später Stunde erschienen Journalisten. Diese Pressekonferenz sei erforderlich geworden, weil es offenbar erhebliche Missverständnisse wegen den computerunterstützten Visitationen in der deutschen Sicherheitsarchitektur gäbe.
Es sei infam – hierbei wechselte Frau Merkel drastisch ihren Tonfall vom herzlichen ins kühle – von bestimmten Presseorganen verdächtigt worden zu sein, dass sie mit ihren Regierungsvertretern ihre China-Aufenthalt im letzten Jahr nur dazu genutzt habe, neue Sicherheitstechnologien zu rekrutieren. Das sei insbesondere falsch, da unter ihren Regierungsvertretern auch staatstragende Menschen aus der Industrie dabei gewesen sei, die lediglich neue Wirtschaftsaufträge einfahren wollten. Und dabei seien weder der sehr geschätzte LIDL-Firmeninhaber Dieter Schwarz noch Vertreter von anderen deutschen Discountern darunter gewesen. Denn die hätten sich angesichts der chinesischen Standards garantiert gelangweilt.

Man habe sehr große Erfurcht vor den Technologien der Chinesischen Regierung, aber man benötige keine Technologien aus China, denn in der Sicherheitstechnologie sei Deutschland schon immer auf der Höhe der Zeit.
Desweiteren bräuchte es auch nicht den destruktiven Pessimismus der ewigen Meckerer Deutschlands und deren Behauptungen, dass Deutschland sich zu einem Überwachungsstaat entwickle. Das sei eine miese Unterstellung, denn hierfür gäbe es keinen Raum mehr. Für dieses sich Hin-Entwickeln. Schließlich hätten sich Generationen alter Politiker wie Kanther, Schilly und jetzt Schäuble erfolgreichst und zur vollsten Zufriedenheit der wählenden Bevölkerung gemüht, auch hier weltweit führend zu werden und die deutsche Tradition des pro-aktiven Am-Ball-Bleibens fortzuführen. Denn nur wer den aktiven Finger am Puls der Zeit aller ehrbaren Mitbürger habe, der könne erst mit Sicherheit sagen, wer unehrbar sei.

Und ob dieser Finger nun eine Minikamera in dem Brandmelder über der Discounterkasse sei oder der Trojaner auf dem PC und die multimediale Knopfkamera im heimischen Fernseher oder im WC, das richte sich freilich nach den Besitzverhältnissen. Somit seien die Datensicherstellungsmaßnahmen der Firma LIDL durch Detektive allein die Angelegenheit des Firmenbesitzers Herrn Schwarz. Gleichfalls sei im gleichen Maße das Interesse des Staates an seine Bürger zu bewerten. Als lediglich eine reine Angelegenheit der Besitzverhältnisse.

Sie – so Frau Merkel – würde deshalb mit viel persönlichem Einsatz in andere Länder reisen, um dort ausschließlich Anregungen für den Schutz ihrer eigenen Bevölkerung mitzunehmen. So würde sie beispielsweise am 13. Mai 2008 nach Brasilien reisen, um sich dort zu erkundigen, wie die Registrierungen von Internet-Nutzern in öffentlichen Internet-Cafes organisatorisch verlaufe und wie dieses auch für deutsche Internet-Cafes effektiv effizienter verlaufen kann.

Auf die Frage eines deutschen Journalisten, ob sie – Frau Merkel – das Siegen in Sachen pro-aktiver Bürgerbetreuung nicht eher von China lernen könne, fiel Wolfgang Schäuble dem Fragesteller ins Wort. Die Bundesregierung verbitte sich generell die Einmischung Chinas in innerdeutsche Angelegenheiten wie sie sich auch die Einmischung von inkompetenten deutschen Bürgern im Innern verbitte.
Auf die eingeschüchterte Nachfrage des Journalisten, ob es denn nicht China gewesen sei, welches während des Besuchs der Bundeskanzlerin im letzten Jahr im großen Stil versucht hätte, über einen gehackten Server Daten vom Bundeskanzleramt herunter zu laden, machte Schäuble darauf klar, dass es sich hierbei keineswegs um eine chinesische Hackerei gehandelt habe. Sondern vielmehr hätte die Bundesregierung den Chinesen funktionierende Bürgerüberwachungskonzepte zum Verkauf angeboten. Da aber die chinesische Regierung auf den deutschen Vorschlag, China solle 80 Millionen ihrer 1,5 Milliarden Bevölkerung zur direkten Überwachung der deutschen Bevölkerung abstellen, nicht eingegangen sei, hätte man den versuchten Download der chinesischen Seite abgebrochen, indem man die MS-Windows Firewall auf dem Regierungsserver wieder aktiviert hätte. Schließlich dürfe keine Nation erwarten, an deutscher Sicherheitstechnologie zu partizipieren, wenn bestimmte Sicherheitsanforderungen Deutschlands von denen nicht erfüllt würden.
Zudem solle der Fragesteller – so Schäuble mit einem Anflug von Altersmilde – lieber schnell nach Hause gehen, denn er hätte zuverlässige Informationen erhalten, dass des Journalisten Frau gerade käme. Und das ohne ihn.

Nach diesem gelungen Witz und dem allgemeinen Gelächter meldete sich noch der Vertreter der BDSM-Zeitschrift „Schlagzeilen“ und fragte, ab wann man denn eine Kamera für seine Wohnung beim BKA beantragen könne. Denn er kenne etliche die gerne Sex vor laufenden Kameras haben würden und das BKA würde denen dann helfen, einen entschiedenen Schritt aus der Illegalität zu machen, dürften sie vor laufenden Kameras …
An dem Punkte mischte sich Frau Zypries ein und verbat sich eine Diskussion über sexuelle Angelegenheiten, da sie gerade in der prä-menstruellen Phase sei und jetzt keine Tranquilizer mehr griffbereit hätte und nicht unbedingt hier bei so einem Thema vor laufenden Mikrofonen in die Tischkante beißen wolle.

Desweiteren – so führte sie aus – gelte die computerunterstützte Visitation mittels multimedialer Techniken durch hoheitliche Dienste nicht als Recht für den Bürger sondern als Privileg. Nicht jeder käme somit in Genuss dieses Privilegs. Man könne bislang nur eine 98%ige Abdeckung erzielen. Und man solle sich im Klaren sein – fügte Frau Zypries mit drohendem Unterton hinzu -, Privilegien können auch wieder entzogen werden.

Der Vertreter des „L’Osservatore Romano“ merkte an, ob es vorgesehen sei, auch in katholischen Beichtstühlen Mikros und Kameras einzubauen. Denn dann wäre der Vatikan eventuell bereit zu kooperieren, voraussetzt die Originalaufnahmen dürften dann in vatikanischen Archiven eingelagert werden. Beichtstühle, die über solch fortschrittlicher Technik verfügen würden, würden letztendlich dazu beitragen auch die Personalkosten in der katholischen Kirche zu senken, weil dann ein Beichtvater zentral mehrere Beichtstühle gleichzeitig verwalten könne. Auf diese Frage antwortete Frau Merkel, dass hierzu das letzte Wort noch nicht gesprochen sei. Die Entscheidung hierzu würde sie noch treffen. So wahr ihr Gott helfe.

Als dann der Journalist der Beijing Evening News sich meldete und nachfragte, ob es stimmen würde, dass die Bundesregierungen Deutschlands seit mehr als 25 Jahren der Meinung seien, der Bürger hätte zu viel Freiheiten und zu wenig Kontrolle. Und warum der deutsche Bürger gegängelt würde, aber im Gegenzug die großen Korruptions- und Steuerhinterziehungsfälle wie von Flick bis Siemens permanent in der Geschichte der deutschen Republik als Kavaliersdelikte wegdiskutiert würden, während nicht wenige außereuropäische Regierungen als korruptionsfördernd angesehen würden.
An dieser Stelle unterbrach der Regierungssprecher und Staatssekretärs Ulrich Wilhelm die Pressekonferenz mit Hinweis, dass man sich die Einmischung in innere Angelegenheiten des deutschen Volkes verbitte. Zudem verwies Wilhelm auf die bereits fortgeschrittene Stunde. Es sei ja spät, fast früh zu nennen, auch wenn längst noch nicht Dämmerung im Kanzleramt sei, so scherzte Wilhelm.
Außerdem wolle die Bundesregierung nicht nur durch Worte auf dieser Pressekonferenz glänzen sondern als Dank für diese späte Pressekonferenz habe er den Journalisten auch Taten zu präsentieren. Als Aktion guten Willens und dass man mit den neusten Gesetzesvorhaben niemand wirklich böses wolle, habe man allen Notebook-Besitzern ein Geschenk gemacht. Findige BKA-Beamte hätten jedes Notebook mit einer fest installierten Web-Cam ausgestattet. Die dazugehörige Software hätte man bereits kulanterweise ins Betriebssystem ebenso fest integriert, so dass die Notebooks direkt einsatzbereit seien.

Der minutenlange begeisterte Applaus der deutschen Pressevertreter über dieses Geschenk war augenscheinlich für die in letzter Zeit so gescholtenen Politiker ein Labsal.

Jedoch gab es bei dieser entspannten Pressekonferenz auch einen Wermutstropfen. Der Journalist von Al-Dschasira wurde vorübergehend festgenommen und erhielt eine Anzeige wegen mutwilliger Umwelt-Verschmutzung. Er hatte die Kamera von seinem Notebook gewaltsam entfernt und die zerbrochene Webcam nicht als Elektroschrott entsorgt, sondern diesen einfach in einen herumstehenden Mülleimer vor dem Kanzleramt geworfen. Sicherheitsbeamte griffen ihn nur unweit des Tatortes in der Berliner U-Bahn auf. Es steht zu befürchten, dass der Journalist seine Akkreditierung verlieren wird.

Eine Fackel "Made in China"


Es ist schon eine seltsame Sache:
Da wird eine Fackel über fünf Kontinente getragen und hier bekommt es auch noch jeder mit.

Als 2001 die 29. Olympischen Sommerspiele an Peking vergeben wurden, da war es doch schon klar, wohin die Spiele gingen.
„The political system is classed as “working for China”“, heißt es in der Einschätzung des olympischen Komitees. Und weiter: „The overall presence of strong governmental control and support is healthy and should improve operational efficiency of the Games organisation through the OCOG.“

Das wichtigste verkürzt auf deutsch:
Das politische System ist okay für China und die allgegenwärtige staatliche Kontrolle und Lenkung ist gesund (Quelle).

China ist für uns eine ganz andere Welt. Das wird schon an dem berühmt berüchtigten in China umfallenden „Sack Reis“ deutlich, den niemand interessiert.
Die chinesische Mentalität ist schwer für Mitteleuropäer zu verstehen. Die fünf menschlichen Elementarbeziehungen in China „Vater-Sohn“, „Herrscher-Untertan“, „Ehemann-Ehefrau“, „Älterer Bruder-Jüngerer Bruder“, „Freund-Freund“ in genau dieser hierarchischen Reihenfolge sind schon mal schwierig zu erfassen.
In Europa haben die Chinesen den Ruch von „Barbaren“. Ungehobelt, egoistisch und unverständlich sowieso.
Aber ebenso wenig interessiert die Chinesen, ob bei uns ein Sack Kartoffeln umfällt. Unsere Mentalität ist denen so fremd wie uns deren Millionenstädte. Für die sind wir ungehobelt und roh. Technisch intelligent, aber barbarisch.

Wenn in Europa gegen China gewettert wird, spielt die chinesische Regierung auf dem Instrument der chinesischen Volksseele („Herrscher-Untertan“). Denn dann ist die maximale zwischenstaatliche Beziehung „Freund-Freund“ hinüber. Harmonie ist die Hauptsache in der chinesischen Betrachtungsweise. Wer sich auf der „Freund-Freund“-Ebene befindet (wie Europa-China) und dann gegen seinen Freund wettert, der zerstört die konfuzianischen Elementarbeziehungen. Der stört die Harmonie.
Darum will und muss der Dalai Lama auch mit China reden. In Harmonie und nicht in Zwietracht, was hier niemand so recht versteht und begreift. Es geht nicht ums „Recht haben“ sondern um „harmonische Verständigung“.
Das ist eine schwer zu verstehende Lebensweise.

Der Fackellauf steht unter dem chinesischen Motto „Reise der Harmonie“. Aber der Lauf ist bislang alles andere als harmonisch.
Das Thema „Tibet“ erregt die politischen Geister („Dafur“ weniger) und deswegen kommt zu Disharmonien.
Alles wird hier genau betrachtet und analysiert, was aus China kommt. Und sei es auch nur die Fackel und deren Träger. Jeder ist überzeugt, dass sich der diktatorische Geist Chinas auch in dem Fackellauf und seinen Repräsentanten wiederspiegelt.
Und die Presse hilft mit, weil sie nicht die chinesische Lebensweise versteht. Einmal wegen Verständnisschwierigkeiten und andererseits wegen einer eher bevorzugten digitalen Denke.
Und wo es Verständnisschwierigkeiten gibt, da tauchen Animositäten auf. Nickeligkeiten bis hin zu feindschaftlichen Ansichten.

So fiel der FAZ-Online auf, dass die Fackel von chinesischen Mitläufern in blauen Overalls umgeben ist. Gut durchtrainierte chinesische Sicherheitsleute für eine Olympische Fackel. Das müsste per se schon was schlechtes sein, so dachte sich wohl der entsprechende FAZ-Journalist und schrieb drauf los:

Fackelprotest
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Es liest sich so wie man es sich wünscht: Rücksichtslose Chinesen nehmen sogar auf sich selber keine Rücksicht. Barbaren.

Und wie sah die beschriebene Szene aus?
Einfach mal diesen Link anklicken:
Das Video dazu auf YouTube

Hm.
Sieht nicht wirklich total rücksichtslos und total brutal aus.
Und beim Betrachten der verschiedenen Videos auf YouTube über den Fackellauf in London und Paris, sind die eigentlichen „Brutalos“ die jeweiligen Landespolizisten.

Bei solchen journalistischen Berichten werde ich eher verstärkt misstrauisch. Sie schaden eher der Sache „Tibet“ (denkt noch wer an Dafur?), als dieser zu nutzen.
Ganz zu schweigen davon, dass die Fackellöscher aus London oder Paris sich wohl ebenfalls zu den „Rücksichtslosen“ und „Brutalen“ zählen lassen müssen.

Dabei geht es bei der olympischen Idee doch um ganz was anderes:
Welche Nation und welcher Sportler fällt bei den 29. Olympischen Sommerspielen als erster Dopingsünder auf?
Und jetzt wird auch klar, warum die Fackel durch Kanada (Ben Johnson), England (Doping fand 1869 seine Premiere), Paris (Tour de France), USA (Marion Jones) etc. getragen wird.
Na?
Fällt jetzt der Groschen?
Eben!
Die ausgebrannten Fackeln werden dort mit Doping gefüllt, welches dann nach China gebracht wird, damit die Chinesen nachher alle Goldmedaillen kassieren …

Ups …
Ich glaub, ich störe vorsätzlich die Harmonie und lenke von Tibet ab …

Tschuldigung …

Dreifacher Kotau gen China.
Und tschüss.

Quelle des FAZ-Artikels