Was Deutsche Bank und eine pauschal eingekaufte Kiste Äpfel gemein haben

Es gibt Auktionen, da weiß niemand genau, worauf geboten wird. Der Gegenstand steht vor einem und niemand kann sagen, worum es dabei wirklich geht, außer um Geld. Lediglich der Materialwert des Gegenstands ist abgeschätzbar. Solche Versteigerungen haben etwas von gezieltem Zocken. Da wandern bis zu 500 Euro vom Bietenden zum Versteigernden. Und wenn der Bietende seinen Gegenstand öffnet, könnte es nur ein Koffer voll dreckiger Unterwäsche sein. Oder auch hochwertige Parfums, Digitalkameras, Laptops oder gar Bargeld.
Die Rede ist hierbei von Kofferversteigerungen (Termine des Auktionshaus WENDT hier). Das Bieten bei diesen Auktion ist reines Zocken. Ein bisschen Nervenkitzel für risikobereite Leute mit überzähligem Geld. Entweder gibt es wertlosen Müll oder der Inhalt der Koffer kann gewinnsteigernd zu Geld gemacht werden. Da sind locker Renditen sogar jenseits der 1.000-Prozentmarke möglich. Von solchen Renditen träumen viele Menschen.

Auf manchen Wochenmärkten kommt es kurz vor Schließung immer wieder zu begehrten Angeboten. Der Marktstandbesitzer will seine Ware loswerden und sucht seine Käufer. Ich erinnere mich noch an die 15-Kilo-Kiste Äpfel vom Bodensee für 5 Euro. Das erschien mir wie ein Schnäppchen, auch wenn der Marktstandbesitzer mich darauf hinwies, dass die Kiste bestimmt paar Äpfel haben würde, die faul wären. Aber ich könnte sie immer noch für Apfelkompott verwenden. Zu Hause fand ich dann heraus, dass ich von den 15-Kilo nur ein Viertel zum Einkochen verwenden konnte. Nicht nur wegen Fäule sondern auch wegen Wurmstichigkeit. Meine anfängliche Begeisterung war danach verflogen. Ich hatte eine sehr schlechte Rendite gemacht.

Die Finanzwirtschaft hat in den Jahren 2003 bis 2007 bewiesen, dass sie die Kombination der Geschäfte aus Kofferversteigerungen und Wochenmarkthandel perfekt beherrscht. Am Ende der ganzen Geschäfte entwickelte sich daraus im Jahr 2008 eine Krise, unter deren Auswirkungen und politischen Fehlentscheidungen die weltweiten Wirtschaften noch immer leiden.
Finanzdienstleister in den USA vermittelten Häuser und Grundstücke an Bürger, welche mit Versprechen auf sehr gute Renditen für die Zukunft gelockt wurden. Jene Hypothekenverträge wurden von Vermittlern aufgekauft, dann entsprechend gebündelt und verbrieft, und mittels Verträgen bei anderen Finanzdienstleistern rückversichert. Denn sollten die Hypothekenzahlungen ausfallen, dann wollten die Vermittler der Kredite nicht lediglich eine Immobilie mit weniger Gegenwert besitzen. So war die Anfangsintention.
Diese sogenannten „Kreditausfallsicherungen“ wurden jedoch bald darauf als Spekulationsgut mit sicherer Rendite gehandelt. Rating-Agenturen bewerteten diese schließlich. Das Paket wurde dann als CDO („Collaterialized Debt Obligations“, sogenannte Kreditderivat-Pakete) auf den Finanzmarkt zum Kaufen angeboten.

Wie eine Kiste Äpfel sozusagen. Niemand wollte dann genau wissen, was in die CDOs gebündelt war, sondern lediglich welche Rating-Bewertung das Bündel erhalten hatte. Das Fatale war, dass sich die Rating-Agenturen auch nicht sonderlich für den Inhalt interessierten, sondern eher das Rating als Bewertung des Ursprungsfinanzverkäufers setzten. Allerdings, je besser ein Paket bewertet war, desto höher wurde sein Wert und die zu erwartende Rendite. Basis all dieser Geschäfte war die unreflektierte Annahme, dass Immobilien in den USA sich in ihrem Wert steigern würden.

Der Finanzmarkt wollte immer mehr CDOs als Spekulationsobjekte also wurden immer mehr Hypothekenkredite an den Mann gebracht. In den USA öffneten überall kleine Büros, wo der Bürger Kredite abschließen konnte, um sich eine Immobilie zu kaufen. Der Kreditnehmer wurde dabei auch gar nicht mehr analysiert, ob er je fähig war, seine monatlichen Raten zu bedienen. Wozu auch?

Das große Glaubensbekenntnis lautete folglich in etwa: Kauf eine Immobilie für 100.000 US-$ mit einem Kredit im Werte von 130.000 US-$. Wenn dann die Immobilie die 130.000 US-$ überschritten hat, kann die Restschuld durch Verkauf der Immobilie beglichen werden und es bleibt ein satter Gewinn für den Kreditnehmer. Und auch der Kreditgeber würde seinen Gewinn einfahren. Jedoch nur, wenn sich die Voraussetzung, dass sich Immobilien in den USA in ihrem Wert steigern, nicht ändern würden.

Diese eindeutige win-win-Situation löste eine Goldgräberstimmung aus. Wie gesagt, überall in den USA öffneten in den Jahren 2006-2007 Immobilienkreditbüros. Unterdessen waren andere Finanzdienstleister weltweit aufgewacht und wollte an diesem Geschäft über CDOs auch ihre Gewinne ziehen. Um diesen wachsenden Markt der kaufwilligen Finanzdienstleister zu bedienen, wurden Kredite wie Konfetti verteilt. Eine Liquiditätsprüfung der Kreditnehmenden wurde nicht durchgeführt.

Jedoch war der Markt bald darauf gesättigt. Die ersten Kreditraten wurden nicht mehr bezahlt, die dazu gehörigen Immobilien konnten nur noch unter Wert verkauft werden, die Immobilienpreise fingen an zu fallen. Nicht zurück gezahlten Kredite bedeuteten, dass die Kreditausfallversicherungen in Anspruch genommen wurden. Während die Immobilienbesitzer ihr Geld verloren, schaukelte sich ein gewaltiger Tsunami vor den Küsten der Finanzmärkte auf. Denn auch die Kreditausfallversicherungen konnten nicht mehr direkt bezahlt werden, weil das Geld in weitere CDOs investiert worden war. Die falschen Wertannahmen der CDOs sollten dazu führen, dass die toxische Eigenart dieser CDOs deutlich werden sollte.

Mit den geschaffenen CDOs hatte sich ein neuer Parallelmarkt aufgetan. Auf diesem Markt wanderten die CDOs wie Kisten von Äpfel umher. Die fallenden US-Immobilienpreise führten dazu, dass alte CDOs aufgeschnürt wurden und zu neuen zusammen gebündelt wurden, von den Rating-Agenturen in Relation zu dem vorher aufgeschnürten CDO bewertet wurden und dann wieder verkauft wurden. Hierbei wurde zu jedem Verkauf ein Gegenkauf aufgemacht. Das bedeutete, dass dem Gewinn des Käufers ein Verlust des Gegenkaufs gegenüberstand. Auf Deutsch: der Käufer ging eine Wette auf Wertsteigerung der CDO-Papiere ein, während eine andere Partei auf den Wertverlust dieser hin wettete. Ein Null-Summenspiel, bei dem aber der einen Partei der Verlust der anderen dessen Gewinn sein würde.

Um mehr Wetten zu ermöglichen, sortierten bestimmte Finanzdienstleister also die Kiste der Äpfel aus: es wurde in dreiviertel-faule, halb-faule und etwas faule Äpfel klassifiziert und dann bewertet. Danach wurden die dreiviertel-faulen Äpfel in „schlechte“ und „nicht-ganz-so-schlechte“ Äpfel getrennt. Die „nicht-ganz-so-schlechte“ Äpfel erhielten zu den „schlechten“ Äpfel ein besseres Rating und fanden ihre Käufer. Während anfangs – so wie ich zuvor auf dem Wochenmarkt eine Kiste Äpfel – die CDOs pauschal eingekauft wurden (in der Hoffnung es spränge ein ordentlicher geldwerter Vorteil heraus), wurde danach die CDOs auf deren Wertigkeit hin geprüft und gewinnbringend erneut zusammen gestellt.

Die besten Geschäfte am Finanzmarkt mit diesen CDOs machten allerdings nicht die Verkäufer oder Käufer sondern deren Zwischenhändler mit ihren Verkaufsprovisionen. Und die Welt kaufte. Goldman Sachs, Merril Lynch, Deutsche Bank, Société Générale, Citigroup, HSBC und Bear Stearns mischten fleißig im Verkaufsgeschäft mit. Die Verkaufsprovisionen waren deren Ziel. Unkundige Kaufwillige gab es zuhauf.

Auch aus Deutschland meldeten sich gierige Käufer: IKB, Hypo Real Estate, Commerzbank, KFW Bank,usw. usf. mischten fleißig mit und stapelten diverse CDO-Wertpapiere in ihren Tresoren, die zu deren Niedergang führen sollten. Diese Banken prüften nicht den Inhalt sondern lediglich das Rating der CDO-Papiere. Diese kauften sie mit dem Ziel deren betriebliche Renditen zu steigern.
Die Rating-Agenturen stiegen in jener Zeit zugleich zu Halbgötter des Finanzmarktes auf. Ihre Macht beeinflusst die heutige Politik mehr als Bürger ihre Demokratien durch deren Wahlrecht beeinflussen können.

Die Immobilienpreise fielen, Kredite wurden nicht mehr bezahlt, das aufgebaute Finanzmodell-Kartenhaus fiel zusammen und gleichzeitig verloren die CDOs ihren Wert: aus anfangs „hochpotente“ Wertpapiere wurden danach „toxische“ Wertpapiere.
Banken bekamen Geldsorgen und das gesamte Kreditwesen geriet ins Stocken. Am Ende schwappte die Kreditkrise auf das produzierende Gewerbe über. Die Wirtschaft wurde ausgebremst und die Anzahl der Insolvenzen, Kurzarbeitenden und Arbeitslosen stieg. Die Mortgage-Krise hatte auch diejenigen erreicht, die sich mit dem Wertpapierwesen kaum beschäftigt hatten. Gewinner waren diejenigen, die gegen die CDOs gewettet hatten, weil sie bereits zuvor feststellten, dass der Tag des Crashes für sie zu derer eigener Zahltag werden müsste. Blauäugigkeit von spekulierenden Banken gegen die profunden Analysen einiger Hedgefonds (wie beispielsweise der „Hedgefond Paulson“) gefördert durch die Verdiener an den Vermittlungsprovisionen. Eine Art Armageddon der Zocker, ein Tsunami baute sich im Finanzwesen auf: die Mortgage-Krise 2008 nahm ihren Lauf.

Wie diese Woche die Presse berichtet, erreichen die Ausläufer der Mortgage-Krise nun auch die Deutsche Bank. Die US-Aufsichtsbehörde FHFA will das Geld, welches sie zur Rettung von zweier Hyptothekenfinanzierer „Fannie Mar“ und „Freddie Mac“ Ende 2008 benötigte, von denjenigen Banken (u.a. Bank of America, JP Morgan Chase, Goldman Sachs) zurück, die an den Verkaufsprovisionen der CDOs sehr gut verdienten. Die Argumentation beruht darauf, dass u.a.a. die Deutsche Bank unlauterer Hypothekengeschäfte (falsche Angaben über die Kreditwürdigkeit der Schuldner) getätigt haben sollen.

Die Deutsche Bank gibt sich betont gelassen. Sie bleibt ostentativ unberührt trotz eines CDO-Emissionsvolumen von 8,9 Milliarden US-$ zwischen Juli 2006 und Dezember 2007. Und das selbst bei der berühmt berüchtigten Personalie Greg Lippmann, welcher für die Deutsche Bank diesen Handel mit chinesischen Rechenkünstlern (u.a. Eugene Xu) antrieb und durchführte. Während bereits bei den Hedgefonds bekannt war, dass bestimmte CDOs von minderer Qualität waren, wurden gerade diese wie frisches Brot verkauft. In dem Buch „The big short“ von Michael Lewis wird ein Verkäufer zitiert, der Greg Lippmann fragte, wer sich denn für diese toxischen Papiere interessiere, als Antwort „Düsseldorf“ erwidert bekam („Whenever we’d ask him who was buying this crap“, said Vinny, „he always just said ‚Düsseldorf‘.“)

Die offene Gelassenheit der Deutsche Bank kann in zweierlei Hinsicht interpretiert werden: einerseits steht damit die Vermutung in Raum, die Deutsche Bank sieht sich im Sinne der Anklage als unschuldig an.

Die andere Seite erscheint mir aber wesentlich realer:
Die Deutsche Bank beteiligte sich erst in der zweiten Hälfte der Finanzzockerei am Immobilienmarkt. Die Deutsche Bank war durch die Renditeaussichten angelockt worden („Geld geht immer zu Geld“). US-Banken wie Goldman Sachs, Merril Lynch (wurde von der Bank of America in einer Rettungsaktion während der Krise übernommen), Citigroup und Bear Stearns (wurde ebenfalls in einer Rettungsaktion während der Krise von der Bank JP Morgan übernommen) waren zu jener Zeit bereits am Markt emsig erfolgreich tätig.

Das war einer amerikanischen Bundesbehörde nicht entgangen. Im September des Jahres 2004 hatte bereits die amerikanische Bundespolizei, das FBI, den amerikanischen Kongress vor einer Epidemie von Hypothekarbetrügereien und als Folge davon vor eine wirtschaftlicher Krise gewarnt.

Die Bank „Lehman Brothers“ als Hypothekenfinanzierer hatte sich mit seiner Tochter „Aurora“ (Hypothekenaufkäufer) darauf spezialisiert, Immobilienkredite von Kreditvermittlern und Kreditgebern aufzukaufen. „Lehman Brothers“ verbriefte die von seiner Tochter „Aurora“ aufgekauften Kredite und machten diese als CDOs für die US-Banken handelbar. „Lehman Brothers“ machte mit diesem Geschäft riesige Gewinne und zahlte beachtliche Boni an seine Führungsmannschaft aus.

Basis für „Lehman Brothers“ war das Geschäft, immer mehr potentielle private Käufer in den Immobilienmarkt zu ziehen und jenen entsprechend Kredite zu geben, um sich diese abkaufen zu lassen, um den Finanzmarkt damit zu füttern. Hierbei spielte die Bonität der privaten Kreditnehmer nicht mehr die Rolle, wie sie vorgeschrieben ist, dass diese zu prüfen wäre. Es ging nur um die Generierung von Auftragsvolumen mit allen Mitteln und den aus den Kreditverkäufen zu erzielenden Renditen.

Diese ungehemmte, vom FBI als „betrügerisch“ klassifizierte Kreditvergabe kurbelte die Nachfrage nach Immobilien an, der Preis stieg. Bis letztendlich die Nachfrage einbrach, weil keine weiteren betrügerischen Kredite vermittelt werden konnten und die ersten Kredite nicht mehr zurück gezahlt wurden. Die Immobilienpreise fielen wegen Überangebot.
Infolge dieses Preisverfalls kamen die ersten Käufer der CDOs zu „Lehman Brothers“ und pochten auf das vertragliche Recht, dass „Lehman Brothers“ deren toxische CDOs zurück zu kaufen hätte. „Lehman Brothers“ musste entsprechende Geldmittel aufbringen und ging somit Pleite, während andere zufrieden auf deren prall gefüllten Geldbörsen blickten.
Das ganze könnte als Geschäftsmodell „Pleite zur eigenen Gewinnmaximierung“ beschrieben werden.

Hypothekenfinanzierer wie „Lehman Brothers“ waren auch „Fannie Mae“ und „Freddie Mac“. Die letzteren beiden kauften von der „Citicorp“ Kredite, welche nach dem gleichen Modell wie von „Aurora“ dem Verbraucher untergejubelt wurden. „Citicorp“ verkaufte diese Kredite an „Fannie Mar“ und „Freddie Mac“ mit dem Hinweis, diese Kredite entsprächen bei deren Abschluss den regulären Anforderungen an Kreditnehmern. Die durch die „Citicorp“ Kredite wurden an die Hypothekenfinanzierer verkauft. Sie stellten sich als genauso toxisch wie die Kredite heraus, die auch „Lehman Brothers“ verkaufte.
Beim Platzen der Immobilienblase liefen die CDOs zurück: „Fannie Mae“ und „Freddie Mac“ verlangten ihr Geld von der „Citicorp“ zurück. Nur die „Citicorp“ zahlte nicht. „Fannie Mae“ und „Freddie Mac“ hatten keinen so langen finanziellen Atem Verluste zu ertragen wie die „Citicorp“. Die Pleite von „Fannie Mae“ und „Freddie Mac“ stand vor deren Tore.

Im Gegensatz zu „Lehman Brothers“ wurde „Fannie Mae“ und „Freddie Mac“ mittels Staatsmittel vor dem Kollaps gerettet. Hintergrund war dabei, der „Citicorp“ Luft zu verschaffen. Denn auch die „Citicorp“ war in erheblicher Schieflage geraten und die Forderungen der beiden anderen Banken hätten diese versenkt. Letztendlich musste aber das Geld der amerikanischen Steuerzahler nicht nur für „Fannie Mae“ und „Freddie Mac“ herhalten, sondern es wurde ebenfalls dazu verwendet, auch die finanzielle Lage der „Citicorp“ zu stabilisieren.

Bereits frühzeitig hatte die amerikanische Wertpapieraufsicht SEC festgestellt, dass „Fannie Mae“ und „Freddie Mac“ systematische Bilanzfälschungen betrieben hatten. Somit waren also deren Geschäfte bereits auf nicht legaler Basis abgearbeitet worden. Eine Strafe dazu blieb allerdings aus. Ebenso fand bislang keine gerichtliche Ahndung der Kreditvergabepraxis statt, welche viele Privatpersonen mit Eigenheim-Wunsch in den Ruin trieb. Das ganze Geschäft mit den Hypotheken-Krediten könnte auch als ein einziges betrügerischen Geschäfts mit dem Ziel zur Gewinnmaximierung auf Kosten der Kreditnehmer und anderen Unwissenden betrachtet werden.

Die „Deutsche Bank“ kann also einer Anklage ruhig entgegen sehen. Denn sollte sich im Laufe des Prozesses heraus stellen, dass die ganze Kreditvergabe betrügerische Grundlagen hatte, welche erstens sogar dem amerikanischen Kongress bewusst war, und dass gerade jene Kredite danach als „saubere“ Kredite verkauft wurden, dann wird das ganze Gerichtsverfahren in einer win-win-Situation enden: in einem Vergleich. Und beide Parteien (Kläger und Angeklagter) werden sich als moralische Sieger und moralisch Geläuterte präsentieren können.

Nur einer wird weiterhin nichts gewonnen haben: der US-Steuerzahler (soweit er aufgrund eines vorhandenen Jobs überhaupt direkte Steuern zahlen kann).

Nebenbei:
Der Druck in der amerikanischen Bevölkerung dieses Verfahren gegen Banken Bank of America, JP Morgan Chase, Goldman Sachs und Deutsche Bank einzuleiten, kommt aus der Bevölkerung. Die Unzufriedenheit über das laxe Vorgehen gegen die Nutznießer der „Mortgage“-Krise war zu hoch geworden. Nachdem Finanzinstitute wie „AiG“, „Fannie Mae“ und „Freddie Mac“ staatliche Gelder zur Vermeidung eines Kollaps erhielten, hatten alle jene Banken von ihrem vertraglichen Recht Gebrauch gemacht, und ihre toxischen CDO-Wertpapiere an jene Hypothekenfinanzierer zurück gegeben, wofür erweiterte staatliche Finanzmittel erforderlich wurden. Dadurch wurden deren Bilanzen korrigiert und aufgrund dieser verbesserten Werte hohe Bonuszahlungen ausgeschüttet. Und das obwohl alle sehenden Auges CDO-Geschäfte tätigten, um entsprechend an diesen toxischen Papieren zu verdienen.

Und dann gab es noch einen weiteren Fall, welches die US-Bevölkerung mit Verbitterung erfüllt hat:
Der Automobilhersteller GM hing vor der „Mortgage-Krise“ bereits von Krediten der Banken ab. Die dominate Stellung auf dem Weltmarkt verhinderte bis zum Ausbruch der Krise immer, dass aus der Schieflage ein Kentern wurde und das Kreditgeld von den Banken floss. Als in Folge der „Mortgage“-Krise die Banken keine Kredite mehr vergaben und auf Rückzahlung pochten, drohte GM endgültig zu kentern und zu sinken. Die amerikanische Regierung sprang wie zuvor den Banken auch der GM mit beträchtlichen finanziellen Geldern bei und rettete GM vor dem endgültigen Bankrott. GM ging in die Insolvenz und befreite sich von einem Großteil der Schulden bei deren Gläubiger (Lieferanten). Nur eine der ersten faktischen Handlungen, die GM mit den staatlichen Geldern ergriff, war die Auszahlungen der Bonus-Zahlungen an die GM-Führungskräfte. Dieses löste einen starken Aufschrei in der US-Bevölkerung aus, welchen die Politik hilflos zuhören musste und ihnen in deren Ohren nach hallte.
Als dann letztens GM die staatlichen Mittel 1:1 zurück zahlte (finanziert durch neuerliche Bankenkredite), verbesserte das nicht wirklich die Stimmung innerhalb der US-Bevölkerung gegenüber GM. Die US-Bevölkerung betrachte das mit einer Art ohnmächtigen Zynismus. Zumal das Ganze ein weiteres Mal auch daran erinnerte, dass bestimmte Kreise ganz gut mit staatlichen Hilfen die eigene Geldbörse aufpolstern konnten.

Somit kommt der Einleitung der Prozesse gegen jene Banken, die mit der Mortgage-Krise 2008 gut verdienten, auch eine symbolische Bedeutung zu: „Wir tun was“ soll der US-Bürger aus der Aktion lesen.

Vielleicht hilft es, dass durch jene Anklage der US-Bevölkerung beim Vergessen geholfen wird, dass eine Kerngruppe amerikanischer, globalisierter Banken immer gern zu finanztechnischen Beratungsgesprächen bei Krisen ins Weiße Haus eingeladen wird und auch ansonsten pausenlos ein- und ausgeht.

Schlecht wäre es selbstverfreilich, würden gerade diese Banken und deren Mortgage-Krise-auslösende Kreditvergabe-Gebahren untersucht und strafrechtlich beurteilt. Die amerikanische Regierung würde zweifelsohne den Ast absägen, auf dem die Banken sie sitzen lässt, könnte mit Wohlwollen gesagt werden. Treffsicherer würde es sein, würde ich aber den folgenden Satz als Kommentar schreiben:
„Die eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.“

Warum ich für den letzten Satz das Konjunktiv verwendet habe?
Eigene Unwissenheit. Denn vielleicht ist die eine Krähe ja schon blind. Dann wäre es Essig für jene mit dem Augenaushacken bei der anderen Krähe …

Aber vielleicht verglich ich in diesem Beitrag auch einfach nur faule Äpfel mit verdorbenen Birnen und liege daher mit meiner Vermutung auch nur komplett falsch. Die Zeit wird es zeigen.

Ertrage die Clowns (1): Norwegen und seine Interpreter

Im Jahr 1949 steckte sich der junge Joachim Fest einen Zettel ins Portemonnaie, den er bis zu seinem Tode mit sich führte. Auf dem Zettel stand der Satz:

„Ertrage die Clowns!“

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Das Attentat des bekennenden Christen lässt wohl allgemein vorgeschobene Ratlosigkeit bei den Journalisten zurück. Wäre er ein Islamist gewesen, die Welt wäre so einfach zu erklären gewesen. Aber es war ja kein Pluderhosenträger sondern jemand, der die Freiheit Europas verteidigen wollte. Das passt vielen ganz und gar nicht ins derzeitige Konzept. Wie schrieb die rechtsgerichtete Internetplattform „PI“ (Quelle des folgenden Zitats ist die Internetseite http://www.pi-news .net):

Im heute viel diskutierten Manifest des norwegischen Terroristen Breivik kommt auch ein Auszug aus einem Interview Henryk M. Broders vor. Der Tagesspiegel kontaktierte Broder darauf in England, wo er sich gerade aufhält, und fragte, wie er sich dazu stelle und ob er sich Sorgen mache. Broders Antwort:
“Das einzige, worüber ich mir Sorgen mache, ist, woher ich Ersatzteile für meinen Morris Traveller aus dem Jahre 1971 bekomme. Sogar in England werden die Teile knapp.”
Eine sehr gesunde Einstellung meiner Ansicht nach!

Weitere Irrungen und Wirrungen der Glaskugelleser finden sich auf den folgenden Internetseiten hier (http://www.bildblog.de/32127/vorzeitiger-mutmassungserguss/) und hier (http://www.stefan-niggemeier.de/blog/feiges-journalistenpack/) trefflich wiedergegeben.

Im DWF (Deutsche Welle Fernsehen) sah ich heute einen Kommentar, der davon sprach, dass solche Terroristen ernst genommen werden sollten und die Ausländerpolitik in Europa besser geregelt werden müsse. Mir fiel das Frühstück dabei fast aus dem Gesicht. Wäre es ein Islamist gewesen, es wäre übrigens der gleiche Kommentar gewesen, aber mit noch wesentlich härter geforderten Gangarten wie Überwachung von Moscheen, Überwachung ausländischer Gruppierungen, Strafe bei Nicht-Integration usw. usf.. Vielleicht hätte auch jemand eine Bestrafung des Berliner Türken gefordert, der den vorsätzlich provozierenden Sarazin mit seinem Kamerateam aus seinem Lokal warf (was ja bereits die BILD-Zeitung indirekt als bestrafungswürdige Häresie wertete).
Nun war es aber keine unrasierte, dunkelhäutige mit gegelten schwarzen Haaren daher-gelaufene Pluderhose, sondern ein blondes, blauäugiges, sauber rasiert und gescheiteltes Bürschlein. Ein ausgewachsenes Jüngelchen, welches mit voller Ratio und hinterhältiger Planung zum Massenmörder wurde und sich inzwischen damit auch noch brüstet, insbesondere Sozialisten getötet zu haben.

Dass der Junge nun nicht wirklich ins derzeitige Raster der gewollten Terror-Ausübenden passt, wird viele nicht daran hindern, neue Daumenschraubengesetze gegen diejenigen zu verhängen, die damit nicht das geringste zu tun haben. Im Namen der Freiheit werden Freiheiten eingeschränkt werden. Das ist so sicher, wie bei bestimmten „Christen“ das Amen in der Kirche.

Von den Attentaten hatte ich zuerst nichts mitbekommen, weil ich auf einer Rückreise aus den USA war. Gewundert hatte ich mich am Tage der Attentate lediglich, dass die USA-Ausreise so langwierig wurde. Aber wer die USA-Einreise kennt, den wundert so etwas nicht wirklich. Als ich dann am nächsten Morgen landete und meinen Koffer vom Band holte, fiel mir erst zu Hause auf, dass eines meiner TSA-Schlösser (http://de.wikipedia.org/wiki/TSA-Schloss) fehlte. Es war zusammen mit einer Reißverschlusslasche abgerissen worden (die andere Lasche befand sich kurioserweise verbogen noch dran, so dass das Schloss wohl entweder gewaltsam geöffnet oder gleich zerstörerisch herunter gerissen worden sein musste, wobei die andere Lasche vom Koffer gerissen wurde). Mein Koffer war offensichtlich durchsucht worden. Der Grund präsentierte sich mir auch gleich: Meine vor der Rückreise geleerte Kunststoffwasserflasche. Geöffnet fand ich sie sich in meinem Koffer, obwohl ich sie vorher verschlossen hatte, damit der Rest Wasser nicht auslaufen sollte.
Ja, es war dumm von mir, eine leere Kunststoffwasserflasche im Koffer zu haben. Da sieht der Zöllner am Scanner nichts drin. Keine Flüssigkeit. Nichts. Es könnte ja also auch Gas drin gewesen sein. Richtig dämlich, nicht wahr. So etwas tut man auch nicht.
Aber welches Arsch nimmt sich trotz nicht billigem und für Zöllner jederzeit aufschließbaren TSA-Zahlenschloss (15 Euro das Schloss) heraus, erstens dieses gewaltsam zu entfernen und zweitens meinen Koffer zu beschädigen? Ist das mein Preis für diese deren verdammte Terror-Paranoia?
Super.
Eeeeeeeeeecht toll.
Stürzen die meisten Flugzeuge etwa wegen Terroranschläge ab? Als die Air-France-Maschine zwischen Rio de Janeiro und Paris im Atlantik abstürzte, waren die ersten Vermutungen gleich beim Terrorismus und der „Achse des Bösens“.
Klar, es gibt sie, die Oberärsche, die meinen, Attentate öffnen einem das Tor zur Ruhmeshalle oder zu politischen Lösungen. Ich bezweifle es nicht, dass es solche Gefährliche gibt.
Aber irgendwo hört die Vernunft auf und der Wahnsinn fängt an.
Und das nicht ausschließlich bei Terroristen.

Die Journalisten-Kommentare, die ich inzwischen zu dem Terroranschlag von rechts las, passen zu meinem Erlebnis. Alte Wild-West-Masche: Erst schießen, dann fragen. Und wenn wer dafür seinen Preis zahlen muss, heißt es entschuldigend „Kollateralschaden“. Dann muss auch niemand das zahlen, was eh da ein anderer schon bezahlt hat. So etwas nennt man in der Industrie geflissentlich auch „Eh-da“-Kosten.

Sogenannte Experten (in Regierungen und vor den Kameras und Mikrofonen der Auflagen-hinterher-Hechelnden sind sie eh da … es geht um Werbegelder und Werbeminuten; wer kein attraktives Programm hat, kriegt kein Geld mehr auf dem Markt zusammen und geht im Sinne von „Angebot und Nachfrage“ dem Gang aller wirtschaftlich erfolglosen Unternehmen, den neoliberalistischen Gang …). Und die Exekutiven spielen Hand in Hand.
Teamwork.
Und wir sollen alle brav mitspielen. Respektive mitarbeiten.
Die einen bauen die Pyramide und die anderen haben die Aufpasser und Pläne dazu. Und wir alle spielen brav mit. Denn wir finden Pyramiden toll. Letztendlich können wir darin unsere Freiheit in goldenen Särgen reinstellen. Ist das etwa nichts?

Als 2001 9/11 geschah, waren sich Kommentatoren darüber einig, dass jenes das Ende der „Spaßgesellschaft“ sein müsse. Denn angesichts solch eines ernsten Terroranschlags wäre es unglaublich, dass solche Dinge wie „Love Parade“, Raves und Hedonismus noch eine Berechtigung hätten.

Über zehn Jahre zuvor, Anfang der 1990er wurde in Deutschland der Karneval abgesagt. Denn wenn andere sterben würden (Golf Krieg No. 2, auch unter dem Begriff „Desert Storm“ bekannt), dürfen andere nicht feiern.

Jetzt, 10 Jahre später – wir schreiben das Jahr 2011 -, ertönen bereits die Kommentare, dass Länder zu sehr offen sein können, dass Europa in der Ausländerpolitik irre. Wohlgemerkt, es wird bereits nicht darüber diskutiert, wie gegen Terror von Rechts vorgegangen werden soll, sondern wie rechte Terroristen durch Politikwandel beruhigt werden können.

Selbsternannte Experten aus dem journalistischen „Allzeit-bereit-Experten“-Pool erklären uns, warum uns ein Massenmörder nicht schrecken sollte. Solche „Experten“ füllen Seiten und Sendezeiten. Oder wie BILD darüber unter dem Titel „Wie gefährlich ist dieser Täter-Typus?“ schrieb (ich zitiere lediglich den ersten und den letzten Satz; der Rest dazwischen unterstreicht beides):

Fanatische Einzelgänger oder Amokläufer erschießen nicht selten Dutzende Menschen. […] „Mit diesem Risiko müssen wir leben.“

Quelle des Zitats aus der BILD-Unterseite …/politik/ausland/norwegen-massaker/anders-breivik-wie-gefaehrlich-ist-dieser-taeter-typus-19027034.bild.html
Da muss ich mir mal den polemischen Zwischenruf gestatten dürfen: Wer redet da eigentlich noch von Fachkräftemangel in Deutschland, bei solchen Experten?

Bislang lese ich nicht vieles, was darauf hindeutet, was getan wird, um den Terror von rechten Menschen zu bekämpfen, außer dass man denen nachgeben will, indem man auf deren Forderungen mit Kompromissen eingehen könnte. Eher wird immer wieder darauf hingewiesen, dass es sich um ein Einzeltäter handele und dass Norwegen eine zu freie Gesellschaft sei, aufgrund dessen ein Einzeltäter zum Schluss kam, ein Massaker in Oslo und auf einer Insel zu realisieren.
Wie heißt es doch immer wieder in bestimmten Kreisen: Wozu brauch ich staatlicherseits im Hirn ein erhellendes 100-Watt-Lämpchen, wenn die ganzen Watt gleich in die Exekutive und ihre Oberarme gesteckt werden?

Naja, ich vermute insgesamt wird wieder die Freiheit ein Opfer der Journalisten und Politiker werden. Es wird so kommen, wie es in den letzten Zeiten immer kam: Im Namen der Freiheit werden Freiheiten eingeschränkt. Als Koonzession den Linken und Rechten gegenüber.
Aufklärung dagegen und über die verursachenden Grundübel wird seitens solchen Parteien nicht betrieben, denn Wissen ist Macht. Und es soll doch so bleiben, dass alle Macht vom Volke ausgeht und nicht, dass es zum Volke zurückkehrt.
Wie immer.
Freiheit ist gefährlich. Für Linke insbesondere wie für Rechte.
Wir warten auf deren Einschränkungen.
Im Namen der Freiheit.

Die Freiheit
(von Georg Danzer)

Vor ein paar Tagen ging ich in den Zoo,
die Sonne schien, mir war ums Herz so froh.
Vor einem Käfig sah ich Leute stehn,
da ging ich hin, um mir das näher anzusehn.

„Nicht füttern“ stand auf einem großen Schild
und „bitte auch nicht reizen, da sehr wild!“
Erwachsene und Kinder schauten dumm,
und nur ein Wärter schaute grimmig und sehr stumm.

Ich fragte ihn: „wie heißt denn dieses Tier?“
„Das ist die Freiheit!“ sagte er zu mir,
„die gibt es jetzt so selten auf der Welt,
drum wird sie hier für wenig Geld zur Schau gestellt.“

Ich schaute und ich sagte: „Lieber Herr!
Ich seh ja nichts, der Käfig ist doch leer!“
„Das ist ja grade“, sagte er, „der Gag!
Man sperrt sie ein und augenblicklich ist sie weg!

Die Freiheit ist ein wundersames Tier
und manche Menschen haben Angst vor ihr.
Doch hinter Gitterstäben geht sie ein,
denn nur in Freiheit kann die Freiheit Freiheit sein.

Persönliches Akzeptieren nicht idealer Katastrophen = P.A.N.I.K.

Hallo, Herr Nachbar! Wie geht’s?

Jaja, dieses neue Krankheit, diese EHEC, die ist echt gefährlich.

Jaja, in unsere Firma haben die inzwischen neue Klobrillen montiert. Die aus den Autobahnraststätten.

Nein, doch nicht die verklebten Zugeschissenen. Sondern die, die da wo die Brille sich durch einen Desinfektionsschwamm drehen lässt.

Wie? Die kennen Sie nicht? Na, da müssen Sie mal wieder die Autobahn fahren. Da lernen Sie die kennen. Ich sag nur, High Tech. Sie drücken nen Knopf und bzzzzzzzzzzzzzzt, dreht sich die Brille. Einfach genial. Nur, wenn Sie gerade während Ihres großen Geschäfts auf den Knopf drücken. Dann geht’s aber rund, he he he.

Nein, wir haben in der Firma noch keinen Fall. Aber man kann nie wissen. Die Kantine hatte letztens Gurkensalat ausgegeben. Hat keiner angepackt. Ich auch nicht, bin doch nicht blöd. Zu viel Naturkost schadet.

Wie? Die Gurken waren es nicht? Wer denn nu?

Aber einer muss es doch gewesen sein! So einfach kann man uns doch nicht abspeisen.

Das hängt sicher mit der EURO-Krise zusammen. Jeder kennt den Griechischen Salat, den mit den vielen Gurken. Und dann Gurken aus Spanien. Alles Krisenländer. Die wollen uns vergiften.

Ja, hab ich verstanden, die Gurken waren es nicht. Ich tippe eh auf Italien. Bei soviel Zügellosigkeit, Bunga-Bunga und so, EHEC kommt garantiert aus Italien.

Durch Nachdenken bin ich draufgekommen.

Freilich kann ich das. Reine Logik, Herr Nachbar. Hab schließlich Abitur, ne.

Gut, für nen Doktor hat es nicht gelangt. Aber dafür war ich West-Paderborner Stadtmeister in Mikado.

Nein, nein, nix Stäbchen oder Beamten-Mikado. Mikado ist eine Kampfsportart. Damit kann man aus nem Herrenfahrrad ein Damenfahrrad machen.

Jaja. Was ich sagen wollt, das EHEC ist sicher italienisch. Durchfall, den kriegt man auch, wenne zu viel Fett isst. Und da sind mir die Fettuchini eingefallen, nicht wahr. Da steckt das Fett doch schon im Namen. Und dann bin ich auch noch persönlich bedroht. Bei mir ist noch ne Packung Fettuchini im Schrank. Die werd‘ ich weg werfen. Sicher ist sicher.

Och, das meinen die nur. Bakterien, ha. Glaub ich nicht, ich kau immer alles sorgsam durch, da gehen die dabei kaputt, werden von mir höchstpersönlich total zermamlt. Nein, nein, ich glaub eher, das EHEC kommt aus Italien. Die Ihtacker wollen davon ablenken, dass die bei dem ganzen Bunga-Bunga den Euro versenken. Das ist ne Geschlechtskrankheit, nicht wahr. Bunga-Bunga, wissen se?

Wie? Na denn, auch noch schönen Abend. Und Gummi nicht vergessen, sonst gibt’s Durchfall!

So ein Arsch. Hat’s Fenster zugeknallt. Wahrscheinlich auch so ein Hinterlader. Wenn 2/3 der Durchfall-Erkrankten nu Frauen sein sollen und Gurken verdächtig sind, das sagt doch schon alles. Ich wette, EHEC kommt vom zu vielen Bunga-Bunga. Die sollten sich mal alle beherrschen, dann gäb es auch weniger Krankheiten auf dieser Welt, nicht wahr …

Blick zurück in den Zorn (oder: Kernschmelze des Vertrauens)

Anfang 1987 fand der damals frisch eingestellte Geschäftsführer der Hanauer Atomfirma „Transnuklear“, Hans-Joachim Fischer, falsche und überhöhte Abrechnungen der Abteilung „Radioaktive Abfälle“ auf. Fischer erstatte Anzeige wegen Veruntreuung von Firmengeldern. Im April 1987 begannen die umfangreichen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Ende 1987 erreichte der Skandal für nicht möglich gedachte Dimensionen. Kontaminierte Abfälle mit den radioaktiven Elementen Kobald 80 und Plutonium waren in Fässern als harmlosere Abfallstoffe deklariert worden. Diese Umdeklarierung hatten sich mehrere Mitarbeiter der Hanauer Firma „Transnuklear“ sehr gut bezahlen lassen. Fünfzehn Millionen D-Mark Schmiergelder sollen es gewesen sein.
Anfang Dezember tauchten dann die ersten falsch deklarierten Fässer bei der Preussag in Hannover auf. Immer mehr falsche Lieferungen wurden im Dezember letztendlich bei anderen Firmen entdeckt. Am Ende waren es 1942 Fässer. Kurz vor Silvester ’87 hatte der Skandal seinen Höhepunkt erreicht.

Die Firma SIEMENS war dabei im Atomdorf bei Hanau für ca. eine Milliarde D-Mark, eine Anlage zur Produktion von Mox-Brennelementen zu errichten. Das brisante dabei war, dass in Mox-Brennelemente das nach dem Höllenfürsten Pluton benannte Plutonium eingebaut wird. Mox-Brennstäbe bestehen aus einem Uran-Plutonium-Mischoxid.
Das Brennelementewerk sollte das bei der dort ebenfalls geplanten Wiederaufarbeitung von Brennstäben anfallende Plutonium zu MOX-Brennelementen verarbeiten. Die SIEMENS stellte die Anlage zwar fertig, konnte sie aber nie in Betrieb nehmen und verzichtet 1995 komplett auf die Pläne zur Inbetriebnahme.

Zuvor positionierte sich SIEMENS mit seinen Plänen bereits, nachdem sie im Umfeld des Hanauer Bestechungskandals ahnte, dass deren Pläne zum Umsetzen der Anlage problematisch werden würden.
Der Super-Gau von Tschernobyl aus dem Jahr 1986 war noch frisch in Erinnerung. Im September 1988 wurden 100 Eisenbahnwaggons mit Cäsium 137 verstrahlter Molke bei Rosenheim aufgefunden. Die Süßwarenfirma Ferrero stellte ihre Bewerbung deren Produkt „Ferrero Rocher“ mit dem Werbezusatz „mit Bizantiner Königsnüssen“ ein, denn nachdem die Bevölkerung mitbekam, wo Byzanz lag und wie es mit der Kontaminierung u.a.a. von Haselnüssen damals generell aussah.

Der im September 1998 gestorbene SIEMENS-Vorstandsvorsitzende Karlheinz Kaske sprach am 2. Februar 1988 in einer Münchener Pressekonferenz über den damaligen Skandal bei den Hanauer Atomfirmen. Zu einer möglichen Gefährdung durch falsch deklarierte Atommüllfässer meinte er:

„Nur 0,2 Milligramm Plutonium war in den Fässern. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.“

Vielleicht hatte Karlheinz Kaske den damaligen Bayerischer Staatsminister für Umweltfragen Alfred Dick (CSU) als Vorbild. Dieser hatte im September 1988 medienwirksam einen Teelöffel Molke, welche mit Cäsium 137 belastete war und aus den 100 Rosenheimer Eisenbahnwagon stammte, vor laufender Kamera gegessen und dessen angebliche Ungefährlichkeit mit den Worten „Des tut mir nix!“ kommentiert.

Nur, hätte der Atom-Gourmet Kaske das gleiche mit einem Teelöffel Plutonium verseuchten Lebensmittel getan, ihm wäre ein Staatsbegräbnis sicher gewesen. Seinen Worten des „auf der Zunge zergehen lassen“ folgten keine Taten.
Ein Milligramm Plutonium strahlt mit 2,5 Millionen Becquerel. In Konsequenz nach den Strahlenschutzverordnungen Deutschlands hätte dann aber die Aussegnungshalle als „radioaktiv“ und der Friedhof als „strahlengefährdetes Gebiet“ gekennzeichnet werden müssen. Mit 0,2 Milligramm Plutonium lassen sich langfristig 5.000 Menschen in Gräbern befördern, welche dann für die nächsten 100.000 Jahre Sperrgebiet wären. Das würde sich niemand einfach mal so auf der Zunge zergehen lassen, wie es der damalige SIEMENS Vorstandsvorsitzende Kaske lächelnd in die Kameras verkündete.

Die Bemerkung von Karlheinz Kaske war damals von den Medien als Beruhigungsmittel gedacht gewesen. Die Bemerkung fiel in einer durch die Hanauer Atomfabriken „Nukem“ und „Alkem“ aufgeregten Athmosphäre. Und, sie wirkte. Die Bevölkerung war beruhigter.

Jetzt wurde in der Umgebung von Fukushima Spuren von Plutonium nachgewiesen. Spuren von Plutonium. Wer möchte sich diese auf der Zunge zergehen lassen?

Vielleicht könnten sich diejenigen freiwillig zum Kernbrennstäbe putzen melden, welche jetzt meinen, dieser Fund wäre unbedenklich. TEPCO sucht sicherlich noch paar Freiwillige in Schutzanzügen, die deren schmelzende Brennstäbe runterkühlen … .

Quelle des Zitats von Karlheinz Kaske: „Süddeutsche Zeitung“ vom 3.2.1988, Nr. 27

Ein wichtiger Hinweis

Ein guter Artikel.
Ein sehr guter Artikel.
http://tautenhahn.blog.de/2011/03/26/woche-zeichen-krisen-10894220/
Vielleicht macht er ohnmächtig. Aber er steht in der (jungen) Tradtion (?) von Stéphane Hessel Buchs „EMPÖRT EUCH“.
Der Autor des Artikels mag streitbar sein und nicht immer stimme ich ihm zu, aber dieser Artikel gebührt meine Empfehlung.

Gedanken von mir dazu finden sich hier:
http://tautenhahn.blog.de/2011/03/26/woche-zeichen-krisen-10894220/#c15386198
Aber es sind nur wenige Gedanken zu einem so guten Artikel.
Danke, Andre.

Urknall des Überlebenskampfes: Am Anfang war das Feuer …

ueberlebenskampf
Na also, es geht doch. Die ersten Bilder aus Lybien. Ganz ohne Zensur von Gaddafi. Fast so schöne Explosionswolken wie bei „Stirb langsam II“. Yippeajei, Schweinebacke!

… Und ganz oben wird der geneigte Leser wiederfinden, dass auch „1860 München“ ums Überleben kämpft …

So ist das Leben.
Ein feuriger Überlebenskampf …

Libyen, eine deutsche Blamage und was uns sonst noch fehlt …

Da tobt also die Presse von links bis rechts:
Westerwelle habe Deutschland blamiert.

So was dummes aber auch.
Da hat Deutschland gerade mal nen temporären Platz in der UN-Sicherheitsexpertenrunde und da macht das D-Land nicht das, was alle machen: Kriegerische Handlungen absegnen.

Wenn ich die renommierten Zeitungen jenseits des Boulevards lese, dann kommt mir der Eindruck, Deutschland habe einer dummen Minderheit gefolgt, den Einsatz gegen Libyen nicht zu legitimieren. Minderheit.
Wenn man dann so am Rande liest, dass die BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China) sich ebenfalls nicht für einen Militäreinsatz in Libyen …

Moment! Über Libyen. Denn es ging um die Lufthoheit in Libyen, nicht um die Bodenhoheit. Das sollte nicht vergessen werden, wenn Panzer und Truppen vor Bengasi aus der Luft von alliierten Kampfflugzeugen angegriffen werden. Panzer und Truppen können bekanntlich nicht fliegen, aber dieses Detail interessiert niemand. Eine UN-Entscheidung wird mal locker zum Gummiband degeneriert.
Flugverbotszone?
Haut weg, die Truppen von Gaddafi. Mit Bomben und Raketen. Schließlich geht es um den Schutz der apostrophierten „demokratischen“ Rebellen. Rebellen gegen Diktatoren sind automatisch gut.
Und schützenswert.
Sowieso.

Na, da werden wir ja wohl mit dem Angriff gegen Libyen auch militärisch die Bewegungen in Bahrain unterstützen, die niedergeschossen wird. Und die Widersacher bei den Diktatoren der Saudis demokratisierend aufräumen. Und überhaupt die seit 20 Jahren erwartete Demokratie in Kuwait, die soll dann wohl auch mit dem Frühlingsanfang endlich Einzug halten … .

Wurde eigentlich damals in der UNO in Sachen „Dafur-Konflikt“ (Sudan) genauso für einen Eingriff parliert? Hm. War da was? Ich glaube nicht.

Und Somalia? Ich mein, gleich eingreifen und die Piratenfraktion das Lebensgrundrecht entziehen. Was ist mit Kenia? Stimmt. Da wollten wir ja Waffen hinliefern, die uns die somalischen Piraten entführt hatten. Seitdem kreuzen dort Schiffe der Armeen und bewachen die Rüstungsexporte. Kenia gut, Somalia schlecht. Beide Länder sind alles andere als freiheitlich und demokratisch zu klassifizieren. Das eine entspricht Afghanistan, das andere liegt so zwischen Mubarak und Gaddafi.

Und was ist mit China? Dort werden politische Gegner gleich weg gesperrt und erhängt von den dortigen blutrünstigen Machthabern! Die sind genauso so wenig zimperlich wie der Herr Gaddafi. Wieso greift in China niemand ein? Ach, stimmt. Ich vergaß. Wir machen dort ja gute Geschäfte und der chinesische Markt hilft uns aus der Krise. Da sind uns die Demokratiebestrebungen der Leute dort herzlichst egal.

Nur Libyen, die Obersau von Terrorist, der Lockerbie-Bomber, der hatte sein Land nicht mehr im Griff. Vorher war ja alles so toll. Der Gaddafi, sein Öl, seine Armee, welches als Bollwerk für die EU taugte. Und jetzt haut der mit den Rüstungsgütern, die er sich von den Waffenhändlern der 1. Welt zusammen gekauft hat, seine Bürger kaputt. Und der Ölexport nach Europa klappt auch nicht mehr, stattdessen nur Boat People, die nur wegen des Wohlstandes nach EU kommen…

NATOd, übernehmen Sie.

IMHO haben sich unsere oberen Herrschaften Deutschlands, die Westwelles und Merkels, bereits schon lange vorher blamiert, dass sie Nordafrikanische Staaten als stabile und unterstützendwerte Länder klassifizierten, welches sie wohlwollend betrachteten. Und eine wie auch immer geartete Blamage kam nicht mit der Enthaltung im UN-Sicherheitsrat, wo Deutschland am gleichen Strick wie die BRIC-Staaten (Vertreter der Mehrheit der Menschen dieses Globus, so am Rande mal erwähnt, was ich jetzt mal nicht als deren moralische Legitimation verstanden wissen möchte, aber das ist USA und EU ja auch nicht) gezogen hat. Ist ja freilich verwerflich…

Wer es vergessen haben sollte, Haiti liegt immer noch im Erdbebenschutt, den auch Japan gerade neben seiner AKW-Zerstörung bekämpft. Das letztere Land interessiert uns aber erheblich stärker als Haiti oder den 30000 Flüchtlingen in Brasilien wegen den Regenüberschwemmungen.
Oder will wer wissen, dass im worst-case BMW und Daimler seine Produktion hier einstellen muss, weil wichtige elektronische Schaltteile in Japan nicht mehr hergestllt werden?
Eben.
Was ist Haiti uns wert, wenn Japans Wirtschaft Brüderles „XXL-Aufschwung“ im Exportbereich hindern könnte.

Und was hat das mit Gaddafi und der Sperrung seines Luftraums zu tun?
Nun, ich weiß allerdings, dass Gaddafis Sohn den bayrischen KTG in seiner Copy&Paste-Leistung übertroffen hat (die Internetschwarmintelligenz demaskiert inzwischen auch dessen Doktorarbeit und Gaddafis Sohn war ein erheblich besserer Kopierer als KTG), dass Gaddafis Familie vor einem Jahr auf dem Wiener Opernball noch ein gern gesehener Gast war, dass Gaddafi selber vormals in der EU keine persona-non-grata war.
Weil aber die Widerstandsbewegung gegen Gaddafi sich als Windei herausgestellt hat, wollen alle von außen eingreifen. In Tibet, Birma, Dafur und in anderen Ländern wurde zugeschaut. Warum nur?

Dieses Eingreifen ist in meinen Augen ein erneuter Sündenfall und dass Deutschland dabei nicht mitspielt, hat nichts mit moralischer Überlegenheit zu tun, sondern eher von dem Gleichnis von dem mit Blindheit geschlagenen Huhn, der neben dem Gockel auch mal groß da stehen möchte.

Aus dem Bürgerkrieg wurde ein internationaler Krieg.

Wenn der Wind weht

“Ich kann heute nicht erkennen, dass unsere Kernkraftwerke nicht sicher sind, sonst müsste ich ja mit meinem Amtseid sie sofort abschalten,” sagte heute die Kanzlerin Angela Merkel.

Wie versprach sie noch den Bürgern am 6.9.2010, nachdem die Laufzeitverlängerung als mit dem absurden Begriff dieser als „Revolution in der Energieversorgung“ den Medien verkauft wurde:
„… dass die Unternehmen auch in den nächsten Jahren noch erhebliche Summen in die Sicherheit investieren müssen. Denn Sicherheit geht vor und wir haben heute schon die sichersten Kernkraftwerke der Welt.“

Die WDR-Sendung Monitor berichtete am 9.9.2010 unter dem Titel „Bundesregierung will Sicherheitsstandards für Atomkraftwerke senken“ folgendes:
„Denn laut Bund-Länder-Liste müssen wichtige Nachrüstungen erst mittel- bis langfristig erfolgen. Beispiele: Die Vergrößerung der Flutbehälter, wichtig, für den Fall, dass das Kühlsystem des Reaktors ausfällt. Auf die lange Bank geschoben, ebenso die Trennung redundanter Sicherheitseinrichtungen. Also Systeme, die im Notfall unabhängig voneinander funktionieren sollen. Später vielleicht. Und auch der Austausch der Rohrleitungen. Laut Papier nicht so dringlich.“

Wie gut, dass die Flutbehälter nicht groß genug sind, dass Notsysteme offensichtlich voneinander abhängig sind und dass die Rohrleitungen auch nicht mehr dem aktuellen Standard entsprechen.

Wetten, dass Frau Merkel auch morgen mit ihrem Amtseid die AKWs nicht abschalten wird?
Denn an sich ist das ja nicht wichtig. Angesichts der sich materialisierten „worst case“-Szenarien im japanischen AKW „Fukushima-1“. Denn der Wind bläst ja momentan gen Pazifik.
Und alles ist gut …

… ob ich noch meine bereits geplante Dienstreise nach Japan antreten darf? …