Wichtig! Aktuelle Verkehrsdurchsage!

Achtung!

Eine wichtige Verkehrsdurchsage an alle Autofahrer auf der Autobahn in Richtung Süden.

Auf der Fahrbahn in Richtung Köln/Düsseldorf kommen Ihnen die vier apokalyptischen Reiter entgegen.

Überholen Sie nicht, fahren Sie äußerst rechts und warnen Sie diese Gruppe, bestehend aus Prinz, Bauer, Jungfrau und einem herrenlosen Weihnachtsmann, mit der Lichthupe.

Wir geben Entwarnung, wenn die Gefahr vorbei ist und die apokalyptischen Reiter mittels SUV-Karnevalswagen von der Straße geholt wurden.

Also spätestens Aschermittwoch.

Und legen Sie verdammtnocheins das Smartphone weg, wenn Sie gerade diesen Text auf Ihrer Autofahrt lesen!

Der Plan

Sie arbeiteten monatelang, sammelten Zündhölzer und Klebstoff und opferten ihre Freizeit dafür. Unauffällig und unbemerkt.

Zündhölzer zu organisieren, das war kompliziert. Überall wurden ihnen nur Feuerzeuge angeboten. Angeblich, weil für deutsche Zündhölzer die Regenwälder gerodet würden und für Feuerzeuge kein einziger Baum gefällt würde.

Und Klebstoff. Richtig schwierig. An allen Ecken und Enden standen die bayerischen Schlapphüte aus Pullach vom BND unweit der Regale. Eifrig machten sie sich Notizen, wer wie viele Packungen und Arten von Klebstoff kaufte. Lagen zu viele Klebstoffflaschen im Einkaufskorb, zogen sie danach in deren Notizbüchern Linien auf kleinen Karten vom eigenen Standpunkt bis zur nächsten größeren Hauptstraße. Darum konnte nur Tübchen für Tübchen ganz unauffällig an den Kassen eingekauft werden.

Nach einem Jahr hatte es die Gruppe schließlich geschafft. Sie versammelten sich im Schein ihrer Smartphone-Taschenlampen in einer dunklen Ecke eines kleinen, muffigen, kahlen Raums.

Der Anführer erklärte vor den beiden anderen der Gruppe nüchtern:
— »Jungs, wir haben es geschafft! Morgen können wir den Anschlag durchführen!«

»Yeah!«

— »Jetzt müssen wir uns noch auf das Anschlagsziel einigen.«

»Hm.«

— »Irgendwelche Vorschläge?«

»Irgendeinen zentralen Punkt.«

— »Richtig! Mit Bedeutung, sonst bemerkt es keiner.«

»Ich würde sagen, am besten dort, wo es spannend ist. Also, was spannendes!«

»Ja! Und was zum Spielen!«

»Und mit Schokolade!«

— »Aber das sind ja gleich drei Wünsche auf einmal. Das geht nun wirklich nicht.«

»Hm. Jetzt wird das aber kompliziert.«

»Ja. Ehrlich. Warum einfach, wenn es kompliziert geht.«

»Als Genies geben wir uns mit einfachen Sachen nicht ab. Wir haben doch im letzten Jahr die Lage analysiert und festgestellt: Als Wutbürger kommste nicht weit. Worte sind schön, aber Hühner legen Eier.«

»Wir sind keine Hühner!«

»Ohne Eier keine Hühner.«

— »Leute, jetzt mal im Ernst: Wenn wir etwas mit Spannung, Spiel und Schokolade als Ziel auswählen, weiß doch gleich jeder, wer wir sind.«

»Ja? Und wer sollen wir sein?«

— »Kinder der 90er mit zu viel Fernsehkonsum.«

»Ü-Eier finde ich schon als Kind gut und jetzt immer noch. Dafür brauche ich keinen Mainstream oder Fernseher.«

»Wir müssten uns einen Namen machen.«

— »Richtig! Wir brauchen zuerst einen Namen. Einen unverwechselbaren.«

»Wie wär’s mit ‚Baby-Boomer-Bomberbande‘? Kann man auch hervorragend abkürzen: ‚BBBB’.«

»Och, nö. Das ist so abgegriffen, so linksintellektuell.«

»Wie wäre es mit ‚Bang Boom Bang‘? Kennt jeder, klingt nach Hollywood, und er spricht auch Rechtsintellektuelle an.«

— »Echt jetzt? Die Mitte-Intellektuellen beabsichtigen wir nicht anzusprechen?«

»Wie wär’s mit ‚Boom Bang-a-Bang‘? War bereits ein ESC-Hit und kann jeder Intellektuelle mitsingen.«

»Da finde ich ‚Baby-Boomer-Bomberbande‘ besser.«

»Nö. ‚Bang Boom Bang‘ ist griffiger.«

— »Ist alles Scheiße. Muss knalliger sein, mehr explosiv. Aber bitte keine Comic-Sprache.«

»Wieso nicht? Ich bin damit aufgewachsen. Wie wäre es mit ‚Alea iacta est‘?«

»‘Iacta alea est’

»Wie bitte?«

»‘Iacta alea est’.«

»Quatsch! ‚Alea iacta est‘! Habe ich doch bei Asterix gelesen.«

»Ach komm. Asterix ist so was von letztes Jahrtausend. Marvel Comics sind viel besser.«

»Ach ja? Und wie würdest du uns dann nennen wollen? ‚Avenger Action Group‘

»Hört sich an wie ‚Action Puppe’. So nach Sex-Toys für Männer, Epstein und so. Das ist ja so was von Baby-Boomer.«

»Aber explosiv sollte es schon sein? Also etwas Eruptives. Wie ein Vulkan.«

— »Vulkan ist eindeutig machistisch. Zu phallisch. Sexistisch. Geht gar nicht. Aber die Richtung stimmt. Es muss etwas sein, was Spannung vermittelt.«

»Ja, und spielerisch leicht ist.«

»Und mit Schokolade.«

— »Aber das sind ja wieder gleich drei Wünsche auf einmal. Das geht nun wirklich nicht.«

Stille. Eine peinliche Stille. Wie bei einem missglückten ersten Date. Die Stille griff um sich, schlich sich in die dunklen Ecken und verdunkelte die Lichter der Smartphones. Oder wurden lediglich deren Akkus schwach?

Jeder suchte nach Worten. Mit sich verdunkelnden Gesichtern schauten sie sich gegenseitig ratlos an.

»Ähem. Jungs, mal etwas anderes. Ich habe gerade gesehen, dass einige Tuben aus unserem Klebstoff-Vorrat abgelaufen sind. Deren MHD war Dezember letzten Jahres. Ihr hättet beim Einkaufen mal genauer hinschauen sollen. Jetzt müssen wir Ersatz besorgen.«

»Und Handschuhe. Habt ihr die Gefahrensymbole auf den Verpackungen gesehen? Wir sollten vorsichtig sein. Ansonsten geht beim Handling mit dem Klebstoff unser Anschlag nach hinten los.«

— »Ich denke, Atemmasken wären dann auch wichtig. Klebstoffe haben doch auch immer Lösungsmittel, oder nicht? Ich will keinen Lungenkrebs nachher.«

»Und ganz wichtig: Wir brauchen Trocknungsmittel, um die Streichhölzer zu lagern. Feuchte Zündhölzer nutzen uns nichts.«

»Stimmt. Für das Trocknungsmittel brauchen wir dann aber auch die passenden Handschuhe. Bock darauf, im Alter an Fingerkrebs oder so zu erkranken, hab’ ich nicht.«

— »Und wo lagern wir dann das Trocknungsmittel? Hier ist es zu feucht. Wir brauchen einen trockeneren Raum.«

»Stimmt. Mit Steckdose für unsere Smartphones. Mein Akku geht gerade zu Ende. Und er sollte größer als dieser hier sein.«

»Erreichbarkeit wäre nicht schlecht. Meine Familie sollte mich anrufen können. Wir könnten dann auch einen Kicker reinstellen. Work-Life-Balance, versteht ihr? Etwas mehr Spiel und Spannung bei unseren Besprechungen.«

»Und ich bring’ dann Schoki mit. Macht produktiver.«

— »Gut, dann treffen wir uns in sechs Monaten erneut hier. Und dann kann es wohl losgehen.«

»In sieben Monaten.«

»Sieben?«

»Im Juli habe ich Urlaub

»Ich im September. Weil Nebensaison. Die Preise sind dann billiger. Und du? Machst du denn nie Urlaub?«

— »Im August. Gut. Dann treffen wir uns im November.«

»Och nö, Vorweihnachtszeit, geht gar nicht.«

— »Okay, dann nächstes Jahr im Januar, wie immer nach dem Heilige-Drei-Könige-Tag .«

»Gleicher Ort. Gleiche Stelle, gleiche Welle.«

»Alea iacta est.«

»Iacta alea est!«

»Besserwisser.«

»Rechthaber!«

»Klugscheißer!«

»Selber!«

— »Okay, dann wäre das geklärt. Also dann: In alter Frische, Tschüss bis zu unserem nächsten Dreikönigstreffen.«

Mit Donald Trump in der Pommesbude

»Um Gottes willen, dreh dich nicht um. Donald Trump ist gerade hier hineingekommen!«

Doch meinem Kumpel interessierte es nicht die Bohne. Dabei ist eine Aufforderung, etwas nicht zu tun, doch gerade die beste Aufforderung, es doch zu tun.

»Was interessiert mich ein Donald Trump«, knurrte er, wischte mit seinem Holzgäbelchen eine Wurstscheibe über seinen Curry-Wurst-PoRoWe-Teller und schob sich die Scheibe zwischen die Backenzähne.

»Boah ey, echt, Donald Trump, wirklich! Schau nur! Zusammen mit Nina Chuba und Ski Aggu!«

»Wo???«

In Blitzesschnelle fuhr sein Kopf herum, die beiden zuvor genannten suchend.

So ist das mit den Nicht-Boomern. Sie haben einfach ihre eigenen Buzzwords. Dabei haben die Boomer doch jahrelang versucht, den Digital Natives der Gen Z auf solche Schlagworte wie »Robbie Williams«, »Beyoncé« und »Jürgen Milski« zu trimmen. Und was ist deren Mühe Lohn? Shirin Davis mit »Bauch, Beine, Po« oder Moliy & Silent Addy mit »Shake It To The Max (Fly)« als Sommerhits. Sollte es eine Schnittmenge der kleinsten Geschmacksgemeinsamkeiten geben, dann extrem äußerst maximal eine Taylor Swift beim »Off shaken« oder den »Auf uns«-Kevin Bourani. Tausendfach von denen gehört als Hintergrundmusik endloser Selbstoptimierungskurse mit Einzugsermächtigung als Dauerauftrag vom eigenen Konto. Während die anderen ihren Rücken und Knie beugen, um sich tanzend durchzuschütteln.

Da stand also Donald Trump in unserer Pommesbude, während aus musikalisch überforderten Lautsprechern der Pommesbude scheppernd verkündet wurde, dass der Zug keine Bremse habe. Dafür schmeckte die Currywurst mal wieder ausnehmend gut.

Aber ja, der Zug war auch mal wieder komplett voll abgefahren, über Weichen und harten Gleisen. Am Anfang langsam, dann aber mit rasenden Fortschritten. Wie beim Lernen von grundlegenden Zusammenhängen: am Anfang null Ahnung, aber dann geht der Wissensfortschritt durchs Lernen mit einem ab wie Lutzie. Das Selbstbewusstsein schießt in ungeahnte Höhen, weil erste Konzepte geglaubt, verstanden zu haben, und gedacht wird, das große Ganze wäre erfasst worden.

Das ist der Moment, in der wenig Wissen eine Illusion von Kompetenz erzeugt und den Glauben generiert, ein Experte zu sein. Derjenige, der weiter lernt, erkennt jedoch bald die wahre Tiefe des Themas. Alles erscheint kompliziert und das anfangs gewonnene Selbstvertrauen bricht ein. Viele geben dann frustriert auf und meinen, sie würden es nie wirklich verstehen.

Allein wer dabei bleibt, begreift mit der Zeit die wirklichen Zusammenhänge. Das Wissen setzt nach einer längeren Zeit des Studiums Stück für Stück zusammen. Dabei erwächst das Selbstvertrauen neu, diesmal auf einem erheblich stabileren Fundament. Der Weg von dem eigen-informierten Laien über einer längeren Studentenphase bis hin zum »Ich weiß, dass ich nicht weiß«-Professor dauert darum auch nicht von zwölf bis Mittags.

Die Psychologen David Dunning und Justin Kruger beschrieben hierbei den Effekt, der sich als übersteigerte Selbsteinschätzung aufgrund Eigen-Information zeigt. Im Jahr 2000 erhielten Dunning und Kruger für ihre Studie »Ungebildet und ahnungslos davon. Wie Schwierigkeiten, die eigene Inkompetenz wahrzunehmen, zu übersteigerter Selbsteinschätzung führen« den satirischen Ig-Nobelpreis. Der »Ig-Nobelpreis« wird in diesem Zusammenhang für Entdeckungen verliehen, welche zuerst zum Lachen und dann zum Nachdenken führen.

Ein Vierteljahrhundert später – die Welt ist jetzt Internet-vernetzt. Jeder Nutzer hat Zugriff auf jede sinnige und unsinnige Information zum Selbststudium. Das findet sich nicht nur in der gesteigerte Experten-Anzahl bei den Wetten auf die Bitcoin-Entwicklung wieder, sondern auch in einer Flut an selbsterklärten Dunning-Kruger-Effekt-Fachpersonal.

Mahnende KI-Stimmen dutzender Videos auf den unterschiedlichsten Social-Media-Kanälen erklären dem geneigten Zuschauer den Effekt in allen Details mittels bunter Grafiken. Durch Verallgemeinerungen und Vereinfachungen, mit Emotionalisierung und moralischen Überhöhung, begleitet von einem elitären und herablassenden Ton plus den fehlenden konkreten Lösungen wird der Dunning-Kruger-Effekt für das eigene Framing verwendet: »Sie nutzen den Dunning-Kruger-Effekt gezielt als Machinstrument, um die Masse zu kontrollieren!« Als Beleg wird unter anderem der vor Selbstvertrauen strotzende Donald Trump angeführt. Mit klassischen, verschwörungstheoretischen Argumentationsstrukturen der Social-Media-Welt legitimierend.

Früher wurde so etwas noch »alternative Fakten« genannt. Der Begriff wandelte sich. Heute heißt es »Sozialisierte Wahrheit«. Denn der Hüter der Wahrheit soll ja im Besitz des einzig selig machenden Grals sein. Und wer würde nicht mal gerne ein Video lang Gott spielen?

Während meine Currywurst dampfend von mir vermampfend sich in Stücken auf meinen Teller reduzierte, trieb mich nur eine Frage um: War das dort der wirkliche Donald Trump, der da in unserer Pommesbude auftauchte? Ich fragte meinen Kumpel, ob er mal dessen Begleitung, also Nina Chuba und Ski Aggu, fragen könnte, ob das der wirkliche Donald Trump wäre. Er schaute mich entgeistert an:

»Wie kannst du nur glauben, das wäre Donald Trump? Haste nicht gehört, der fährt nächsten Freitag mit Graf Vlad Putin in Alaska Schlitten.«

»Echt? Ich dachte, dass die vielmehr gut Kirschen essen gehen. In Alaska ist gerade Kirsch-Saison. Die ‚North Star‘-Kirsche. Ist reif und schmeckt süß-sauer. Aus welchen Gründen sollten die sich sonst dort treffen?«

»Um Wahrheiten zu schärfen.«

Mein Blick ging zum Tresen. Ja, ich hatte mich geirrt. Die Person mit den orange wirkenden, gewirbelten Haaren war wirklich nicht Donald Trump. Der sah nur so aus. Und Nina Chuba und Ski Aggu waren die beiden anderen auch nicht, maximal dessen erwachsene Kinder.

Aber es hätte Donald Trump sein können.

Ich schwöre.

Beim heiligen Gral der Wahrheit.

Der Hahn auf dem Misthaufen

»Du warst neulich in Bremen.«

»Ja.«

»Hast du eigentlich deinen alten Freund von dort besucht.«

»Nein.«

»Warum nicht?«

»Es verbindet mich nichts mehr mit ihm.«

»Hört sich an, als ob du echt konfliktunfähig bist.«

»Ich bin in der Tat so. Ich hasse Konflikte.«

»Du solltest dran arbeiten. Das kannst du verbessern.«

»Niemals.«

»Du stellst dir also hier und jetzt die eigene Bankrotterklärung aus? Echt jetzt?«

»Lieber so etwas, als mich weiterhin zu verbiegen und die Aussagen von ihm und dessen Realität- und Wirklichkeit-Auffassung zu bestätigen. Da breche ich doch lieber den Dialog ab. Aus Eigeninteresse.«

»Ach ja? Eigeninteresse ist doch klar Egoismus und hilft niemandem. Vielleicht bist du auch nur verschroben und du solltest ernsthaft in dich gehen, um mit ihm erneut den konstruktiven Dialog zu suchen. Es wird zu deiner Bereicherung sein.«

»Klar. Beim perfekten vollführten Kotau knirsche ich nachher mit den Zähnen, weil ich den Dreck von vor meinen Füßen im Mund habe, den er für mich ausgewählt hat. Und das alles nur, damit er befreit aufgrinsen kann und sich selber auf den Schultern ob des Fakts klopft. Nur weil er erlebte, dass ich Dreck für ihn gefressen habe. Nö. Das muss nicht sein. Ich struggle nicht mit Leuten, die mich auf deren Schlammterrain ziehen wollen, auf dem sie Meister ihres Faches sind. Das muss ich mir nicht antun. Das ist cringe.«

»Du bist absolut unbelehrbar. Sicherlich mal wohl falsch abgebogen, oder?«

»Freilich. Wenn jemand einen anderen Weg geht und der andere folgt ihm nicht widerwortfrei, dann ist der andere immer falsch abgebogen.«

»Wie kannst du dir denn sicher sein, dass du nicht falsch abgebogen bist und den richtigen Weg vom anderen hättest folgen sollen? Du hast das nicht mal hinterfragt und dessen Meinung nicht mal als potenziell richtig und überzeugend für dich adaptiert. Das wäre doch das Mindeste, was du hättest tun können, um den Konflikt zwischen euch zu nivellieren.«

»Jeder Hahn, der auf seinem Misthaufen kräht, meint immer, er hätte den Mittelpunkt der Welt unter sich. Warum muss ich mir dann dessen Misthaufen antun?«

»Tatsächlich, du bist wirklich absolut unbelehrbar. Und dazu, komplett und total unreflektiert. Du solltest mal ernsthaft und grundlegend darüber nachdenken, warum du falsch denkst und somit verbesserungswürdig lebst. Das wird dein Leben verbessern.«

»Ok. Du hast recht.«

Wasser, Wasabi und Würstchen: So schmeckt der Sommer

Kaum ist es wieder sonnig und warm, kommen sie reihenweise: Einladungen zum Grillabend. Einladungen in bunt und kindlich bebildert, da sollte man nicht ‚Nein‚ sagen, wenn man sich nicht Feinde in der Zukunft aufbauen möchte. Und Feinde brauche ich nicht. Im Kleingedruckten fand ich auch gleich praktische Tipps, was der Gastgeber von seinen Gästen denn so zusätzlich noch mitgebracht haben wollte:

»Bring bitte Bier mit – muss nicht gekühlt sein. Ich hab da einen Trick!«, stand in der Einladung. Beim Grillabend wurde gleich demonstriert, welchen Trick er meinte: in einer Wanne im Garten ließ er kaltes Wasser ein, fügte sechs Säcke »Crushed Ice« und zwei Pakete Salz hinzu, legte die Flaschen rein und nach ein paar Minuten gab es kaltes Bier. Länger dauert allerdings dann die Erklärung, warum das so einfach geht. 15 Minuten Referat über Physik für jeden, der ein kaltes Bier haben wollte.

»Einen gut angemachten Salat wäre auch gut zum Mitbringen. Aber keinen Kartoffel- oder Nudelsalat, den macht meine Frau schon. Nach Uromas Rezept. Grillgut geht notfalls auch.« Nach Uromas Rezept? Okay. Wahrscheinlich handschriftlich überliefert, vermutlich mit Füller und Gefühl – nur eben ohne Mengenangaben. Leider seit drei Generationen ohne Verbesserungen. Praktisch bestand der eine Salat aus Kartoffeln in Salz-Öl-Essig-Gemisch und der andere aus einer nudeligen Matschepampe mit fast aufgetauten Erbsen – wahrscheinlich für den Extra-Biss.

Ich nahm mir von beiden etwas – nicht aus Hunger, sondern aus purer Selbstverteidigung. Nichts beschwichtigt einen Gastgeber mehr als ein voller Teller beim Gast. Auf den prüfenden Blick des Gastgebers gab ich etwas Positives von mir wie »Hmmm, unvergleichlich« oder »Noch nie so etwas gegessen wie diesen hier«. Man will ja nicht lügen.

Das Highlight waren die handgeschnitzten Pommes, natürlich aus der »Ninja«, dem Thermomix unter den Fritteusen. Das achtjährige Töchterchen hatte seinen ganzen Ehrgeiz in die geometrische Form einer jeden Pommes-Stange gelegt. Ich erblickte das Töchterchen in einer Ecke des Gartens. Dort hatte es eine eigene Frisierstation für ihre zahlreichen Spielzeugponys eingerichtet – inklusive Glitzerbürste, Räucherstäbchen und selbstgemachter Kräuter-Maske. Töchterchen erschien ärgerlich: Eines der Stoffponys weigerte sich, die hingehaltene Pommes zu verzehren.

Die Gastgeberin kam auf mich zu und reichte mir ein Schälchen „Wasabi-Mayo“. Früher hatte sie Kunst studiert, erzählte sie beiläufig, während sie die Mayo noch schnell mit einem Löffelchen umrührte. Heute betreibe sie ein Kochstudio, weil Ernährung ja so wichtig sei. Aber Dosenravioli fände sie in der Geschmacksvariante ‚extra pikant‘ auch ganz toll.

Ich kleckste mir zwei Löffelchen von der Wasabi-Mayo auf meine Pommes-Sticks.

»Vorsicht, ist richtig scharf!«, raunte sie mir zu. Es britzelte… nichts.

Auf dem Weg zur Toilette sah ich, wie der Gastgeber nachfüllte – direkt aus einer grünen Flasche. Neugierig inspizierte ich sie später. Inhaltsstoffe: Brandweinessig, Spinatpulver, 0,01 % Wasabi-Pulver. Also ein Drittel Wassertropfen echtes Wasabi auf 300 ml Majo. Und das nannte sich »Wasabi-Mayo«.

»Scharf, ne?«, grinst mich der Gastgeber an. »Ja, schmeckt… grün.« »Willste mehr?« »Sind die Würstchen schon fertig?«

Meine Gastgeber servierten nicht nur tolle handschriftlich überlieferte Uroma-Rezeptsalate oder auch Mayo mit 0,01 % Wasabi aus der Flasche, nein, sie wollten uns Grillgästen auch deren neuste Grill-Errungenschaft vorführen. Der letzte Schrei unter den Grill-Monstern im Garten. Ein Rolls-Royce-Phantom-Kühlergrill zum Grill umfunktioniert und eine abgesägte Motorhaube als Deckel. Deren Töchterchen stand bereits am Grill, ein frisiertes Pony in der einen Hand, eines meiner mitgebrachten Würstchen in der anderen und grinste wie ein Honigkuchenpferd über sein allererstes Würstchen. Der Gastgeber lächelte auch, zuerst sein Töchterchen und dann mich an, reichte mir eines meiner Würstchen auf einer Stoffserviette (»Handgenäht! Von unserer Reinemachefrau«) und ich biss hinein. Ins Würstchen, nicht in die Stoffserviette.

»Kühlt der beim Grillen, dein Kühlergrill?« »Wieso?« »Das Würstchen hier, das ich mitgebracht habe, ist ja noch schattig im Innern.« »Noch nicht durch? Normalerweise habe ich das immer im Gefühl, wenn Würstchen durch sind. Was hast du denn für Würstchen mitgebracht?« »Pferdewürstchen. Vom Wochenmarkt.«

Wie von der Tarantel gestochen schrie das achtjährige Töchterchen entsetzt: »Pferdewürstchen?«, schmiss ihr Würstchen reflexartig über den Zaun in Nachbars Garten, verbarg ihr frisiertes Pony unterm Shirt und steckte sich sofort den Finger in den Mund. Während sich neben mir auf dem Boden geräuschstark ein kindlicher See aus Matschepampe, Kartoffelsalat und Pferdewürstchen bildete, schaute mich der Gastgeber nur höchst böse an. Ich zuckte mit den Schultern.

Die Grill-Party musste ich verlassen. Pferdewürstchen gehen nun mal gar nicht, wurde mir unmissverständlich zu verstehen gegeben. Ich wäre total unsensibel und hätte zumindest mal an deren Töchterchen denken sollen. Nun, das hätte ich ja gerne gemacht, aber Pferdewürstchen im Prinzessin-Lillifee-Design gibt es leid noch nicht. Dabei hatte ich doch bereits eine Tafel Schokolade mit Milchfüllung und eine Tüte Schoko-Reiswaffeln dem Töchterchen mitgebracht. Oder wäre Bärchenwurst erheblich angebrachter gewesen?

Beim nächsten Mal bringe ich zu deren Pommes einfach mal Wein mit. Pommes an Wein. Aus echten Trauben. Also mindestens 0,01 %. Versprochen.

Die Drecksarbeit der Engel: Eine interessante Debatte

Als Schreiber von Blogartikeln ist es wichtig zu recherchieren und manchmal ist das nicht so einfach. Gestern Nacht hatte ich totales Glück. Auf dem Parkplatz des Walmarts im Münchner Norden ergab sich mir die goldene Gelegenheit zu profunden Recherchen.
In der weiten Leere des Parkplatzes sah ich zwei Gestalten: ein jüngerer sehr hip gekleideter Hopster und einen alten grauhaarigen Opa-Hipster im weißen Kittel. Und die bemühten sich verdächtig unauffällig um einen flachen Supersportwagen. In dessen Tank leerten sie mehrere blaue Dosen mit roten Bullen auf dem Etikett.
»Marty, nicht trinken! In den Tank damit!« »Doc, das ist nur zur Absicherung – falls er nicht mehr fliegt, fliege ich eben allein weiter.« »Jennifer hat dir das gesagt?« »Nein, Clara gab mir den Tipp.«
Bei den Namen »Jennifer« und »Clara« machte es bei mir KLICK-KLACK. Ich überriß kurz die Situation, sprintete zu denen rüber, schubste beide zur Seite, ergriff mir die restlichen Rote-Bullen-Blaudosen in dem schwarzen Karton, sprang in den DeLorean und ab ging die Luzi.

——

Interview #1:
»Guten Morgen nach München. Ich sitze hier am ersten Tag meiner Reise mit dem Schöpfer dieser Welt Adonai JHWH und mit einem sehr, sehr schönen Blick auf den Kontinenten Afrika. Allerdings zu den aktuellen Geschehnissen könnte der Kontrast kaum schärfer sein und über diese möchte ich jetzt mit Adonai JHWH an diesem Heilig Abend sprechen. Guten Morgen! Ausweisung ist in den aktuellen Zeiten ein schwieriges Thema. Ist das nicht sehr verlockend, dass ihre Erzengel jetzt die Drecksarbeit machen gegen eine Familie, die für sehr viele in der Welt als einen wirklich großen Störfaktor angesehen waren.«
»Person Careca, ich bin Ihnen dankbar für den Begriff ‚Drecksarbeit’. Das ist die Drecksarbeit, die meine Erzengel machen für uns alle. Wir sind von dieser Familie auch betroffen. Diese Adam-und-Eva-Sippe hat Tod und Zerstörung über die Welt gebracht, mit Lügen, mit Mord und Totschlag auch bei deren Kindern. Das wäre ohne Adam und Eva nie möglich gewesen. Und um es klar zu sagen: meine Hände wasche ich in Unschuld von diesem Dreck ab.«

Interview #2:
»Guten Morgen nach München. Ich sitze hier am zweiten Tag meiner Reise mit dem Statthalter des Römischen Reiches, Herrn Pontius P. aus J., und mit einem sehr sehr schönen Blick auf den Steinbruch und den Felshügel Golgatha. Allerdings zu den aktuellen Geschehnissen könnte der Kontrast kaum schärfer sein und über dieses möchte ich jetzt mit dem Statthalter des Römischen Reiches, Herrn Pontius P. aus J., an diesem Karfreitag sprechen. Guten Morgen! Kreuzigungen durchzusetzen, ist in den aktuellen Zeiten ein schwieriges Thema. Ist das nicht sehr verlockend, dass ihre Legion jetzt die Drecksarbeit macht gegen den Führer einer Gruppierung, die für sehr viele in der Welt als einen wirklich großen Störfaktor angesehen waren.«
»Plebejer Careca, ich bin Ihnen dankbar für den Begriff ‚Drecksarbeit’. Das ist die Drecksarbeit, die meine Legion macht für uns alle. Wir sind von dieser Gruppierung auch betroffen. Diese sektiererische Gruppierung hat die Negierung von Tod und Zerstörung über die Welt gebracht, mit Lügen, mit angeblichen Wundern und pazifistisch verseuchten Reden auch aktuell hier vor Ort. Das wäre ohne jenen Sohn eines Zimmermanns und Führer jener Gruppierung nie möglich gewesen. Und Position zur Kreuzigung zu beziehen: meine Hände wasche ich in Unschuld von diesem Dreck ab.«

Interview #3:
»Guten Morgen nach München. Ich sitze hier am dritten Tag meiner Reise mit Leiter der Religionsabteilung ‚Christenheit‘, den Herrn Papst Innozenz III, und mit einem sehr, sehr schönen Blick auf den Vatikanischen Hügel mit seinen titanisch ausgeschmückten Religiotheken (Kirchen), wo sich immer Tausende Feierwütige bei Wein, Oblaten und Musik versammeln. Allerdings zu den aktuellen Geschehnissen könnte der Kontrast kaum schärfer sein und über dieses möchte ich jetzt mit dem Herrn Papst Innozenz III an diesem Christi-Himmelfahrt-Tag sprechen. Guten Morgen! Der gerade stattfindende Kinderkreuzzug ist in den aktuellen Zeiten in Hinblick auf Nächstenliebe ein schwieriges Thema. Ist das nicht sehr verlockend, dass ihr Kinderkreuzzug gegen Jerusalem jetzt die Drecksarbeit macht, für die christliche Nächstenliebe, gegen die Besatzer einer Stadt, die für sehr viele in der Welt als einen wirklich großen Störfaktor in Sachen Nächstenliebe angesehen waren.«
»Bruder in Jesus Careca, ich bin Ihnen dankbar für den Begriff ‚Drecksarbeit’. Das ist die Drecksarbeit, die die Kinder im Dienste der Nächstenliebe machen für uns alle. Wir sind von dieser Besatzern Jerusalems auch betroffen. Diese ungläubigen Ketzer haben Häresie und Blasphemie über die Welt gebracht, mit Raub, Mord und Totschlag auch bei deren Kindern. Das wäre ohne jene Raubmörder in Jerusalem nie möglich gewesen. Und da sollten wir unseren Kindern dankbar sein. Und jetzt reiche mir mal die Schale des Pontius Pilatus, um darin meine Hände in Unschuld von diesem Dreck dort abzuwaschen.«

Interview #4:
»Guten Morgen nach München. Ich sitze hier am vierten Tag meiner Reise, mit einem Kandesbunzler Fritze März und mit einem sehr, sehr schönen Blick auf den die letzten Internet-Meldungen. Allerdings zu den aktuellen Geschehnissen könnte der Kontrast kaum schärfer sein und über diese möchte ich jetzt mit dem Kandesbunzler an diesem Fronleichnam-Tag sprechen. Guten Morgen! Wasser predigen und Wein saufen ist in den aktuellen Zeiten ein schwieriges Thema. Ist das nicht sehr verlockend, dass Sie jetzt die Drecksarbeit machen, in ihrem privaten Weinkeller, Drecksarbeit, die für sehr viele in der Welt als einen wirklich großen Störfaktor angesehen waren.«
»Herr Careca, ich bin Ihnen dankbar für den Begriff ‚Drecksarbeit’. Das ist die Drecksarbeit, die ich jetzt selber mache für uns alle. Wir alle sind davon auch betroffen. Dieser Weinkeller droht zu verwässern, durch Wasserrohrbrüchen, Starkregen, übertretenden Flüssen und allen anderen Überflutungen, die meinen sauerländischen Weinkeller am ‚Schwarzen Felsen‘ bedrohen. Da muss ich trinkend gegen Schädigung der Weine vorbeugen. Und um es klar zu sagen: meine Hände wasche ich mit Wein in Unschuld von diesem Dreckwasser ab.«
»Herr Kandesbunzler, …«
»Und übrigens ist heute nicht Fronleichnam, Herr Careca. Da liegen Sie mal wieder völlig falsch. Heute ist Pfingsten, da spricht der Heilige Geist zu uns, insbesondere zu mir in meinem Weinkeller. Denn es heißt ‚in vino veritas‘. Und nicht ‚in aqua veritas‘, besonders nicht bei uns im Sauerland.«
»Ich hatte kein Latein in der Schule.«
»So. Mal Klartext für Sie Ungebildeten. Übersetzt heißt das, solange Wein saufen, bis die Wahrheit ausgekotzt werden muss, Sie Dummbeutel!«

——-

Als mein DeLorean stoppte und ich wieder vor dem unbeleuchteten Walmart stand, rissen mich so ein junger Schnösel und so ein alter Sack gemeinsam aus meinem DeLorean, schimpften unartikuliert, schubsten mich weg und machten sich dann mit dem DeLorean blitzsauber aus dem Staub.
Während ich noch verdattert auf die brennenden Autoreifenspuren starrte, kam ein anderer vierschrötiger Schnösel, stellte sich mir mit seiner rechten Faust in meinem Gesicht als ‚Biff‘ vor, nahm mir meine letzte Rote-Bullen-Blaudose ab, leerte sie in einem Zug, rannte los, den Autospuren hinterher, hob ab und flog dem DeLorean hinterher.

Enttäuscht saß ich allein auf dem riesigen Parkplatz, warmer Wind pfiff mir um die Ohren. Ich schaute betroffen, sah den Vorhang für mich zu und alle Fragen offen.
Wie gerne hätte ich heute noch paar bedeutenden Feldherren und Politikern nur wiederholt eben jene eine Frage gestellt …

Make Drecksarbeit great again.

Nur zu Besuch, bei einem AfD-Wähler

Schalker Barock, war mein erster Gedanke, als ich den Couchtisch vor mir sah. Ein Nierentisch, wie ich ihn früher öfters sah. Nur Schalke lag weit weg, also musste es sich hier um Freiburger Barock handeln. Dieses niedrige Glastischchen stand mit bunter Vielfalt an Zeitschriften, Papieren und geöffneten und ungeöffneten Briefen bedeckt direkt vor der hellen Couch. Sie stand raumgreifend vor der breiten Wand, vielleicht vier, fünf Meter lang, mit der obligatorischen Menschen-Ablagefläche, die wie eine Zunge sich in den Raum rausstreckte und nur in einer Richtung wies. Und richtig, in der Richtung stand montiert auf einem Ständer ein Fernsehschirm an der Wand gestellt. Kein großer Fernseher, vielleicht ein 40-Zöller oder so. Dessen Kabel liefen auf die Couchzunge zu und verschwanden unter ihr. Wahrscheinlich befand sich die Steckdose hinter der Couch. Die Fernbedienung des Fernsehers konnte ich zwischen den Kissen auf der Couch ausmachen. Um sie herum lagen vielleicht anderthalb Dutzend Kissen herum. Zerknautscht, zerknuddelt oder zerdrückt von hohem Körpergewicht. Einige der hellen Kissen wiesen Flecken auf. Andenken an Kaffee, Tee oder anderen Malheuren.

Lediglich an den beiden Enden der Couch befanden sich jeweils zwei dunkle Kissen, ordentlich, aufrecht, drapiert mit dem berühmten deutschen Handkantenschlag, zwecks obligatorischen Kniff in deren Mitte. Diese vier Kissen erschienen wie straff organisierte wilhelminische Soldaten, Parade stehend und auf deren Einsatzbefehl wartend. Sie kannten wohl noch jene vergangene Zeit, als die Couch gesäubert und geordnet war. Es musste einige Zeit vergangen sein, denn ich glaubte, eine leichte Staubschicht auf denen zu erkennen.

Zwischen all den Zeitschriften und Papieren auf dem Couchtisch machte ich einen Teller mit Brotkrümeln aus. Daneben stand eine fast leergetrunkene Kaffeetasse mit einem Löffel drin. Der Rest Kaffee krustete am Boden und Rändern der Tasse und wartete auf den Abräumdienst des Hauses. Eine Zeitschrift lag umgedreht davor. Compact.

»Du liest Compact?«

»Man muss sich informieren.«

»Aber Compact …«

»Ich lese auch andere, nicht nur solche. Im Internet gibt es auch sehr interessante Magazine und Blogs, die wirklich lesenswert sind.«

»Aber …«

»Nur Mainstream-Medien lesen, echt jetzt, da verblödet man literally, das wollen die doch. Darum lese ich andere. Das heißt aber nicht, dass ich alles glaube, was ich lese. Klar, die machen ebenfalls deren Framing und Compact glaube ich auch nicht alles. Aber die schreiben tendenziell ehrlicher als die anderen, welche versuchen, mit deren Framing per Zeitung und Fernsehen ihre Ansichten in uns reinzupeitschen.«

»Das glaube ich nicht.«

»Das ist keine Sache des Glaubens, sondern des Wissens.«

»Du redest wie BILD-Zeitungsleser, die sagen, dass sie wüssten, dass BILD vorsätzlich belügt. Nur, der Sport-Teil sei super und zudem habe BILD den Finger am Puls der Zeit, was deren Überschriften doch klar beweisen würden, meinen die.«

»Dein Vergleich ist Quatsch!«

»Du liest BILD?«

»Natürlich nicht. Mainstream. Und nebenbei gesagt, der Sport-Teil von denen hat ja auch nachgelassen.«

»Aber dafür Compact, oder? Haben die auch einen Sport-Teil?«

»Also deine Ironie ist daneben, tatsächlich. Hast du mal ein Heft vom Elsässer gelesen?«

»Elsässer?«

»Ja. Ein kluger Kopf. Der wurde aber in der Pandemie zusammen mit Wodarg und anderen niedergemacht. Nur weil die nicht den Quatsch der Mainstream-Medien nachgeplappert hatten, sondern deren eigenen Kopf benutzt hatten. Und das konnte die nicht leiden und daher ihn und seinesgleichen permanent unsachlich ruf gemeuchelt.«

»Hm.«

»Die sprechen nun mal die unbequemen Wahrheiten aus, die andere nicht wahrhaben wollen. Und ich sag dir, es ist die Mehrheit in dieser Bevölkerung, die so denkt, nicht nur ich. Aber die da oben, wollen es nicht wahrhaben und ignorieren uns. Aber wir haben auch unsere Wege, die Realität zu erkennen und weiterzugeben.«

»Bist du sicher, dass es die Mehrheit ist? Anfang dieses Jahres gab es über Millionen, die auf die Straße gingen, um gegen solche irrigen Wahrheiten aufzustehen und zu demonstrieren.«

»Millionen? Weißt du, wie viel es hier hat? 83 Millionen. Damit erreichen deine Millionen vom Jahresanfang nicht mal die 5%-Hürde.«

»Die Millionen, die auf die Straße gingen, kannst du aber nicht vernachlässigen.«

»Eine Abstimmung mit den Füßen hat noch nie die Mehrheit repräsentiert. Du erinnerst dich doch auch noch daran, als wir beide in den 80ern gegen den NATO-Doppelbeschluss auf die Straße gingen. Erinnerst du dich noch an die Fünfhunderttausend 1982 auf der Rheinwiese in Bonn? Da dachten wir doch tatsächlich, wir wären literally die Mehrheit der Bevölkerung, der restlichen 60 Millionen. Nur leider haben Forscher mittlerweile eindeutig die Realität festgestellt, dass die Mehrheit der Bevölkerung für den NATO-Doppelbeschluss war, und jene Fünfhunderttausend 1982 auf der Rheinwiese in Bonn lediglich mehr Krach gemacht haben als die Mehrheit der 60 Millionen-Bevölkerung. Und dass die Pazifisten tatsächlich Träumer waren. Und heute ist es genau so, und nicht anders. Schau dir doch die Realität an und hör auf, Fantasiegebilden hinterherzulaufen.«

»Das war damals kein Fantasiegebilde.«

»Jajaja, ich weiß doch: you may say, I’m a dreamer, but I’m not the only one, I hope someday you’ll join us and the world will live as one. Altbekannte Leier der Pazifisten und Realitätsverweigerer.«

»Das war mehr als das. Es ging um die Zukunft.«

»Zukunft? Träumereien. Wir leben in der Realität und die ist das, was beispielsweise in Solingen letzter Woche passierte. Tote und Verletzte durch einen Messerstecher eines Asylanten aus Syrien.«

»Messerstecher kommen auch aus Deutschland.«

»Ironischerweise ist ja Solingen gerade wegen seiner Messerqualität weltweit bekannt geworden, nicht wahr? Solinger Qualität. Aber jene unschuldig gemesserten Opfer hätten alle vermieden werden können, wäre er konsequent ausgewiesen worden. Oder jene Messerstecher gar nicht erst hereingelassen.«

»Vergiß nicht, Solingen wurde auch bekannt durch Rechtsextremismus, als Rechtsextreme dort per Brandanschlag fünf Tote und erheblich mehr Verletzte hinterließen.«

»Du willst doch hier nicht das bisschen deutsche Rechtsextremismus mit den illegalen, marodierenden Asylanten hier in Deutschland vergleichen, oder? Solingen letzer Woche war kein Einzelfall. Messernde Islamisten als Asylanten verkleidet traten doch schon mehrfach in Aktion. Hätte der CIA nicht aufgepasst, hätte es letztens bei dem Taylor-Swift-Konzert in Wien ne Katastrophe mit Zehntausenden Toten gegeben.«

»Illegale, marodierende Asylanten? Was ist jetzt das für ein Framing? Compact? Oder AfD? Und, die verhafteten Verdächtigen waren Österreicher, keine Asylanten.«

»Das waren keine Bio-Österreicher, sondern islamistische Immigrationskinder. Und was soll das überhaupt mit deinem ‚Framing‘? Was ist das für ein Framing, das Wort ‚Rechtsextremismus‘ so inflationär mit Zeitschriften oder Parteien zu verwenden? Ich sage dir, was das ist: Mainstream-Gelaber, so wie dieser Gender-Mainstream-Quatsch, mit denen wir weichgespült werden sollen, nur weil so kleine Grüppchen hier im Lande deren Süppchen kochen und uns damit deren Willen aufzwingen wollen.«

»Und deswegen wählst du jetzt AfD?«

»Politik lebt vom Mitmachen. Nur Politikverdrossene gehen nicht wählen. Wenn die herkömmlichen Parteien sich der Realität versagen, dann müssen die damit leben, dass die niemand mehr wählt. Wir sind halt die Mehrheit, weil wir uns informieren und nicht indoktrinieren lassen.«

»Und du bist sicher, dass du nicht durch deine Nicht-Mainstream-Medien manipuliert wirst?«

»Es ist wie mit dem Immunsystem. Wenn du es nicht trainierst, wirst du anfällig für Krankheiten. Und Informationen sind das Training für eine gesunde Immunität des Verstandes. Wer sich nicht informiert, wird krank im Kopf.«

»Das Immunsystem kann man nicht trainieren, es funktioniert nicht wie ein Muskel. Immunität kann man nicht trainieren. Wer hat dir denn diesen Quatsch erzählt?«

»Versuch mal selber zu denken und stopfe nicht alles in dir rein, was dir vorgekaut wurde. Dann wirst du merken, wer hinter solchen Aussagen steckt. Zum Beispiel die pharmazeutische Industrie, damit alternative Behandlungsmethoden keine Chance haben, deren Profit zu gefährden. Das ist Fakt und funktioniert bei dir doch wunderbar, wie ich sehe. Du denkst nicht, sondern gibst zu denken. Trainiere mal selber zu denken und du wirst die Realität erkennen.«

Ein Reihenhaus. Ein stinknormales Reihenhaus mit kleinem Schottervorgarten. Er hatte es von seinem Vater geerbt. Zusammen mit dem Geld. Sein Leben erfuhr urplötzlich eine Wendung um 180 Grad. Eigentlich könnte man sagen, bis in seine Rente hinein hat er wohl ausgesorgt.

Ich schaute die Straße hinab. Parkverbotsschilder überall, nur Anwohner mit Parkerlaubnis dürfen parken.

Er hatte seine Biotonne an den Straßenrand geschoben. Köpfe verwelkter Lilien schauten heraus. Dicke Brummer nutzten die Lücke zwischen gelbem Deckel und brauner Tonne, um sich im Dunkeln der Tonne mit allem Nötigen an Stinkendem und Verwesendem zu versorgen.

Vor seiner Garage glänzte ein neuer Klein-SUV vor sich hin. Hochglanzpoliert. Was für ein Unterschied im Leben. Vor vierzig Jahren besaß er kein Auto und schwor darauf, nie eine dicke Karre fahren zu wollen. Und kein Leben im Freiburger Reihenhaus wie seine Eltern. So bieder und so konservativ. Damals war er noch reichlich unsesshaft unterwegs.

Zeiten ändern sich. Menschen auch.

Ich ging zur Bushaltestelle.

Kein Blick zurück.

Auf dem falschen Dampfer …

Schon wieder eine Nachricht, die auf Migrationen blicken lässt. Es passierte diesmal unweit der Insel Lampedusa, welche durch FRONTEX vom südlich gelegenen Festland gegen illegale Bootspassagiere abgeschirmt wird, um sie am Betreten des EU-Gebiets zu hindern.

Also unweit Lampedusa, so in etwa 180 Seemeilen entfernt, ist wieder so eine Nussschiff von geldgierigen Schleusern mit Nicht-EU-Angehörigen gesunken. Von den 22 Leuten an Bord dieser Nussschale überlegten lediglich 15 im Meer, 7 Nicht-EU-Angehörige starben.

Aus gut unterrichteten Kreisen musste für die Nussschale wohl die stolze Summe von 35 Millionen Euro gezahlt werden. Das bedeutet bei 22 Passagieren also 1,6 Millionen Euro pro Kopf. Verkauft wurde die Nussschale wohl von einer Gruppe, die firmenmäßig organisiert Gruppen auf diese Nussschale schleppt, um sie dann einzuschiffen. Wie man erfuhr haben davon lediglich zwölf Passagiere zehn weitere Menschen zur Navigation und Organisation der Nusschale zugeladen. Das bedeutet somit eigentlich, dass die zahlenden Opfer wohl 1,9 Millionen Euro beglichen haben mussten. Darüber hinaus wurde auch bekannt, dass einer der jetzt Vermissten ein Milliardär gewesen sein soll. Daher wird es immer klarer, dass die Flüchtlinge wohl sehr vermögend waren, als die deren Schlepper für die illegale Immigration bezahlt …

Moment.

Ich erhalte gerade eben neue Informationen.

Oh je, eine unglückliche Falschmeldung, ein kleines Missverständnis. … sozusagen, ein kleiner Schritt auf dem Holzweg im Ozean der Informationen, Gott, sei Dank, rechtzeitg erkannt …

Es handelte sich nicht um Bootsflüchtlinge. Sondern um unschuldige Touristen. Ein tragischer Unfall mit einer super modernen 50-Meter-Luxusyacht. Das Boot wurde auch nicht gekauft, sondern es wurde lediglich angemietet, mit der zehnköpfigen Crew. Bei einer seriösen Agentur für Touristen. Und dann kam so ein wirklich schicksalhaftes Unwetter mit Tornado vor Sizilien und versenkte diese Yacht einfach mal so dir-nichts-mir-nichts. Der Ursprung des Tornados ist noch unbekannt. Man muss wohl von einer seltenen Wetteranomalie ausgehen, die diese tieftraurige Tragödie auslöste. Ja, und auch ein bedeutender Milliardär mit Wirtschaftskompetenz gehört wohl auch zu den Todesopfern.

Tragisch, traurig, tragisch. Welch ein Drama.

Aber zumindest wurden Kinder gerettet. Eines sogar von deren Mutter, die das Kind im Wasser über selbiges hielt, bis ein anderes Boot die Gekenterten aufnahm und rettete. Nähere Details erfahren Sie heute Abend bei »RTL-Aktuell«, »SAT-1 newstime« und »Pro-7 newstime« mit exklusiven Bildern der jeweiligen Reporter-Teams. Eventuell auch ein Exklusiv-Interview mit jener Mutter und einem Seewetterexperten aus Sizilien.

Im Anschluss daran gibt es übrigens eine neue Folge der Wiederholungssendung »Goodbye Deutschland! Die Auswanderer«. Oder sollte irgendwer mehr auf das wirklich Reale, das Aufregende, auf Gossip und Realität Wert legen, der kann auch bei »Ich bin ein Star – Showdown der Dschungel-Legenden«. Alle anderen können ja die Öffis einschalten und sich von denen einlullen lassen.

Guten Abend …