Mit weit offenem Mund …

… liege ich Patientenstuhl. Der Zahnarzt schüttelt den Kopf.

– Da ist nicht mehr viel zu machen. Sie benötigen da ein Inlay im Backenzahn.

Er war mir offenbar zerbröselt. Ein MENTOS hat mir den Backenzahn bröseln lassen. Zuviel hatten die vorherigen Zahnärzte schon weggebohrt und mit Amalgan nachgefüllt. Und jetzt ist der Zahn an einer Seite weggebrochen.

– Sie können da zwar noch eine Füllung machen, aber wenn die bricht, dann muss ich den Zahn ziehen. Der Zahn ist durch die vielen Füllungen zuvor instabil geworden

Hm. Ich liebe Zahnärzte.
Mein erster Zahnarzt hatte seine Praxis nicht im Heimatort. Er war fast 15 Kilometer weit weg. Und er sollte humaner sein als der Dorfzahnarzt. Der hatte bei meinen Eltern nämlich recht unsensibel gebohrt, obwohl die Dorfgrößen auf den schworen.
Und unser Zahnarzt, der war tendenziell besser. Trotzdem empfand ich ihn als einen recht unsensiblen Bohrer. Dessen Vater war damals in Rente gegangen und der Sohn übernahm die Praxis und hatte die neusten medizinischen Tricks auf Lager. Aber er war trotzdem Auslöser meiner Zahnarztangst.

Später lernte ich einen sensibleren Zahnarzt kennen und wechselte. Meine Mutter wechselte aber nicht. Sie war da mehr traditioneller. Sie hoffte, dass ihre Treue sich bei ihm auszahlen würde. Er zog ihr trotzdem alle Zähne und verpasste ihr ein Gebiss. Und spritzte ihre Oberlippe taub. Taub für immer.
Da ist es auch kein Trost mehr, dass jener Zahnarzt inzwischen gestorben ist, meine Mutter aber noch immer putzmunter ist.

Als ich das meinem dritten Zahnarzt im Patientenstuhl erzählte, fauchte er mich an, dass ich mir so ein Urteil gar nicht erlauben dürfe. Ich sei schließlich kein Experte. Ich bleib ihm eine Antwort schuldig. Ich lag bei ihm im Stuhl und er hatte schon angefangen. Die Machtverhältnisse waren extrem ungünstig für ein Streitgespräch. Ich hielt die Klappe und machte den Mund weiter auf.
Mein zweiter und mein vierter Zahnarzt teilten meine Verärgerung über meinen Zahnarzt Nummer 1.

Ich hasse das Surren von Bohrmaschinen beim Zahnarzt.

– Das Inlay kostet so 400 Euro und ist bombenfest. Für die Füllung fallen so an die 100 Euro an.
– Und die Krankenkasse?
– Die zahlt nichts dazu. Das müssen Sie selber tragen. Oder haben Sie eine Zusatzversicherung?

Nein, die hab ich natürlich nicht.
Mir dämmerte was. Wegen der vielen Arbeit im letzten Jahr war das Angebot meiner Krankenkasse vollkommen an mir vorbeigerauscht.
Dumm gelaufen.

– Nein, ich habe keine Zusatzversicherung.
– Überlegen Sie es sich noch mal, was Sie haben wollen. Das Inlay oder die Füllung. Ich würde Ihnen aber zum Inlay raten. Auch wenn es 400 Euro kostet. Aber überlegen Sie nicht zu lange, denn sonst geht nachher der ganze Zahn kaputt und dann müsste ich ziehen.

Ziehen zahlt die Krankenkasse. Wahrscheinlich mit Kußhand. Denn Zahnlose sind nun mal nicht so bissig. Und fördern den Absatz von Schnabeltassen. Ich muss mal nachforschen, welche Firmen Schnabeltassen herstellen und ob Krankenkassen daran Anteile halten.

„Kaputtreformiert wie meinen Backenzahn durch Zahnärzte“, denke ich mir.

Gesundheitsreform und nicht Krankheitsreform heißt es.
Die Industrie verdient über die Angst vor Krankheiten und verkauft entsprechend. Gesundheit wird als der Zustand als die Abwesenheit von Krankheit definiert. Und nie umgekehrt. Wer sich Krankheit leistet, soll auch dafür zahlen. Wenn dann was außer der Eigenleistung noch übrig bleibt, das wird später bei der nächsten Gesundheitsreform noch weg reformiert. Keine Chance den Krankenkassen-Schmarozzern. Die nagen denen gleich Nagetieren (wie Ratten) die Gewinne weg. Gesundheit muss sich wirtschaftlich lohnen. Krankheit tut es nicht. Nie.

Auf den Weg nach Hause denke ich nochmals über meine Leidenschaft für MENTOS nach und den Augenblick, als ich das MENTOS herzhaft zerbeißen wollte. Ist schon recht, dass ich dafür jetzt zahlen muss. Es wird das letzte für mich gewesen sein.

Für meine künstlichen Schneidezähne zahle ich ja immer vierstellige Summen, nur weil ich als Kind einmal auf Glatteis ausgerutscht bin. Selbst schuld. Was musste ich auch damals Fangen spielen.
Der Zahnarzt im Nachbarort hatte mir unter lokaler Betäubung die Wurzel des Schneidezahns abgetötet. Der andere war schon tot. Mit einem Bunsenbrenner hatte der noch vor meiner Nase rumgefuchtelt. Spaßig fand ich das nicht. Geschmerzt hatte es auch. Trotz der lokalen Betäubung. Und für die Öschis, die er mir damals eingesetzt hatte, wurde ich nachher wegen meinem Aussehen der Frontzähne in der Schule „Häschen“ gerufen. Der Zahnarzt meinte dazu nur, die müssten so sein. Das trägt man so.

Mit Achtzehn erhielt ich meine neuen zweiten Dritten. Passend zum Tanzkurs. Das hatte mir aber auch keine Vorteile bei der Damenwelt verschafft.
Zwanzig Jahre später erhielt ich neue. Meine jetzigen aktuellen.

Und jetzt verabschiedet sich ein Backenzahn.
Ich werd‘ alt.

Da gibt es von Bob Dylan das Lied „Forever joung“.
Vorhin hörte ich die Cover-Version davon von der Gruppe BAP.
Für immer jung.
Schöner Soundtrack zu meiner Situation.
Für immer jung.
Ich wünscht, meine Zähne könnten es bleiben.
Schließlich würd ich doch gerne später mal herzhaft damit ins Gras beißen können.
Andererseits Zahnlose haben größere Zungenfreiheit. …

Op dat ding Häng immer ze dunn hann, dat du dich wehrs, wenn dir jet stink,
dat du dir joot merks, wo du herküss un wo ding wohre Fründe sinn.
Op dat dieh Häzz immer enn Dur schläät, singe Takt hällt, singe Schwung,
dann blievs du für immer jung.

Für immer jung, für immer jung,
dann blievs du für immer jung…

Übersetzung:

Auf dass deine Hände immer zu tun haben, dass du dich wehrst, wenn dir etwas stinkt,
dass du dir gut merkst, wo du herkommst und wo deine wahren Freunde sind.
Auf dass dein Herz immer in Dur schlägt, seinen Takt hält, seinen Schwung,
dann bleibst du für immer jung.

Für immer jung, für immer jung,
dann bleibst du für immer jung.

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Die perfekte Flugzeugentführung

Abenddämmerung

Reporter: Herr Mozek, wir konnten es bei der Ankunft des Fliegers am Flughafen Kattowiz beobachtet. Die Passagiere erschienen erleichtert beim Aussteigen.
Mozek: So?
Reporter: Ja. Ich würde behaupten, sie waren richtig fröhlich.
Mozek: Was Sie nicht sagen.
R: Aber ja. Ich sag es mal offen heraus: Sie haben das perfekte Verbrechen vollzogen.
M: Wie?
R: Nicht wahr? Sie haben das Flugzeug entführt.
M: Lächerlich! Ich bin Pilot. So ein Quatsch.
R: Würde ich nicht sagen. Noch nie sah ich Passagiere so froh einem Flugzeug entsteigen. Es musste sogar jemand die Leute beim Ausstieg bremsen.

Passagiere

M: Ach ja?
R: Ach ja!
M: Ach ja.
R: Also?
M: Sie sind ein scharfer Beobachter.
R: Danke. Das verlangt meine Profession.
M: Ja, ich und mein Co-Pilot Mizewski tragen hier die volle Verantwortung.
R: Verstehe.
M: Wissen Sie, die Sicherheitsvorkehrungen an europäischen Flughäfen haben uns genervt.
R: Heißt das, keine ideologische oder politische Motivation?
M: Nein, nicht wirklich.
R: Hm.
M: Es hat uns genervt. Und da hatte ich den Plan für das perfekte Verbrechen. Und mein Kollege ist gleich drauf eingestiegen.
R: Er ist Moslem?
M: Nein.
R: Oder mosaischen Glaubens?
M: Nein.
R: Tibeter?
M: Sein Schwippschwager dritten Grades kennt jemanden der evangelisch ist.
R: Also doch religiös motiviert?
M: Nein, nicht wirklich. Er führt im Internet einen Blog mit halbnackten Frauen.
R: Das ist uninteressant.
M: Er spricht ostdeutsch.
R: Aha. Ein Ansatzpunkt. Ist er unzufrieden mit der Bundesrepublik auf globalisierter Ebene bezüglich islamischen Terrorismus?
M: Wir wollten der Welt zeigen, dass die Sicherheitsmaßnahmen an den Flughäfen Hofnarrenonanie der Politiker sind.
R: Aha, also sexuell motiviert? Inzest?
M: Mein Co-Pilot und ich beschlossen einfach die eigene Maschine zu entführen.
R: Die Stewardessen waren eingeweiht?
M: Saftschubserinnen sind schmückendes Beiwerk im Cockpit, aber sonst nicht tauglich.
R: Haben Sie Handyaufnahmen von den Sexorgien im Cockpit gemacht?

Piloten

M: Kollege und ich waren uns einig. Wir wollten die Maschine auf den Weg vom bulgarischen Burgas aus nach Kattowiz entführen.
R: Hatten Sie Explosiva bei sich?
M: Die Servierwagen waren voll damit. Wodka, Sambuca, Whisky und Eau de Parfum massenweise. Alles hochprozentig.
R: Der Knaller schlechthin also.
M: Streichhölzer hatten wir auch dabei.
R: Ich verstehe. Statt dem klassischen Zippo-Benzinfeuerzeug die Streichhölzer als Aufschrei gegen die Urwald-Rodung.
M: Quatsch. Als Notleuchten. Falls mal wieder die Kabinenbeleuchtung ausfallen sollte.
R: Nur deswegen? Genial!
M: Auf der Hälfte des Fluges habe ich dann die Passagiere informiert, dass sie alle 10000 Meter über Normal Null entführt gelten. Und wir sie zu einem Flughafen unserer Wahl bringen würden.
R: Ich verstehe nicht. Sie flogen doch schon nach Kattowiz.
M: Aber das haben die doch nicht mehr mitbekommen. Denn um zu verhindern, dass die Passagiere wie damals in Pennsylvania von hinten die Maschine aufrollen würden, haben wir eine Boardrunde nach der nächsten für die Passagiere geschmissen.
R: Ich verstehe. Die Alkoholika.
M: Hochprozentiges brennt besser. Die Passagiere als lebende Molotow-Cocktaile.

Passagiere2

R: Aber wenn ich richtig verstanden habe, flogen Sie von Burgas nach Kattowiz. Wie soll denn dann eine Entführung nach Kattowiz funktionieren?
M: Nur wenn die Passagiere besoffen gemacht werden, dann ist deren Widerstand am geringsten.
R: Moment: Sie entführen eine Maschine, die auf dem Routineflug nach Kattowiz ist nach Kattowiz?
M: Nicht ich. Sondern ich und mein Co-Pilot. Ohne ihn hätte es nie geklappt.
R: Ich wette, es hat auch kein Passagier bemerkt.
M: Doch. Die haben aus Verzweifelung gesoffen. Wie bekloppt. Die Wodka-Vorräte waren total geplündert.
R: Ja klar. Der Freibier-Effekt.
M: Quatsch. Diese Ablenkung war Bestandteil dieses perfekten Verbrechens.
R: Ihre Meinung.
M: Schauen Sie doch Ihre Fotos an: Sie sehen erleichterte Menschen, die froh sind, diese Flugzeugentführung überlebt zu haben.

Passagiere1

R: Eine Entführung durch Piloten, die das Flugzeug zum Bestimmungsort bringen, aber noch nicht mal die Fluglotsen über die Entführung informieren?
M: Aber Sie haben es doch bemerkt.
R: Bin ich mir nicht mehr so sicher.
M: Gerochen haben Sie es und die Freilassungsfotos gemacht.
R: Knipsereien aus purer Langeweile am Flughafen Kattowiz.

Passagiere3

M: Ach man. Schwätzen Sie doch nicht so altklug daher!
R: Danke für das Interview. Ich hau mir jetzt nen Wodka-Bull hinter die Kiemen. Das habe ich mir jetzt verdient. Tschüss.
M: Sie dürfen das Interview auch ungekürzt und ohne mein Gegenlesen veröffentlichen! Ich zähl auf Ihren journalistischen Verstand!
R: Ja, ja.
M: Was?
R: Ja, ja, ich flieg mal lieber wieder in die Redaktion als raus …
M: …

Katowice

Mierenneuken – Aftermaths- Teil 4

– Sag mal, warst du letzten Dienstag bei den Käsepflanzern?
– Wo war ich?
– Na, Schiphol. Am Amsterdamer Flughafen.
– Ich? Ja klar, ich hab dort meinen Anschlußflug verpasst und vier Stujnden lang rumgehangen. Woher weiß t du?
– Ich war auch dort. Du hast dort einen Flug verzögert.
– Ich hab was? Häh?
– Die haben dauernd ne Durchsage gemacht. „Passenger Careca travelling to Bruxelles. Immediate boarding please to gate B26. You are delaying the flight. We are proceeding in unloading your luggage“.
– Echt? Aber die können mein Gepäck nicht ausgeladen haben. Ich war ja noch im Zubringerflug.
– Tja, aber offenbar haste deinen Anschlußflug trotzdem verzögert. Die fanden wohl dein Gepäck zum Ausladen nicht.

Mierenneuken – Nachwort – Teil 3

„Mierenneuken“ (sprich „mihren-nöken“) heißt wirklich „Ameisenficken“.
Allerdings hat das weniger mit übertriebener Insektenliebe oder profaner Sodomie zu tun. Die Bayern bezeichnen „Ameisenficker“ als „Gscheidhaferl“ oder die Hessen als „Dipfschisser“.
Oder verständlich für alle auf gut klardeutsch: „Korinthenkacker“ und „Haarspalter“.
„Korinthenkacken“ heißt aber wörtlich ins Niederländische übersetzt „Krentenkakker“ und heißt übersetzt etwa so viel wie „Geizhals“. Und das hat mit der Tätigkeit des „Ameisenfickens“, des „Mierenneukens“, weniger zu tun.
Ein Mierenneuker macht anderes.

Womit ich fast schon wieder bei Teil 1 der „Mierenneuken“-Miniserie wäre. Eigentlich hat Pedanterie weder was sexuelles noch anales. Aber beim Fluchen und Schimpfen wird doch recht klar, wo die Betrachtungsweisen verschiedener Nationen liegen.

Man kann jetzt vortrefflich darüber streiten, ob die Niederländer jetzt wesentlich sex-fixierter sind und ob die Deutschen sprachlich lieber in der analen Scheiße wühlen. Und ob die Flüche der Niederländer phantasievoller sind als die der Deutschen.

Wenn es aber um die Phantasie bei Flüchen und Verwünschungen geht, da haben die Juden eindeutig die Nase vorne. Im Internet fand ich folgende hintersinnige Verwünschung:
„Drei Schiffsladungen voll Gold sollst du erben – aber das soll nicht reichen, um deine Arztrechnung zu bezahlen.“

Und in diesem Sinne:
Ein gutes Mierenneuken allerseits!
Meint der Mierenneuker.

Oder was flucht der Bayer sich in seinen Gamsbart zwischen zwei Weißbieren, wenn er das liest?
Himmihergottsakramentzefixallelujahscheissglumpvarrextgreisgruzifixverfluchtnoma.

Mierenneuken – Sodomie auf holländisch – Teil 2

So sitze ich denn geduldig am Flughafen und warte.
Ich sehe zwar nicht so aus, aber ich fühl mich jetzt bereits völlig abgegriffen. Das Sicherheitsportal hatte gepfiffen. Oder gegongt. Oder so. Zumindest ist jenes Signal für die Kontrollierenden dahinter der Auslöser eines Pawlowschen Reflex, dass es wieder was zu begrabschen gibt. Frischfleisch für behandschuhte Hände.

Was ich da habe? Nein, das unter meinem T-Shirt ist kein Sprengstoffgürtel sondern lediglich meine Kalorienreserve für die nächste Hungersnot in Mitteleuropa.

So ruhe ich 120-Kilo-fleischgewordene-politisierende Überflußgesellschaft am Flughafen und stopfe mir zwei Tafeln Halbfettschokolade rein.
Geduldig.
Der Flug geht mit der KLM über Amsterdam nach Brüssel. Eine Stunde warte ich auf das Einsteigen, das Boarding. Und als ich dann drin bin, dauert es wieder mal eine ausgesprochene Weile.
So komme ich dann in Amsterdam an, als mein Anschlussflieger gerade von dort abhebt. Irgendwie müssen sich die Flieger, in dem ich saß, und der Flieger, in dem ich hätte sitzen sollen, auf den Rollbahnen begegnet sein. Bilde ich mir zumindest ein.
Freundlicherweise war mein Anschlussticket von der KLM schon umgebucht worden. Auf den letzten Flug des Tages. Vier Stunden Flughafenwarterei. Amsterdam.
Schön.

Was mir denn die KLM so als Ersatz anbieten könne?
Na, sie hätten mir doch schon den Flieger am Abend gebucht.
So, so. Und was sei nun mit meinen Terminen in Brüssel?
Hm, es gäbe keinen anderen Flug.
Klar, aber würde die KLM meinen mit einer kostenlosen Umbuchung sei alles abgegolten?

Die Frau lächelte unschuldig geduldig.

Ob ich denn wenigstens eine Einladung für die KLM-Lounge erhalten würde?
Sowas würde nur sehr restriktiv vergeben.
Ja, aber ich würde in der Lounge wesentlich entspannter und mit erheblich weniger Groll jene vier Stunden warten können.

Die Frau setzte ein strategisches Lächeln auf.
Das Gespräch verlief in Englisch. Mit Holländern rede ich prinzipiell nur Englisch. So anmaßend sollte ich nun wirklich nicht sein und bei denen Deutschverständnisse voraussetzen. Und meine fünf Worte Holländisch sollte ich denen nicht preisgeben. Sollte. Aber „soll“ heißt „muss“, wenn „kann“. Und wenn ich „nicht soll“, dann „kann“ ich auch „nicht müssen“. Und das aber volle Lotte.
Und da die klammheimliche Hoffnung auf KLM-Kulanz katastrophal gekappt worden war, konnte ich auch mein Wissen über das System der niederländischen Niedertracht anwenden.

Klar, erwiderte ich auf englisch der Frau verkühlt, eine Einladung in die KLM-Lounge würde sie ja auch nur wirklich wichtigen Leuten ausstellen. Aber ich sei ja nur ein 08-15-Bucher. Einer, der immer nur die billigen Tarife sich rauspicken würde. Ein Einzelner, an dem die KLM nicht wirklich verdient. Ich sei wohl eher klein und unbedeutend. Eher so etwas wie Kleinvieh. Die erst in der Menge genügend Umsatz für die KLM produzieren. Nicht wahr? Fast so wie der Stellenwert einer Ameise. Und die glaubt die KLM ganz ungehemmt immer nur ficken zu können. „Ameisenficken“ sozusagen.

„Oder wie sagt Ihr Niederländer es auf holländisch doch immer so treffend? ‚Mierenneuken‘.“

Aus war’s. Bei Ihr fuhren buchstäblich die Rolladen runter.
Ich hätte es nicht sagen sollen. Aber ich hab’s. Mit vollster Absicht. Absichtlicher ging es nicht mehr.
Sollte mich die Frau demnächst mal auf einen 12-stündigen Interkontinentalflug erwischen, dann setzt die mich garantiert in die Mitte vom Flieger. Eingeklemmt zwischen zwei dicken türkischen Muttis, die aus meinem Querschlank ein Hochschlank pressen werden.
Ich ergriff mein Ticket und verließ den KLM-Schalter.
Verloren hatte ich dort sowieso nichts mehr.
Verschissen zudem hatte ich auch noch.
Oder wie der Holländer fluchend sagen würde: „Verkloten!“

Und was ist nun mit der KLM?
Nun ja. Daar krij ik geen stijve van.
Ich will ja nur fliegen.

Mierenneuken – Vorwort – Teil 1

Fluchen ist ja bekanntlich unchristlich. Aber wer bekennt sich schon als christlich oder gar als Christ.
Mailand-Sack, es macht aber auch verdummich viel Spass, einfach mal zu fluchen. Ventil der Seele. Und gesund soll es sein. Solange der Befluchte nicht gerade ne Waffe bei sich hat.

Wir Deutsche haben ja so unsere Eigenarten. Wir fluchen mehr analfixiert als beispielsweise die Niederländer, die ich jetzt mal einfach nur als Holländer bezeichnen werde. Was bei uns das „Arschloch“ ist, das ist bei denen „Eikel“, „Lul“ oder „Kloot“. Wer schon mal einen Niederländer einen „godverdommten Klootzak“ oder einen „Kloteklopper“ oder „Kuttenkopp“ ablassen hat hören, der weiß, dass die mit deutschen Anal- und Exkrementflüchen nichts zu tun haben. Die Holländer fluchen erheblich sexuell orientierter. Mit einem Hauch erotischem Understatement.

Während die Holländer nur eines fürchten – und zwar Mofensausen auf niederländischen Straßen -, gilt selbst unter den politisch Linken Deutschlands das Wohnwagengespann mit „NL“-Kennzeichnung als etabliertes Feindbild.

Klar, eine Linda de Mol, ein Rudi Carell und eine Frau Pikantje aus Gauda sind gern gesehene Gäste. Die Betonung liegt freilich dabei auf „gesehene“, solange sie nur bei uns im Fernsehen auftauchen.

Aber wehe, da taucht vor uns ein NL-Kennzeichen auf. Eventuell sogar auf der Überholspur. Da zeigen wir denen so richtig, was „Mofensausen“ heißt.

Wie gut, dass es das Tal der Niederländer gibt. Denn sollte eine Klimakatastrophe den Meeresspiegel heben, dann erfahren wir es als erstes anhand von Katastrophenbilder aus dem Land der Schlickrutscher.
Während wir unsere Spekulatius mit einem Schluck BessenJenever vor unserem Phillips-Fernseher runterspülen. Denn Hauptsache es ist kein Heineken im Bierglas.

Nederlands, ik houv van jou.
Ohne dich wäre auch mein Bilderrahmen der Feindbilder arg verwaist …

Tagtraum

Schön ist es draußen. Und diesmal still.
Nicht wie gestern. Da herrschte in Nachbars Garten das pralle Leben.
Kinder spielten mit einem herumliegenden Wasserschlauch Feuerwehr. Und die Eltern sahen es frohgemut.
Da war ein Päpen und Plappern. Ein Stimmengewirr und immer wieder die kindlich freudig erregten „Mami“-Rufe. Und den Mammis hat es gefallen. Schließlich war „Muttertag“.

In meiner Phantasie sah ich ein Stadion und darin alle Kleinstkinder dieser Welt am Kieksen, Brabbeln und Kichern. Und wie ein tausendfaches Echo aus der Arena Richtung Tribüne:
„Mammi!“

Und auf den Rängen alle Mütter dieser Welt. Sich knuffend und puffend und mit „Ach wie süß, ach wie putzig“-Rufen antwortend. Tränen in den Augen verbunden mit einem unübersehbaren Leuchten. Mutterträume aller Länder vereinigt vor sich in der Arena in ihren Windeln.

Und dann eine kleine Stimme glockenklar, kindlich, laut und deutlich:

„Mammi, Fielmann.

Mist, ich seh zu viel Werbung fern …

Auf der Suche nach Feuchtgebiete

Wenn ich so auf meinen Blog und deren diverse zwei Dutzend Posts schaue, dann gibt es genau zwei Posts, die mittels der Ergebnisse von Suchbegriffen (bei Google und Co.) so richtig gerne besucht werden.
Das eine Post ist über die Intimrasur beim Mann und das andere über die katholischen Morgenlandfahrer im Alkoholrausch.

Eindeutig.
Die Internet-Menschheit ist unterwegs auf der Suche nach Feuchtgebiete.
Nicht erst seit Charlotte Roche.
Will ich also mehr Publikum, dann sollte ich meinen Content vielleicht doch stark überdenken:
Mehr „Sex, Drugs and Rock’n’Roll“.

Oder wie der Deutsche zu pflegen sagt:
„Wein, Weib und Gesang“.

Daher jetzt für alle ein wenig mehr Erotik an dieser Stelle für alle Suchmaschinennutzer mit Worten á la Charlotte Roche:

Smegma!

Und dann ab mit ’nem Bier in die Feuchtgebiete.
Wohl bekommt’s …